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Metallarbeiter und Campesino bei der Arbeit

Wirtschaft und Entwicklung

Alle wichtigen Strukturdaten zu Wirtschaft und Entwicklung
BeschreibungInhalt
Bruttoinlandsprodukt:7,2 Mrd. US-$
Pro-Kopf-Einkommen: 1.239 US-$
menschliche Entwicklung (HDI): 
Rang 132 (von 187) [2014]
Anteil Armut:
40,5 % (2013 FIDEG)
Anteil alphabetisierte Erwachsene:78,0%
                             

  

    

  


 

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Das LIPortal

Nicaragua

Wirtschaft

Grundlegende Probleme

Die Wirtschaft Nicaraguas ist aus dem tiefen Tal der 1990er Jahre heraus und zeigt in den letzten Jahren ein kräftiges Wachstum (2001-2008 durchschnittlich 3,3%/Jahr, 2011 um 5,7%, 2012 um 5,0%, 2013 um 4,6% und 2014 um 4,5%). Inzwischen wird das Wachstum auch nicht mehr von der Bevölkerungszunahme aufgefressen; pro Kopf wuchs das BIP 2011 um 9,4%, 2012 um 6,2% und 2013 um 4,4%. Dennoch bleibt Nicaragua eines der ärmsten Länder in Lateinamerika. Die Armutsindikatoren haben sich in den letzten Jahren nur geringfügig verbessert.

Die Erwirtschaftung des Bruttoinlandsproduktes teilt sich in folgende Wirtschaftssektoren auf: Landwirtschaft: 15%; Bergbau 3%; Handwerk und Industrie: 23%; Dienstleistung: 59%. Nicaragua ist seit der Kolonisierung ein Agrarexportland, und das ist es bis heute geblieben. Die wichtigsten Exportprodukte sind: Kaffee, Rindfleisch, Zucker, Erdnüsse, Langusten und Krabben. Eine Ausnahme macht nur die Ausfuhr von Gold, die sich seit 2009 verfünffacht hat und 2013 zum ersten Mal den ersten Rang vor Rindfleisch und Kaffee einnahm. Die Wirtschaft ist insgesamt zu wenig produktiv, und dies gilt besonders für den Agrarsektor. Im Hinblick auf die Arbeitsproduktivität nimmt Nicaragua mit weitem Abstand den letzten Platz unter den Ländern Zentralamerikas ein. 

Es ist aber nicht zu übersehen, dass der Export in den letzten zehn Jahren eine enorme Dynamik entwickelt hat. Sein Wert verdoppelte sich von 2005 bis 2010 und erreichte 2013 einen Wert von 2,4 Mrd.US$. Nach vorläufigen Zahlen ist er 2014 noch einmal um 10% gewachsen. Zu den genannten Zahlen kommen noch 2,1 Mrd. aus der Maquilaproduktion. Dieses erstaunliche Wachstum ist hauptsächlich auf die gute Entwicklung der Preise und die Erschließung neuer Märkte (z.B. in Venezuela und bei den zentralamerikanischen Nachbarstaaten) zurückzuführen. Aber auch das Volumen der Produktion hat ordentlich zugenommen, und Nicaragua hat zum ersten Mal seit den 1970er Jahren wieder eine Rolle als regional bedeutendes Ausfuhrland übernommen.

Angepasste Technologie im Transportwesen 2010. Foto: V. Wünderich

Es bleibt ein strukturell hohes Defizit der Handelsbilanz: 2011 betrug es 2,6 Mrd., 2012 2,7 und 2013 2,8 Mrd. US$. Entsprechend schwierig ist der Ausgleich der Zahlungsbilanz und die Finanzierung des Staatshaushaltes. Die Konsequenz daraus ist die weiterhin hohe Abhängigkeit des Landes von der internationalen FZ und EZ. Im Zeichen des Aufschwungs und hoher Exportpreise sehen Experten aber durchaus Anzeichen einer Konsolidierung der Wirtschaft und nationalen Finanzen.

Daten und Fakten

Einen zusammenfassenden Überblick über die wirtschaftliche Situation Nicaraguas, inklusive Informationen zu Handel und Austausch mit der BRD, bietet die entsprechende Seite des Auswärtigen Amtes. Daten zu den Lebensbedingungen der Bevölkerung bietet auch die Nicaragua-Seite von UNICEF.

Die entsprechenden Seiten der Zentralbank von Nicaragua enthalten die relevanten Zahlenwerke zur volkswirtschaftlichen Situation, zu Exportprodukten und Importen, zu Dienstleistung, informeller Schattenwirtschaft und Agrarproduktion; hier kann man auch die Broschüre Nicaragua en cifras (2013) und den Jahresbericht 2013 finden. Die Seiten des Wirtschaftsministeriums, der Devisenbörse und der Interamerikanischen Entwicklungsbank sind ebenfalls hilfreich. Die Nicaragua-Seite der Weltbank stellt Daten und Studien zu unterschiedlichen Themen zur Verfügung (Entwicklung, Ernährungssicherung, Exportproduktion, usf.).

Die Länderstudie der US-Regierung gibt Ihnen eine gute Einführung in ökonomische Fragen zu Nicaragua. Die Hartford-University bietet wertvolle Berichte zu Fragen der Wirtschaft und EZ.

Problem Armut

Frühmorgens in Managua, Foto: Cordelia Dilg.

Nach Angaben der unabhängigen Stiftung FIDEG hat es von 2005 bis 2009 eine erste Reduzierung des Anteils der Armen und extrem Armen in Nicaragua gegeben. Danach ging der Anteil der Menschen in Armut (weniger als 2US$ pro Tag) von 48,3% (2005) auf 44,7% (2009) der Bevölkerung zurück, der Anteil von extrem Armen (weniger als 1US$ pro Tag) im selben Zeitraum sogar von 17,2% auf 9,7%. Die Stiftung FIDEG hat die Entwicklung weiterverfolgt und in ihrer neuen Studie (2014) festgestellt, dass die Armut bis 2013 weiter auf 40,5% zurückgegangen ist. Die extreme Armut ging bis 2012 auf 7,6% zurück, stieg 2013 aber wieder auf einen Anteil von 9,5%. Auf dem Land ist das Problem schon immer dramatischer als in der Stadt gewesen, und hier sehen die Zahlen entsprechend schlechter aus: 2013 lag der Anteil der Armut in ländlichen Regionen insgesamt bei 61,5% und der Anteil extremer Armut bei 17,1%. Die Experten des FIDEG haben immer darauf hingewiesen, dass die Grundlagen der insgesamt positiven Entwicklung unsicher und teilweise konjunktureller Art sind (hohe Exportpreise, Zuwachs der "Remesas", die inzwischen 27,8% der Haushalte in Nicaragua erreichen). Der Wiederanstieg der extremen Armut deutet darauf hin, dass sie leider Recht haben und die Verletztlichkeit der Bevölkerung insgesamt sehr hoch bleibt.

Auf der Liste des Human Development Index HDI (2014) rangiert Nicaragua auf der miserablen Position 132 (von insgesamt 187 untersuchten Ländern) und landet im zentralamerikanischen Vergleich damit auf dem letzten Platz, nach Guatemala und Honduras. Nach Angaben von UNICEF leiden 22% aller nicaraguanischen Kinder unter chronischer Mangelernährung. Hinter diesen Zahlen verbirgt sich nicht nur Hunger und Verzweiflung; man muss weiterhin von einer dramatischen Lähmung der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung sprechen.

Ende der 90er Jahre, also nach zehn Jahren neoliberaler Transformation, wies Nicaragua eine extrem ungleiche Einkommensverteilung auf. Der Gini-Index wurde für 1998 mit 0,603 angegeben (Skala zwischen 0= Gleichverteilung und 1=größte denkbare Ungleichverteilung). Diese Tendenz kehrte sich aber um; der Gini-Index für das Jahr 2010 beträgt jetzt 0,405 und hat damit ein Niveau, das mit den anderen Ländern der Region vergleichbar ist.

 

 

HIPC-Schuldenreduzierung und Millenniumsziele MDG

Nicaragua hat an der internationalen Initiative für die besonders hochverschuldeten Länder (HIPC) teilgenommen, die 1996 von der Weltbank und den G7-Staaten in Gang gesetzt wurde. Die ehemalige Bundesentwicklungsministerin Wieczorek-Zeul ergriff zusätzlich die Intiative, und die Bundesrepublik Deutschland leistete einen erheblichen Beitrag im internationalen Rahmen. Die Regierung von Präsident Bolaños setzte viel daran, die zahlreichen Auflagen des HIPC-Prozesses zu erfüllen, und schließlich wurde dem Land 2004 die (für ein so kleines Land) riesige Summe von rund 2,5 Mrd. US-Dollar erlassen (Bericht der Interamerikanischen Entwicklungsbank). Die Auslandsschuld stellt sich heute nach Angaben der Zentralbank auf 4,3 Mrd. US$. Das entspricht 41% des BIP. Der jährliche Schuldendienst liegt momentan bei 100 Mio. Er hat sich damit auf ein erträgliches Niveau reduziert und dem Land eine Atempause verschafft.

Die HIPC-Initiative wurde von der Durchführung eines Armutbekämpfungsprogrammsabhängig gemacht; sie sollte dadurch zu einem Meilenstein auf dem Weg zum Milleniumsziel der Halbierung der Armut werden. Von Anfang an erhob sich laute Kritik am Verfahren der HIPC-Initiative, z.B. von der deutschen NRO weed. Manche machten grundsätzlich geltend, dass durch die Rolle von Weltbank und IWF der "Bock zum Gärtner" gemacht würde, andere vermissten von Anfang an eine soziale Orientierung.

Die Erwartungen im Hinblick auf die Erfüllung der Milleniumsziele bis 2015 waren entsprechend schlecht. Die Studie "Towards a Renewed Debt Crisis" (FIDEG/Fr.-Ebert-Stiftung) kam 2009 zu dem Schluss, das die Ziele 1 und 4 (Bekämpfung der extremen Armut und Reduktion der Kindersterblichkeit) in Reichweite kommen könnten; andere Ziele wie die Verbesserung des Schulbesuches und die Reduktion der Müttersterblichkeit seien ganz und gar unerreichbar. Es ist jedoch nicht zu übersehen, dass sich das Bild in den letzten Jahren etwas aufgehellt hat. Als Gründe dafür müssen sowohl das unerwartet deutliche Wirtschaftswachstum als auch die sozialpolitischen Maßnahmen der Regierung Ortega gelten.

Regierungsprogramm und wirtschaftliche Lage

Chávez (verstorben 5.3.2012) und Ortega legen den Grundstein für die Mega-Raffinerie. (Juli 2007). Foto: La Prensa

2007 startete die Regierung Ortega mit einem Regierungsprogramm, das die Lage der Bevölkerung schnell und effektiv verbessern sollte (s.Seite 2 „Geschichte und Staat“). Die Hoffnung auf die venezolanische Regierung unter Hugo Chávez gab dem sichtbaren Neuanfang zusätzlichen Glanz, denn das Ölland Venezuela konnte nicht nur billige Energie und großzügige Finanzierung zusichern. Mit dem Wirtschaftszusammenschluss ALBA eröffneten sich neue Verbindungen zu den lateinamerikanischen Nachbarn. Ortega und Chávez verkündeten zudem das milliardenschwere Projekt einer großen Raffinerie, die bei León errichtet werden soll. Dort soll venezolanisches Öl zu Treibstoff für die Belieferung des zentralamerikanischen Marktes verarbeitet werden. Damit verknüpfen sich besondere Hoffnungen, denn gerade die Region León ist nach dem Zusammenbruch des Baumwollanbaus 1990 dramatisch verarmt. Das Megaprojekt soll „Refinería del Supremo Sueño de Bolívar“ heißen (nach einem utopischen Text des Nationalhelden Sandino) und eine Investititon von 3,9 Mrd. US$ bringen. Als am 20.Juli 2007 der Grundstein gelegt wurde, versprach Chávez, dass sie in vier Jahren stehen solle. Inzwischen sind über sieben Jahre vergangen. Die projektierten Kosten sind auf über 6,6 Mrd.US$ gestiegen, und große Konkurrenzprojekte in den Nachbarländern Costa Rica und Panama sind in Vorbereitung. Die Umweltstiftung Centro Humboldt hält den Standort an der Pazifikküste bei Nagarote (Dpto. León) für ungeeignet und hat schwere Vorwürfe wegen der absehbaren Umweltsschäden erhoben. 

Im September 2012 hat das nationale Parlament dennoch das Projekt verabschiedet. Es befindet sich theoretisch in der ersten Bauphase, mit der eine chinesische Firma beauftragt ist. Wegen der dramatischen Wirtschaftskrise in Venezuela und wegen des niedrigen Ölpreises muss aber bezweifelt werden, ob der Bau der Raffinerie wirklich noch eine Perspektive hat. Zum Glück für die Regierung Ortega wird die ganze Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit im Moment von der Diskussion über das Kanalprojekt in Anspruch genommen.

Insgesamt ist die wirtschaftliche Entwicklung seit dem Amtsantritt von Präsident Ortega sehr günstig verlaufen. Die Jahre 2007 und 2008 sahen eine gute Konjunktur, die freilich auch eine hohe Inflation von 16,9% (2007) und 13,8% (2008) mit sich brachte. Im Krisenjahr 2009 ging das Bruttoinlandsprodukt um 1,5% zurück, und der Rückgang der Nachfrage schlug sich in der untypisch geringen Inflationsrate von 0,9% nieder.

Inzwischen hat sich die Wirtschaft erholt und ist seitdem auf einem eindrucksvollen Wachstumskurs. 2010 wuchs das BIP wieder um 3,6%, im Jahre 2011 legte es 5,4% 2012 5,2 und 2013 4,6% % zu. Das Wachstum lag 2014 bei 4,5%, und für 2015 werden 5% erwartet. Der Warenexport hat bei Kaffee, Erdnüssen und Rindfleisch seine Dynamik wegen der fallenden Weltmarktpreise verloren. Die Einbußen können aber noch durch das Wachstum der Exporte aus den Freihandelszonen ausgeglichen werden. Die ausländischen Direktinvestitionen erreichten 2013 erstmals den Rekordwert von über 1 Mrd. US$. 2014 lagen sie bei 1,5 Mrd.US$. Die Errichtung neuer Windparks zur Stromerzeugung, der Tourismus, die Textilindustrie und die Erzeugung von Kakao und Palmöl sind interessante Bereiche für Investitionen des ausländischen Kapitals. Die jährliche Inflationrate lag 2010 bei 9,2%, 2011 bei 8,0%, 2012 bei 6,6% und 2013 bei 5,7%. Im Jahre 2014 gab es wegen der Dürre im ersten Halbjahr einen Anstieg der Preise für Nahrungsmittel; andererseits gaben im zweiten Halbjahr die Importpreise für Erdölprodukte nach. Die Zentralbank gibt die Inflation für 2014 jetzt insgesamt mit 6% an.

CAFTA und ALBA

Im Oktober 2005 verabschiedete das Parlament in Managua mit 49 zu 37 Stimmen den CAFTA-Vertrag, der 2006 in Kraft trat. Nach nur einem Jahr Verhandlungen war der Vertrag mit den USA und den anderen mittelamerikanischen Staaten zur Bildung einer Freihandelszone CAFTA nach dem Vorbild des NAFTA (Freihandelsabkommen zwischen Mexiko, USA und Kanada) zustandegekommen. Ende 2004 wurde die Dominikanische Republik in das Abkommen integriert.

CAFTA steht nicht nur für den Abbau von Zöllen, Einfuhrsteuern und anderen Handelshemmnissen. CAFTA sichert die Geschäfte der multinationalen Konzerne rechtlich ab und bedroht alle Produktionsbereiche in Nicaragua, die international nicht konkurrenzfähig sind, insbesondere die Agrarproduktion für den Binnenmarkt. CAFTA zielt auf die weitere Privatisierung profitabler Wirtschaftssektoren und wird auch den Zugriff auf das öffentliche Beschaffungswesen erlauben. In der Auseinandersetzung um die Privatisierung öffentlicher Güter (Wasser, Strom, Gesundheit, Bildung) macht CAFTA z.B. die internationale Ausschreibung von Dienstleistungen verpflichtend. Die Konsequenzen eines solchen Globalisierungsschubes mussten erhebliche Besorgnisse auslösen.

Die grundsätzliche Kritik ließ nicht auf sich warten. Die Zeitschrift Envío veröffentlichte z.B. Einschätzungen aus nicaraguanischer Sicht. Dennoch blieben die öffentlichen Proteste in Nicaragua weitgehend aus, ganz im Gegensatz zum Nachbarland Costa Rica, wo eine breite Protestbewegung die Durchführung eines Volksentscheids erzwang (2007) und den Beitritt zu CAFTA beinahe verhindert hätte. In Nicaragua war auffällig, dass sich die FSLN bei diesem Thema zurückhielt. Die sandinistischen Parlamentsabgeordneten (damals in der Opposition) stimmten zwar nicht für den Vertrag, ermöglichten mit ihrer Enthaltung aber dessen Annahme auf indirektem Wege.

Diese Zurückhaltung hat Präsident Ortega nach seinem Amtsantritt fortgesetzt. Die laufende Umsetzung von CAFTA wird nicht behindert und nicht kommentiert. Die Schlagzeilen beherrscht dagegen ALBA, die erklärte Alternative zu CAFTA. ALBA ist eine „Bolivarianische Allianz“, die zunächst von Venezuela und Kuba gegründet wurde. Inzwischen sind ihr Bolivien, Nicaragua, Honduras, Ecuador und eine ganze Reihe von Karibikstaaten beigetreten. ALBA verbindet mit der wirtschaftlichen Zusammenarbeit auch politische und soziale Ziele. Sie will „nicht nur Märkte, sondern Völker verbinden“. In jedem Falle werden weittragende Hoffnungen mit ALBA verbunden.

Wirtschaftlich ist die Bedeutung von ALBA durchaus begrenzt, da die beteiligten Länder nur einen verhältnismäßig geringen Handelsaustausch untereinander haben. Es fällt aber ins Auge, dass sich die nicaraguanischen Exporte nach Venezuela von unbedeutenden Anfängen 2007 schnell gesteigert haben und 2013 die Höhe von 384 Mio. US$ erreicht haben.

Freihandelszonen ("Maquila")

Foto: La Prensa.

Der Sektor der Weltmarktfabriken in Nicaragua (sogenannte „Maquilas“) hat in den letzten Jahren eine dynamische Entwicklung genommen. Heute sind  hier 147 Firmen in 47 besonderen Industrieparks tätig, die 108.000 Menschen beschäftigen und 2013 Waren im Wert von 2,17 Mrd.US$ exportierten (Angaben der Zentralbank). In den Fabriken, die in Nicaragua liegen, aber nicht zum nationalen Zollgebiet gehören, arbeiten zum ganz überwiegenden Teil Frauen. Die Regierungen Alemán und Bolaños haben viele Jahre lang auf die Maquila-Produktion gesetzt und ideale Bedingungen für die Bekleidungsindustrie aus Asien und USA geschaffen. Die Dynamik hat sich unter der Präsidentschaft Ortegas fortgesetzt. Hier werden Textilien für den Markt in den USA gefertigt; neuerdings sind Tabak, Autozubehör und Kartonagen hinzugekommen.

Minimale Steuerbelastung, diktatoriale Arbeitsregimes und billige Arbeitslöhne zeichnen den Sektor aus. Zwar entstehen der Regierung keine Steuereinkünfte über die Produktion oder Ausfuhr von Waren, sie profitiert aber indirekt von der steigenden Anzahl von Arbeitsplätzen und den Gehältern der Arbeiterinnen. Die staatliche Corporación de Zonas Francas de Nicaragua ist verantwortlich für das Funktionieren der Freihandelszonen und für steuer- und arbeitsrechtliche Fragen. Die Organisation der meist weiblichen Arbeitskräfte geschieht unter sehr erschwerten Verhältnissen, ist aber in den letzten Jahren durchaus vorangekommen. In der Wirtschaftskrise von 2008/2009 ist der befürchtete Verlust von Arbeitsplätzen ausgeblieben. Stattdessen wurde eine Form von Tarifpartnerschaft zwischen Gewerkschaften, Unternehmen und Regierung begründet ("dialogo tripartito"). Die Vertreter der offiziellen Gewerkschaften (CST=Central Sandinista de Trabajo und FNT=Frente Nacional de los Trabajadores) behaupten, dass seitdem Fortschritte bei der Einführung des Mindestlohns, beim Arbeitsschutz und in der Versicherung der ArbeiterInnen erzielt wurden.

Migration

Überall müssen Migranten darum kämpfen, ihre Papiere in Ordnung zu bringen...

Nicaragua ist seit den 1980er Jahren ein Auswanderungsland in großem Stile geworden. Zielländer der Migration sind vor allem Costa Rica und die USA. Die Zahl der Nicaraguaner, die dauerhaft in Costa Rica leben, wird auf ca. 500.000 geschätzt. Es besteht kein Zweifel, dass die große Mehrheit von ihnen aus wirtschaftlicher Not ihr Land verlassen. Die Frauen arbeiten häufig als Hausangestellte, die Männer in den Bananenplantagen, auf dem Bau oder im Dienstleistungsbereich. Das große Kontingent derer, die jedes Jahr mit einer Sondererlaubnis zur Kaffeeernte die Grenze überschreiten und als Pflücker arbeiten, ist in diese Zahl noch nicht eingerechnet. Obwohl sich die Akzeptanz der „nicas“ in Costa Rica in den letzten Jahren verbessert hat, sind sie im Nachbarland weiterhin vielen Formen von Diskriminierung ausgesetzt.

Die Zahl der Nicaraguaner, die legal in den USA leben, wird mit 350.000 angegeben. Zusammen mit den Migranten ohne Dokumente liegt ihre Zahl aber eher bei 500.000. Die meisten von ihnen leben in den Staaten Florida und Kalifornien. Weitere wichtige Auswanderungsziele sind Spanien (von dort kommen 5,9% der Geldüberweisungen in die Heimat) und seit den letzten Jahren auch Panama (3,5% der Überweisungen).

Eine konservative Statistik gibt die Gesamtzahl der Emigranten mit 729.000 an. Danach leben 12,5% aller Nicaraguaner, also jeder achte, im Ausland. Tatsächlich dürfte der Prozentsatz höher liegen. Nach Angaben der Organisation "Red de Emigrantes" haben zwischen 1,2 und 1,5 Mio. Nicaraguaner ihr Land verlassen. In jedem Falle ist die Auswanderung ein soziales Thema von größter Bedeutung geworden. Nach einer Umfrage von "M&R Consultores" im April 2013 würden nicht weniger als 54% aller Nicaraguaner auswandern, wenn sie könnten. Die Geldüberweisungen ihrer Verwandten im Ausland erreichen inzwischen 27,8% aller nicaraguanischen Haushalte (2013). Einerseits sind viele auf diese Geldüberweisungen angewiesen, andererseits werden viele Familien auf unabsehbare Zeit auseinandergerissen. Besonders dramatisch ist das Schicksal der kleinen Kinder, die von ihren Müttern notgedrungen zurückgelassen werden, häufig in der Obhut der Großmutter.

Es überrascht immer wieder, dass sich die Regierungen Zentralamerikas mit der Massenmigration aus ihren Ländern abgefunden haben. Sie kümmern sich zwar auf diplomatischer Ebene um die Situation der Auswanderer in den Zielländern, aber sie entwickeln keine Perspektiven, um die Abwanderung zu stoppen oder gar die Rückkehr ihrer Landsleute zu ermöglichen. Die Regierung Ortega macht hier keine Ausnahme.

Eine Erklärung dafür ist die überragende Bedeutung der Geldüberweisungen („remesas“) für die Volkswirtschaft. Die Zentralbank gibt die Zahl für 2011 auf 911 Mio. US$ an; 2012 sind die Überweisungen auf 1014 Mio.US$ angestiegen, 2013 erreichten sie 1078 Mio.US$. Im Jahre 2014 wurden Remesas in Höhe von 1136 Mio.US$ registriert; demnach hält die steigende Tendenz an. Nach Meinung von Experten liegt die tatsächliche Summe aller Überweisungen außerdem höher als die Angaben der Zentralbank. Der größte Teil stammt aus den USA, der zweitwichtigste Teil aus Costa Rica. Die „remesas“ machen aktuell 9,7% des BIP aus und sind ein unverzichtbarer Beitrag zum Ausgleich der defizitären Handelsbilanz von Nicaragua. Man kann darum sagen, dass die Arbeitskraft der Migranten ein besonders wertvolles Exportgut des Landes ist.

Tourismus

Im Hafen von San Juan del Sur, Foto: Paul Hofmann

Im Vergleich zu den großen Reiseströmen nach Costa Rica und Guatemala steckt der Tourismus in Nicaragua noch in den Anfängen. Er hat aber bedeutende Fortschritte gemacht, und die früher sehr bescheidene Infrastruktur hat sich verbessert. Die Städte Granada, Masaya und León, die Hafenstadt San Juan del Sur und die Insel Ometepe im Großen Nicaraguasee sind heute beliebte Reiseziele. In Bezug auf Sicherheit und Lebensqualität erhält Nicaraga regelmäßige Bestnoten in den internationalen Umfragen und Medien.

Im Jahr 2013 wurden in Nicaragua 1,27 Mio. ausländische Besucher registriert (Zahlen der Zentralbank). Die Deviseneinnahmen aus dem Tourismus beliefen sich auf 417,2 Mio. US$, was gegenüber den Vorjahr 2012 (421,5 Mio.) einen leichten Rückgang bedeutet. Die Jahre davor haben aber eine günstige Entwicklung gezeigt (2009: 334 Mio.US$; 2010: 309 Mio.; 2011: 377 Mio.). Trotz dieser insgesamt guten Zahlen bleibt festzuhalten, dass Nicaragua im Hinblick auf die Einnahmen das Schlusslicht Zentralamerikas bildet, nur das kleine Belice hat geringere Erlöse. Das Potential dieses Wirtschaftszweiges ist jedenfalls noch lange nicht ausgeschöpft, und die volkswirtschaftliche Bedeutung ist nach einer Studie der Zentralbank erheblich.

Die meisten Ferntouristen kamen 2013 aus Nordamerika (23,7%). Aus Europa kamen 6,5% aller Besucher, wobei die Herkunftsländer Deutschland, Spanien und Großbritannien besonders hervorzuheben sind.

Man kann allerdings nur hoffen, dass Projekte des sanften Tourismus in Abstimmung mit dem Naturschutz entwickelt werden. Die Zerstörung der Strände und Landschaften durch Großprojekte hat bereits begonnen. Vielfältige Initiativen im NRO-Bereich versuchen, die Entwicklung von nachhaltigen und kommunitären Tourismusprojekten zu fördern, z.B. Venive (Spanien).

Die üblichen Informationen bietet die Internetseite von INTUR. Offizielle Tourismuswerbung finden Sie auf der Besucherseite und eine Galerie schöner Städtebilder im Nicaraguaportal.

Umweltfragen/Biodiversität

Nicaragua liegt auf dem Isthmus zwischen Nord- und Südamerika und ist darum seit Urzeiten ein Ort der Begegnung vieler Pflanzen- und Tierarten aus dem Norden und dem Süden. Die Biodiversität im Land ist  -selbst im Vergleich zu anderen mittelamerikanischen Ländern- sehr hoch. Die ökologischen und sozialen Veränderungen in Nicaragua bringen aber eine dramatische Verschlechterung der Umweltsituation mit sich. Nur noch 26 % des Landes sind formal als Wald ausgewiesen, und seit 1990 sind jedes Jahr ca. 700 km2 Waldfläche verloren gegangen. Das bedeutet, dass die Abholzung jedes Jahr 1,7% des Waldes zerstört (1990-2000), seit 2000 sogar im Rhythmus von 2,0%/Jahr. Nachdem das Voranschreiten der Siedlungsgrenze von der Pazifikseite her den Wald im zentralen Bergland hat verschwinden lassen, nimmt der Raubbau am Regenwald in der Atlantikregion weiter seinen Lauf. Die "Reserva de la Biosfera Bosawas" an der Atlantikküste ist mit 20.000 km2 das größte Naturschutzgebiet Zentralamerikas. Doch auch hier schreitet die Waldzerstörung und die illegale Ausbeute von Edelhölzern schnell voran. Die Korruption der militärischen und zivilen Behörden wird von den Dörfern der Mayagna-Indianer vergeblich angeprangert. Kürzlich wurde bekannt, dass auch die Firma "ALBA Forestal" (Teil der Albanisa-Gesellschaft, die die Regierung mit den venezolanischen Hilfsgeldern betreibt) in den lukrativen Holzraub verwickelt ist.

Der natürliche Wasserreichtum des Landes verhindert nicht die jahreszeitlich bedingte Knappheit von Wasser für Mensch und Landwirtschaft. Die Verschmutzung der Oberflächengewässer ist kaum aufzuhalten, und jetzt muss sogar Alarm für den Großen Nicaraguasee geschlagen werden. Die Pläne der Regierung für den Bau des Großen Kanals haben Umweltschützer alarmiert. Sie sprechen davon, dass für den Nicaraguasee und die Ökosysteme der Atlantikküste die schlimmsten Folgen zu befürchten sind.

Nicaragua ist ein Agrarland, und die Gesellschaft ist von der Tradition des Landbaus und der Viehwirtschaft geprägt. Aus der unten abgebildeten Karte der FAO geht allerdings hervor, dass beinahe die gesamte Agrarfläche von einer „gravierenden Verschlechterung“ der Bodenqualität betroffen ist. Diese alarmierende Entwicklung geht auf die Intensivierung der Exportproduktion, die Entwaldung und den verbreiteten Raubbau zurück. Es ist zu befürchten, dass sich die Situation in der Folge des Freihandelsabkommens CAFTA verschärfen wird, denn der Exportdruck wird zunehmen, und der kleinbäuerliche, eher umweltfreundliche Anbau von Grundnahrungsmitteln wird durch die ausländische Konkurrenz weiter unter Druck geraten.

Quelle: FAO

Die Politik in Nicaragua bekennt sich zum Ziel der Nachhaltigkeit, und eine Fläche von 21% des Landes ist als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Schon ein kurzer Blick auf die Informationsseite des Landwirtschaftsministeriums zeigt jedoch, wie sehr die Politik auf die Gewinnung von Investitionen ausgerichtet ist. Vielfältige Informationen über Umweltprojekte gibt die Interamerikanischen Enwicklungsbank, der World Wildlife Fund und die UN-Organisation für nachhaltige Entwicklung und ihr Nicaraguabericht.  Von dem Schwung, mit dem 1997 der „Mesoamerikanische Biologische Korridor“ gegründet wurde, scheint heute nicht viel geblieben zu sein. Gerade in dem traumhaft schönen Naturschutzgebiet „Reserva Indio Maíz“ am Río San Juan, einem zentralen Teilstück des Korridors, geht die Umweltzerstörung weiter, und es spielt sich ein dramatisches Ringen um die Formen der Nutzung ab.

Entwicklungszusammenarbeit (EZ)

Nicaragua ist stark von der Entwicklungszusammenarbeit der internationalen Gemeinschaft abhängig. Besonders wichtige Geber sind traditionell die Weltbank, die Interamerikanische Entwicklungsbank und USAIDVon einer Vielzahl internationaler Organsiationen und Institutionen, die in Nicaragua ihre Büros unterhalten, seien hier folgende genannt: Das World Food Programme, das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen UNDP , die International Organization for Migration IOM, die Food and Agriculture Organization FAO und das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen.

Seit Mitte 2008 hat sich die Lage aber schrittweise verändert, und die internationale Zusammenarbeit mit der Regierung hat einige Rückschläge erlitten. Die Gründe dafür liegen darin, dass die Mittelvergabe in der EZ an die Prinzipien der Demokratie und guten Regierungsführung gebunden ist, und da haben sich immer wieder Meinungsverschiedenheiten und Konflikte entwickelt. Es begann Mitte 2008 mit den scharfen Angriffen Ortegas auf die Organisation der Nichtregierungsorganisationen Coordinadora Civil und das unabhängige Studienzentrum CINCO, den Übergriffen gegen die Frauenorganisationen und dem Konflikt um den Ausgang der Kommunalwahlen im November 2008. Eine erneute Eskalation ergab sich durch die Wiederwahl von Daniel Ortega im November 2011. Die FSLN verletzte damit die Verfassung, die Rechte der Opposition und die Unabhängigkeit der Justiz. Inzwischen haben eine Reihe von Geldgebern, darunter Dänemark, Norwegen, Großbritannien, Finnland und Deutschland (s.u.) die Einstellung der bilateralen EZ angekündigt.

Die Regierung Ortega hat sich davon nicht beeindrucken lassen. Sie hat ein insgesamt gutes Verhältnis zu den multilateralen Geldgebern aufrechterhalten und kann Verluste in der EZ einzelner Länder noch mit den hohen Finanzzuflüssen aus Venezuela ausgleichen. Neuerdings hat sie auch die Zusammenarbeit mit der Russischen Föderation forciert. 

Nach Angaben der Zentralbank erhielt Nicaragua 2013 Zuwendungen aus der externen Entwicklungszusammenarbeit in einer Gesamthöhe von 1,29 Mrd. US$ (2012: 1,3 Mrd.). Davon gingen 60% in die Privatwirtschaft und 40% (=505 Mio. US$) in den Staatssektor. Die Zuflüsse aus Venezuela fielen von 766 Mio.US$ (2012) auf 559 Mio.US$. Die Beiträge aus Ländern der Europäischen Union erreichten nur noch eine Gesamtsumme von 49,5 Mio.US$.

Deutsche Entwicklungszusammenarbeit

Neusiedler-Projekt La Palmerita, Medico International (2008)

Bis 2011 war Nicaragua noch Schwerpunkt der der deutschen EZ, und die Bundesregierung legte Wert darauf, der fünftgrößte Geber bilateraler Hilfe in Nicaragua zu sein, unter Einbeziehung aller Zusagen und der multilateralen EZ sogar einer der größten Geber überhaupt. Sie hatte 2007 zunächst die Stabilisierung der Regierung Ortega abgewartet und dann eine Zusage von 14,5 Millionen Euro für die Jahre 2007 und 2008 gegeben. 2008 lag die ODA aus Deutschland bei 7,25 Mio Euro Euro. Bei den Verhandlungen 2012 wurden noch insgesamt 12 Mio. Euro zugesagt, davon 11 Mio. für den Wassersektor (BMZ).

Die Bundesregierung kann zurecht behaupten, dass Deutschland an der Entschuldung 2004 mit einem bedeutenden Beitrag beteiligt war. Es hat Nicaragua Schulden und Rückstände in Höhe von 492 Mio. Euro erlassen. In diesem Betrag steckten u.a. Schuldverpflichtungen, die Nicaragua gegenüber der DDR eingegangen war.

Mit dem umstrittenen Ergebnis der Wahlen im November 2011 ist das positive Engagement der deutschen Bundesregierung grundsätzlich in Frage gestellt. In einer Pressemitteilung gab der ehemalige Bundesminister Niebel am 17.Januar 2012 bekannt, dass die Kooperation in den Schwerpunkten "Stärkung demokratischer Strukturen" und "Umweltpolitik" im Jahr 2013 ausläuft und nur die Zusammenarbeit im Schwerpunkt "Trinkwasser und Abwasser" fortgeführt werden soll. Dahinter verbergen sich der Bau einer Kläranlage für den Managua-See umd mehrere Projekte im Trinkwasser- und Abwasserbereich. Neue Zusagen würden nicht mehr gegeben. Das bedeutete eine Wende in der deutsch-nicaraguanischen EZ, denn die monierten Verstöße gegen die "gute Regierungsführung", allen voran die zweite Amtszeit von Ortega, sind auf Seiten der Regierung von Nicaragua natürlich nicht verhandelbar.

Eine Übersicht über die deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit Nicaragua wird von der Deutschen Botschaft in Managua gegeben. Die Schwerpunkte der EZ sind eingepasst in das Regionalkonzept des BMZ für Lateinamerika.

Die GIZ (Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) ist die wichtigste Institution der deutschen EZ und TZ in Nicaragua und führt zahlreiche Programme und Projekte durch. Folgende Organisationen sind in Nicaragua tätig und informieren über ihr Engagement: KfW, daad und CIM. Folgende politische Stiftungen aus Deutschland arbeiten in Nicaragua: 

Friedrich-Ebert-Stiftung

Friedrich-Naumann-Stiftung

Konrad-Adenauer-Stiftung  (Büro in Guatemala)

Heinrich-Böll-Stiftung (Büro in Mexiko und San Salvador)  

Rosa Luxemburg-Stiftung (Büro in Mexiko)

Bilaterale EZ anderer Länder

Österreich legt den Schwerpunkt seiner EZ mit Zentralamerika auf das Land Nicaragua.

Die schweizerische Entwicklungsagentur ist die Agencia Suiza para el Desarrollo y la Cooperación COSUDE.

Weitere Länder engagieren sich in Nicaragua:

USA (Botschaft in Managua) und USAID in Managua.

Kanada

Spanien

Schweden

Japan 

Internationale Solidaritätsbewegung

Der deutsch-nicaraguanische Bücherbus, der mit Spenden aus Deutschland finanziert wird. Foto: Nicaraguaportal

Die sandinistische Revolution hatte schon weltweit Freunde und Freundinnen gewonnen, bevor sie 1979 siegreich war. Sie löste eine Welle der politischen Solidarität, des Engagements und der Hilfsbereitschaft aus, die ihresgleichen sucht. Man schätzt, dass es in den 80er Jahren in beiden Teilen Deutschlands - im Westen natürlich ganz anders als im Osten – zwei- bis dreihundert Komitees, Aktionsgruppen, Studiengemeinschaften usw. gab. Das politische Spektrum reichte von der marxistischen Linken und Gewerkschaftsgruppen über die Sozialdemokratie bis in kirchliche Kreise.

Hausbemalung Berlin-Lichtenberg. Foto: Nicaraguaportal.

Viele politische Hoffnungen erfüllten sich nicht, aber die Solidaritätsbewegung schuf neue Verbindungen zwischen den Völkern, die bis heute nachwirken. Man hat heute den Begriff „informelle internationale Beziehungen“ für dieses Phänomen, das auch stark auf das entwicklungspolitische Engagement Deutschlands zurückgewirkt hat.

Mit der Wahlniederlage der FSLN 1990 erlebte die Solidarität eine bittere Enttäuschung. Die Bewegung verlor ihren Schwung und wurde schlagartig auf einen Bruchteil der großen Anhängerschaft reduziert, aber sie verschwand keineswegs. Einige Gruppen und Organisationen haben sich stabilisiert und professionalisiert und sind selbst zu NGOs geworden. Die Erfahrung und die Expertise, die sich dort im Laufe der Zeit angesammelt hat, sind nicht zu unterschätzen, was sich z.B. in der politischen Begleitung der Entschuldungsinitiative und des Schuldenerlasses durch die Bundesregierung nach 2000 gezeigt hat.

Von Anfang an hatte das Informationsbüro Nicaragua eine wichtige Koordinationsfunktion. Hier seien nur einige Organisationen und Initiativen genannt, die u.a. die Breite des politischen und regionalen Spektrums zeigen: Nicaragua-Verein Hamburg, Hessenkoordination der Nicaraguagruppen, Ökumenisches Büro für Frieden und Gerechtigkeit, Christliche Initiative Romero CIR, medico international, Nicaragua-Forum Heidelberg und viele andere. Die Solidaritätsarbeit der DDR findet heute im INKOTA-Netzwerk ihre Fortführung in neuer Form. Eine originelle Initiative ist die Kulturarbeit des Vereins Pan y Arte. Eine bleibende Bedeutung haben auch die zahlreichen Städtepartnerschaften behalten, z.B. Hamburg-León, Frankfurt-Granadaoder Berlin/Kreuzberg-San Rafael del Sur. Weitere Initiativen sind in einer Zusammenstellung des Nicaraguaportals aufgeführt.

Auch im Ausland gibt es natürlich Organisationen der Nicaragua-Solidarität, z.B.: 
Latin America Solidarity Coalition (USA) 

Nicaragua Network (USA)     

Nicaragua Solidarity Campaign (UK)

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im März 2015 aktualisiert.

Autor

Volker Wünderich, Privatdozent am Historischen Seminar der Leibniz-Universität Hannover, ist seit langem mit Nicaragua und Zentralamerika eng verbunden.

Publikationen: Sandino, Eine politische Biographie (Peter Hammer Verlag 1995; Spanisch Managua 2.Aufl.2010); Mosquitia, die andere Hälfte Nicaraguas (Junius Verlag 1987); Mitherausgeber von Zentralamerika heute (Vervuert Verlag 2008).

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