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Die Bevölkerung von derzeit 34,7 Millionen lebt vorwiegend in den ländlichen Regionen. Uganda weist das vierthöchste Bevölkerungswachstum weltweit, nach Qatar, Simbabwe und Niger, auf. Die höchste Bevölkerungsdichte
findet man im Südwesten und im Osten des Landes. Karamoja, mit seinem ariden Klima, ist am dünnsten besiedelt.
Daten und Datenbanken zur Bevölkerung Ugandas finden Sie bei bei der Weltbank
oder beim Uganda Bureau of statistics
. Eine Vielzahl von Daten z. B. zu Geburten- und Sterberaten, Alterssruktur u.v.m. mit viel Grafiken finden Sie bei Index Mundi
.
Uganda ist, wie die meisten afrikanischen Länder, ein Vielvölkerstaat
. Die Bevölkerung ist ethnisch, kulturell, sprachlich und religiös heterogen und komplex. Im Land leben ca. 40 Nationalitäten
(Ethnien), die aufgrund ihrer Kultur und Sprache zwei Hauptblöcke bilden: die Bantuvölker im Süden und die Niloten und Nilohamiten im Norden.
Zahlenmäßig sind die Bantu
die größere Volksgruppe. Die Baganda
stellen mit 18 % die größte ethnische Gruppe Ugandas. Die Bedeutung des Königreichs Buganda
ist bis heute spürbar und hat die Geschichte Ugandas schicksalhaft bestimmt. Bevor allerdings ausländische Forscher, Eroberer und schließlich die Engländer ihren Fuß auf den Boden des heutigen Uganda setzten, war Bunyoro-Kitara
im Westen Ugandas gelegen, das bedeutendste Königreich.
Einen krassen Gegensatz zu den relativ gut entwickelten Regionen des Südens finden Sie in Karamoja, im Nord-Osten des Landes. Hier ist augenscheinlich die ärmste, trockenste
und am meisten unterentwickelte Region Ugandas. Dieser Landesteil ist semi-arid, die Landschaft geprägt durch Savannen-Grasland und das Klima ist trockener, heißer, stürmischer und somit erschwert bewohnbarer als der Rest des Landes. Die Karimajong
sind Niloten und leben als Halbnomaden in einem komplizierten Clansystem zusammen. Die Viehhaltung ist existentiell und nimmt - für viele Nicht-Karimajong kaum verständlich - abgesehen vom ökonomischen Wert, die wesentliche Stelle im kulturellen wie religiösen Leben ein. Vor allem während der Trockenzeit ziehen die Männer mit ihren Herden oft viele Kilometer täglich auf der Suche nach Weideland und leben in temporären Camps. Frauen dagegen bleiben mit den Kindern und alten Menschen in den Dörfern. Doch selbst die Häuser in den Dörfern sind aufgrund der einfachen Bauweise jederzeit in fruchtbarere Gegenden verlegbar. Mobilität ist ein essentieller Bestandteil der Lebensweise der Karimojong.
Kleine Bilderreise durch Karamoja:
Die Kommunikation
in Uganda ist sehr viefältig. Im Land werden über 40 Sprachen
gesprochen. Die Amtssprache
ist Englisch, seit 2005 zusätzlich Suaheli. Allerdings beschränkt sich die Verbreitung von Suaheli
momentan noch auf die Grenzregionen, dort wird es vorwiegend von Händler benutzt. Zum Teil wird bereits an den Schulen Suaheli unterrichtet, doch um dies flächendeckend durchführen zu können, fehlen noch ausgebildete Lehrer. Im südlichen Teil Ugandas ist Luganda sehr weit verbreitet. Seit 2007 wird in den ersten Jahren der Grundschule die lokale Sprache der Region unterrichtet.
Ugandas Bevölkerungswachstum
zählt zu den höchsten der Welt. Laut der Daten vom Juni 2013 von CIA World Factbook
nimmt Uganda Platz 4 mit einem Bevölkerungswachstum von 3,32 % ein. Viele der rund 34,7 Millionen Ugander kämpfen ums tägliche Überleben. Eine regelmäßig bezahlte Arbeit haben nur wenige. Circa 80 % der Bevölkerung lebt von der Subsistenzlandwirtschaft,
viele verdienen sich als landwirtschaftliche Helfer oder im Kleinhandel gelegentlich ein Zubrot. Der informelle Sektor entwickelt sich stetig. Ob als Schreiner an der Straße oder Hersteller von Recyclingartikeln, wie z. B. Öllampen aus alten Dosen, läßt sich zuverlässiger Geld verdienen als in der alleinigen Abhängigkeit von der Landwirtschaft. Allerdings sind die Löhne in den meisten Bereichen so gering, dass die Menschen auf die Lebensmittel der eigenen Landwirtschaft angewiesen sind. In der Hauptstadt Kampala gibt es jedoch immer mehr Menschen, die gut leben können. Es herrscht ein wahrer Bauboom, denn mit der Vermietung von Häusern und Wohnungen lässt sich gutes Geld verdienen. Die Straßen sind nicht mehr nur mit Kleinbussen und Projektfahrzeugen verstopft, dazu kommen immer mehr Privatfahrzeuge. Doch, was in Uganda immer noch rar ist, ist die Mittelklasse
. Menschen die arbeiten, Geld verdienen und auch Steuern zahlen.
In Uganda leben ca. 85 % der Menschen auf dem Land. Zu Ihnen gehören auch viele arme Menschen und die Ärmsten des Landes
. Viele suchen und finden Arbeit in der Stadt, doch bleibt die Landverbundenheit zumeist erhalten. Zum Teil werden Familien geteilt, die Männer gehen auf Arbeitssuche in die Stadt und die Frauen versorgen weiterhin den Hof der Familie. Oftmals entwickeln sich daraus polygame Strukturen. Einige Familien jedoch entscheiden sich auch für ein gemeinsames Leben in der Stadt.
Verglichen mit Kampala spielen die restlichen Städte des Landes nur eine untergeordnete Rolle. In der Hauptstadt sind die besten Schulen, Universitäten, Jobs und inzwischen sogar die Industrie. Kein Wunder, dass auf Kampalas Straßen kaum noch ein Durchkommen ist. Schon während der Kolonialzeit wurde der Süden vorrangig entwickelt. Dies ist heute immer noch so. In den letzten Jahren hat sich dieses Süd-Nord-Gefälle durch den über 20-jährigen Konflikt in Norduganda verstärkt , der im Norden jegliche Entwicklung lähmte und im Gegenteil die Armut massiv verstärkte.
Migration
spielt auch in Uganda eine Rolle. Der langjährige Krieg in Norduganda und zuvor die Konkflite in Teso oder Luwero, veranlassten viele Menschen Sicherheit in anderen Regionen des Landes zu suchen; allerdings meistens in der Hoffnung auf eine Rückkehr in friedlichen Zeiten.
Arbeitssuche führt die Menschen teilweise in Nachbarländer oder in andere Kontinente, zumeist zeitlich befristet.
Nicht zu unterschätzen ist die Anzahl von Kindern, die als Haushaltshilfen zu Verwandten in die Stadt gegeben werden. Die Eltern erhoffen sich gewöhnlich eine gute Versorgung des Kindes oder eine bessere Schulbildung. In der Realität werden die Kinder und Jugendlichen, zumeist Mädchen, oftmals als billige Arbeitskräfte
ohne Stimmrecht ausgebeutet oder gar von den Hausherren sexuell missbraucht.
Als ein friedliches Land inmitten von Konfiktherden ist Uganda auch ein Land, das regelmäßig Flüchtlinge
der Nachbarländer aufnimmt und versorgt.
Die Gender-Situation
in Uganda unterscheidet sich nicht grundlegend von der in anderen afrikanischen Staaten. Hohe Müttersterblichkeit, unterdurchschnittlich niedrige weibliche Alphabetisierungsraten und die weit stärkere Arbeitsbelastung von Frauen im Vergleich zu der von Männern sind hier nur einige Stichworte.
Traditionelle Gesetze und Praktiken beherrschen immer noch die ugandische Gesellschaft, obwohl die in 1995 ratifizierte demokratische Verfassung die Gleichheit der Geschlechter zusichert. So gehören auch heute noch Unterdrückung
, überdurchschnittliche Arbeitsbelastung, Gewaltanwendung
durch den Ehepartner und Vergewaltigung zum Alltag der Frauen in Uganda. Dass Frauen dabei Gefahr laufen, sich mit HIV anzustecken, ist leicht nachvollziehbar. Familienplanung
ist zwar für viele Frauen ein Thema, doch ihre Ehemänner haben noch zuhauf Vorurteile, die es abzubauen gilt.
Doch es gibt auch Positives von Ugandas Frauen zu berichten. So setzen sich die Frauen im Tororo Distrikt im Osten des Landes dafür ein, dass der Brautpreis
abgeschafft wird.
Die ugandische NGO ACFODE
(Action for Development) hat sich u. a. die rechtliche Gleichstellung der Frauen zum Ziel gesetzt.
Das UNDP präsentiert alljährlich den Human Development Index.
Daraus abgeleitet werden zwei „Gender sensitive" Indizes: der Gender-Related Development Index (GDI) und ein Gender Empowerment Measure (GEM). Beim GDI
liegt Uganda auf Platz 157 von 182 untersuchten Staaten, zum GEM liegen keine Angaben vor.

Ugandische Frauen gebären 6,1 Kindern pro Frau
die vierthöchste Stelle weltweit. Nur der Niger, Mali und Somalia toppen Uganda noch. Zweiundsechzig von tausend Babys unter einem Jahr sterben bevor sie ein Jahr alt sind. 16 % der Kinder unter 5 Jahren sind untergewichtig. Zwanzig % der Frauen zwischen 15 und 19 Jahren sind bereits verheiratet. Weitere Daten finden Sie bei UNICEF
. Uganda hat vorbildliche Gesetze um die Kinder zu schützen, doch die Umsetzung ist oftmals mangelhaft. Hier leisten NGOs gute Hilfe, wie z. B. das Uganda Child Rights NGO Network
.

Mehr als die Hälfte der Menschen in Uganda sind jünger als 15 Jahre. Nur wenige von ihnen haben Chancen auf einen guten Schulabschluss und eine Berufsausbildung die ihnen einen guten Lebensunterhalt garantieren würde.
Die Struktur
von Ugandas Bildungssystem besteht aus sieben Jahren Grundschule, der eine 4 jährige Phase der Mittelschule und eine 2 jährige Phase der Oberschule folgt. 3 bis 5 Jahre werden im Folgenden für ein Hochschulstudium veranschlagt.
Seit 1997 ist die Grundschulbildung frei. Die Schülerzahlen stiegen um über 2,5 Millionen auf ca. 6.8 Millionen im Jahr 2000. Dennoch, die Qualität der Grundschulbildung leidet bis heute, mit überfüllten Klassenzimmern, schlecht ausgebildeten Lehrern und schlechtem Schulmanagement. Laut der ugandischen Tageszeitung New Vision
hat Uganda die höchste Schulabbrecherquote in Ostafrika. Nur 29 % der im Jahr 2006 eingeschulten Kinder beendete die 7-jährige Primarschulzeit 2012.
Seither konnten nur wenige Jugendliche die Sekundarschule besuchen. Die Kosten von durchschnittlich 130 $ pro Jahr können viele Eltern nicht aufbringen. Im Jahr 2007 führte Uganda als erstes Land Afrikas südlich der Sahara die freie Sekundarschulbildung
ein. Bereits ein ein Jahr später wuchsen die Zahlen der Schüler, die die Primarschule beendeten und auf die Sekundarschule wechselten, von 50 % auf 69 %. Über 1000 staatliche und private Schulen wurden für das Programm ausgewählt.

Lange Zeit war das Berufsbildungssystem Ugandas sehr unzureichend. Immer noch gibt zu wenige staatliche Berufsschulen. Zudem ist die Ausstattung der Bildungseinrichtungen oftmals mangelhaft, das Management und Lehrpersonal schlecht ausgebildet. Um die Situation zu verbessern, hatte die Bundesrepublik Deutschland Berufsbildung zu einem Schwerpunkt der Zusammenarbeit mit Uganda gemacht. In den letzten Jahren konnten bereits einige Fortschritte erreicht werden. So werden von Ugaprivi
(Uganda Association of Private Vocational Institutions) landesweit private Ausbildungszentren betreut und unterstützt. Ein neues Schlagwort nennt sich "Universal Post-Primary Education and Training" (UPPET)
. Hierbei ist neben der Finanzierung der Sekundarschule durch den Staat die Unterbringung junger Menschen in einer adäquaten berufsbildenden Einrichtung, die ihren Grundvoraussetzungen und ihren Kompetenzen entspricht, ein wichtigstes Ziel im Kampf gegen die Armut. Junge Menschen danken es mit Eigeninitiative
, die ihnen vielmals ein Einkommen ermöglicht, wie ein Beispiel aus einem von der GIZ geförderten Projekt zeigt.
Bereits im Jahr 1922, noch während der Kolonialzeit, wurde die Makerere Universität,
damals als technische Schule, erbaut. Heute studieren dort über 30.000 Studenten. Die Hochschule zählt zu den bedeutendsten Universitäten in ganz Ost- und Zentralafrika. Insgesamt verfügt Uganda über 6 staatliche und derzeit 25 private Hochschulen
, Tendenz steigend. Nur wenige Sekundarschulabsolventen können mit einem Stipendium kostenfrei studieren. Für alle anderen ist der Besuch einer Hochschule
eine sehr teure Angelegenheit.
Mehr zur Aktion "Bildung für Alle", finden Sie auf einer Seite des Afrikahauses: Unterricht unter dem Mangobaum
. Besonders wenig Chancen auf Bildung haben Kinder in Karamoja. Eine alternative Basiserziehung ABEK
bringt Chancen für Kinder, die ansonsten mit dem Hüten der Tiere bzw. dem Bewältigen des Alltags vollauf beschäftigt wären.
Im Gesundheitssektor
hat Uganda in den letzten Jahren nur wenig Fortschritte erzielt. In den staatlichen Gesundheitszentren ist die Behandlung offiziell kostenlos, doch in der Realität herrscht ein ständiger Mangel
an Medikamenten und Personal. Die Kinder- und Müttersterblichkeit ist nach wie vor hoch, die Anzahl neuer Tuberkuloseerkrankungen
alarmierend. Die meisten Patienten sterben an Malaria
, doch auch die schlechten sanitären Bedingungen
mit ca. 17 % der Bevölkerung ohne Toiletten und nur 61 % mit Zugang zu sauberem Wasser, sind verantwortlich für zahlreiche Erkrankungen und Todesfälle.
Am schlimmsten ist die Gesundheitssituation in Karamoja
im Kabong Distrikt, wo kaum Zugang zu medizinischer Versorgung besteht.
Im Rahmen des Health Sector Strategic Plans
(HSSP) wurden durch die Schaffung von Health Sub Districts (HSC)- jedes mit einem besser ausgerüsteten Gesundheitszentrum oder Krankenhaus - eine Dezentralisierung des Gesundheitssektors erreicht.
Außerdem werden nun kostenfreie Minimum-Gesundheitsvorsorge-Packages (sofern vorhanden!) zur Verfügung gestellt, z. B. für Gebärende. Verbesserte Ausbildungen u.a. für Gesundheitsassistenten und sog. Comprehensive Nurses sollen ebenfalls zu einer Verbesserung der Gesundheitssituation in Uganda beitragen.
Bereits zum vierten Mal innerhalb von zwölf Jahren trat im Juli 2012 das gefürchtete Ebolafieber
auf. Diese schwere Erkankung
lässt die Menschen innerhalb von kurzer Zeit innerlich bluten, oftmals gar verbluten. Die Überlebenschancen sind in Uganda etwas besser als in den Nachbarländern, sie liegen bei rund 50 %. Wie schon bei früheren Ausbrüchen, trat die Erkrankung in Westuganda, dieses Mal im Kibaale Distrikt, auf. Siebzehn Menschen starben daran, 24 Patienten wurden vorsichtshalber isoliert. Seit dem 5. Oktober 2012 gilt Uganda wieder als Ebola frei
. Ende 2007 trat in Uganda erstmals ein neuer Stamm des Ebola-Virus auf, dem mindestens 37 Menschen, darunter 2 Ärzte, erlagen. Der Ausgangspunkt der Epidemie war der Distrikt Bundibugyo nahe der Grenze zur Dem. Rep. Kongo.
Mitte 2008 starb eine niederländische Touristin am Marburgvirus
. Sie hatte Fledermaushöhlen in Westuganda besucht. Fledermaus-Spezies gelten als potenzielle Überträger der Krankheit. Im Herbst 2012 trat die gefährliche Erkrankung
erneut in Uganda auf.
Weit weniger Beachtung in den Medien findet die sog. Nodding-Disease
, die seit Ende 2011 vermehrt in Norduganda auftritt. Es erkranken vorwiegend Kinder und Jugendliche. Diese noch kaum erforschte schwere Erkrankung, mit Krampfanfällen einhergehend, führt zu geistiger Behinderung und endet oftmals tödlich, manchmal nach jahrelangem Leiden. Bisher gibt es nur Vermutungen über die Ursache, wie schlechte Ernährung und Hygiene, oder einen Zusammenhang mit Onchozerkose.
Erste Behandlungszentren
wurden jetzt eingerichtet.

In der öffentlichen Meinung gehören Uganda und AIDS zusammen wie ein Zwilling zum anderen. Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass Uganda -- nicht zuletzt durch den Einsatz Präsident Yoweri Musevenis -- diese Krankheit nicht tabuisiert hat, d.h. dass auch Zahlen über die Verbreitung von Aids nie unter Verschluß gehalten wurden. Durch diese Offenheit, die nicht zuletzt viele namhafte AIDS-Forscher und Hilfsgelder ins Land brachte, konnte Uganda eines der fortschrittlichsten AIDS - Bekämpfungsprogramme
der Welt aufbauen. Bereits 1987 wurde von Betroffenen die Aids-Organisation TASO
gegründet, die bis heute in der Beratung der von HIV/Aids betroffenen Menschen, dem sog. councelling sehr engagiert ist. Neuerdings gibt es das erste Straight Talk Radio
Ostafrikas in Kampala mit AIDS Aufklärung -- die beste Waffe gegen die sozio-ökonomischen Ursachen der Krankheit. Hunderte aidskranker Eltern in Uganda haben in den vergangenen Jahren "Erinnerungsbücher
" für ihre Kinder verfasst. Stöbern Sie in einem kurzen Auszug aus dem Buch von Henning Mankell, "Ich sterbe, aber die Erinnerung lebt". Dennoch hat AIDS
nach wie vor verheerende volkswirtschaftliche Auswirkungen: Im Grunde muss man für jeden benötigten Arbeitsplatz zwei Leute ausbilden, da man davon ausgehen kann, dass einer von ihnen in den nächsten 10 Jahren an AIDS stirbt.



Die unterschiedlichen Ethnien
Ugandas weisen eine große kulturelle Vielfalt
auf. Während die Bambuti und Batwa
als eine bedrohte und diskriminierte Minderheit im Westen des Landes leben, sind ihre Nachbarn, die Batooro
in einem Königreich organisiert, wiederum die Bakonjo und Bamba
leben in den Ruwenzoribergen und sollen vom Mount Elgon ausgewandert sein. Vater und Sohn benutzten früher bei der Jagd eine wortlose Kommunikation mit Pfeiftönen.
Während in einigen Ethnien die Beschneidung der jungen Männer
beim Eintritt ins Erwachsenenalter üblich ist, werden bei den Ethnien der Sabiny in der Region Kapchorwa, bei den Pokot und den Tepeth in Karamoja, die Frauen beschnitten. Diese Praktiken wirksam zu bekämpfen ist nicht einfach, solange man die sozio-kulturellen Wurzeln nicht kennt und dort ansetzt. Doch immer häufiger begehren Betroffene auf und gehen and die Öffentlichkeit gegen das grausame Ritual
. Immerhin ist die Genitalverstümmelung seit 2009 in Uganda verboten
, es drohen bis zu 10 Jahren Haft bei Zuwiderhandlungen. Als Folge wird das Ritual nun von einigen Familien in Kenia ausgeführt,
versteckt in Maisfeldern, von hygienischen Bedingungen kann keine Rede sein.
In jeder Ethnie findet die traditionelle Hochzeit, also das Aushandeln des Brautpreises, auf unterschiedliche Art statt. In Ankole wurden (und werden z. T. immer noch) die Bräute mit Milch gemästet
, bis sie dick genug waren.
Seit über 600 Jahren stellen Handwerker des Ngonge Clan in Buganda ein Rindentuch, das sog. Barkcloth,
her; früher für den Gebrauch der königlichen Familie heute auch für touristische Zwecke. Die UNESCO nahm das rare Handwerk
auf die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit auf.
Der verbreitetste Kulturträger in Uganda ist das Theater. Das Ndere Dev' Theatre
wird als erstes Kulturprojekt von der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit im Außenministerium unterstützt. Doch auch die traditionelle Musik
, mit einer großen Vielfalt an Instrumenten
, hat ihren Platz in Uganda, wenn auch heute die moderne Musik
eine große Rolle spielt. Nicht weniger vielfältig ist Ugandas Kunsthandwerk
, angefangen von handwerklich gekonnt gefertigten Dachkonstruktionen, über Tonware, kunstvoll geflochtene Matten oder Körben bis hin zu filigran gefertigtem Schmuck. Bilder ugandischer Künstler findet man in Kampala regelmäßig bei Ausstellungen
in den Galerien. Inzwischen finden eine Vielzahl von Konzerten, Festivals oder workshops
in Kampala, aber auch in kleineren Städten, statt.
Ein Film aus Uganda "Call me Kuchu"
erhielt dieses Jahr (2012) den entwicklungspolitischen Filmpreis
"Cinema fairbindet". Er wird seit 2011 jedes Jahr vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) in Kooperation mit der Berlinale vergeben. Der Film handelt von den tagtäglichen Schwierigkeiten Homosexueller in Uganda.
Im Alltag ist die Kleidung in Uganda der unsrigen oftmals sehr ähnlich. Doch für Feste, oder auch in ländlichen Gegenden findet man oftmals Frauen mit Busuti
, einem weiten langen Kleid, oder Männer mit Kanzu
, einem weißen Gewand.
Doch gerade in den Städten wächst eine Generation junger Frauen heran, die offen ist für eine neue aber afrikanische Mode. Modemacher wie Sylvia Owori
nutzen diese Chance und kombinieren afrikanische Stoffe mit modernen Schnitten und erreichen damit ein großes Publikum, Arbeitsplätze für lokale Schneiderinnen inklusive.
Diese konzentrieren sich vor allem auf die Förderung der Deutschen Sprache,
sowie Vergabe von DAAD-Stipendien. An zehn Sekundarschulen und drei Universitäten wird Deutsch als Fach unterrichtet. Des Weiteren findet eine starke Kooperation im sportlichen Bereich, unterstützt von einer deutschen Fachkraft, statt.
Aus der Ugandan German Cultural Society
entstand 2008 das Goethe Zentrum
in Kampala und ist in der Mackinnon Road, Plot 6 in Nakasero zu finden. Angeboten werden Kulturveranstaltungen, Theater, Sprachprogramme u.v.m.
Die europäischen Missionare hatten im vorletzten Jahrhundert auch Uganda zum Schauplatz europäischer Differenzen gemacht. Sie lieferten sich bei der Missionierung einen Wettlauf entlang von Stammesgrenzen, was zu einer weiteren Vertiefung der Gegensätze führte. Auch in Afrika galt: wie der Herr, so's Geschärr. Der bugandische König Mutesa wurde beispielsweise katholisch, also wurden es seine Untertanen auch. Die am meisten verbreitete Religion
stellt das Christentum mit über 85%. Schätzungen lauten: Römisch katholisch 45%, Protestanten 35%, sunnitische Muslime 12%, Anhänger traditioneller Religionen 1%.
Zunehmend bekommen die unterschiedlichsten Sekten in Uganda mehr und mehr Anhänger. Im März 2000 starben im kleinen Ort Kanungu mehrere hundert Menschen, die der Weltuntergangssekte Wiederherstellung der zehn Gebote Gottes
angehörten.
Diskutieren: In Internet finden Sie Newsgroups
und Foren
um Meinungen und Beiträge, vor allem von Ugandern, aber auch von sog. "Expats", nachzulesen. Dort werden beispielsweise Themen wie HIV/AIDS und Wirtschaftsfragen diskutiert.
Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Mai 2013 aktualisiert.

Gertrud Schweizer-Ehrler, Sozialmanagerin mit pflegerischer Grundausbildung arbeitete über einen Zeitraum von insgesamt neun Jahren in einer Nicht-Regierungs-Organisation (SALEM International)
in Uganda.
Erste Vorsitzende des Vereins Tukolere Wamu
, gemeinsam für Eine Welt e.V.“
Freiberufliche Tätigkeit im Bereich der Beratung, Schulung, und Öffentlichkeitsarbeit zu entwicklungspolitischen Themen
Organisatorin und Reiseleiterin für Projekt- und Begegnungsreisen
nach Uganda und Herausgeberin des Uganda-Ostafrika-Blogs
.
Anregungen und Kommentare sind willkommen.
Weiterführende Literatur zu den Themen:


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