LIPortal » Gesellschaft & Kultur

Frauengruppe in Ostuganda / © J. Ehrler

Gesellschaft

Alle wichtigen Strukturdaten zu Gesellschaft und Kultur
BeschreibungInhalt
Amtssprachen:Englisch, Swahili
Regionalsprachen:Luganda, Nyankore, Chiga
bedeutendste Religion:Christentum 84  %
weitere bedeutende Religion:Islam 12,1 %
Städtische Bevölkerung:16 %
Lebenserwartung:54 Jahre

Inhalte dieser Seite

Das LIPortal

Uganda

Soziale Struktur

Kind in Bananenplantage
An Kindern mangelt es in Uganda nicht. Ungefähr die Hälfte der Bevölkerung ist unter 15 Jahre alt. © J. Machulla
Kinder in Uganda
Kinder in Uganda © N. Lotz
Frauen und Kinder
Frauen und Kinder verfolgen gespannt ein Dorftheaterspiel
© R. Längle

Bevölkerungs- entwicklung

Die Bevölkerung von derzeit 35,9 Millionen lebt vorwiegend in den ländlichen Regionen. Uganda weist das neunthöchste Bevölkerungswachstum weltweit auf. Die höchste Bevölkerungsdichte findet man im Südwesten und im Osten des Landes. Karamoja, mit seinem ariden Klima, ist am dünnsten besiedelt.

Daten und Datenbanken zur Bevölkerung Ugandas finden Sie bei bei der Weltbank oder beim Uganda Bureau of Statistics. Eine Vielzahl von Daten z. B. zu Geburten- und Sterberaten, Altersstruktur u.v.m. mit vielen Grafiken finden Sie bei Index Mundi.

Altersgruppen

Ugandische Frauen gebären 6 Kinder pro Frau, die fünfthöchste Stelle weltweit. Nur der Niger, Mali, Burundi und Somalia toppen Uganda noch. fünfundvierzig von tausend Babies sterben bevor sie ein Jahr alt sind. Vierzehn Prozent der Kinder unter 5 Jahren sind untergewichtig. Zwanzig Prozent der Frauen zwischen 15 und 19 Jahren sind bereits verheiratet. Weitere Daten finden Sie bei UNICEF. Uganda hat vorbildliche Gesetze um die Kinder zu schützen, doch die Umsetzung ist oftmals mangelhaft. Hier leisten NGO´s gute Hilfe, wie zum Beispiel das Uganda Child Rights NGO Network.

Ethnien Ugandas

Uganda ist, wie die meisten afrikanischen Länder, ein Vielvölkerstaat. Die Bevölkerung ist ethnisch, kulturell, sprachlich und religiös heterogen und komplex.  Im Land leben ca. 40 Nationalitäten (Ethnien), die aufgrund ihrer Kultur und Sprache zwei Hauptblöcke bilden: die Bantuvölker im Süden und die Niloten und Nilohamiten im Norden.

Bantu

Zahlenmäßig sind die Bantu die größere Volksgruppe. Die Baganda stellen mit 18 % die größte ethnische Gruppe Ugandas. Die Bedeutung des Königreichs Buganda ist bis heute spürbar und hat die Geschichte Ugandas schicksalhaft bestimmt. Bevor allerdings ausländische Forscher, Eroberer und schließlich die Engländer ihren Fuß auf den Boden des heutigen Uganda setzten, war Bunyoro-Kitara im Westen Ugandas gelegen, das bedeutendste Königreich.

Die Karimajong

Einen krassen Gegensatz zu den relativ gut entwickelten Regionen des Südens finden Sie in Karamoja, im Nord-Osten des Landes. Hier ist augenscheinlich die ärmste, trockenste und am meisten unterentwickelte Region Ugandas. Dieser Landesteil ist semi-arid, die Landschaft geprägt durch Savannen-Grasland und das Klima ist trockener, heißer, stürmischer und somit erschwert bewohnbarer als der Rest des Landes. Die Karimajong sind Niloten und leben als Halbnomaden in einem komplizierten Clansystem zusammen. Die Viehhaltung ist existentiell und nimmt - für viele Nicht-Karimajong kaum verständlich - abgesehen vom ökonomischen Wert, die wesentliche Stelle im kulturellen wie religiösen Leben ein. Vor allem während der Trockenzeit ziehen die Männer mit ihren Herden oft viele Kilometer täglich auf der Suche nach Weideland und leben in temporären Camps. Frauen dagegen bleiben mit den Kindern und alten Menschen in den Dörfern. Doch selbst die Häuser in den Dörfern sind aufgrund der einfachen Bauweise jederzeit in fruchtbarere Gegenden verlegbar. Mobilität ist ein essentieller Bestandteil der Lebensweise der Karimojong. 

Kleine Bilderreise durch Karamoja:

Kraal in Karamoja
Ein Kraal in Karamoja (Luftbildaufnahme) ©Anne Fennel
Pokotmädchen
Pokotmädchen ©Anne Fennel
Mädchen mit Geschwisterkind
Mädchen mit Geschwisterkind ©Anne Fennel
Pokotfrau
Pokotfrau mit Schmuck ©Anne Fennel

Sprachen Ugandas

Die Kommunikation in Uganda ist sehr viefältig. Im Land werden über 40 Sprachen gesprochen. Die Amtssprache ist Englisch, seit 2005 zusätzlich Suaheli. Allerdings beschränkt sich die Verbreitung von Suaheli momentan noch auf die Grenzregionen, dort wird es vorwiegend von Händlern benutzt. Zum Teil wird bereits an den Schulen Suaheli unterrichtet, doch um dies flächendeckend durchführen zu können, fehlen noch ausgebildete Lehrer. Im südlichen Teil Ugandas ist Luganda sehr weit verbreitet. Seit 2007 wird in den ersten Jahren der Grundschule die lokale Sprache der Region unterrichtet.

Soziale Lage und soziale Klassen

Grastransport auf dem Rad
Überleben auf dem Land: Ein Bauer transportiert Gras für das Dach seines Hauses auf dem Fahrrad ©J. Ehrler

Ugandas Bevölkerungswachstum zählt zu den höchsten der Welt. Laut der Daten von CIA World Factbook nimmt Uganda Platz 9 mit einem Bevölkerungswachstum von 3,24 % ein. Viele der rund 35,9 Millionen Ugander kämpfen ums tägliche Überleben. Eine regelmäßig bezahlte Arbeit haben nur wenige. Circa 80 % der Bevölkerung lebt von der Subsistenzlandwirtschaft, viele verdienen sich als landwirtschaftliche Helfer oder im Kleinhandel gelegentlich ein Zubrot. Der informelle Sektor entwickelt sich stetig. Ob als Schreiner an der Straße oder Hersteller von Recyclingartikeln, wie z. B. Öllampen aus alten Dosen, lässt sich zuverlässiger Geld verdienen als in der alleinigen Abhängigkeit von der Landwirtschaft. Allerdings sind die Löhne in den meisten Bereichen so gering, dass die Menschen auf die Lebensmittel der eigenen Landwirtschaft angewiesen sind. In der Hauptstadt Kampala gibt es jedoch immer mehr Menschen, die gut leben können. Es herrscht ein wahrer Bauboom, denn mit der Vermietung von Häusern und Wohnungen lässt sich gutes Geld verdienen. Die Straßen sind nicht mehr nur mit Kleinbussen und Projektfahrzeugen verstopft, dazu kommen immer mehr Privatfahrzeuge. Doch, was in Uganda immer noch rar ist, ist die Mittelklasse. Menschen die arbeiten, Geld verdienen und auch Steuern zahlen.

Stadt-Land- Verhältnis

In Uganda leben ca. 85 % der Menschen auf dem Land. Zu Ihnen gehören auch viele arme Menschen und die Ärmsten des Landes. Viele suchen und finden Arbeit in der Stadt, doch bleibt die Landverbundenheit zumeist erhalten. Zum Teil werden Familien geteilt, die Männer gehen auf Arbeitssuche in die Stadt und die Frauen versorgen weiterhin den Hof der Familie. Oftmals entwickeln sich daraus polygame Strukturen. Einige Familien jedoch entscheiden sich auch für ein gemeinsames Leben in der Stadt.

Verglichen mit Kampala spielen die restlichen Städte des Landes nur eine untergeordnete Rolle. In der Hauptstadt sind die besten Schulen, Universitäten, Jobs und inzwischen sogar die Industrie. Kein Wunder, dass auf Kampalas Straßen kaum noch ein Durchkommen ist. Schon während der Kolonialzeit wurde der Süden vorrangig entwickelt. Dies ist heute immer noch so. In den letzten Jahren hat sich dieses Süd-Nord-Gefälle durch den über 20-jährigen Konflikt in Norduganda verstärkt , der im Norden jegliche Entwicklung lähmte und im Gegenteil die Armut massiv verstärkte.

Migration spielt auch in Uganda eine Rolle. Der langjährige Krieg in Norduganda und zuvor die Konkflite in Teso oder Luwero, veranlassten viele Menschen Sicherheit in anderen Regionen des Landes zu suchen; allerdings meistens in der Hoffnung auf eine Rückkehr in friedlichen Zeiten.

Arbeitssuche führt die Menschen teilweise in Nachbarländer oder in andere Kontinente, zumeist zeitlich befristet.

Nicht zu unterschätzen ist die Anzahl von Kindern, die als Haushaltshilfen zu Verwandten in die Stadt gegeben werden. Die Eltern erhoffen sich gewöhnlich eine gute Versorgung des Kindes oder eine bessere Schulbildung. In der Realität werden die Kinder und Jugendlichen, zumeist Mädchen, oftmals als billige Arbeitskräfte ohne Stimmrecht ausgebeutet oder gar von den Hausherren sexuell missbraucht.

Als ein friedliches Land inmitten von Konfiktherden ist Uganda auch ein Land, das regelmäßig Flüchtlinge der Nachbarländer aufnimmt und versorgt.

Die Gendersituation

Dir Frauen tragen immer noch die größte Arbeitslast ©Ernst Herold

Die Gender-Situation in Uganda unterscheidet sich nicht grundlegend von der in anderen afrikanischen Staaten. Hohe Müttersterblichkeit, unterdurchschnittlich niedrige weibliche Alphabetisierungsraten und die weit stärkere Arbeitsbelastung von Frauen im Vergleich zu der von Männern sind hier nur einige Stichworte.

Traditionelle Gesetze und Praktiken beherrschen immer noch die ugandische Gesellschaft, obwohl die in 1995 ratifizierte demokratische Verfassung die Gleichheit der Geschlechter zusichert. So gehören auch heute noch Unterdrückung, überdurchschnittliche Arbeitsbelastung, Gewaltanwendung durch den Ehepartner und Vergewaltigung zum Alltag der Frauen in Uganda. Dass Frauen dabei Gefahr laufen, sich mit HIV anzustecken, ist leicht nachvollziehbar. Familienplanung ist zwar für viele Frauen ein Thema, doch ihre Ehemänner haben noch zuhauf Vorurteile, die es abzubauen gilt.
Doch es gibt auch Positives von Ugandas Frauen zu berichten. So setzen sich die Frauen im Tororo Distrikt im Osten des Landes dafür ein, dass der Brautpreis abgeschafft wird.

Die ugandische NGO ACFODE (Action for Development) hat sich u. a. die rechtliche Gleichstellung der Frauen zum Ziel gesetzt.

Das UNDP präsentiert alljährlich den Human Development Index. Daraus abgeleitet werden zwei „Gender sensitive" Indizes: der Gender-Related Development Index (GDI) und ein Gender Empowerment Measure (GEM). Beim GDI liegt Uganda auf Platz 161 von 195 untersuchten Staaten, zum GEM liegen keine Angaben vor.

Bildung

Schüler in Uganda
Die meisten Kinder werden in Uganda eingeschult, doch die Abbrecherquote ist groß ©Josef Ehrler

Mehr als die Hälfte der Menschen in Uganda sind jünger als 15,5 Jahre. Nur wenige von ihnen haben Chancen auf einen guten Schulabschluss und eine Berufsausbildung, die ihnen einen guten Lebensunterhalt garantieren würde. 

Die Struktur von Ugandas Bildungssystem besteht aus sieben Jahren Grundschule, der eine vierjährige Phase der Mittelschule und eine zweijährige Phase der Oberschule folgt. 3 bis 5 Jahre werden im Folgenden für ein Hochschulstudium veranschlagt. 

Grundschulbildung

Seit 1997 ist die Grundschulbildung frei. Die Schülerzahlen stiegen um über 2,5 Millionen auf ca. 6.8 Millionen im Jahr 2000. Dennoch, die Qualität der Grundschulbildung leidet bis heute, mit überfüllten Klassenzimmern, schlecht ausgebildeten Lehrern und schlechtem Schulmanagement. Laut der ugandischen Tageszeitung New Vision hat Uganda die höchste Schulabbrecherquote in Ostafrika. Nur 29 % der im Jahr 2006 eingeschulten Kinder beendete die 7-jährige Primarschulzeit 2012.

Sekundarschule

Seither konnten nur wenige Jugendliche die Sekundarschule besuchen. Die Kosten von durchschnittlich 130 $ pro Jahr können viele Eltern nicht aufbringen. Im Jahr 2007 führte Uganda als erstes Land Afrikas südlich der Sahara die freie Sekundarschulbildung ein. Bereits ein ein Jahr später wuchsen die Zahlen der Schüler, die die Primarschule beendeten und auf die Sekundarschule wechselten, von 50 % auf 69 %. Über 1000 staatliche und private Schulen wurden für das Programm ausgewählt.

Polytechnische Schule in Mbale
Polytechnische Schule in Mbale © N.Lotz

Berufsbildung

Lange Zeit war das Berufsbildungssystem Ugandas sehr unzureichend. Immer noch gibt zu wenige staatliche Berufsschulen. Zudem ist die Ausstattung der Bildungseinrichtungen oftmals mangelhaft, das Management und Lehrpersonal schlecht ausgebildet. Um die Situation zu verbessern, hatte die Bundesrepublik Deutschland Berufsbildung zu einem Schwerpunkt der Zusammenarbeit mit Uganda gemacht. In den letzten Jahren konnten bereits einige Fortschritte erreicht werden. So werden von Ugaprivi (Uganda Association of Private Vocational Institutions) landesweit private Ausbildungszentren betreut und unterstützt. Ein neues Schlagwort nennt sich "Universal Post-Primary Education and Training" (UPPET). Hierbei ist neben der Finanzierung der Sekundarschule durch den Staat die Unterbringung junger Menschen in einer adäquaten berufsbildenden Einrichtung, die ihren Grundvoraussetzungen und ihren Kompetenzen entspricht, ein wichtigstes Ziel im Kampf gegen die Armut. Junge Menschen danken es mit Eigeninitiative, die ihnen vielmals ein Einkommen ermöglicht, wie ein Beispiel aus einem von der GIZ geförderten Projekt zeigt.

Hochschulbildung

Bereits im Jahr 1922, noch während der Kolonialzeit, wurde die Makerere Universität,damals als technische Schule, erbaut. Heute studieren dort über 30.000 Studenten. Die Hochschule zählt zu den bedeutendsten Universitäten in ganz Ost- und Zentralafrika. Insgesamt verfügt Uganda über 6 staatliche und derzeit 25 private Hochschulen, Tendenz steigend.  Nur wenige Sekundarschulabsolventen können mit einem Stipendium kostenfrei studieren. Für alle anderen ist der Besuch einer Hochschule eine sehr teure Angelegenheit. 

Non-formale Bildung und Erwachsenenbildung

Mehr zur Aktion "Bildung für Alle", finden Sie auf einer Seite des Afrikahauses: Unterricht unter dem Mangobaum. Besonders wenig Chancen auf Bildung haben Kinder in Karamoja. Eine alternative Basiserziehung ABEK bringt Chancen für Kinder, die ansonsten mit dem Hüten der Tiere bzw. dem Bewältigen des Alltags vollauf beschäftigt wären.

Gesundheit

Mbale Hospital
Medizinstudenten im Hospital in Mbale © Bild: N.Lotz

Gesundheitsversorgung

Im Gesundheitssektor hat Uganda in den letzten Jahren nur wenig Fortschritte erzielt. In den staatlichen Gesundheitszentren ist die Behandlung offiziell kostenlos, doch in der Realität herrscht ein ständiger Mangel an Medikamenten und Personal. Die Kinder- und Müttersterblichkeit ist nach wie vor hoch, die Anzahl neuer Tuberkuloseerkrankungenalarmierend. Die meisten Patienten sterben an Malaria, doch auch die schlechten sanitären Bedingungen mit ca. 17 % der Bevölkerung ohne Toiletten und nur 75 % mit Zugang zu sauberem Wasser, sind verantwortlich für zahlreiche Erkrankungen und Todesfälle.

Am schlimmsten ist die Gesundheitssituation in Karamoja im Kabong Distrikt, wo kaum Zugang zu medizinischer Versorgung besteht.

Im Rahmen des Health Sector Strategic Plans (HSSP) wurden durch die Schaffung von Health Sub Districts (HSC)- jedes mit einem besser ausgerüsteten Gesundheitszentrum oder Krankenhaus - eine Dezentralisierung des Gesundheitssektors erreicht.

Außerdem werden nun kostenfreie Minimum-Gesundheitsvorsorge-Packages (sofern vorhanden!) zur Verfügung gestellt, z. B. für Gebärende. Verbesserte Ausbildungen u.a. für Gesundheitsassistenten und sog. Comprehensive Nurses sollen ebenfalls zu einer Verbesserung der Gesundheitssituation in Uganda beitragen. 

Ebola und Marburgvirus und nun Nodding Disease

Seit Jahren tritt in Uganda immer wieder das gefürchtete Ebolafieber auf, zuletzt gleich zweimal im Jahr 2012. Wie schon bei früheren Ausbrüchen, nahm  die Erkrankung in Westuganda ihren Anfang. Siebzehn Menschen starben daran, 24 Patienten wurden vorsichtshalber isoliert. Diese schwere Erkankunglässt die Menschen innerhalb von kurzer Zeit innerlich bluten, oftmals gar verbluten. Die Überlebenschancen sind in Uganda etwas besser als in den Nachbarländern, sie liegen bei rund 50 %.

Mitte 2008 starb eine niederländische Touristin am Marburgvirus. Sie hatte Fledermaushöhlen in Westuganda besucht. Fledermaus-Spezies gelten als potenzielle  Überträger der Krankheit. Im Herbst 2012 trat die gefährliche Erkrankung erneut in Uganda auf. 

Weit weniger Beachtung in den Medien findet die sog. Nodding-Disease, die seit Ende 2011 vermehrt in Norduganda auftritt. Es erkranken vorwiegend Kinder und Jugendliche. Diese noch kaum erforschte schwere Erkrankung, mit Krampfanfällen einhergehend, führt zu geistiger Behinderung und endet oftmals tödlich, manchmal nach jahrelangem Leiden. Bisher gibt es nur Vermutungen über die Ursache, wie schlechte Ernährung und Hygiene, oder einen Zusammenhang mit Onchozerkose. Erste Behandlungszentren wurden jetzt eingerichtet.

Aufklärungsplakat "Aids"
Aufklärungsplakat: Ermunterung den HIV-Status zu wissen.©G. Ehrler

HIV/Aids

In der öffentlichen Meinung gehören Uganda und AIDS zusammen wie ein Zwilling zum anderen. Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass Uganda -- nicht zuletzt durch den Einsatz Präsident Yoweri Musevenis -- diese Krankheit nicht tabuisiert hat, d.h. dass auch Zahlen über die Verbreitung von Aids nie unter Verschluss gehalten wurden. Durch diese Offenheit, die nicht zuletzt viele namhafte AIDS-Forscher und Hilfsgelder ins Land brachte, konnte Uganda eines der fortschrittlichsten AIDS - Bekämpfungsprogramme der Welt aufbauen. Bereits 1987 wurde von Betroffenen die Aids-Organisation TASO gegründet, die bis heute in der Beratung der von HIV/Aids betroffenen Menschen, dem sog. councelling sehr engagiert ist. Neuerdings gibt es das erste Straight Talk Radio Ostafrikas in Kampala mit AIDS-Aufklärung, die beste Waffe gegen die sozio-ökonomischen Ursachen der Krankheit. Hunderte aidskranker Eltern in Uganda haben in den vergangenen Jahren "Erinnerungsbücher" für ihre Kinder verfasst. Darüber schreibt Henning Mankell  in seinem Buch "Ich sterbe, aber die Erinnerung lebt".

Leider wähnten sich viele Ugander in den letzten Jahren in einer gefährlichen Scheinsicherheit vor der Krankheit. Unwissenheit und Falschinformationen, wie z. B., dass die Beschneidung der Männer eine HIV Infektion verhüten könnte, oder die angebliche Heilung durch antiretrovirale Medikamente, trugen maßgeblich dazu bei. So stieg auch leider die HIV-Infektionsrate der 15 bis 49 - Jährigen wieder auf ca. 7,2 % an, damit liegt Uganda im afrikanischen Mittelfeld.

Nach wie vor hat AIDS verheerende volkswirtschaftliche Auswirkungen: Im Grunde muss man für jeden benötigten Arbeitsplatz zwei Leute ausbilden, da man davon ausgehen kann, dass einer von ihnen in den nächsten 10 Jahren an AIDS stirbt.

Kulturelle Identitäten

Darstellung der Beschneidung
Darstellung der Beschneidung der Jungen (in Sebei und Bugissu) © N.Lotz
Bild Nachwuchskünstler
Nachwuchskünstler: Waisenkinder malen ihre Welt (Salem Kinderdorf Feb 07) © Bild: N.Lotz
Tänzerinnen Westuganda
Tänzerinnen der Gruppe "White Angels" in Masaka © N. Lotz
Kasubi tombs
Kasubi Tombs: Palast und Grabstätte der Baganda, Welterbe der UNESCO. Leider brannte die kulturelle Stätte im März 2010 komplett ab. ©Ernst Herold

Kulturelle Vielfalt

Die unterschiedlichen Ethnien Ugandas weisen eine große kulturelle Vielfalt auf. Während die Bambuti und Batwa als eine bedrohte und diskriminierte Minderheit im Westen des Landes leben, sind ihre Nachbarn, die Batooro in einem Königreich organisiert, wiederum die Bakonjo und Bamba leben in den Ruwenzoribergen und sollen vom Mount Elgon ausgewandert sein. Vater und Sohn benutzten früher bei der Jagd eine wortlose Kommunikation mit Pfeiftönen.

Während in einigen Ethnien die Beschneidung der jungen Männer beim Eintritt ins Erwachsenenalter üblich ist, werden bei den Ethnien der Sabiny in der Region Kapchorwa, bei den Pokot und den Tepeth in Karamoja, die Frauen beschnitten. Diese Praktiken wirksam zu bekämpfen ist nicht einfach, solange man die sozio-kulturellen Wurzeln nicht kennt und dort ansetzt. Doch immer häufiger begehren Betroffene auf und gehen and die Öffentlichkeit gegen das grausame Ritualhttp://www.fgmnetwork.org/gonews.php?subaction=showfull&id=1215633129&ucat=1&. Immerhin ist die Genitalverstümmelung seit 2009 in Uganda verboten, es drohen bis zu 10 Jahren Haft bei Zuwiderhandlungen. Als Folge wird das Ritual nun von einigen Familien in Kenia ausgeführt, versteckt in Maisfeldern, von hygienischen Bedingungen kann keine Rede sein. 

In jeder Ethnie findet die traditionelle Hochzeit, also das Aushandeln des Brautpreises, auf unterschiedliche Art statt. In Ankole wurden (und werden z. T. immer noch) die Bräute mit Milch gemästet, bis sie dick genug waren.

Seit über 600 Jahren stellen Handwerker des Ngonge Clan in Buganda ein Rindentuch, das sog. Barkcloth,her; früher für den Gebrauch der königlichen Familie heute auch für touristische Zwecke. Die UNESCO nahm das rare Handwerk auf die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit auf.

Traditionelles Theater, Musik , Mode, Film und Kunst

Der verbreitetste Kulturträger in Uganda ist das Theater. Das Ndere Dev' Theatre wird als erstes Kulturprojekt von der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit im Außenministerium unterstützt. Doch auch die traditionelle Musik, mit einer großen Vielfalt an Instrumenten, hat ihren Platz in Uganda, wenn auch heute die moderne Musik eine große Rolle spielt. Nicht weniger vielfältig ist Ugandas Kunsthandwerk, angefangen von handwerklich gekonnt gefertigten Dachkonstruktionen, über Tonware, kunstvoll geflochtene Matten oder Körben bis hin zu filigran gefertigtem Schmuck. Bilder ugandischer Künstler findet man in Kampala regelmäßig bei Ausstellungen in den Galerien. Inzwischen finden eine Vielzahl von Konzerten, Festivals oder Workshops in Kampala, aber auch in kleineren Städten, statt.

Ein Film aus Uganda "Call me Kuchu" erhielt im Jahr 2012 den entwicklungspolitischen Filmpreis "Cinema fairbindet". Er wird seit 2011 jedes Jahr vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) in Kooperation mit der Berlinale vergeben. Der Film handelt von den tagtäglichen Schwierigkeiten Homosexueller in Uganda.

Die Kleidung

Im Alltag ist die Kleidung in Uganda der unsrigen oftmals sehr ähnlich. Doch für Feste, oder auch in ländlichen Gegenden findet man oftmals Frauen mit Busuti, einem weiten langen Kleid, oder Männer mit Kanzu, einem weißen Gewand.

Doch gerade in den Städten wächst eine Generation junger Frauen heran, die offen ist für eine neue aber afrikanische Mode. Modemacher wie Sylvia Owori nutzen diese Chance und kombinieren afrikanische Stoffe mit modernen Schnitten und erreichen damit ein großes Publikum, Arbeitsplätze für lokale Schneiderinnen inklusive. Jedoch an Miniröcke dürfen sich Uganderinnen nun nicht mehr heranwagen: Im Rahmen des kürzlich verabschiedeten Anti-Pornografie-Gesetzes ist freizügige Kleidung verboten. 

Deutsch-ugandische Kulturbeziehungen

Diese konzentrieren sich vor allem auf die Förderung der deutschen Sprache, sowie Vergabe von DAAD-Stipendien. An zehn Sekundarschulen und drei Universitäten wird Deutsch als Fach unterrichtet. Des Weiteren findet eine starke Kooperation im sportlichen Bereich, unterstützt von einer deutschen Fachkraft, statt.

Aus der Ugandan German Cultural Society entstand 2008 das Goethe Zentrum in Kampala und ist in der Mackinnon Road, Plot 6 in Nakasero zu finden. Angeboten werden Kulturveranstaltungen, Theater, Sprachprogramme u.v.m.

Religion

Die europäischen Missionare hatten im vorletzten Jahrhundert auch Uganda zum Schauplatz europäischer Differenzen gemacht. Sie lieferten sich bei der Missionierung einen Wettlauf entlang von Stammesgrenzen, was zu einer weiteren Vertiefung der Gegensätze führte. Auch in Afrika galt: wie der Herr, so's Geschärr. Der bugandische König Mutesa wurde beispielsweise katholisch, also wurden es seine Untertanen auch. Die am meisten verbreitete Religion stellt das Christentum mit über 85%. Schätzungen lauten: Römisch katholisch 42%, Anglikaner 35%, Anhänger von Pfingstkirchen 4,6 %, sunnitische Muslime 12%, Anhänger traditioneller Religionen 1%.

Die evangelikalen Pfingstbewegungen erhalten durch amerikanischen Einfluss derzeit starken Zulauf. So wird auch die Anti-Gay Kampagne vorwiegend aus diesen Kreisen unterhalten und finanziert.

Sekten

Zunehmend bekommen die unterschiedlichsten Sekten in Uganda mehr und mehr Anhänger. Im März 2000 starben im kleinen Ort Kanungu mehrere hundert Menschen, die der Weltuntergangssekte Wiederherstellung der zehn Gebote Gottes angehörten.

Foren

Diskutieren: Im Internet finden Sie Newsgroups und Foren, um Meinungen und Beiträge, vor allem von Ugandern, aber auch von sog. "Expats", nachzulesen. Dort werden beispielsweise Themen wie HIV/AIDS und Wirtschaftsfragen diskutiert.

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im März 2014 aktualisiert.

Autorin

Gertrud Schweizer-Ehrler

Gertrud Schweizer-Ehrler, Sozialmanagerin mit  pflegerischer Grundausbildung arbeitete über einen Zeitraum von insgesamt neun Jahren in einer Nicht-Regierungs-Organisation (SALEM International) in Uganda.

Erste Vorsitzende des Vereins Tukolere Wamu, gemeinsam für Eine Welt e.V.“

Freiberufliche Tätigkeit im Bereich der Beratung, Schulung, und Öffentlichkeitsarbeit zu entwicklungspolitischen Themen

Organisatorin und Reiseleiterin für Projekt- und Begegnungsreisen nach Uganda und Herausgeberin des Uganda-Ostafrika-Blogs. 

Anregungen und Kommentare sind willkommen.

Literaturhinweise

Weiterführende Literatur zu den Themen:

Linktipps

Trainingsangebote der AIZ

Die Akademie der GIZ ist der führende Weiterbildungsanbieter für die internationale Kompetenzentwicklung. Wir stehen für innovative, wirksame und nachhaltige Lösungen.

> PDF zu aktuellen Kursangeboten
im Juli und August

> Weitere Angebote aus dem Weiterbildungskatalog

Gerne konzipieren wir für Sie maßgeschneiderte Trainingskurse, die sich an Ihren individuellen Bedürfnissen und Interessen orientieren.

> Wir freuen uns über Ihre Anfragen!

Kontakt

Thorsten Hölzer
+49 2224 926144

Zum Kontaktformular

Ein Angebot der AIZ

Akademie für Internationale Zusammenarbeit