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Malawi gehört nicht zu den allgemein bekannten afrikanischen Staaten. Das liegt nicht nur an der - positiven - Tatsache, dass es bisher nicht mit Schreckensmeldungen über verheerende Naturkatastrophen oder Bürgerkriege aufwarten konnte, sondern auch an seiner geringen Größe und Armut.
Malawi ist ein Schwerpunktland
der deutschen Entwicklungszusammenarbeit und war dies schon traditionell seit Mitte der 1960er Jahre, als es diese Kategorie noch gar nicht gab.

Über 90% der ca. 15,8 Millionen Einwohner (Volkszählung 2008: 13,1 Millionen) Malawis leben direkt oder indirekt von der Landwirtschaft, da das Land über keine nennenswerten - mit Ausnahme von kleineren Uranvorkommen - Bodenschätze verfügt. Das Land gilt mit 158 Einwohnern pro Quadratkilometer als im Vergleich mit den Nachbarländern dicht besiedelt. Das Wirtschaftswachstum wird von der Quantität und Qualität der erzeugten landwirtschaftlichen Produkte bestimmt und ist abhängig von den labilen klimatischen Bedingungen.
Malawi zählt traditionell zu den ärmsten Ländern der Welt. Im jährlichen Human Development Index des UNDP rangiert das Land auf Rang 171 (von 187).
Malawi auf einen Blick
bietet auch die UN. Eine detailierte Ansicht des Landes
bietet Maplandia. Das Land verfügt über eine Reihe kleinerer Nationalparks
. Die White Fathers bieten eine deutlich differenzierte Ansicht
. Zudem gibt es Stadtpläne der Hauptstadt Lilongwe
und der Handelsmetrople Blantyre
.
Malawi ist ein Binnenland und liegt am drittgrößten See Afrikas, dem Lake Malawi. Es ist knapp 120.000km² groß, wovon ca. 24.000km² Wasserfläche sind. Der südliche Teil des Landes ist von Mosambik
umgeben, während es im Westen an Zambia und im Norden an Tansania
grenzt. Während die Grenze zu Mosambik in der Mitte des Lake Malawi verläuft und die beiden besiedelten malawischen Inseln Likoma und Chidzumulu zu Exklaven macht, verläuft die offizielle Staatsgrenze zu Tansania entlang des tansanischen Ufers. Dieses führte im August 2012 zu bisher ungelösten Grenzstreitigkeiten
mit Tansania, nachdem Malawi einem britischen Investor eine Erdölexplorationslizenz im Malawisee gewährt hatte.
Diese Binnenlage, ohne Zugang zum Meer, stellt ein großes Handelshemmnis dar, da die Transportkosten deutlich verteuert werden.
Aussagekräftige Fotodokumentationen über Land und Leute
sowie Alltag, Schule und das Leben der Landbevölkerung
bietet die Zitha-Foundation. Weitere Aufnahmen bietet die Virtuelle Akademie
, aber auch das Expeditions-Blog von Charly Julier und Sylvia Vogel
. Ein Kurzfilm
zeigt den berühmten Lake Malawi, den drittgrößten See Afrikas.

Einen guten Einstieg in das Land bieten die Tourismusbehörde Malawis
, die neben einem kurzen Überblick über Land und Leute auch Touristenziele, Hotels und Unterkünfte sowie Safariangebote enthält. Leider wird die Seite nicht regelmäßig aktualisiert. Den neuesten Stand kann man indes bei Lonely Planet
abrufen.
Ebenso für den Einstieg geeignet sind der landeskundliche Überblick
des Auswärtigen Amtes, die Homepage der malawischen Botschaft in London
, das CIA-Factbook
, sowie die freie Enzyklopädie Wikipedia
. Umfangreiche Statistiken hält auch das National Statistical Office
in Zomba bereit.
Obwohl das Land nicht von besonderen Heimsuchungen (Kriege, große Naturkatastrophen) betroffen war und obwohl es seit der Unabhängigkeit von Großbritannien 1964 relativ großzügig mit westlicher Entwicklungshilfe versorgt wurde, gehört Malawi noch immer zu den ärmsten Ländern der Welt. Die Lebenserwartung war zeitweise deutlich, in der Spitze bis auf 39 Jahre, vor allem auf Grund von HIV/AIDS zurückgegangen, konnte sich aber in den letzten Jahren auf fast 55 Jahre verbessern. Das ist einerseits auf den Einsatz von AIDS-Medikamenten, andererseits auf Verbesserungen bei der - noch immer hohen - Säuglings- und Kindersterblichkeit zurückzuführen. Ein Arzt kommt statistisch gesehen auf über 51.000 Einwohner. In Großbritannien leben und arbeiten mehr malawische Mediziner als in Malawi, was auf die unattraktive Bezahlung, die sich mittlerweile etwas verbessert hat, und auf die inzwischen eingestellte offensive Anwerbung durch das britische Gesundheitswesen zurückzuführen ist. Verbesserungen sind auf dem Feld der Alphabetisierung zu verzeichnen. Dafür mitverantwortlich sind die Abschaffung der Schulgebühren für Primarschulen und der Verzicht auf Schuluniformen (seit dem Schuljahr 1994/95). Die weibliche Alphabetenrate liegt bei 68,0% (2010), und weist eine deutliche Diskrepanz zur männlichen (81,0%) auf. Diese und weitere Daten sind im Detail bei UNDP
und der Weltbank
nachzulesen.

| Lebenserwartung (in Jahren) |
1970 41,0 |
2011 54,2 |
| Säuglingssterberate (auf 1.000 Lebendgeburten) |
1970 189 |
2011 53 |
| Sterberate der unter Fünfjährigen (auf 1.000 Lebendgeburten) |
1970 330 |
2011 83 |
| Infektionsrate mit HIV/AIDS (15-49-Jährige) |
2010 10,0% |
|
| Bevölkerung mit Zugang zu sicherem Trinkwasser | 1990 49% |
2011 83% |
| Alphabetenrate (über 15-Jährige) |
1990 51,8% |
2010 75,0% |
| Alphabetenrate der Jugendlichen (15-24 Jahre) |
1990 63,2% |
2010 87,0% |
| Öffentliche Ausgaben für Bildung (in % des BIP) |
1991 3,2 |
2011 6,0 |
| Urbanisierung |
1975 7,7% |
2011 16,0% |
| Human Development Index |
1975 0,327 |
2011 0,400 |
Malawi zählt zu den äußeren Tropen. Ein Fünftel des Staatsgebietes besteht aus Wasserfläche. Der Nyasagraben als südlichster Teil des ostafrikanischen Grabens durchzieht das Land der Länge nach. Malawi läßt sich in drei Zonen unterteilen: Im Nordosten liegt der Malawisee; südlich des Sees befindet sich der von Bergen und Hochplateus umgebene Shiregraben. Das Hochland verläuft im Westen mit dem Nyika-Plateau und den Viphyabergen. Ein Großteil des Landes
liegt über 1.000 Meter über dem Meeresspiegel. Der Malawisee ist bis zu 600 Meter tief und gehört damit zu den vier tiefsten Seen der Welt. Es gibt drei kleinere, flachere Seen im Süden. Der größte Fluß Shire ist der einzige Abfluß des Sees. Er fließt durch den Süden des Landes und mündet schließlich in Mosambik in den Sambesi. Im Südosten (Mulanje) befindet sich der Mount Mulanje
, der mit 3000 Metern höchste Berg
Südafrikas. Der Boden
ist für die Landwirtschaft geeignet.
Es gibt eine Reihe von geschützten Gebieten
, wie zum Beispiel den Kasungu- (Zentralregion) und den Liwonde-Nationalpark (Südregion), das Nyika-Plateau im Norden und das Zomba-Plateau. Der Malawisee-Nationalpark
weist den größten Artenreichtum an Fischen weltweit auf, von denen fast alle endemisch sind, und der deshalb zum UNESCO-Weltkulturerbe
zählt.
Das Klima
weist erhebliche regionale Unterschiede auf. Der Norden erhält deutlich mehr Regen als der Süden. Die große Wasserfläche des Sees sorgt für regelmäßige Niederschläge
. Die Regenzeit dauert von Dezember bis April. Von Mai bis August ist es kühl, während die heiße Jahreszeit von September bis November andauert. Einen Überblick über die Durchschnittstemperatur
bietet die FAO. Einen generellen Überblick bietet die Klimatabelle
. Neben Informationen über die Flora und Fauna
hält die FAO auch Fakten zu den Anbauperioden
der wichtigsten landwirtschaftlichen Produkte bereit.

Der Umweltschutz spiegelt sich bisher eher in der modernen Umweltgesetzgebung wider als in der Realität. Die größten Umweltprobleme werden durch Abholzung
verursacht. Da diese vor allem auf den Brennholzbedarf der armen Landbevölkerung zurückzuführen ist, ist sie vom Staat kaum durch Gesetze zu verhindern
. Die Folgen der Abholzung
sind verheerend. Malawi weist einen Bestandsverlust von 1,6% pro Jahr auf und liegt damit an der Spitze der SADC-Region. Der Malawisee gilt, obwohl es keine große Fischindustrie gibt, als überfischt
. Formal gibt es eine relativ moderne Umweltgesetzgebung, die aber in der Realität keine wichtige Rolle spielt, zumal Umweltkatastrophen oder größere Umweltschäden bisher weitgehend ausgeblieben sind. Im Environmental Performance Index
der Yale University wird Malawi aktuell nicht mehr aufgeführt, da die Datenlage nicht ausreicht.
Über Umweltpolitik, Umweltschutz und -projekte finden Sie Informationen auf der Homepage vom SNDP
als auch beim NGO CURE
.

Von den 15,8 Millionen Einwohnern (2011) leben 45% in der Süd-, 42% in der Zentral- und 13% in der Nordregion. 84% der Bevölkerung (2011) Malawis lebt auf dem Lande, zumeist in Dörfern, von denen es knapp 18.000 gibt. Die urbane Bevölkerung
siedelt im Wesentlichen in vier Städten: Das 1976 zur Hauptstadt ausgebaute Lilongwe
(Zentralregion) hat 780.000 Einwohner (Schätzung 2012), gefolgt von der Handelsmetropole Blantyre
(Südregion; 728.000 Einwohner (Schätzung 2012)), der Metropole der Nordregion, Mzuzu
(149.000 Einwohner (Schätzung 2012)) und der ehemaligen Haupt- und heutigen Universitätsstadt Zomba
(96.000 Einwohner (Schätzung 2012)).
Lilongwe wurde in der ersten Hälfte der 1970er Jahre vom autoritären Banda-Regime neben der gleichnamigen Siedlung als Retortenstadt errichtet. Mittlerweile sind die sogenannte Old Town und die Capital City zusammengewachsen. Stadtteile wurden als Areas numerisch bezeichnet. Nach dem Umzug des Staatspräsidenten von Blantyre nach Lilongwe (2004) boomt die Stadt. Sie konnte Blantyre aber bisher nicht den Rang als Geschäfts- und Handelsmetropole streitig machen.
Die regionale Verteilung der Bevölkerung variiert. Die Südregion ist am dichtesten besiedelt, gefolgt von der Zentralregion, während die Nordregion nur eine dünne Besiedelung aufweist.
Malawi verfügt über ein kleines, aber relativ gutes Netz von befestigten Straßen, sowohl auf der Nord-Süd-Achse, als auch zwischen den wichtigen Tabak-, Tee- und Zuckeranbaugebieten und den Städten. Der Straßenbau wird von den Gebern
maßgeblich unterstützt, unter anderem von der African Development Bank
.

Große Hoffnung wird auf den Ausbau der Eisenbahnverbindung von Malawi nach Nacala an der mosambikanischen Küste gelegt. Damit könnten die Transportwege deutlich abgekürzt und verbilligt werden. Das Bahnnetz
Malawis umfaßt nur 800 Kilometer und reicht von Mchinji an der zambischen Grenze über Salima bis nach Mosambik. Es wird nur für den Güterverkehr genutzt.
Auf dem See verbindet das Motorschiff Ilala
zahlreiche Küstenorte miteinander und die Inseln Chitsumulo und Likoma mit dem Festland. Sie faßt ca. 400 Passagiere und 100 Tonnen Fracht.
Internationale Flughäfen bieten Lilongwe und Blantyre. Darüber hinaus gibt es einen nationalen Airport in Mzuzu und eine Reihe von Landepisten.Insgesamt ist der Flugverkehr
übersichtlich.



Die aufgehende rote Sonne auf der von 1964 bis 2010 und wieder ab 1. Juni 2012 verwendeten Nationalflagge symbolisiert die Unabhängigkeit und die Hoffnung auf eine prosperierende Entwicklung. Die 31 Strahlen sind ein Hinweis darauf, das Malawi als 31. afrikanischer Staat seine Unabhängigkeit erlangte. Die Farbe schwarz steht für Afrika, rot für das für die Unabhängigkeit vergossene Blut, und grün für die Felder und Wälder Malawis. Nähere Informationen, auch zum Landeswappen, hält das Flaggenlexikon
bereit.
Die von Präsident Bingu wa Mutharika ohne ausreichende Konsultationen mit der Bevölkerung im August 2010 eingeführte Flagge
wurde nach dessen Tod von seiner Nachfolgerin Joyce Banda durch Parlamentsbeschluß abgeschafft und die ursprüngliche Flagge ab 1.6.2012 wieder in Dienst gestellt.
Die Nationalhymne können Sie hier
in Chichewa und Englisch lesen und auch hören
.
Dr. Heiko Meinhardt
, Politikwissenschaftler. global tätiger International Consultant und Wahlexperte.
Ich freue mich auf Ihre Kommentare, Anregungen und Kritik.
Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Februar 2013 aktualisiert.
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