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Keramikproduktion in Bhaktapur  © Lisa Melnikova

Wirtschaft und Entwicklung

Alle wichtigen Strukturdaten zu Wirtschaft und Entwicklung
BeschreibungInhalt
geschätztes BIP:18,6 Mrd. US-$
Pro Kopf Einkommen (Kaufkraftparität):644 US-$
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI):Rang 157 (von 187)
Anteil Armut (unter 2 $ pro Tag):57,3 %
Einkommensverteilung (Gini-Koeffizient):47,2
Anteil alphabetisierte Erwachsene:60,3 %

Inhalte dieser Seite

Das LIPortal

Nepal

Wirtschaftslage

Mit einem Pro-Kopf-Einkommen von 644 US-Dollar ist Nepal eines der ärmsten Länder der Welt. Die instabile politische Situation, der Mangel an ausgebildeten Arbeitskräften und die schwache Infrastruktur behinderten die wirtschaftliche Entwicklung Nepals. Die anhaltend hohe Inflation vermindert die Kaufkraft der Bevölkerung. Im Index of Economic Freedom 2013 nimmt Nepal den 141. Platz unter 177 Ländern ein.

Mit dem 2006 eingeleiteteten Friedensprozess haben sich die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft Nepals zwar insgesamt verbessert, das Investitionsklima leidet aber unter gesetzlicher Überregulierung. Der defizitäre Staatshaushalt und der steigende Schuldendiest geben weiter Anlass zu Sorge. Das gesamtwirtschaftliche Wachstum bewegte sich in den letzten Jahren zwischen 2 % und 4 % und war damit zu niedrig, um die Armut substanziell zu reduzieren. Wirtschaftliche Reformagenda und Armutsbekämpfung sind große Herausforderungen der jungen Republik.

Die instabile politische Lage hemmt wichtige Investitionen der öffentlichen Hand und wirkt sich negativ auf das Geschäftsklima aus. Im Finanzjahr 2009/10 traf auch die Weltwirtschaftskrise das Land. Darüber hinaus litt die Landwirtschaft unter schlechten Wetterbedingungen.

Die Parteien und politische Gruppierungen unterschiedlichster Ausrichtung rufen immer wieder zu Streiks auf. Diese beginnen sich negativ auf alle Sektoren der Wirtschaft auszuwirken – von der Großindustrie bis hin zu kleinen und mittelständischen Unternehmen. Die weitere Entwicklung wird neben der globalen Konjunktur vor allem davon abhängen, wie schnell eine dauerhafte politische Führung aufgestellt werden kann.

Wirtschaftssektoren

Trisuli-Staudamm
Straßenmarkt in Bhaktapur
Bauer auf dem Weg
Schmied bei der Arbeit
Tischlerwerkstatt
Weberin © Lisa Melnikova

Landwirtschaft

Nepal ist ein weitgehend von der Subsistenzwirtschaft geprägter Agrarstaat. Die Landwirtschaft beschäftigt 68 % der Erwerbstätigen und trägt mit 38 % zum Bruttoinlandsprodukt bei.

Eine rasch wachsende Bevölkerung bei gleichzeitig abnehmender Bodenertragsfähigkeit führt zu Nahrungsmitteldefiziten. Während Nepal in den 80er Jahren noch Nahrungsmittel exportierte, kann es gegenwärtig die Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung nur noch über ständig steigende Importe sichern. Eine Ausweitung der landwirtschaftlichen Nutzflächen ist aufgrund der topographischen Gegebenheit des Landes nur schwer möglich.

Von den drei sehr unterschiedlichen Agrarzonen ist die Terai-Region mit etwa zwei Drittel aller landwirtschaftlich genutzten Flächen Nepals am bedeutendsten. Hier werden Reis, Mais, Weizen, Hirse, Soja, Gerste, Jute und Hülsenfrüchte angebaut. Weitaus ungünstiger stellt sich die Lage in den Hügelregionen dar, in denen nur ein Drittel der landwirtschaftlich genutzten Flächen verfügbar ist, aber fast die Hälfte der Nepalesen lebt. Wichtigste Anbauprodukte sind Nahrungsmittelgetreide, für den Ackerbau nicht geeignete Flächen dienen der Viehwirtschaft. Die Landwirtschaft in den Gebirgsregionen basiert hauptsächlich auf Viehzucht (Schafe, Ziegen, Yak) sowie Ackerbau (Anbau von Kartoffeln, Buchweizen, Gerste).

Die Agrarproduktion bringt oft nicht genug ein, um die Lebenshaltungskosten bäuerlicher Familien zu decken. Vor allem die Reisernten sind Schwankungen ausgesetzt. Die Tierbestände steigen zwar stetig, aber die damit einhergehende Überweidung schadet den sehr begrenzten Bodenflächen. Die hohen Nahrungsmittelpreise, Missernten und Naturkatastrophen verschärfen die schon extrem angespannte Lage vieler Familien noch zusätzlich.

Industrie

Der eingeschränkte Binnenmarkt, die geringe Kaufkraft der Bevölkerung, die starke indische Konkurrenz, das Fehlen der notwendigen Infrastruktur, die unzureichende Elektrizitätsversorgung, sowie der fehlende Zugang zum Meer behindern die Entwicklung des industriellen Sektor Nepals.

Die wenig entwickelte Industrie des Landes ist im Terai konzentriert. Die meisten Betriebe sind der Klein- und Hausindustrie zuzurechnen. Sie dienen der Verarbeitung von Erzeugnisse der Land- und Forstwirtschaft, die 80 % der Rohstoffe der verarbeitenden Industrie liefert. Die wichtigsten Industriezweige sind die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie, die Textil- und die Teppichindustrie, die Lederverarbeitungs- und die Kunststoffindustrie.

Die Bodenschätze werden in den unzugänglichen Regionen des Himalaja vermutet. Glimmer, Kalkstein, Braun- und Steinkohle werden bereits abgebaut.

Energiesektor

Nepal verfügt weder über Erdöl-, Erdgas- und Kohlelagerstätten, noch über nennenswerte Vorkommen anderer wichtiger Rohstoffe. Auf den Energiesektor richten sich aber wegen des auf bis zu 83.000 MW geschätzten Wasserkraft-Potentials große Hoffnungen. Von diesem geschätzt hohen Potential werden heute erst 0,5 % zur Stromerzeugung genutzt. Das größte Wasserkraftwerk des Landes, Kali Gandaki A (144 MW), begann 2002 mit der Stromproduktion. Die Gesamtkapazität der Kraftwerke in Nepal liegt derzeit bei rund 600 MW; der Bedarf steigt jährlich um etwa 50 MW.

Nur 16 % der Bevölkerung sind mit Strom versorgt. Holz deckt als Energiequelle immer noch 74 % des Energiebedarfs ab.

Außenhandel

Seit 2004 ist Nepal Mitglied der Welthandelsorganisation (WTO). Wichtigste Handelspartner Nepals für den Import sind Indien, die Arabischen Emirate und die Volksrepublik China (eingeführt werden vor allem Erdölprodukte, elektrische Geräte, Maschinen- und Maschinenteile, Fahrzeuge und Fahrzeugteile, chemische Erzeugnisse und Nahrungsmittel) sowie Indien und die USA für den Export. Wichtige Ausfuhrgüter sind vor allem Teppiche sowie Bekleidung, Juteprodukte, Woll- und Lederwaren.

Tourismus

Der Tourismus im Kathmandu-Tal, im tropischen Regenwald des Terai und im Himalaja ist eine wichtige Deviseneinnahmequelle. Seit dem Friedensabkommen im Herbst 2006 hat sich der Tourismus erstaunlich schnell erholt: Trotz angespannter politischer Lage wurde 2007 mit erstmalig mehr als 500.000 internationalen Touristenankünften ein Rekordjahr. 

Der Dienstleistungssektor profitiert stark vom zunehmenden Fremdenverkehr. Die Anzahl der Reisenden, die 2011 mit dem Flugzeug Nepal besuchten, stieg im Vergleich zum Vorjahr um ca. 10%. Inwieweit sich diese Entwicklung vor dem Hintergrund der politischen Lage fortsetzen wird, bleibt jedoch abzuwarten. Die nepalesische Regierung hat sich zum Ziel gesetzt im „Nepal Tourism Year 2011“ eine Million Touristen nach Nepal zu holen und bis 2020 die Zahl der Touristen auf zwei Millionen zu erhöhen.

Finanztransfers der Arbeitsmigranten

Mehrere Millionen Nepali arbeiten heute in Indien, in den Golfstaaten und in Südostasien. Ihre Überweisungen bilden neben dem Tourismus die wichtigsten Devisenquellen des Landes. Die weltweite Wirtschaftskrise wirkte dadurch auf die Dörfer Nepals zurück, da Arbeitsmigranten zurückkehren mussten.

Noch Anfang der neunziger Jahre hatten jährlich nur einige wenige tausend Arbeitsmigranten Nepal verlassen. Nach Beginn des Bürgerkrieges 1996 stieg die Zahl auf über hunderttausend an. Mit dem Ende des Konflikts 2006 ging der Strom der Arbeitsuchenden jedoch nicht zurück. Die politische Instabilität und die schwere wirtschaftliche Krise treiben weiterhin Massen von jungen Nepalesen ins Ausland.

Laut dem Department of Foreign Employment verließen im Finanzjahr 2011/12 385 000 Arbeitskräfte das Land. Für 2013 rechnen Experten mit deutlich über 400 000 Arbeitsmigranten. Nicht eingerechnet sind in diesen offiziellen Zahlen all jene Nepalesen, die in Indien arbeiten. Wegen der offenen Grenzen ist die Migration ins Nachbarland nicht dokumentiert. Schätzungen gehen davon aus, dass heute 4 bis 5 Millionen Nepalesen im Ausland arbeiten. Rund die Hälfte von ihnen dürfte sich in Indien aufhalten, der Rest vor allem in Malaysia, Katar, Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Kuwait.

Entwicklung

Ausbau der Verbindungsstrasse nach Tibet
Erneuerung der Brücken ist für die touristische Erschließung der entlegenen Dörfer wichtig © Lisa Melnikova

Schon seit 1952 bekommt Nepal kontinuierlich staatliche und private Hilfe in Form von Krediten, Zuschüssen und technischer Hilfe aus dem Ausland. Die instabile politische Lage der letzten Jahre, die häufig wechselnden Regierungskoalitionen, die ineffiziente Verwaltung sowie die verbreitete Korruption haben zu dem Mangel an Kontinuität und Koordination bei der Durchführung von Entwicklungsprogrammen beigetragen: Trotz, im Vergleich zu anderen südasiatischen Staaten, hoher Pro-Kopf-Entwicklungshilfe bleibt Nepal eines der ärmsten Länder der Welt.

Nationale Entwicklungsanstrengungen

Die nepalesische Regierung legte dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank im Jahr 2003 ihre Armutsbekämpfungsstrategie (PRSP) vor. Danach wurden mehrere Fortschrittsberichte (PRSP Progress Reports) veröffentlicht. In die Armutsbekämpfungsstrategie wurden die Millenniumsziele für Nepal integriert. Es wird prognostiziert, dass Nepal vier der acht MDGs erreichen kann - und zwar jene Ziele, die sich auf die Reduktion von Armut und Hunger, auf Geschlechtergerechtigkeit, die Eindämmung der Kindersterblichkeit und die Bekämpfung gefährlicher Krankheiten (Tuberkulose) beziehen.

Die Anzahl der nepalesischen NGOs ist groß. Ihre Gesamtzahl wird auf ca. 70.000 geschätzt. Der Dachverband der NGOs (NGO Federation of Nepal) hat etwa 4500 Mitglieder.

Internationale Entwicklungszusammenarbeit

Naturschutzplakat im Nationalpark Langtang
Naturschutzplakat im Nationalpark Langtang © Lisa Melnikova
Mit Hilfe von EcoHimal restaurierte "Garten der sechs Jahreszeiten" in Kathmandu
Mit Hilfe von EcoHimal restaurierter "Garten der sechs Jahreszeiten" in Kathmandu

Zuwendungen aus der Entwicklungszusammenarbeit trugen in vergangenen Jahrzehnten einen substantiellen Teil zum nepalesischen Staatsbudget bei. Auch heute ist Nepal weitgehend von ausländischer Hilfe abhängig.

Wichtige Akteure der internationalen EZ in Nepal sind Vereinte Nationen, Asian Development Bank (ADB), Internationaler Währungsfond, Europäische Union und die Weltbank. Auch zahlreiche internationale Nichtregierungsorganisationen sind in Nepal tätig.

Die wichtigsten bilateralen Geber Nepals sind Japan, Großbritannien, USA und Deutschland.

Deutsche Entwicklungszusammenarbeit

Bhaktapur
Bhaktapur Development Project trägt noch heute zur nachhaltigen Stadtetwicklung bei © Lisa Melnikova

Die Schwerpunkte der Zusammenarbeit liegen vor allem in den Bereichen: Gesundheitswesen, kommunale Selbstverwaltung und Zivilgesellschaft, sowie erneuerbare Energien (Solar-, Wasserkraft und Biogas) und Energieeffizienz. Zudem unterstützt Deutschland durch Beratungsleistungen und eine Beteiligung am United Nations Nepal Peace Trust Fund den Friedensprozess im Land.

Neben Durchführungsorganisationen der staatlichen Entwicklungszusammenarbeit - Entwicklungsbank der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH - die, seit Januar 2011, die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit, den Deutschen Entwicklungsdienst und die Internationale Weiterbildung und Entwicklung gGmbH vereint, Centrum für internationale Migration und Entwicklung (CIM) und die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) - sind auch zahlreiche Nichtregierungsorganisationen vor Ort aktiv.

Die Friedrich-Ebert-Stiftung ist mit einem eigenen Büro in Kathmandu vertreten. Andere politische Stiftungen (Rosa-Luxemburg-Stiftung, Konrad-Adenauer-Stiftung, Hanns-Seidel-Stiftung) arbeiten mit Partnern aus Nepal im Rahmen ihrer regionalen Programme für Südasien zusammen.

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im September 2014 aktualisiert.

Über die Autorin

Lisa Melnikova

M.A., geb. 1982

ist Ethnologin und seit 2006 als Regionaltutorin für die Regionen Asien und Osteuropa bei der Akademie für Internationale Zusammenarbeit (AIZ) der GIZ GmbH tätig.

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Literaturhinweise

Weiterführende Literatur zu den Themen

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