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Nationalflagge (© gulfevasion.com)

Geschichte, Staat und Politik

Alle wichtigen Strukturdaten zu Geschichte und Staat
BeschreibungInhalt
Tag der Unabhängigkeit:02.12.1971
Staatsoberhaupt:Sheikh Khalifah Bin Zayed Al Nahyan
Regierungschef:Sheikh Mohammed Bin Rashed Al Maktoom
Politisches System:Förderation von 7 autonomen Emiraten
Demokratie Status- Index (BTI):2012: Rang 90 (von 128)
Korruptionsindex (CPI):2013: Rang 28 (von 178)

Inhalte dieser Seite

Das LIPortal

V. A. Emirate

Geschichte

... in Zahlen

Eine erste Orientierung zur Geschichte ...

4. Jt. v.Chr. früheste Besiedlung

4.-7.Jh. Gebiet der heutigen Emirate Teil des persischen Sassanidenreiches

630       Islamisierung der Golfregion

16. Jh.  Osmanisches Reich und Portugal konkurrieren um die Region

              an der Golfküste

1837    Dubai spaltet sich von Abu Dhabi ab und wird selbstständig

1853    Beginn der britischen Schutzherrschaft über die "Trucial States"

1958    Erste Ölfunde in den Küstengewässern von Abu Dhabi

1962    Beginn der kommerziellen Ölförderung in Abu Dhabi

1971    Gründung der Vereinigten Arabischen Emirate (2.12.), Sheikh

              Zayed Bin Sultan Al Nahyan, Emir von Abu Dhabi, wird Präsident

1972    Ras al-Khaimah tritt als 7. Emirat der Föderation bei (10.2.)

1981    VAE sind Gründungsmitglied des GCC (Februar)

1991    VAE beteiligen sich am Krieg gegen Irak zur Befreiung Kuwaits

1996    Provisorische Verfassung wird als permanente angenommen,

              feste Hauptstadt: Abu Dhabi

2003    VAE beteiligen sich nicht militärisch am Sturz Saddam Husseins,

              unterstützen die Aktion aber indirekt (ab 18.2.)

2004    Sheikh Zayed Bin Sultan stirbt 86-jährig, sein Sohn Khalifah Bin Zayed

              wird Nachfolger

2006    Sheikh Mohammed Bin Rashed Al Maktoum wird neuer Herrscher von

              Dubai (5.1.)

2010    Bundeskanzlerin Merkel besucht die VAE, Unterzeichnung mehrerer

              bilateraler Abkommen (25.5.)

2011    VAE beteiligen sich mit 500 Polizisten an der Befriedung der Situation in

              Bahrain (ab 14.3.)

... von der Prähistorie zu den Trucial States

Grab der Umm an-Nar-Kultur  © H. Walther
Grab der Umm an-Nar-Kultur © H. Walther

Der 2004 verstorbene Präsident Sheikh Zayed Bin Sultan Al Nahyan soll gesagt haben: "Ein Volk ohne Geschichte hat keine Gegenwart und erst recht keine Zukunft". Aber auch die VAE haben eine Geschichte - und die geht weit zurück!

Prähistorie

Funde in Abu Dhabi und Sharjah lassen vermuten, dass erste feste Siedlungen bereits vor 7500 Jahren existierten. In diesem frühen Stadium gab es schon Verbindungen zu anderen Zivilisationen im Norden, insbesondere zu Mesopotamien. Diese Kontakte dauerten an und dehnten sich, möglicherweise aufgrund des Handels mit Kupfer aus dem Hajar-Gebirge, immer weiter aus. Auch die Funde auf der bei Abu Dhabi gelegenen Insel Umm an-Nar lassen auf eine Besiedlung der Gegend im 4. Jt. v. Chr. schließen. Als das Klima zunehmend trockener wurde, konzentrierten sich die  Bewohner in den befestigten Oasen auf die Landwirtschaft. Die Entwicklung neuer Bewässerungsmethoden, vor allem das Falaj-System ermöglichte eine umfassende Irrigation landwirtschaftlicher Flächen, was zu einer starken Besiedlungszunahme in der Region führte.

Die Geschichte geht weiter, die Region unter dem Banner des Islam

Der Fernhandel, der stets ein wichtiger Faktor in der Geschichte dieser Region war, florierte weiter, sicher auch bedingt durch die Domestizierung des Kamels Ende des 2. Jt. v. Chr. Im 1. Jh. n. Chr. herrschte reger Karawanenverkehr über Land bis hin nach Irak und Syrien. Um 630 kam die Region unter das Banner des Islam, fiel aber nach dem Tode des Propheten Muhammad 632 von der neuen Religion zunächst wieder ab. In den Ridda-Kriegen wurden die abtrünnigen Muslime in der Nähe von Dibba besiegt und damit der endgültige Triumph des Islam auf der Arabischen Halbinsel besiegelt.

Im 16. Jh. kam die Golfregion zunächst unter die Kontrolle der türkischen Osmanen, die wenige Jahre später von den Portugiesen vertrieben wurden. Für die Sicherung ihrer Handelsrouten nach Indien errichteten diese eine Reihe von militärischen Stützpunkten im östlichen Bereich des Golfs.

Erst Piraten und dann Trucial States

Bevor in der zweiten Hälfte des 19. Jh. die nächste europäische Seemacht, die Briten, verstärkt Interesse an der Region zeigte - der Grund war auch hier Indien - ließ sich um 1750 der Stamm der Qawasim an der südlichen Golfküste nieder. Er betrieb vor allem Perlenfischerei, war aber ebenso der lukrativen Piraterie gegen Handelsschiffe zugetan. Als letztere immer mehr auch den Indienhandel bedrohte, ging Großbritannien mehrfach militärisch gegen die Piraten vor. Ein erster im Januar 1820 mit den Qawasim abgeschlossener Friedensvertrag, auch "Vorläufiges Abkommen" genannt, brachte wenig Erfolg, denn die Übergriffe auf Handelsschiffe gingen weiter. 1837 schließlich kam es zu einem dauerhaften Vertrag, des "Treaty of Peace in Perpetuity", der allerdings erst am 4. Mai 1853 von allen Beteiligten gebilligt wurde. In der Folgezeit wurden die Emirate zu quasi-britischen Protektoraten, und deshalb oft als Trucial States  ("Vertragstaaten") bezeichnet. Späterhin, 1892, kam es zu einem weiteren Vertrag zwischen Großbritannien und einigen Emiraten am Golf, der u.a. festlegte, dass - bei Wahrung der inneren Autonomie - ohne britische Zustimmung keiner der Emire Beziehungen mit anderen Staaten eingehen oder Land an diese verkaufen durfte. Das hatte mit der Entdeckung von Erdöl in der Region die Konsequenz, dass nur britischen bzw. britisch dominierten Ölfirmen (IPC = Iraq Petroleum Company bzw. später PTDC = Petroleum Devolopment Trucial Coast Limited) die Erkundung und Exploration gestattet waren. Als Gegenleistung versprachen die Briten den Schutz der Trucial States gegen Angriffe von Land und See.

Flagge der Trucial States
Flagge der Trucial States © Svyatoslav, public domain

1967 gab Großbritannien bekannt, bis Ende 1971 seine Militärstützpunkte und alle anderen Verpflichtungen östlich des Suezkanals (bekannt als "East of Suez"-Politik) aufzugeben. Das hätte auch das Ende der Schutzverträge mit den Gebieten am Golf zum 31. Dezember 1971 zur Folge gehabt.

... die Gründung der VAE

Sheikh Zayid Al Nahyan und Sheikh Rashid Al Maktoom (Dubai) 1972 © UAE Government
Zayid Al Nahyan und Rashid Al Maktoom 1972 © UAE Government

Bereits ab Mitte der 1960er Jahre unternahmen Abu Dhabi und Dubai die ersten Schritte zur Schaffung einer Förderation Arabischer Emirate am Golf, einschließlich Bahrain und Qatar/Katar. Beide lehnten letztlich die Mitgliedschaft ab und wurden als separate Staaten unabhängig: Bahrain am 14.8.1971 und Qatar am 3.9.1971. Im Februar 1968 kamen die Herrscher der sieben Emirate in Dubai zusammen und unterzeichneten ein Abkommen über die Gründung der Union der Vereinigten Arabischen Emirate. Im darauffolgenden Jahr wurden dann Vereinigten Arabischen Emirate proklamiert. Sheikh Zayed Bin Sultan Al Nahyan wurde zum ersten Präsidenten des neuen Staates und Sheikh Rashid Bin Said Al Maktoom zum Vizepräsidenten gewählt. Nachdem Großbritannien Anfang Dezember 1971 die Trucial States aufgelöst und die einzelnen Emirate in die Unabhängigkeit entlassen hatte, wurden am 2. Dezember 1971 die Vereinigten Arabischen Emirate zur Realität. Dieser Tag gilt als offizieller Gründungstag und ist heute Nationalfeiertag. Am 10. Februar 1972 trat Ras al-Khaimah als siebtes Emirat der Vereinigung bei. Aufgrund der territorialen Größe und der gewaltigen finanziellen Resourcen Abu Dhabis und - last but not least - der herausragenden Rolle Sheikhs Zayids im Gründungsprozess anerkannten die übrigen ("kleineren") sechs Emirate von Anfang an die Führungsrolle Abu Dhabis in der Förderation. 

Der Gründer: Zayed Bin Sultan Al Nahyan

Sheikh Zayed Bin Sultan Al Nahyan
Sheikh Zayed Al Nahyan 1972 Quelle: VAE-Post

Auch die Zeit nach der Gründung der VAE ist untrennbar mit Sheikh Zayed Bin Sultan Al Nahyan verbunden. In al-Ain, wo er 1918 geboren wurde, begann sein politisches Wirken, als sein Bruder Sheikh Shakhbout Bin Sultan und Herrscher von Abu Dhabi ihn 1946 das Amt des Gouverneurs der Oase übertrug. Zwanzig Jahre später, am 6. August 1966, stürzte er mit Unterstützung seiner Familie und letztlich auch der Briten seinen Bruder in einem unblutigen Putsch und übernahm selbst das Herrscheramt, das er bis zu seinem Tode am 2. November 2004 innehatte. Zunächst konzentrierte er sich auf die allseitige Entwicklung des Emirats Abu Dhabi, was durch die Ölmilliarden wesentlich erleichtert wurde. Im Zeitraum 1968 bis 2002 wurden für diverse Entwicklungsprojekte in Abu Dhabi selbst mehr als 162 Mrd. Dirham (ca. 32 Mrd. EUR) ausgegeben.

Gewissermaßen als Doppelfunktion hatte er gleichzeitig das Amt des Präsidenten der VAE inne, ebenfalls bis zu seinem Tode. Ihm ist es vor allem zu verdanken, dass sich die VAE innerhalb weniger Jahre zu einem allseitig prosperierenden Staat entwickeln konnten. Seine Person wird bis heute verehrt, darunter auch immer wieder auf Briefmarkenausgaben der VAE-Post.

Der Präsident: Khalifah Bin Zayed Al Nahyan

VAE-Präsident Khalifa Bin Zayid Al Nahyan
Khalifah Bin Zayid Al Nahyan © H. Walther

Bereits einen Tag nach dem Tode von Sheikh Zayed am 2. November 2004 wurde sein ältester Sohn Sheikh Khalifah Bin Zayed Al Nahyan (geboren 1948 in al-Ain) zum Nachfolger gewählt.

Schon frühzeitig wurde er in politische Aktivitäten eingebunden. Zunächst war er Stellvertreter seines Vaters in al-Ain bzw. der östlichen Region, bevor er 1969 zum Kronprinzen des Emirates Abu Dhabi ernannt wurde. 1971 wurde er Premierminister des Emirats Abu Dhabi. Nach der Gründung der VAE zum stellv. Premierminister der Förderation gewählt trug er Verantwortung für die allseitige Entwicklung der Emirate. Ab 1976 wurde er in seiner neuen Funktion als stellv. Oberbefehlshabers der Streitkräfte mit deren Aufbau betraut. Zusätzlich wurden Militärakademien, sowie diesbezügliche Institute und Fakultäten geschaffen. 

Mit seiner Wahl zum Emir von Abu Dhabi und Präsidenten der VAE durch den Obersten Rat gemäß Artikel 51 der Verfassung bekräftigten seine sieben Mitglieder, die Emire der jeweiligen Teilstaaten, den bisherigen Kurs der VAE - ganz im Sinne des Vorgängers Sheikh Zayed Bin Sultan Al Nahyan - fortzusetzen.

Der Vizepräsident: Mohammed Bin Rashed Al Maktoom

Vizepräsident Sheikh Mohammed Bin Rashed Al Maktoom
Sheikh Mohammed Bin Rashed Al Maktoom © UAE Government

Nach dem Tode seines Bruders Sheikh Maktoom Bin Rashed Al Maktoom (geb. am 22. Juli 1949 in Shindaghah, einem Stadtteil von Dubai) übernahm am 4. Januar 2006 Sheikh Mohammed Bin Rashed Al Maktoom das Amt des Emirs von Dubai. Einen Tag später wurde er durch den Federal Supreme Council zum Vizepräsidenten und Premierminister der VAE gewählt.

Da sich Sheikh Mohammed Al Maktoom in seiner Jugend sehr für sportliche Aktivitäten interessierte (Falknerei, Reiten), war das für seinen Vater Anlass genug, ihn in Sicherheitsfragen ausbilden und eine militärische Laufbahn einschlagen zu lassen. Zur besseren Vorbereitung auf seine zukünftige Rolle besuchte er die Kadettenschule in Aldershot (Hampshire/Großbritannien).

seine Ämter:  1. November 1968 Polizeipräsident von Dubai

                         Dezember 1971 VAE-Verteidigungsminster

                         Januar 1995 Kronprinz von Dubai

                         seit 4. Januar 2006 Emir (Ruler) von Dubai

Unter seiner Regentschaft unternimmt das Emirat Dubai alle Schritte auf die Zeit nach dem Erdöl und soll sich vor allem zum führenden Finanz-, Industrie- und Touristenzentrum im Nahen Osten entwickeln. Auf seine Initiative gehen alle modernen Projekte des Emirats, von der Dubai Free Zone über die künstlichen Inseln vor Dubai bis hin zum spektakulären Burj Khalifah.

Bekannt ist er auch für seine Lyrik. Sie spiegelt regionale und internationale Fragen wider. Sein jüngstes Buch trägt den Titel "My Vision". Es beschreibt die Strategie des Fortschritts in den VAE und die dafür notwendigen Maßnahmen zur Umwandlung Dubais in eine internationale Drehscheibe von Handel und Wirtschaft.

Politisches System

Staatsform

Die VAE sind ein förderaler Bundesstaat mit einem patriarchalischen Präsidialsystem, bei dem traditionelle Mechanismen der gegenseitigen Konsultation nach wie vor eine große Rolle spielen. Islamische und regionale Traditionen und Moderne sollen dabei kombiniert und in der Balance gehalten werden. In den einzelnen - bis zu einem gewissen Grade autonomen - Emiraten liegt die Macht jeweils in den Händen der Herrscher, die das Amt des Emirs bekleiden, dessen Thronfolge erblich ist. Der Islam ist Staatsreligion. Amtssprache ist Arabisch

Das föderale Regierungssystem umfasst folgende Institutionen:

  • Oberster Rat der Herrscher (Federal Supreme Council of Rulers/Majlis A'la Ittihadi)
  • Kabinett
  • Förderaler Nationalrat (Federal National Council/Majlis Watani Ittihadi)
  • Förderales Gericht

 

Regierung

Als Staatsoberhaupt (Präsident) der VAE amtiert seit dem 3.11.2004 Sheikh Khalifah Bin Zayed Al Nahyan, der Herrscher von Abu Dhabi. Vizepräsident ist der Herrscher von Dubai, Sheikh Mohammed Bin Rashed Al Maktoom, der gleichzeitig Premierminister ist. Beide werden jeweils für fünf Jahre durch den Obersten Rat gewählt. Traditionell sind diese Ämter den Herrschern von Abu Dhabi und Dubai vorbehalten.

Der aus den Herrschern der sieben Emirate bestehende Oberste Rat (Federal Supreme Council) ist das höchste Verfassungsorgan der Förderation. Er hat die legislative und auch exekutive Gewalt. Er ratifiziert die förderalen Verordnungen und Gesetze, bestimmt die politischen Richtlinien des Landes und trifft allgemeine politische Entscheidungen. Durch ihn werden alle fünf Jahre der Präsident und sein Stellvertreter gewählt oder im Amt bestätigt. Er billigt die Ernennung des Premierministers, nimmt dessen Rücktritt entgegen und kann ihn - auf Vorschlag des Präsidenten - seines Amtes entheben.

Das neue Kabinett (seit 12. März 2013), einschließlich Ministerpräsident und Stellvertreter, umfasst 22 Mitglieder, darunter 18 Minister und vier Staatsminister. Vier der Mitglieder sind Frauen.

Der Förderale Nationalrat (FNC), das quasi-Parlament, zählt 40 Mitglieder, von denen jeweils 8 aus den Emiraten Abu Dhabi und Dubai, je 6 aus Sharjah und Ras al-Khaimah, sowie je 4 aus Ajman, Umm al-Qawain und Fujairah kommen. Im Dezember 2006 wurde die Hälfte der Mitglieder erstmalig ("indirekte Wahlen") von einem Wahlgremium gewählt, wohingegen die restlichen 20 - wie bisher - anteilsmäßig von den sieben Emiren ernannt wurden. Die Mitglieder des FNC haben bisher nur beratende Funktion, sodass er (noch) nicht einem westlichen Parlament entspricht. Wahlen fanden abermals im September 2011 statt.

Das förderale Gerichtswesen schließt den Obersten Gerichtshof (The High Federal Court of the Union) und die Gerichtshöfe der Ersten Instanz ein. Die Unabhängigkeit der Gerichte wird in der Verfassung ausdrücklich garantiert.

Jedes der Emirate hat zusätzlich eine eigene lokale Regierung, der die jeweiligen Herrscher vorstehen. Die Beziehungen zwischen den Regierungen der Emirate und der Zentralregierung ist ebenfalls durch die Verfassung geregelt, wobei dem Prinzip der inneren Autonomie eine wichtige Rolle zukommt. Beispielsweise hat das Emirat Dubai eine eigene Polizei. Auf wirtschaftlichem Gebiet, besonders im Erdöl- und Erdgassektor, liegt die Zuständigkeit ausschließlich bei den Emiraten selbst.

Die Innenpolitik ist durch die herrschenden Familien, die Stämme bzw. Stammesverbände und einflussreiche Kaufleute geprägt. Sowohl das staatliche wie auch das private Leben trägt noch immer Züge traditioneller Stammesstrukturen, ist aber von Toleranz und Liberalität gekennzeichnet. Frauen sind im staatlichen Sektor (Public Sector) und zunehmend auch im Privatsektor gut etabliert. Parteien und Gewerkschaften gibt es in den VAE hingegen nicht. 

Die VAE zählen zu den Ländern mit einer sehr geringen Korruption. Im regionalen Ranking nehmen sie hinter Bahrain Platz 2 (von 15 Ländern der Region) und im weltweiten Vergleich die Position 28 von 178 gelisteten Ländern ein - Angaben 2014.

Migration

Boot mit ausländischen Arbeitskräften auf dem Dubai Creek
Expats im Boot auf dem Dubai Creek © H. Walther

Arbeitsmigranten/-innen

Auch eine Frage der Innenpolitik ...

Das schnelle Wachstum der Bevölkerung in den VAE hat seine Ursache vor allem in der permanenten Zuwanderung von Arbeitsmigranten (expatriates), vor allem junge Männer.

Ein starker Arbeitskräftebedarf, wesentlich höhere Löhne und Gehälter (für qualifizierte wie nichtqualifizierte Arbeitskräfte) als in den Herkunftsländern sind ein guter Grund, eine Tätigkeit in den VAE aufzunehmen. Während Europäer und Nordameriker zumeist von Firmen delegiert werden und nur wenige Jahre bleiben, leben viele der Inder, Pakistaner und andere schon zehn und mehr Jahre vor Ort. Sie ernähren mit ihrer Arbeit oftmals ihre in den Herkunftsländern verbliebenen Familien. Laut Bericht des regierungsunabhängigen Emirates Centre for Human Rights (ECHR) werden Forderungen nach höheren Gehältern, besseren Arbeits- und Wohnbedingungen aus Furcht, die Arbeit zu verlieren, so gut wie nie nicht gestellt.

2011 lag deren Zahl bei knapp 4 Mio., was ca. 80% der Einwohner entsprach. Das Gros kam/kommt aus Indien (ca. 1,1 Mio.), Pakistan, Bangladesh und Iran. Aber auch zahlreiche Araber (vor allem Palästinenser, Jordanier, Ägypter) und westliche SpezialistInnen (Europa, USA, Kanada) arbeiten und leben in den VAE. Wer als Ausländer eine Festanstellung findet, erhält - nach einem zusätzlichen Gesundheitstest - umgehend eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis (sog."Sponsorprinzip").

Der Dienst im öffentlichen Bereich, wie Zoll, Polizei, Post und anderen staatlichen Institutionen ist allerdings nur emiratischen Staatsangehörigen vorbehalten. In der Förderationsarmee hingegen - da freiwilliger Dienst - sind auch Araber aus anderen arabischen Staaten angestellt, vor allem aus dem Jemen und Oman.

Medien

Die Medienlandschaft  (Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunk, Fernsehen) - auch die Pressefreiheit wird in der Verfassung garantiert - ist vielfältig, in der Quantität kaum noch überschaubar. Kritik wird in kommunalen Fragen und in den politischen Aktivitäten des Auslands geübt. Islamkritische Äußerungen oder auch Zweifel an der Politik der jeweiligen Herrscher ("Ruler") in den einzelnen Emiraten sind dagegen tabu.

Fünf Tageszeitungen in arabischer und vier in englischer Sprache informieren über das Geschehen im In- und Ausland. Sie sind auch in den anderen Golfstaaten und vielen weiteren arabischen Ländern erhältlich. Daneben gibt es zahlreiche Zeitschriften (arabisch und englisch), die von der Politik über die Wirtschaft bis hin zum Sport und der Mode eigentliche alle interessierenden Bereiche abdecken.

Fernsehen und Rundfunk: In den VAE gibt es momentan vierzig Fernseh- und zwanzig Radiostationen. Die meisten davon sind unter dem Dach von Emirates Media Inc. (EMI) und Dubai Media Inc. zusammengefasst. Der Sendebereich von EMI erstreckt sich vom Nahen/Mittleren Osten bis hin nach Europa und Nordamerika. Dafür sorgen drei Satelliten-Sender: Abu Dhabi TV, Abu Dhabi Sports Channel und Emirates Channel, sowie sechs Radiosender: Abu Dhabi Radio, Emirates FM, Sound of Music, English FM1/FM2 und der religiöse Sender Holy Quran. Aus Dubai (Dubai Media City) sendet auch Al-Arabiya. Von saudischen Investoren finanziert, versteht er sich als Konkurrent zu Al-Jazira in Qatar.

Nachrichten werden auch in den VAE über das Internet (ae) verbreitet: Die Internet-Dichte ist mit 37 % die höchste in der arabischen Welt.

Außenpolitik

Die Förderationsregierung und damit die VAE haben stets eine auf Ausgleich bedachte Außenpolitik verfolgt, zu deren Leitprinzipien z.B. die Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten, die Lösung von Konflikten mit friedlichen Mitteln und die stete Unterstützung internationaler Institutionen (wie die UN u.a.) gehören.

Priorität genießen dabei die Beziehungen zu den Staaten des Golfkooperationsrates (GCC) sowie der arabischen und islamischen Welt.

Sehr enge Beziehungen bestehen zu Indien und Pakistan, sowie China, Japan und Südkorea. Letztere sind die Hauptabnehmer  des exportierten Erdöls.

Trotz eines langjährigen Streites um die territoriale Zugehörigkeit von drei Inseln im Golf (s. Kapitel "Überblick" - Lage und Größe) bestehen zum Iran intensive wirtschaftliche Beziehungen. Dennoch setzen die VAE die UN-Sanktionen gegenüber Iran um, was sich andererseits negativ auf den bilateralen Handel auswirkt, insbesondere im Emirat Dubai, dessen Warenaustausch historisch eng mit Iran verflochten ist.

Die VAE gelten als ein wichtiger Verbündeter der USA. Traditionell geschätzt werden die Beziehungen zu den europäischen Partnerländern, insbesondere zu Großbritannien und Frankreich, wobei engere Beziehungen zur EU bisher nicht existieren. 2008 gestattete Abu Dhabi Frankreich die Einrichtung eines Flottenstützpunktes. Die  Beziehungen zwischen Deutschland und den VAE begannen 1972, unmittelbar nach der Gründung der Förderation. Im April 2004 wurde zwischen beiden Seiten eine so genannte "Strategische Partnerschaft" im wirtschaftlichen und politischen Bereich begründet und seither stetig intensiviert.

Die Beziehungen zu den Staaten Mittel- und Osteuropas sowie zu Russland und den übrigen Nachfolgestaaten der Sowjetunion sind gut.

Die VAE beteiligen sich auch an internationalen Friedensmissionen, so bei der Befreiung Kuwaits 1990/1991. Im Nahostfriedensprozess wirken die Emirate mäßigend und engagieren sich für eine friedliche Lösung der anstehenden Probleme. In Afghanistan stellen sie als bisher einziger arabischer Staat Truppen, leisten aber zugleich auch Aufbauhilfe.

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zuletzt am 04. Juni 2014 aktualisiert.

Über den Autor

Heiner Walther, studierte Orientalistik, Islamwissenschaft und Iranistik, arbeitete nach dem Studium als Arabisch-Dolmetscher. Von 1978 bis 1992 unterrichtete er Arabisch und Persisch an der Universität Leipzig.

Seither freiberuflich, organisiert und leitet Studienreisen in arabische Länder. Seit 1994 arbeitet er auch als Tutor für Landesanalyse VAE, Jemen, Oman, Libyen und Saudi-Arabien sowie als Arabisch-Sprachlektor bei der GIZ (AIZ) in Bad Honnef. Er hat diverse Arabisch-Lehrbücher und touristische Sprachführer zu verschiedenen arabischen Dialekten verfasst.

Fragen, Kommentare und Anregungen

Weiterführende Literatur

Lesetipps und Links

  • Heard-Bey, Frauke: Die Vereinigten Arabischen Emirate ..., S. 260-484 (2010)
  • Hermann, Rainer: Die Golfstaaten: Wohin geht das neue Arabien? (2011)
  • Commins, David: The Gulf States - A Modern History (2012)

  • Zenith
  • Qantara

Autobiografie des Herrschers von Sharjah:

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