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Kinder in Gboko, Bundesstaat Benue © E.Ede

Gesellschaft

Alle wichtigen Strukturdaten zu Gesellschaft und Kultur
BeschreibungInhalt
Amtssprache:Englisch
Regionalsprachen:Hausa, Yoruba, Igbo und ca. 400 weitere Sprachen
bedeutendste Religion:Islam (50%) und Christentum (45%)
weitere bedeutende Religion:Naturreligionen (5%)
Städtische Bevölkerung:50,2%
Lebenserwartung:51,7 Jahre

Inhalte dieser Seite

Das LIPortal

Nigeria

Makrosoziale Struktur

Ethnizität und Nationalbewusstsein

In ethnischer Sicht ist Nigeria ein Vielvölkerstaat. Mehr als 400 unterschiedliche Sprach- und Volksgruppen verteilen sich auf die verschiedenen Regionen des Landes. Die größten ethnischen Gruppen sind:

Die Minderheiten, "Minority Groups", umfassen u.a.:

  • die Kanuri (4%) im Nordosten,
  • die Nupe (1,7%) und Tiv (2,5%) im Mittelgürtel "Middle Belt",
  • die Edo (3,4%) im Südwesten sowie die Ijaw (10%) 
  • die Ibibio (3,4%) im Südosten.

Die ethnische Zugehörigkeit spielt in Nigeria eine große Rolle. Die meisten Nigerianer identifizieren sich eher mit ihrer ethnischen Zugehörigkeit als mit ihrer Nationalität. Das nationale Bewusstsein der Nigerianer ist nur schwach augeprägt, ein Einheitsgefühl als "One Nigeria" ist kaum vorhanden. Stattdessen bestimmen die regionalen Interessen, die ethnische Verbundenheit und neuerdings auch der Wohlstand und die religiöse Zugehörigkeit das Bewusstsein der Menschen. Das Problem der Machtverteilung zwischen den Ethnien führt permanent zu Spannungen und Konflikten im Land, da die Minderheiten das politische Gewicht der großen Volksgruppen meist als Dominanz empfinden. Das gesellschaftliche Leben wird durch Machtkämfpe, "Stammesdenken" und religiös bedingten Konflikten beeinträchtigt.

Um dieses Problem anzugehen, hat Präsident Goodluck Jonathan im März 2014 in der Hauptstadt Abuja eine Nationalkonferenz einberufen. Dort sollten fast 500 Vertreter aus Politik und Gesellschaft über die Zukunft des Landes beraten und über Themen wie z.B die Frage der Nationaleinheit, die Machtverteilung zwischen der Ethnien und die bessere Verteilung des Wohlstandes diskutieren und bis August 2014 Handlungsempfehlungen erarbeiten. Es bleibt abzuwarten, wie und ob die vorgebrachten Empfehlungen in die Praxis umgesetzt werden. Die vorangegangenen Nationalkonferenzen (1978, 1995 und 2005) blieben ohne sichtbare Erfolge.

Sprachen

Insgesamt werden in Nigeria über 400 Sprachen und weit über 1.000 Dialekte gesprochen. Die Amtssprache des Landes ist Englisch. Die wichtigsten Sprachgruppen und ihre regionale Verteilung sind:

  • Hausa-Fulani im Norden
  • Yoruba und Edo im Südwesten
  • Igbo und Ibibio im Südosten
  • Kanuri im Nordosten
  • Tiv und Nupe im Middle-Belt
  • Ijaw im Nigerdelta.

Als Verkehrssprachen gelten Hausa, Yoruba und Igbo, die Sprachen der drei Hauptvolksgruppen in den jeweiligen Regionen, sowie Pidgin-English oder Broken English in den Ballungszentren Südnigerias.

Eingang zum Emir-Palast in Kano © E. Ede
Eingang zum Emir-Palast in Kano © E. Ede
Gehöft in Gboko, Bundesstaat Benue © E. Ede
Gehöft in Gboko, Bundesstaat Benue © E. Ede

Soziale Lage und Klassen

Kinder und Jugendliche © E. Ede
Kinder und Jugendliche in Nigeria © E. Ede
Kinder und Jugendliche in Nigeria © E. Ede

Die Unterschiede zwischen Armen und Reichen sind nach wie vor sehr groß. Weit mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, bei den Jugendlichen wird sie auf über 20% geschätzt. Der Mangel an lohnabhängiger Beschäftigung führt dazu, dass immer mehr Nigerianer/innen in den Großstädten Überlebenschancen im informellen Wirtschaftssektor als "self-employed" suchen. Die Massenverelendung nimmt seit Jahren bedrohliche Ausmaße an.

Bedauerlicherweise führt die Armut häufig auch dazu, dass junge Mädchen, insbesondere aus den Bundesstaaten Edo und Delta, nach Europa gehen, in der Hoffnung, dort Geld für sich und ihre Familien zu verdienen. In der Realität landen diese Frauen jedoch meist im Prostitutionsgewerbe, wobei die Zuhälter den Verdienst abkassieren und kaum Geld für die Frauen, geschweige denn ihre Familien in Nigeria übrig lassen. Das Portal NAPTIP bietet ausführliche Informationen zu dieser Thematik.

Neben den vielen in Armut lebenden Menschen findet man in Nigeria auch einige sehr Reiche. So gilt der Nigerianer Aliko Dangote mit einem Vermögen in Höhe von 16,1 Mrd. US-Dollar derzeit als der reichste Mann Afrikas.

Stadt-Land-Verhältnis

Seit dem Ölboom in den 1970er Jahren ist die Zahl der Einwohner/innen in den Großstädten Nigerias sprunghaft angestiegen. Die Urbanisierungsrate beträgt 47%. Immer mehr Menschen strömen auf der Suche nach besseren Verdienstmöglichkeiten in die Großstädte.

Trotz des von der Obasanjo-Administration aufgelegten Reformprogramms zur Wiederbelebung der Landwirtschaft, ist die Armut in den ländlichen Gebieten nach wie vor größer als in den städtischen Ballungsgebieten. Insbesondere die jungen Menschen sehen in der Landwirtschaft weder ausreichende Verdienstmöglichkeiten noch Perspektiven. Außerdem wurde seit dem Ölboom fast ausschließlich in die Modernisierung der Großstädte investiert, sodass die ländlichen Gebiete mehr und mehr verfielen.

Geschlechterverhältnis

Obwohl die nigerianische Verfassung von 1999 die Gleichheit der Geschlechter garantiert, sieht die Wirklichkeit anders aus. Von dem - von der Obasanjo-Regierung in der "National Policy on Women" 2002 formulierten - Ziel, den Frauenanteil im Parlament um 30% anzuheben, ist Nigeria auch heute noch weit entfernt. Nach den Parlamentswahlen von 2007 war nur ein geringer Prozentsatz von Frauen in beiden Häusern der Nationalversammlung vertreten. Dieser hat sich jedoch nach den Parlamentswahlen von 2011 etwas verbessert. So besetzte Präsident Goodluck Jonathan ein Drittel der Ministerposten mit Frauen.

Innerhalb der ländlichen Bevölkerung ist das Geschlechterverhältnis eindeutig, da das Leben immer noch stark von traditionellen Gesetzen und Praktiken bestimmt wird. Allerdings gibt es - je nach ethnischer Zusammensetzung, religiöser Zugehörigkeit und Region - große Unterschiede. 

Eine Vielzahl von Frauenorganisationen engagiert sich in Nigeria für die Gleichstellung der Geschlechter.

Auch die Kinderehe wird in der nigerianischen Öffentlichkeit zunehmend kritisch diskutiert. Zahlreiche Proteste formieren sich derzeit gegen die Verheiratung von Kindern. 

Homosexualität ist in Nigeria verboten und steht unter Strafe. So können gleichgeschlechtliche Eheschließungen mit bis zu 14 Jahren Haft strafrechtlich verfolgt werden. Homosexuelle werden auch von der nigerianischen Bevölkerung meist stigmatisiert. Daüber hinaus traten in letzter Zeit Fälle auf, in denen Homosexuelle von der Bevölkerung per Selbstjustiz verurteilt und verfolgt wurden.

Bildung

Schüler einer Grundschule "Primary School"  © Dolapo Falola (CC BY-SA 2.0)
Schüler einer Grundschule "Primary School" © Dolapo Falola (CC BY-SA 2.0)
Ahmadu Bello Universität in Zaria © Chippla Vandu (public domain), wikimedia Commons
Ahmadu Bello Universität in Zaria © Chippla Vandu (public domain), wikimedia Commons

 

Das Bildungssystem in Nigeria orientiert sich am britischem Vorbild. Schulbildung wird von den Menschen als Voraussetzung für einen schnellen wirtschaftlichen Aufstieg angesehen.

Das Bildungssystem basiert auf dem so genannten 6-3-3-4-Prinzip: Für Kinder im Alter von 6 bis 15 Jahren besteht Schulpflicht. Der Schulbesuch für die Grundschule und die untere Sekundarschule (JSS) ist gebührenfrei.

Verantwortlich für die Bildung ist die nigerianische Regierung. Zudem gibt es viele Schulen unter kirchlicher Trägerschaft. In dem islamischen Norden gibt es zudem - parallel zu den Schulen nach westlichem Vorbild - zahlreiche Koranschulen, in denen die Lehre des Korans bzw. das allgemeine Wissen über den Islam vermittelt wird.

Neben den drei ältesten Unversitäten - University of Ibadan, University of Nigeria Nsukka und Ahmadu Bello University Zaria - verfügt Nigeria über zahlreiche staatliche, bundesstaatliche und private Universitäten. Zudem gibt es eine Vielzahl an Hoch- und Fachhochschulen, die sich überwiegend im Süden des Landes befinden.

Das nigerianische Bildungssystem

Dauer

Alter

Schulart

Bezeichnung

Abschluss

6 Jahre

6-12 Jahre

Grundschule

Primary School

First School Leaving Certificate

3 Jahre

12-15 Jahre

Sekundarschule

Junior Secondary School (JSS)

Junior Secondary School Certificate

3 Jahre

15-18 Jahre

Sekundarschule

Senior Secondary School (SSS)

Senior Secondary Certificate oder General Certificate of Education

4 Jahre

18-22 Jahre

Hochschule

University

Bachelor

 

In den 29 Jahren Militärherrschaft (1966-1979 und 1983-1999) wurde das Bildungssystem stark vernachlässigt. Dadurch entwickelten sich erhebliche Defizite.

Seit der Rückkehr zur Demokratie 1999 hat die Bildungspolitik der Regierungen Obasanjo, Yar `Adua und Jonathan viel für die Verbesserung des Bildungssektors versprochen, aber nur wenig umgesetzt. Folge: Die Bildungsangebote auf den drei Ebenen des nigerianischen Bildungswesens (primär, sekundär und tertiär) sind qualitativ unzureichend. Nicht nur, dass sich die Ausstattung der Schulen landesweit in einem katastrophalen Zustand befindet. In vielen Schulen mangelt es sogar an Unterrichtsräumen. Vor diesem Hintergrund haben die Privatschulen im Land einen hohen Zulauf. Diese können sich allerdings nur wohlhabende Familien leisten.

Viele staatliche und bundesstaatliche Universitäten befinden sich ebenfalls seit Jahren in einem prekären Zustand. Die fehlende Finanzierung der Ausstattung, der Infrastruktur und des Personals führten zu einem stetigen Niedergang der weiterführenden Bildungsinstitutionen.

Gesundheit

Gesundheitsversorgung

Insgesamt kann die Gesundheitsversorgung in Nigeria als "mangelhaft" bezeichnet werden. Wer kein Geld hat, bekommt keine medizinische Behandlung. Zwischen Arm und Reich sowie zwischen Nord und Süd besteht ein erhebliches Gefälle. Auf dem Land sind die Verhältnisse noch schlechter als in der Stadt. Ausführliche Informationen über die Gesundheitsversorgung in Nigeria gibt die Weltgesundheitsorganisation WHO-NIGERIA.

Aufgrund der hohen Sterblichkeitsrate von rund 90.000 Neugeborenen jährlich, die während der ersten 28 Tage nach ihrer Geburt sterben, rangiert Nigeria auf Platz 12 von 176 untersuchten Ländern und gilt auch innerhalb des südlichen Afrikas als "einer der gefährlichsten Orte", um geboren zu werden.

Die medizinischen Einrichtungen werden in der Regel vom Staat unterhalten. Nur wenige Einrichtungen werden von den Kirchen oder von privaten Trägern finanziert. Da die Kosten für eine medizinische Behandlung in den privaten Einrichtungen hoch sind, können sie nur von den wenigen wohlhabenden Nigerianern in Anspruch genommen werden.  

Der Glaube an die Heilungskräfte der traditionellen Medizin ist bei den Nigerianern nach wie vor sehr lebendig. Bei bestimmten Krankheiten werden eher die traditionellen Heiler als die Schulmediziner nach westlichem Vorbild konsultiert.

Krankheiten

Die am häufigsten in Nigeria anzutreffenden Krankheiten sind Malaria, Hepatitis, Durchfallerkrankungen, Cholera, Typhus, Tuberkulose, Polio, Meningitis, Bilharziose (Schistosomiasis), die durch Süßwasserparasiten übertragen wird, Flussblindheit ("River blindness") und die Schlafkrankheit, die von Tsetsefliegen übertragen wird.

In den letzten Jahren wurden mehrere Massenimpfungen im Norden des Landes gegen Polio durchgeführt. Gegen Meningitis führte Ärzte ohne Grenze 2009 eine Massenimpfkampagne im Norden Nigerias durch.

HIV-Aids

HIV-AIDS hat sich in den letzten Jahren in Nigeria sehr schnell ausgebreitet. Gründe für die rasante Ausbreitung sind Faktoren wie Promiskuität, die nach wie vor seltene Verwendung von Kondomen, ländliche und städtische Armut, die niedrige Alphabetisierungsrate und schlechte Bildung, der insgesamt schlechte Gesundheitszustand, der niedrige gesellschaftliche Status von Frauen sowie die Stigmatisierung von Erkrankten.

Zur Bekämpfung der weiteren Ausbreitung von HIV-Aids wurde 2002 von Seiten der Regierung eine "National Agency for the Control of HIV/AIDS (NACA)" gegründet. Die internationale Organisation AVERT führt vielfältige Kampagnen zur Steigerung der öffentlichen Aufmerksamkeit, Aufklärung und Prävention durch.

Ebola

2014 hat sich in Westafrika - insbesondere in den Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone - eine Ebola-Epidemie ausgebreitet. Bis September 2014 haben sich laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) insgesamt 5833 Personen infiziert, 2833 Menschen sind bereits an dem Virus verstorben. 

Im Vergleich zu den anderen westafrikanischen Ländern hat sich Ebola in Nigeria nur begrenzt ausgebreitet. Insgesamt gibt es 20 bestätigte Ebola-Fälle, 8 davon verliefen tödlich. Präsident Goodluck Jonathan erklärte in der UN-Vollversammlung vom 25.09.2014: "Wir können heute getrost sagen, dass Nigeria Ebola-frei ist." Damit hat Nigeria - ebenso wie Senegal - bewiesen, dass das Ebola-Virus kontrollierbar ist. Am 20. Oktober 2014 erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Nigeria offiziell für Ebola-frei. Nigeria gilt somit als Vorbild für die Bekämpfung der Ausbreitung von Ebola in Westafrika.

Kultur

Traditionelle Musik in Nigeria © E. Ede
Traditionelle Musik in Nigeria © E. Ede
Wole Soyinka © Chidi Anthony Opara, CC-BY-SA 2.0
Wole Soyinka © Chidi Anthony Opara, CC-BY-SA 2.0
Chimamanda Adichie © Ivara Esege
Chimamanda Adichie © Ivara Esege
Femi Kuti © Tom Beetz, CC-BY 2.0
Femi Kuti © Tom Beetz, CC-BY 2.0

Kulturelle Vielfalt

Die Vielfalt der in Nigeria lebenden Ethnien impliziert einen großen Reichtum an unterschiedlichen Traditionen, Bräuchen und Sprachen. Insbesondere in den ländlichen Gebieten lebt das kulturelle Erbe in zahlreichen Festen, Tänzen, der Musik und der bildenden Kunst bis heute fort.

Den kulturellen Reichtum Nigerias kann man sich zudem auch in zahlreichen Museen und Galerien, die im ganzen Land verteilt sind, ansehen. Die bekanntesten unter ihnen sind das Nationalmuseum in Lagos, das Gidan Makama Museum in Kano und das Nationalmuseum in Benin City.

Kunst

Die traditionellen Kulturen und ihre künstlerischen Erzeugnisse sind weltberühmt. Dazu zählen u.a. die NOK-Terrakotten (bis zu 3000 Jahre alt), Metallgüsse aus Ife, Benin-Bronzen, Zeugnisse der Sao-Kultur vom Tschadsee, Bronzen aus Igbo-Ukwu, Terrakotten aus Owo, die Masken vieler Völker, Batiken, Färberei-Produkte, Töpferwaren und Weberzeugnisse.

In der modernen zeitgenössischen Kunst hat Nigeria eine ganze Reihe von anerkannten Künstler/innen hervorgebracht. Künstler wie Twins Seven Seven, Chief Muraina Oyelami, Obiora Udechukwu, Uche Okeke,  Jimoh Buraimoh sowie der Fotograf J.D. 'Okhai Ojeikere u.a. haben sich dabei weltweit einen Namen gemacht.

Literatur

Die zeitgenössische Literatur Nigerias hat mit der Verleihung des Nobelpreises für Literatur an Wole Soyinka (1985) ihren offiziellen Einzug in die Weltliteratur erhalten. Auch die Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 2002 an den im März 2013 verstorbenen Chinua Achebe brachte vor allem dem deutschen Publikum die nigerianische Literaturwelt nahe. 2007 wurde Achebe mit dem Man Booker Prize, dem bedeutendsten Literaturpreis im englischen Sprachgebiet, geehrt. Unter den Schriftstellerinnen mit internationaler Anerkennung befinden sich auch die verstorbene Flora Nwapa sowie Buchi Emecheta und Zaynab Alkali. Einige ihrer Werke wurden ins Deutsche übersetzt und vom Göttinger Lamuv Verlag herausgegeben. Zu den neueren weiblichen Stimmen des Landes zählt die junge Chimamanda Ngozi Adichie, die bereits drei ihrer preisgekrönten Romane in renommierten deutschen Verlagen veröffentlicht hat. Eine Übersicht über die berühmten nigerianischen Schriftsteller/innen bietet Ranker.

Besonders bei den Volksgruppen der Igbo und Yoruba im Süden des Landes steht das mündliche Erzählen als wichtigste Kunstform in hohem Ansehen. Die Erzählungen sind reich an Sprichwörtern und Lebensweisheiten und erfüllen in der Gesellschaft verschiedene Funktionen. 

Musik

In der Musikszene genießt die nigerianische Musik bereits internationale Anerkennung. Die Afro-Beat-Tradition des 1997 verstorbenen Fela Kuti wird heute von seinem Sohn Femi Kuti fortgesetzt. King of Juju Music Sunny Ade begeistert das Publikum weltweit mit seiner "Juju Musik". Chief Stephen Osita Osadebe gehörte zu den besten Highlife-Musikern Westafrikas. Im Bereich der Hip-Hop- und Soulmusik sind junge weibliche Stimmen wie Nneka, Asa und Aduke in der internationalen Musikszene vertreten.

Film

In der Film- und Videobranche Nigerias boomt das Geschäft. Bekannt unter "Nollywood" wird nicht nur in englischer Sprache, sondern auch in Igbo, Yoruba, Hausa und Pidgin-English produziert. Die Nollywood-Filme orientieren sich am nigerianischen Alltagsgeschehen und thematisieren Phänomene wie Neid, Missgunst, Eifersucht, Armut und Reichtum in der Gesellschaft, AIDS, Korruption, Prostitution, Gewalt sowie interreligiöse Familiengeschichten. Traditionelle Aspekte wie Zauberei und Magie werden dabei ebenfalls selbstverständlich in die Filmhandlungen integriert.

Mit "Half of a Yellow Sun" kam 2013 ein Stück nigerianischer Geschichte in die internationalen Kinos. Der Film handelt vom Schcksal einer Familie während des nigerianischen Bürgerkrieges (1967 - 1970). Vorlage war der gleichnamige Bestseller von Chimamanda Ngozi Adichie "Die Hälfte der Sonne."

Kleidung

Nigerianer/innen sind in Westafrika für ihre farbenprächtige und kunstvoll bestickte Kleidung bekannt, die auch zunehmend von der internationalen Modebranche wahrgenommen wird. 

Da Nigeria ein Vielvölkerstaat ist, hat jede ethnische Gruppe ihre traditionelle Kleidung. In ländlichen Gebieten werden diese auch heute noch im Alltag getragen. Die Männer tragen den "statusgebundenen Chieftaincy", den "Jumper" die sog. "Agbada" und den "Baba Rija". Die nigerianischen Frauen auf dem Land tragen das "Buba" mit dem traditionellen Wickelrock, der "Wrapper" genannt wird.

 

statusgebundene Chieftaincy © E. Ede
statusgebundene Chieftaincy © E. Ede
Jumper © E. Ede
Jumper © E. Ede
Buba mit Wrapper © E. Ede
Buba mit Wrapper © E. Ede
Baba Rija © E. Ede
Baba Rija © E. Ede

Religion

Die nigerianische Verfassung garantiert zwar die Religionsfreiheit, die Umsetzung dieser gestaltet sich in der Praxis aufgrund der religiösen Spannungen aber schwierig. So ist das Land von drei unterschiedlichen Religionen geprägt: dem Islam, der durch den Transsahara-Handel im 11. Jahrhundert gelangte; dem Christentum, eingeführt von europäischen Missionaren um 1842 und den indigenen Religionen, die es schon immer gab. Fast 50% der Bevölkerung sind Moslems, 45% Christen und der Rest der Bevölkerung gehört den indigenen Glaubensrichtungen an. Im Norden des Landes überwiegt der muslimische Anteil der Bevölkerung und im Südosten der christliche, während es im sogenannten Middle Belt und im Südwesten eine eher ausgewogene Verteilung gibt.

Der Islam

Aus den Marktzentren des Transsaharahandels am Tschadsee entwickelte sich im 9. Jahrhundert das Reich Kanem-Bornu im Nordosten Nigerias. Hier begann die Islamisierung des Nordens Nigerias, denn die Herrscher dieses Reiches waren die ersten, die im 11. Jahrhundert zum Islam übertraten. Zwischen dem 11. und 15. Jahrhundert breitete sich durch den Transsaharahandel der Islam in die benachbarten Hausa-Staaten (Kano, Katsina, Zaria) aus. Eine völlige Islamisierung des Hausa-Gebietes setzte 1804 mit dem Jihad unter der Führung des Islamgelehrten Usman Dan Fodio ein, der mit der Gründung des Kalifats Sokoto und dem Vordringen bis nach Ilorin im nördlichen Yoruba-Land die Stellung des Islam endgültig festigte.

Im Norden Nigerias sind zwei Strömungen des Islam vertreten: die Bruderschaft der Qadiriyya in Sokoto und der Tijaniyya, der alteingesessenen Hausa in Kano. Beide sind Varianten des sunnitischen Islam. Seit der nigerianischen Unabhängigkeit sind viele islamische Gemeinschaften entstanden, d.h. wie bei den Christen auch, passte sich der Islam den afrikanischen Traditionen u.a. mit der Entstehung neuer islamischer Sekten an.

Eine der bekanntesten islamischen Sekten ist die 2002 gegründete Boko Haram, deren Name  "Westliche Bildung ist Sünde" bedeutet. Diese verübt seit 2009 regelmäßig terroristische Anschläge im Norden des Landes. Sie verfolgt das Ziel, einen islamischen Gottesstaat in Nigeria auszurufen. Seit 2009 sind ca. 13.000 Menschen der islamistischen Terrorgruppe zum Opfer gefallen.

Zentralmoschee in Kano © E. Ede
Zentralmoschee in Kano © E. Ede

Das Christentum

Abgesehen von Niederlassungen einzelner Missionare in den großen Sklavenumschlagplätzen (Badagry, Calabar, Lagos) begann eine systematische christliche Missionierung erst um 1842, ausgehend vom "Fourah Bay College" in Freetown/Sierra Leone, wo Großbritannien befreite Sklaven angesiedelt hatte. So stammte auch der erste Bischof Nigers (Westafrika), Samuel Ajayi Crowther, von dort. Den Anfang der Christianisierung machten die anglikanischen Missionare aus England. In den Folgejahren breitete sich das Christentum im Süden Nigerias nach und nach aus. Das Zentrum der Missionierung war die Stadt Abeokuta im Südwesten Nigerias. Die erste Missionsstation im Südosten Nigerias wurde erst 1885 in Onitsha gegründet.

Das Christentum unterteilt sich in Katholiken (13%), Protestanten (15%) und synchretistische afrikanische Kirchengemeinschaften (17%) - einer Vermischung von traditionellen Religionen und Freievangelisten, meistens Mitglieder evangelikaler und pentekostaler Kirchen. Über tausend dieser neuen afrikanischen Kirchengemeinden mit mehreren Millionen Mitgliedern gibt es bereit in Nigeria, Tendenz steigend. Dabei sind die meisten dieser Kirchen stark profitorientiert. "Church is business.", ist ein geflügeltes Wort in Nigeria. Ein Video verdeutlicht diese Art von Geschäftsmacherei.

Als Dachverband verschiedener christlicher Kirchen und Organisationen in Nigeria fungiert die 1976 gegründete Christian Association of Nigeria.

Kirchgang bei den Christen © E. Ede
Kirchgang bei den Christen © E. Ede
Afrikanische Kirchengem. junge Christin beim Gebet © H. Jockers
Afrikanische Kirchengem. junge Christin beim Gebet © H. Jockers

Die Naturreligionen

Die traditionellen Religionen haben sich trotz der Anfeindungen durch die traditionellen Glaubensrichtungen bis heute behaupten können. Sie erleben derzeit eine Art Renaissance. Je nach Volksgruppe glaubt man an Erdgeister, Wassergötter, Ahnengeister, Gottheiten, Magie und Zauberei. Ausgeprägt bei den Volksgruppen im Süden Nigerias ist der "Juju-Glaube", in dessen Zentrum "Juju" als magische Zauberkraft steht. Erscheinungsformen sind Juju-Wälder, Juju-Flüsse, Juju-Pflanzen, Juju-Bäume oder auch Gegenstände wie Amulett und Talisman.

Trotz der Akzeptanz von Christentum und Islam sucht die breite Mehrheit der nigerianischen Bevölkerung im Juju Schutz vor fremden Mächten. Die nominelle Zugehörigkeit zu einer etablierten Religion bedeutet für viele Nigerianer/innen keineswegs die Aufgabe ihrer traditionellen Religion.

Naturreligion Oshogbo-Tempel © E. Ede
Naturreligion Oshogbo-Tempel © E. Ede
National Church of Nigeria, Abuja © Chippla Vandu, Wiikimedia Public Domain
National Church of Nigeria, Abuja © Chippla Vandu, Wiikimedia Public Domain

Religiös bedingte Konflikte

Das Verhältnis zwischen den Anhängern der beiden Religionen, den Muslimen und den Christen, ist äußerst gespannt. Oft genügt ein geringer Anlass, um blutige Unruhen auszulösen. Ein auch nur annähernd in Verbindung gebrachter Vorfall im christlichen Süden gegen Muslime wird sofort Reaktionen im Norden hervorrufen, die immer wieder zum Tod von sog. Nichtgläubigen führen (Pogrome). Diese gehören mittlerweile zum politischen Alltagsgeschehen in Nigeria. Seit 1999 sprechen die offiziellen Zahlen von über 10.000 Toten aufgrund von religiösen Unruhen. Die tatsächlichen Zahlen dürften um ein Vielfaches höher liegen.

Lesenswert dazu ist die Einschätzung der Globalsecurity. Mit der Einführung der Scharia in den 12 Nordstaaten haben sich die Spannungen weiter verschärft, sodass Nigeria (Nord) auf dem Weltverfolgungsindex 2012 bereits Rang 13 von 50 Positionen insgesamt einnimmt.

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Februar 2015 aktualisiert.

Autor

Dr. Emmanuel I. Ede
Dr. Emmanuel I. Ede

Dr. Emmanuel I. Ede wurde 1955 in Agbani/Enugu-State, Nigeria, geboren und lebt seit 1971 in Deutschland. Neben seinem Beruf als selbstständiger Architekt ist er als Trainer für Interkulturelle Handlungskompetenzen mit den Schwerpunkten West- und Zentralafrika, als Tutor für landesspezifische Auslandsvorbereitung für Nigeria sowie als Gutachter für politische Bildung tätig.

Der Autor freut sich über Ihre Kommentare und Anregungen.

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