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Frauen und Kinder © Claudia Hrubesch

Gesellschaft, Kultur und Religion

BeschreibungInhalt
Amtssprache:Französisch
Regionalsprachen:Wolof, Serer, Peulh u.a.
bedeutendste Religion:Islam 95%
weitere bedeutende Religion:Christentum 4%
Städtische Bevölkerung:42,7 % (2011)
Lebenserwartung:59,3 Jahre

Senegal

Landesflagge Senegal

4.1. Makrosoziale Struktur

4.1.1. Regionalismus und Ethnizität

Der Senegal ist von einer großen ethnischen und linguistischen VielfaltÖffnet externen Link in neuem Fenster geprägt. Auf senegalesischem Staatsgebiet leben mehr als 20 EthnienÖffnet externen Link in neuem Fenster mit einer entsprechenden Anzahl an Sprachen und untergeordneten Dialekten.

Die traditionellen Siedlungsgebiete hatten sich in verschiedenen Migrationsbewegungen  in vorkolonialer Zeit herauskristallisiert und gefestigt. Heute kommt es durch die erneuten großen Migrationsbewegungen in den ländlichen Gebieten und vor allem in die Städte zu einer größeren Vermischung.  Das friedliche Zusammenleben verschiedener Ethnien und Religionen ist generell ein Kennzeichen der senegalesischen Gesellschaft, dazu findet man heute in fast jeder Familie „eingeheirate“ Mitglieder verschiedener Ethnien (wobei bestimmte Ethnien wie die Peulhs den reinen innerethnischen Zusammenhalt höher halten als andere).

Wie in vielen  westafrikanischen Gesellschaften gibt es die „Scherzverwandtschaft"Öffnet externen Link in neuem Fenster(„parenté à plaisanterie“), ein traditionelles Mittel, Spannungen zu bereinigen. Mitglieder verschiedener Ethnien oder Familienclans (d.h. Träger desselben Familiennamens) bezeichnen sich gegenseitig als Sklaven oder mit pittoresken Schimpfwörtern.

Die Zahlenangaben zu den verschiedenen ethnischen Gruppierungen sind widersprüchlich, was aber auch daran liegt, dass sich die Zugehörigkeit aufgrund dieses Vermischungsgrades oft auch für die Betroffenen nicht mehr eindeutig definieren lässt. Genauso ist es bei der Bestimmung der SprecherInnenzahlen senegalesischer Sprachen, die Anzahl der tatsächlichen SprecherInnen ist oft wesentlich höher, weil Zählungen oft die Mehrsprachigkeit der einzelnen SprecherInnen nicht in Betracht ziehen.

Die zahlenmäßig größte ethnische Gruppe sind die WolofÖffnet externen Link in neuem Fenster, gefolgt von den pular/fulbesprechenden PeulhÖffnet externen Link in neuem Fenster und Toucouleur (die im Senegal je nach Sichtweise als eine oder zwei verschiedene Ethnien gesehen werden).  
Wolof leben originärÖffnet externen Link in neuem Fenster lediglich im Senegal, in Gambia und in Mauretanien, die Fulbe in verschiedenen GruppierungenÖffnet externen Link in neuem Fenster über ganz Westafrika verteilt. Weitere wichtige Ethnien sind die SererÖffnet externen Link in neuem Fenster, die in der Casamance ansässigen DiolasÖffnet externen Link in neuem Fenster,  und verschiedene Mandingo Öffnet externen Link in neuem Fenster-Gruppierungen.  Die zahlenmäßig sehr kleine Ethnie der BassariÖffnet externen Link in neuem Fenster (etwa 1% der Gesamtbevölkerung) hat  sich eine sehr ursprüngliche Lebensart in einem einstmals abgeschiedenen Hügelland bewahrt und wird heute mit ihren bunten Kleidern und Tänzen oft Touristen vorgeführt.

 

Wolof-Frauen in Dakar
Wolof-Frauen in Dakar
© Claudia Hrubesch
Bassari: bunte Trachten und modernes Schuhwerk
Bassari: bunte Trachten und modernes Schuhwerk
© Matthias Hrubesch
Viele Serer sind Christen
Viele Serer sind Christen
© Elisabeth Bazin

Es gibt im Senegal auch über mehrere Generationen ansässige „weiße“ Minderheiten wie Mauretanier oder Libanesen.  In der Regel sind diese im Handel tätig und oft bewegen sie sich in isolierten Zirkeln und es kommt zu keiner großen Vermischung mit den anderen SenegalesInnen.

Detaillierte Informationen zu den Sprachen im Senegal lassen sich EthnologueÖffnet externen Link in neuem Fenster und dem Joshua ProjectÖffnet externen Link in neuem Fenster entnehmen.

Eine Besonderheit des Senegals ist die Dominanz einer einheimischen afrikanischen Sprache. Französisch ist zwar die offizielle Staatssprache, die allgemeine Vehikularsprache ist aber WolofÖffnet externen Link in neuem Fenster, das von etwa 90% der Bevölkerung gesprochen wird. Auch Radio und Fernsehen senden mittlerweile einen beträchtlichen Teil ihrer Programme auf Wolof, sodass einige Ethnien über die schleichende „Wolofisierung“ der senegalesischen Gesellschaft klagen.

Es gibt im Senegal etwa 20 anerkannte und kodifizierte „Nationalsprachen“ ("langues nationales"), wobei es für sechs von ihnen (Wolof, Pular, Serer, Soninke, Diola, Mandingue) verstärkte AlphabetisierungsanstrengungenÖffnet externen Link in neuem Fenster gibt. Trotz diverser Lippenbekenntnisse auf nationaler wie auch internationaler Ebene haben die autochthonen Sprachen jedoch nie den Eingang ins Regelschulwesen geschafft. Es gibt zwar seit Jahren ein Ministerium für Nationalsprachen, das Ressort wird aber ständig herum geschoben und findet sich wechselweise bei Kultur oder, wie zurzeit, dem Schulwesen wieder.

Wer sich für die Sprache Wolof interessiert, findet im Internet WörterbücherÖffnet externen Link in neuem Fenster, OnlineÖffnet externen Link in neuem Fenster - Sprachkurse und eine wolofsprachige WikipediaÖffnet externen Link in neuem Fenster.

4.1.2. Soziale Lage

Nescaféverkäufer

© Ines Gontek

Fast ein Viertel der Bevölkerung lebt unter der absoluten Armutsgrenze und muss mit weniger als einem USD am Tag auskommen. An die 70% der Bevölkerung sind unter rudimentären und schwierigen Bedingungen in der Landwirtschaft tätig, doch das Überleben in den Dörfern wird immer schwieriger. So ziehen immer mehr in die Städte, wo es jedoch ebenfalls keine Auffangkapazitäten für sie gibt.
Nur ein Bruchteil findet eine reguläre Arbeit im formellen Sektor, die meisten müssen sich mit Gelegenheitsjobs im informellen Sektor durchschlagen oder lassen sich von der Großfamilie durchbringen, wo es immer jemanden gibt, der das Geld nach Hause bringt. 2003 wurde das Gewicht des informellen SektorsÖffnet externen Link in neuem Fenster auf 60% des BIP geschätzt. Nur die Beschäftigten des formellen Sektors profitieren von der ArbeitsgesetzgebungÖffnet externen Link in neuem Fenster, der SozialversicherungÖffnet externen Link in neuem Fenster oder der staatlichen RentenversicherungÖffnet externen Link in neuem Fenster, die an den Standards eines Entwicklungslandes gemessen relativ gut funktionieren. Geplant ist allerdings, diese Dienste auch auf den informellen Sektor auszuweitenÖffnet externen Link in neuem Fenster.

Warten auf das Sammeltaxi

© Miriam Diop

Jeden Morgen warten Menschenmengen aus den Vorstädten auf der Zubringerautobahn, um ein Sammeltaxi nach Dakar zu erwischen - viele von ihnen verlassen das Haus vor Sonnenaufgang und kommen erst spät am Abend heim.

Attaya

© Ines Gontek

Attaya – ein beliebtes Ritual unter den jungen Leuten, um die Zeit totzuschlagen: mit 3 Aufgüssen ist ein halber Nachmittag gut herumgebracht.

4.2.3. Bevölkerungsentwicklung

Die Bevölkerungsdichte von 68,9 Einwohnern/km² (Schätzung Nationales Statistikamt 2013) hat im Fall des Senegals keinerlei Aussagekraft. Im Großraum DakarÖffnet externen Link in neuem Fenster, der nur ein Prozent der Fläche des Landes ausmacht, lebt fast ein Viertel der Bevölkerung. Die Küstengebiete und die Gebiete dahinter stellen die am dichtesten besiedelten LandstricheÖffnet externen Link in neuem Fenster dar, doch je weiter man ins östliche Hinterland vordringt, desto dünner wird die Besiedelung. Während in den Departements Thies, Diourbel, Fatick und Kaolack bei nur 19% der Fläche etwa zwei Drittel der Bevölkerung leben, sind es in Tambacounda bei etwa 30% der Fläche nur 6% der Bevölkerung.

Der Senegal weist einen hohen Grad an VerstädterungÖffnet externen Link in neuem Fenster auf – allen voran die Metropole Dakar, die eine einzigartige Stellung im Land einnimmt und großen Verkehrs- und Umweltproblemen ausgesetzt ist. Der jährliche Zuzug in die Hauptstadt wird auf etwa 100.000 Menschen geschätzt.

Seit den schlimmen Dürren der 70er Jahre reißt die Landflucht nicht mehr ab. Laut nationalem Statistikamt leben 2012 47,5% der Bevölkerung in StädtenÖffnet externen Link in neuem Fenster, womit der Senegal der Spitzenreiter unter den Staaten Westafrikas ist.

Die Bevölkerung ist in den westlichen Landesteilen, v.a. an der Küste konzentriert. Dakar hat 4.849 Einwohner pro km², während die Bevölkerungsdichte in den östlichen Regionen knappe 15 Einwohner pro km² beträgt.
Nicht nur BewohnerInnen der umliegenden Landstriche wandern in die senegalesischen Städte sondern auch viele MigrantInnen aus den Nachbarländern.

Die Durchschnittsbevölkerung ist sehr jung, und etwa 43% der Bevölkerung sind unter 15 Jahre alt.

Bevölkerungsdichte 1960 und 1988.
Bevölkerungsdichte 1960 und 1988. Quelle IRD
Urbanisation 1960 und 1988.
Urbanisation 1960 und 1988. Quelle IRD

4.1.4. Geschlechterverhältnis

Frauen sind bis heute im familiären, sozialen, wirtschaftlichen und politischen Bereich benachteiligtÖffnet externen Link in neuem Fenster.

Ein junges Mädchen bleibt (traditionell) so lange unter der Vormundschaft ihres Vaters, bis sie unter die Obhut ihres Ehemannes gestellt werden kann, der nunmehr die Rolle des Familienvorstandes (Wolof: „borom ker - Herr des Hauses) einnimmt. Traditionell steht die (muslimische) Frau Zeit ihres Lebens unter der „Obhut“ eines männlichen Familienmitglieds; erst mit dem Aufsplittern hergebrachter Strukturen beginnt sich auch hier langsam etwas zu ändern. Gleichzeitig hat die Frau aber innerhalb dieser überlieferten Strukturen eine starke Rolle: traditionell ist die Frauen- und Männersphäre stark getrennt und die Frauen organisieren sich in Verbänden, Sparvereinen (Tontines), organisieren Zeremonien und beherrschen den Klein- und Gemüsehandel. Ihre Einkünfte verwendet die Frau normalerweise frei für sich, während der Ehemann für die Haushaltsausgaben zuständig ist (doch auch dies hat sich in Zeiten des wirtschaftlichen Prekariats geändert).

Mädchen werden bis heute oft sehr früh verheiratet und einige Ethnien betreiben trotz gesetzlichen Verbots die Beschneidung – gegen beide Praktiken wird aktiv im ländlichen Bereich mit Kampagnen vorgegangen.

Filmplakat Moolaade


In seinem letzten Film „Moolaade“Öffnet externen Link in neuem Fenster machte sich der große senegalesische Filmemacher Ousmane Sembène gegen die Beschneidung stark.

Die PolygamieÖffnet externen Link in neuem Fenster ist gesetzlich erlaubt, prinzipiell muss zwar jedes Paar, d.h. Mann wie auch Frau, bei der Eheschließung gemeinsam für Mono- oder Polygamie votieren, in der Praxis ist es der Frau aber kaum möglich, ihren Willen gegen den des Mannes durchzusetzen.

Das Familienrecht, stammt von 1973 und benachteiligt Frauen in einigen Bereichen, wie z.B. bei Scheidung und Sorgerecht, immer noch, räumt ihnen aber dennoch wesentlich mehr Rechte als das traditionelle Recht ein. 2003 gab es einen Vorstoß einer islamischen Vereinigung (CIRCOF), parallel dazu ein schariabasiertes Familienrecht einzuführen, das für die muslimische Bevölkerung gelten sollte. Zum Glück war diesem Vorhaben kein Erfolg beschieden, da es sicherlich zu einer gewissen Spaltung der Gesellschaft geführt hätte.
Doch auch was das geltende Recht angeht, kennen viele Frauen ihre Rechte nicht oder wagen es nicht, sie gegen die Widerstände der Familie oder des sozialen Verbands durchzusetzen.

Schülerinnen in St. Louis
Schülerinnen in St. Louis
© Matthias Hrubesch

Neben der Tradition ist es v.a. die mangelnde Schulbildung und Analphabetismus, der Frauen den Aufstieg verwehrt. Viele Familien schicken eher die Jungen zur Schule oder die Mädchen brechen die Schule frühzeitig abÖffnet externen Link in neuem Fenster, oft aufgrund von Verheiratung oder früher Schwangerschaften. Im Senegal gehen nur 15% aller Mädchen in die Sekundarschule (Quelle: UNICEF). Organisationen wie FAWEÖffnet externen Link in neuem Fenster oder die UNICEFÖffnet externen Link in neuem Fenster engagieren sich für die Schulbildung von Mädchen.
Wenn Frauen auch im Allgemeinen in allen Sphären immer noch unterrepräsentiertÖffnet externen Link in neuem Fenster sind, ist ihnen der Zugang zu den höchsten Sphären nicht verwehrt und man findet einfach das weltweite Phänomen der Unterrepräsentierung von Frauen wieder. Es gibt Diplomatinnen, Ministerinnen, Generaldirektorinnen und Großunternehmerinnen. Im Mai 2010 verabschiedete die senegalesische Nationalversammlung allerdings ein bahnbrechendes GesetzÖffnet externen Link in neuem Fenster, das die Geschlechterparität in den gewählten Institutionen sicherstellen soll. Im Juli 2011 wird das Gesetz erstmals Anwendung finden, die Auslegung ist die strengste auf dem afrikanischen Kontinent und wenn eine Partei nicht ebenso viele Frauen wie Männer auf ihrer Liste präsentiert, kann sie nicht an den Wahlen teilnehmen.
Organisationen wie der CosefÖffnet externen Link in neuem Fenster setzen sich für die Förderung von Frauen ein.
Die Frauenagenden sind nach dem Präsidentschaftswechsel erneut in einem FrauenministeriumÖffnet externen Link in neuem Fenster (Ministerium für Frauen, Kinder und weibliches Unternehmertum) angesiedelt.

Die senegalesischen Frauen haben den Ruf großer Schönheit und Eleganz, den sie selbst gebührlich pflegen.

4.2. Mikrosoziale Struktur

In diesem  ausführlichen Artikel wird die senegalesische GesellschaftÖffnet externen Link in neuem Fenster unter verschiedenen Facetten beleuchtet.

Familiäre BindungenÖffnet externen Link in neuem Fenster werden im Senegal groß geschrieben, wobei es sich um die erweiterte Großfamilie handelt. In einem Land, in dem es so gut wie keine staatliche soziale Vorsorge für die BürgerInnen gibt, bedeutet die Großfamilie gleichzeitig auch sozialen Rückhalt, Altersvorsorge und Krankenversicherung.
Respekt vor dem Alter ist ein grundlegender Wert. Sehr wichtig ist auch der Begriff der Altersklasse (Wolof: „morom“ – ein Gleichgestellter, Ebenbürtiger).  Männer und Frauen derselben Altersklasse, die gemeinsam groß geworden sind, sind sich besonders verbunden.
Wichtig sind auch gemeinsam zelebrierte Zeremonien, die den Zusammenhalt der Großfamilie und der Nachbarschaft/des Dorfes festigen: die Geburt (Taufe und Namensgebung), Heirat  und Tod und Begräbnis werden unabhängig von Ethnie und Religion in großem Ausmaß begangen.

Zur Tamxarit, dem islamischen Neujahrsfest verkleiden sich die Kinder
© Matthias Hrubesch

4.3. Bildung

Die meisten senegalesischen Ethnien (eine Ausnahme sind etwa die Diolas in der Casamance) waren sozial streng stratifiziert und in ein kompliziertes Kastensystem Öffnet externen Link in neuem Fensterunterteilt.  Man wurde in diese Kasten hineingeboren, eine soziale Mobilität war unmöglich. Bei den Wolof z.B. gab es zunächst die grundsätzliche Unterscheidung zwischen Freien  und Unfreien (Sklaven).  Innerhalb der Freien gab es die Edelleute, die Bauern, Fischer und andere Nicht-Handwerker  und die Handwerker (Schmiede, Lederarbeiter, Holzarbeiter und Weber). An der untersten Stelle dieser Leiter und gleichzeitig außerhalb standen die GriotsÖffnet externen Link in neuem Fenster,  die Sänger und Geschichtenerzähler, die die Genealogie und Geschichte von Familien oder Dörfern überlieferten und gleichzeitig geächtet und gefürchtet waren. Diese tatsächliche Unterteilung existiert heute nicht mehr, eine starke soziale Stratifizierung ist  jedoch bis heute in der Gesellschaft zu spüren und die alten Kastenkategorien  beeinflussen Gesellschafts- und Arbeitsbeziehungen. V.a. Eheschließungen außerhalb der eigenen Kaste wird viel Widerstand entgegen gebracht.

Der Bildungssektor ist mit vielen Problemen behaftet.  
Auf dem World Education Forum im April 2000 in Dakar beschloss die internationale Staatengemeinschaft den Dakarer AktionsrahmenÖffnet externen Link in neuem Fenster, einen internationalen Aktionsplan, der die allgemeine Grundbildung bis 2015 erreichen will. Zur Erreichung dieses Ziels beschloss die Regierung einen ambitionierten ZehnjahresplansÖffnet externen Link in neuem Fenster, der durch die Fast Track InitiativeÖffnet externen Link in neuem Fenster der großen Geber wie z.B. Weltbank unterstützt wurde.

4 Kinder pro Schulbank
4 Kinder pro Schulbank
© Elisabeth Bazin
Schulklasse
Schulklasse
© Elisabeth Bazin

Obwohl seit 1996 große Fortschritte erzielt wurden, blieben die Ergebnisse insgesamt dennoch weit hinter den Erwartungen zurück. Für 2008 war eine allgemeine Schulbildung von hoher Qualität vorgesehen, doch nur bei der Einschulungsrate im Primarbereich kam der Senegal wenigstens annähernd seinen Zielen nahe: 2006 wurden 71% der (in der Bevölkerungsstatistik erfassten) Kinder im schulpflichtigen Alter eingeschult. Doch bereits in der letzten Schulstufe verblieb nur mehr knapp die Hälfte der angestrebten Zielgruppe in den Klassen, 53% der Kinder erreichten die letzte Schulstufe und waren dann aber noch mit einer weiteren Hürde konfrontiert, dem Certificat de Fin d'Etudes Elémentaires, dessen erfolgreiche Absolvierung erst über eine Zulassung in die Sekundarstufe entscheidet. Hier scheitern stets noch einmal viele Kinder. Die Sekundarstufe begannen 2006 noch knapp 32%. Nach einer weiteren Prüfung, dem BFEM, Brevet de fin d'etudes moyennes, versuchten noch knapp 12% der Altersgruppe das Abitur zu erreichen. Die Durchfallsquote beim Abitur ist generell hoch.
Auf einen Lehrer kommen in der Regel 39 Schüler, der Anteil der Bildungsausgaben lag 2006 bei 5% des BNPs und somit leicht über dem afrikanischen Durchschnitt (4,4%). (Alle Angaben dem unten erwähnten Unesco-Report entnommen)

Schulfest in der Dakarer Vorstadt Guédiawaye
Schulfest in der Dakarer Vorstadt Guédiawaye
© Claudia Hrubesch
Schulkinder in Ouakam/Dakar
Schulkinder in Ouakam/Dakar
© Matthias Hrubesch

Im letztjährigen Education For All Report Öffnet externen Link in neuem Fenster (2011) findet sich eine Fülle von Informationen weltweit, in der Regionalübersicht für AfrikaÖffnet externen Link in neuem Fenster Informationen, die den Kontinent betreffen und genaue Angaben über die Erreichung der Teilziele der einzelnen Staaten.

Das RegelschulwesenÖffnet externen Link in neuem Fenster orientiert sich am französischen System. Es besteht aus der fünfjährigen Grundschule und einer siebenjährigen Mittel- und Sekundarschule. Seit einigen Jahren gibt es auch verstärkte Bemühungen um das VorschulwesenÖffnet externen Link in neuem Fenster.
Die Unterrichtssprache ist Französisch, eine Sprache, die vom Großteil der Kinder nicht beherrscht wird, was naturgemäß große Verzögerungen und Verluste im Lernprozess bedeutet. Die Einführung der Nationalsprachen in den Unterreicht ist allerdings, trotz in der Regel besserer Resultate bzw. Übertrittsquoten von Kindern, 
bis heute auf einige zaghafte Schulversuche beschränkt. Auch die Bezeichnung Nationalsprachen ist heute wieder aus dem Unterrichtsministerium Öffnet externen Link in neuem Fensterverschwunden. Zur Rolle der Nationalsprachen im BildungssystemÖffnet externen Link in neuem Fenster siehe auch den Text des Linguisten Souleymane Faye.

Das Schulwesen (wie auch das Universitätswesen) ist seit Jahren von monatelangen Streiks gezeichnet, dieses Jahr drohte die Annullierung des Schuljahrs, doch nach der Wahl des neuen Präsidenten kam es zu einer Kompromisslösung und die Fehlzeiten sollen teilweise in den Sommermonaten nachgeholt werden.

Neben den französischsprachigen Regelschulen spielen auch Koranschulen, in denen eine Arabisch-Alphabetisierung erfolgt, eine wichtige Rolle. Es gibt Bemühungen von offizieller Seite, die Koranschulen, gemeinsam mit fortschrittlich denkenden Marabouts, zu modernisieren. In den sogenannten "daaras modernes" wird neben Arabisch auch noch Französisch und oft eine Nationalsprache gelehrt, was den Kindern später den Umstieg in eine Regelschule oder eine moderne Berufsausbildung ermöglichen soll.

Bis 2007 erfolgte die Hochschulbildung im Senegal durch 2 staatliche Universitäten, die Université Cheikh Anta Diop Öffnet externen Link in neuem Fenster in Dakar  und die Université Gaston BergerÖffnet externen Link in neuem Fenster in St. Louis. 2007 kamen 3 sogenannte Regionaluniversitäten in Ziguinchor, Thies und Bambey dazu, die allerdings noch mit großen Anfangsschwierigkeiten zu kämpfen haben. Dazu gibt es noch einige staatliche Fachhochschulen und eine Vielzahl an Privatuniversitäten, die in den letzten Jahren in Dakar aus dem Boden schossen. Eine gute ÜbersichtÖffnet externen Link in neuem Fenster über den tertiären Sektor findet man hier.

Dabei darf allerdings nicht vergessen werden, dass gerade 6% der SenegalesInnen eine postsekundäre Ausbildung beginnen. Dafür ziehen die Universitäten Dakars StudentInnen aus dem gesamten frankophonen Afrika und den Maghrebstaaten an.

4.4. Gesundheitswesen

Die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung ist sehr schlecht, vor allem außerhalb der Hauptstadt Dakar ist die Gesundheitsversorgung völlig unzureichend. 2006 verfügte das Land über 594 ÄrztInnen und 3.287 KrankenpflegerInnen, sodass auf 1.000 Einwohner noch lange keine Betreuungsperson kommt. (Die genauen Zahlen: 0,06 ÄrztInnen und 0,32 PflegerInnen pro 1.000 EinwohnerInnen, in den östlichen Landesteilen ist es sogar 1 ÄrztIn für mehr als 100.000 Menschen.) Etwa drei Viertel der ÄrztInnen praktiziert zudem in der Hauptstadt. Krankenhausbetten sind auf dem Land kaum vorhanden.

Gesundheitsstation Dakar
Gesundheitsstation Dakar
© Claudia Hrubesch
Gesundheitsstation Dakar

Die niedrige Lebenserwartung, die hohe Sterblichkeitsrate bei Geburten und die hohe Säuglingssterblichkeit spiegeln diese Defizite wieder, so wie auch der ungenügende Zugang der ruralen Bevölkerung zu sauberem Trinkwasser (65%, 2006) und zu einer korrekten Sanitärversorgung (9%, 2006). Trotz gelegentlicher Impfkampagnen ist die Durchimpfungsrate bei Kindern gering. In den Jahren 2004 und 2005 häuften sich landesweite CholeraepidemienÖffnet externen Link in neuem Fenster. Malaria ist ganzjährig landesweit verbreitet, wenn auch staatliche Kampagnen zur Benutzung imprägnierter Moskitonetze erste Wirkungen zeigen. Die Hauptursachen der Kindersterblichkeit sind Durchfallserkrankungen und Malaria, Krankheiten also, die bei besserer Prävention und besserer Aufklärung der Bevölkerung leicht eingeschränkt werden könnten. 2006 wendete der Senegal 5,4 % seines Bruttoinlandproduktes für das Gesundheitssystem auf.

Die Zahlenangaben beziehen sich in der Regel auf das Jahr 2006 und sind der WHO LandesseiteÖffnet externen Link in neuem Fenster zum Senegal entnommen, wo Einzelstatistiken wie auch ein LandesfactsheetÖffnet externen Link in neuem Fenster aufgerufen werden können.

Der Senegal versucht, den gefährlichsten Krankheiten wie AIDS, Malaria oder Tuberkulose mit nationalen Bekämpfungsprogrammen Herr zu werden.
Sogenannte Zivilisationskrankheiten sind auf dem VormarschÖffnet externen Link in neuem Fenster und heute sind Herz-Kreislauferkrankungen die zweithäufigste Todesursache im Senegal.

Die HIV PrävalenzrateÖffnet externen Link in neuem Fenster ist für ein afrikanisches Land niedrig und liegt bei einem Prozent, was u.a. auf die frühe und umsichtige Einführung eines nationalen AidsbekämpfungsprogrammsÖffnet externen Link in neuem Fenster Mitte der 80er zurückzuführen ist. Zudem ist die Prostitution im Senegal erlaubt und Sexarbeiterinnen unterziehen sich regelmäßigen Gesundheitskontrollen. Dennoch ist die Infektionsquote besonders bei ihnen im Steigen begriffen und variiert innerhalb dieser Risikogruppe mittlerweile zwischen 11 und 30%. AIDS Kranke klagen über gesellschaftliche Marginalisierung.

Neben der westlichen Schulmedizin ist die traditionelle MedizinÖffnet externen Link in neuem Fenster weit verbreitet, auf die weite Bevölkerungsschichten zurückgreifen. Es gibt auch Bestrebungen, die traditionelle Medizin zu standardisierenÖffnet externen Link in neuem Fenster und ihre Qualität zu steigern.

4.5. Kultur und Kunst

Die kulturellen Wertvorstellungen des Senegals und Mitteleuropas unterscheiden sich erheblich und es kommt gerade zu Beginn unausweichlich zu interkulturellen Missverständnissen. Neuankömmlinge verletzen fast unabwendbar mehr als einmal die kulturellen Gepflogenheiten ihres Gastlandes; die folgende Übersicht zeigt beispielhaft einige wichtige Unterschiede zwischen der senegalesischen und einer westlichen (hier amerikanischen) Kultur. Öffnet externen Link in neuem Fenster
Auch hier finden sich einige VerhaltenstippsÖffnet externen Link in neuem Fenster.
In der Regel lassen es einen die SenegalesInnen nicht merken, wenn man sich in ihren Augen unangemessen verhält, zu hoch werden Werte wie Höflichkeit und "Teranga" (die traditionelle senegalesische Gastfreundschaft) geschätzt. Es ist immer gut, wenn europäische Neuankömmlinge schon früh FreundInnen oder Bekannte finden, denen auch westliche Lebensweisen vertraut sind und zu denen das Vertrauensverhältnis groß genug ist, dass sie einem dabei helfen, wesentliche kulturelle Hürden zu umschiffen.

Die senegalesische Kunst- und Kulturszene ist höchst lebendig und vielfältig. Von staatlicher SeiteÖffnet externen Link in neuem Fenster gibt es nur wenig Unterstützung, doch eine Vielzahl internationaler Stiftungen und ausländischer Geber wie auch einige panafrikanische Programme finanzieren kulturelle Aktivitäten.
Der senegalesische Popstar und verhinderte Präsidentschaftskandidat Youssou Ndour wurde von Macky Sall zum Kultur- und TourismusministerÖffnet externen Link in neuem Fenster ernannt.

Am bekanntesten im Ausland ist die senegalesische Musikszene mit oben genanntem Weltstar Youssou Ndour, dem „König des Mbalax“. Diese PopmusikÖffnet externen Link in neuem Fenster ist im Senegal sehr beliebt. Bei den jungen Menschen ist auch HipHopÖffnet externen Link in neuem Fenster en vogue, neben New York und Paris gilt Dakar als die Stadt mit der größten Dichte an HipHopcrews. Daneben bleibt die traditionelle MusikÖffnet externen Link in neuem Fenster fixer Bestandteil des Lebens, Griots animieren Familienzeremonien oder Frauen engagieren Perkussionisten für traditionelle Tanzabende (Sabars). Auf dieser Seite findet man Informationen und HörprobenÖffnet externen Link in neuem Fenster SängerInnen unterschiedlicher Musikrichtungen.

Traditionelle Tänze sind ebenfalls fixer Bestand verschiedener Zeremonien und somit des Alltags, daneben hat der Senegal aber auch eine recht lebendige Szene mit modernen TanzkompanienÖffnet externen Link in neuem Fenster und beherbergt alle 2 Jahre das Tanzfestival „Kaay Fecc“Öffnet externen Link in neuem Fenster (Wolof: Komm tanzen).

Die frankophone LiteraturÖffnet externen Link in neuem Fenster des Senegal genießt ebenfalls einen hohen internationalen Ruf, angefangen bei den PionierInnen wie Ousmane Sembène, Mariama Bâ, Aminata Sow Fall, Léopold Sédar Senghor bis hin zu jüngeren VertreterInnen wie  der auch in Deutschland viel rezipierten Fatou DiomeÖffnet externen Link in neuem Fenster oder der in Frankreich aufgewachsenen Franko-Senegalesin Marie NdiayeÖffnet externen Link in neuem Fenster, die 2009 den renommierten französischen Literaturpreis Prix Goncourt verliehen bekam.
Auf dieser ListeÖffnet externen Link in neuem Fenster findet man eine Übersicht ins Deutsche übersetzter literarischer Werke bzw. von deutschsprachigen literarischen Werken unterschiedlicher Qualität mit Senegalbezug.
Natürlich bleibt Literatur in einem Land mit einer so hohen Analphabetenquote eine egalitäre Angelegenheit; Ousmane Sembène erklärte damit etwa seine Abkehr von der Literatur hin zum Kino.

Das senegalesische Kino wird im Ausland vor allem mit den Namen Ousmane SembeneÖffnet externen Link in neuem Fensterund Djibril Diop MambetyÖffnet externen Link in neuem Fenster verbunden, doch auch jüngere Vertreter wie Moussa Touré oder Moussa Sène Absa landeten internationale AchtungserfolgeÖffnet externen Link in neuem Fenster.  Leider ist es für junge Talente mangels einer konsequenten Filmförderung fast unmöglich nach oben zu kommen und es gibt auch kaum mehr Kinosäle, die einheimische (oder auch ausländische) Filme zeigen könnten.

Theateraufführungen, zumeist volkstümliche Komödien oder seltener didaktisches oder Agitationstheater, finden vor allem in den Nationalsprachen statt. Viele dieser Truppen vertreiben ihre Produktionen über VCD Kassetten auf den Straßen (und sind dabei, ebenso wie Film- und Musikindustrie, mit einer wuchernden Piratenindustrie konfrontiert).
Das unter Senghor erbaute Nationaltheater Daniel SoranoÖffnet externen Link in neuem Fenster steht meistens leer, dennoch wurde gerade der Bau eines neuen gigantischen NationaltheatersÖffnet externen Link in neuem Fenster mit chinesischer Finanzierung fertig gestellt, eines der Prestigeprojekte und zu erbauenden "7 Wunder" des ambitionierten Ex-Präsidenten Wade.

Die bildende Kunst ist ebenfalls stark vertreten. Oft ähneln sich die Werke und Stile für ein modernes Kunstverständnis zu sehr, doch es gibt auch einige wirklich interessante KünstlerInnen, deren Ateliers Interessierten in der Regel offenstehen. Künstler wie Soly CisséÖffnet externen Link in neuem Fenster, Kan-SiÖffnet externen Link in neuem Fenster, Mamadou Ndoye Ndouts oder PiniangÖffnet externen Link in neuem Fenster stellen auch häufig in Europa aus; Urväter wie Ousmane SowÖffnet externen Link in neuem Fenster oder Iba NdiayeÖffnet externen Link in neuem Fenster müssen einer kunstinteressierten Öffentlichkeit nicht mehr vorgestellt werden.
Eines der wichtigsten Kulturereignisse ist die BiennaleÖffnet externen Link in neuem Fenster für zeitgenössische afrikanische Kunst, die KünstlerInnen und JournalistInnen aus der ganzen Welt nach Dakar holt.

Statue der afrikanischen Wiedergeburt
Von manchen Vierteln aus betrachtet wirkt die Statue der afrikanischen Wiedergeburt wie ein Hohn
© Claudia Hrubesch

In der offiziellen Kulturpolitik findet sich im letzten Jahrzehnt wenig Platz für die Förderung junger unabhängiger KünstlerInnen, sondern man bemüht sich um die Realisierung gigantischer Projekte wie die oben genannten 7 Wunder, der Neuauflage des Festival Mondial des Arts NègresÖffnet externen Link in neuem Fenster, das nach unzähligen Verschiebungen endlich im Dezember 2010 stattfand oder dem Bau einer 50m hohen Statue der „afrikanischen Wiedergeburt“Öffnet externen Link in neuem Fenster nach den Entwürfen des Präsidenten.

Eine allgemeine ÜbersichtÖffnet externen Link in neuem Fenster über Festivals und kulturelle Ereignisse findet sich hier, das aktuelle Kultur- und Sportprogramm auf verschiedenen InternetseitenÖffnet externen Link in neuem Fenster

4.6. Religion

Die Religion ist im Senegal omnipräsent und spielt eine wichtige RolleÖffnet externen Link in neuem Fenster im Leben der Menschen.
94% der Menschen sind Muslime, 4% Christen und 1% Angehörige traditioneller Glaubensrichtungen (Animisten). Elemente aus diesen traditionellen Anschauungen wie Ahnenverehrung und magische Praktiken und Riten sind jedoch bis heute tief verwurzelt und werden quer durch die Religionen praktiziert.

Der Kirchturm von Fadiouth
Der Kirchturm von Fadiouth,
© Claudia Hrubesch
Das Minarett der großen Moschee von Dakar
Das Minarett der großen Moschee von Dakar,
© Claudia Hrubesch

Gerne kolportieren die SenegalesInnen selbst das Bonmot, dass es im Senegal 95% Muslime, 5% Christen, jedoch 100% Animisten gebe.

Mosquée de la Divinité am Strand von Ouakam
Mosquée de la Divinité am Strand von Ouakam
© Claudia Hrubesch
Kircheneingang in Fadiouth
Kircheneingang in Fadiouth
© Claudia Hrubesch

Eine Besonderheit des Islam im Senegal ist seine Prägung durch Sufi-Bruderschaften. Fast jedEr GläubigE gehört einer Bruderschaft an. Die wichtigsten sind die TijanesÖffnet externen Link in neuem Fenster, die MouridenÖffnet externen Link in neuem Fenster, die Kahdriya, die Layennes und die Niassine. Dabei bilden die Bruderschaften Parallelstrukturen von großer wirtschaftlicher und politischer MachtÖffnet externen Link in neuem Fenster. Dies geht so weit, dass jeder neue Regierungschef zunächst den großen religiösen Familien seine Aufwartung macht. Früher gaben die religiösen Führer in der Regel vor den Wahlen eine Wahlempfehlung ab und entschieden damit de facto die Wahlen, heuteÖffnet externen Link in neuem Fenster gibt es immer weniger dieser direkten „ndigëls“, hingegen immer öfter Marabouts, die sich direkt politisch engagieren oder aktiv in die Politik einmischen.  Als Beispiele dienen die einflussreichen mouridischen Marabouts Modou Kara MbackéÖffnet externen Link in neuem Fenster, Gründer der Parti de la Vérité de Développement, im allgemeinen Sprachgebrauch aber nur Parti de la Vérité de Dieu genannt, also Partei der göttlichen Wahrheit - von seinen zumeist jungen Anhängern fanatisch verehrt, von vielen anderen für seine demokratiebedenklichen Äußerungen und paramilitärischen Schutztruppen gefürchtet.

Nächtliche religiöse Gesänge der Mouriden
Nächtliche religiöse Gesänge der Mouriden
© Claudia Hrubesch
Wandgemälde Cheikh Amadou Bamba
Religiöse Motive sind allgegenwärtig im Straßenbild
© Claudia Hrubesch

Die Marabouts nehmen eine eminent wichtige Rolle in der senegalesischen Gesellschaft ein, sei es als wichtige religiöse Führer, die den Koran auslegen und erklären, sei es der „kleine Marabout“ um die Ecke, der Amulette herstellt und Beschwörungen und magische Riten vollzieht.

Freske Cheikh Amadou Bamba, des Gründers des Mouridismus
Freske Cheikh Amadou Bamba, des Gründers des Mouridismus
© Claudia Hrubesch
Gebetskette
Gebetskette
© Miriam Diop
Nonne
Nonne © Elisabeth Bazin

Was Islam und Christentum im Senegal auszeichnet, ist ihr friedvolles MiteinanderÖffnet externen Link in neuem Fenster. Christen und Muslime leben in friedlicher Nachbarschaft, besuchen und beschenken sich zu den jeweiligen Feiertagen (sowohl muslimische als auch christliche Feiern sind gesetzliche Feiertage) und Ehen über die konfessionellen Grenzen hinweg sind keine Seltenheit, sodass es in fast allen Familien auch Mitglieder der anderen Konfession gibt. Natürlich geht das bei einer so überwältigenden Mehrheit, wie der muslimischen, nicht ganz ohne unterschwellige Konflikte und die Christen klagen oft über eine gewisse Diskriminierung und verfügen über schon allein zahlenmäßig geringere Seilschaften. Leider schürte auch Präsident Wade, wie z.B. im Dezember 2009,  durch unbedachte Äußerungen die Spannungen.Öffnet externen Link in neuem Fenster Dennoch aber ist das interreligiöse Miteinander im Senegal beispielhaft.

Friedhof von Fadiouth

© Claudia Hrubesch

 

Auf dem Friedhof von Fadiouth liegen Christen und Muslime gemeinsam begraben.

Der BerichtÖffnet externen Link in neuem Fenster über internationale Religionsfreiheit des Amerikanischen Außenministeriums stellt dem Senegal ein tadelloses Zeugnis aus.  Die Laizität des Staates und das freie Recht auf Religionsausübung ist in der Verfassung festgeschrieben.

Über die Autorin

Claudia Hrubesch, Jahrgang 1972, Studium der Vergleichenden Literaturwissenschaft, Französisch und Deutsch als Fremdsprache in Wien und Paris. Schwerpunkt: Geschichte und Literaturen Afrikas, Postcolonial Studies und interkulturelle Kommunikation. 

Lebt seit über 10 Jahren im Senegal. Tätigkeiten beim Goethe-Institut Dakar, der GIZ, ECO Consult und als freiberufliche Beraterin im Kultur- und Kommunikationsbereich. Landestutorin bei der Akademie für Internationale Zusammenarbeit (AIZ) der GIZ.

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Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Juni 2012 aktualisiert.

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