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Wirtschaft und Politik waren in den letzten Dekaden starken Fluktuationen zwischen Dirigismus und Liberalismus, Interventionismus und Freihandel, Staats- und Marktwirtschaft ausgesetzt, was eine instabile Entwicklung zum Ergebnis hatte.
Seit 1990 wird -von den verschiedenen Regierungen im Land- allerdings eine konsequente neoliberale Wirtschaftspolitik betrieben, die auf Privatisierung, Haushaltsdisziplin, Geldwertstabilität, Exportförderung, Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum abzielt. Fujimori (1990-2000) leitete im August 1990 diesen Prozess mit dem "Fujischock
" ein, welcher von hohen sozialen Kosten begleitet wurde. Wachsende Armut, Arbeitslosigkeit, Unterbeschäftigung, Verschlechterung der Bildungs- und Gesundheitslage, sowie Privatisierung der Alterssicherung waren die Folge (viele Menschen bleiben aufgrund niedriger Einkommen aussen vor).
Die Modernisierungsprozesse in Politik und Wirtschaft beeinflussen sich dabei stark gegenseitig. Der Bertelsmann Transformations Index (BTI
) der sich auch auf Peru bezieht, erfasst beide Dimensionen sowohl quantitativ als auch qualitativ.
Das Land hat in den letzten vier Jahren einer der höchsten Wachstumsraten im lateinamerikanikanischen Kontext verbucht und viele Wirtschaftsindikatoren
zeigen eine positive Entwicklung.
Ungeachtet der unbestritten großen Erfolge und der Wirtschaftspolitik der im Amt befindlichen Regierungen, geht die positive Wirtschaftsentwicklung mit stabiler Wirtschaftsordnung und anhaltend hohen Wachstumsraten seit 2001 mit hohen Armutsraten und einem Unmut innerhalb der Bevölkerung über die geringen sozialen Fortschritte einher. Die Zahl der unter der Armutsgrenze 2012 lebenden Peruaner lag bei 25.8% -davon 6% in extremer Armut- der Bevölkerung nach Angaben des INEI
(Pressemitteilung vom 08.05.2013). Der Leiter des INEI, Alejandro Vilchez, sagte dem Lokalen Sender RPP, dass die Personen mit monatlichen Ausgaben unter 284 S/. (ca. 109 US$) als arm und die mit Ausgaben unter 151 S/. als extrem arm in Peru gelten.
Was den Exportbeitrag der Wirtschaftssektoren
anbelangt, ist der Bergbausektor der bedeutendste Sektor. Peru ist der erste Produzent von Silber auf der Welt, der zweite von Kupfer und Zink, der dritte von Zinn, der vierte von Blei und Molybdän und der fünfte von Gold. Die Bergbauexporte betrugen im Jahre 2012 25,9 Mrd, was ein Wachstum von ca. 43% im Vergleich zu 2008 (18 Mrd) bedeutet. Ferner waren die Ausfuhren dieses Sektors für 56,8% der Gesamtexporte verantwortlich. Die Landwirtschaft trägt immerhin zu etwa einem Fünftel zum Bruttoinlandsprodukt bei und hat in den letzten Jahr stark an Wettbewerbsfähigkeit gewonnen. Peru ist der größte Exporteur von Spargel und Paprika auf der Welt und hat weltweit die höchste Produktivität was die Kulturen von Mangos, Spargel, Zuckerrohr und vielem mehr anbelangt. Der Anteil der nicht-traditionellen Agrarexporte hat in den letzten Jahren stetig zugenommen und erreichte 2012 3 Mrd. US $. Die Agrarexportwirtschaft ist eher an der Küste angesiedelt, wobei im Hochland eher Subsistenzwirtschaft betrieben wird. Im Ostabhang der Kordilleren wurden 2007 53700 ha Koka
angebaut, der Peru zum zweitgrößten Produzenten von Koka und potentiell von Kokain macht.
Die Fischerei
hat an Bedeutung verloren: die taditionellen Exporte (Fischmehl und -öl) beliefen sich 2012 auf 2,3 Mrd, wobei die nichttraditionellen Exporte (Produkte für den direkten menschlichen Konsum) 1 Mrd betrugen.
Der Tourismus hat seit den 90er Jahren dank der staatlichen Tourismusförderung
stark an Bedeutung gewonnen. 2011 strömten etwa 2,5 Mio Touristen in das Land und brachten mehr als 3.3 Mrd US Dollar an Devisen mit. Der industrielle Sektor und der Dienstleistungssektor weisen ebenfalls eine dynamische Entwicklung auf.
Die steigende Tendenz der Exporte in den letzten Jahren hat sich abgeschwächt. 2012 sind sogar ca. 0,5 Mrd weniger Exporte als im Vorjahr zu verzeichnen (diese und alle weiteren Daten stammen aus der peruanischen Zentralbank). Der Handelsbilanzüberschuss
lag 2012 bei 4,527 Mrd. (2011: 9,301 Mrd. US$). Die Aufwertung der einheimischen Währung gegenüber dem US$ und Euro hat zu einer deutlichen Zunahme der Importe um etwa 5 Mrd. (2011 auf 2012) geführt. Über 2 Mrd. US$ werden jährlich (2012: 2,7 Mrd. US$) von Peruanern aus dem Ausland überwiesen, was sich auf die Binnennachfrage und die privaten Investitionen positiv auswirkt.
Die Devisenreserven stiegen -nach Angaben der Nationalen Zentralbank Perus BCRP- bis Ende Februar 2013 auf 67,604 Mrd. US$ und haben sich fast vervierfacht im Vergleich zu 2006 (17,275). Die Staatsverschuldung sank bis Ende 2007 auf rund 29 Mrd. US$. Die Auslandsverschuldung betrug im Jahre 2010 38,7 Mrd. US$. Peru hat mittlerweile mehr Devisenreserven wie Auslandsschulden und der Finanzminister fährt Haushaltsüberschüsse ein.
Aufgrund der guten wirtschaftlichen Entwicklung konnte Peru beim Pariser Club eine vorzeitige Rückzahlung von Auslandsschulden beantragen. Im September 2007 unterzeichneten Deutschland und Peru ein Abkommen über die vorzeitige Schuldentilgung über 23,2 Mio. Euro.
Trotz allem Optimismus ist eine erhebliche strukturelle Schwäche der peruanischen Wirtschaft nicht zu übersehen: Perus wichtigstes Standbein ist der Bergbau. Mittel- bis langfristig könnte dies zu einer Dämpfung der guten gesamtwirtschaftlichen Entwicklung führen, da ein Absinken der internationalen Rohstoffpreise sehr schnell negative Auswirkungen hätte.
Peru weist eine starke Konzentration des Reichtums auf wenige Städte, meistens an der Küste auf, während die ländliche Bevölkerung des Berglands in Armut lebt.
Salomón Lerner Ghitis, ehemaliger Premierminister, räumte in seiner Erklärung vom 25.08.2011
vor dem peruanischen Kongress der Frage des sozialen "Einschlusses" große Bedeutung ein. Das 2011 neugeschaffene Ministerium für Entwicklung und sozialer Einschluss unter Leitung der Volkswirtin Carolina Trivelli Avila
hat Programme, die bislang in verschiedenen Ministerien zerstreut waren (Präsidialamt, Fauenministerium, usw.), in einer Behörde gebündelt, um somit zielgerichteter und schlagkräftiger gegen die Armut vorgehen zu können. Der neue Politikansatz, Programme, Aktionen und Beteiligung der Zielgruppen werden ausführlich in "A policy for development and social inclusion in Peru
" beschrieben.
Die für die Entwicklungszusammenarbeit auf peruanischer Seite zuständige Institution, APCI
(Agentur zur Koordination der Internationalen Zusammenarbeit), hat die Armutsbekämpfung im Einklang mit der nationalen Regierungspolitik als prioritär erklärt. Eine Korrelation zwischen extremer Armut in den Regionen und durchgeführter Entwicklungszusammenarbeit für 2005 zeigt, daß arme Regionen, wie Huancavelica beispielsweise, deutlich weniger Mittel als Lima und Cuzco erhalten. Die APCI verfolgt eine Politik zur stärkeren Einbindung der Regionalregierungen bei der Lokalisierung und Umsetzung von Entwicklungsprojekten.
Bei der Koordination der Entwicklungszusammenarbeit mit ausländischen Gebern werden ebenso diese Zielsetzungen angestrebt, wie die Länderstrategiepapiere mit der EU
, IADB
und andere Geberländer beweisen.
Ob die ländliche, arme Agrarbevölkerung - trotz Bemühungen der staatlichen Politik
- von der positiven Wirtschafts- und Exportentwicklung profitiert, bleibt abzuwarten. Sollte dies nicht der Fall sein, wird sich die Armutsschere vergrößern, die künftig zu verstärkten innenpolitischen Spannungen führen kann.
Innerhalb Perus besteht Konsenz darüber, gegen die Armut
vorzugehen. Peru kommt beim Erreichen der Milleniumziele (BMZ
, Weltbank
) voran.
Weitere soziale Indikatoren haben sich in den letzten Jahren verbessert, so belegte Peru 2012 Platz 77 von 187 Ländern (2004: 85) nach dem Human Development Index
. Seit dem Human Report 2010 wird auch eine Prognose für das laufende Jahr gemacht.
Im peruanischen Bergland findet eine schleichende produktive Revolution seit 1995 statt. In einer Gemeinde des Departamento de Cusco initierte der Bauernverband "Federación Departamental de Campesinos del Cusco" mit der Unterstützung des Instituts für alternative Landwirtschaft IAA das Programm "Sierra productiva
" (produktives Bergland). Im Kern besteht das Projekt darin 18 erlesene angepasste Technologien
in von extremer Armut betroffenen kleinen bäuerlichen Kleinbetrieben zu implementieren. In diesem Prozess spielen die Yachachiqs (lokale Wissensvermittler) eine tragende Rolle. Bis 2010 ist es dieser Initiative gelungen mehr als 35 000 Familien aus der extremen Armut in verschiedenen Gegenden Perus herauszuholen. Die Regionalregierungen der drei ärmsten Regionen Perus: Apurímac, Ayacucho und Huancavelica haben beschlossen diese Technologien in allen bäuerlichen Kleinbetrieben einzuführen. Andere Regionen setzen bereits diese Technologien ein.
Video von Patricia Wiesse zur Anwendung von 18 Technologien des Programms "Sierra Productiva"
Perú war lange Zeit Schwerpunkt der Entwicklungszusammenarbeit verschiedener Institutionen. Die Weltbank (WB)
führt beispielsweise die meisten ihrer Projekte in Südamerika -nach Brasilien und Argentinien- in Perú durch. Die genehmigten Weltbank-Projekte befassen sich mit der Förderung der ländlichen Entwicklung, des ländlichen Strassenbaus und der ländlichen Elektrifizierung. Die Interamerikanische Entwicklungsbank
(IEB ) hat jedoch die Weltbank als größten Kreditgeber in Lateinamerika abgelöst. Die USAID
hat die für Peru bewilligten Mittel in den letzten Jahren drastisch zurückgefahren
, bleibt jedoch der Größte Geber von ODA mit 87,603 Mio. US $ für 2010 an Peru. Die US-amerikanische Agentur hat Projekte zur Verbesserung der Gesundheits- und Bildungslage, zur Förderung der Demokratie und wirtschaftlichen Entwicklung, insbesondere durch Handelsabkommen. Die spanische Entwicklungsagentur AECI
sowie die schweizerische COSUDE
sind in verschiedenen Bereichen im Lande aktiv.
Peru ist der größte Empfänger deutscher wirtschaftlicher Zusammenarbeit in Lateinamerika. Peru ist ein Partnerland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Insgesamt hat Peru seit Beginn der bilateralen Zusammenarbeit ca. 2 Milliarden Euro Gesamtleistungen im Rahmen der Finanziellen Zusammenarbeit (FZ) und Technischen Zusammenarbeit (TZ) erhalten. Schwerpunkte der deutschen Entwicklungszusammenarbeit sind: Demokratie, Dezentralisierung, Zivilgesellschaft und Reform der öffentlichen Verwaltung, Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung sowie nachhaltige ländliche Entwicklung und Schutz natürlicher Ressourcen. Darüber hinaus unterstüzt Deutschland Peru in der Armutsbekämpfung.
Bei der Armutsbekämpfung sowie in anderen Bereichen (Demokratie, Wasser, sowie ländliche Entwicklung) engagiert sich die 2011 neugeschaffene deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit GIZ
GmbH (ein Zusammenschluss aus GTZ, DED und Inwent). Die KfW
unterstützt Projekte für die Trinkwasserversorgung / Abwasserentsorgung, die Ländliche Entwicklung und den Finanzsektor durch Kredite. Die politischen Stiftungen, Friedrich-Ebert-Stiftung
(FES), die Konrad Adenauer-Stiftung
(KAS) und die Hans Seidel Stiftung
(HSS), unterhalten Büros in Lima und betreuen vor Ort zahlreiche Projekte. Die CIM
leistet personelle Zusammenarbeit mit integrierten Fachkräften.

Gerardo Basurco Valverde, Dr. phil, Dipl. Volkswirt, geb. 1953, Studium der Volkswirtschaft und Politikwissenschaft.
Gutachter von Projekten der Entwicklungszusammenarbeit und Außenwirtschaftsberater zu Lateinamerika.
Sie können sich über aktuelle Entwicklungen Perus in meinem Portal
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Für Anregungen und Kommentare wäre ich Ihnen dankbar.
Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Mai 2013 aktualisiert.
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