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Baumwollsammelplatz

Wirtschaft und Entwicklung

BeschreibungInhalt
geschätztes BIP:5,103 Mrd. Euro
Pro Kopf Einkommen (Kaufkraftparität):1370 US-$
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI):Rang 183 (von 187)
Anteil Armut (unter 2  $ pro Tag):80%
Einkommensverteilung (Gini-Koeffizient):39,8
Anteil alphabetisierte Erwachsene:26 %

Tschad

Landesflagge Tschad

Wirtschaftssystem und seine Sektoren

Die WirtschaftÖffnet externen Link in neuem Fenster des Tschad ist geprägt von der Landwirtschaft und der seit 2003 bestehenden Förderung von ErdölÖffnet externen Link in neuem Fenster. Die Probleme der Wirtschaftsentwicklung lassen sich vor allem duch die Binnenlage, jahrzehntelange politische Instabilität und hohe Energiekosten erklären. 
Seit die ErdölförderungÖffnet externen Link in neuem Fenster im Doba-Becken begonnen hat, wird die Wirtschaft mit etwa 47,8 % am BIP vom Industriesektor dominiert. Die Landwirtschaft trägt mit 21,5 % und der Dienstleistungssektor mit 30,6 % zum BIP bei.
Korruption und eine schwach ausgebildete Rechtssicherheit behindern sowohl die Privatwirtschaft als auch vorhandene Entwicklungspotenziale in großem Maße. Eine dringende Forderung des Internationalen Währungsfond (IWF) und der Weltbank (WB) ist die Privatisierung der wenigen traditionellen Schlüsselindustrien (Baumwolle, Elekrizität- und Wasserunternehmen), die aber nach wie vor unter staatlicher Kontrolle stehen. Allein die ZuckerÖffnet externen Link in neuem Fenster- und Mobilfunkbetreiber-Unternehmen sind bereits privatisiert worden. Eine mangelnde Infrastruktur erschwert zusätzlichden Handel Öffnet externen Link in neuem Fensterund die wirtschaftliche Entwicklung, besonders außerhalb der vier größten Städte. Es existieren inzwischen ca. 1600 km geteerte Straßen; das weitläufige Pistennetz ist während der Regenzeit größtenteils unpassierbar und schränkt die Versorgung der ländlichen Gebiete stark ein.

Wirtschaftssektoren

Wasserturm in Mao (Joerg Meyer)
Wasserturm in Mao (Joerg Meyer)
Braunhirse (Annette Funke)
Braunhirse (Annette Funke)
Reisernte (Annette Funke)
Reisernte (Annette Funke)

Landwirtschaft: Rund 80 % der Arbeitskräfte sind nach wie vor in der LandwirtschaftÖffnet externen Link in neuem Fenster tätig, wobei lediglich 3% der Landesfläche für den Ackerbau nutzbar sind. Allerdings deckt die überwiegend auf Subsistenz ausgerichtete Landwirtschaft nur in regenreichen Jahren die nationale Selbstversorgung. Da die Erntemengen infolge großer Variabilität der Niederschläge stark schwanken, ist die gesamtwirtschaftliche Situation ausgesprochen labil. Schon 2007 bis 2009 gab es in einigen Regionen (2009 in und um Bongor) erhebliche Verluste und Ernteschäden durch Überschwemmungen und auch 2010 und 2012Öffnet externen Link in neuem Fenster hinterließen die extremen RegenfälleÖffnet externen Link in neuem Fenster VerheerungenÖffnet externen Link in neuem Fenster und waren Ursache einer Choleraepidemie im September und Oktober 2010.

Die Entwicklung der ErnährungssituationÖffnet externen Link in neuem Fenster im Tschad wird im Welthunger Index 2011Öffnet externen Link in neuem Fenster als negativ (von 37,7 1990 auf 29,9 2008 verbessert und 2011 auf 30,6 Punkte verschlechtert) bewertet, allerdings sind in diesen Statistiken nur teilweise die aktuellen Ereignisse, wie etwa die NahrungsmittelkriseÖffnet externen Link in neuem Fenster und die Finanzkrise mitberücksichtigt worden, die enorme Preissteigerungsraten mit sich brachten. Insgesamt rangiert der Tschad damit immer noch auf den letzten Plätzen und die ErnährungslageÖffnet externen Link in neuem Fenster wird als ernst eingestuft. Wie bereits in den Vorjahren ist auch 2012 besonders der mittlere Westen des Tschad (Guera, Kanem, Bahr-el-Ghazal, Batha und Sila) von der extremen Dürre betroffen, was zur Folge hat, dass 75% der nomadisierenden EthnienÖffnet externen Link in neuem Fenster akut vom Hunger betroffen sind.

Wichtigstes Agrarprodukt für den Export ist die BaumwolleÖffnet externen Link in neuem Fenster, die häufig in Mischkultur mit Hirse gepflanzt wird. Baumwolle wurde im südlichen und v.a. südwestlichen Tschad zunächst nur im Rahmen der Eigenversorgung angebaut, mit der Kolonisierung ab etwa 1920 zum Zwangsanbau als gewinnbringendes cash-cropÖffnet externen Link in neuem Fenster ausgedehnt. Seit 1971 wird die Baumwolle von dem halbstaatlichen Unternehmen CotontchadÖffnet externen Link in neuem Fenster kontrolliert, das sowohl den Ankauf als auch den Export regelt. Zudem ist der Tschad weltweit der zweitgrößte Exporteur von Gummi ArabicumÖffnet externen Link in neuem Fenster.

Wichtigste landwirtschaftliche AnbauprodukteÖffnet externen Link in neuem Fenster sind in der Subsistenzwirtschaft Hirse und Sorghum (in feuchteren Gebieten), dazu kommt noch Mais. Zusammen mit den Hirsearten werden fast überall Okraschoten, Bohnen oder Erbsen angebaut. Die Getreideerträge sind für die Region durch die extreme Dürre 2009/10 sehr schlecht ausgefallen und die PreiseÖffnet externen Link in neuem Fenster stiegen seit April 2010 in vielen Regionen um 30-50%. Da laut FAO die Produktion 2012 nur etwa 30% des Bedarfs decken konnte, gehört der Tschad auch im Folgejahr 2013 wieder zu den KrisenländernÖffnet externen Link in neuem Fenster.

Reis wird am Chari und im Südwesten gepflanzt, Weizen im Tschadseegebiet. Allerdings werden auch diese Getreide nur in geringem Maße kommerziell und überregional vertrieben. Zuckerrohr und Erdnüsse, Maniok und Batate aus den feuchteren Gebieten im Süden und Zwiebeln und Knoblauch aus den östlichen Landesteilen kommen noch hinzu. Die selten vorkommende Süßwasseralge DiheÖffnet externen Link in neuem Fenster (SpirulinaÖffnet externen Link in neuem Fenster), die im Tschadseegebiet geerntet wird, soll in einem Pilotprojekt zu Verbesserung der Ernährung in dem Gebiet beitragen, da sie sehr eiweißhaltig und ernährungsphysiologisch wertvoll ist.

Vieh: Tschads ViehwirtschaftÖffnet externen Link in neuem Fenster bildet eine weitere wichtige RessourceÖffnet externen Link in neuem Fenster für die Versorgung des Landes.
Im zentralen und nördlichen Teil des Landes wird ViehzuchtÖffnet externen Link in neuem Fenster mit Rindern, Schweinen und Ziegen betrieben. Dafür wird insgesamt ein Drittel der Landesfläche als Weideland genutzt. Das Kuri-RindÖffnet externen Link in neuem Fenster ist eine am Tschadsee beheimatete Rasse und optimal an die ökologischen Gegebenheiten der Region angepasst.

In Sarh wurde eine kleine fleischverarbeitende Industrie aufgebaut, deren Produkte nach Gabun und in den Kongo exportiert werden. Zudem investiert die Regierung in den Bau neuer Schlachthäuser. Dennoch wird der größte Teil des Viehbestands als Lebendvieh v.a. nach Nigeria verkauft, wobei sehr viele Tiere illegal in die Nachbarstaaten verkauft werden.
Zwischen den Ackerbauern aus dem Süden und den Viehzüchtern aus dem Norden kommt es zunehmend zu bewaffneten Konflikten um die Wanderkorridore und Weide-  und Wasserplätze. Besonders 2009 und 2010 verendeten große Teile (vermutlich ein Drittel der Viehbestände des LandesÖffnet externen Link in neuem Fenster) der Rinderherden, die für ihre Besitzer überlebenswichtig sind.

Fischerei: Etwa 240 000 Menschen leben im Tschad von der FischereiÖffnet externen Link in neuem Fenster. Der Fisch wird frisch, oder konserviertÖffnet externen Link in neuem Fenster, also getrocknet oder geräuchert, verkauft. Der Großteil des Fischs kommt aus dem TschadseeÖffnet externen Link in neuem Fenster, dem Chari oder dem Logone.  Problematisch dabei sind vor allem die fehlenen Kühlmöglichkeiten und der klimabedingte Rückgang der Wasserflächen. Im FischereisektorÖffnet externen Link in neuem Fenster wurden in den letzten Jahren etwa 75.000 t Fisch erwirtschaftet, was einen deutlichen Rückgang im Vergleich zur letzten Dekade erkennen lässt.

Produktionsweisen: Aufgrund fehlender Mittel und fehlendem know-how dominieren einfache, traditionelle Produktionsweisen die Landwirtschaft.
Im Zentral- und Nordtschad wird von den Tubu, den Fulbe und anderen Ethnien traditionell nomadische oder halbnomadische Viehhaltung praktiziert.
Im Rahmen der Subsistenzwirtschaft werden vor allem von den Frauen kleine Gemüsegärten in der Nähe der Gehöfte angelegt. Überschüsse werden dann im Kleinhandel auf den lokalen Märkten angeboten.
Die Produktion im Erdölsektor, die sehr kapitalintensiv ist, ist hauptsächlich auf gut ausgebildetes, meist ausländisches Fachpersonal angewiesen.

Verarbeitende Industrie: Industrielle EntwicklungÖffnet externen Link in neuem Fenster konzentriert sich im Tschad seit 2003 auf die Erschließung und Produktion von Erdöl. Ansonsten existieren nur wenige größere Schlüsselindustrien, wie etwa die schon genannte Cotontchad, das Nationale Zuckerunternehmen SONASUT (Société Nationale Sucrière du Tchad), das Tschadische Textilunternehmen STT (Société Tchadienne de Textile), die Logone Brauereien BdL (Brasseries du Logone) und die tschadische Zigarettenfabrik MTC (Manufacture des Cigarettes du Tchad ). Diese fünf IndustriezweigeÖffnet externen Link in neuem Fenster machen etwa 20% des GDI aus. Von geringerer Bedeutung sind kleinere Gewerbebetriebe wie Reismühlen, Ziegeleien und Sägewerke, dagegen sind die lokalen Handwerksbetriebe bsp. der Töpfer, Schmiede oder Weber von großer Bedeutung für die ländliche Bevölkerung.

Erdöl: Am 10. Oktober 2003Öffnet externen Link in neuem Fenster ist der Tschad offiziell, aber auch unter internationaler KritikÖffnet externen Link in neuem Fenster, in den Klub erdölfördernder LänderÖffnet externen Link in neuem Fenster eingestiegen. Eine 1070 km lange Pipeline erstreckt sich von den Erdölfeldern des Doba-Beckens im südlichen Tschad bis zum Verladehafen Kribi in Kamerun. Von dort wird das Rohöl dann weiterverschifft. Mit Kosten von etwa 3,7 Milliarden US$ stellt das Projekt zurzeit die größte Investition im subsaharischen Afrika dar und hat die Wirtschaftsstruktur des Tschad erheblich verändert.

Bodenschätze:Öffnet externen Link in neuem Fenster Neben den schwer erschließbaren UranÖffnet externen Link in neuem Fenster- und Bauxitvorkommen im Norden des Tschad, prüfen südafrikanische Unternehmen zur Zeit, ob im Südwesten des Landes, in Mayo-Kebbi, Uran und Gold in größerem Umfang gefördert werden kann. Chinesische Unternehmen haben das Gebiet für den Kalkabbau entdeckt und haben ein ZementwerkÖffnet externen Link in neuem Fenster errichtet. Zur Betreibung des neuen Werks soll das Holz der umliegenden Wälder genutzt werden. Neue Regionen zur Ölförderung Öffnet externen Link in neuem Fenster wurden von der Chinese National Petroleum Company (CNPC) in der Nähe von Sarh, Bongor und des Tschadsees untersucht. Eine weitere PipelineÖffnet externen Link in neuem Fenster in der Region Chari Baguirmi (KoudalwaÖffnet externen Link in neuem Fenster) wurde Anfang März 2011 von Präsident Déby eröffnet. Die CNPC hatte Ende 2010 einen IndustrieparkÖffnet externen Link in neuem Fenster mit einer weiterverarbeitenden RaffinerieÖffnet externen Link in neuem Fenster in der Nähe von N'Djaména eingeweiht.

Wirtschaftsindikatoren, Analysen und Statistiken

Verendetes Rind (Joerg Meyer)
Verendetes Rind (Joerg Meyer)

Der Tschad zählt trotz eines Pro-Kopf -Einkommens von statistisch etwa 1.500 US $ (zum Vergleich vor der Erdölförderung 2003: ca. 300 US $) zu den ärmsten Staaten der Erde und belegt nach dem Human Development IndexÖffnet externen Link in neuem Fenster von 2011 den Rang 183 der 187 untersuchten Länder. Ein Großteil der Bevölkerung (ca. 80 %) lebt in absoluter Armut, wobei ein großer Unterschied zwischen Stadt und Land festzustellen ist. Allerdings haben sich die statistischen Daten durch die seit 2003 stattfindende Erdölförderung bereits erheblich verändert. Die sozio-ökonomische Entwicklung des Landes wurde durch die isolierte Binnenlage und die Gliederung des Landes in "le tchad utile" (Süden) und "le tchad unutile" (Norden) während der französischen Kolonialzeit (Karte)Öffnet externen Link in neuem Fenster entscheidend geprägt. Durch die Favorisierung des Südens und die klimatischen Faktoren besteht ein deutliches Nord-Süd-Gefälle der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes. Zudem beeinflussen bis heute der Jahrzehnte währende Bürgerkrieg, viele Dürreperioden, Korruption und die unzureichend ausgebaute Infrastruktur die WirtschaftslageÖffnet externen Link in neuem Fenster des Tschad.

Die WachstumsratenÖffnet externen Link in neuem Fenster lagen für den Tschad in den Jahren 1996-2005 bei durchschnittlich 7,8%.
Die OECD sieht in ihrem Bericht nach der Stagnation der Wirtschaft für das Jahr 2006 ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um 0,3 % in den Folgejahren. Die durchschnittliche Inflationsrate lag 2008 bei 10,3 %, Ende 2009 bei 10,5 %. 2010 konnte die Inflation auf 6% abgesenkt werden und lag 2012 bei geschätzten 5%.
Die BEACÖffnet externen Link in neuem Fenster (Banque des Etats d'Afrique Centrale) gibt in ihrer Bilanz der Konjunktur des Tschad für das Jahr 2013 einen leichten Aufschwung ökonomischer Aktivitäten an. Nachdem in den Jahren 2010 und 2011 ist eine mäßige wirtschaftliche Erholung eingetreten war wird das Klima für InvestitionenÖffnet externen Link in neuem Fenster wird als gemischt beschrieben.


Trotz einiger positiver Prognosen hat sich die wirtschaftliche Situation der meisten Menschen im Tschad nicht oder nur kaum verbessert und wird durch hohe PreissteigerungenÖffnet externen Link in neuem Fenster nicht erst seit den ersten Monaten des Jahres 2008 weiter belastet. Dazu trägt auch die NahrungsmittelkriseÖffnet externen Link in neuem Fenster, durch die sich die Hirsepreise seit 2007 (von 125 FCFA auf 240 FCFA pro kg) nahezu verdoppelt haben, nicht unwesentlich bei.
Der Index 2012 der Heritage Foundation über die ökonomische FreiheitÖffnet externen Link in neuem Fenster im Land bescheinigt dem Tschad eine gleichbleibend negative Entwicklung gegenüber dem Vorjahr und einen der hinteren Plätze auch im subsaharischen Vergleich. Allerdings werden dem Land Fortschritte in der Entwicklung eines dynamischen Klimas für Investments und Unternehmen bescheinigt.

INSEEDÖffnet externen Link in neuem Fenster (Institut National de la Statistique, des Etudes Economique et Demographiques), das Nationale Institut für Statistik des Tschad, wartet leider nur mit sehr veralteten Informationen auf, so dass diese lediglich für Recherchen bezüglich der 90er Jahre und in einigen Ausnahmen bis 2006 hilfreich sein können.

Wirtschaftspolitik

Hirseernte (Joerg Meyer )
Hirseernte (Joerg Meyer )

Von der anhaltenden politischen Instabilität ist die Wirtschaftspolitik des Landes stark betroffen. Seit 1998 kooperiert der Tschad auf Druck der Weltbank und mit ihrer Hilfe im Rahmen wirtschaftspolitischer Reformprogramme, die auf Privatisierung, Liberalisierung und verschiedene Sektorprogramme abzielen. Aufgrund von Nichterfüllung durch die tschadische Seite werden diese jedoch immer wieder unterbrochen. Auch die anvisierten Privatisierungen gehen nur schleppend voran, wie im Falle von Cotontchad.

Frankreich kontrollierteÖffnet externen Link in neuem Fenster nach der Unabhängigkeit noch jahrzehntelang die Exporte der Baumwolle aus dem Tschad und anderer Sahel-Länder durch sein Unternehmen CFDT (Compagnie Francaise pour le Développement des Fibres Textiles). Nach der Unabhängigkeit war Frankreich am staatlichen Baumwollunternehmen Cotontchad beteiligt, kümmerte sich um Absatzmärkte und fördert den Bau von Entkernungs- und Ölfabriken. Nach dem Sektorreformprogramm 1999 ist inzwischen ein langwieriger Prozess der Privatisierung von Cotontchad in Gang gekommen, der jedoch noch nicht abgeschlossen ist. Dabei spielen die  AuswirkungenÖffnet externen Link in neuem Fenster der Privatisierungsreformen auf die Armutsentwicklung und weitere Sozialindikatoren eine große Bedeutung.

Hinsichtlich Investitionen im öffentlichen oder privaten Sektor ist der Tschad in aller Regel auf Entwicklungshilfemittel und Fremdkapital angewiesen.

Seit dem Jahr 2000 fließen jedoch in großem Stil ausländische Direktinvestitionen (FDI's) in den Tschad, was v.a. mit der Ausbeutung der Ölfelder im Süden des Landes zu tun hat. Das ErdölprojektÖffnet externen Link in neuem Fenster wurde von einem Konsortium der Mineralölkonzerne Esso, Chevron, Petronas und der Weltbank durchgeführt. Dabei hat sich die Regierung unter Idriss Déby gegenüber der Weltbank verpflichtet, 80 Prozent der Erdölexporteinnahmen in Investitionen in den Bereichen Bildung, Umwelt und Gesundheit einzusetzen. Fünf Prozent der Einnahmen waren direkt für das Doba-Becken bestimmt. Das von ihr eingesetzte Kontrollgremium veröffentlichte dazu regelmäßig Berichte. Pro Tag sollten bei voller Auslastung 250.000 Barrel Rohöl gefördert und damit die Staatseinnahmen des Tschad um jährlich bis zu 50 Prozent gesteigert werden. Um die richtige Verwendung der GelderÖffnet externen Link in neuem Fenster zu gewährleisten, hatte auch die Weltbank ein internationales Beratergremium, die International Advisory Group (IAG) eingerichtet. Im September 2009 legte dieses ihren Abschlussbericht vor.

Das Projekt hatte jedoch schon im Vorfeld seiner Umsetzung Kritik bei zahlreichen nationalen und internationalen Menschenrechts- und Umweltorganisationen hervorgerufen. Die deutsche Arbeitsgruppe TschadÖffnet externen Link in neuem Fenster verwies auf eklatante Sicherheitsmängel, Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörungen. Bewohner des Doba-Beckens beklagen zudem die negativen Folgen der Erdölförderung für ihre Gesundheit, den Zugang zu Bildungseinrichtungen und die Diskriminierung im Beschäftigungsbereich.

Anhaltende Meinungsverschiedenheiten und die Weigerung der tschadischen Regierung, sich an die Vereinbarungen bezüglich der Ausgaben der ErdöleinnahmenÖffnet externen Link in neuem Fenster zu halten, haben im September 2008 schließlich zu einem RückzugÖffnet externen Link in neuem Fenster der WeltbankÖffnet externen Link in neuem Fenster aus dem Projekt geführt. Zum 10. JahrestagÖffnet externen Link in neuem Fenster der Zustimmung der Weltbank zur Finanzierung des Projekts am 6. Juni 2010 attestierte die Arbeitsgruppe der Bank eine Mitverantwortung am Scheitern des Projekts. Auch die Studie des BICCÖffnet externen Link in neuem Fenster (Bonn International Center for Conversion) kommt zu einer negativen Bilanz des Erdölprojekts.

Binnen- und Außenhandel

Der AußenhandelÖffnet externen Link in neuem Fenster des Tschad ist seit Beginn der Förderung vom Ölsektor abhängig.
Im Jahr 2010 führte der Tschad Waren im Gesamtwert von 2,1 Mrd Euro aus. Dies stellt eine leichte Erhöhung im Vergleich zum Jahr 2009 dar, liegt aber immer noch weit unter der Warenausfuhr von 2008, was sich durch den gesunkenen internationalen Ölpreis erklärt.
Dem Exportrückgang stand ein Importzuwachs von über 1 Milliarde Euro im Vergleich zum Vorjahr (von 2,196 Mrd Euro 2009 auf 3,34 Mrd Euro 2010) gegenüber. ImportiertÖffnet externen Link in neuem Fenster wurden vor allem Brennstoffe, Fahrzeuge, Getreide und Textilien. Der vermehrte Import von Rüstungsgütern und Gütern für den Wiederaufbau und für Investitionen v.a. in der Infrastruktur, erklären diesen enormen Zuwachs. China ist der größte ausländische Investor.


Die wichtigsten Exportgüter des Landes - abgesehen von Erdöl - bestehen aus Baumwolle, die 38% des Gesamtexportwerts ausmacht, Vieh, Fleisch und Gummi Arabicum. Hauptabnehmer dafür sind vor allem die USA, China, Portugal und Deutschland.  Als Abnehmer für Baumwolle gewinnt in den letzten Jahren auch China vermehrt an Bedeutung. Problematisch stellt sich die Abhängigkeit dar, die von den großen Preisschwankungen beim Export der RohbaumwolleÖffnet externen Link in neuem Fenster auf dem Weltmarkt ausgehen und die regionalen Absatzprobleme, die auf schlechte Infrastruktur und Organisation zurückzuführen ist. Dazu kommen die angesprochene schleppende Privatisierung im Baumwollsektor und die Folgen der Doha-Gespräche über HandelsliberalisierungenÖffnet externen Link in neuem Fenster, in denen v.a. die Abkommen über Agrarzölle und -subventionenÖffnet externen Link in neuem Fenster zu Divergenzen zwischen Ländern des Nordens und Ländern des Südens führen.

Entwicklung und Entwicklungspolitik

Verteilungsbesprechung von Hilfslieferungen (Joerg Meyer)
Verteilungsbesprechung von Hilfslieferungen (Joerg Meyer)
Oasenbrunnen bei Mao (Joerg Meyer)
Oasenbrunnen bei Mao (Joerg Meyer)

Armut und Armutsbekämpfung

Seit 1998 kooperierte der Tschad mit der WeltbankÖffnet externen Link in neuem Fenster und dem Internationalen Währungsfonds im Rahmen von Armutsbekämpfung und Strukturanpassungsprogrammen. Seit Mai 2001 hatte er sich für die AufnahmeÖffnet externen Link in neuem Fenster in den Kreis der HIPC-LänderÖffnet externen Link in neuem Fenster (Heavily Indebted Poor Countries) qualifiziert. Dazu wurde 2003 vom Tschad ein Poverty Reduction Strategy Paper und 2007 ein Progress-PaperÖffnet externen Link in neuem Fenster entwickelt. Die Zusammenarbeit kam 2008 aufgrund der Nichterfüllung der eingegangenen Verpflichtungen der tschadischen Seite zum Erliegen, sodass Tschad derzeit an keinem Schuldenerleichterungspro­gramm des IWF teilnimmt.    

Das aktuelle Poverty Reduction Strategy PaperÖffnet externen Link in neuem Fenster für den Tschad wurde im Juli 2010 veröffentlicht.
Beim Internationalen WährungsfondÖffnet externen Link in neuem Fenster können die Daten im Detail abgerufen werden.
Der letzte Bericht des Tschad zur UmsetzungÖffnet externen Link in neuem Fenster der Millennium Development GoalsÖffnet externen Link in neuem Fenster wurde im Jahr 2005 erstellt, die letzten Daten des Tschad in Bezug auf die IndikatorenÖffnet externen Link in neuem Fenster der MDG im Jahr 2010 und im Januar 2011 erhoben.

Die Armut, die am stärksten die ländliche BevölkerungÖffnet externen Link in neuem Fenster trifft, konnte in der letzten Dekade nur unzureichend bekämpft werden. Dafür verantwortlich sind sowohl die nur marginal ausgebaute Infrastruktur und das Gesundheitswesen, das keine Versorgung der Landbevölkerung gewährleisten kann, als auch naturräumliche Gegebenheiten, wie Desertifikation, Bodenerrosion und Dürren und ÜberschwemmungenÖffnet externen Link in neuem Fenster, die sich 2012Öffnet externen Link in neuem Fenster zu einer Sahel-Krise Öffnet externen Link in neuem Fensterausweiten.


Auch der Zugang zu landwirtschaftlichem Know-how, Technologien und günstigen Krediten, die eine höhere Produktivität und damit eine bessere Versorgung begünstigen könnten, bleibt der ländlichen Bevölkerung zumeist verwehrt.
Dazu kommt v.a. im Osten des Tschad der Kampf um Ressourcen zwischen der Dorfbevölkerung und den Flüchtlingen aus dem Darfur.

Nationale Entwicklungsanstrengungen

Die zivilgesellschaftlichen Akteure, also Vereinigungen, Kooperativen, die Presse, Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen (NRO) sind im Tschad im Vergleich zu anderen afrikanischen Ländern nur wenig entwickelt. Nach den langanhaltenden politischen Unruhen bilden sich seit Mitte der 1990er Jahre langsam zivilgesellschaftliche Strukturen heraus. Inzwischen sind etliche nationale und internationale NROsÖffnet externen Link in neuem Fenster im Tschad registriert, die aber alle unterschiedlich aktiv sind. Erschwerend auf die Arbeit aller NRO wirkt sich die schlechte Infrastruktur des Landes aus, die sich sowohl in den mangelhaften Verkehrs- und Kommunikationswegen, als auch in den hohen Defiziten im Gesundheits- und Bildungssektor manifestiert.

Die einheimischen NRO beschränken sich daher zumeist auf die urbanen Zentren, die ländlichen Gebiete bleiben unterversorgt. Da der tschadische Staat seinen zentralen sozialen Aufgaben in vielen Bereichen nicht nachkommt und nur über eingeschränkte Kapazitäten verfügt, sind in den letzten Jahren viele Selbsthilfeinitiativen entstanden. Ihnen mangelt es allerdings an finanziellen und personellen Ressourcen und sie können ohne Unterstützung und Beratung häufig wenig Wirkkraft entfalten. Um diese zu stärken werden oftmals Partnerschaften mit ausländischen NRO's, wie im Beispiel der APLFTÖffnet externen Link in neuem Fenster (Vereinigung zur Förderung von Grundfreiheiten im Tschad), die als Partnerorganisation mit Swissaid zusammengearbeitet hat, geschlossen.
Vor allem Menschenrechtorganisationen wie die Association Tchadienne pour la Protection et la Défense des Droits de l'Homme (ATPDHÖffnet externen Link in neuem Fenster) und Ligue tchadienne des droits de l'Homme (LTDHÖffnet externen Link in neuem Fenster)  und tschadische Nichtregierungsorganisationen, die im sensiblen Bereich der Erdölförderung und deren Auswirkungen arbeiten, sind vielfachen Einschüchterungsversuchen und Bedrohungen ausgesetzt.
Einen großen Anteil an Unterstützungsarbeit leisten die regionalen kirchlichen Organisationen wie z.B. Belacd in LaiÖffnet externen Link in neuem Fenster und SecadevÖffnet externen Link in neuem Fenster. Das überregional in großen Teilen Afrikas aktive Bildungsinstitut InadesÖffnet externen Link in neuem Fenster führt v.a. Fortbildungen im Bereich ländlicher Entwicklung durch. Inter-réseauxÖffnet externen Link in neuem Fenster versteht sich als Organisation zur Förderung der ländlichen Entwicklung v.a. in der Subsahara-Region. Die Université Populaire ist eine Bildungseinrichtung, die schon 1994 gegründet wurde und auf vielen Ebenen Fortbildungen für die Zivilgesellschaft anbietet und den Demokratisierungsprozess voranbringen will.

Speicher der Moundang im Südtschad (Joerg Meyer)
Speicher der Moundang im Südtschad (Joerg Meyer)
Wochenmarkt in Massaguet, Nähe N'Djaména (Brigitte Salzberger)
Wochenmarkt in Massaguet, Nähe N'Djaména (Brigitte Salzberger)

Multilaterale und bilaterale Entwicklungsanstrengungen

Die internationalen Entwicklungsanstrengungen konzentrieren sich im Tschad vor allem auf Armutsminderungsprogramme, verantwortungsvolle RegierungsführungÖffnet externen Link in neuem Fenster und die Versorgung der Flüchtlingsgebiete im Osten und Süden des Landes. Frankreich ist neben den USA, Deutschland, der Schweiz und den Niederländern der bedeutendste bilaterale Geber.
Wichtigste multilaterale Geber sind Europäische UnionÖffnet externen Link in neuem Fenster, Afrikanische und Islamische Entwicklungsbank, UNDP und die Weltbank.
Ende 2005 kam es zu Spannungen zwischen der tschadischen Regierung und der Weltbank. Die tschadische Regierung hatte das Gesetz zur Finanzierung eines Zukunftfonds praktisch annuliert, der eine Vertragsbedingung Öffnet externen Link in neuem Fenster der Weltbank für die Finanzierung des Projekts war. Kurz darauf ist dieser KonfliktÖffnet externen Link in neuem Fenster zugunsten des Regimes Déby entschieden worden. Die Weltbank ließ zu, dass sich die Transparenz bei der Verwendung der Erdöleinnahmen reduzierte und die Ausgaben für Entwicklungsmaßnahmen zugunsten militärischer Ausgaben vermindert worden sind.
Als Konsequenz hat sich die Weltbank im September 2008 aus dem Projekt zurückgezogen und ihr Büro im Tschad erst im Januar 2009 teilweise wieder eröffnetÖffnet externen Link in neuem Fenster.

Ausgewählte Beispiele zu Organisationen und deren Engagement und Projekte im Tschad finden Sie in der folgenden Auflistung.

Deutsche Entwicklungs-und Hilfsorganisationen

Die bilateralen EntwicklungsleistungenÖffnet externen Link in neuem Fenster, die nicht unerheblich sind, konzentrieren sich im Tschad auf Projekte der Armutsbekämpfung. Im Jahr 2007 flossen aus Deutschland insgesamt 26 Mio Euro in den Tschad, wovon der Großteil für armutsmindernde Projekte und die restlichen 7,5 Mio Euro für die FlüchtlingslagerÖffnet externen Link in neuem Fenster im Osten des Landes verwendet wurden. Schwerpunkte bilden neben der Nothilfe Unterstützungsmaßnahmen in der dezentralen ländlichen Entwicklung (u.a. Wasserversorgung, Grundschulbildung),  Demokratieförderung, Gesundheitswesen und in der Steuerung natürlicher Ressourcen. Für die nachhaltige Nutzung von Wasserressourcen wurde Ende 2008 zudem ein TZ-AbkommenÖffnet externen Link in neuem Fenster mit der Tschadseekommission geschlossen. Außerdem engagiert sich Deutschland zusammen mit der CEMAC in einem regionalen Projekt zur AidsbekämpfungÖffnet externen Link in neuem Fenster.

2008 hat der Tschad seine Einstufung als PartnerlandÖffnet externen Link in neuem Fenster in der bilateralen EntwicklungszusammenarbeitÖffnet externen Link in neuem Fenster aufgrund der mangelnden Entwicklungsorientierung der Regierung verloren. Die bilaterale Zusammenarbeit ist 2011/12 ausgelaufen, die Not- und Übergangshilfeprogramme wird jedoch bestehen bleiben.

Von den im Tschad tätigen deutschen InstitutionenÖffnet externen Link in neuem Fenster unterscheidet man zwischen den personellen Entsendeorganisationen wie GIZ, Eirene, WFD, sowie Organisationen der technischen Zusammenarbeit , die auf staatlicher und Regierungsebene beratend tätig sind und Institutionen der finanziellen Zusammenarbeit. Darüber hinaus unterstützen weitere Nichtregierungsorganisationen wie bsp. Misereor oder Welthungerhilfe und Brot für die Welt die bilaterale Entwicklungszusammenarbeit.

Folgende Links führen Sie zu landesspezifischen Aktivitäten einzelner deutscher Institutionen und Organisationen:

Über die Autorin

Brigitte Salzberger, Ethnologin (MA), geb. 1967 lebt und arbeitet in Rheinland-Pfalz.

Verschiedene Forschungsaufenthalte in Tschad, Ghana und Südostasien. Seit 2001 als freie Referentin in der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit (Erwachsenenbildung, Kinder und Jugendliche) tätig.

Seit 2003 Landeskunde-Tutorin für den Tschad bei der Akademie für Internationale Zusammenarbeit (AIZ) der GIZ.

Über Anregungen und Kommentare freue ich mich.

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im April 2013 aktualisiert.

Literaturhinweise

Weiterführende Literatur zu den Themen

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