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Die Wirtschaft
des Tschad ist geprägt von der Landwirtschaft und der seit 2003 bestehenden Förderung von Erdöl
. Die Probleme der Wirtschaftsentwicklung lassen sich vor allem duch die Binnenlage, jahrzehntelange politische Instabilität und hohe Energiekosten erklären.
Seit die Erdölförderung
im Doba-Becken begonnen hat, wird die Wirtschaft mit etwa 47,8 % am BIP vom Industriesektor dominiert. Die Landwirtschaft trägt mit 21,5 % und der Dienstleistungssektor mit 30,6 % zum BIP bei.
Korruption und eine schwach ausgebildete Rechtssicherheit behindern sowohl die Privatwirtschaft als auch vorhandene Entwicklungspotenziale in großem Maße. Eine dringende Forderung des Internationalen Währungsfond (IWF) und der Weltbank (WB) ist die Privatisierung der wenigen traditionellen Schlüsselindustrien (Baumwolle, Elekrizität- und Wasserunternehmen), die aber nach wie vor unter staatlicher Kontrolle stehen. Allein die Zucker
- und Mobilfunkbetreiber-Unternehmen sind bereits privatisiert worden. Eine mangelnde Infrastruktur erschwert zusätzlichden Handel
und die wirtschaftliche Entwicklung, besonders außerhalb der vier größten Städte. Es existieren inzwischen ca. 1600 km geteerte Straßen; das weitläufige Pistennetz ist während der Regenzeit größtenteils unpassierbar und schränkt die Versorgung der ländlichen Gebiete stark ein.
Landwirtschaft: Rund 80 % der Arbeitskräfte sind nach wie vor in der Landwirtschaft
tätig, wobei lediglich 3% der Landesfläche für den Ackerbau nutzbar sind. Allerdings deckt die überwiegend auf Subsistenz ausgerichtete Landwirtschaft nur in regenreichen Jahren die nationale Selbstversorgung. Da die Erntemengen infolge großer Variabilität der Niederschläge stark schwanken, ist die gesamtwirtschaftliche Situation ausgesprochen labil. Schon 2007 bis 2009 gab es in einigen Regionen (2009 in und um Bongor) erhebliche Verluste und Ernteschäden durch Überschwemmungen und auch 2010 und 2012
hinterließen die extremen Regenfälle
Verheerungen
und waren Ursache einer Choleraepidemie im September und Oktober 2010.
Die Entwicklung der Ernährungssituation
im Tschad wird im Welthunger Index 2011
als negativ (von 37,7 1990 auf 29,9 2008 verbessert und 2011 auf 30,6 Punkte verschlechtert) bewertet, allerdings sind in diesen Statistiken nur teilweise die aktuellen Ereignisse, wie etwa die Nahrungsmittelkrise
und die Finanzkrise mitberücksichtigt worden, die enorme Preissteigerungsraten mit sich brachten. Insgesamt rangiert der Tschad damit immer noch auf den letzten Plätzen und die Ernährungslage
wird als ernst eingestuft. Wie bereits in den Vorjahren ist auch 2012 besonders der mittlere Westen des Tschad (Guera, Kanem, Bahr-el-Ghazal, Batha und Sila) von der extremen Dürre betroffen, was zur Folge hat, dass 75% der nomadisierenden Ethnien
akut vom Hunger betroffen sind.
Wichtigstes Agrarprodukt für den Export ist die Baumwolle
, die häufig in Mischkultur mit Hirse gepflanzt wird. Baumwolle wurde im südlichen und v.a. südwestlichen Tschad zunächst nur im Rahmen der Eigenversorgung angebaut, mit der Kolonisierung ab etwa 1920 zum Zwangsanbau als gewinnbringendes cash-crop
ausgedehnt. Seit 1971 wird die Baumwolle von dem halbstaatlichen Unternehmen Cotontchad
kontrolliert, das sowohl den Ankauf als auch den Export regelt. Zudem ist der Tschad weltweit der zweitgrößte Exporteur von Gummi Arabicum
.
Wichtigste landwirtschaftliche Anbauprodukte
sind in der Subsistenzwirtschaft Hirse und Sorghum (in feuchteren Gebieten), dazu kommt noch Mais. Zusammen mit den Hirsearten werden fast überall Okraschoten, Bohnen oder Erbsen angebaut. Die Getreideerträge sind für die Region durch die extreme Dürre 2009/10 sehr schlecht ausgefallen und die Preise
stiegen seit April 2010 in vielen Regionen um 30-50%. Da laut FAO die Produktion 2012 nur etwa 30% des Bedarfs decken konnte, gehört der Tschad auch im Folgejahr 2013 wieder zu den Krisenländern
.
Reis wird am Chari und im Südwesten gepflanzt, Weizen im Tschadseegebiet. Allerdings werden auch diese Getreide nur in geringem Maße kommerziell und überregional vertrieben. Zuckerrohr und Erdnüsse, Maniok und Batate aus den feuchteren Gebieten im Süden und Zwiebeln und Knoblauch aus den östlichen Landesteilen kommen noch hinzu. Die selten vorkommende Süßwasseralge Dihe
(Spirulina
), die im Tschadseegebiet geerntet wird, soll in einem Pilotprojekt zu Verbesserung der Ernährung in dem Gebiet beitragen, da sie sehr eiweißhaltig und ernährungsphysiologisch wertvoll ist.
Vieh: Tschads Viehwirtschaft
bildet eine weitere wichtige Ressource
für die Versorgung des Landes.
Im zentralen und nördlichen Teil des Landes wird Viehzucht
mit Rindern, Schweinen und Ziegen betrieben. Dafür wird insgesamt ein Drittel der Landesfläche als Weideland genutzt. Das Kuri-Rind
ist eine am Tschadsee beheimatete Rasse und optimal an die ökologischen Gegebenheiten der Region angepasst.
In Sarh wurde eine kleine fleischverarbeitende Industrie aufgebaut, deren Produkte nach Gabun und in den Kongo exportiert werden. Zudem investiert die Regierung in den Bau neuer Schlachthäuser. Dennoch wird der größte Teil des Viehbestands als Lebendvieh v.a. nach Nigeria verkauft, wobei sehr viele Tiere illegal in die Nachbarstaaten verkauft werden.
Zwischen den Ackerbauern aus dem Süden und den Viehzüchtern aus dem Norden kommt es zunehmend zu bewaffneten Konflikten um die Wanderkorridore und Weide- und Wasserplätze. Besonders 2009 und 2010 verendeten große Teile (vermutlich ein Drittel der Viehbestände des Landes
) der Rinderherden, die für ihre Besitzer überlebenswichtig sind.
Fischerei: Etwa 240 000 Menschen leben im Tschad von der Fischerei
. Der Fisch wird frisch, oder konserviert
, also getrocknet oder geräuchert, verkauft. Der Großteil des Fischs kommt aus dem Tschadsee
, dem Chari oder dem Logone. Problematisch dabei sind vor allem die fehlenen Kühlmöglichkeiten und der klimabedingte Rückgang der Wasserflächen. Im Fischereisektor
wurden in den letzten Jahren etwa 75.000 t Fisch erwirtschaftet, was einen deutlichen Rückgang im Vergleich zur letzten Dekade erkennen lässt.
Produktionsweisen: Aufgrund fehlender Mittel und fehlendem know-how dominieren einfache, traditionelle Produktionsweisen die Landwirtschaft.
Im Zentral- und Nordtschad wird von den Tubu, den Fulbe und anderen Ethnien traditionell nomadische oder halbnomadische Viehhaltung praktiziert.
Im Rahmen der Subsistenzwirtschaft werden vor allem von den Frauen kleine Gemüsegärten in der Nähe der Gehöfte angelegt. Überschüsse werden dann im Kleinhandel auf den lokalen Märkten angeboten.
Die Produktion im Erdölsektor, die sehr kapitalintensiv ist, ist hauptsächlich auf gut ausgebildetes, meist ausländisches Fachpersonal angewiesen.
Verarbeitende Industrie: Industrielle Entwicklung
konzentriert sich im Tschad seit 2003 auf die Erschließung und Produktion von Erdöl. Ansonsten existieren nur wenige größere Schlüsselindustrien, wie etwa die schon genannte Cotontchad, das Nationale Zuckerunternehmen SONASUT (Société Nationale Sucrière du Tchad), das Tschadische Textilunternehmen STT (Société Tchadienne de Textile), die Logone Brauereien BdL (Brasseries du Logone) und die tschadische Zigarettenfabrik MTC (Manufacture des Cigarettes du Tchad ). Diese fünf Industriezweige
machen etwa 20% des GDI aus. Von geringerer Bedeutung sind kleinere Gewerbebetriebe wie Reismühlen, Ziegeleien und Sägewerke, dagegen sind die lokalen Handwerksbetriebe bsp. der Töpfer, Schmiede oder Weber von großer Bedeutung für die ländliche Bevölkerung.
Erdöl: Am 10. Oktober 2003
ist der Tschad offiziell, aber auch unter internationaler Kritik
, in den Klub erdölfördernder Länder
eingestiegen. Eine 1070 km lange Pipeline erstreckt sich von den Erdölfeldern des Doba-Beckens im südlichen Tschad bis zum Verladehafen Kribi in Kamerun. Von dort wird das Rohöl dann weiterverschifft. Mit Kosten von etwa 3,7 Milliarden US$ stellt das Projekt zurzeit die größte Investition im subsaharischen Afrika dar und hat die Wirtschaftsstruktur des Tschad erheblich verändert.
Bodenschätze:
Neben den schwer erschließbaren Uran
- und Bauxitvorkommen im Norden des Tschad, prüfen südafrikanische Unternehmen zur Zeit, ob im Südwesten des Landes, in Mayo-Kebbi, Uran und Gold in größerem Umfang gefördert werden kann. Chinesische Unternehmen haben das Gebiet für den Kalkabbau entdeckt und haben ein Zementwerk
errichtet. Zur Betreibung des neuen Werks soll das Holz der umliegenden Wälder genutzt werden. Neue Regionen zur Ölförderung
wurden von der Chinese National Petroleum Company (CNPC) in der Nähe von Sarh, Bongor und des Tschadsees untersucht. Eine weitere Pipeline
in der Region Chari Baguirmi (Koudalwa
) wurde Anfang März 2011 von Präsident Déby eröffnet. Die CNPC hatte Ende 2010 einen Industriepark
mit einer weiterverarbeitenden Raffinerie
in der Nähe von N'Djaména eingeweiht.

Der Tschad zählt trotz eines Pro-Kopf -Einkommens von statistisch etwa 1.500 US $ (zum Vergleich vor der Erdölförderung 2003: ca. 300 US $) zu den ärmsten Staaten der Erde und belegt nach dem Human Development Index
von 2011 den Rang 183 der 187 untersuchten Länder. Ein Großteil der Bevölkerung (ca. 80 %) lebt in absoluter Armut, wobei ein großer Unterschied zwischen Stadt und Land festzustellen ist. Allerdings haben sich die statistischen Daten durch die seit 2003 stattfindende Erdölförderung bereits erheblich verändert. Die sozio-ökonomische Entwicklung des Landes wurde durch die isolierte Binnenlage und die Gliederung des Landes in "le tchad utile" (Süden) und "le tchad unutile" (Norden) während der französischen Kolonialzeit (Karte)
entscheidend geprägt. Durch die Favorisierung des Südens und die klimatischen Faktoren besteht ein deutliches Nord-Süd-Gefälle der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes. Zudem beeinflussen bis heute der Jahrzehnte währende Bürgerkrieg, viele Dürreperioden, Korruption und die unzureichend ausgebaute Infrastruktur die Wirtschaftslage
des Tschad.
Die Wachstumsraten
lagen für den Tschad in den Jahren 1996-2005 bei durchschnittlich 7,8%.
Die OECD sieht in ihrem Bericht nach der Stagnation der Wirtschaft für das Jahr 2006 ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um 0,3 % in den Folgejahren. Die durchschnittliche Inflationsrate lag 2008 bei 10,3 %, Ende 2009 bei 10,5 %. 2010 konnte die Inflation auf 6% abgesenkt werden und lag 2012 bei geschätzten 5%.
Die BEAC
(Banque des Etats d'Afrique Centrale) gibt in ihrer Bilanz der Konjunktur des Tschad für das Jahr 2013 einen leichten Aufschwung ökonomischer Aktivitäten an. Nachdem in den Jahren 2010 und 2011 ist eine mäßige wirtschaftliche Erholung eingetreten war wird das Klima für Investitionen
wird als gemischt beschrieben.
Trotz einiger positiver Prognosen hat sich die wirtschaftliche Situation der meisten Menschen im Tschad nicht oder nur kaum verbessert und wird durch hohe Preissteigerungen
nicht erst seit den ersten Monaten des Jahres 2008 weiter belastet. Dazu trägt auch die Nahrungsmittelkrise
, durch die sich die Hirsepreise seit 2007 (von 125 FCFA auf 240 FCFA pro kg) nahezu verdoppelt haben, nicht unwesentlich bei.
Der Index 2012 der Heritage Foundation über die ökonomische Freiheit
im Land bescheinigt dem Tschad eine gleichbleibend negative Entwicklung gegenüber dem Vorjahr und einen der hinteren Plätze auch im subsaharischen Vergleich. Allerdings werden dem Land Fortschritte in der Entwicklung eines dynamischen Klimas für Investments und Unternehmen bescheinigt.
INSEED
(Institut National de la Statistique, des Etudes Economique et Demographiques), das Nationale Institut für Statistik des Tschad, wartet leider nur mit sehr veralteten Informationen auf, so dass diese lediglich für Recherchen bezüglich der 90er Jahre und in einigen Ausnahmen bis 2006 hilfreich sein können.

Von der anhaltenden politischen Instabilität ist die Wirtschaftspolitik des Landes stark betroffen. Seit 1998 kooperiert der Tschad auf Druck der Weltbank und mit ihrer Hilfe im Rahmen wirtschaftspolitischer Reformprogramme, die auf Privatisierung, Liberalisierung und verschiedene Sektorprogramme abzielen. Aufgrund von Nichterfüllung durch die tschadische Seite werden diese jedoch immer wieder unterbrochen. Auch die anvisierten Privatisierungen gehen nur schleppend voran, wie im Falle von Cotontchad.
Frankreich kontrollierte
nach der Unabhängigkeit noch jahrzehntelang die Exporte der Baumwolle aus dem Tschad und anderer Sahel-Länder durch sein Unternehmen CFDT (Compagnie Francaise pour le Développement des Fibres Textiles). Nach der Unabhängigkeit war Frankreich am staatlichen Baumwollunternehmen Cotontchad beteiligt, kümmerte sich um Absatzmärkte und fördert den Bau von Entkernungs- und Ölfabriken. Nach dem Sektorreformprogramm 1999 ist inzwischen ein langwieriger Prozess der Privatisierung von Cotontchad in Gang gekommen, der jedoch noch nicht abgeschlossen ist. Dabei spielen die Auswirkungen
der Privatisierungsreformen auf die Armutsentwicklung und weitere Sozialindikatoren eine große Bedeutung.
Hinsichtlich Investitionen im öffentlichen oder privaten Sektor ist der Tschad in aller Regel auf Entwicklungshilfemittel und Fremdkapital angewiesen.
Seit dem Jahr 2000 fließen jedoch in großem Stil ausländische Direktinvestitionen (FDI's) in den Tschad, was v.a. mit der Ausbeutung der Ölfelder im Süden des Landes zu tun hat. Das Erdölprojekt
wurde von einem Konsortium der Mineralölkonzerne Esso, Chevron, Petronas und der Weltbank durchgeführt. Dabei hat sich die Regierung unter Idriss Déby gegenüber der Weltbank verpflichtet, 80 Prozent der Erdölexporteinnahmen in Investitionen in den Bereichen Bildung, Umwelt und Gesundheit einzusetzen. Fünf Prozent der Einnahmen waren direkt für das Doba-Becken bestimmt. Das von ihr eingesetzte Kontrollgremium veröffentlichte dazu regelmäßig Berichte. Pro Tag sollten bei voller Auslastung 250.000 Barrel Rohöl gefördert und damit die Staatseinnahmen des Tschad um jährlich bis zu 50 Prozent gesteigert werden. Um die richtige Verwendung der Gelder
zu gewährleisten, hatte auch die Weltbank ein internationales Beratergremium, die International Advisory Group (IAG) eingerichtet. Im September 2009 legte dieses ihren Abschlussbericht vor.
Das Projekt hatte jedoch schon im Vorfeld seiner Umsetzung Kritik bei zahlreichen nationalen und internationalen Menschenrechts- und Umweltorganisationen hervorgerufen. Die deutsche Arbeitsgruppe Tschad
verwies auf eklatante Sicherheitsmängel, Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörungen. Bewohner des Doba-Beckens beklagen zudem die negativen Folgen der Erdölförderung für ihre Gesundheit, den Zugang zu Bildungseinrichtungen und die Diskriminierung im Beschäftigungsbereich.
Anhaltende Meinungsverschiedenheiten und die Weigerung der tschadischen Regierung, sich an die Vereinbarungen bezüglich der Ausgaben der Erdöleinnahmen
zu halten, haben im September 2008 schließlich zu einem Rückzug
der Weltbank
aus dem Projekt geführt. Zum 10. Jahrestag
der Zustimmung der Weltbank zur Finanzierung des Projekts am 6. Juni 2010 attestierte die Arbeitsgruppe der Bank eine Mitverantwortung am Scheitern des Projekts. Auch die Studie des BICC
(Bonn International Center for Conversion) kommt zu einer negativen Bilanz des Erdölprojekts.
Der Außenhandel
des Tschad ist seit Beginn der Förderung vom Ölsektor abhängig.
Im Jahr 2010 führte der Tschad Waren im Gesamtwert von 2,1 Mrd Euro aus. Dies stellt eine leichte Erhöhung im Vergleich zum Jahr 2009 dar, liegt aber immer noch weit unter der Warenausfuhr von 2008, was sich durch den gesunkenen internationalen Ölpreis erklärt.
Dem Exportrückgang stand ein Importzuwachs von über 1 Milliarde Euro im Vergleich zum Vorjahr (von 2,196 Mrd Euro 2009 auf 3,34 Mrd Euro 2010) gegenüber. Importiert
wurden vor allem Brennstoffe, Fahrzeuge, Getreide und Textilien. Der vermehrte Import von Rüstungsgütern und Gütern für den Wiederaufbau und für Investitionen v.a. in der Infrastruktur, erklären diesen enormen Zuwachs. China ist der größte ausländische Investor.
Die wichtigsten Exportgüter des Landes - abgesehen von Erdöl - bestehen aus Baumwolle, die 38% des Gesamtexportwerts ausmacht, Vieh, Fleisch und Gummi Arabicum. Hauptabnehmer dafür sind vor allem die USA, China, Portugal und Deutschland. Als Abnehmer für Baumwolle gewinnt in den letzten Jahren auch China vermehrt an Bedeutung. Problematisch stellt sich die Abhängigkeit dar, die von den großen Preisschwankungen beim Export der Rohbaumwolle
auf dem Weltmarkt ausgehen und die regionalen Absatzprobleme, die auf schlechte Infrastruktur und Organisation zurückzuführen ist. Dazu kommen die angesprochene schleppende Privatisierung im Baumwollsektor und die Folgen der Doha-Gespräche über Handelsliberalisierungen
, in denen v.a. die Abkommen über Agrarzölle und -subventionen
zu Divergenzen zwischen Ländern des Nordens und Ländern des Südens führen.


Seit 1998 kooperierte der Tschad mit der Weltbank
und dem Internationalen Währungsfonds im Rahmen von Armutsbekämpfung und Strukturanpassungsprogrammen. Seit Mai 2001 hatte er sich für die Aufnahme
in den Kreis der HIPC-Länder
(Heavily Indebted Poor Countries) qualifiziert. Dazu wurde 2003 vom Tschad ein Poverty Reduction Strategy Paper und 2007 ein Progress-Paper
entwickelt. Die Zusammenarbeit kam 2008 aufgrund der Nichterfüllung der eingegangenen Verpflichtungen der tschadischen Seite zum Erliegen, sodass Tschad derzeit an keinem Schuldenerleichterungsprogramm des IWF teilnimmt.
Das aktuelle Poverty Reduction Strategy Paper
für den Tschad wurde im Juli 2010 veröffentlicht.
Beim Internationalen Währungsfond
können die Daten im Detail abgerufen werden.
Der letzte Bericht des Tschad zur Umsetzung
der Millennium Development Goals
wurde im Jahr 2005 erstellt, die letzten Daten des Tschad in Bezug auf die Indikatoren
der MDG im Jahr 2010 und im Januar 2011 erhoben.
Die Armut, die am stärksten die ländliche Bevölkerung
trifft, konnte in der letzten Dekade nur unzureichend bekämpft werden. Dafür verantwortlich sind sowohl die nur marginal ausgebaute Infrastruktur und das Gesundheitswesen, das keine Versorgung der Landbevölkerung gewährleisten kann, als auch naturräumliche Gegebenheiten, wie Desertifikation, Bodenerrosion und Dürren und Überschwemmungen
, die sich 2012
zu einer Sahel-Krise
ausweiten.
Auch der Zugang zu landwirtschaftlichem Know-how, Technologien und günstigen Krediten, die eine höhere Produktivität und damit eine bessere Versorgung begünstigen könnten, bleibt der ländlichen Bevölkerung zumeist verwehrt.
Dazu kommt v.a. im Osten des Tschad der Kampf um Ressourcen zwischen der Dorfbevölkerung und den Flüchtlingen aus dem Darfur.
Die zivilgesellschaftlichen Akteure, also Vereinigungen, Kooperativen, die Presse, Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen (NRO) sind im Tschad im Vergleich zu anderen afrikanischen Ländern nur wenig entwickelt. Nach den langanhaltenden politischen Unruhen bilden sich seit Mitte der 1990er Jahre langsam zivilgesellschaftliche Strukturen heraus. Inzwischen sind etliche nationale und internationale NROs
im Tschad registriert, die aber alle unterschiedlich aktiv sind. Erschwerend auf die Arbeit aller NRO wirkt sich die schlechte Infrastruktur des Landes aus, die sich sowohl in den mangelhaften Verkehrs- und Kommunikationswegen, als auch in den hohen Defiziten im Gesundheits- und Bildungssektor manifestiert.
Die einheimischen NRO beschränken sich daher zumeist auf die urbanen Zentren, die ländlichen Gebiete bleiben unterversorgt. Da der tschadische Staat seinen zentralen sozialen Aufgaben in vielen Bereichen nicht nachkommt und nur über eingeschränkte Kapazitäten verfügt, sind in den letzten Jahren viele Selbsthilfeinitiativen entstanden. Ihnen mangelt es allerdings an finanziellen und personellen Ressourcen und sie können ohne Unterstützung und Beratung häufig wenig Wirkkraft entfalten. Um diese zu stärken werden oftmals Partnerschaften mit ausländischen NRO's, wie im Beispiel der APLFT
(Vereinigung zur Förderung von Grundfreiheiten im Tschad), die als Partnerorganisation mit Swissaid zusammengearbeitet hat, geschlossen.
Vor allem Menschenrechtorganisationen wie die Association Tchadienne pour la Protection et la Défense des Droits de l'Homme (ATPDH
) und Ligue tchadienne des droits de l'Homme (LTDH
) und tschadische Nichtregierungsorganisationen, die im sensiblen Bereich der Erdölförderung und deren Auswirkungen arbeiten, sind vielfachen Einschüchterungsversuchen und Bedrohungen ausgesetzt.
Einen großen Anteil an Unterstützungsarbeit leisten die regionalen kirchlichen Organisationen wie z.B. Belacd in Lai
und Secadev
. Das überregional in großen Teilen Afrikas aktive Bildungsinstitut Inades
führt v.a. Fortbildungen im Bereich ländlicher Entwicklung durch. Inter-réseaux
versteht sich als Organisation zur Förderung der ländlichen Entwicklung v.a. in der Subsahara-Region. Die Université Populaire ist eine Bildungseinrichtung, die schon 1994 gegründet wurde und auf vielen Ebenen Fortbildungen für die Zivilgesellschaft anbietet und den Demokratisierungsprozess voranbringen will.
Die internationalen Entwicklungsanstrengungen konzentrieren sich im Tschad vor allem auf Armutsminderungsprogramme, verantwortungsvolle Regierungsführung
und die Versorgung der Flüchtlingsgebiete im Osten und Süden des Landes. Frankreich ist neben den USA, Deutschland, der Schweiz und den Niederländern der bedeutendste bilaterale Geber.
Wichtigste multilaterale Geber sind Europäische Union
, Afrikanische und Islamische Entwicklungsbank, UNDP und die Weltbank.
Ende 2005 kam es zu Spannungen zwischen der tschadischen Regierung und der Weltbank. Die tschadische Regierung hatte das Gesetz zur Finanzierung eines Zukunftfonds praktisch annuliert, der eine Vertragsbedingung
der Weltbank für die Finanzierung des Projekts war. Kurz darauf ist dieser Konflikt
zugunsten des Regimes Déby entschieden worden. Die Weltbank ließ zu, dass sich die Transparenz bei der Verwendung der Erdöleinnahmen reduzierte und die Ausgaben für Entwicklungsmaßnahmen zugunsten militärischer Ausgaben vermindert worden sind.
Als Konsequenz hat sich die Weltbank im September 2008 aus dem Projekt zurückgezogen und ihr Büro im Tschad erst im Januar 2009 teilweise wieder eröffnet
.
Ausgewählte Beispiele zu Organisationen und deren Engagement und Projekte im Tschad finden Sie in der folgenden Auflistung.
, DEZA
, SwissAid
, AFD
, Internationaler Währungsfond
, UNDP
, Unicef
, UNHCR
, Afrikanische Entwicklungsbank
, Islamische Entwicklungsbank
, WFP
, IFAD
, Acord International
, Ärzte ohne Grenzen
Die bilateralen Entwicklungsleistungen
, die nicht unerheblich sind, konzentrieren sich im Tschad auf Projekte der Armutsbekämpfung. Im Jahr 2007 flossen aus Deutschland insgesamt 26 Mio Euro in den Tschad, wovon der Großteil für armutsmindernde Projekte und die restlichen 7,5 Mio Euro für die Flüchtlingslager
im Osten des Landes verwendet wurden. Schwerpunkte bilden neben der Nothilfe Unterstützungsmaßnahmen in der dezentralen ländlichen Entwicklung (u.a. Wasserversorgung, Grundschulbildung), Demokratieförderung, Gesundheitswesen und in der Steuerung natürlicher Ressourcen. Für die nachhaltige Nutzung von Wasserressourcen wurde Ende 2008 zudem ein TZ-Abkommen
mit der Tschadseekommission geschlossen. Außerdem engagiert sich Deutschland zusammen mit der CEMAC in einem regionalen Projekt zur Aidsbekämpfung
.
2008 hat der Tschad seine Einstufung als Partnerland
in der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit
aufgrund der mangelnden Entwicklungsorientierung der Regierung verloren. Die bilaterale Zusammenarbeit ist 2011/12 ausgelaufen, die Not- und Übergangshilfeprogramme wird jedoch bestehen bleiben.
Von den im Tschad tätigen deutschen Institutionen
unterscheidet man zwischen den personellen Entsendeorganisationen wie GIZ, Eirene, WFD, sowie Organisationen der technischen Zusammenarbeit , die auf staatlicher und Regierungsebene beratend tätig sind und Institutionen der finanziellen Zusammenarbeit. Darüber hinaus unterstützen weitere Nichtregierungsorganisationen wie bsp. Misereor oder Welthungerhilfe und Brot für die Welt die bilaterale Entwicklungszusammenarbeit.
Folgende Links führen Sie zu landesspezifischen Aktivitäten einzelner deutscher Institutionen und Organisationen:
, Eirene
, Help
Misereor
, Afrika e.V. Münster
, Care Deutschland
, ADRA Deutschland e.V.

Brigitte Salzberger, Ethnologin (MA), geb. 1967 lebt und arbeitet in Rheinland-Pfalz.
Verschiedene Forschungsaufenthalte in Tschad, Ghana und Südostasien. Seit 2001 als freie Referentin in der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit (Erwachsenenbildung, Kinder und Jugendliche) tätig.
Seit 2003 Landeskunde-Tutorin für den Tschad bei der Akademie für Internationale Zusammenarbeit (AIZ) der GIZ.
Über Anregungen und Kommentare freue ich mich.
Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im April 2013 aktualisiert.
Weiterführende Literatur zu den Themen
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