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Sappi Ngodwana Mill, Foto: Wally Menne

Wirtschaft und Entwicklung

BeschreibungInhalt
geschätztes BIP:555 Mrd. US-$
Pro-Kopf-Einkommen (Kaufkraftparität):11.000 US-$
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI):Rang 123 (von 187)
Anteil Armut (unter 2  $ pro Tag):34,1 %
Einkommensverteilung (Gini-Koeffizient):57,8
Anteil alphabetisierte Erwachsene:88,7 %

Südafrika

Landesflagge Südafrika

Wirtschaft

Wirtschaftssystem und Sektoren

Südafrika ist der bedeutendste Industriestaat des Kontinents und mit seinen vielfältigen Bodenschätzen eines der wichtigsten Bergbauländer der Welt. Dass Südafrika den Sprung über ein Schwellenland nicht geschafft hat, ist der Apartheidpolitik geschuldet. Den Reichtum der WirtschaftÖffnet externen Link in neuem Fenster des Landes für die gesamte Bevölkerung zu nutzen, ist heute die größte Herausforderung in einem Land, wo Reichtum extremer Armut gegenübersteht.

Arbeit an Überlandleitung
Strom wird vom Energiekonzern Eskom geliefert. Foto: issa

Bergbau: Südafrika gehört zu den bedeutendsten BergbaunationenÖffnet externen Link in neuem Fenster der Welt, dort lagern weltweit die größten Vorräte an GoldÖffnet externen Link in neuem Fenster und Platin, außerdem gibt es große Vorkommen von DiamantenÖffnet externen Link in neuem Fenster und Kohle. Im Grunde sind mit Erdöl und Bauxit nur zwei wichtige Rohstoffe nicht verfügbar. Jährlich fördert Südafrika Bodenschätze im Wert von etwa 75 Milliarden Euro und bestreitet damit ein Großteil seiner Exporte. Der BergbauÖffnet externen Link in neuem Fenster trägt zu 18 Prozent am BIP bei. Während die GoldproduktionÖffnet externen Link in neuem Fenster trotz fortgeschrittener Technik aber an Bedeutung abnimmt, gewinnen Platin, Kohle und Eisenerz zunehmend an Gewicht. So kommen fast 80 Prozent des Platins auf dem Weltmarkt aus Südafrika. Der PlatinbergbauÖffnet externen Link in neuem Fenster ist mittlerweile zum größten Devisenbringen Südafrikas geworden.

Dennoch zählt Südafrika wegen hoher Markteintrittsbarrieren und einer unattraktiven Bergbaugesetzgebung bei potenziellen Investoren nicht mehr so hoch im Kurs. Südafrika scheint den zweiten Rohstoffboom verschlafenÖffnet externen Link in neuem Fenster zu haben, während angrenzende Länder wie Mosambik und Sambia für den Rohstoffmarkt zunehmend attraktiver werden. Zudem hat der Bergbau unter einer StromkriseÖffnet externen Link in neuem Fenster mit Produktionsausfällen von bis zu 20 Prozent zu leiden gehabt.

2012 ist der Platinbergbau nach dem Massaker von Marikana zum Brennpunkt blutiger Auseinandersetzungen geworden, mit etlichen bei wilden Streiks getöteten Arbeitern und einem im Oktober 2012 erschossenen GewerkschaftsführerÖffnet externen Link in neuem Fenster. Anglo American Platinum, der weltgrößte Platinproduzent, hat 12.000 der 28.000 streikenden Bergarbeiter entlassenÖffnet externen Link in neuem Fenster.

Auf eine KarteÖffnet externen Link in neuem Fenster können Sie sehen, dass die Hauptabbaugebiete von Kohle und Gold im Großraum zwischen Johannesburg, Pretoria und Durban liegen.

Landwirtschaft: Für den Außenhandel spielt neben dem Bergbau die exportorientierte LandwirtschaftÖffnet externen Link in neuem Fenster eine bedeutende Rolle (ca. 3 Prozent des BIP). Insbesondere WeinÖffnet externen Link in neuem Fenster, Obst und Gemüse gehören zu den Exportschlagern. Wegen der klimatisch günstigen Bedingungen am Westkap kann Südafrika die Off-Season des Nordens nutzen, wenn dort nicht geerntet werden kann. Die meisten anderen Regionen sind allerdings wegen schlechter Bodenqualität und Wasserknappheit für die landwirtschaftliche ProduktionÖffnet externen Link in neuem Fenster nicht sonderlich geeignet. Eine KarteÖffnet externen Link in neuem Fenster zeigt Ihnen, in welcher Region welche Produkte angebaut werden.

Verarbeitende Industrie: Wie die Sektoren Bergbau und Landwirtschaft muss sich auch die verarbeitende Industrie seit 1994 der internationalen Konkurrenz und dem Preisdruck auf dem Weltmarkt stellen. Doch ihre Bedeutung hat insbesondere in den Bereichen der Grundstoff-, Investitionsgüter- und Schwerindustrie in den vergangenen Jahren zugenommen. 2005 verhalf die starke inländische Nachfrage der verarbeitenden Industrie zu einem Aufschwung. Hohe Wachstumsraten von etwa 8 Prozent pro Jahr erlebte die BaubrancheÖffnet externen Link in neuem Fenster, die allerdings im Jahre 2010 eine Talfahrt erfuhr, nachdem die südafrikanische Bauindustrie einen deutlichen Rückgang der Bauaufträge erlitt.

Zweitgrößter Industriebereich ist die AutomobilindustrieÖffnet externen Link in neuem Fenster, die über eine lange Erfahrung in Südafrika verfügt. Nach einem Einbruch in den Jahren 2008 und 2009 konnte der Automobilmarkt 2011 expandierenÖffnet externen Link in neuem Fenster. BMW und VWÖffnet externen Link in neuem Fenster haben einen Teil ihrer Produktion nach Südafrika verlagert. Weitere KernbereicheÖffnet externen Link in neuem Fenster der Industrie sind der MaschinenbauÖffnet externen Link in neuem Fenster, ChemieÖffnet externen Link in neuem Fenster, Informations- und Kommunikationstechnologie sowie Textilien und Bekleidung.

Energiesektor: Auch die südafrikanische EnergiewirtschaftÖffnet externen Link in neuem Fenster ist in einem starken Wandel begriffen. Der Wirtschaftszweig trägt schon heute etwa 15 Prozent zum BIP bei und wird wegen des steigenden Bedarfs weiter wachsen. Um die Energieerzeugungskapazitäten an die Erfordernisse der Zukunft anzugleichen, hat Südafrika einen erhöhten Bedarf an neuen KraftwerkenÖffnet externen Link in neuem Fenster. Die Stromreserven sind schneller erschöpft, als man dachte. Jahrzehntelang hat man Investitionen in den Stromsektor und seine Modernisierung verschlafen. Die häufigeren StromausfälleÖffnet externen Link in neuem Fenster seit Beginn des Jahres 2008 machen der südafrikanischen Wirtschaft daher schwer zu schaffen. Daher sucht der Energiekonzern Eskom nach Finanzierung für neue Kraftwerke. Südafrikanische und afrikanische NRO und Umweltgruppen wehren sich allerdings in einer breiten Kampagne gegen ein Weltbank-Darlehen von 3,75 Mrd. US-DollarÖffnet externen Link in neuem Fenster für das geplante Kohlekraftwerk Medupi, das Südafrika zurück in Carbon-ZeitalterÖffnet externen Link in neuem Fenster bringt. Angesichts der Klimaerwährmung muss die Weltbank ihr Programm zur Unterstützung EskomsÖffnet externen Link in neuem Fenster und konventioneller Energien überdenken.

Infrastruktur: Südafrikas InfrastrukturÖffnet externen Link in neuem Fenster zeichnet sich durch einen modernen Transportsektor, eine verfügbare Energieversorgung sowie ein hoch entwickeltes TelekommunikationswesenÖffnet externen Link in neuem Fenster aus. In letzter Zeit bemüht sich Südafrika, den Güterverkehr verstärkt von der Straße auf die SchieneÖffnet externen Link in neuem Fenster zu verlagern.

Tourismussektor: Eine gute Infrastruktur ist unerlässlich für den Tourismus. Südafrikas TourismussektorÖffnet externen Link in neuem Fenster ist eine der am schnellsten wachsenden BranchenÖffnet externen Link in neuem Fenster des Landes. Der Sektor steuert rund 8 Pozent zum BIP bei, eine Steigerung auf 12 ProzentÖffnet externen Link in neuem Fenster wird angestrebt. 1994 verzeichnete Südafrika 3,9 Millionen ausländische Gäste, 2010 - im Jahr der Fußball-WM - waren es bereits knapp 10 Millionen. Neben Reisenden aus Europa und den USA kommen viele ausländische Besucher aus Afrika, in wachsender Zahl auch aus Asien. Touristen aus Deutschland gehören mit etwa einer Viertelmillion zu einer der größten Besuchergruppen. Das Wachstum deutscher BesucherÖffnet externen Link in neuem Fenster lag 2012 bei 15,2 Prozent.

Etwa 7 Prozent der Erwerbstätigen Südafrikas sind unmittelbar oder mittelbar im Tourismussektor beschäftigt. Weil aber die vom Tourismus betroffene Bevölkerung zu wenig von diesem Sektor profitiert, hat die Regierung 2002 Richtlinien für eine verantwortungsvolle TourismusentwicklungÖffnet externen Link in neuem Fenster vorgelegt, mit der die lokale Bevölkerung bei Tourismusinvestitionen besser berücksichtigt und in Verantwortung genommen werden soll. Ein Entwurf zum Tourism Amendment Bill, mit dem die Regierung den nachhaltigen TourismusÖffnet externen Link in neuem Fenster fördern will, wurde im August 2011 vorgestellt und Ende 2012 ins Parlament gebracht. Zu den Organisationen, die sich im nachhaltigen Tourismus engagieren, gehött Fair Trade in TourismÖffnet externen Link in neuem Fenster.

Wirtschaftsindikatoren und Analysen

Die gesamtwirtschaftliche Lage stellen in Kurzform das Auswärtige AmtÖffnet externen Link in neuem Fenster sowie das southafrica.infoÖffnet externen Link in neuem Fenster dar, eine aktuelle Datenzusammenstellung liefert das Länderprofil des Statistischen BundesamtesÖffnet externen Link in neuem Fenster.

Eine Bewertung unter markwirtschaftlichen Gesichtspunkten leistet der Bertelsmann Transformations-IndexÖffnet externen Link in neuem Fenster (ab Kapitel 2). Die German Trade & Invest (gtai) aktualisiert regelmäßig die "Wirtschaftsdaten kompakt"Öffnet externen Link in neuem Fenster und liefert einen gesamtwirtschaftlichen AusblickÖffnet externen Link in neuem Fenster auf das laufende Halbjahr. Gemeinsam mit dem AHK Südafrika gibt die gtai zudem die Lasedi-News mit den neusten BerichtenÖffnet externen Link in neuem Fenster zur Wirtschaft Südafrikas heraus.

Eine Bewertung der ökonomischen Lage liefert auch die OECDÖffnet externen Link in neuem Fenster (vollständiges DokumentÖffnet externen Link in neuem Fenster), die auch einen statistischen ÜberblickÖffnet externen Link in neuem Fenster bereit stellt.

Im Doing Business ReportÖffnet externen Link in neuem Fenster der Weltbank liegt Südafrika für das Jahr 2013 auf Platz 39 von 185 bewerteten Ländern. Auf die Nachhaltigkeit der Wirtschaftsentwicklung und das Entwicklungspotenzial achtet die Rating-Agentur oekom researchÖffnet externen Link in neuem Fenster. Als einziges afrikanisches Land unter 50 bewerteten Ländern liegt dort Südafrika auf dem letzten Platz. "Wer sein Geld jedoch unter Berücksichtigung ökologischer und sozialer Aspekte anlegen möchte, sollte bei Südafrika sehr vorsichtig sein", heißt es da.

Das Department of Trade and IndustryÖffnet externen Link in neuem Fenster veröffentlicht regelmäßig verschiedene Wirtschaftsstatistiken. Auf der Südafrika-Seite des EconomistÖffnet externen Link in neuem Fenster finden Sie Links und Hinweise zu Grunddaten und Beiträgen über einzelne Wirtschaftsthemen, die z.T. allerdings kostenpflichtig sind.

Wirtschaftspolitik

Südafrikas neue Regierung stand 1994 vor der gewaltigen Aufgabe, das soziale und ökonomische Erbe der Apartheid anzugehen. Fast die Hälfte der Bevölkerung lebte nach offiziellen Statistiken unter der Armutsgrenze, die allermeisten davon gehörten zur schwarzen Bevölkerungsmehrheit. Im RDPÖffnet externen Link in neuem Fenster (Reconstruction and Development Programme), dem Aufbau- und Entwicklungsprogramm der Regierung von 1994, stand deshalb die Befriedigung der Grundbedürfnisse im Vordergrund, vor allem die Versorgung der bisher Benachteiligten mit Wohnraum, Zugang zu Wasser und Elektrizität.

In den makroökonomischen Rahmendaten zeigt sich allerdings eine eher gespaltene Entwicklung. Mit der Veröffentlichung des neo-liberalen Wachstums-, Beschäftigungs- und Umverteilungsprogramms (Growth, Employment and Redistribution) GEARÖffnet externen Link in neuem Fenster hatte die Regierung Mitte 1996 einen deutlichen Richtungswechsel vollzogen. Statt weiterhin auf eine politisch gelenkte Umverteilung zu setzen, führte sie mit GEAR ein selbsternanntes Strukturanpassungsprogramm ein, das darauf abzielt, mittels einer Stabilisierung der makroökonomischen Rahmendaten die inländische und ausländische Investitionstätigkeit in Südafrika zu steigern. Die Wirtschaft soll damit auf einen neuen Wachstumspfad gebracht und so die prekäre Situation auf dem Arbeitsmarkt entschärft werden.

Mit der 2006 eingeführten neuen wirtschaftspolitischen InitiativeÖffnet externen Link in neuem Fenster, der Accelerated and Shared Growth Initiative for South Africa (ASGISA)Öffnet externen Link in neuem Fenster, wollte die Regierung wieder mehr Gewicht auf Arbeitsbeschaffung zu legen, doch Kritiker meinten, auch bei ASGISA stehe wie bei GEAR, das als Grundlagenprogramm weiterhin gilt, Wachstum im Vordergrund. Was bei ASGISA bereits als Paradigmenwechsel galt, soll nun der 2010 von Wirtschafts- und Energieminister Ebrahim Patel vorgestellte New Groth PathÖffnet externen Link in neuem Fenster (NGP) erreichen, nämlich die Schaffung von ArbeitsplätzenÖffnet externen Link in neuem Fenster als Kernpunkt des Wirtchaftsplans. Gewerkschaftsvertreter kritisierenÖffnet externen Link in neuem Fenster allerdings, dass die Finanzierung des Programms beim Staat bleibt und die Privatwirtschaft nicht in die Pflicht genommen wird. Eine entgegen gesetzte Einschätzung pflegt naturgemäß die Konrad Adenauer Stiftung: Sie sieht die Festlegung auf einen Development State eher als Worthülse und sieht die "Abkehr vom staatsinterventionistischen MarktwirtschaftsmodellÖffnet externen Link in neuem Fenster geboten".

Ex-Finanzminister Trevor Manuel © IMF

Bis heute gibt es heftige Debatten darüber, welche Folgen diese wirtschaftspolitische Wende für das Land hatte. GEAR konnte die selbstgesteckten Ziele nicht einhalten. Die negativen Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt bei einer bereits hohen Arbeitslosigkeit zeigten, dass in manchen Bereichen Verschlechterungen eingetreten sind. Allein durch die Integration Südafrikas in die globalisierte Ökonomie gingen fast eine halbe Million Arbeitsplätze verloren. Bei einem durchschnittlichen Wachstum von 2-4 Prozent in den ersten zehn Jahren kann – wie es ein Bericht der Union Bank of Switzerland ausdrückte – Südafrikas Wirtschaftspolitik als ein "Sich Durchwursteln"Öffnet externen Link in neuem Fenster bezeichnet werden. Zu eng sind die Gestaltungsräume und Budgetvorgaben einer neoliberalen Wirtschaftspolitk, welche die Schere zwischen privatem und öffentlichem Sektor nur vergrößert hat.

Südafrikas früherer Finanzminister Trevor ManuelÖffnet externen Link in neuem Fenster, jetzt Leiter der Kommission für Nationale Planung, gilt als einer der kompetentesten Köpfe der südafrikanischen Regierung. Er erfreute sich besonders bei den Bretton Woods-Institutionen IWF und Weltbank großer Anerkennung. Andere sahen in ihm aber einen strikten Vertreter des neo-liberalen Kurses. Sein Name ist eng mit GEARÖffnet externen Link in neuem Fenster verbunden. Der Weg Manuels vom aktiven Organisator des Widerstands gegen Apartheid in Kapstadt bis hin zum Finanzminister des neuen Staates lässt in der 2009 erschienenen Biographie von Pippa Green "Choice not FateÖffnet externen Link in neuem Fenster: The Life and Times of Trevor Manuel" gut nacherleben.

In den letzten zehn Jahren hat Südafrika ein durchschnittliches WirtschaftswachstumÖffnet externen Link in neuem Fenster von 4 Prozent verzeichnet, seit 2009 von waren es nur noch 3 Prozent. Im Vergleich zu anderen Emerging Markets ist das nicht viel. Die internationale KriseÖffnet externen Link in neuem Fenster hat die Wirtschaft Südafrikas stärker betroffen als zuvor vermutet, vor allem durch den Einbruch der Exporte. Im Verlaufe des Jahres 2011 konnte sie sich so langsam von der Finanzkrise erholenÖffnet externen Link in neuem Fenster, doch international droht sie den Anschluss zu verlierenÖffnet externen Link in neuem Fenster. Pravon Gordhan, Manuels Nachfolger als Finanzminister, geht in seiner Haushaltsrede 2012Öffnet externen Link in neuem Fenster von einer Reduzierung des Haushaltsdefizitsund einem Wirtschaftswachstum aus, dass sich der Vierprozent-Marke wieder nähert.

Südafrika pflegt eine transparente Haushaltspolitk. Im Open Budget Index 2006 hatte das Land Platz vier von 59 bewerteten Staaten belegt, nach Platz zwei im Ranking von 2008Öffnet externen Link in neuem Fenster nimmt Südafrika im Open Budget Index 2010Öffnet externen Link in neuem Fenster nun die Spitzenposition mit 92 Prozent ein - vor Ländern wie Neuseeland und Großbritannien. Südafrikas Haushaltstransparenz ist damit auch im regionalen VergleichÖffnet externen Link in neuem Fenster einzigartig (zum Vergleich DR Kongo: 5, Mosambik: 28, Botswana: 58).

Brunnen
Am Brunnen in Lekubu © Claus-C. Poggensee/Kosa

Die RegierungsbilanzÖffnet externen Link in neuem Fenster über die Verwirklichung der Versorgungsziele nach zehn Jahren konnte sich von den Zahlen her zwar sehen lassen. Problematisch waren aber die Versuche, die Wasser- und Elektrizitätsversorgung durch teilweise PrivatisierungÖffnet externen Link in neuem Fenster sicherzustellen, was vor allem bei der WasserversorgungÖffnet externen Link in neuem Fenster zu zahlreichen Protesten führte. Zu viele mittellose Menschen können die Dienste einfach nicht bezahlen, auch wenn die Regierung versucht, den ZahlungsboykottLeitet Herunterladen der Datei ein mit der Einführung von Pre-Paid-Wasserzählern zu brechen und die Menschen über die sog. "Masakhane-Kampagne" von der neoliberalen Wirtschaftspolitik zu überzeugen.

Die Koordination Südliches Afrika (Kosa) beteiligt sich an der Kampagne zum Schutz gegen die Privatisierung der WasserversorgungÖffnet externen Link in neuem Fenster.

Black Economic Empowerment

Mittelstandsfrauen
Die schwarze Mittelklasse wächst. © Gisela Fasse

Um die Veränderung der extrem ungleichen Besitzverhältnisse in der noch weitgehend von Weißen dominierten Wirtschaft zu beschleunigen, fördert die Regierung seit 2003 Black Economic Empowerment (BEE)Öffnet externen Link in neuem Fenster. Per GesetzÖffnet externen Link in neuem Fenster werden Quoten zur Kapitalbeteiligung und zur Beschäftigung von Schwarzen festgeschrieben. Einer kleinen schwarzen Elite hat diese Politik der Affirmative ActionLeitet Herunterladen der Datei ein einen rasanten Aufstieg ermöglicht. Die wachsende Kluft zwischen armen Schwarzen und reichen Weißen hat sie aber nicht aufhalten können, die Wirtschaftsmacht liegt weiterhin in den Händen weniger Weißer.

In seinem Mitte 2009 erschienenem Buch "Architects of Poverty: Why Africa's Capitalism needs Changing" meint Moeletsi Mbeki, Bruder des früheren Staatspräsidenten Thabo Mbeki, dass BEE eine kleine Klasse unproduktiver, aber reicher schwarzer Amigo-KapitalistenÖffnet externen Link in neuem Fenster in den Reihen von ANC-Politikern geschaffen habe. Statt der Bereicherung von Oligarchen fordert er eine wirkliche Transformation der Gesellschaft. Die neue schwarze Mittelschicht verfügt nicht über das Vermögen der weißen Mittelklasse und sie muss eine weitreichende Familie mit versorgen. Sie hat aber gelernt, sich auch in der Krise durchzuschlagenÖffnet externen Link in neuem Fenster.

To BEE or not to BEE: Das Danish Institute for International Studies hat eine Reihe von Working PapersÖffnet externen Link in neuem Fenster ins Netz gestellt, die im Juni 2006 als Vorträge auf dem Workshop "To BEE or not to BEE: South Africa’s Black Economic Empowerment (BEE), Corporate Governance and the State in the South" gehalten wurden.

Nach einer Studie der Regierung existieren in Südafrika zwei Wirtschaften nebeneinander, eine hochentwickelte, wettbewerbsfähige und eine marginalisierte informelle WirtschaftÖffnet externen Link in neuem Fenster. Seit die Regierung erkannt hat, dass sich die materiellen Lebensbedingungen für die Menschen nur verbessern, wenn sie diese Parallelwirtschaften verbindet, richtet sich die Aufmerksamkeit der Politik verstärkt auf die so genannte Second EconomyLeitet Herunterladen der Datei ein.

Landreform

© issa

In keinem Land südlich der Sahara ist das Land ungerechter verteilt als in Südafrika: 60.000 weiße Farmer verfügten über 87 Prozent der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche. Innerhalb von 20 Jahren sollen bis 2014 30 Prozent der Agrarfläche an die unter Apartheid Enteigneten zurückgegeben werden. Die dafür vorgesehene LandreformÖffnet externen Link in neuem Fenster besteht auf den drei SäulenÖffnet externen Link in neuem Fenster Rückgabe von Land (Restitution), Umverteilung (Redistribution) und Verbesserug der Rechte von Landarbeitern in den ehemaligen Homelands (Tenure Reform) besteht. An der Umsetzung hapert es gewaltig. Bisher sind lediglich 8 Prozent in die Hände schwarzer Eigentümer übergeben worden, zwischen 1994 und 2011 kamen nach Regierungsangaben 6,8 Mio. Hektar Land zur RückgabeÖffnet externen Link in neuem Fenster an an durch Apartheid enteignete Schwarze.

In der Landfrage geht es um ein Leben in WürdeÖffnet externen Link in neuem Fenster für die vielen Landlosen. Organisationen wie FIAN und die Kirchliche Arbeitsstelle Südliches Afrika (Kasa) fordern deshalb eine schnellere UmsetzungÖffnet externen Link in neuem Fenster der Landreform. Bislang hatte die Regierung das Prinzip "williger Käufer, williger Verkäufer" streng beachtet.  Als sie 2007 ankündigte, die Landrefrom zu beschleunigenÖffnet externen Link in neuem Fenster,  fürchteten weiße Farmer schon Enteignungen nach simbabwischen Vorbild. Bei genauerem Hinsehen erweisen sich die Rufe nach EnteignungÖffnet externen Link in neuem Fenster aber eher als Rhetorik denn als reale Politik.

Der Regierung fehlt einfach das Geld, um die angestrebte Umverteilung zu erreichen.  Anfang 2012 äußerte sich Staatspräsident Zuma zum ermüdenden Landreformprozess und räumte ein, dass das bislang gültige Prinzip, wonach die Regierung einen Verkauf zum Marktpreis fördertÖffnet externen Link in neuem Fenster, "nicht die beste Herangehensweise" sei. Mit einem überarbeiteten LandreformprogrammÖffnet externen Link in neuem Fenster hatte die Regierung zuvor schon privaten Landbesitz in begrenztem Umfang erlaubt. Ausländischer Landbesitz soll an Produktivität und Partnerschaftsmodelle mit südafrikanischen Bürgern gekoppelt werden. Das Umverteilungsziel von 30 Prozent bis 2014 wurde mittlerweilebis ins Jahr 2025 gestreckt.

Landreformminister Gugile NkwintiÖffnet externen Link in neuem Fenster hat für 2013 neue Richtlinien angekündigt, die an dem Prinzip "willing-buyer-willing-seller" festhalten und Farmarbeiter vor unfairen Vertreibungen schützen sollen. Damit reagierte er auch auf die Streikwelle in der LandwirtschaftÖffnet externen Link in neuem Fenster gegen Ende des Jahres 2012. Bei zweiwöchigen Streiks im Westkap hatten die Farmarbeiter bessere Arbeitsbedingungen und Tageslöhne von 150 Rand gefordert, doch der Streik wurde Anfang Dezember 2012 ergebnislos beendetÖffnet externen Link in neuem Fenster.

Die Debatte um die Landreform bleibt hitzig: Während weiße Farmer AngstÖffnet externen Link in neuem Fenster nach Anschlägen um ihr Leben fürchten, fordert die ANC-Jugendliga Enteignungen ohne EntschädigungÖffnet externen Link in neuem Fenster. Mit den Rufen nach Farmenteignungen und der Verstaatlichung des Bergbaus lenkt Jugendliga-Präsident Julius MalemaÖffnet externen Link in neuem Fenster in populistischer Manier von seinen eigenen Problemen mit Geldwäschevorwürfen ab.

Zur Landreform wird viel veröffentlicht. Einige Hintergrundtexte finden Sie auf der Seite der von Kasa (Kirchliche Arbeitsstelle Südliches Afrika) organisierten Wanderausstellung "Our Land"Öffnet externen Link in neuem Fenster. Konferenzpapiere finden Sie auf der Seite von Livelihoods after Land ReformÖffnet externen Link in neuem Fenster. An der Universität von Kapstadt gibt es einen Forschungszweig zum Thema Landreform und DemokratieÖffnet externen Link in neuem Fenster. Auch Ben Khumalo-SeegelkenÖffnet externen Link in neuem Fenster hat auf seinem Blog Thesen und Papiere zur Landreform aufgenommen.

"Apartheid has ended but we’re still landless": Das Tempo der Landreform ist für die South Africa's Landless People's Movement viel zu langsam, wie ihr Vertreter in einem Audio-InterviewÖffnet externen Link in neuem Fenster sagt, das als mp3-Datei abgespielt werden kann.

Frau beim Schweinehüte
Frau im Chris Hani District, Eastern Cape, beim Schweinehüten © Fanie Jason
Beim Gemüseputzen
Beim Gemüseputzen © Fanie Jason

Die Fotoausstellung "Our Land ... Our Life ... Our Future“Öffnet externen Link in neuem Fenster zeigt viele Motive zur ländlichen Armut und zu Landrechten in Südafrika und kann als Wanderausstellung bei Kasa ausgeliehen werden.

Außenwirtschaft

Handel

Industrie und HandelÖffnet externen Link in neuem Fenster haben in Südafrika einen wesentlich größeren Umfang als in anderen afrikanischen Staaten. Für viele afrikanische Länder ist Südafrika im vergangenen Jahrzehnt zu einem der zehn wichtigsten Investoren und Handelspartner geworden. Südafrika bietet sich sozusagen als Tor nach AfrikaÖffnet externen Link in neuem Fenster für Unternehmen aus Übersee an. Südafrika ist der größte Handelspartner der Europäischen UnionÖffnet externen Link in neuem Fenster in Afrika, knapp 32 Prozent seiner Importe bezog Südafrika 2010 aus der EU, 27 Prozent seiner Exporte gingen in die EU, wobei das Gesamtvolumen des Handels mit der EUÖffnet externen Link in neuem Fenster nach einem Einbruch 2009 trotz Erholung im darauf folgenden Jahr tendenziell leicht rückgängig ist. Innerhalb der Europäischen Union sind Großbritannien und Deutschland die wichtigsten Handelspartner. Mittlerweile ist ChinaÖffnet externen Link in neuem Fenster zum wichtigsten Handelspartner Südafrikas aufgestiegen und hat damit den USA, Japan, Deutschland und Großbritannien den Rang abgelaufen.

Mit einem bilateralen Handelsvolumen von 14,84 Mrd. Euro ist Deutschland 2011 wieder zum zweitgrößten Handelspartner Südafrikas aufgestiegen. Deutschland exportierte 2011 Waren im Wert von 8,6 Mrd. Euro, Südafrika in Höhe von
6,2 Mrd. Euro. Die südafrikanischen Exporte nach DeutschlandÖffnet externen Link in neuem Fenster bestehen überwiegend aus Eisen- und Stahlerzeugnissen, Maschinen, KFZ-Teilen, Nicht-Eisen-Metallen und landwirtschaftlichen Produkten, während 28 Prozent der Importe aus Deutschland zum Automobilsektor gehören, daneben liefert Deutschland Maschinen sowie chemische und elektrotechnische Erzeugnisse.

Die deutschen RüstungsexporteÖffnet externen Link in neuem Fenster nach Südafrika sind zwischen 2001 und 2005 erheblich gestiegen, nachdem die Regierung 1999 ein heftig umstrittenes Rüstungsgeschäft über ca. 7 Mrd. Euro mit Firmen der Europäischen Union abgeschlossen hatte. Das Internationale Konversionszentrum Bonn hatte 2001 wegen des Korruptionsskandals um das Waffengeschäft ein MoratoriumÖffnet externen Link in neuem Fenster auf deutsche Rüstungsexporte gefordert. Zwischen 2007 und 2011 war Deutschland immer noch der mit Abstand größte Rüstungslieferant Südafrikas vor Schweden, Großbritannien und den USA. Deutsche Firmen spielen insbesondere im Modernisierungs- und Beschaffungsprogramm der südafrikanischen Marine eine herausragende Rolle und haben Fregatten und U-Booten nach Südafrika geliefert.

Bei zunehmendem Einfluss der Globalisierung streiten sich Befürworter einer Handelsliberalisierung und Protektionisten über die richtige Handelspolitik. Das South African Institute of International Affairs hat zur Debatte über die Liberalisierung der HandelspolitikÖffnet externen Link in neuem Fenster mehrere Module erstellt.

Investitionen

Südafrika bietet wegen seiner gut entwickelten wirtschaftlichen Infrastruktur und eines wachsenden Marktes ein großes Potenzial für InvestitionenÖffnet externen Link in neuem Fenster. Natürlich wirbt das LandÖffnet externen Link in neuem Fenster entsprechend für Investitionen. Doch trotz guter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen und gesetzlicher InvestitionsanreizeÖffnet externen Link in neuem Fenster mit einem eigens dafür eingerichteten InternetportalÖffnet externen Link in neuem Fenster (South Africa Investor's Handbook 2011/2012)Öffnet externen Link in neuem Fenster der Regierung halten sich die AuslandsinvestorenÖffnet externen Link in neuem Fenster in heutigen Wirtschaftskrisenzeiten zurück. Die ausländischen DirektinvestitionenÖffnet externen Link in neuem Fenster hatten 2010 einen Bestand von 132,4 Mrd. US-Dollar, der Zufluss 2011 betrug 5,81 Mrd. US-Dollar. Der Bestand an deutschen Direktinvestitionen belief sich 2008 auf 4 Mrd Euro.

Nach dem Ende der Apartheid hat Südafrika über 40 bilaterale Investitionsabkommen (BIT) geschlossen. Eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung bewertet die InvestitionsabkommenÖffnet externen Link in neuem Fenster im Auftrag des SAIIA kritisch.

Etwa 600 deutsche UnternehmenÖffnet externen Link in neuem Fenster sowie Tochterunternehmen sind in
Südafrika registriert. Sie beschäftigen ca. 90.000 Arbeitnehmer in den
Schwerpunktbranchen Automobilsektor, chemische Industrie, Maschinenbau und Elektrotechnik. Ein Großteil dieser Unternehmen ist Mitglied
der Deutschen Industrie- und Handelskammer für das südliche Afrika (AHK Südliches
AfrikaÖffnet externen Link in neuem Fenster
) in Johannesburg. Wichtige deutsche Investoren, darunter DaimlerChrysler, BMW, Volkswagen und viele andere Firmen der Automobilindustrie, haben bereits zu Zeiten der Apartheid in Südafrika Produktionsstätten errichtet. Es besteht seit 1998 ein Abkommen zum Schutz von Investitionen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Südafrika, ein Abkommen zur Vermeidung von Doppelbesteuerung ist bereits seit 1975 in Kraft.

Mit dem Konzept "CSR-WeltWeit", initiiert von der Bertelsmann-Stiftung und dem Auswärtigen Amt, sollen die Unternehmen angehalten werden, "auf freiwilliger Basis soziale Belange und Umweltbelange in ihre Unternehmenstätigkeit und in die Wechselbeziehungen mit den Stakeholdern zu integrieren". Südafrika gehört zu den wenigen Ländern Afrikas, wo dieses Konzept angewandt wird. Über 73 Prozent von 100 befragten Firmen  gaben 2005 immerhin an, Corporate Citizenship "sehr ernst" zu nehmen. Die CSR-Programme in SüdafrikaÖffnet externen Link in neuem Fenster orientieren sich an den Vorgaben des Black Economic Empowerment Act von 2003.

 

Regionale Kooperation

Die Beziehungen innerhalb der 14 Mitgliedsstaaten der regionalen Entwicklungsgemeinschaft Southern African Development Community SADCÖffnet externen Link in neuem Fenster konzentrieren sich bislang auf die Integration einzelner Sektoren wie Transport und Kommunikation. Es ist geplant, auch den interregionalen HandelÖffnet externen Link in neuem Fenster noch weiter zu fördern. Aus der Region soll eine Freihandelszone werden. Zwar hatte Ex-Präsident Mbeki beteuert, dass die regionale Integration nachhaltig sein soll, bislang aber fällt die Handelsbilanz in der Region deutlich zu Gunsten Südafrikas aus. Kritische Analysen zur Nepad-InitiativeÖffnet externen Link in neuem Fenster und Südafrikas Rolle dabei zeigen, dass die ökonomische Zusammenarbeit Südafrikas mit afrikanischen Staaten sich in erster Linie am "neoliberalen Mainstream der Globalisierung" orientiert.

Unter Präsident Zuma hat Südafrika das Außenministerium in Amt für Internationale Beziehungen und Kooperation umbenannt. Damit kündigte es auch symbolisch an, dass es seine Entwicklungszusammenarbeit in Afrika weiter ausbauen will. Südafrika entwickelt sich zu einem neuen Geber in AfrikaÖffnet externen Link in neuem Fenster. Als Finanzierungsinstrument in dieser Kooperation dient u.a. der African Renaissance Fund.

Die Afrikanische Entwicklungsbank hat 2011 ein Strategiepapier zur Regionalen IntegrationÖffnet externen Link in neuem Fenster herausgegeben, das auf die Herausforderungen für die regionale Kooperation Antworten geben will und über die Förderung von privaten und staatlichen Investitionen hinaus auch die Bedeutung von capaciy building, Handelserleichterungen und regionalen Verträgen wie das CES Tripartite ArrangementÖffnet externen Link in neuem Fensterhervorhebt. Dieses Abkommen von 2008 will den Freihandel zwischen den Wirtschaftsräumen der SADC, der Ostafrikanischen Gemeinschaft EAC und dem Comesa-Raum harmonisieren.

Süd-Süd-Kooperation

Südafrika gehört seit 2003 ge­hört mit In­di­en und Bra­si­li­en der Grup­pe der IB­SA-Staa­ten an. Diese Kooperation mit anderen Schwellenländern des Südens fand im April 2011 eine Erweiterung, als Südafrika sich der sog. BRIC-Initiative, einem Zusammenschluss von Bra­si­li­en, Russ­land, In­di­en und China, anschloss. Es war vor allem Chinas Charme-Offensive in Afrika geschuldet, dass Südafrika zu dieser nun BRICS genannten GemeinschaftÖffnet externen Link in neuem Fenster eingeladen wurde. Südafrika kommt dabei eine Brückenfunktion für den afrikanischen Kontinent zu. Zwar hat der bilaterale Handel mit seinen BRICS-PartnernÖffnet externen Link in neuem Fenster 2011 deutlich zugenommen, doch Südafrika droht seine Sonderrolle als Tor nach Afrika zu verlierenÖffnet externen Link in neuem Fenster, weil mittlerweile auch andere afrikanische Staaten Investoren anziehen.Die Chancen und Risiken des BRICS-Klubs für Südafrika sind Gegenstand innenpolitischer Diskussion.

Apartheidschulden

Deutsche Bank Aktion
Aktion der Kampagne vor dem Deutsche Bank-Gebäüde in Frankfurt. Foto: Kosa

Infolge der Wirtschaftskrisenbewältigung und der Fußball-WMÖffnet externen Link in neuem Fenster beliefen sich die Auslandsschulden SüdafrikasÖffnet externen Link in neuem Fenster 2010 auf 45 Mrd. US-Dollar, für 2011 liegen die Auslandsschulden bei geschätzen 47,5 Mrd. Dollar, was rund 12 Prozent des BIP entspricht. Das klingt nach viel, aber Südafrika zählt nicht – wie mehrere Staaten des südlichen Afrika – zur Kategorie der hochverschuldeten Länder. Angesichts der sozialpolitischen Herausforderungen stellen die Schulden allerdings ein großes Hindernis für die Entwicklung des demokratischen Südafrika dar. Deswegen fordert die Internationale Kampagne zur Entschuldung und Entschädigung im südlichen AfrikaÖffnet externen Link in neuem Fenster, dass die durch Apartheid verursachten Schulden zurückgezahlt werden. Die Gewinne deutscher Unternehmen und Banken – insbesondere der Dresdner Bank, der Commerzbank, der Deutschen Bank – aus ihren Apartheidgeschäften beliefen sich in der Zeit von 1971 bis 1993 sich auf ca. 4 Mrd. Euro. In die Schweiz sind in den letzten Apartheid-Jahren nach Schätzungen etwa 300 Millionen US-Dollar jährlich an Zinsen und Dividenden zurückgeflossen.

Der US-Anwalt Michael Hausfeld hat im Auftrag der Khulumani Support Group in den USA 2002 eine Klage gegen 23 internationale KonzerneÖffnet externen Link in neuem Fenster eingereicht. Die Klage wurde zunächst abgelehnt, doch im Oktober 2007 wurde die Klage angenommenÖffnet externen Link in neuem Fenster, und auch der Einspruch der beklagten Firmen wurde wegen Befangenheit einiger Richter, die z.T. Anteile an den Firmen besitzen, im Mai 2008 abgelehnt. Der Weg für die Khulumani-Klage im Namen von 90 südafrikanischen Bürgerinnen und Bürgern gegen die Apartheid-Profiteure könnte einen PräzedenzfallÖffnet externen Link in neuem Fenster schaffen, zumal mittlerweile auch die südafrikanische Regierung die Entschädigungsklage unterstütztÖffnet externen Link in neuem Fenster. Im Februar 2012 schließlich hat sich der US-Konzern General Motors (GM)Öffnet externen Link in neuem Fenster bereit erklärt, die südafrikanischen Apartheidopfer zu entschädigen - ein Durchbruch für die Kampagne. Daimler und Rheinmetall stehen seitdem unter Druck, dem Beispiel zu folgen.

Die aktuelle EntwicklungÖffnet externen Link in neuem Fenster zur Entschädigungsklage verfolgen wie auch etliche Dokumente einlesen lassen sich auf der von Kosa eingerichteten Seite Entschuldung und EntschädigungÖffnet externen Link in neuem Fenster.

Entwicklung und Entwicklungspolitik

Soweto
Dube Hostel Soweto: Den Bewohnern geht die Entwicklung viel zu langsam © Bonile Bam/IRIN

Armut und Armutsbekämpfung

Die Bekämpfung der Armut und Arbeitslosigkeit ist erklärtermaßen ein vorrangiges Ziel der Regierung. Sie konzentriert sich auf die Verbesserung der Versorgung mit Wasser, Elektrizität und Wohnungen. Millionen von Menschen wurden mit Häusern, Wasser- und Stromanschlüssen versorgt. Aber über 50 Prozent der Gesellschaft leben noch immer in tiefer Armut.

Die Regierung hat im Mai 2010 eine Nationale PlanungskommissionÖffnet externen Link in neuem Fenster eingerichtet, mit der langfristige Entwicklungsstrategien erarbeitet werden sollen. Die Vision für 2030Öffnet externen Link in neuem Fenster hat die Kommission in dem über 440 Seiten umfassenden National Development Plan dargelegt. Experten fordern, dass der Staat dort all seine KapazitätenÖffnet externen Link in neuem Fenster hineinlegt und sich keine Fehler leistet, um das dringliche Problem der wachsenden Armut zu bekämpfen. Gegen Ende 2011 hat Ex-Finanzminister Trevor Manuel als Leiter der Planungskommission der Regierung Empfehlungen unterbreitet, wie die Armut bis 2030 beseitigt seinÖffnet externen Link in neuem Fenster kann und 11 Mio. Arbeitsplätze geschaffen werden sollen.

Das UNDP präsentiert alljährlich den Human Development Index, mit dem die Entwicklungsprozesse für die Menschen in den jeweiligen Staaten eingeschätzt werden. Hier nimmt Südafrika im letzten UNDP-BerichtÖffnet externen Link in neuem Fenster Rang 123 von 184 Ländern ein. Die vorherrschenden Asymmetrien zwischen den Geschlechtern verdeutlicht der Gender Inequality IndexÖffnet externen Link in neuem Fenster. Dort belegt Südafrika Platz 123.

Südafrikas Stand bei der Erreichung der Millenniums-Entwicklungsziele (MDG)Öffnet externen Link in neuem Fenster wird regelmäßig von den Vereinten Nationen im MDG-BerichtÖffnet externen Link in neuem Fenster erfasst und die Fortschritte bei den einzelnen Zielen von 1994 bis zur aktuellen Erhebung aufgelistet. Zu diesen Zielen gehört die Halbierung der Armut bis 2015. Aufgrund der geerbten Ungleichheiten, die sich besonders im Gesundheitssektor auswirken, hat Südafrika einige der Ziele wie Arbeitsplätze, Einkommensniveaus und Lebenswerwartung nicht erreicht. Das Southern African Regional Poverty Network SARPNÖffnet externen Link in neuem Fenster bietet verschiedene Beiträge an, die im weiteren Sinne mit der Armutsbekämpfung im Zusammenhang stehen, darunter eine Studie zur Auswirkung von Wachstum und Umverteilung auf Armut und UngleichheitÖffnet externen Link in neuem Fenster in Südafrika.

Im Rahmen der ArmutsdebatteÖffnet externen Link in neuem Fenster fordern Zivilgruppen wie die Basic Income Grant CoalitionÖffnet externen Link in neuem Fenster seit Jahren ein staatlich finanziertes Grundeinkommen (BIG)Öffnet externen Link in neuem Fenster. Selbst Anhänger des freien Marktes sehen im BIG eine MöglichkeitÖffnet externen Link in neuem Fenster, die soziale Lage in Südafrika zu verbessern. Der Südafrikanische Kirchenrat SACC, der Gewerkschaftsbubnd Cosatu und das NRO-Netzwerk Sangoco haben zudem eine Kampagne zum People's BudgetÖffnet externen Link in neuem Fenster ins Leben gerufen, mit der eine offene Debatte zur Wirtschaft- und Sozialpolitik und ein Beitrag zur Armutsbekämpfung angeregt werden soll. Das Nationale Institut für Arbeit und Wirtschaftsentwicklung NalediÖffnet externen Link in neuem Fenster hat dazu im Februar 2005 den 59-seitigen Report People's Budget 2006 -2007Öffnet externen Link in neuem Fenster veröffentlicht.

Eine umfangreiche Zusammenstellung von Entwicklungsinstitutionen (darunter nationale NRO und in Südafrika tätige internationale Organisationen sowie Consultings) liefert, mit den jeweiligen Homepages, das Directory of Development OrganizationsÖffnet externen Link in neuem Fenster.

Internationale Entwicklungsanstrengungen

Paternoster, West-Coast, Western Cape Province
Ohne Fisch kein Essen: Hochsubventionierte Agrarprodukte aus der EU treffen den einheimischen Fischmarkt © Paul Grendon

Besondere Beziehungen bestehen zur Europäischen UnionÖffnet externen Link in neuem Fenster, die seit der Wende in Südafrika verschiedene Programme zur Unterstützung der Entwicklung aufgelegt hat. Das Country Strategy PaperÖffnet externen Link in neuem Fenster setzt für den Zeitraum 2007 bis 2013 die Rahnmenbedingungen für die Kooperation der EU mit Südafrika mit Schwerpunkt auf Arbeitsplatzbeschaffung, Armutsbekämpfung und Reduzierung der Ungleichkeit.

Nach dem Scheitern der Welthandelskonferenz in Mexiko 2003 bemüht sich die EU allerdings um ökonomische Partnerschaftsabkommen (EPAs) mit den AKP-Staaten, die die SADC-Länder in verschiedene Gruppen aufspalten. Mit Südafrika hat die EU ein eigenes FreihandelsabkommenÖffnet externen Link in neuem Fenster abgeschlossen, das den schrittweisen Abbau der Zölle um 90 Prozent bis zum Jahr 2012 vorsieht. Dieser Vertrag zu Handel, Entwicklung und Zusammenarbeit (TDCA)Öffnet externen Link in neuem Fenster hat Implikationen für die Länder der "Southern African Customs Union" SACU, zu der neben Südafrika Namibia, Botswana, Lesotho und Swasiland gehören, aber auch für die Nicht-SACU-Länder. Sie werden der starken Konkurrenz der hochsubventionierten Agrarprodukte aus der EU ausgesetzt. Der Agrarmarkt war schon bei den TDCA-Verhandlungen ein zentraler Streitpunkt.

Trotz des eigenen Freihandelsabkommens wollte die EU auch Südafrika bei den EPA-VerhandlungenÖffnet externen Link in neuem Fenster von 2007 einbinden, obwohl Südafrika als Schwellenland keinen AKP-Stsatus hat. Die EU hat dabei ohne Rücksicht auf die Interessen der Afrikaner aufs Tempo gedrückt, denn am 1. Januar 2008 ist das Cotonou-Abkommen ausgelaufen, das die Erhebung von Zöllen für Importe aus Afrika für die EU regelt. Bei der vorgesehenen Liberalisierung des Handels soll Südafrika weniger Marktzugang als den anderen Ländern eingeräumt werden, weil es vor allem in der Landwirtschaft wettbewerbsfähiger ist. Beim Afrika-GipfelÖffnet externen Link in neuem Fenster in Lissabon im Dezember 2007, auf dem sich einige afrikanische Staatschefs gegen die von Bundekanzlerin Merkel gegen das Mugabe-Regime in Simbabwe gerichtete Kritik verwahrten, sind die Handelsabkommen zunächst einmal geplatzt. Senegals Staatspräsident Abdoulaye Wade sagte stellvertretend für seine afrikanischen Kollegen: "Wir sprechen nicht mehr über die EPAs, wir haben sie abgelehnt, das ist vorbei." Dabei dürfte auch eine Rolle spielen, dass mit dem Engagement Chinas, Brasiliens und Indiens in Afrika die EU an Bedeutung verliert.

Die EU-Kommission versucht weiterhin, Länder, die ein Interim-Abkommen abgeschlossenÖffnet externen Link in neuem Fenster haben, zur verbindlichen Unterschrift zu drängen, und setzt immer wieder einseitig neue Fristen, zuletzt ist von Ende 2013 die Rede. Dabei gibt es auch unterschiedliche Vorstellungen zwischen den zuständigen EU-Ausschüssen, die für eine Übergangsfrist bis Ende 2015 votieren, und der Kommmission. Das Ende ist weiterhin offen.

Seit 2004 versucht die internationale Kampagne StopEpaÖffnet externen Link in neuem Fenster. die EU-AKP-Freihandelsabbkommen zu stoppen. Die Kampagne sagt: "Epas sind vorrangig von den Interessen der großen Konzerne in der EU und einer kleinen Wirtschaftselite in den AKP-Ländern bestimmt. Die EU hat bei diesen Freihandelsabkommen nur zu gewinnen und nichts zu verlieren; die große Mehrheit kleiner Produzenten in den AKP-Ländern aber hat alles zu verlieren und wenig zu gewinnen."

Die Sicht von Heidemarie Wieczorek-Zeul, Ex-Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, zur regionalen Integration und zu den EPA-Verhandlungen unter deutschem G8-Vorsitz können Sie in E+Z 01/2007Öffnet externen Link in neuem Fenster nachlesen.

Ein Handelsförderungsabkommen (African Growth and Opportunity Act, AGOA) ist ebenfalls mit den USAÖffnet externen Link in neuem Fenster geschlossen worden, mit denen Südafrika traditionell gute Wirtschaftsbeziehungen unterhält. Unter dem globalen Marktdruck scheinen die regionalen Strategien kaum Aussicht auf Erfolg zu haben. Zumindest sind die Handelspolitiker der EU und der USAÖffnet externen Link in neuem Fenster dabei wenig hilfreich.

Auch in Südafrika spielen die asiatischen und arabischen Länder eine zunehmende Bedeutung. Vor allem China erobert den afrikanischen Markt und lockt mit MilliardenkreditenÖffnet externen Link in neuem Fenster. Südafrika ist Chinas wichtigster HandelspartnerÖffnet externen Link in neuem Fenster auf dem Kontinent. Die chinesische Invasion in Südafrika schürt aber auch die "Angst vor der asisatischen Konkurrenz"Öffnet externen Link in neuem Fenster. Am Rande des China-Afrika-Gipfels im Dezember 2006Öffnet externen Link in neuem Fenster in Peking haben chinesische Firmen erste Investitionsabkommen mit Südafrika geschlossen. Nach eigenem Selbstverständnis hat Südafrika in der Kooperation mit ChinaÖffnet externen Link in neuem Fenster stellvertretend für den Kontinent die Rolle übernommen, die Zusammenarbeit mit China stärker in die Afrikanische Union (AU) und Nepad einzubinden. Die Kritik Europas und der USA am chinesischen Engagement in Afrika wird in Südafrika als Doppelmoral empfunden. Gleichwohl warnte der damalige Präsident Mbeki vor "kolonialen Beziehungen" mit China. Wenn Afrika nur Rohstoffe nach China liefere und Fertigwahren einführe, könnte der afrikanische Kontinent "zur Unterentwicklung verdammt" sein.

Ein wichtiger multilateraler Partner bei der Förderung der entwicklungspolitischen Ziele Südafrikas ist das United Nations Development Programme UNDPÖffnet externen Link in neuem Fenster. Südafrika ist zudem Mitglied der African Union (AU)Öffnet externen Link in neuem Fenster, der UNOÖffnet externen Link in neuem Fenster, des British CommonwealthÖffnet externen Link in neuem Fenster, des IWFÖffnet externen Link in neuem Fenster und der WeltbankÖffnet externen Link in neuem Fenster.

Wichtige Bilaterale Akteuere in Südafrika sind u.a. die USAÖffnet externen Link in neuem Fenster und GroßbritannienÖffnet externen Link in neuem Fenster.

Deutsche Entwicklungszusammenarbeit

Die Bundesrepublik Deutschland hat den Reformprozess in Südafrika seit 1992 durch offizielle Entwicklungszusammenarbeit begleitet. Nach den ersten freien Wahlen von 1994 haben fast jährlich Regierungsverhandlungen über die Zusammenarbeit stattgefunden. Dabei dient vor allem die seit 1996 stattfindende Deutsch-Südafrikanische Binationale KommissionÖffnet externen Link in neuem Fenster als Rahmen der bilateralen Zusammenarbeit. Den Vorsitz der Binationalen Kommission, die im zweijährigen Rhythmus tagt, haben die Außenminister beider Länder.

Schwerpunkte der EntwicklungszusammenarbeitÖffnet externen Link in neuem Fenster sind neben den übergreifenden Themen Berufsbildung und Bekämpfung von HIV/Aids die Themen Energie und Klima sowie Regierungsführung und öffentliche Verwaltung. Letztere Themen wurden bei den entwicklungspolitischen Regierungsverhandlungen im September 2008 vereinbart. Die deutschen Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit mit Südafrika beliefen sich 2011 auf 60,25 Mrd. Euro. Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel sagte während der UN-Klimaverhandlungen in Durban im November 2011 für den Klimaschutz im südlichen AfrikaÖffnet externen Link in neuem Fenster weitere 120 Mio. Euro zu.

Mehrere Bundesländer haben Partnerschaften mit südafrikanischen Provinzen aufgenommen und führen dort eigene Projekte der entwicklungspolitischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit durch. Es sind dies Bayern mit Gauteng und WestkapÖffnet externen Link in neuem Fenster, Baden-Württemberg mit KwaZulu-NatalÖffnet externen Link in neuem Fenster, Nordrhein-Westfalen mit MpumalangaÖffnet externen Link in neuem Fenster und Niedersachen mit OstkapÖffnet externen Link in neuem Fenster. Auf der Basis der NRW-Mpumalanga-Partnerschaft hat sich 2001 das Mpumalanga Forum NRWÖffnet externen Link in neuem Fenster gegründet, das sich für eine nachhaltige Entwicklung einsetzt und Ende 2011 auf 10 Jahre KooperationÖffnet externen Link in neuem Fenster zurückblicken konnte..

In dem Programm Partnerschaft mit KickÖffnet externen Link in neuem Fenster hatte das Regionalbüro von InWent (GIZ) für die Fußball-WM in Südafrika ein Qualifizierungs- und entwicklungspolitisches Bildungsprojekt durchgeführt, in dem die kommunalen Kompetenzen und Fähigkeiten zur Vorbereitung und Durchführung der WM gestärkt werden sollten. Es leistete einen wichtigen Beitrag zur kommunalen Zusammenarbeit.

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Stiftungen

Über den Autor

Lothar Berger, M.A., geb. 1953, Studium der Ethnologie, Afrikanistik, Soziologie und Musikwissenschaften.

Langjähriger Redakteur von "afrika süd" in der informationsstelle südliches afrika (issaÖffnet externen Link in neuem Fenster), Bonn.

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