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Kleinhandel in Thyolo (Heiko Meinhardt)

Wirtschaft und Entwicklung

Alle wichtigen Strukturdaten zu Wirtschaft und Entwicklung
BeschreibungInhalt
geschätztes BIP:5,7 Mrd. US-$
Pro Kopf Einkommen (Kaufkraftparität):371 US-$
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI):Rang 170 (von 186)
Anteil Armut (unter 1,25$ pro Tag):73,9 %
Anteil alphabetisierte Erwachsene:75,0 %

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Das LIPortal

Malawi

Wirtschaft

Malawi ist ein ausgeprägtes Agrarland. Es werden bisher, außer Uran, kaum mineralische Rohstoffe gefördert, obwohl in jüngster Zeit signifikante Vorkommen entdeckt wurden. Unter anderem werden im Malawisee Erdölvorkommen erschlossen. Die verarbeitende Industrie in den vier Städten (Blantyre, Lilongwe, Zomba und Mzuzu) ist klein und international unbedeutend. Das BIP beträgt nur 5,7 Mrd. US-Dollar (2011), was einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen von lediglich 371 US-Dollar entspricht. Damit ist Malawi eines der ärmsten Länder der Welt. Nach dem aktuellem Human Development Report nimmt es Rang 170 ein. 84% der Bevölkerung (2011) lebt auf dem Lande. Ein beträchtlicher Teil der ländlichen Bevölkerung (über 90%) lebt von der Landwirtschaft; im Wesentlichen als Klein- und Subsistenzbauern. Diese sind arm und leben in potentiell prekären Lebensverhältnissen. Trotz des starken Bevölkerungsdrucks und der damit verbundenen Landknappheit können genügend Nahrungsmittel produziert werden, um den Bedarf aus eigener Kraft zu decken. Diese Balance ist jedoch sehr instabil. Schon kleinere klimatische Probleme (Trockenheit oder Überschwemmungen) können zu einer Verknappung der Nahrungsmittel führen und eine Krise auslösen, wie zuletzt im Jahr 2002 und wieder in 2005/2006. Über die aktuelle Situation berichtet das World Food Programme. Auf Grund guter Ernten seit 2006 hat sich die Lage deutlich entspannt.

Im April 2007 wurde auf Grund günstiger klimatischer Bedingungen sogar eine Rekordernte beim Hauptnahrungsmittel Mais eingefahren. Insgesamt wurden ca. 1 Million Tonnen Überschuss erwirtschaftet, von dem ein Teil in den Export, unter anderem nach Zimbabwe, ging.

Der Anteil der Landwirtschaft am BIP ist mit 35,5% (2011) traditionell hoch, während der Industriesektor mit 19,9% relativ unbedeutend bleibt. Die verbleibenden 44,6% entfallen auf den Dienstleistungssektor.

Blick auf Zomba (Heiko Meinhardt)
Blick auf Zomba (Heiko Meinhardt)

Das Realwachstum ist stark dominiert von der landwirtschaftlichen Produktion. Nach Wachstumsraten von über 6% in den Jahren 2003 und 2004 wurde im Jahr 2005 nur eine Steigerung von 4,9% erreicht. In Folge der besseren Ernte wuchs die Wirtschaft im Jahr 2006 lediglich um 2,3%. Der Wert für 2007 lag auf Grund der Allzeitrekordernte bei beachtlichen 7,9%. Im Jahr 2008 wurde sogar ein Rekordwachstum von 9,7% erzielt, der sich 2009 im Rahmen der internationalen Finanzkrise auf 7,5% verringerte. Im Jahr 2010 wurde ein Wachstum von 7,1%, im Jahre 2012 von nur noch 4,5% erzielt. Für 2013 betrug der Zuwachs 4,2%, der vor allem auf eine größere Tabakproduktion zurückzuführen ist.

Die Wirtschaft wird durch die unzuverlässige Stromversorgung und die seit Ende 2010 anhaltende Krise bei der Treibstoffversorgung belastet. Besonders letztere ist auf Devisenknappheit zurückzuführen in Folge von sinkenden Erlösen aus Tabakverkäufen und einer Überbewertung der Landeswährung.

Die US-amerikanische Heritage Foundation bewertet in ihrem aktuellen Ranking Malawi mit einem Indexwert von 55,4 (2013: 55,3). Das Land rangiert auf Platz 124 von 178 und fällt in die Rubrik "mostly unfree". Unter den 46 Staaten von Sub-Sahara-Afrika nimmt Malawi Rang 22 ein. Probleme gibt es - trotz teilweise leichter Verbesserungen - auf den Feldern Staatsausgaben, Steuerpolitik, Korruption, Inflation und Rechtsstaatlichkeit Positiv entwickelte sich die Handelsfreiheit.

Zur aktuellen Wirtschaftslage bietet African Economic Outlook einen ausführlichen Überblick. Die Reserve Bank of Malawi bietet Monats- und Quartalsberichte zum Herunterladen, die qualitativ hochwertig und relativ detailliert sind. Über die Finanzlage der Volkswirtschaft wird in einem detaillierten Report berichtet.

Unter staatlicher Kontrolle: Die Reserve Bank of Malawi in Lilongwe (Heiko Meinhardt)
Unter staatlicher Kontrolle: Die Reserve Bank of Malawi in Lilongwe (Heiko Meinhardt)

Wirtschaftspolitik

Die Wirtschaftspolitik Malawis ist im Wesentlichen bestimmt durch die Reformvorgaben der Geber. Die Regierung hat bisher - teilweise mit Verzögerungen - den meisten Reformvorgaben der Geber verbal entsprochen, wobei es bei der Umsetzung an fehlenden Kapazitäten und von 2004 bis Mai 2009 an der politischen Handlungsfähigkeit mangelte. Der Completion Point in der HICP-Initiative wurde im November 2006 erreicht, was in Anbetracht des ungünstigen Umfeldes als Erfolg zu werten ist. Die Geld-, Fiskal- und Währungspolitik ist vom Anspruch her stabilitätsorientiert. Die Inflationsrate liegt jedoch auf Grund der Freigabe des deutlich überbewerteten Wechselkurses des Kwacha im Mai 2012 im Jahresdurchschnitt 2012 bei 21,4% und schnellte im Februar 2013 auf 37,9% empor. Der Kwacha hat seit 2002 massiv gegenüber dem US-Dollar abgewertet. Der Wechselkurs der Währung wurde bisher vor allem durch verringerte Erträge beim Hauptexportprodukt Tabak (und die geringeren Entwicklungshilfezahlungen) belastet. Die seit ca. 3 Jahren überfällige Abwertung des Kwacha wurde von der Mutharika-Regierung verhindert, um die Inflation nicht anzuheizen und importierte Güter damit nicht massiv zu verteuern. In Folge der dadurch entstandenen Devisenknappheit wurden auf dem Parallelmarkt deutlich höhere Umtauschkurse für Starkwährungen bezahlt. Am 7. Mai 2012 wurde der Kwacha-Kurs von der Banda-Regierung in Kooperation mit dem IWF freigegeben und wertete sofort um 47% gegenüber dem US-Dollar ab, was dem Parallelmarkt die Grundlage entzog. Unmittelbar darauf wurden die staatlich festgesetzten Treibstoffpreise nach oben angepasst. Die Folge sind steigende Transportkosten. Allerdings blieb es nicht bei dieser einen Abwertung. Der Kwacha büßte seitdem beinahe täglich an Wert ein, was sich auf die Preise für Importgüter oder mit importierten Inputs hergestellte Produkte treibend auswirkt. Die Devisenlage bleibt angespannt. Die Verfügbarkeit von Benzin und Diesel hat sich zwar deutlich verbessert, aber nur wenige können sich diese noch leisten. Im Mai 2013 erfolgte erstmals eine Senkung der Treibstoffpreise in Folge einer signifikanten Erholung des Kwacha gegenüber dem US-Dollar. Diese Erholung war auf die verbesserte Devisenlage durch den Verkauf einer gut ausgefallenen Tabakernte zurückzuführen. Allerdings war dieser Trend nicht nachhaltig und daher nicht von Dauer.  Zudem wurden 2013 auf Grund höherer Tabakpreise mehr Devisen erwirtschaftet als 2012. Die inländischen Steuereinnahmen konnten in den letzten Jahren real nicht signifikant gesteigert werden. Anderslautende Berichte entpuppten sich als Trickserei der Vorgängerregierung.

Malawi hat, als Reaktion auf die schlechte Nahrungsmittelversorgung bis 2005, entgegen den allgemeinen Trends zur Wirtschaftsliberalisierung und vor allem gegen den heftigen Widerstand der internationalen Geber beschlossen, staatliche Subventionen für Saatgut und Dünger einzuführen. Dadurch konnte das Land seit 2005 die Getreideernte von 1,7 auf 3,4 Millionen Kubiktonnen verdoppeln und dem benachbarten Simbabwe Hungernothilfe leisten. Dieses wurde im Nachhinein auch von Geberseite anerkannt. Trotz dieser Produktionsüberschüsse gelang es der Regierung nicht, die Distribution im Land so zu organisieren, dass alle Bedürftigen aus eigener Kraft versorgt werden konnten.

Landhandel (Heiko Meinhardt)
Landhandel (Heiko Meinhardt)

Produkte und Produktionsweisen

Malawi verfügt fast ausschließlich über landwirtschaftliche Produkte. Die wichtigsten Anbauprodukte sind Mais, Tabak, Tee und Zucker. Die Tabakplantagen sind fast ausschließlich in einheimischem Privatbesitz, während im Teesektor die Briten noch verankert sind. Die wichtigsten Teeplantagen befinden sich in den Distrikten Thyolo und Mulanje im Südosten des Landes. Die beiden Zuckerplantagen in Nkhotakota (Zentralmalawi) und Chikwawa (Süden) gehören dem südafrikanischen Unternehmen Illovo. Außerdem werden u.a. noch Kaffee, Erdnüsse und Macadamia angebaut.

Im Norden (Karonga-District) wird seit einiger Zeit vom australischen Konzern Paladin Energy eine Uran-Mine (Kayelekera) betrieben. Die im April 2009 angelaufene Produktion wird in den nächsten 12 Jahren jährlich ca. 120 Millionen US-Dollar an Exporterlösen einbringen. Nach eigenen Angaben werden aktuell 10% des BIP Malawis mit Uran erwirtschaftet. Die aktuell ungünstige Entwicklung der Uran-Weltmarktpreise hat eine (vorübergehende) Produktionssenkung nach sich gezogen. Das Projekt wird allerdings auch kritisch gesehen. Es gibt auch kleinere Vorkommen an anderen mineralischen Rohstoffen.

Die Technik ist nicht immer auf dem neuesten Stand: Kirchendruckerei in Nkhoma (Heiko Meinhardt)
Die Technik ist nicht immer auf dem neuesten Stand: Kirchendruckerei in Nkhoma (Heiko Meinhardt)

Das verarbeitende Gewerbe ist sehr klein. Es gibt bisher keine industrielle Tabakverarbeitung zur Herstellung von Exportzigaretten und auch noch keine Düngemittelfabrik. Einen Überblick über die Landwirtschaft, Viehwirtschaft, den Fischereisektor und Wasserresourcen bieten die FAO.

Insgesamt kommen im Subsistenz- und Kleinbauernsektor kaum Ochsengespanne, Pferde oder Traktoren zum Einsatz. Es wird fast ausschließlich menschliche Arbeitskraft eingesetzt. Das gilt auch für die Plantagenwirtschaft (Tabak, Tee, Zucker).

Die Malawi Confederation of Chambers of Commerce and Industry informiert über Investitionsmöglichkeiten, Handelsmessen und hält eine Liste mit Kontaktadressen der malawischen Unternehmer bereit. Zudem ist die SAFRI (Südliches Afrika Initiative der Deutschen Wirtschaft) auch für Malawi zuständig, wenngleich das bisherige Engagement dort noch wenig ausgeprägt ist. Ein Business Directory, inklusive Links zu den staatlichen Institutionen (Fachministerien etc.), hält umfangreiche Informationen bereit.

Teeplantagen am Mount Mulanje (Heiko Meinhardt)
Teeplantagen am Mount Mulanje (Heiko Meinhardt)

Außenhandel

Malawi weist traditionell eine negative Handelsbilanz auf. Das Defizit betrug 2011 557 Millionen US-Dollar. Die Exporterlöse sind von 2007 bis 2011 um 53% gestiegen. Es besteht eine besorgniserregend hohe Abhängigkeit vom Hauptexportgut Tabak, das über die Hälfte der Exporterlöse erwirtschaftet. Die Anteile von Tee, Kaffee, Gewürze (10%) und Zucker (3,4%) bleiben dahinter deutlich zurück. Von Zeit zu Zeit können sogar Maisüberschüsse in Nachbarstaaten exportiert werden. Seit 2010 hat Uran nach Tabak den zweiten Platz unter den Hauptexportgütern eingenommen. Es trägt zu ca. 10% des BIP bei.

Die nur gering differenzierte Wirtschaft ist auch vom Volumen her übersichtlich: Der Gesamtwert der Exporte betrug 2010 nur 964 Millionen US-Dollar. Hauptexportländer sind Indien, Deutschland, Südafrika und Zimbabwe. Die wichtigsten Importländer sind Südafrika, Zambia, Indien, VR China und Tansania. Damit geht ein Großteil der Exporte nach außerhalb der SADC, wobei die Importe überwiegend von Mitgliedsstaaten der SADC gedeckt werden.

Marktfrauen in Ntcheu (Heiko Meinhardt)
Marktfrauen in Ntcheu (Heiko Meinhardt)

Entwicklung

Armutsbekämpfung und Millenniumsziele

Malawis bisherige Bilanz im Hinblick auf die Millennium Development Goals (MDGs) ist durchwachsen. Es gibt zudem widersprüchliche Statistiken und Prognosen. Voraussichtlich erreicht werden die Ziele beim Zugang zu sauberem Trinkwasser und der Gender Equality beim Zugang zu Primär- und Sekundärbildung. Offiziell besuchen geringfügig mehr Mädchen die Grundschule als Jungen. Im Sekundarbereich liegt ihr Anteil bei 43%. In beiden Bereichen sind gegenüber dem Basisjahr 1990 wesentliche Fortschritte zu verzeichnen. Der Anteil der Erwachsenen, die ihre Primarschulausbildung beendet haben, verharrt auf niedrigem Niveau. Die Durchfallraten in den Abschlussexamina sind, vor allem auf Grund der ungünstigen Lehrer-Schüler-Ratio (1:76) und der defizitären Lehrqualität, hoch. Bei der Alphabetisierung gibt es noch immer ein signifikantes Ungleichgewicht: Während 81,0% der Männer über 15 Jahren lesen und schreiben können, gilt das nur für 68,0% der Frauen (2010). Eine Verbesserung der Bildungssituation wird von der Regierung ernsthaft betrieben. Die Bildungsausgaben sind mit 5,7% des BIP (2012) und einem Anteil von 14,7% am Staatshaushalt (2011) erheblich. Einen ausführlichen Bericht legt die malawische Regierung vor.

Das Landleben ist nicht immer so fröhlich (Heiko Meinhardt)
Das Landleben ist nicht immer so fröhlich (Heiko Meinhardt)

Problematischer gestaltet sich die Situation im Gesundheitssektor. Eine signifikante Reduzierung der Kindersterblichkeit ist bisher nicht gelungen. Die Sterblichkeit von Frauen im Kindsbett liegt nach UNDP-Angaben noch immer bei alarmierenden 460 pro 100.000 Lebendgeburten (2010), wobei hier wesentliche Fortschritte zu verzeichnen sind. Die Rate der HIV/AIDS-Infektionen ist mit 10,0% (der 15-49 Jährigen; 2010) seit 1995 auf hohem Niveau leicht rückläufig. Die öffentlichen Gesundheitsausgaben liegen bei 6,6% des BIP (2010). Der Strategische Plan der Regierung für den Gesundheitssektor gibt detaillierte Informationen. Der aktuelle HDI-Wert von 0,418 (2012) hat sich gegenüber 1995 leicht verbessert. Das Land rangiert auf Platz 170 im unteren Bereich der Bewertungsskala und gehört damit zu den weltweit ärmsten Staaten. Besorgniserregend ist nach wie vor die weit verbreitete Armut. 73,9% der Malawier leben unterhalb der 1,25 US-Dollar Armutsgrenze (2012), während 90,4% weniger als 2 US-Dollar pro Tag zum Leben zur Verfügung haben. Die Wahrscheinlichkeit, bei Geburt nicht das Alter von 40 Jahren zu erreichen, liegt bei 32,6% (2005-10). Die Nahrungsmittelsicherheit ist – ungeachtet der 2007 eingefahrenen Rekordernte beim Mais und den guten oder zumindest auskömmlichen Ernten 2008 bis 2013 – prekär, da die Produktion in hohem Maße von den volatilen klimatischen Bedingungen abhängig ist. Die staatlich subventionierte Zuteilung von Dünger an bedürftige Haushalte kann (häufig auftretende) klimatische Verwerfungen (Dürre, Überschwemmungen) nicht korrigieren und weist zudem Implementierungsprobleme auf. Die Armutsbekämpfungsstrategie ist im Wesentlichen auf die Erhöhung der Nahrungsmittelproduktion angelegt.

Das Southern African Regional Poverty Network liefert eine Reihe von interessanten Online-Publikationen zu Armut in Malawi. Die Armutsbekämpfungsstrategie wird auch vom International Monetary Fund dokumentiert.

Von den öffentlichen Auslandsschulden in Höhe von 3,2 Milliarden US-Dollar (2005) wurden Anfang September 2006 von den Gebern in Folge des G8-Beschlusses 90% erlassen. Die Auslandsschulden liegen bei ca. 1,2 Milliarden US-Dollar (2011). Die freiwerdenden Mittel durch Einsparungen beim Schuldendienst sind für Entwicklungsaufgaben (z.B. Bildung, Gesundheit, Armutsbekämpfung) zu verwenden. Obwohl dieser Erlass ein großer Erfolg ist, wird Malawi auch zukünftig von Kreditaufnahmen im Ausland hochgradig abhängig bleiben.

Landleben in Mangochi (Heiko Meinhardt)
Landleben in Mangochi (Heiko Meinhardt)

Große Abhängigkeit von ausländischer Hilfe

Malawi ist bis heute hochgradig von ausländischer Hilfe abhängig. Der Anteil der Entwicklungshilfe am BIP schwankt zwischen 15% und 30%. Etwa 40% des laufenden Haushaltes ist geberfinanziert. Die Einnahmen aus öffentlicher Entwicklungshilfe liegen bei 1.175 Millionen US-Dollar (2012), was 28,4% vom BIP entspricht. Einen guten Überblick bietet der Malawi Aid Atlas. Die wichtigsten bilateralen Geber sind die USA, gefolgt von Großbritannien, Norwegen. Japan, und Deutschland. Engagiert sind auch Irland und Kanada, sowie die VR China und Indien. Kanada wird sein bilaterales Engagement im März 2014 auslaufen lassen, bleibt aber über multilaterale Institutionen involviert.

Die Zukunft der britischen bilateralen Zusammenarbeit mit Malawi wurde nach der Ausweisung des britischen Botschafters 2011 einer "generellen Überprüfung" unterzogen und wurde wieder aufgenommen. Viele Geber hatten ihre Budgethilfe zumächst eingefroren, um Reformen in der Wirtschaftspolitik (zum Beispiel Devaluierung des Kwacha) und im Bereich Governance einzufordern. Mit der Amtsübernahme von Joyce Banda ist die Entwicklungszusammenarbeit wieder angelaufen, da sie eine Reihe wichtiger Reformen eingeleitet hat. Einen großen Rückschlag nahm die Entwicklungszusammenarbeit in Folge des weitläufigen Korruptionsskandals Cash Gate, der im September 2013 ans Tageslicht gelangte. Da von der Veruntreuung öffentlicher Gelder in Millionenhöhe auch Budgethilfemittel betroffen zu sein scheinen, wurde die Budgethilfe von den meisten Gebern suspendiert und auch nicht generell wieder aufgenommen, als der IWF im Januar 2014 beschloss, einen Kredit über 20 Millionen US-Dollar auszuzahlen. Die Suspendierung hat auch negative Auswirkungen für die Armen.

Multilaterale Geber sind die EU, die ein Strategiepapier mit Malawi entworfen hat, die Weltbank sowie die African Development Bank. Über die aktuelle Zusammenarbeit mit den wichtigsten Gebern berichten die Weltbank, die auch aussagekräftiges Datenmaterial zum Stand der Entwicklung bereithält, und der Internationale Währungsfonds (IMF), auf dessen Homepage Sie die neuesten Informationen, Vereinbarungen und Dokumente, die für die Beziehungen zu Malawi relevant sind, abrufen können. Wichtig ist auch die Arbeit des United Nations Sustainable Development Networking Programme. Ein Schlüsselprogramm, formuliert im Poverty Reduction Strategy Paper, ist der Armutsbekämpfung gewidmet. Entwicklungspolitisch relevante Regierungspublikationen sind kostenlos auf der offiziellen Homepage der Regierung herunterzuladen.

Fischfang (Heiko Meinhardt)
Fischfang (Heiko Meinhardt)

Deutsche EZ

Malawi ist Schwerpunktland deutscher Entwicklungszusammenarbeit. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) ist  mit einem Büro in Lilongwe vertreten. Darüber hinaus entsendet das Centrum für Internationale Migration und Entwicklung (CIM) Ärzte nach Malawi. Die Sektoren der deutschen EZ sind: Grundbildung, Gesundheit und demokratische Dezentralisierung. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ist vor allem im Sektor Infrastruktur engagiert. Als einzige parteinahe deutsche Stiftung war die Konrad-Adenauer-Stiftung mit einem Büro in Lilongwe präsent. Dieses wurde aber 2012 geschlossen. Das deutsche Engagement wurde im Dezember 2009 auf 64 Millionen Euro für zwei Jahre verdoppelt. Die bilaterale deutsche Entwicklungshilfe seit der Unabhängigkeit beläuft sich auf über 800 Millionen Euro, unter Einrechnung des deutschen Beitrages in internationalen Organisationen auf mehr als 1,5 Mrd. Euro. Im Februar 2011 wurde die Budgethilfe teilweise suspendiert aus Sorge um die Einschränkung der Pressefreiheit und gesetzliche Verschärfungen gegen Homosexualität. Im Dezember 2011 wurden bilaterale Neuzusagen über 41 Millionen Euro gemacht. Die Budgethilfe wurde zunächst ausgesetzt. Im August 2012 wurden Neuzusagen über 53 Millionen Euro eingeräumt, die vor allem für Armutsbekämpfung, Gesundheit und Good Governance bestimmt sind. Der Cash Gate Skandal hat auch Auswirkungen auf die deutsche Budgethilfe, die Ende 2013 teilweise eingefroren wurde. Deutschland gab aber Mittel für den Gesundheitsbereich sowie zur Verbesserung des Finanzmanagements im Dezember 2013 frei und kündigte weitere Hilfen an. Die Deutsche Botschaft in Lilongwe informiert über die bilaterale Entwicklungszusammenarbeit.

Maismühle in Lirangwe (Heiko Meinhardt)

Die Autorin

Angela Meinhardt, International Consultant und Sprachlehrerin.

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Februar 2014 aktualisiert.

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