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Nigeria ist nach Südafrika die zweitwichtigste Volkswirtschaft Afrikas. Dies verdankt das Land vor allem seinen reichhaltigen Bodenschätzen wie bspw. Zinn, Eisen-, Blei-, Zinkerz, Kohle und Kalk. Die nigerianische Wirtschaft wird dabei von der Erdöl-
und Erdgasförderung
dominiert. Das Erdöl wurde 1958 im Nigerdelta entdeckt und ist seit den 1970er Jahren das wichtigste Exportgut des Landes. Das Land ist der achtgrößte Erdölexporteur der Welt und der zweitgrößte Erdölproduzent Afrikas. Innerhalb der OPEC
steht Nigeria auf Platz sechs der größten Rohölproduzenten der Welt.
Über 80% der gesamten Bundeseinnahmen, 90% der Exporterlöse und 35% des Bruttoinlandprodukts generieren sich aus den Erdölgeschäften. Die nigerianische Wirtschaft ist also in einem besonders hohen Maße vom Erdöl abhängig und reagiert deshalb empfindlich auf negative Entwicklungen des Weltmarktpreises für Erdöl. Seit 2004 profitiert das Land von den sprunghaft ansteigenden Erdölpreisen. Wegen der Anschläge und Überfälle 2007 und 2008
war die Produktion in diesen Jahren jedoch rückläufig. Dennoch konnten die Ölunternehmen seit der Amnestie für die Militanten im Nigerdelta
(August 2009) die Produktion steigern.
Die Erlöse aus dem Geschäft mit dem Erdöl fließen zunächst der Bundesregierung in Abuja zu. Diese verteilt sie dann an die 36 Bundesstaaten, abhängig von der jeweiligen Einwohnerzahl der Bundesstaaten. Die Ölbundesstaaten im Delta (Akwa Ibom, Bayelsa, Delta, Edo, Rivers) erhalten nach der Verfassung vorweg einen Bonus von mindestens 13% (derivation principle).
Gefördert wird das Erdöl in Joint Ventures mit der "Nigeria National Petroleum Corporation (NNPC)"
im Nigerdelta vor allem von Shell
, ExxonMobil
, Chevron Texaco
, ENI/Agip
und TotalFinaElf.
Für den Transport von Erdöl und Erdgas zieht sich zudem ein kilometerweites Pipelinenetz von den Fördergebieten im Nigerdelta zu den vier Raffinerien - Port Harcourt I und II (im Südosten), Warri (im Südwesten) sowie Kaduna (im Norden) im Landesinneren. In den letzten Jahren ist es durch das illegale Abzweigen von Öl aus den Pipelines zu schweren Unfällen mit zahlreichen Toten
gekommen. Hier finden Sie Fotos
von Pipelineexplosionen.
Das nigerianische Erdgas ist für den afrikanischen Markt von zentraler Bedeutung. Eine Westafrika-Pipeline "West African Gas Pipeline"
von Nigeria nach Benin, Togo und Ghana wurde 2007 fertiggestellt. Für die Versorgung des europäischen Marktes wurde 2009 mit dem russischen Gazprom-Konzern eine Trans-Sahara Pipeline
über Niger und Algerien nach Europa vereinbart.
Nigeria ist ein agrarisches Land, aber die Konzentration auf Erdöl und Erdgas hat zur Vernachlässigung der Landwirtschaft geführt. Über 70% der arbeitenden Bevölkerung sind in der Landwirtschaft
tätig. Der Sektor erwirtschaftete 2011 etwa 42,2% des Bruttoinlandprodukts (BIP). Produziert werden Nahrungsmittel für den Eigenbedarf sowie sog. Cash Crops (Kakao, Erdnüsse, Kautschuk, Cassava, Yam) für den Export. Neben Millionen von Kleinbauern gibt es Großfarmen
. In den letzten Jahren wuchs dieser Sektor mit 10% überdurchschnittlich, denn die Förderung der Landwirtschaft mittels finanzieller und technischer Anreize (Produktivitätssteigerung mittels Düngermittel und Ausbau des Transportnetzwerkes) stand im Mittelpunkt von Wirtschaftsreformen der Regierung.
Der Industriesektor (Stahl, Zement, Düngemittel) macht nur 23,7% des Bruttoinlandprodukts (BIP) Nigerias aus. Neben der Verarbeitung von Erdölprodukten werden Nahrungs- und Genussmittel, Farben, Reinigungsmittel, Textilien, Brennstoffe, Metalle und Baumaterial produziert.
Haupthindernis für die industrielle Entfaltung ist die unzureichende Infrastrukturversorgung
(Energie und Transport). Von insgesamt 200.000 Straßenkilometer landesweit sind ca. 50% instandsetzungsbedürftig. Mit dem Eisenbahnnetzmodernisierung Lagos-Kano (ca. 1.300 km) wurde bereits 2006 begonnen. Im Reformprogramm "NEEDS I/2004-2007" (siehe Abschnitt "Wirtschaftspolitik") ist neben den Privatisierungs- und Modernisierungsmaßnahmen der Bau von Produktionsstätten vorgesehen.
Während der Industriesektor erheblichen Krisen ausgesetzt ist, boomt der Telekommunikationssektor
bereits seit einigen Jahren. Dank der Privatisierungspolitik der Obasanjo-Administration besitzt Nigeria heute einen der dynamischsten Telekommunikationsmärkte der Welt. Vorreiter ist der Mobiltelefonmarkt. Der Sektor wuchs alleine im Jahr 2011 um 58%.
Im Bereich der Energieversorgung
lassen die wirtschaftlichen Erfolge auf sich warten. Obwohl die ursprünglich staatliche Energiebehörde, die „National Electric Power Authority (NEPA)“ (von Nigerianern ironisch „Never Expect Power Always“ genannt), zwischen 1999 und 2003 privatisiert wurde und heute "Power Holding Company of Nigeria" (PHCN) genannt wird (von Nigerianern „Please Hold Candle Near“ genannt), haben Millionen von Haushalten sowie die Behörden mit ständigen Stromausfällen zu kämpfen. Grund dafür ist die niedrige Produktionskapazität der Gas- und Wasserkraftwerke. Für den Ausbau der Kapazität setzt Nigeria jetzt auf chinesische Hilfe. Zudem erhielt die SIEMENS AG im April 2012 den Auftrag für den Bau eines Gasturbinenwerkes
. Darüber hinaus bemüht sich die Regierung seit einigen Jahren auch darum, einen Teil des Strombedarfs aus Erneuerbaren Energien zu generieren.
Seit 2010 befindet sich die nigerianische Wirtschaft auf einem soliden Wachstumskurs von rund 7% Wirtschaftswachstum
jährlich.
Weitere Informationen zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes finden Sie auch unter den folgenden links:




Unter der Regierung Obasanjo (1999 - 2007) wurde eine Reihe von Wirtschaftsreformen in Angriff genommen. Ziele waren u.a. die Bekämpfung der Korruption, die Verbesserung der wirtschaftlichen Situation im allgemeinen sowie die Schaffung von besseren Einkommen für die Mehrheit der Bevölkerung. Maßnahmen dafür waren u.a. die Privatisierung von Staatsbetrieben und die Eindämmung der Inflation. Zur Umsetzung der Reformprogramme präsentierte die Regierung 2004 in Zusammenarbeit mit dem IWF die "Nigeria Economic Empowerment Development Strategy (NEEDS I/ 2004 - 2007)"
. Bei seiner Amtseinführung versprach Obasanjos Nachfolger Yar`Adua (2007 - 2010), die Wirtschaftsreformen mit dem Nachfolgeprogramm "NEEDS II/2007 - 2010" fortzusetzen. In den kommenden Jahren konnte die Regierung Yar`Adua vor allem bei der Privatisierung des Energiesektors und der Konsolidierung des Bankensektors Fortschritte erzielen. Seit Mai 2011 ist Präsident Goodluck Jonathan als dritter Präsident Nigerias seit der Rückkehr zur Demokratie 1999 im Amt. Unter seiner Führung wurde das Reformprogramm "Vision 20:2020"
verabschiedet, welches das Ziel proklamiert, Nigeria unter den zwanzig größten Volkswirtschaften der Welt zu positionieren.
Ab 2004 nutzte Nigeria den Ölgewinn, um seine Schulden zu bezahlen. Im Rahmen der wirtschaftlichen Reformen der Regierung Obasanjo konnte das Land 2005 mit dem Pariser Club, also den internationalen Gläubigern einen Schuldenerlass
um 18 Mrd. US-Dollar von insgesamt 30 Mrd. USD aushandeln. Im Gegenzug zahlte die nigerianische Regierung 12 Mrd. USD zurück. Damit ist Nigeria das erste afrikanische Land, das gegenüber dem Pariser Club schuldenfrei geworden ist!
Allein der Binnenhandel, in dem hauptsächlich Frauen tätig sind, erzielte 2008 einen BIP-Anteil von 15%. Beim Außenhandel ist die Handelsbilanz negativ. Der Verfall des Ölpreises im Jahr 2009 hatte hier Spuren hinterlassen. Ein Einbruch sowohl bei den Exporten als auch bei den Importen ist zu verzeichnen.
Die wichtigsten Abnehmerländer Nigerias sind die USA., China, Frankreich, Brasilien, Spanien und Deutschland. Auch der Handel mit der Bundesrepublik Deutschland ist negativ, denn die deutsche Einfuhr und Ausfuhr schrumpften um 34,1% bzw. 14,8%. Detaillierte Informationen bietet das Auswärtige Amt
und German Trade & Invest
. Ausführliche Informationen zu Investitionsmöglichkeiten in Nigeria bietet der in Hamburg ansässige Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft
.
Alle nigerianischen Staatsbudgets fußen auf den Einnahmen aus der Erdölförderung. Aufgrund des Verfalls der Ölpreise seit 2009 sanken die Devisenreserven. Der Bankensektor
ist von der aktuellen globalen Wirtschafts- und Finanzkrise betroffen. Über 20 nigerianische Banken gerieten dadurch in Schieflage. Allein die Rettungsaktion
der neun besonders stark Insolvenz gefährdeten Banken kostete die Regierung und die Zentralbank
unter dem neuen Zentralbankgouverneur Lamido Sanusi rund vier Mrd. US-Dollar.
Trotz des immensen Ölreichtums
leben ca. 70% der Nigerianer/innen unter dem Existenzminimum und müssen mit weniger als einem US-Dollar pro Tag überleben. Beim Kampf gegen die Armut bemüht sich die nigerianische Regierung im Rahmen der UN-Millenniumziele mit dem "National Poverty Eradication Programm (NAPEP)"
und dem Armutsreduzierungsstrategiepapier "Poverty Reduction Strategy Paper (PRSP)
- National Economic Empowerment Development Strategy (NEEDS)" voranzukommen. Darüber hinaus wurde von der UNDP ein Bericht
veröffentlicht, in dem die acht Millenniumziele und ihre Umsetzung in Nigeria festgehalten wurden.
Programme zur Armutsbekämpfung gibt es sowohl auf Länderebene die, "State Economic Empowerment Strategy (SEEDS)"
, als auch auf lokaler Ebene, die Community Economic Empowerment and Development Stratagy (CEEDS)
.
Zahlreiche Nichtregierungsorganisationen
im Land sind in den Bereichen Armutsbekämpfung und Nachhaltige Entwicklung aktiv. Frauenorganisationen
, von denen "Women In Nigeria (WIN)" die bekannteste ist, haben im traditionellen Leben Nigerias immer eine wichtige Rolle gespielt. Auch die Nigerianer/innen, die in der Diaspora leben (NIDO-Germany
), engagieren sich für die Entwicklung in ihrer Heimat.
Am 6. Dezember 2010 bekam der nigerianische Umwelt- und Menschenrechtsaktivist Nnimmo Bassey
den Alternativen Nobelpreis verliehen. Der Vorsitzende der Umweltschutzorganisation "Friends of the Earth International"
, der mit dem Wahlspruch "Leave the oil in the soil" („Lass das Öl in der Erde.“ ) bekannt wurde, wurde damit für seine Enthüllungen zu den ökologischen und menschlichen Katastrophen, die durch die Ölförderungen im Nigerdelta ausgelöst wurden, sowie für seinen Einsatz für mehr Umweltbewusstsein
in Nigeria ausgezeichnet. Seit mehr als 20 Jahren kämpft Nnimmo Bassey für bessere Lebensbedingungen im Nigerdelta.
Zu den größten ausländischen Gebernationen und Geberorganisationen Nigerias gehören die Weltbank
, die Europäische Union
, die USA
, Großbritannien
, Kanada
und Frankreich
.
Andere internationale Organisationen wie der Internationale Währungsfond, das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP)
, die Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD)
und der Commonwealth of Nations
leisten durch die Zusammenarbeit mit Nigeria einen wichtigen Beitrag für die Entwicklung des Landes.
Eine intensive Zusammenarbeit besteht auch zwischen Nigeria und den regionalen Organisationen wie der "African Development Bank Group"
, der "African Union (AU)", der "New Partnership for Africa`s Development (NEPAD)"
und der "Economic Community of West African States (ECOWAS)". Im Rahmen des African Peer Review Mechanism (APRM)
- einem Kernelement des NEPAD-Programms - hat Nigeria 2008 den vierstufigen Prüfungsprozess erfolgreich abgeschlossen. Weitere Informationen zur internationalen Zusammenarbeit mit Nigeria entnehmen Sie bitte dem Verzeichnis der in Nigeria tätigen EZ-Organisationen
.
Nigeria ist seit 1999 - dank seiner demokratischen Entwicklung während der Amtszeit von Präsident Obasanjo - wieder zu einem Partnerland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit
geworden. In den Jahren zuvor hatte man die Zusammenarbeit aufgrund der undemokratischen Regierung unter Abacha eingestellt. Insgesamt belaufen sich die Mittelzusagen an Nigeria seit der Wiederaufnahme der Entwicklungszusammenarbeit auf über 360 Millionen Euro. Davon entfallen ca. 240 Millionen Euro auf die Finanzielle Zusammenarbeit (FZ) und ca. 120 Millionen auf die Technische Zusammenarbeit (TZ).
Informationen über die deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit Nigeria finden sich auch in der Publikation "Entwicklungszusammenarbeit mit Nigeria - eine Ankerlandperspektive"
, herausgegeben vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik.
Im Rahmen des Entschuldungsabkommens zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Nigeria wurden Nigeria 2005 bilaterale Schulden in Höhe von 2,32 Mrd. Euro erlassen.
Schwerpunkte der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit sind die "nachhaltige Wirtschaftsförderung", die "Stärkung der Rechte von Frauen und Mädchen" und die "Bekämpfung der Kinderlähmung". Informationen über die Technische Zusammenarbeit mit Nigeria finden Sie auf der Webseite der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ)
.
Auch die deutschen politischen Stiftungen sind im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit in Nigeria aktiv. Die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES)
arbeitet vor allem in den Bereichen „Stärkung der Demokratie und Pressefreiheit“ sowie der „Förderung der Gewerkschaften“ während sich die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS)
im Rahmen ihres Programms insbesondere für die „Stärkung der politischen Mitwirkung“, wie z.B. bei Wahlen engagiert. Die Heinrich-Böll-Stiftung (HBS)
arbeitet hauptsächlich in den Bereichen „Demokratie“ und Good Governance“, „Frauenrechte und Empowerment von Frauen“ sowie „Krisenprävention und Konfliktbewältigung“.
Kirchliche Organisationen wie die Christian Blind Mission (CBM)
, Brot für die Welt
, die Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe (AGEH)
und Misereor
sind überwiegend im Bereich ländlicher Entwicklungsprojekte und interreligiösem Dialog in Nigeria tätig. Die Bundeswehr ist in Entwicklungsprojekten ebenfalls engagiert. Neben Beratungstätigkeiten im militärischen Bereich übernehmen die Soldaten Aufgaben in Berufsausbildungszentren. Auch im universitären Bereich existiert eine Zusammenarbeit. Bei den Medien gibt es eine Kooperation mit der Deutschen Welle. Dazu bietet das Auswärtige Amt
Informationen.
Eine ungenannte Zahl von anderen Organisationen, z.B. aus dem Wirtschaftsbereich, von Nichtregierungsorganisationen oder privaten Vereinigungen wie der Zusammenschluss von Vereinen und Krankenhausärzten, der u.a. das Noma-Hospital in Sokoto
(im Norden Nigerias) finanziert hat, ist ebenfalls zu nennen.
Der Standort der Deutschen Auslandshandelskammern (DHKs)
in Lagos liefert die nötigen Auskünfte über deutsche Wirtschaftsinteressen in Nigeria.
Folgende Links führen Sie zu landesspezifischen Aktivitäten von Individuen und Organisationen: Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe
und SOS-Kinderdörfer
.
Dr. Emmanuel I. Ede wurde 1955 in Agbani/Enugu-State, Nigeria, geboren und lebt seit 1971 in Deutschland. Neben seinem Beruf als selbstständiger Architekt ist er als Trainer für Interkulturelle Handlungskompetenzen mit den Schwerpunkten West- und Zentralafrika, als Tutor für Landesanalysen Nigeria sowie als Gutachter für politische Bildung tätig.
Der Autor freut sich über Ihre Kommentare und Anregungen.
Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Mai 2013 aktualisiert.
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