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T-shirt mit Logo 50 Jahre Unabhängigkeit © Otto Frick

Geschichte, Staat und Politik

Alle wichtigen Strukturdaten zu Geschichte und Staat
BeschreibungInhalt
Tag der Unabhängigkeit:27. April 1960
Staatsoberhaupt:Präsident Faure Essozimna Gnassingbé
Regierungschef:Premierminister Kwesi Arthème Séléagodji Ahoomey-Zunu
Politisches System:präsidiales Mehrparteiensystem 
Demokratie Status- Index (BTI):Rang 79 (von 129)
Korruptionsindex (CPI):Rang 126 (von 175)

Inhalte dieser Seite

Das LIPortal

Togo

Geschichte

Besonderheiten

Togo, das künstliche Segment eines geografischen Großraumes, verdankt seine Form und seine Grenzen kolonialer Willkür: an der Küste gut 50 km breit, erstreckt es sich als schmaler Streifen etwa 550 km nach Norden, mit einer Breite, die zwischen 45 und 140 km variiert. Von 1884 - 1914 war Togo deutsche Kolonie und wurde in seiner kurzen Geschichte nacheinander von drei Kolonialmächten regiert.

Vorkoloniale Zeit

Archäologische Funde belegen, dass Teile von Togo schon vor über 3000 Jahren besiedelt waren. Erst relativ spät, gegen Ende des 17. Jhs. entstanden auf dem Gebiet des heutigen Staates ein paar kleine regionale Reiche, wie das "Königreich" der Guin (Glidji/Aného), das Tschaoudjo-Reich der Tem (Kparatao/Sokodé) und das Reich der Anoufo von Sansanné-Mango. Sie lagen in einer Pufferzone zwischen den mächtigen Königreichen der Ashanti, der Mossi und von Dahomé.

Getreidespeicher in den Grotten von Nano (Nok), die im 17. - 19. Jhdt. errichtet wurden © Otto Frick
Getreidespeicher in den Grotten von Nano (Nok), die im 17. - 19. Jhdt. errichtet wurden © Otto Frick

Viele der heute in Togo ansässigen Völker und Volksgruppen sind in den vergangenen Jahrhunderten aus verschiedenen Nachbarregionen in das heutige Territorium eingewandert. Die Ewé kamen aus der Region von Oyo im heutigen Nigeria über die historischen Stationen Ketou (Bénin), Tado, Notsé, um sich dann zwischen den Flüssen Volta und Mono anzusiedeln. Die Fante und Ga (Mina/Guin)kamen aus dem heutigen Ghana, die Tem/Kotokoli aus Burkina Faso u. a. Sahelländern, die Anoufo aus der Elfenbeinküste.

Der atlantische Handel

Gedenktafel in Glidji, die an die Einwanderung der Guin erinnert © Otto Frick
Gedenktafel in Glidji, die an die Einwanderung der Guin erinnert © Otto Frick
Wooldhomé, ehemaliges Sklavenhaus in Agbodrafo  © Otto Frick
Wooldhomé, ehemaliges Sklavenhaus in Agbodrafo © Otto Frick

Ab 1471 landeten portugiesische Seefahrer, später auch andere Europäer an der Küste Oberguineas und der Handel zwischen Westafrika und Europa nahm seinen Anfang, der im transatlantischen Sklavenhandel seinen traurigen Höhepunkt finden sollte. Das Küstengebiet Togos ist Teil eines von den Europäern Sklavenküste genannten Gebietes, das sich von der Voltamündung bis zum Nigerdelta erstreckte. Der einzige Handelsplatz zu jener Zeit war Popovi (Kleinpopo, 1905 in Anecho umbenannt). Die aus Elmina und Accra zugewanderten afrikanischen Händler zeichneten sich nicht nur durch den Besitz von Feuerwaffen aus (deshalb Poupou = Bumbum), sie waren auch im Umgang mit Europäern erfahrene Händler. Die europäischen Sklavenkäufer zogen deshalb von Popovi nach Ouidah weiter, wo sie die dortigen noch unerfahrenen Afrikaner im Handel leichter übervorteilen konnten. Von Ouidah, dem Hafen des Reiches Dahomey, exportierten sie Menschen nach Amerika en gros; in Popovi kauften Europäer nach ihren individuellen Wünschen Menschen bestimmten Alters und Geschlechts, die ihnen die afrikanischen Zwischenhändler in Popovi im "stillen Sklavenhandel" aus dem Landesinnern beschafften.1807 verbot die britische Regierung den transatlantischen Sklavenhandel . Aber da die Sklaverei in Amerika noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts fortbestand, wurden weiterhin Menschen - nunmehr illegal - dorthin verschifft. 1835 wurde an der Togoküste der zweite Platz des atlantischen Handels gegründet: Porto Seguro (heute Agbodrafo) mit den fünf Ursprungsdörfern auf dem Plateau über der Lagune, das so den Sammelnamen Togo (siehe Seite 1) erhielt.

Briefmarke zum 100-jährigem Jubiläum der Unterzeichnung des Schutzvertrages © Sammlung Otto Frick
Briefmarke zum 100-jährigem Jubiläum der Unterzeichnung des Schutzvertrages © Sammlung Otto Frick

Kolonialzeit

Polizeitruppe © Sammlung Otto Frick
Polizeitruppe © Sammlung Otto Frick
Strafgefangene beim Straßenbau in Atakpamé © Sammlung Otto Frick
Strafgefangene beim Straßenbau in Atakpamé © Sammlung Otto Frick
Baumwolltransport © Sammlung Otto Frick
Baumwolltransport © Sammlung Otto Frick

Ab 1847 begannen die ersten Missionsaktivitäten der Bremer Mission im Ewé-Gebiet. Später ließen sich Kaufleute mehrerer europäischer Nationen in den Küstenorten nieder, darunter der Hamburger Reeder Woermann und das Bremer Handelshaus Vietor. Am 2. Juli 1884 landete Gustav Nachtigal mit dem Kanonenboot Möwe an der Küste und ging auf das Angebot der Vertreter von mehreren Dörfern an der Lagune ein, mit dem Deutschen Reich Verträge abzuschließen, um sich dadurch Handelsvorteile vor der einheimischen Konkurrenz in Popovi zu sichern. Nachtigal unterzeichnete am 5. Juli in Baguida eigenmächtig und entgegen den Instruktionen von Reichskanzler Bismarck mit mehreren Dorfvorstehern einen Schutzvertrag. Da das spirituelle Oberhaupt der Togo-Dörfer, Mlapa, bereits verstorben war, unterzeichneten Stabträger Plakko sowie die beiden Enkel Mlapas, Coodayce und Okloo, den Protektoratsvertrag mit Nachtigal, in dem posthum Mlapa zum "König", nicht nur von Togo[ville], sondern eines fiktiven regionalen Reiches an der Küste erhoben wurde, um die Bedeutung der Verträge international zu unterstreichen.
Da der Küstenstreifen, der noch nicht von anderen Kolonialmächten besetzt war, sehr schmal war, versuchten die Deutschen dies durch das Vordringen tief ins Landesinnere zu kompensieren. In den beiden Nordbezirken Togos wohnte die Mehrheit der auf fast eine Million geschätzten Einwohner. Die Kolonialverwaltung nutzte die Nordbezirke als Reservoir zur Rekrutierung von Arbeitskräften für den Süden und Soldaten und suchte den Norden von europäischen Einflüssen wie Missionaren abzuschotten.

Die schottische Version einer Karte von Hugo Zöller, der bereits 1884 Togo bereiste und darüber ein Buch veröffentlichte. © Wikipedia Commons - PD-old-100.
Die schottische Version einer Karte von Hugo Zöller, der bereits 1884 Togo bereiste und darüber ein Buch veröffentlichte. © Wikipedia Commons - PD-old-100.

Historische Persönlichkeiten

Sémassi - unbesiegbarer Soldat, Bild von Idrissou Morou © Sammlung Otto Frick
Sémassi - unbesiegbarer Soldat, Bild von Idrissou Morou © Sammlung Otto Frick

Zu den historischen Persönlichkeiten Togos gehört Foli Bébé, der etwa 1680 aus Accra kommend, die Stadt Glidji und das Königreich der Guin gründete. König Agokoli von Notsé verpflichtete seine Untertanen zu grausamer Zwangsarbeit um eine Stadtmauer zu errichten. Bruce Chatwin setzte Felix Francisco de Souza ein literarisches Denkmal als Vizekönig von Ouidah und sein Enkelsohn Pa Augustino de Souzawar Präsident der ersten politischen Partei, dem CUT, Comité d'Unité Togolais. Ouro Djobo Boukari (gestorben 1898), das Oberhaupt der Tem aus Kparatao/Sokodé verstand geschickt mit den Deutschen zu paktieren und war durch seine Reiterarmee, den Sémassi, bekannt geworden. Octaviano Olympio, Spross einer afro-brasilianischen Familie, war erfolgreicher Kaufmann und Unternehmer, aktiv am wirtschaftlichen Aufschwung Lomés beteiligt und einer der einflussreichsten Bürger der Stadt während der deutschen Kolonialzeit. Pastor Andreas Aku war der erste Afrikaner, der in der presbyterianischen Ewé-Kirche ein führendes Amt bekleidete. Agbanon II, König von Glidji (1929-1972) schrieb 1934 eine Geschichte von Pétit-Popo und des Volkes der Guin, die eine der ersten Monographien eines Togoers über Togo war. Persönlichkeiten, die im Kampf um die Freiheit und Unabhängigkeit hervortraten, wurden von der Parti des Travailleurs zum 50 jährigen Jubiläum in einer Folge von Biografien gewürdigt. 2007 wurden in Lomé einige Straßen umbenannt, um Politiker, wie beispielsweise Sylvanus Olympio zu würdigen.

Entstehung und Entwicklung des heutigen Staates

Die Mandatszeit

Der Erste Weltkrieg wurde auch in den Kolonien Afrikas ausgetragen, so auch in Togo. Schon nach wenigen Tagen mussten die Deutschen kapitulieren und Togo wurde von der britischen und französischen Administration in zwei „Okkupationszonen“ der Länge nach zu etwa gleichen Teilen geteilt. Die deutschen Kolonien wurden 1919 als Mandatsgebiete dem Völkerbund übertragen, der seinerseits Kolonialmächte als Verwalter einsetzte. 1920 wurde erneut geteilt: etwa ein Drittel für England und zwei Drittel entfielen an Frankreich. Diese zwei Drittel bilden den heutigen Staat Togo. Nach 1946 wurden die beiden Teile Togos als Treuhandgebiete der VN von beiden Mächten verwaltet mit dem Ziel, das Gebiet der jeweiligen Nachbarkolonie anzugliedern. Unter Aufsicht der VN entschied sich die Bevölkerung des britischen Treuhandgebietes am 9. Mai 1956 für eine Union mit dem 1957 unabhängig werdenden Ghana. Das französische Treuhandgebiet wurde am 24. August 1956 eine autonome Republik innerhalb der 'Französischen Union' und Nicolas Grunitzky ihr Ministerpräsident. Frankreich behielt jedoch weiterhin die 'Verantwortung' für die Außenpolitik, Verteidigung, Währung sowie für die öffentliche Ordnung und die Justiz. Die entscheidenden, von den VN überwachten Wahlen am 27. April 1958 gewann zur Überraschung Frankreichs Sylvanus Olympio, der neuer Ministerpräsident des sich selbstverwaltenden Togowurde. Sein Verdienst war zweifelsohne die Gründung eines selbständigen Staates, indem er sich weitgehend auf die Bundesrepublik und die USA stützte. Am 27. April 1960 konnte er als Präsident die Parole Ablode - Freiheitverkünden und Togo war unabhängig. Das französische Institut national de l'audiovisuel (INA) hat Filmclips von den Feiern am Tag der Unabhängigkeit Togos zusammengestellt.

Die Unabhängigkeit

Briefmarkenblock zum 50 jährigen Jubiläum der Unabhängigkeit mit den Porträts der Präsidenten © Foto Otto Frick
Briefmarkenblock zum 50 jährigen Jubiläum der Unabhängigkeit mit den Porträts der Präsidenten © Foto Otto Frick

Präsident Sylvanus Olympio, ein Vertreter der Handelsbourgeoisie des Südens, erließ 1962 ein Verbot der Oppositionsparteien. Unzufriedenheit im Volk, hervorgerufen durch unpopuläre Wirtschaftsmaßnahmen, die Vernachlässigung des Nordens und die Weigerung, die von der französischen Kolonialarmee entlassenen Soldaten in das togoische Heer zu integrieren, trugen zu seinem gewaltsamen Sturz am 13. Januar 1963 bei. Es war der erste blutige Staatsstreich in den gerade unabhängig gewordenen Staaten Afrikas. Die putschenden Militärs setzten eine Zivilregierung unter Nicolas Grunitzky ein. Die verbotenen Parteien wurden wieder zugelassen. Ende November 1966 kam es zu einem erneuten Putsch und am 13. Januar 1967 übernahm die Armee definitiv die Macht. Unter dem neuen Präsidenten Eyadéma wurden die bestehenden Parteien wieder verboten und 1969 wurde die Einheitspartei RPTRassemblement du Peuple Togolais gegründet.

Die jüngere Geschichte Togos

Bronzestatue von Gnassingbé Eyadéma in Sarakawa © Otto Frick
Bronzestatue von Gnassingbé Eyadéma in Sarakawa © Otto Frick

Die jüngere Geschichte Togos ist geprägt durch die 38-jährige Herrschaft (1967-2005) von Präsident Eyadéma.Wie in anderen afrikanischen Ländern auch, geriet das autoritäre Regime Togos unter dem Eindruck von Mitterrands Discours de la Baule und dem Zusammenbruch der Diktaturen des Ostblocks zu Beginn der 1990er Jahre ins Wanken. Massenproteste, die auf eine Demokratisierung zielten, führten zur Bildung einer Nationalkonferenz, der Aufgabe des Einparteiensystems, dem Referendum über eine neue Verfassung und Parlaments- wie Präsidentschaftswahlen. Diese Schritte in Richtung Demokratisierung wurden mit Unterstützung des Eyadéma untergebenen Militärs systematisch hintertrieben. Begründet mit der desolaten Menschenrechtslage kam es 1993 zu einem Bruch zwischen dem togoischen Staat und den internationalen Gebern, die - bis auf wenige Ausnahmen - ihre Unterstützung bis zum Ende der Amtszeit Eyadémas (und teilweise darüber hinaus) aussetzten. Die ökonomischen Folgen dieser Entwicklung waren für das Land außerordentlich schwer und sind bis heute nicht überwunden. 
Der Übernahme der Macht durch Eyadémas Sohn Faure Gnassingbé im Zuge der umstrittenen Wahl von 2005 war mit schweren Unruhen verbunden. Inzwischen hat sich die Lage durch die Öffnung Faures zur traditionellen Opposition entspannt. Die letzten Parlamentswahlen 2007 waren die ersten, deren Ergebnisse international ohne größere Einschränkungen akzeptiert wurden. Die Entwicklungszusammenarbeit seitens der westlichen Länder ist durchweg wieder aufgenommen.
Der ivorische Schriftsteller Ahmadou Kourouma schilderte in seinem preisgekrönten Roman Die Nächte des großen Jägers eine Innenansicht der teilweise sehr okkulten Machtverhältnisse des Regimes von Eyadéma. Der Essay Togo: Ein Lehrstück fehlgeleiteteter Demokratie analysiert die Herrschaft Eyadémas und beschreibt die Übergangsphase nach seinem Tod. Auch die Geberländer, die dieses Regime unterstützten, werden kritisch in ihre Verantwortung genommen. Speziell Bayernbetonte stets die besonderen Beziehungen zu Togo. Eine ausführliche Geschichte der Gewaltin der Politik von der Kolonialzeit bis in die heutigen Tage publizierte das Online-Magazin Letogolais. Die Zeitschrift Jeune Afrique stellte eine Chronologie der wichtigsten politischen Ereignisse von 1960 bis heute zusammen. 

Staat

Togo hat ein präsidiales Mehrparteiensystem mit Staatspräsident Faure Essozimna Gnassingbé(RPT/UNIR) an der Spitze des Staates. Er wurde am 4. März 2010 für fünf Jahre wiedergewählt.

Verfassung und Gewaltenteilung

Mit der Verfassung vom 14. Oktober 1992, am 30. Dezember 2002 revidiert, wurde der rechtliche Rahmen für eine Demokratie mit Gewaltenteilung, Mehrparteiensystem (bereits 1991) und allgemeinen Bürger- und Menschenrechten installiert. Der Staatspräsident hat die exekutive Gewalt inne und ist zugleich Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Er wird für fünf Jahre gewählt und kann sich unbegrenzt wiederwählen lassen, nachdem im Dezember 2002 eine Verfassungsnovelle für den Präsidenten maßgeschneidert wurde, bei der u. a. das Mindestalter für einen Präsidentschaftskandidaten auf 35 Jahre herabgesetzt wurde. Premierministerund Regierung werden vom Präsidenten eingesetzt, der Premierminister wird von der Mehrheitsfraktion der Assemblée Nationale gestellt, deren 91 Abgeordnete ebenfalls für fünf Jahre gewählt werden.

Verwaltungsstruktur und Dezentralisierung

Verwaltungskarte von Togo © Otto Frick
Verwaltungskarte von Togo © Otto Frick

Nach französischem Vorbild ist die Verwaltungsstruktur Togos zentralistisch auf die Regierung ausgerichtet. Die Präfekten werden von der Regierung eingesetzt. 

Togo ist in fünf Regionen, 35 Präfekturen und in eine Kommune (Lomé) gegliedert: Es sind die Küstenregion – Région Maritime, die Region der Hochebenen - Région des Plateaux, die Zentralregion – Région Centrale, die Region der Kara - Région de la Kara und die Savannenregion – Région des Savannes. Die französische Wikipedia bietet eine Aufzählung der Regionen und Präfekturen mit Einwohnerzahlen.

Ein Dezentralisierungsprozess ist seitens der Regierung vorgesehen und wird von den VN, internationalen Organisationen und deutschen politischen Stiftungenund der GIZunterstützt. Bei diesen Reformen soll mit internationaler Beteiligung den Kommunen geholfen werden, zu mehr Autonomie und einer nachhaltigen Entwicklung zu gelangen. Die Dezentralisierungwar bei den Re­gie­rungs­ver­hand­lungen, die Deutschland mit der togoischen Re­gie­rung im Juni 2012 führte, einer der drei Schwer­punkte der Zu­sam­men­ar­beit, die beim jüngsten Besuch des togoischen Premierministers in Berlin erneut bekräftigt wurden. Jedoch gestaltete sich die Umsetzung bislang eher zögerlich und die ursprünglich 2013 stattfindenden Regionalwahlen sind auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Am Beispiel der Stadt Sokodé berichtet der Kommunikationsbeauftragte der Kommune wie heute Bürgerbeteiligung interaktiv mit Radio und Mobiltelefon erreicht werden kann.
Togo möchte eine moderne, effiziente, reaktionsschnelle und bevölkerungsnahe Verwaltung aufbauen, wie Elliott Ohin, der Minister für Staatsreformen und der Modernisierung der Verwaltung ambitioniert verkündete. In Agbonou bei Atakpamé eröffnete die Ministerin für Basisentwicklung im Oktober 2014 eine Zweigstelle ihres Büros, das für die Région des Plateaux zuständig ist. Die Behörde für öffentliches Beschaffungswesen, eine unabhängige staatliche Verwaltungs- und Finanzbehörde, legte den Jahresbericht für das Jahr 2013 vor.

Recht und Justiz

Durch die Verfassung ist die Unabhängigkeit der Justiz garantiert, faktisch war die Rechtssprechung jedoch auch politischem Einfluss unterworfen. Das Rechtssystemwurde durch französisches (Code Civile/Napoléon) und afrikanisches Recht geprägt. Höchste Instanz ist der Cour Constitutionelle (Verfassungsgericht). Die Todesstrafe wurde am 28. 5. 2009 abgeschafft. Wichtige Gerichtsinstanzen für Zivil- und Strafverfahren sind der Cour Suprême (Oberster Gerichtshof), zwei Berufungsgerichte, Gerichte erster Instanz und der Cour de Sûreté de l'Etat (Gericht für Staatssicherheit)Seit 2009 gibt es einen Rechnungshof, der zwar schon in der Verfassung von 1992 vorgesehen war, aber erst 2009 installiert wurde. Gesetzestexte finden Sie auf den Seiten der amerikanischen Law Library of Congress. Mit Hilfe vom Programme des Nations Unies (PNUD) konnte im November 2009 ein juristisches Multimedia Dokumentationszentrum der Öffentlichkeit übergeben werden. Der Abgeordnete Jean Kissi vom Comité d’Action pour le Renouveau (CAR) plädiert für eine Ratifizierung des Römischen Statuts des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH), dem Togo bislang noch nicht beigetreten ist.
Im ländlichen Milieu existiert weiterhin die traditionelle Rechtsprechung, bei der der Dorfchef oder Ältestenrat befugt ist, über kleinere strafrechtliche oder zivilrechtliche Fälle zu urteilen. Die Stellung der traditionellen Oberhäupter wurde 2007 in einem Gesetz festgelegt. Auch Fälle von Selbstjustiz können gelegentlich vorkommen, wenn z. B. Marktdiebe auf frischer Tat ertappt werden. Nach französischem Vorbild gibt es zwei Exekutivorgane, die dem Innenministerium zugeordnete Polizei und die Gendarmerie unter Hoheit des Verteidigungsministeriums. Der Präsident Faure Gnassingbé möchte die Polizei neu strukturieren und traf sich mit den Verantwortlichen, um diese Pläne vorzustellen.

Die traditionellen Oberhäupter der Präfektur Tchaoudjo mit ihrem Chef Supérieur © Otto Frick
Die traditionellen Oberhäupter der Präfektur Tchaoudjo mit ihrem Chef Supérieur © Otto Frick

Militär

Das Militär, die Forces Armées Togolaises - FAT  hatte in der Vergangenheit – wie schon während der deutschen Kolonialära – keine Gefahren von außen abzuwehren, wurde aber wiederholt zur "Aufrechterhaltung der inneren Sicherheit" vom Regime Eyadémas eingesetzt. Der etwa 8 500 Mann umfassende Militärapparat wird von Kabyé dominiert und die ranghöheren Offiziere und Entscheidungsträger stammen zum großen Teil aus Pya, dem Heimatort von Gnassingbé Eyadéma. Das Heer besteht aus ca. 8 100 Mann (andere Quellen sprechen von rund 13 000 Soldaten)die Marine aus 200 Personen und die Luftwaffe zählt etwa 250 Mann. Dazu kommen paramilitärische Verbände, wie die etwa 750 Mann starke Gendarmerie und Milizen, die sich aus Soldaten und Zivilpersonen zusammensetzen. Togo ist mit der CEDEAO in Gewaltverzichts- und Kooperationsvereinbarungen eingebunden. Togoische Soldaten nahmen auch an verschiedenen Auslandseinsätzen und UN-Missionen teil. Bei der von der CEDEAO geführten Militärmission Mission internationale de soutien au Mali - MISMA stellt Togo ein Kontigent von knapp 500 Soldaten.Im Januar 2008 verabschiedete der Conseil des ministres mehrere Dekrete zu einer Reform der Armee und der Gendarmerie. Nach dem versuchten Putsch auf den Präsidenten wurden innerhalb der Führungsspitze der Armee mehrere Personen ausgetauscht oder degradiert. Beim Besuch des Generalstabs der FAT in den USA wurde der Ausbau der militärischen Zusammenarbeit vereinbart. Die Deutsche Welle berichtete über einen 'Tag der offenen Tür' der togoischen Streitkräfte, die offenbar bemüht sind, für ein besseres Image in der Bevölkerung zu sorgen. Wie die Polizei, so ist auch die Gendarmerie und das Militär von Umstrukturierungen und Wechsel der Führungspositionen betroffen. Stimmen aus der Opposition behaupteten, dass das togoische Militär in Burkina Faso während der Proteste gegen Präsident Blaise Compaoré anwesend war, während die Regierung behauptete, es handelte sich um Soldaten, die vom Einsatz in Mali im Transit zurück nach Togo waren.
Im April 2014 traf das erste von zwei Schnellbooten aus Frankreich ein, die Präsident Faure Gnassingbé 2013 in Frankreich bestellt hatte, um im Kampf gegen die Piraterie, den Terrorismus und den Drogenhandel besser gerüstet zu sein.

Innenpolitische Themen

Parteien

Die Regierungspartei Union pour la République (Unir), die Nachfolgepartei der am 14. April 2012 von Präsident Faure Gnassingbé aufgelösten Rassemblement du Peuple Togolais (RPT) ist mit 62 Sitzen im Parlament vertreten. Die ehemals stärkste Oppositionspartei, die Union des Forces de Changement - UFC war erstmalig seit Mai 2010 mit fünf Ministern an der Regierung beteiligt und in der neuen Regierung Ahoomey-Zunu vom 17. September 2013 stellt sie drei Minister. Der kompromissbereite Schritt Olympios zu Regierungsverhandlungen mit Präsident Faure Gnassingbé führte im Oktober 2010 zu einer Abspaltung der radikaloppositionellen Kräfte um den Präsidentschaftskandidaten Jean-Pierre Fabre und zur Neugründung der Partei Alliance Nationale pour le Changement (ANC).                                                           
Das Comité d’Action pour le Renouveau - CAR war lange Zeit die zweitstärkste Oppositionspartei. Andere Oppositionsparteien, die nicht im Parlament vertreten sind: Convention Démocratique des Peuples Africains – CDPA (Léopold M. Gnininvi), Alliance des Démocrates pour le Développement Intégral – ADDI, Parti des Forces du Changement (PFC), Organisation pour Batir dans l'Union un Togo Solidaire (OBUTS), Union Démocrates Socialistes du Togo – U.D.S.-Togo.
Alberto Olympio, 48-jähriger Neffe von Gilchrist Olympio, gründete vor kurzem eine neue Partei, 'le Parti des Togolais', mit der er sich an den Präsidentschaftswahlen 2015 beteiligen möchte und Ende November 2014 präsentierte Tikpi Atchadam ebenfalls eine neue Partei, die Parti National Panafricain (PNP).

Wahlen

Die Präsidentschaftswahlen 2005 verliefen sehr gewalttätig und kosteten in den Tagen vor und nach der Wahl über 500 Personen das Leben, forderten Tausende von Verletzten und lösten einen Massenexodus aus, bei dem circa 30 - 40 000 Bürger in die Nachbarländer Ghana und Bénin flohen, die inzwischen wieder zurückgekehrt sind. Im Oktober 2006 wurde eine unabhängige Wahlkommission, Commission Electorale Nationale Indépendante - CENI-Togo aus Regierungspartei und verschiedenen Oppositionsparteien und Vertretern der Zivilgesellschaft eingesetzt, die zunächst die Parlamentswahlen 2007 vorbereiten sollte. Die Parlamentswahlenvom 14. Oktober 2007 verliefen nach Berichten von internationalen Wahlbeobachtern trotz einiger Probleme insgesamt relativ gut.

Werbegeschenk bei den Präsidentschaftswahlen © Sammlung Otto Frick
Werbegeschenk bei den Präsidentschaftswahlen © Sammlung Otto Frick
Jean-Pierre Fabre, der Kandidat der UFC bei den Präsidentschaftswahlen auf einem Wahlplakat © Otto Frick
Jean-Pierre Fabre, der Kandidat der UFC bei den Präsidentschaftswahlen auf einem Wahlplakat © Otto Frick

Das Verfassungsgericht modifizierte das Wahlgesetzim März 2009, womit bereits eine relative Mehrheit im ersten Wahlgang für einen Sieg ausreichte. Die Opposition forderte eine Wahl mit zwei Durchgängenund einer einfachen Mehrheit sowie einer Rückkehr zur Verfassung von 1992, was u.a. eine Beschränkung der bisher unbegrenzten Anzahl der Amtsperioden des Präsidenten beinhaltet hätte, konnte sich damit aber nicht durchsetzen. So konnte die RPT schon im Vorfeld der Wahlen ihre Vorteile nutzen und ausbauen, während der Opposition diverse Hürden in den Weg gelegt wurden.  
Die Präsidentschaftswahlen am 4. März 2010 verliefen ohne gewaltsame Übergriffe, allerdings fiel die Wahlbeteiligung mit 65 % eher gering aus. Es standen sieben Kandidaten zur Wahl, darunter auch, erstmalig in der Geschichte Togos, eine Frau. Wahlsieger wurde erwartungsgemäß der Amtsinhaber Faure Gnassingbé mit 60,88 % der Stimmen, während Jean-Pierre Fabre von der UFC 33,93 % erhielt. Jean-Pierre Fabre weigerte sich, die Wahlergebnisse anzuerkennen und reklamierte in Demonstrationen den Wahlsieg für sich. Im November 2010 fand eine Volkszählung statt, die u.a. auch als Grundlage für ein neues Wählerverzeichnis diente. Das neue Wahlgesetz sieht eine Veränderung der Wahlbezirksgrenzen vor, zum Vorteil der Regierungspartei UNIR. Dagegen protestierten die verschiedenen Oppositionsgruppen und im Juni wurden eine Reihe von Oppositionspolitikern und Anhänger des Collectif Sauvons Le Togo (CST) verhaftet. Die Demonstrationen der verschiedenen Oppositionsbündnisse, die auch den Rücktritt des Präsidenten fordern, hielten weiter an. Im November 2012 sollten Parlamentswahlen stattfinden, sie wurden jedoch mehrmals verschoben, da sich Regierung und Opposition nicht einigen konnten. Inzwischen konnte eine Einigung der wichtigsten Parteienum das Wahlverfahren erzielt werden, dennoch war das Klima im Vorfeld der Wahlensehr angespannt. Bei der Wahl am 25. Juli 2013 traten 26 Parteien an. Klarer Wahlsieger wurde die Regierungspartei UNIR - Union pour la République, die laut dem vorläufigen amtlichen Ergebnis 62 von 91 Mandaten erhielt. Das oppositionelle Collectif Sauvons le Togo - CST konnte 19 Sitze erringen, 6 Sitze gingen an die Koalition Arc-en-ciel, 3 an die UFC - Union des Forces de Changement und einer an die Sursaut National. 
Im Frühjahr 2015, der genaue Termin ist noch offen, wird die Präsidentschaftswahl stattfinden. Schon jetzt bringen sich die verschiedenen Parteien und Koalitionen in Stellung. Der Machtwechsel in Burkina Faso wirft auch seine Schatten auf die bevorstehende Wahl in Togo. Die oppositionellen Bündnisse wollen zur Verfassung von 1992 zurückkehren, um so zu verhindern, dass Faure Gnassingbé ein drittes Mal kandidieren darf, was die regierende UNIR strikt ablehnt und selbst eine Diskussion darüber verweigert. Auffallenderweise hat sich Gilchrist Olympio mit seiner Partei UFC an den Auseinandersetzungen diskret zurückgehalten und versucht seine Partei neu auszurichten. Ein potentieller Kandidat, Kofi Yamgnane, brachte sich selber in Misskredit, da in Frankreich ein Verfahren wegen Vorteilsnahme gegen ihn eingeleitet wurde. Bislang haben Jean Pierre Fabre, gemeinsamer Kandidat von sechs Oppositionsparteien, der Unternehmer Alberto Olympio, Neffe von Gilchrist Olympio, der Musiker Eric Mc und der Priester Georges David Ada ihre Kandidatur angekündigt.

 

Wichtige politische Entscheidungen

Nach mehreren Gesprächen und Verhandlungsrunden konnte am 20. August 2006 zwischen Regierung, Oppositionsparteien – jedoch ohne die wichtigste Oppositionspartei UFC!  – und einigen Organisationen der Zivilgesellschaft ein Accord Politique Globalabgeschlossen werden. Am 16. September ernannte Präsident Faure Gnassingbé den oppositionellen Rechtsanwalt Yawowi Agboyibo zum Premierminister und beauftragte ihn mit der Bildung einer Übergangsregierung der Nationalen Einheit. Das waren die notwendigen Voraussetzungen, die der Wiederaufnahme der suspendierten Beziehungen mit der EU den Weg ebneten. Profitierend von der wachsenden internationalen Hilfe unternimmt die togoische Regierung gezielte Anstrengungen, Reformen in sozialen Schlüsselsektoren einzuleiten: Gesundheit, Erziehung sowie Entwicklung der Infrastruktur, der Verwaltung und der Justiz. Die im September 2008 erfolgte Ernennung des parteilosen Premierminister Gilbert Houngbo, dem früheren Afrika Direktor des UNDP in Dakar war sicher eine wichtige Entscheidung, um frischen Wind in diese Reformbemühungen zu bringen, die mittlerweile einige sichtliche Ergebnisse brachten. Diplomatische Aktivitäten ergänzen und sichern die Reformen ab.
Die neue Regierung, die nach der Präsidentenwahl am 28. Mai gebildet wurde, ermöglichte erstmals in der Geschichte des Landes eine Regierungsbeteiligung der UFC, die sieben Ministerposten erhielt, darunter das Außenministerium. Allerdings wird diese Entscheidung innerhalb der UFC vom radikaloppositionellen Flügel um Fabre abgelehnt und den UFC-Ministern und Olympio, der diesen Deal mit der RPT ausgehandelt hatte, wurde zunächst der Parteiausschluss erklärt. Dieser Schritt führte im Oktober zu einer Spaltung der UFC und zur Neugründung der Partei Alliance Nationale pour le Changement (ANC). Am 11. Juli 2012 erklärte Premierminister Gilbert Houngbo überraschend seinen Rücktritt.
Die geschätzten 1,5 Mio. togoischen Bürgerinnen und Bürger der Diaspora, die einen anderen Pass besitzen, benötigen ab dem 21. Juli 2015 kein Visum mehr für die Einreise nach Togo, sofern sie ein anderes Dokument vorweisen können, das ihre togoische Herkunft bezeugt. 
Der Bertelsmann-Transformations-Index (BTI) informiert über den Demokratisierungsprozess und die marktwirtschaftlichen Reformen. In dem vom amerikanischen Freedom House veröffentlichten Ranking Freiheit in der Welt von 2014 erreicht Togo den Wert 4.0 (auf einer Skala von 1.0 - 7.0) und fällt in die Kategorie der teilweise freien Länder.

Politische Auseinandersetzungen und Machtkämpfe

Bei den politischen Auseinandersetzungen und Machtkämpfen seit Beginn der 1990er Jahre schienen sich zwei unversöhnliche Machtblöcke gegenüberzustehen: Norden versus Süden, die RPT und die UFC, das Militär und die Kaufleute, zwei Familien und ihre Söhne im Dauerclinch. Der verstorbene Präsident versuchte die traditionelle Oppositionspartei UFC mit ihrem Vorsitzenden Gilchrist Olympio mit allen Mitteln von einer Regierungsbeteiligung fernzuhalten. Erst unter der Regierung von Faure konnte ein entspannteres Verhältnis zwischen diesen beiden Politikern entstehen. Während der Präsident und der UFC-Vorsitzende Olympio offensichtlich ihren Kompromiss gefunden haben, ist es eher die etwas militantere Opposition wie ANC und das Collectif Sauvons le Togo (CST), die eine Einladung zum Dialog mit der Regierung bislang kategorisch verweigerten. Am 5. März 2014 kam es zu einem historischen Treffen zwischen dem Präsidenten Faure Gnassingbé und dem Oppositionspolitiker Jean-Pierre Fabre. Um Herausforderungen zu begegnen, wie beispielsweise der maroden Wirtschaft zum Aufschwung zu verhelfen und den Staat neu aufzubauen, versucht der Präsident alle Parteien und Gruppen der Gesellschaft einzubinden, um das Land attraktiv für Investoren und als Sitz wichtiger Banken und anderer 'global players' zu gestalten.
Ostern 2009 wurde Kpatcha Gnassingbé, ein Halbbruder des Präsidenten und weitere 30 Personen wegen eines Putschversuchs festgenommen und im September 2011 wegen versuchten Staatsstreichs vom Obersten Gerichtshof zu 20 Jahren Haft verurteilt. 
Am 10. und 12. Januar 2013 gingen die großen Märkte in Lomé und Kara in Flammen auf. Es wird Brandstiftung vermutet, möglicherweise politisch motiviert. Inzwischen sind mehrere Oppostionspolitiker der Mittäterschaft bei der Zerstörung öffentlichen Eigentums und der Bildung einer kriminellen Vereinigung angeklagt.
Am 1. Oktober 2014 veröffentlichte die katholische, die evangelische und die methodistische Kirche ein gemeinsames Kommuniqué, in dem sie die politischen Führungskräfte bitten, die parteieigenen und egoistischen Erwägungen außer Acht zu lassen, um die Demokratie voranzubringen und einen ruhigen Verlauf der Präsidentschaftswahl 2015 zu ermöglichen. Dieser Appell wurde von der Regierung heftig kritisiert.
In den vergangenen Wochen kam es zu mehreren Großkundgebungen und Demonstrationen sowohl von der Opposition als auch von der Regierungspartei UNIR, wobei das oppositionelle Lager eine Rückkehr zur Verfassung von 1992 fordert, um ein drittes Mandat des amtierenden Präsidenten zu verhindern, währenddessen die UNIR sich für die 'Unantastbarkeit' der Verfassung einsetzt.

Zivilgesellschaft

Erst im Zuge der Demokratisierungswelle zu Beginn der 1990er Jahre wurde es möglich, zivilgesellschaftliche Organisationen in größerem Umfang aufzubauen. Zuvor gab es allein die nationalen Vertretungen internationaler Verbände (wie Pfadfinder, CVJM, INADES etc.) und kirchlicher Strukturen. Danach kam es zu einer Vielzahl von Vereins- und Verbandsgründungen. In den Jahren der offiziell suspendierten Zusammenarbeit mit dem togoischen Staat waren es fast ausschließlich zivilgesellschaftliche Organisationen, mit denen der vor Ort gebliebene DED kooperierte. Nach den Regierungsverhandlungen im Juni 2012 sieht das neue Engagement der Bundesrepublik in Togo auch die Stärkung der Zivilgesellschaft vor. Alle großen internationalen Institutionen und Organisationen haben die Unterstützung der Zivilgesellschaft auf ihrer Agenda, wie z. B. die Weltbank. Die EU finanziert seit 2011 das Projekt 'Projet d’Appui à la Société Civile et à la Réconciliation Nationale (PASCRENA). Heute existieren überall in Togo eine beinahe unüberschaubare Anzahl von Organisationen der Zivilgesellschaft. Einige von ihnen haben sich in Dachverbänden zusammengeschlossen, wie z. B. der Concertation Nationale de la Société Civile au Togo.
Im Oktober 2014 rief der Premierminister Ahoomey-Zunu einen Monat des Bürgersinns aus, um an den Gemeinsinn der Bürger zu appellieren.

Menschenrechte und Korruption

Menschenrechte

In der Vergangenheit wurde Togo wiederholt schwerwiegender Menschenrechtsverletzungen bezichtigt. Am 21. Oktober 1987 wurde vom Staat die Commission Nationale des Droits de l'Homme eingesetzt, deren erster Präsident der Rechtsanwalt und Politiker Yaovi Agboyibowar. Die unabhängige Ligue Togolaise des Droits de l'Homme (LTDH) wurde von Rechtsanwalt Joseph Koffigoh als erste Menschenrechts-NRO Togos im Juli 1990 gegründet. 

Die Menschenrechtslage hat sich während Präsident Faure Gnassingbés Reformkurs seit 2006 deutlich verbessert, was sich vor allem bei der Meinungs- und Versammlungsfreiheit sowie der Pressefreiheit auswirkte. Jedoch bestehen weiterhin gravierende Defizite. Im Jahresbericht von 2013 von Amnesty International wird die exzessive Gewaltanwendung der Sicherheitskräfte beim Auflösen von politischen Kundgebungen und Demonstrationen der Opposition sowie bei Demonstrationen der Studenten kritisiert. Auch der Bericht des Hochkommissariats für Menschenrechte der VN vom Oktober 2013 kritisierte Unzulänglichkeiten im Justizapparat. Das von den VN unterstützte Integrated Regional Information Networks, IRIN berichtete über unerträgliche Zustände in den Gefängnissen des Landes. Weiterhin kritische Bereiche sind die Justiz, Straflosigkeit bei Polizeigewalt, Vorwürfe der Folter bei Inhaftierten und die hohe Korruption.
Im Oktober 2014 hielten verschiedene Menschenrechtsorganisationen eine Pressekonferenz ab, bei der sie mit großer Sorge zu dem Führungswechsel bei der Gendarmerie und einiger anderer Entwicklungen äußerten.

Das Gefängnis in Lomé, das während der deutschen Kolonialzeit errichtet wurde, dient auch heute noch als Gefängnis © Sammlung Otto Frick
Das Gefängnis in Lomé, das während der deutschen Kolonialzeit errichtet wurde, dient auch heute noch als Gefängnis © Sammlung Otto Frick

Verschiedene internationale Organisationen beobachten die Menschenrechtslage kontinuierlich und erstatten Berichte: die United Nations Commission on Human Rights, das Haut Commissariat des Nations Unies aux Droits de l’Homme (HCDH), das U.S. Department of State veröffentlichte den 2013 Human Rights Report: Togo. Einen ausführlichen Bericht über die Menschenrechte, das Justizsystem und die Sicherheit in Togo stellte die Schweizerische Flüchtlingshilfe zusammen. Die NRO ecoi.net - European Country of Origin Information Network sammelt asylrelevante Informationen der entsprechenden Herkunftsländer. In der Suchmaske "Togo" eingeben und Sie finden zahlreiche Berichte von Religionsfreiheit, Pressefreiheit bis zu Menschenhandel, kurz eine sehr informative Linkliste. Auf dem interaktiven Global Slavery Index nimmt Togo Rang 14 von 160 ein, da beinahe 50 000 Personen in sklavereiähnlichen Abhängigkeitsverhältnissen leben. 

Die universellen Menschenrechtserklärungen wurden inzwischen auch in die Landessprachen Ewé und Kabyé übersetzt. 2010 fand zum vierten Mal in Lomé das internationale Dokumentarfilmfestival der Menschenrechte statt. Im Mai 2009 nahm die neugegründete staatliche Kommission für Wahrheit, Gerechtigkeit und Versöhnung unter Vorsitz des Bischofs von Atakpamé ihre Arbeit auf. Sie sollte die politisch motivierten Gewalttaten in Togo während der Herrschaft des 2005 verstorbenen Präsidenten Eyadema aufklären. Inzwischen liegt der Abschlussbericht vor.
Der Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe im Auswärtigen Amt, Markus Löning, war im November 2012 in Togo und eröffnete ein Regionalseminar für Menschenrechte in Lomé. Auch die deutsche Botschaft in Lomé unterstützt die Alliance internationale pour les droits fondamentaux de l’homme (AIDFH) bei einer Sensibilisierungskampagne.

Korruption

Auf dem von Transparency International veröffentlichten tabellarischen Korruptionswahrnehmungsindex 2014 steht Togo an 126. Stelle von 175 Ländern. Bereits 2001 wurde die staatliche Commission Anticorruption C.A.C. eingesetzt. Die Regierung und auch der heutige Präsident sagten der Korruption den Kampf an. Le Monde berichtete über die Absahner in Togo. Am 1. September 2012 wurde der frühere Minister Pascal Bodjona festgenommen. Ihm wird die Mittäterschaft an einer Betrügerei vorgeworfen, in deren Verlauf ein Geschäftsmann aus den Vereinigten Arabischen Emiraten um 48 Millionen Dollar gebracht wurde. 

Medien

Zeitungsverkaufsstand © Eckehard Mewes
Zeitungsverkaufsstand © Eckehard Mewes

Mit der 1991 stattfindenden Nationalkonferenz änderte sich die Medienlandschaft schlagartig und eine Vielzahl an Medien trat an Stelle der ausschließlich staatlich kontrollierten Medien. 2004 wurde zwar ein neues Pressegesetz eingeführt, die unabhängige Berichterstattung hat sich unter dem neuen Präsidenten Faure Gnassingbé deutlich verbessert, doch bleibt sie weiterhin durch staatliche Restriktionen bedroht. Auf der von Reporter ohne Grenzen veröffentlichten Weltrangliste für Pressefreiheitkonnte sich Togo nach dem Tod von Eyadéma deutlich verbessern und steht auf Platz 76 von 180. Das amerikanische Freedomhouse sieht das jedoch anders und im 2014 Freedom of the Press World Ranking steht Togo nur auf Platz 146 von 197. 
Die togoische Journalistin und Menschenrechtsaktivistin Fabbi Kouassi gewann mit ihrem Blog  den "Reporter ohne Grenzen-Award" 2013.

Presse

Die Presselandschaft bietet ein vielfältiges Angebot an Printmedien, die alle in Französisch erscheinen. Laut der Haute Autorité de l'audiovisuel et de la communication gab es im Oktober 2008 81 registrierte Zeitungen. Sie zeichnen sich jedoch durch geringe Auflagen aus und finden außerhalb von Lomé und einigen anderen Städten, vorwiegend im Süden, kaum Verbreitung. Die staatliche Togo-Presse, die einzige Tageszeitung, hat auch je eine halbe Seite mit Nachrichten in Ewé und Kabyé. Daneben gibt es die ebenfalls staatliche Presseagentur Atop und mittlerweile die erste private Presseagentur Savoir News. Die Regierung gibt ein neues PR-'Hochglanz'-Magazin heraus, «Les deux palais», benannt nach den zwei Präsidentenpalästen. Eine erfolgreiche Person ist der Medienunternehmer Claude Grunitzky, Großneffe von Nicolas Grunitzky, der neben anderen Projekten das Lifestyle Magazin 'Trace' herausgibt, das die “métissages culturels” der großen Metropolen der Welt illustriert. Vor einigen Jahren wurden die kostenlosen Stadtmagazine Togo Couleurs und Lomé City Mag gegründet, die sich durch Anzeigen finanzieren. Im März 2014 erschien erstmals eine neue Illustrierte 'Tendances Togo', die die neuen Entwicklungen Togos als modernes und dynamisches Land reflektieren soll. Der Regierung ist offensichtlich an einer modernen und professionellen Berichterstattung gelegen, denn die Ministerin für Kommunikation, Kultur und Kunst lud im Sommer 2014 Journalisten zu einem Seminar über die Professionalisierung der Presse ein.

Reporter ohne Grenzen zeigte sich besorgt über die Verstärkung der Macht der Haute Autorité de l’audiovisuel et de la communication (HAAC). Berichte von Zensur und Verboten der privaten togoischen Presse seitens der HAAC erscheinen immer wieder. Am 19. Februar 2013 verabschiedete die Assemblé Nationale ein neues Organisationsgesetz, das der Haute Autorité de l’Audiovisuel et de la Communication (HAAC) – in verfassungswidriger Weise - weitreichende Vollmachten einräumt (Zeitungen verbieten, Suspendierung von Radio- und Fernsehprogrammen, Entzug der Bewilligung für audiovisuelle Medien), was, gestützt auf die togoische Verfassung, allein Sache der Gerichte ist. 
Le Patronat de la presse togolaise (Ppt), eine der beiden Arbeitgeberorganisationen im Medienbereich in Togo, distanzierte sich von der Observatoire togolais des médias (Otm), da sie mehr und mehr die Rolle eines Tribunals bei der Selbstregulierung der privaten Presse einnimmt.

 

TV und Radio

Neben dem staatlichen Fernsehsender TVTmit Stationen in Lomé und Kara gibt es elf private Sender und das südafrikanische Pay-TV DStv mit Multichoice Togo. Der staatliche Sender Radio Lomé ist auch im Internet mit Nachrichten präsent und Radio Kara versorgt den Norden mit Nachrichten und Unterhaltung. Zu den fünf staatlichen Radiosendern kommen 75 private und drei internationale Radiostationen. Der private Sender FM Liberté unterhält Büros in Lomé und in Kara. Einen Überblick über die Radiosender Togos gibt es bei Radio World. Die französische Gruppe 'Canal+' stellte im Oktober das neue Programm 100% africaine, A+ vor.

Online Nachrichten-Magazine und Internet

Das kanadische Medienportal ABYZ bietet Links zu Magazinen an, die regelmäßig über Togo berichten. Die staatliche Republicoftogo.com hat sich zu einem professionell gemachten und durchaus interessanten Magazin entwickelt und bietet Nachrichten auch als Video-Filme an. Die französische Zeitschrift Jeune Afrique verglich im August 2014 die staatlichen Websites von 40 afrikanischen Staaten und platzierte die 'republicoftogo' an erster Stelle, ausschlaggebend waren die Ästhetik, die Ergonomie und die leicht handhabbare Navigation. Die Regierung nutzt die sozialen Netzwerke wie Facebookund Twitter. Neben den der Oppositionsparteien UFC und ANC, gibt es mehrere Online-Magazine, die sich selber als oppositionell und/oder unabhängig bezeichnen. Einige davon sind letogolais, icilomeund Etiame. Das Online Magazin Togozine hat seine Berichterstattung eher auf gesellschaftliche Themen fokussiert während BN&N auch die togoische Diaspora erreichen möchte. Im Oktober liess die Medienbehörde HAAC den Sitz des Online-Nachrichtenmagazins 'afrikaexpress.info' schliessen.
Im Juni 2011 gab es rund 325 000 Internetbenutzer, das entspricht ca. 5,4 % der Bevölkerung. Damit liegt Togo weit unter dem afrikanischen Durchschnitt von 12 %. Anfang Dezember 2009 erhielt Togo eine eigene Domain von Google: Google.tg, mit der Option Französisch oder Ewé. Eine ausführliche Studie über die Unterstützung von Interessensgruppen bei einem öffentlich geführten, internetunterstützten Politikdialog mit Erfahrungen aus Togo veröffentlichte das International Institute for Sustainable Development. Die Ministerin für Telekommunikation und Post, Cina Lawson, verfolgt das ehrgeizige Ziel, flächendeckendes Internet und Mobiltelefonie für alle zu günstigen Konditionen zu etablieren. Die Weltbank genehmigte zudem eine Finanzierung in Höhe von 30 Mio. Dollar für Ausbau und Modernisierung des Internets. Doch trotz aller Anstrengungen, Versicherungen und Beteuerungen ist der Internetzugang immer noch nicht optimal.

Außenpolitische Themen

Präsident Faure Gnassingbé und Bundespräsident Horst Köhler am 16. Juni 2009 in Berlin © Otto Frick
Präsident Faure Gnassingbé und Bundespräsident Horst Köhler am 16. Juni 2009 in Berlin © Otto Frick

Die außenpolitischen Beziehungen Togos richteten sich in der Vergangenheit auf die EU, die VN und die verschiedenen afrikanischen Organisationen und Bündnisse. Zu allen drei Nachbarstaaten hat Togo ein gutes und spannungsfreies Verhältnis. Nachdem die westlichen Geberländer 1993 ihre Zusammenarbeit aufgekündigt hatten, suchte Togo nach neuen Partnern und intensivierte die Beziehungen zur arabisch-islamischen Welt und auch zur VR China.
Togo ist Mitglied der Vereinten Nationen und ihren Sonderorganisationen, der UA - Union Africaine, der CEDEAO/ECOWAS und der UEMOA (siehe Wirtschaftsteil), OHADA - Organisation pour l’Harmonisation en Afrique du Droit des Affaires, OIC - Organization of the Islamic Conference, ist durch die Lomé- und Cotonou-Abkommen mit der EU assoziiert und Mitglied der Frankophonie. Neben Frankreich ist Deutschland wichtigster PartnerTogos in Europa. Bei seinem Besuch am 11./12. Februar 2008 in Togo verkündete der damalige Außenminister Frank-Walter Steinmeier das Ende der Sanktionen. Im Dezember 2011 war Bundesminister Dirk Niebel in Togound stellte eine erste Zusage in Höhe von 27 Millionen Euro in Aussicht. Vom 15. - 19. Juni 2009 war Präsident Faure Gnassingbéauf Staatsbesuch, der togische Premierminister Gilbert Houngbo im Mai 2011 und der neue Premierminister Arthème Ahoomey-Zunu vom 31. Januar - 1. Februar 2013 in Deutschland. Im Februar 2014 war der togoische Außenminister Robert Dussey zum Antrittsbesuch in Berlin und war am 5. Dezember erneut zu einem Arbeitsbesuch in Berlin. 

Togo trat immer wieder bei innerafrikanischen Konflikten als Schlichter und Vermittlerauf und auch der jetzige Präsident Faure Gnassingbé führt diese Rolle fort, so jüngst beim Regierungswechsel in Burkina Faso. Im Global Peace Index von 2014 belegt Togo Platz 80 von 162. Auf der Website der Regierung werden Togos außenpolitische Beziehungen skizziert: zur EU, zu Frankreich und Deutschland, aber auch zur arabischen Welt, zu Israel und dem Iran, zu Asien und den Vereinigten Staaten von Amerika sowie zu diversen internationalen Organisationen, wie den Vereinten Nationen. Bei seinem zweitägigen Besuch in Havannah im Oktober sprach sich der togoische Außenminister für ein Ende der Sanktionen gegen Kuba aus und im Juli wurden offizielle diplomatische Beziehungen mit dem Kosovo aufgenommen. 2011 wurde Togo als nicht ständiges Mitglied für zwei Jahre in den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen gewählt. Togos diplomatische Missionen sind hier in alphabetischer Reihenfolge aufgelistet und ebenso die ausländischen diplomatischen Missionen in Togo.
Das Jahr 2014 war offensichtlich das Jahr der 'diplomatischen Offensive': die Regierung veröffentlichte das zweisprachige Print-Magazin 'DiploMag', startete das Online Magazin 'togodiplomatie.info' und der Außenminister Robert Dussey initiierte den 'Think tank' Club diplomatique de Lomé (CDL).

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Dezember 2014 aktualisiert.

Autor

Otto Frick arbeitete neun Jahre in Togo und leitete ein Atelier für visuelle Kommunikation und war in mehreren Projekten der EZ, auch in Benin tätig. Er erstellte Publikationen zu landeskundlichen Themen Togos und Benins und zur Kunst und Kultur Afrikas.

Mitarbeit am Lehrstuhl für Afrikanische Kunst der FU, Referent und Tutor in der Erwachsenenbildung, interkultureller Trainer, Tätigkeiten in der Medien- und Organisationsberatung und als Kurator.

Über Ihr Feedback freue ich mich.

Literaturhinweise

Weiterführende Literatur zu den Themen:

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