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Wirtschaftsleistung
Die ukrainische Wirtschaft
besitzt Potential auf Grundlage eines großen Absatzmarktes, einer gut ausgebildeten Bevölkerung, diversifizierter Ressourcen (fruchtbare Böden, Öl-, Gas- und Kohlevorkommen u.a.) und einer strategisch günstigen Lage zwischen der EU und Russland (durch das ukrainische Territorium verlaufen 80% aller Gasleitungen nach Europa). Trotz guter Voraussetzungen gehört die Ukraine mit knapp 7.000 US-Dollar pro-Kopf-Einkommen zu den ärmsten Ländern Europas.
Nach dem Zerfall der Sowjetunion ist das BIP der Ukraine um ca. 60% gefallen. Erst 1999 erreichte das Land den Status von 1989. Die ukrainische Wirtschaft konnte sich nach der russischen Finanzkrise 1998 relativ schnell erholen und erreichte in den Jahren 2000 bis 2007 jährliche Wachstumsraten von ca. 7%. Durch die globale Finanzkrise von 2008 ist das Wachstum der Ukraine jedoch stark eingebrochen. Die Inflation zog von 12,8% (2007) auf 25,2% (2008) an und die Industrieproduktion ging um 34% zurück. Daher musste die Ukraine 2008 beim Internationalen Währungsfonds einen Kredit
im Volumen von 16,4 Mrd. US-Dollar aufnehmen.
Aktuelle Wirtschaftsdaten
(Nov. 2011)
Wirtschaftssektoren
Die Ukraine lieferte in der Sowjetunion ein Viertel aller landwirtschaftlichen Produktionsgüter und wurde daher auch als "Kornkammer der Sowjetunion" bezeichnet. Im primären Wirtschaftssektor bleibt die Landwirtschaft neben der Forstwirtschaft und der Fischerei weiterhin bedeutsam. Im sekundären Bereich spielen Maschinenbau, Bau von Elektrogeräten sowie Werftindustrie eine große Rolle. Die Ukraine exportiert vor allem Kohle, Stahl und Elektrogeräte. 2005 war die Ukraine achtgrößter Stahlproduzent der Welt. Der tertiäre Bereich
erlebt in den letzten Jahren einen großen Aufschwund, insbesondere im Bank- und IT-Wesen.
Energie
Die Ukraine muss ca. 90% ihres Gas- und Ölbedarfs importieren, wobei ein Großteil aus Russland bezogen wird. Somit ist die ukrainische Wirtschaft stark von den russischen Energielieferungen abhängig. Die Ukraine ist der viertgrößte Gasimporteur der Welt, was auch mit einem äußerst ineffizienten Energieverbrauch zusammenhängt. Einen Teil der Gas- und Ölkosten deckt der ukrainische Staat durch die Abrechnung von Transitlieferungen vor allem von russischem Gas nach Europa. Die ukrainische Abhängigkeit von Russland im Energiebereich wurde mehrmals als politisches Instrument
eingesetzt.
Zwar hat sich die wirtschaftliche Situation des Landes und seiner Bewohner nach den Krisenjahren Mitte der 1990er verbessert und das Ausmaß der extremen Armut
ist gesunken. Durch den Transformationsprozess und den Wechsel von der Plan- zur Marktwirtschaft entwickelte sich jedoch eine stetige Diskrepanz von Kauf- und Wirtschaftskraft in der Bevölkerung und zwischen den Regionen. Insbesondere alte bzw. schlecht qualifizierte und auf dem Arbeitsmarkt nicht vermittelbare Menschen leben zum Teil weit unter der Armutsgrenze. Die folgenden statistischen Erhebungen zeigen die Entwicklung der Reallöhne, Armutsraten und die differierenden wirtschaftlichen Verhältnisse in der Gesellschaft und den Regionen über einen Zeitraum von zehn Jahren (1996-2004).
Entwicklungszusammenarbeit
Die Ukraine hat seit Ende der 1990er Jahre einen großen Bevölkerungsschwund
zu verzeichnen, was zum einen mit einem drastischen Geburtenrückgang
und der relativ geringen Lebenserwartung
(der Männer), zum anderen aber vor allem mit der Arbeitsmigration
(ca. 7 Mio. Ukrainer leben und arbeiten in EU-Ländern) zusammenhängt. Die Arbeitsmigration hat zwar einerseits zu einem großen und anhaltenden Kapitalfluss aus dem Ausland geführt und Investitionen und den Aufbau von klein- und mittlere Gewerbebetrieben in der Ukraine möglich gemacht. Andererseits wurden dadurch Familienzusammenhänge brüchig und infolgedessen auch gesamtgesellschaftliche Probleme (Alkoholismus, Drogen, HIV) verstärkt.
Daher sind unterstützende Maßnahmen notwendig, um das Land in mehreren Sektoren zu stabilisieren und sozialen Erosionen zu verhindern oder zumindest abzumildern. Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen
(UNDP) unterstützt die Ukraine in den Bereichen Demokratische Regierungsführung, Armutsbekämpfung, Krisenprävention und Energie und Umwelt. Im Rahmen des Transform-Programms hat das BMZ zwischen 1994 und 2005 Reformprojekte in den Bereichen nachhaltige Wirtschaftspolitik (kleiner und mittlerer Unternehmen), Staatsverwaltung, Energiesektor und AIDS-Bekämpfung in der Ukraine mit 115 Mio. Euro unterstützt. Deutschland ist nach den Vereinigten Staaten und Kanada drittgrößter Geldgeber. Obwohl in der Ukraine bis 2008 (vor der Wirtschaftskrise) ein wirtschaftlicher Aufschwung stattgefunden hat, behindert nach wie vor ein Reformstau in wesentlichen Sektoren (Energieversorgung, Modernisierung der Infrastruktur, Berufsbildung, Gesundheitswesen und Reorganisation öffentlicher Institutionen), die langfristige Entwicklung des Landes.
Die Entwicklungszusammenarbeit zwischen Deutschland und der Ukraine
begann bereits kurz nach Unabhängigkeit des Landes. Seit 1993 unterstützt die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) die Ukraine in ihrem Transformationsprozess. Die GIZ führt in folgenden Bereichen Programme und Projekte durch: Nachhaltige Wirtschaftsförderung, Energieeffizienz und HIV/Aids-Bekämpfung
. Darüber hinaus betreut die GIZ im Auftrag des Bundesinnenministeriums (BMI) ein Programm zur Unterstützung der deutschen Minderheit
in der Ukraine (ca.33.000 Angehörigen).
Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) übernimmt die GIZ die Unterstützung der Ukraine in der Vorbereitung
zur Fußball-Europameisterschaft 2012
. Die Zusammenarbeit konzentriert sich auf die Bereiche Standortmarketing, Entwicklung und Verbesserung des touristischen Angebotes und öffentlichen Personennahverkehrs und der Flughäfen.
Seit 1992 ist die KfW
im Rahmen des TRANSFORM-Nachfolgeprogrammes
im Auftrag mehrerer deutscher Ministerien in der Ukraine tätig und konzentriert sich vor allem auf die Unterstützung in den Bereichen
Energie, Finanzwesen und Strukturentwicklung.
Seit 2008 werden mehrere Projekte in der Ukraine
im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative
des Bundesumweltministeriums durchgeführt. Der Schwerpunkt liegt vor allem auf der Förderung von Energieeffizienz und Verkehrsmodernisierung.
Auch die CIM
ist in der Ukraine präsent und arbeitet in den Bereichen
Wirtschaftsförderung, Verwaltungsreform und Regionalentwicklung. Darüber hinaus bietet die CIM im Rahmen des Programms „Rückkehrende Fachkräfte“ Unterstützung für ukrainische Fachkräfte an, die nach ihrem Studium, ihrer beruflichen Ausbildung oder Berufstätigkeit in Deutschland in die Ukraine zurückkehren.
Zusammenarbeit im Kultur- und Bildungsbereich
Das Bildungsniveau in der Ukraine ist relativ hoch und entspricht dem eines fortgeschrittenen Reformlandes. Auch wenn in diesem Sektor wichtige Reformen (insbesondere der Curricula) nach wie vor nur halbherzig durchgeführt werden, so ist doch dass Ausbildungsniveau ukrainischer Schüler und Studenten verhältnismäßig gut. Die Zusammenarbeit im Bildungsbereich konnte seit den 1990er Jahren ausgebaut und intensiviert werden. Seit 1993 besteht ein deutsch-ukrainisches Kulturabkommen
und seit 1998 fördert ein deutsch-ukrainisches Abkommen über Hochschulzusammenarbeit
Partnerschaften zwischen Hochschulen und Instituten.
Die deutsche auswärtige Kulturarbeit hat in der Ukraine mittlerweile zu einem breiten und gut funktionierenden Netzwerk von Bildungseinrichtungen sowohl im Schul- und Hochschulwesen als auch im außerschulischen Bereich geführt. Seit 1993 besteht in Kyïv ein Goethe-Institut
, das neben der Sprach- und Kulturarbeit auch auf den Ausbau des Netzwerkes von Lesesälen und Sprachlernzentren in den Regionen des Landes fokussiert ist. Seit den 1990er Jahren wurden mehrere DAAD-Lektorate
in der Ukraine eingerichtet, darunter ein IC-Lektorat in Kyïv. Die Stipendiatenprogramme und Informationsarbeit des DAAD haben auch zu einem Anstieg ukrainischer Studentenzahlen an deutschen Hochschulen geführt (gegenwärtig ca. 4.000 ukrainische Studenten). Das Zentrum für Auslandsschulwesen entsendet regelmäßig deutsche Lehrkräfte an ukrainische Schulen. Seit September 2008 besteht eine deutsche Schule in Kyïv
.
Folgende Links führen zu landesspezifischen Aktivitäten einzelner Institutionen und Organisationen:
Kateryna Stetsevych ist Osteuropawissenschaftlerin und Kulturmanagerin. Seit 2008 ist sie als Landeskunde-Tutorin für die Ukraine bei der Akademie für Internationale Zusammenarbeit (AIZ) der GIZ GmbH tätig. Nebenberuflich arbeitet sie im Fortbildungsbereich verschiedener deutscher Kulturmittlerorganisationen.
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Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Januar 2013 aktualisiert.
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