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Die Wirtschaft Sierra Leones ist geprägt von der Landwirtschaft
und der Rohstoffgewinnung
. Die wirtschaftlichen Probleme des Landes lassen sich vor allem durch die jahrzehntelange Misswirtschaft nach der Unabhängigkeit, insbesondere während der Regierungszeit Siaka Stevens, und durch die Zerstörung des Landes während des elf Jahre dauernden Bürgerkrieges erklären.
Die Wirtschaft
wird mit etwa 51,4% am BIP vom landwirtschaftlichen Sektor dominiert. Der Dienstleistungssektor trägt mit 26,6% und der Industriesektor mit 22,1% zum BIP bei.
Ein schwach strukturierter privater Sektor
, schlecht ausgebildete Arbeitskräfte, Korruption und wenig Rechtssicherheit behindern ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum.
Die kaum ausgebaute Infrastruktur
behindert zudem den Handel außerhalb der größeren Städte. Während der Regenzeit sind viele Straßen unpassierbar und die Erreichbarkeit ländlicher Gebiete ist schwierig.
Es wird geschätzt, dass etwa zwei Drittel der Bevölkerung von der Landwirtschaft leben und hierbei etwa die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaften. Der Großteil der landwirtschaftlichen Erträge verbleibt in der Subsistenzwirtschaft, wobei der Sektor im Jahr 2009 um 6,6% gewachsen ist. Dies ist auch auf die Wiederaufnahme der Produktion nach der Rückkehr vieler Flüchtlinge in ihre Dörfer und der Rehabilitierung landwirtschaftlicher Nutzflächen zurückzuführen.
Reis
ist eines der Grundnahrungsmittel in Sierra Leone. 85% der Bauern kultivieren Reis während der Regenzeit. Für mittellose Bauern stellt der Reisanbau jedoch auch ein Risiko
dar. In Sierra Leone werden drei Arten von Reisanbau betrieben: der Bergreisanbau, der Nassreisanbau und der Tiefwasserreisanbau.
Die Produktion und die Qualität von Kaffee
und Kakao
stiegen in den letzten Jahren kontinuierlich an. Die landwirtschaftlichen Produkte werden nur für den Eigenbedarf beziehungsweise Binnenmarkt weiterverarbeitet, da hohe Schutzzölle
von den westlichen Staaten gegenüber der Einfuhr veredelter Produkte aus Ländern des Südens erhoben werden.
Der Fischfang nimmt wegen der noch fischreichen Küste ebenfalls eine wichtige Rolle in Sierra Leone ein. Der Fisch wird frisch oder getrocknet beziehungsweise geräuchert verkauft. Die Statistik der FAO
geht von einem Fang von 200.000t jährlich aus. Der Fischereisektor trägt zu 10% zum BIP bei und beschäftigt circa 500.000 Menschen. Abweichend von der Schätzung der FAO geht das Ministry of Fisheries and Marine Resources (MFMR)
davon aus, dass bei der Versorgung des Binnenmarktes mit Meeresfischen 200.000t Fisch von kleinen privaten Fischern
und 7.000t aus industriellem Fischfang stammen. Hinzu kommen noch 10.000t Süßwasserfische aus Fischfang oder Fischzucht. Eine große Gefahr
der Meeresfischbestände und der Existenz der kleinen Fischer stellt die Überfischung durch ausländische Fischtrawler dar. Das MFMR
bemüht sich um die Verbesserung der Ausgangslage sowohl von industriellen als auch artisanalen Fischern.
Der Bergbausektor
machte im Jahr 2008 79% der Exporterlöse Sierra Leones
aus, wovon 46% legale Diamantenexporte
waren. Neben Diamanten werden Rutil, Bauxit und in geringeren Mengen Gold abgebaut
und exportiert.
Die offiziellen Exporte von Diamanten stiegen auf 582.000 Karat in 2006, 84% davon wurden artisanal abgebaut. Mit Hilfe der Weltbank
wird der Bergbausektor seit 2009 reformiert. Sierra Leone nahm in Bezug auf das Abbauvolumen 2010 den zehnten Platz im Diamantenabbau
weltweit ein. 2009 wurde ein neues Gesetz
zur Regulierung des Sektors erlassen. Der Wert der legal gehandelten Diamanten betrug im Jahr 2010 circa 130 Mio.USD
, aber nach Schätzungen werden noch einmal so viele Diamanten illegal gehandelt
, trotz Anstrengungen zur Eindämmung des illegalen Diamantenhandels. Sowohl bei der Gewinnung als auch beim Export von Diamanten gibt es aber nach wie vor einen hohen illegalen Anteil. Problematisch für die Umwelt- und Lebensbedingungen sind aber auch die Abbaumethoden großer Konzerne
, sowie die häufig stattfindende Ausbeutung von Kindern
.
Die 2006 wieder in Betrieb genommenen Rutil
- und Bauxitminen
erlaubten laut Weltbank auf USD-Basis gerechnet eine Steigerung des Exports um 28% im selben Jahr und von 11% in 2007.
2009 wurden große Ölfelder vor der Küste Sierra Leones
entdeckt. Die Ölfirma Repsol sucht gemeinsam mit ihren Partnern Anadarko und Tullow Oil nach weiteren Ölfeldern.
Sierra Leone zählt mit einem Pro-Kopf-Einkommen
von etwa 340 USD pro Jahr zu den ärmsten Staaten der Erde und belegt nach dem Human Development Index
von 2011 Rang 180 der 187 untersuchten Länder. Ein Großteil der Bevölkerung (ca. 77%) lebt in absoluter Armut und hat weniger als 2USD pro Tag zur Verfügung. Die wirtschaftliche Entwicklung unterscheidet sich jedoch auch zwischen Stadt und Land. Die Gliederung des Landes in Kolonie und Protektorat während der englischen Kolonialzeit (Karte)
prägte die sozioökonomische Entwicklung des Landes wesentlich. Durch die unterschiedliche Behandlung von Kolonie und Protektorat besteht heute noch ein deutliches Gefälle zwischen diesen. Zudem beeinflussen die Nachwirkungen des eine Dekade währenden Bürgerkrieges, die weit verbreitete Korruption und die unzureichend ausgebaute Infrastruktur die Wirtschaftslage
Sierra Leones.
Die Wachstumsraten
lagen für Sierra Leone von 2007 bis 2010 zwischen 4% und 6,4%. 2010 erreichte die Wachstumsrate 4,5%
, für 2011 werden 5,1% erwartet. 2012 sollte sich das Wachstum mit 6,0% von der globalen Wirtschaftskrise erholt haben. Die Inflation stieg im September 2010 kurzzeitig auf 18% an. Dies war unter anderem auf die Einführung einer Waren-und Dienstleistungssteuer zurückzuführen. Bis 2012 soll die Inflation dank einer soliden Fiskalpolitik und stabilisiertem Wechselkurs weiter sinken. Steigende Nahrungsmittel- und Benzinpreise könnten jedoch erneut zu einer höheren Inflation beitragen.
Trotz verhalten positiver Prognosen verbesserte sich die wirtschaftliche Situation
der meisten Menschen in Sierra Leone nicht oder nur kaum und wird durch die hohe Preissteigerungen
seit Beginn des Jahres 2008 weiter belastet. Wesentliche Auswirkungen hatte dabei die Nahrungsmittelkrise
, durch die sich die Reispreise von Ende 2007 bis April 2008 mehr als verdoppelt haben.
Der Index der Heritage Foundation des Jahres 2011 über die ökonomische Freiheit
bescheinigt Sierra Leone eine leicht positive Entwicklung gegenüber dem Vorjahr. Jedoch verbleibt es auf einem der hinteren Plätze
im Ländervergleich. Die Reformbemühungen des Staates und die getätigten Investitionen, beispielsweise in die Infrastruktur, wurden jedoch positiv gesehen.
Dank umfassender Reformen erreichte Sierra Leone eine massive Verbesserung
der Bedingungen für die Produktion und Ausfuhr traditioneller Exportprodukte. Bei den Reformen wird Sierra Leone unter anderem von der Weltbank
unterstützt.
E.B. Koroma, der Präsident Sierra Leones, hatte bei seinem Amtsantritt angekündigt, Sierra Leone wie eine Firma zu führen. Mit einem klar marktwirtschaftlich ausgerichteten Kurs möchte er ausländisches Privatkapital
anziehen. Weiterhin wurden die Rahmenbedingungen für Investitionen
verbessert. Auf dieser Basis soll die Wirtschaft wachsen und die Bekämpfung der Armut ermöglicht werden.
Die schwierige Lage des Landes während der globalen Nahrungsmittelkrise führte zu einer Konzentration der Bemühungen der Regierung
auf die Stärkung der Landwirtschaft
. Ziel im Bereich Ernährungssicherung ist es mittelfristig, gänzlich unabhängig von Reisimporten zu sein.
Die vergleichsweise gute Regierungsführung in den letzten Jahren trägt ebenfalls zu einem gewissen Investitionsklima
bei. Jedoch stellt die immer noch mangelhafte öffentliche Infrastruktur und Elektrizitäts- sowie Wasserversorgung ein beträchtliches Hindernis dar.
Aufgrund fehlender technischer Mittel und fehlendem Wissen dominieren einfache, traditionelle Produktionsmethoden die Landwirtschaft
. Trotzdem konnte die Produktion
von Reis, Mais, Cassava, Süßkartoffeln, Kakao
und Erdnüsse seit 2002 stetig gesteigert
werden. Im Norden Sierra Leones wird von den Fullah Vieh, insbesondere Rinder, gehalten (Verteilung der Tierbestände
).
Spezielle thematische Karten bietet die Internetseite der FAO
: Vegetation
, Schwerpunkt der Landnutzung
, und die Verteilung von Dauerkulturen und Ackerland
.
Die Subsistenzwirtschaft basiert meist auf kleinen Gärten, in denen Cassava, Erdnüsse sowie Gemüse und Obst, manchmal auch Reis angebaut werden. Häufig werden zur Selbstversorgung Hühner und Kleinvieh wie Ziegen oder Schafe gehalten.
Neben der Landwirtschaft ist der industrielle Bergbau
ein wichtiges Produktionsfeld. Dabei wird meist gut ausgebildetes, oft ausländisches Fachpersonal eingestellt.
Im Vergleich zur Zeit vor dem Bürgerkrieg ist der Außenhandel auf einem niedrigen Niveau bei einer defizitären Handelsbilanz. Nach dem Ende des Krieges erfolgten erst Anfang 2006 wieder die ersten Ausfuhren von Rutil
und Bauxit
. 2010 war Sierra Leone drittgrößter Produzent
von Rutil weltweit.
Insgesamt beliefen sich die Einfuhren 2010
auf 736 Mio USD (einschließlich Nahrungsmittel und Treibstoffe) und die Ausfuhren
auf 363 Mio USD (vorwiegend Diamanten und Rutil). Produktion und Ausfuhr von Diamanten stiegen erst seit 2003 wieder stark an, und im Jahr 2010 wurden offiziell Diamanten
im Wert von 130 Mio USD exportiert. Des weiteren ist Kakao das Bedeutendste der landwirtschaftlichen Exportprodukte
. Die wichtigsten Handelspartner
Sierra Leones sind Belgien (29,3%), Rumänien (15,3%), die USA (9%) und die Niederlande (7,3%).
Der Wert der Importe aus Deutschland unterliegt starken Schwankungen, er sank von 83,4 Mio € in 2005 auf 10 Mio € in 2008. Die Exporte
von Sierra Leone nach Deutschland sind zwischen 2005 und 2009 von 23 Mio € auf 29 Mio € angestiegen.
Sierra Leone unterhält enge Handelsbeziehungen
zu anderen Staaten. Wegen des Leistungs- und Handelsbilanzdefizits ist Sierra Leone nach wie vor angewiesen auf Kredite und Zuschüsse ausländischer bi- und mulitlateraler Geber. Der Eisenerzexport
soll in den kommenden Jahren zu einer deutlichen Verbesserung der Handelsbilanz beitragen.
Seit 2002 intensivierte sich die Kooperation zwischen Sierra Leone und dem Internationalen Währungsfonds
im Bereich der Bekämpfung von Armut und Strukturanpassungsprogrammen. Seit Mai 2001 ist Sierra Leone eines der HIPC-Länder
(Heavily Indebted Poor Countries), welchen unter bestimmten Bedingungen
ein Schuldenerlass zusteht. Eine Bedingung ist die Entwicklung von Strategien zur Armutsbekämpfung. Sierra Leone veröffentlichte hierzu 2005 ein Poverty Reduction Strategy Paper
und 2011 ein Progress-Paper
. Der Internationale Währungsfonds
stellt detaillierte Daten über den Prozess zur Verfügung.
Der letzte Bericht Sierra Leones zur Umsetzung
der Millenium Development Goals
wurde im Jahr 2005 erstellt. Die letzten Daten in Bezug auf die Indikatoren der MDG
wurden zwischen 2005 und 2010 erhoben. Die Millenium Development Goals
sollen bis 2015 erreicht sein. Für Sierra Leone lassen sich bei den einzelnen Zielen
folgende Zwischenergebnisse festhalten:







Armut betrifft in Sierra Leone die Bevölkerung
in der Stadt und auf dem Land gleichermaßen. Auf dem Land erschweren jedoch die unzureichend ausgebaute Infrastruktur und das ungenügende Gesundheitswesen das Leben. Eine Aneignung von technischem Wissen und modernen landwirtschaftlichen Geräten sowie Finanzierungskrediten, welche zur Produktivitätssteigerung beitragen könnten, sind für die Mehrheit der Bevölkerung nicht möglich.
Die zivilgesellschaftlichen Akteure, wie z.B. Vereinigungen, Kooperativen, die Presse, Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen (NGO), entwickelten sich erst seit dem Ende des Bürgerkrieges 2002. Nach der jahrezehntelangen Unterdrückung bildet sich seitdem mit der Unterstützung internationaler Organisationen eine junge Zivilgesellschaft. Es arbeiten nationale sowie internationale NGOs
in unterschiedlichen Feldern. Örtlich konzentriert sich ihre Arbeit auf Freetown und die größeren Städte, die ländlichen Gebiete werden kaum erreicht. Schwierigkeiten bei der Arbeit aller NGOs bereitet die schlechte Infrastruktur des Landes bei den Verkehrswegen und im Gesundheits- und Bildungsbereich.
Seit 2002 sind viele Selbsthilfeinitiativen entstanden, da der sierra-leonische Staat seine zentralen sozialen Aufgaben in vielen Bereichen (noch) nicht erfüllen kann. Den Selbsthilfeinitiativen fehlen meistens die finanziellen und personellen Ressourcen. Häufig werden daher Partnerschaften mit ausländischen NGOs geschlossen. Ein Beispiel für eine solche Kooperation ist die Organisation AIM
, die als Partnerorganisation mit TERRE DES FEMMES zusammenarbeitet.
Auf der Ebene der Exekutive entwickelte Präsident Koroma eine Agenda for Change
, die sich von der Agenda Obamas inspirieren ließ. Darin identifziert er vier Bereiche, auf die seine Regierung während seiner Amtszeit fokussieren möchte. Außerdem wurde von der Regierung eine Vision
von Sierra Leone im Jahr 2025 entworfen.
Die internationalen Entwicklungsanstrengungen konzentrieren sich in Sierra Leone vor allem auf den Wiederaufbau nach dem Bürgerkrieg, Armutsminderungsprogramme, verantwortungsvolle Regierungsführung und die Repatriierung von Flüchtlingen in ihre Heimatdörfer. England ist neben den USA
, Deutschland, Norwegen und Italien der bedeutendste bilaterale Geber.
Einige Beispiele von Organisationen und deren Engagement in Sierra Leone sind im Folgenden:
, UNDP
, Unicef
, Afrikanische Entwicklungsbank
, Internationaler Währungsfond
, UNHCR
, Islamische Entwicklungsbank
, WFP
, IFAD

Schon kurz nach der Unabhängigkeit arbeitete im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit die Vorgängerorganisation der GTZ
in Sierra Leone. Daneben leistet Deutschland über die Kreditanstalt für Wiederaufbau
(KfW) finanzielle Hilfe beim Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur und bei der Eingliederung ehemaliger Ex-Kombattanten.
Die bilateralen Entwicklungsleistungen
konzentrieren sich in Sierra Leone derzeit auf die Förderung der Beschäftigung von Jugendlichen. Im Jahr 2007 flossen aus Deutschland insgesamt 12,5 Mio Euro nach Sierra Leone, die für Projekte zur Beschäftigungsförderung, zum Aufbau eines modernen Finanzsektors
sowie des zivilen Friedensdienstes
(ZFD) verwendet wurden.
Der ZFD, die Deutsche Welthungerhilfe
, der Evangelische Entwicklungsdienst
und weitere deutsche NGOs arbeiten dabei vorwiegend basisorientiert, während Organisationen der technischen Zusammenarbeit, wie die GIZ (GTZ) eher auf staatlicher Ebene beratend tätig sind. Institutionen wie die KfW übernehmen den Bereich der finanziellen Zusammenarbeit.
Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Dezember 2011 aktualisiert.
Christiane Braun studierte Geographie, Soziologie und Spanisch. Seit 2010 ist sie u.a. als Landeskunde-Tutorin für Sierra Leone bei der Akademie für internationale Zusammenarbeit (AIZ) der GIZ tätig.
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