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Die wichtigsten schwarzen Bevölkerungsgruppen bzw. Ethnien in Südafrika sind Zulus, Sothos, Xhosas, Tswanas, Shangaan/Tsongas, Swasis und Ndebeles. Es gibt elf offizielle Landessprachen
(in der Reihenfolge der Häufigkeit): Zulu, isiXhosa, Afrikaans, sePedi, English, seTswana, seSotho, xiTsonga, siSwati, tshiVenda, isiNdebele. Zu Zeiten der Apartheid war das Afrikaans
die Sprache der Unterdrücker. Die beiden häufigsten Muttersprachen sind isiZulu
(ca. 11 Millionen Sprecher) und isiXhosa
(ca. 9 Millionen Sprecher). Die Vielfalt der Sprachen und neue Ortsbezeichnungen führen bisweilen zu einem Ortsnamen-Babylon
.
Südafrika ist ein entlang Rasse, Ethnie, Sprache, Religion, Zentrum-Peripherie und Klasse mehrfach geteiltes Land. Die historische Entwicklung hat die südafrikanische Gesellschaft zu einem rassischen Kastensystem gemacht; Rasse und Hautfarbe erhielten darin mehr Bedeutung als Klasse, Sprache und andere soziale Unterscheidungsmerkmale. Die Apartheidgesetze hatten Südafrikas Bevölkerung in vier ethnische Gruppen aufgeteilt: Schwarze
, Weiße
, Coloureds (Farbige)
und Asiaten/Inder
. Wer nicht weiß war, gehörte von Geburt an zu den Unterprivilegierten. Im neuen Südafrika ist eine solche Unterscheidung politisch wie moralisch verwerflich, doch sie prägt noch immer in hohem Maße die Gesellschaft und die Interessensbeziehungen der durch Apartheid streng getrennten Gruppen von Afrikanern, Weißen, Farbigen und Indern.
Staatliche Lösungsansätze, wie die Proklamation Südafrikas als Regenbogennation oder Mandelas Versöhnungspolitik, haben wenig zur Abschwächung dieser Konflikte beigetragen. Aufgrund ihrer tiefen gesellschaftlichen Verankerung sind die Kräfte der Zivilgesellschaft prinzipiell in einer besseren Position, die Beziehungen zwischen Mitgliedern unterschiedlicher Ethnien und über Rassengrenzen hinweg verbessern zu können.
Am Beispiel der "Farbigen" zeigt sich das Problem mit den Gruppenbezeichnungen: Die englische Bezeichnung ist "coloureds", die offizielle afrikaanische "Kleurlinge". Übersetzt ins Deutsche hieße das "Farbige", wobei dieses im Deutschen jedoch die generelle Bezeichnung für Angehörige anderer Ethnien ist. "Mischlinge" hingegen erweckt durch die Betonung der Mischung verschiedener Ethnien den Anschein einer negativen Bedeutung und hatte in der Vergangenheit einen eher abschätzigen Beigeschmack. (aus kapstadt.de
)
Ethnologische und sozialwissenschaftliche Studien befassen sich ausführlicher mit der Genesis konstruierter Ethnizität
und ihrer Instrumentalisierung durch das Apartheidregime.
Zulu-Nationalismus
Der Zulu-Nationalismus hat eine lange Tradition in der südafrikanischen Politik und spielte zu Apartheidzeiten in den butigen Schlachten zwischen dem ANC und der Zulu-Partei Inkatha in KwaZulu-Natal eine große Rolle. Seit dem Amtsantriitt von Staatspräsident Jacob Zuma hat ein konservativer Zulu-Nationalismus
in der südafrikanischen Politik eine Rennaissance erlebt. Zuma legt großen Wert auf seine Zulu-Identität. In der Auseinandersetzung um die ANC-Präsidentschaft mit dem "intellektuellen" Mbeki suchte er den Schulterschluss mit den auf dem Lande einflussreichen Chiefs und traditionellen Autoritäten und brandmarkte seine politischen Opponenten als gegen die Zulu gerichtet. Schlechte Personalentscheidungen, Indiskretionen und falsche Entscheidungen in der Politk werden von Zuma gerne mit der Betonung von Zulu- oder afrikanischen Traditionen überdeckt. Analytiker wie William Gumede sehen die Gefahr, dass eine solche auf Ethnizität und Tribalismus beruhende Politik nicht nur die Einheit des ANC gefährdet, sondern auch die Übereinkunft verletzt, zu der sich die Gründer des neuen Südafrika nach Aparthied verpflichtet hatten: beim Aufbau der Demokratie darauf zu verzichten, sich über ethnische Loyalität Macht und Einfluss zu sichern. "Der tägliche Tod der Demokratie"
hat ohnehin schon auf lokaler Ebene seine Spuren hinterlassen, wenn bei gewaltsamen Übergriffen gegen Einwohner einer Wellblechsiedlung in Durban die ethnische Karte des Zulu-Nationalismus ausgepielt wird.
Das gesellschaftliche Leben ist aufgrund der jahrzehntelangen Apartheid von der Trennung der Lebensbereiche bestimmt. Die Ungleichheit
der Einkommen zählt (gleich hinter Brasilien) zu den größten der Welt und ist noch weitgehend schwarz-weiß geprägt. So gingen zwischen 1995 und 2000 die Einkommen schwarzer Haushalte um 19 Prozent zurück, während die der Weißen im selben Zeitraum um 15 Prozent stiegen. Allein 85 Prozent des Steueraufkommens wird von Weißen erbracht. Der Gini-Koeffizient, der die Ungleichheit der Einkommensverteilung erfasst, ist in Südafrika einer der höchsten der Welt. Er beträgt für die Schwarzen 0,72 - bereits 0,4 gelten als alarmierend -, für die Weißen und Asiaten liegt er bei 0,6 und für die Mischlinge bei 0,64. Den Zusammenhang von Rasse, Klasse und wachsender Ungleichheit zeigen auch eingehende Studien
.
Wo sich jedoch die Einkommen angleichen, vor allem in der neuen, mit etwa 2,6 Mio. Mitgliedern noch relativ kleinen schwarzen Mittelklasse, den sog. buppies, findet statt, was mit dem Schlagwort von der "Regenbogennation"
gemeint ist: Mischung und Vielfalt. Für die meisten bleibt das Hoffen auf den Regenbogen
jedoch ein unerfüllter Traum, man bleibt weitgehend unter sich, während der Regenbogen verblasst
.
Die Arbeitslosenrate
liegt bei offiziell knapp 25 Prozent, 2012 ist sie gegenüber dem Vorjahr leicht gesunken auf 24 Prozent
. Bei Einbezug der nicht aktiv Arbeitssuchenden ist die Arbeitslosgkeit aber weit höher. Bei Jugendlichen
unter 20 Jahren beträgt die Arbeitslosenquote mehr als 70 Prozent. Auch hier wird die Ungleichheit deutlich: Die Arbeitslosenquote bei Weißen liegt bei 9,9 Prozent, bei der schwarzen Bevölkerung im Durchschnitt bei 47,8 Prozent.
Wegen der hohen Arbeitslosenrate versuchen Millionen Menschen, darunter viele Frauen, mit einer informellen Beschäftigung das Überleben zu sichern. Aus der Zivilgesellschaft heraus wird für ein an den Bedürfnissen orientiertes "People's Budget"
als Gegenmodell zum offiziellen Haushalt mobilisiert.
Leben in der Township: Zeit online zeigt eine Fotostrecke über das Leben in der Township New Brighton
in Port Elizabeth.
Lage der Frauen
Von der Armut in Südafrika sind vor allem Frauen
betroffen. Sie benötigen staatliche Unterstützung, denn aufgrund der traditionellen Rollenverteilung sind es in erster Linie Frauen, die der unbezahlten Beschäftigung nachgehen. Die Arbeitslosigkeit trifft Frauen
besonders stark, zwei von drei frustrierten Arbeitssuchenden sind Frauen.
Die Verfassung definiert Südafrika als einen demokratischen Staat mit nicht-rassischen und nicht-sexistischen Grundwerten. Diese zumindest rechtliche Gleichstellung haben sich die Frauen auch durch ihren Beitrag zur Befreiung von Apartheid
erkämpft. Eine große Zahl von Frauenorganisationen
hat in den letzten Jahren an gesellschaftspolitischen Entscheidungen partizipiert und berät betroffene Frauen
. Doch die Rechte der Frauen
sind noch stark von gewohnheitsrechtlichen Praktiken vor allem in ländlichen Gebieten, die patriarchale Strukturen zu bewahren versuchen, geprägt.
Zudem sind Frauen in Südafrika in hohem Maße Opfer sexueller Gewalt
. Allein 2007 wurden über 52.000 Vergewaltigungen offiziell registriert, die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen. Oft erhalten junge Mädchen keine Hilfe von älteren Frauen, die Gewalt aus religiösen Gründen oder unter Berufung auf verinnerlichte kulturell geprägte Rollenmuster ablehnen. Auf einer großen internationalen Frauenrechtskonferenz der Association for Women's Rights in Development (AWID), die im November 2008 in Kapstadt stattfand, konnten sich betroffene Frauen zum ersten Mal auf einem Dikussionsforum
untereinnader über sexualisierte Gewalt austauschen.
Im Zuge der Fußball-WM 2010 wurde auch die Legalisierung der Postitution
als einem "florierendem Gewerbe" kontrovers diskutiert. Seit die osteuropäische Mafia in den lukrativen Menschenhandel am Kap eingestiegen ist, ist Südafrika zum Zielland wie zur Drehscheibe für den Weitertransport von Prostituierten nach Europa und anderswo geworden.
Die Ausbreitung von Aids
ist gerade für Frauen zum wichtigen Thema geworden. Nach einer Studie sind sie dreimal mehr als Männer
vom Infektionsrisiko betroffen. Aufgrund ihres Geschlechts, des HIV-Status und der ökonomischen Marginalisierung sind ländliche Frauen auch nach einer Studie von Amnesty International der Diskriminierung in Familie und Gemeinden
ausgesetzt.
Immerhin, Südafrika schneidet beim Social Instututions and Gender Index 2012
mit Platz 4 von 86 Staaten erstaunlich gut ab, was zeigt, dass zumindest die rechtlichen Voraussetzungen für eine Gleichstellung der Frau geschaffen sind.
Das Familienleben unterscheidet sich zwischen Stadt und Land und den einzelnen Bevölkerungsgruppen. Traditionell beruhte die Heirat in afrikanischen Gemeinschaften
auf Polygamie und Brautpreis. Damit ging der Reichtum in Form von Vieh an die Familie der Braut im Austausch für ihre Reproduktionsaufgaben im Haushalt des Mannes. Die Kernfamilie wird vorwiegend unter Weißen gepflegt, alle anderen Bevölkerungsgruppen leben eher in Großfamilienverbänden. Im Zuge der Christianisierung und wirtschaftlichen Entwicklung wurde die Polygamie immer weniger praktiziert
, die Praxis ist aber weiterhin legal, obwohl sie von den meisten Männern und vor allem Frauen mittlerweile abgelehnt wird.
Seit der überzeugte Polygamist Jacob Zuma Präsident des Landes wurde, ist auch die Debatte um grundlegende Veränderungen des Eherechts
neu entfacht. Dass Staatspräsident Zuma inzwischen seine vierte Frau
heiraten will, hat ihm zwar Beifall von Traditionalisten gebracht, doch die Mehrheit sieht sich in ihrer ablehnenden Haltung gegenüber Polygamie bestätigt. Nach Daten von 2006 leben im Durchschnitt nur noch vier Personen in einem Haushalt.
Kinder
Kinder sind gegenüber sozialer Armut am verwundbarsten. Einige Nichtregierungsorganisationen setzen deshalb bei den Kindern selbst an, denn viele Kinder und Jugendliche sind bei der politisch motivierten Gewalt während der Apartheidzeit Zeugen extremer Gewalttaten gewesen. Children for Tomorrow etwa fördert in Kapstadt das Projekt "Children in Crisis"
. Ebenso organisiert das Children's Resource Centre
sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche am westlichen Kap und anderswo und Molo Songolo organisiert und integriert Straßenkinder
in Kapstadt.
Kinderbeihilfen von ca. 32 US-Dollar pro Monat/Kind tragen wesentlich zur Reduzierung der Kinderarmut
in Südafrika bei. Etwa 10 Millionen Kinder haben bislang von dem Programm profitiert,
Heute sind Südafrikas Kinder und Jugendliche stärker denn je von einer globalen Jugendkultur
geprägt, in der Computerkenntnisse zumindest für Studierende zur Selbstverständlichkeit geworden sind. Andererseits zählt auch für die nach dem Ende der Apartheid Geborenen immer noch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten, eigenen "Kultur".
Südafrika ist das erste afrikanische Land, in dem gleichgeschlechtliche Ehe möglich ist. Ein entsprechendes Gesetz
wurde im November 2006 gegen den Widerstand von religiösen Gruppen und traditionellen Führern unterzeichnet. Keine Selbstverständlichkeit, wenn man bedenkt, das Homosexualität
von manch einem Staatsführer im Südlichen Afrika als "unafrikanisch" verunglimpft wird. Für die Rechte von Schwulen und Lesben setzt sich das Lesbian & Gay Equality Project
ein. Dank der Lobbyarbeit solcher Gruppen ist der Schutz vor Diskriminierung aufgrund von sexueller Orientierung in der Verfassung des Landes verankert.
Die Realität sieht allerdings auch in Südafrika noch anders aus. Homophobie ist in Südafrika weit verbreitet, 82 Prozent
der Bevölkerung lehnen sie nach einer Studie ab. Die Diskriminierung homosexueller Menschen
wird zum Beispiel durch prominente Persönlichkeiten wie Jacob Zuma geschürt. Als Präsident des ANC hatte er am Heritage Day 2006 verkündet, dass ihm in seiner Jugend kein Schwuler hätte begegnen dürfen; er hätte ihn sonst zusammengeschlagen. Die Zunahme von "hate crime" gegenüber der schwul-lesbischen Gemeinschaft ist alarmierend. Nach der Ermordung zweier lesbischer Frauen im Juli 2007 wurde von verschiedenen Gruppen die Triple Seven-Kampagne gegründet, um gegen die Verbreitung von "hate crime" anzugehen.
Südafrika zieht wegen seiner Wirtschaftskraft immer mehr Arbeitssuchende und Flüchtlinge aus Afrika und der Region an. Waren Wanderarbeiter zu Apartheidzeiten gefragte Arbeitskräfte in den Goldminen und Privilegierte im Vergleich zu ihren daheim gebliebenen Familienangehörigen, werden Migranten aus den Nachbarländern heute nicht nur als Konkurrenz für die knappen Arbeitsplätze gesehen, Südafrika wurde auch von einer "Welle der Xenophobie"
überschwemmt, die sich immer häufiger gewaltsam Bahn bricht (s. dazu Kapitel Staat & Politik: "Ausländerfeindliche Übergriffe"). Bis zu sechs Millionen Einwanderer sollen sich illegal in Südafrika aufhalten.
Besonders prekär ist die Lage der Flüchtlinge aus Simbabwe
, die wegen der desaströsen Lage in ihrem Heimatland nach Südafrika strömen und von den dortigen Behörden wieder abgeschoben werden. Da achtzig Prozent der Flüchtlinge aus Simbabwe kein politisches Asyl bekommen haben, hat die Regierung 2009 beschlossen, die Bedingungen für Arbeitsmigranten
zu lockern und den Flüchtlingen befristete Aufenthaltsgenehmigungen zu gewähren. Eine Registrierungsfrist der Legalisierungskampagne
für illegal eingewanderte Simbabwer lief Ende 2010 ab. Bis dahin hatten mehr als 275.000 Simbabwer Anträge auf eine Regularisierung ihres Aufenthalts gestellt. Für die Mehrheit der ca. 1,5 Mio. Simbabwer war die Frist allerdings zu kurz und mit zu viel Hürden versehen.
In Zukunft kommen auf die Flüchtlinge in Südafrika harte Zeiten zu, weil es im Innenministerium Bestrebungen gibt, das Asylrecht zu verschärfen
. Menschenrechtsorganisationen warnen davor, dass mit dem geplanten neuen Asylrecht die Flüchtlinge in die Illegalität gedrängt werden.
Südafrika hat in den letzten Jahren einen "brain drain"
zu verzeichnen, wenn auch in weit geringerem Maße als Simbabwe. Seit 1995 haben immerhin 800.000 der vier Millionen Weißen das Land verlassen. Aber auch viele Schwarze suchen ihr Glück lieber im Ausland. 2011 hat sich dieser Trend zum ersten Mal umgekehrt
und es scheint, als würden jetzt wieder mehr Südafrikaner heimkehren, weil die Lage auf dem globalen Markt auch nicht mehr rosig ist.
Südafrika hat eine allgemeine Schulpflicht vom 7. (Grad 1) bis zum 15. (Grad 9) Lebensjahr bei kostenlosem Unterricht. Für das dreigliedrige Erziehungswesen
Südafrikas ist das Department of Education
zuständig.
Schulen und Universitäten waren unter der Apartheid strikt nach vier "Rassen" getrennt. Neben Streiks und "stayaways" gehörten deshalb Schulboykotte zu den Mitteln der Studenten- und Jugendbewegungen im Befreiungskampf. Nach 1994 mussten zunächst die vier voneinander getrennten Verwaltungssysteme im Bildungssektor
sowie die Einrichtungen der ehemaligen "Homelands" zusammengeführt werden. Die Bildungspolitik
sollte nun die historische Benachteiligung von Schwarzen und Coloureds aufheben und zur Demokratisierung und Chancengleichheit
beitragen.
Eckpfeiler der Bildungsreform war zunächst das ehrgeizige Curriculum 2005
, das ab 1998 jahrgangsweise auf der Basis eines ergebnisorientierten Erziehungskonzepts (Outcome Based Education) eingeführt wurde. Doch in vielen Regionen mangelt es an der notwendigen Infrastruktur. Schulen und Universitäten fehlen die Gelder, und Lehrkräfte sind oft selbst schlecht ausgebildet. An den staatlichen Schulen beträgt das Lehrer-Schüler-Verhältnis im Landesdurchschnitt 1:33, an den privaten Schulen kommt ein Lehrer auf 17,5 Schüler. Ernüchternder ist noch ist die Tatsache, dass nur ein Drittel der schwarzen Schüler den Schulabschluss
schafft. 80 Prozent der staatlichen Schulen gelten offiziell als gescheitert. Wegen der staatlichen Bildungskrise
schicken immer mehr Eltern trotz der Kostenbelastung ihre Kinder auf Privatschulen..
Nach heftiger Kritik an dem bisherigen Erziehungskonzept wurde Mitte 2010 das neue Curriculum Schooling 2025
als langfristiger Orientierungsrahmen für den Ausbau des Bildungswesens eingeführt. Darin eingebettet ist der Action Plan to 2014
.
Auskunft über den noch unzureichenden Stand im Bildungssystem gibt der Direktor der Bildungsreinrichtung Praesa
(Project for the study of alternative education in South Africa), Neville Alexander
, in einem Interview.
Obwohl Südafrika 5,4 Prozent seines Bruttoinlandprodukts für Erziehung ausgibt und damit über dem Weltdurchschnitt von 4,7 Prozent liegt, fällt sein Bildungsstandard selbst hinter ärmere afrikanische Ländern wie Ghana, Botswana oder Marokko ab. Deswegen müsse Südafrika seinen Bildungsstandard
dramatisch verbessern, um genügend Arbeitsplätze zu schaffen, wie Bildungsexperten warnen.
Südafrika hat mit 23 Universitäten
und 15 Technikons die umfangreichsten akademischen Bildungsstätten in Afrika. Laut Daten des Hochschulrates haben sich 2010 über 890.000 Studentinnen und Studenten
in Südafrikas Hochschulen eingeschrieben. Dennoch haben erst 3 Prozent der erwachsenen Bevölkerung einen Universitätsabschluss. Dazu bei trägt die erschreckend hohe Abbruchrate von 40 Prozent im ersten Studienjahr
.
Zu den Universitäten gehören die 1829 gegründete University of Cape Town
, die wegen ihres hohen Forschungsstands zu den renommiertesten Universitäten des Kontinents gehört, die 1916 gegründete University of Fort Hare
im Eastern Cape, akademische Heimat vieler Befreiungskämpfer wie Nelson Mandela, Oliver Tambo oder Govan Mbeki, die University of Witwatersrand
in Johannesburg, eine der führenden Forschungsstätten des Landes, die Universiteit-Stellenbosch-University
, eine der wenigen höheren Bildungseinrichtungen, an denen noch vornehmlich in Afrikaans gelehrt wird, die Rhodes University
im Eastern Cape, deren Abteilung für Journalismus und Medienkunde die größte und älteste Journalismusschule in Afrika ist, die University of KwaZulu-Natal
in Durban, die Nelson Mandela Metropolitan University
in Port Elizabeth und George oder die University of South Africa
bei Pretoria, die Fernstudienprogramme anbietet.
Südafrika verfügt über eine reiche Biodiversität mit ca. 24.000 einheimischen Pflanzen. Die traditionelle Medizin
hat eine lange Tradition. Nach Schätzungen des National Reference Centre for African Traditional Medicine
konsultieren mindestens 70 Prozent aller Südafrikaner einen der 200.000 Heiler im Lande. Die Regierung versucht die traditionelle Medizin ins Gesundheitssystem zu integrieren, etwa bei der Behandlung von Tuberkulose
. 2004 wurden die "Sangomas"
den schulmedizinischen westlichen Ärzten per Gesetz gleichgestellt und können eine Lizenz erwerben, doch tödliche Krankheiten wie HIV/Aids oder Krebs dürfen die traditionellen Heiler nicht diagnostizieren und heilen. Ohne die einflussreichen spirituellen Führer kann der Kampf gegen HIV/Aids allerdings nicht gewonnen werden. Deswegen hat der katholische Priester Stefan Hippler ein Pilotprojekt der deutschen Aids-Hilfe
angeregt, das zunächst für den Zeitraum 2005 bis 2007 angesetzt war und erste kulturelle Brücken zwischen traditioneller und moderner Medizin zu bauen vermochte. Allmählich scheint sich die Anerkennung der traditionellen Heiler in der Gesundheitspolitik
durchzusetzen.
Nach Jahrzehnten rassisch getrennter Gesundheitspolitik
hat heute jeder Mensch das Recht auf medizinische Versorgung. In der Praxis sind die Krankenhäuser oft unterausgestattet und -besetzt, so dass auf ausländische Fachkräfte zurückgegriffen werden muss. Jüngere Umfragen zeigen, dass sich die Qualität der Krankenhäuser
wegen Personalmangels, schlechten Managements und fehlender Absprache mit den Gesundheitsämtern der Provinzen noch verschlechtert hat, was auch eine Studie
, die in sechs regionalen Krankenhäusern durchgeführt wurde, bestätigt.
Die Mütter- und Kindersterblichkeit ist erschreckend hoch: Jedes Jahr sterben 95.000 südafrikanische Mütter, Babys und Kinder. Unter dem Titel "Every Death Counts"
legen drei Gesundheitsstudien – Saving Mothers, Saving Babies and Saving Children – Daten und Lösungsansätze vor.
Im Dezember 2009 wies Human Rights Watch
darauf hin, dass den Tausenden von Asyslsuchenden, Flüchtlingen und Migranten von den Gesundheitsbehörden eine Behandlung verweigert wird. Wenn es den Bedürfnissen aller Bewohner des Landes gerecht werden will, ohne Migranten zu diskriminieren, stehe das ohnehin überlastete südafrikanische Gesundheitsystem vor großen Herausforderungen.
Wie in allen Ländern der Region ist auch in Südafrika HIV/Aids ein enormes Gesundheitsproblem, das die gesellschaftliche Entwicklung stark beeinträchtigt. Mittlerweile ist das Land am Kap sogar das am stärksten von der Immunschwächekrankheit betroffene Land der Welt. Zahlen der Entwicklungsbank von Südafrika für 2008 zeigen, dass die Anzahl der HIV-Positiven
in dem Jahr 7,6 Milionen betragen haben. Das sind 2,2 Mio. mehr, als das Gesundheitsministerium für das Vorjahr angegeben hat. Laut Statistikamt sind 2009 10,6 Prozent der Bevölkerung HIV-positiv. Einen Überblick über HIV/Aids mit den entsprechenden Zahlen gibt UNAIDS
mit dem jährlichen Fortschrittssbericht zur Bekämpfung von HIV und Aids
heraus.
Über den Umgang mit der HIV- und Aidskrise gab es Jahre lang öffentliche Auseinandersetzungen, weil Südafrikas Ex-Präsident Mbeki den Zusammenhang zwischen HI-Virus und Aids in Frage gestellt hatte. Nur zögerlich rang sich die Regierung zu einer landesweiten Versorgung mit Medikamenten
durch. Ende 2003 legte sie einen umfassenden Plan zur Vorbeugung und Behandlung von Aids
vor, der auch von der Treatment Action Campaign
(TAC) begrüßt wurde. Zusammen mit anderen Bürgerinitiativen begleitet sie die Umsetzung kritisch und monierte knapp zwei Jahre nach Beginn des Programms, dass noch immer nur 30 Prozent der Bedürftigen Zugang zu den Medikamenten haben.
Auf der Weltaidskonferenz in Toronto im August 2006 schien es tatsächlich zum Umschwung in der Aidspolitik
Südafrikas gekommen zu sein. Verantwortlich dafür war die damalige Vize-Gesundheitsministerin Nozizwe Madlala-Routledge, die ihre erkrankte Chefin Tshabalala-Msimang vertreten hatte. Doch im August 2007 hatte Thabo Mbeki Madlala-Routledge gefeuert, was als "Rache von Dr. Rote Bete"
gewertet wurde. Diese ironische Bezeichnung hatte sich die Ex-Gesundheitsministerin wegen ihres Vorschlags, Aids mit Knoblauch und Roter Bete zu bekämpfen, zuschreiben lassen müssen.
In seinem Buch "Thabo Mbeki and the Battle for the Soul of the ANC" hat William Gumede der viel kritisierten Aids-Politik von Mbeki ein ganzes Kapitel gewidmet: Mbeki's Aids denial – Grace or folly?
Gumede argumentiert vor allem mit Mbekis Persöhnlichkleit, dem "einsamen, intellektuell abwegigen und konträren Kämpfer gegen die Welt", der durch seine halsstarrige Aids-Politik einen hohen Image-Verlust erlitten hat. Patrick Bond, Direktor den Zentrums für Zivilgesellschaft an der Universität KwaZulu-Natal, sieht eher strukturelle Faktoren
wie internationale und einheimische Finanzmärkte, Pharmakonzerne und deren Kontrolle über die Gesundheitsleistungen als Ursache für die bisherige Aids-Politik.
Nach Mbekis Rücktritt als Staatspräsident musste auch seine umstrittene Gesundheitsministerin gehen. Dass Mbeki-Nachfolger und Interimspräsident Mothlante mit Barbara Hogan
eine ausgespochene Expertin zur Gesundheitsministerin berufen hatte, wurde in Südafrika mit großer Erleichterung aufgenommen. Hogan hat eine dramatische Wende in der Aids-Politik
eingeläutet, sie hatte versprochen, die Anti-Aids-Programme in den öffentlichen Kliniken auszubauen und vor allem die Vorbeugungsmaßnahmen bei infizierten Schwangeren zu verstärken. In einem Video-Beitrag
prangert sie ungeschminkt das Versagen der Regierungspolitik in den vergangenen zehn verlorenen Jahren an.
Nach den Wahlen von April 2009 hat der neue Staatspräsident Zuma, der für seine verharmlosende Aussage im Vergewaltigungsprozess von 2005, mit "Duschen" hätte er sich nach dem Beischlaf mit einer HIV-positiven Frau vor Ansteckung geschützt, scharf kritisiert worden war, Hogan an die Spitze des Ministeriums für Staatsunternehmen versetzt. Ihre Nachfolge trat der relativ unbekannte Arzt Aaron Motsoaledi
an, früher Erziehungsminister der Limpopo-Provinz. Dass auch er den Kampf gegen Aids ernst nimmt, zeigt seine Aussage, dass zu viel Zeit darauf verschwendet worden sei, "sich gegenseitig zu bekämpfen, anstatt das Virus." Immerhin konnte er schon vermelden, dass die Häufigkeit von HIV/Aids bei Kindern und Jugendlichen deutlich abgenommen hat.
Südafrika ist der einzige Wohlfahrtsstaat in Afrika. Das in der Verfassung verankerte Recht auf soziale Sicherheit
spiegelt sich in einem komplexen Sozialsystem wider. Dazu gehören u.a. eine Altersrente (700 Rand monatlich für Frauen ab 60 und Männern ab 65 Jahren), eine staatliche Arbeitslosenversicherung (allein für den formellen Sektor), ein staatlicher Gesundheitsdienst (freilich noch ohne eine allgemeine Krankenversicherung), ein Programm zur Unterstützung von Behinderten sowie ein einkommensabhängiges Kindergeld. Im Februar 2007 hat die Regierung die Einführung einer allgemeinen Sozialversicherung
in den Bereichen Gesundheit, Arbeitslosigkeit und Rente angekündigt, an deren Umsetzung noch gearbeitet wird. Dabei wird sie von Deutschland unterstützt.
Die Sozialhilfe erreicht nach Regierungsangaben mittlerweile 13 Millionen Bedürftige. Die Regierung Zuma hat nach ihrem Amtsantritt angekündigt, die Sozialhilfe beizubehalten
. Von der Altersrente profitiert indirekt auch die zunehmende Zahl von Aidswaisen, die bei ihren Großeltern aufwachsen und damit von ihnen versorgt werden können.
Allerdings kommt die Hilfe, vor allem auf dem Lande, oft nicht an: Eine im April 2008 veröffentlichte Studie von ACESS
(Alliance for Children's Entitlement to Social Security) hat festgestellt, dass ein Großteil der Bedürftigen die ihnen zustehende Sozialhilfe nicht bekommt, weil sie wegen bürokratischer Hürden im Innenministerium nicht an die notwendigen Dokumente herankommen. Der in Durban ansässige Media in Education Trust
hat ein Programm (Schools as Centres of Care and Support) aufgelegt, das Kindern von Landschulen und ihren Familien hilft, über die notwendigen Registrierungen Zugang zu den Sozialhilfeleistungen zu bekommen.
Multi-Kulturalität
gehört nach Jahrzehnten der Unterdrückung aller, die nicht weiß waren, zu den Leitbildern. Dabei spielen ethnische Identitäten bei der überwiegend in Städten lebenden Bevölkerung keine entscheidende Rolle mehr. Die Regierung bemüht sich um Rückbesinnung auf afrikanische Werte wie das gemeinschaftsorientierte Menschenbild des Ubuntu-Konzeptes
. Thabo Mbeki's Idee von der African Renaissance
soll einer neuen nationalen Identität auf den Weg helfen.
Kulturell
ist Südafrika sehr lebendig und vielschichtig. Apartheid hat die Zugänge zu Musik, Theater, Museen
etc. getrennt; dadurch entstanden "weiße" und "schwarze" Traditionen, die nicht viel gemein hatten. Der politisch fortschrittliche Teil der Kulturszene war bis 1993 damit befasst, die Apartheid zu kritisieren. Zugleich haben Künstlerinnen und Künstler längst vor der politischen Gleichberechtigung Bilder einer neuen Gesellschaft entworfen; sie tragen heute wesentlich zur Entstehung einer gemeinsamen südafrikanischen Identität
bei.
Wie vielfältig sich kulturelles Schaffen von der Literatur bis zum Jazz und Theater ausnimmt, stellt sich dar auf der Programmseite "Arts" der Mail & Guardian
oder beim Artslink
.

Südafrika hat eine der reichhaltigsten Literaturen
Afrikas und einige Autoren
von Weltrang wie John Maxwell Coetzee
, der mit seinem 1999 erschienenen Roman "Schande"
den renommierten Booker Prize und den Literaturnobelpreis von 2003 erhielt, wie der Romancier und Theaterschriftsteller Athol Fugard
, dessen Roman "Cry, the Beloved Country" weltweit zum Bestseller wurde, oder wie Nadine Gordimer
, die als erst siebte Frau 1991 den Literaturnobelpreis erhielt; wie die in Afrikaans schreibenden Dennis Brutus
, Breyten Breytenbach
und André Brink
, die sich auf unterschiedliche Weise mit dem Apartheidregime angelegt hatten, oder die schwarzen Schriftsteller Mongane Wally Serote
, dessen Werk "No Baby Must Weep" einen Einblick in den Alltag eines schwarzen Südafrikaners während der Apartheid gibt, und Zakes Mda
, Gewinner des Commonwealth Writers Prize 2001, oder wie Bassie Head
.
Das Löwenherz schlägt nicht mehr
: Dennis Brutus ist im Dezember 2009 im Alter von 85 Jahren gestorben.
Jüngere Autoren wie Andrew Brown oder Wiliam Gumede gehen mittlerweile auf Distanz zu den Leitfiguren
der südafrikanischen Literatur. In einer Chronik zur Sozial- und Literaturgeschichte
lässt sich die Entwicklung der Literaturszene Südafrikas auch historisch verfolgen.
Wie groß das Interesse auch an ausländischer Literatur in Südafrika ist, zeigte der große Andrang auf der gemeinsam vom Verband südafrikanischer Verleger und der Frankfurter Buchmesse veranstalteten internationalen Buchmesse in Kapstadt
im Juni 2006. Die mangelhafte Bildung eines großen Teils der Bevölkerung behindert allerdings die Ausbreitung der Lesekultur in Südafrika. Ein Bindeglied können dabei die Bibliotheken
sein.
Nach dem Quellen-Katalog
der Gesellschaft zur Förderung der Literatur in Afrika, Asien und Lateinamerika gibt es derzeit über 140 Literaturtitel zu Südafrika in deutscher Übersetzung.

Reichhaltig ist auch die Musikszene. Namen wie Miriam Makeba
, die große Mama Afrika
, die im November 2008 auf einem Solidaritärkonzert in Italien gestorben ist, oder Ladysmith Black Mambazo
sind auch hier zu Lande wohl bekannt. Viele schwarze Künstlerinnen und Künstler, die während der Apartheid in Afrikaans oder Englisch sangen, singen heute in ihren traditionellen afrikanischen Sprachen.
Die südafrikanische Musik hat im Verlaufe ihrer Geschichte etliche Stilrichtungen
wie "marabi" und "kwela" hervorgebracht, und sie hat ihren eigenen Einfluss auf den Jazz sowie auf Pop, Rock und Crossover ausgeübt. Heute ist es vor allem der Kwaito-Stil
, eine Mischung aus House, Rhythm & Blues, HipHop und afrikanischen Klängen, der in den Townships erklingt – ein Symbol für Aufbruch, Befreiung und Lebensfreude. Eine bekannte Vertreterin dieser Musikrichtung ist die 2004 verstorbene Brenda Fassie
, eine Ikone der südafrikanischen Popmusik, die es bis in die britischen Charts geschafft hat. Das Soweto String Quartett
verbindet klassische europäische Musik mit afrikanischen Stilrichtungen. Auf dem Lande gibt es einen wachsenden Markt für Musik im Country-Stil auf Afrikaans.
Der Mann, der dem Jazz seine afrikanischen Wurzeln wiedergab, ist Abdullah Ibrahim
, der bis zu seiner Konversion zum Islam als Dollar Brand in den Jazzclubs Nordamerikas und Europas tourte. Heute ist der weit über 70-jährige, der in Kapsatdt lebt, längst eine Legende des südafrikanischen Jazz
. Auf YouTube sind etliche Videos
von ihm zu betrachten. Ebenfalls eine Jazz-Legende ist der Trompeter Hugh Masekela
, die oft mit Abdullah Ibrahim zusammen auf der Bühne stand. (Videos zu Masekela
)
"Women with a voice"
ist eine Sammlung von dreizehn südafrikanischen Sängerinnen, die das enorme Potenzial an musikalischen Talenten und Frauen-Power in Südafrika aufzeigt.
Seit Frühjahr 2007 vertreibt Rough Trade
einen großen Teil des Repertoires des unabhängigen Jazz- und Weltmusiklabels Sheer Sound
in Deutschland.
Das südafrikanische Kino ist im Aufwind
. Mit der Oscar-Verleihung für "Tsotsi" als bestem fremdsprachigen Film 2006, der die Geschichte eines jugendlichen Gangsters in Soweto erzählt, erhofft sich das südafrikanische Kino
einen internationalen Durchbruch und eine Belebung des Tourismus. Nach dem internationalen Erfolg von "District 9"
, einem US-amerikanischen Science-Fiktion-Film, in dem Aliens in Johannesburg landen und dessen Titel sich an den zu Apartheidzeiten berüchtigten District 6 in Kapstadt anlehnt, interessiert sich nun auch Hollywood für die südafrikanische Filmindustrie
. Angesicht der Fußball-WM 2010 hatte man in Südafrika ein gutes Geschäft gewittert. Um den Ansprüchen ausländischer Filmproduzenten zu genügen, wird außerhalb von Kapstadt ein Filmstudio-Komplex
errichtet. Die neuen Cape Town Film Studies
erhalten Hollywood-Standards
. Im Oktober 2010 ist dort der der erste Film produziert worden.
Auch neue Filme wie "Schande"
, eine südafrikanisch-australische Koproduktion, welcher der gleichlautende Roman von J.M. Coetzee zugrunde liegt, die US-Produktion "Invictus"
von Starregisseur Clint Eastwood, in dem Nelson Mandela (gespielt von Morgan Freeman) und die Rugby-Meisterschaften von 1995 ein Beitrag zur Überwindung von Apartheid leisten, oder "Skin"
, eine britisch-südafrikanische Koproduktion über das Leben der Sandra Laing, die zu Apartheidzeiten trotz "weißer" Eltern als "schwarz" eingestuft wurde, zeigen das zunehmende Interesse der Filmindustrie an südafrikanischen Themen.
Zahlreiche junge Künstler zeugen von der lebendigen Kunstszene
. Künstler wie Frances Goodman, Moshekwa Langa, Nigel Mullins, Liza du Plessis und Sandile Zulu etwa wurden auf Ausstellungen in Deutschland vorgestellt. Der Maler Mbongeni R. Buthelezi
ist 2007 in der Kölner Galerie Seippel
zu sehen.
Eine hervorragende Online-Zeitschrift für zeitgenössische Kunst in Südafrika ist Artthrob
. Weitere Links zu Kunst, Galerien und Künstler bietet Universes in Universe
.
Ein bekannter Fotograf ist der 1931 in Berlin geborene und 1950 nach Südafrika ausgewanderte Jürgen Schadeberg
. Er lebt in Johannesburg und hat seine Fotos in Südafrika und Europa ausgestellt.
In dem Projekt Public Privat Partnership
sollen südafrikanische Künstler und Kultur gefördert werden.

Südafrika ist eine sportbegeisterte Nation
. Der Sport spielt dort eine große Rolle im gesellschaftlichen Leben, weckt Emotionen und kann zur Nation Building beitragen
.
Traditionell ist Rugby
die beliebteste Sportart, der allerdings noch der burische Charakter anhaftet. Das Rugby-Team hat sich von seinem Afrikaans-Namen "Springboks" ("Bokkies") trotz des Versuchs der Namensänderung nicht wirklich lösen können. Die mittlerweile gemischte Rugbymannschaft gehört aber zur absoluten Weltspitze. Das kann man von der südafrikanischen Fußballnationalmannschaft
noch nicht sagen. Bei der WM im eigenen Lande scheiterte die Mannschaft als erster WM-Gastgeber trotz teilweise schön herausgespielter Tore schon in der Vorrunde.
Bereits 1879 wurde der erste Fußballverein in Südafrika gegründet. Die Mannschaft setzte sich ausschließlich aus eingewanderten Europäern zusammen. Drei Jahre später folgte die Gründung des ersten Fußballverbandes. Über ein ganzes Jahrhundert lang war der Fußball von Kolonianismus und Rassismus geprägt, zeigte sich der enge Zusammenhang von Sport und Politik. Erst nach dem Ende der Apartheid wurde im Dezember 1991 aus den bestehenden rassisch getrennten Verbänden der südafrikanische Fußballverband
South African Football Association (SAFA
) geboren und 1992 in die FIFA aufgenommen.
Fußball ist in den Townships, deren Bewohner mit der rauen Rugby-Sportart der Buren nichts anfangen können, die unumstrittene Nummer eins – eine Liebe, die quer durch alle Gesellschaftsschichten geht, seit Südafrika zur großen Freude seiner Bewohner mit seiner Bewerbung für die Ausrichtung der Fußballweltmeisterschaft 2010
Erfolg hatte.
Hiobsbotschaften
über Mängel in Infrastruktur und Transportwesen, über ein überlastetes Stromnetz und vor allem zur Kriminalität bereiteten der Fifa-Zentrale
in Zürich im Vorfeld der WM tägliches Kopfzerbrechen, so dass Fifa-Präsident Joseph Blatter sogar schon Deutschland als Ersatzkandidaten
ins Spiel gebracht hatte – wohl eher das übliche Geplänkel, um Druck auf den WM-Ausrichter Südafrika auszuüben, die erforderlichen Baumaßnahmen rechtzeitig abzuschließen. Die Welle der Fremdenfeindlichkeit in Südafrikas Townships Anfang 2008 hatte Spekulationen um eine Verlegung der WM erneut genährt. Trotz berechtigter Bedenken
wegen der Sicherheitslage wäre eine Verlegung in ein anderes Land ein Desaster für Südafrika gewesen, sie hätte den Stolz eines ganzen Kontinents verletzt.
Die Abhaltung des Confederations Cup im Juni 2009 war ein erfolgreicher Testfall für die WM 2010
– Südafrika hatte in den Augen der Fifa den Härtetest als Organisator eine Fußball-Großveranstaltung bestanden.
Auch wenn im Verlaufe der WM-Tourniers bis auf Ghana alle afrikanischen Mannschaften einschließlich des Gastgebers Südafrika schon in der Vorrunde ausgeschioeden sind, hat die WM 2010 doch viel Aufmerksamkeit auf Afrika und speziell Südafrika gelenkt. Der Prestigegewinn dürfte zu verbuchen sein. Anders sieht es mit den Errungenschaften für die Bevölkerung aus. Hier stellen sich viele Kommentatoren die Frage nach den Gewinnern und Verlierern
, wenn etwa Menschen dem Bau eines Trainingsgeländes am Rande von Kapstadt weichen müssen, wenn Straßenhändler
der Bannmeile der Fifa zum Opfer fallen, wenn Erwartungen und Realitäten auseinander klaffen und letztlich nur die Fifa große Gewinne aus dem WM erzielt. Pat Horn, Koordinator von Streetnet International
, fordert, dass mindestens 0,7 Prozent der Fifa-Einnahmen in die städtische Entwicklung gehen, um den Verlust für Straßenhändler auszugleichen.
Finanziell haben sich die mit der WM verbundenen Erwartungen nicht erfüllt, doch insgesamt kann man durchaus eine positive Bilanz der Fußball-WM 2010
ziehen.
Die Tradition einer "Gegen-WM" wurde auch in Südafrika aufgegriffen: In Kapstadt fand am 13. Juni 2010 der First Poor People’s World Cup
statt, an dem 36 Fußballteams aus 40 verschiedenen Gemeinden teilgenommen haben.
Auf dem Internetportal Pambazuka News
geben verschiedene (afrikanische) Kommentatoren in Features ihre Ansichten über die Folgen der WM für die Bevölkerung Südafrikas und Afrikas wieder.
Diskussionen um die WM in Südafrika können auf Südafrika 2010 Blog
verfolgt werden.
Für die Fußball-WM 2010 fördert ein InWEnt-Projekt
die kommunale Zusammenarbeit und Entwicklung mit Südafrika. Verschiedene Nichtregierungsorganisationen haben im Vorfeld der Fußball-WM Kampagnen ins Leben gerufen, um Informationen über Südafrika auch jenseits des eigentlichen Fußball-Interesses zu verbreiten. Die Schweizer Kampagne "Fair Games – Fair Play"
will in Zusammenarbeit mit der Bau- und Holzarbeiter Internationalen und südafrikanischen Gewerkschaften darauf achten, dass beim Bau von Stadien und von Infrastruktureinrichtungen faire Arbeitsbedungungen herrschen. Zu den Ergebnissen der Kampagne ist die Studie "2010 World Cup & The Construction Sector"
erschienen. Ein kurzes Video zur Bilanz der Kampagne
ist auf YouTube zu sehen.
In Deutschland haben sich neun Organisationen zur Kampagne "Kick for one World"
zusammengeschlossen. Auf der Homepage der Kampagne werden aktuelle soziale und politische Themen rund um die WM 2010
vorgestellt. Dort wird u.a. auch darüber berichtet, was für eine Vermarktungsidee sich hinter den lautstarken Tröten, den Vuvuzelas
, verbirgt. Diese "satanische Verve" sorgt mittlerweile dafür, dass es in Südafrika kaum noch Ohrenstöpsel zu kaufen gibt.
Mit der Kampagne Daimler – The Star of Apartheid
machen Nichtregierungsorganisationen aus Deutschland und Südafrika darauf aufmerksam, dass Daimler als Hauptsponsor der deutschen Nationalmannschaft eine unrühmliche Vergangenheit zu Apartheidzeiten spielte. Die Menschen erinnern sich noch an die Fahrzeuge mit dem Stern, mit denen südafrikanische Militärs durch die Townships rollten, um den Widerstand gewaltsam zu unterdrücken. Die Kampagne fordert die Anerkennung des begangenen Unrechts, die Öffnung der Archive aus der Apartheidzeit und die Zahlung einer angemessenen Entschädigung.
Portraits der einzelnen WM-Stadien
finden Sie auf der news2010.de-Seite des Afrika-Vereins.
In Südafrika gilt Religionsfreiheit
. Bei einer starken konfessionellen Zersplitterung
gehören knapp 80 Prozent der Bevölkerung einer christlichen Religion an. Neben zahlreichen Kirchengemeinden und Sekten haben die Afrikaans-sprachigen reformierten Kirchen (z.B. Nedeerduitse Gereformeerde Kerk) mit 3,2 Millionen die meisten Mitglieder, denen mit 2,3 Millionen die röm.-kath. Kirche als größte "etablierte" Kirche der Schwarzen folgt, dann kommen die Methodisten mit 1,8, die Anglikaner mit 1,2 und die Lutheraner mit 0,8 Millionen Mitgliedern.
Darüber hinaus gibt es rund 4.000 "Schwarze Unabhängige Kirchen", denen 7 Millionen Schwarze angehören, wie etwa die Zion Christian Church (ZCC), die zu Ostern in Moria, im Nordosten Südafrikas, mit 3 Millionen Gläubigen das größte jährliche Kirchentreffen der Welt veranstaltet.
Auch die Kirchen müssen die Spaltung durch Apartheid erst überwinden, denn die Apartheidpolitk wurde durch einer "Theologie der Apartheid" legitimiert. Während der Südafrikanische Kirchenrat
(SACC) sich seit den siebziger Jahren gegen die Rassentrennung einsetzte, standen wichtige Repräsentanten besonders der Reformierten Kirche auf Seiten des Apartheidregimes. Vor der Wahrheitskommission mussten sie öffentlich eingestehen, dass sie nicht nach der von ihnen verkündeten Lehre gehandelt haben. Die Kirche gibt nun Ländereien zurück, die ihr in der Apartheid-Ära zugesprochen worden waren.
"Die Kirche hat ihre Rolle noch nicht gefunden"
, meint der evangelische Pfarrer und Widerstandskämpfer Ben Khumalo-Seegelken in einem Interview zur Erinnerung an die Freilassung Nelson Mandelas vor 20 Jahren.
Einheit, Versöhnung, Gerechtigkeit und Verantwortung sind Begriffe, die im heutigen Südafrika den politischen Diskurs und das Verhältnis der Religion zur Politik
bestimmen. Der SACC fordert in einem aktuellen öffentlichen Convent ("A public Convent for life-giving democracy"
) die Christen des Landes auf, sich anhand dieser inhaltlichen wie moralischen Leitlinien in die aktuelle Politik einzumischen.
Die Geschichte des Islam
geht noch vor die Kolonialzeit zurück, als arabische Händler mit ostafrikanischen Händlern in Kontakt kamen. Nur etwa 1,5 Prozent der Bevölkerung gehören dem Islam an, überwiegend im Westkap, dennoch ist sein Einfluss
auf die südafrikanische Gesellschaft nicht unerheblich.
In den meisten islamischen Ländern wird Homosexualität als unmuslimisch und teuflisch verurteilt, in Nigeria etwa wird bei gleichgeschlechtlichem Sex die Sharia angewandt, was das Verhängen der Todesstrafe bedeuten kann. Auf einer Internationalen Konsultation zu Islam und HIV/Aids Ende November 2007 in Johannesburg, organisiert von Islamic Relief Worldwide, gab es Hinweise, dass sich in der muslimischen Gemeinschaft die Tür zur Toleranz
gegenüber homosexuellen Moslems zu öffnen beginnt, nachdem sich dort ein schwuler Muslim geoutet hatte.
Lothar Berger, M.A., geb. 1953, Studium der Ethnologie, Afrikanistik, Soziologie und Musikwissenschaften.
Langjähriger Redakteur von "afrika süd" in der informationsstelle südliches afrika (issa
), Bonn.
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Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Dezember 2012 aktualisiert.
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