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Das Gebiet des heutigen "Sierra Leone" wurde im 15. Jahrhundert von Portugiesen kolonialisiert, die es als „Löwenberge“
(Serra Lyoa) bezeichneten. Für die Namensgebung finden sich unterschiedliche Erklärungen. Die portugiesischen Seefahrer, Pedro de Sintra
, wählten diesen Namen, weil sie Löwen auf der Freetown Peninsula vermuteten: Als sie bei einem Gewitter an den Küstengebirgen vorbeifuhren, hörte sich der Donner wie bedrohliches Löwengebrüll an. Nach einer anderen Erklärung nannten sie das Land so, weil das Küstengebirge an einen schlafenden Löwen erinnert. Sierra Leone liegt an der westafrikanischen Atlantikküste zwischen 7–10 Grad nördlicher Breite und 10–13 Grad westlicher Länge. Sierra Leone hat eine Landfläche von 71.740km². Im Nordwesten, Norden und Nordosten grenzt es an Guinea (frankophon)
sowie im Südosten an Liberia (anglophon)
. Die Grenze mit beiden Ländern wird über weite Strecken durch Flüsse markiert. Im Südwesten und Süden von Sierra Leone liegt der Atlantische Ozean. Die Landesgrenze Sierra Leones ist insgesamt 958 km lang, wovon 652 km im Norden an Guinea grenzen und 306 km im Süden an Liberia. Die Länge der Küste beträgt 402 km.
Einen ersten Eindruck
von der einzigartigen Vielfalt Sierra Leones geben die Aufnahmen von Land und Leuten auf den Webseiten Visit Sierra Leone
und Sierra Leone
.
Sierra Leone
nimmt aktuell den 180. Platz von 187 untersuchten Ländern im Bericht von 2011 des Entwicklungsprogramms der UN zur menschlichen Entwicklung ein (Human Development Index: HDI)
, mit steigender Tendenz (1,1% pro Jahr) seit 2001. Vor dem Bürgerkrieg
besetzte Sierra Leone nach einer kurzzeitig positiven Entwicklungsphase nach der Unabhängigkeit 1961 seit den 1980er Jahren die letzten Ränge des HDI. Die Wachstumsrate der Bevölkerung liegt bei 2,2%, das Wirtschaftswachstum bei 4,9% im Jahr 2010. Statistische Daten wie diese werden zu verschiedenen Themen von der Weltbank
bereit gestellt. Eine aktuelle Übersicht über wichtige statistische Daten zu Staat, Wirtschaft und Bevölkerung bieten die Statistische Abteilung der UN
, das CIA World Factbook
, die Weltbank
und das Index-Mundi
in englischer Sprache. Grundlegende Informationen auf Deutsch werden vom Auswärtigen Amt
bereit gestellt.
Abgesehen von der Halbinsel Freetown
mit ihren steil aufragenden Bergen (Leicester Peak: 567 m) besteht der Westen aus einer Rumpfflächenlandschaft von ca. 150 m Höhe, die von einzelnen Inselbergen durchsetzt ist. Vorgelagert ist die 40-80 km breite Küstenniederung mit Mangrovensümpfen. Davor befinden sich einzelne Inseln, namentlich die Banana Islands
(bestehend aus den zwei Hauptinseln Rickett und Banana Island mit einigen kleineren Inseln), die Turtle Islands
und im mittleren Küstenabschnitt Sherbro Island
, die auch Bonthe Island genannt wird. Hinter der feuchten Küstenebene beginnt das teilweise landwirtschaftlich genutzte Waldgebiet. Der ursprüngliche Regenwald ist bis auf den Südosten des Landes größtenteils gerodet. Es werden immer mehr Gebiete unter Schutz
gestellt, wie zum Beispiel das Gebiet des Gola-Nationalparks
. Im Norden des Landes beginnt das Hochplateau der Guinea Highlands
mit Erhebungen von über 1830 m in den Loma Mountains
und den Tingi Hills
. Der höchste Berg Westafrikas, Mount Bintumani
liegt mit 1948m in den Loma Mountains. Im Norden überwiegt Savanne. Die drei größten Flüsse heißen Moro, Rokel
und Mano
. Der Fluss Mano bildet die natürliche Grenze zu Liberia. Weitere wichtige Gewässer sind Bagbe
, Jong, Mabole, Meli (an der Ostgrenze zu Guinea), Moa, Mongo, Pampana, Großer Scarcy (an der Westgrenze zu Guinea) und Kleiner Scarcy, sowie Sewa.


Das Klima
in Sierra Leone ist tropisch-feucht mit Niederschlägen an der Küste bis zu 5000 mm jährlich, wobei die Durchschnittstemperaturen generell zwischen 23°C und 32°C liegen. Das Jahr ist geprägt von einer Regenzeit und einer Trockenzeit. Die Regenzeit beginnt im Mai und endet ungefähr im September. Die Trockenzeit ist geprägt vom sandigen und kühlen Wüstenwind Harmattan
und einer Hitzeperiode von Februar bis April. Lokal wird wegen des Harmattans, der für einige Wochen zwischen Dezember und Februar weht, von drei Jahreszeiten gesprochen. Die durchschnittlichen Temperaturen liegen im Norden des Landes in Kabala
bei 25,5°C. Im Süden in Bo
liegen sie zwischen 20°C und 37°C, an der Küste in Freetown
zwischen 23°C und 32°C. Das Küstenklima auf der Freetown Peninsula ist tendenziell milder und angenehmer als im Inland.
Sierra Leone ist sehr reich an Bodenschätzen
. Die wichtigsten Rohstoffe
sind Bauxit
, Diamanten
, Gold
und Rutil (Titanoxid)
. Bauxit kommt im Norden, Süden sowie auf der Freetown-Halbinsel vor. Die Bauxit-Gewinnung wurde während des Bürgerkrieges eingestellt und 2006 wieder aufgenommen. Diamanten werden vor allem im Osten und Südosten des Landes in den Distrikten Kono
, Kenema
und Bo
abgebaut. Die Diamantenfelder nehmen circa ein Viertel des Landes ein. Gold wird im Norden (Sula Mountains
und Kangari Hills
) und Osten des Landes (Gori Hills) gewonnen. Sierra Leone besitzt außerdem im Süden des Landes das größte natürliche Rutil-Vorkommen der Welt. Außerdem werden auch Braunkohle, Chrom, Eisenerz, Graphit, Columbit, Mangan, Molybdän, Platin, Graphit, Columbit, Mangan, Molybdän, Platin und Rhodium in kleineren Mengen gewonnen. 2009 wurde zudem ein großes Erdölfeld
vor der Küste Sierra Leones entdeckt. Die Ausfuhr der Rohstoffe verläuft teilweise ungeregelt, der illegale Schmuggel von Diamanten geht jedoch seit dem Ende des Bürgerkrieges stetig zurück.
Sierra Leone bietet mit seinen verschiedenen Habitaten von Küstengebieten über Mangrovensümpfe und Savanne bis zum primären und sekundären Urwald einer reichhaltigen Flora
und Fauna
Lebensraum. Im Norden dominieren Savanne und Grasland, dort wächst während der Regenzeit das Elefantengras
. Im Süden ist niedriges Grasland charakteristisch, im Südosten finden sich sekundärer Regenwald und hohes Grasland. Daneben gibt es einen geringeren Anteil an Sumpfland und primären Regenwald. Wichtigster Baum im Sumpfland ist die Rote Mangrove
, die bis zu 30 m Höhe erreicht. Die Ölpalme
ist weit verbreitet und wirtschaftlich wichtig für die Bevölkerung, da ihre Produkte sowohl zur Eigenversorgung als auch zum Verkauf verwendet werden. Des Baumwollbaums
prominentester Vertreter in Sierra Leone wächst im Zentrum der Hauptstadt Freetowns
. Er wird von der Bevölkerung nach der alternativen Bezeichnung "Kapokbaum" auch „kapok“ genannt, und ist meist in bewaldeten Gebieten zu finden. Weitere wichtige Nutzpflanzen sind Mangobäume
, Rosenapfel , Guave
, und Papaya
, welche lokal als „pawpaw“ bezeichnet wird.
Bis vor dem Krieg gab es viele Wildtiere
, welche das Gebiet während des Krieges verlassen haben oder getötet wurden. Teilweise sind nur noch kleine Populationen oder gar keine Vertreter übrig geblieben. Die Tiere sind allgemein nur selten zu sehen. Weit verbreitet sind heute Primaten, 15 Arten sind bisher bekannt, sechs davon sind gefährdet. Sie halten sich vor allem auf Tiwai Island
, im Gola Forest
, am Mount Bintumani und im Outamba-Kilimi Nationalpark
auf. Vereinzelt trifft man auf verschiedene Zwergantilopen
. Als Vertreter der Familie der großen Säugetiere findet man aus Guinea zurückgekehrte Waldelefanten
im Outamba-Kilimi Nationalpark. Es gibt auch Flußpferde
, die ebenfalls im Outamba-Kilimi Nationalpark am Little Scarcies Fluss leben. Sie sind jedoch nur bei Sonnenuntergang zu sehen, da sie sich tagsüber im Wasser aufhalten. Das Zwergflußpferd
kommt nur in Sierra Leone und Liberia vor. In Sierra Leone lebt es auf Tiwai Island und erscheint nur in der Nacht. Der Leopard
ist nur noch vereinzelt anzutreffen, 1980 gab es nach Schätzungen noch zwischen 50-100 Tiere. In den Flussläufen leben auch verschiedene Krokodilarten, die größte ist das Nilkrokodil
. Das Panzerkrokodil
ist in der Nähe von Waldflüssen zu finden. Das Stumpfkrokodil
lebt vorwiegend in Mangrovensümpfen. Daneben gibt es eine große Artenvielfalt bei Vögeln und Insekten.
Die ökologischen Probleme
, wie zum Beispiel Entwaldung, Bodendegradierung, Raubbau an Ressourcen, Landschaftszerstörung durch den Bergbau, Überweidung und eine geregelte Abfallentsorgung, stellen für Sierra Leone eine Herausforderung dar.
Das Land verfügt noch über 2.754.000 ha oder 38,5 % Fläche Wald
. Dieser ist jedoch gefährdet durch den Abbau von Rohstoffen
und der Gewinnung landwirtschaftlicher Flächen in Form von Acker- und Weideland. Hierzu werden die Flächen meist durch Brandrodung landwirtschaftlich nutzbar gemacht. Der Schutz des Waldes wird von den internationalen Organisationen und der Regierung im Zusammenhang mit dem Erhalt der Wasserreserven des Landes
als wichtig erachtet. So wurden zum Beispiel verschiedene internationale Umweltabkommen unterzeichnet und eine nationale Rahmenplanung erarbeitet
.
Über Zugang zu sauberem Wasser
verfügt nur die Hälfte der sierra-leonischen Bevölkerung. Circa 39% der Bevölkerung hat Zugang zu Sanitäranlagen
, die Abwässer getrennt ableiten. In den Wohnvierteln der armen Bevölkerung
ist dies insbesondere während der Regenzeit problematisch, da das verunreinigte Wasser auf der Straße ansteigt und teilweise auch in die Wohnräume eindringt.
Der Bürgerkrieg
beeinflusste die Umwelt unter anderem wegen der Übernutzung des Waldes negativ. Bis heute konnten die Probleme mit der Nutzungsregelung von natürlichen Ressourcen
wie Land und Waldbestand nicht ausgeräumt werden.
Die Verstädterungsrate stieg in Sierra Leone beständig. Während des Bürgerkrieges zwischen 1991-2002 kamen noch die Flüchtlinge hinzu, die in der Hauptstadt Freetown Zuflucht
suchten und Menschen, die nach dem Krieg eine Beschäftigung benötigten. Auch nach dem Bürgerkrieg bleibt die Verteilung der Bevölkerung auf die Städte konzentriert. Viele Flüchtlinge sind in Freetown geblieben und dort sesshaft geworden. Es bildeten sich unkoordinierte Siedlungen, Subsistenzanbau
wird an Straßenrändern, am Rand von Müllhalden und in Hanglage betrieben. Die Menschen und ihre Umwelt
sind dort einer Gefährdung ausgesetzt, da durch Siedlungen in Hanglage die Erosionsgefahr
steigt. Seit einigen Jahren kehrt ein Teil der Flüchtlinge in Eigenregie oder mit der Unterstützung von Hilfsorganisationen
wieder in ihre Herkunftsdörfer zurück.
Die Entsorgung der Abfälle verläuft bis dato unkoordiniert. Es gab mehrere Anstrengungen von Seiten der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit
und des Freetown City Council
, das Müllproblem in Freetown in Angriff zu nehmen. Bisher blieb es mit diesen Anstrengungen leider nur bei kurzzeitigen Erfolgen. Daher werden die Abfälle, die nicht weiter verwendet werden, verbrannt, wobei bei der Verbrennung giftige Gase entstehen, die zu Krankheiten der Atemwege führen können.
Bei der letzten Volkszählung vom Dezember 2004 hatte Sierra Leone 4,96 Mio. Einwohner, und lag damit unter den früheren Schätzungen von 5,5 Mio. Einwohnern. Für das Jahr 2009 wurde geschätzt, dass 5,7 Mio.
im Land lebten. Circa 38% leben in Städten
und 62% in ländlichen Gebieten. Nach der Volkszählung von 2004
leben 773.000 Menschen in Freetown
und noch einmal eine Million Menschen in den Städten Bo
(269.000), Kenema
(337.000) und Makeni
(316.000).
Nach der Weltbank beträgt das Bevölkerungswachstum
2,2% und die Lebenserwartung derzeit 47 Jahre
. Das BIP steigt seit den 1990er Jahren um 0,9% jährlich, 2009 lag es bei 311 US$ pro Kopf. Die Armut ist mit 70% im Ländervergleich hoch. 1990 galten jedoch noch 82% der Bevölkerung als arm.
Zugunsten des Verkehrs auf der Straße wurde im Jahr 1975 der öffentliche Eisenbahnverkehr vollständig eingestellt. Es gibt heute nur noch einen 84 km langen Schienenstrang zwischen Pepel und Marampa, der privat genutzt wird. Aktuell arbeitet ein Bergbauunternehmen an einem privaten Eisenbahnprojekt
von 200 km Länge. Das Straßennetz
wurde jedoch erweitert und ist heute circa 11.700 km lang, wobei 936 km geteert sind. Aktuell wird eine Autobahn
zwischen Freetown und Conakry (Guinea) und Monrovia (Liberia) ausgebaut. Außerdem verfügt Sierra Leone noch über circa 800 km schiffbare Wasserwege. Zu den wichtigsten Häfen gehören Bonthe, Freetown und Pepel. Neben dem Internationalen Flughafen Lunghi bei Freetown verfügt Sierra Leone noch über weitere neun Flughäfen
.
Am 27.4.1961 wurde die Flagge mit Erreichung der Unabhängigkeit von Großbritannien eingeführt. Die Flagge besteht aus gleich großen, horizontalen Streifen: oben grün, in der Mitte weiß und unten blau. Diese Farben sind aus dem Wappen des Landes abgeleitet, wobei das Grün die Natur, Landwirtschaft und Berge symbolisiert. Das Weiß steht für Einheit und Gerechtigkeit. Die Farbe Blau soll das Sierra Leone umgebende Meer und die Hoffnung, dass der Hafen Sierra Leones zum Frieden in der Welt beitrage, repräsentieren.
Der Löwe ist das Wappentier Sierra Leones. Der Schild ist Weiß und Grün und wird von einem Zackenmuster geteilt. Im grünen Schildteil befindet sich ein goldener Löwe, über ihm im weißen Teil befinden sich drei Fackeln, welche die Freiheit symbolisieren. Der Löwe bezieht sich auf den Namen Serra Lyoa, Löwengebirge. Auf dem Schildfuß befinden sich zwei blaue Wellen, welche das Meer symbolisieren. Zwei Löwen dienen als Schildhalter und stehen auf einem grünen Untergrund. Jeder Löwe hält einen Ölpalmbaum mit vier Früchten. Darunter steht auf einem weißen Band das Motto: Einheit, Freiheit, Gerechtigkeit.
Die Nationalhymne
Sierra Leones „High We Exalt Thee, Realm of the Free“ wurde von Clifford Nelson Fyle geschrieben und von John Akar komponiert. Sie wurde nach der Unabhängigkeit Sierra Leones eingeführt und ersetzte die Nationalhymne Großbritanniens.
Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Dezember 2011 aktualisiert.
Christiane Braun studierte Geographie, Soziologie und Spanisch. Seit 2010 ist sie u.a. als Landeskunde-Tutorin für Sierra Leone bei der Akademie für internationale Zusammenarbeit (AIZ) der GIZ tätig.
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