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Gebäude der Nationalversammlung in Vientiane (© Anke Timmann)

Geschichte, Staat und Politik

Alle wichtigen Strukturdaten zu Geschichte und Staat
BeschreibungInhalt
Tag der Unabhängigkeit:19. Juli 1949
Staatsoberhaupt:Choummaly Sayasone
Regierungschef:Thongsing Thammavong (seit 23.12.2010)
Politisches System:Sozialistisches Einparteiensystem
Demokratie Status- Index (BTI) 2012:Rang 121 (von 128)
Korruptionsindex (CPI) 2013:Rang 140 (von 177)

Inhalte dieser Seite

Das LIPortal

Laos

Geschichte

Der Reichsgründer Fa Ngum
Der Reichsgründer Fa Ngum © Anke Timmann

Das Land der Lao (Pathet Lao) fand erstmalig im Jahre 1353 Erwähnung als nationalstaatliches Gebilde unter dem Prinzen Fa Ngum mit der Proklamation des Königreiches der Millionen Elefanten unter dem weißen Schirm  (Lan Xang Hom Khao).

1641 erkundete der Niederländer Gerrit van Wuysthoff das Land. Seine Reiseeindrücke sind auf niederländisch und französisch erschienen und gelten als erste europäische Beschreibungen über das Land.

Im 17. Jahrhundert zerfiel das Königreich Lan Xang aufgrund von Streitigkeiten innerhalb der Herrscherfamilie in drei Einzelreiche: Luang Prabang in Nordlaos, Vientiane in Zentrallaos und Champassak in Südlaos. Im 18. Jahrhundert kamen diese Einzelreiche teilweise unter siamesische teilweise unter burmesische Herrschaft.

1867 begann mit der Einsetzung August Pavies als Vizekonsul die französische Besetzung. Auf der Genfer Indochinakonferenz 1954 wird Laos unabhängig, alle fremden Truppen mussten das Land verlassen.

In den 1940er Jahren enstand unter Führung von Kaysone Phomvihane die laotische Befreiungsbewegung Pathet Lao, ein Vorläufer der Laotischen Revolutionären Volkspartei (LRVP).

Am 2. Dezember 1975 übernahm die Pathet Lao die Macht, die "Demokratische Volksrepublik Laos" entstand.  Vorangegangen war eine Zeit  französischer Kolonisierung, einem Bürgerkrieg mit drei Fraktionen in den 1960er und 1970er Jahren und dem anschließenden "Secret War".

Die formale sozialistische Orientierung des Landes gemischt mit der starken Jahrhunderte alten buddhistischen Prägung und teilweise animistischen Ritualen stellt einen nicht einfach zu fassenden ideologischen Hintergrund dar. Laos befindet sich zwischen Marx und Money im Prozess der Nationsbildung.

Durch den Bruch von knapp sechs Jahrhunderten Königreich zum sozialistischen Staat gestaltet sich die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte in Laos wohl auch in Zukunft spannend, wechselhaft und ambivalent.

Staat und Staatsaufbau

Die Nationalversammlung in Vientiane
Die Nationalversammlung in Vientiane © Anke Timmann

Sathalanalat Paxathipatai Paxaxon Lao (Demokratische Volksrepublik Laos) - so der offizielle Name des Landes. Laos ist eine Volksdemokratie mit sozialistischer Orientierung. Die Volksrepublik wurde am 2. Dezember 1975 vom ehemaligen Vorsitzenden der Kommunistischen Partei und ersten Premierminister Kaysone Phomvihane mit der Abschaffung der Monarchie und dem absoluten Führungsanspruch der Laotischen Revolutionären Volkspartei (LRVP) proklamiert.

Der Premierminister als Oberhaupt der Regierung, seine Stellvertreter, der Präsident des Staatlichen Planungskomitees, der Außenminister und der stellvertretende Premierminister sowie auch der Ministerrat werden vom Staatspräsidenten für einen Zeitraum von 5 Jahren berufen. Die Nationalversammlung muss der Berufung zustimmen. Die Ministerien unterstehen dem Premierminister.

Die Verfassung wurde 1991 verabschiedet und im Jahr 2003 ergänzt. Oppositionelle Parteien und Bewegungen sind verboten. Die Bevölkerung steht unter strikter Kontrolle der LRVP und ist von sozialistischen Strukturen geprägt, d.h. Gewerkschaften, Jugendorganisationen und Verbänden existieren als Alternative zu den offiziell verbotenen Parteien. Die Parteiführung behält jedoch die Kontrolle über diese Organisationen. Legal sind nur die offiziellen Massenorganisationen  wie Gewerkschaften, Frauenverbände, Jugendverbände und offizielle Bauernverbände.

Neben dem obersten Gerichtshof existieren auf Provinz- und Distriktebene Militärgerichte. Die Umsetzung bestehender Gesetze erfolgt nur inkonsequent, die Rechtssicherheit ist gering ausgeprägt. Programme der Internationalen Zusammenarbeit unterstützen u.a. die Stärkung der Rechtssicherheit. Dabei wird versucht, auch das bestehende "customary law" (Gewohnheitsrecht) mit einzubeziehen, das in vielen Teilen des Landes das soziale Handeln prägt. Schlichtung nimmt bei Konflikten einen großen Stellenwert ein.

Die gewählte 132-köpfige Nationalversammlung stellt das Legislative dar. Die meisten Abgeordneten der Nationalversammlung sind entweder Mitglieder der Laotischen Revolutionären Volkspartei (LRVP) oder von dieser vorgeschlagen. Sie werden in geheimen und direkten Wahlen vom Volk für einen Zeitraum von 5 Jahren gewählt.

Wahlen im April 2011

Die Wahl zur jetzigen Nationalversammlung der 7. Legislaturperiode fand im April 2011 statt. Die Wahlbeteiligung lag offiziell bei 99,6 Prozent - ungefähr 3,23 Millionen Menschen gingen wählen. Die Mitglieder der neuen Nationalversammlung wurden aus 190 Kandidatinnen und Kandidaten gewählt. Die Anzahl der Sitze wurde von 115 auf 132 erhöht, um dem Bevölkerungswachstum Rechnung zu tragen. Ungefähr ein Viertel der neuen Mitglieder sind Frauen. 

Nicht anders als erwartet wurde der amtierende Präsident und Parteisekretär Choummaly Sayasone auf dem IX. Parteitag Mitte März 2011 für eine zweite Amtszeit als Parteisekretär bestätigt. Er ist damit weiterhin die Nummer Eins im Politbüro.

Administrativ ist das Land in drei Regionen eingeteilt: Nord-, Zentral,- und Südlaos. Administrativ ist Laos in 16 Provinzen (Khoueng) und eine Regierungsprovinz (Khampeng Nakhon) eingeteilt. Die ehemalige militärische Sonderverwaltungszone Xaisomboun (Khet Piset), wurde 2006 den Provinzen Vinetiane und Xiang Khouang zugeordnet. Die Provinzen sind jeweils in Distrikte unterteilt.

Das Staatmotto ist "Frieden, Unabhängigkeit, Demokratie, Einheit und Wohlstand".

Laotische Revolutionäre Volkspartei

Die einzige Partei des Landes, die Laotische Revolutionäre Volkspartei (LRVP) hat ihre Ursprünge in der KP Indochinas.Als ihr Gründungsvater gilt Kaysone Phomvihane, der die Partei im Jahr 1955 gründete und ihr bis zu seinem Tod im Jahr 1992 vorstand.

Seit dem Sieg der revolutionären Kräfte am 2. Dezember 1975 erhebt die Partei den alleinigen Führungsanspruch. Dieser ist per Verfassung gesichert, die mit Unterstützung der ehemaligen DDR ausgearbeitet wurde.

Die Partei setzt ihre Entscheidungen mittels eines 11-köpfigen Politbüros durch. Mit Pany Yathotou gehört seit dem Parteitag  Wahl im Jahr 2006 erstmals auch eine Frau dem Politbüro an.

Der Staatspräsident Choummaly Sayasone hat gleichzeitig das Amt des Parteivorsitzenden inne. Ausführendes Organ des Politbüro ist das Zentralkomitee. Die Anzahl seiner Mitglieder wurde beim letzten Parteitag 2011 auf 61 Mitglieder erhöht. Über ein Drittel der Mitglieder des Zentralkomitees besitzt einen Doktortitel.

Bei der teilweisen Neubesetzung während des IX. Parteitages im März 2011 des Politbüro schieden der schon im Dezember 2010 abgesetzte ehemalige Premierminister Bouasone Bouphavanh (Rang 7) sowie General Sisavat Keobounpanh (Rang 5) und General Saman Vinhaket (Rang 2) aus. Die letzten drei Mitglieder kamen neu hinzug, daraus ergibt sich für die aktuelle Besetzung des Politbüros folgende Rangfolge:

1. Choummaly Saysone
2. Thongsing Thammavong
3. Bounnhang Vorachit
4. Dr. Thongloun Sisoulith
5. Pany Yathothou
6. Asang Laoly
7. Duangchay Phichit - starb am 17 Mai 2014 bei einem Flugzeugabsturz in der Provinz Xiangkhoung
8. Somsavat Lengsavad
9. Dr. Bounthong Chitmany
10. Dr. Bounphone Bouttanavong
11. Dr. Phankham Viphavanh

Im Mittelpunkt der Parteirichtlinien steht die Fokussierung auf ökonomisches Wachstum und die Reduzierung der Armut bei steigender Ausbeutung der natürlichen Ressourcen. Ein weiterer Fokus liegt auf der regionalen Integration.

Innenpolitik

Die Flagge des Vielvölkerstaates Laos
Die Flagge des Vielvölkerstaates Laos © Anke Timmann

In Laos bestimmen personelle und traditionelle Verflechtungen seit Jahrhunderten das politische Geschehen. Diese entstehen aus Familienbindungen und Hochschulcliquen. Parteipolitik und Regierungshandeln sind nicht voneinander zu trennen.

Der alleinige Führungsanspruch der LRVP und die wachsende Diskrepanz zwischen dem politischen Überbau und der neu entstehenden finanzkräftigen Mittelschicht ist ein weiteres Konfliktfeld.

Das Nebeneinander zahlreicher Ethnien ist zwar einerseits Quelle kulturellen Reichtums des Landes, stellt aber im Hinblick auf seine weitere Entwicklung zugleich eine große politische Herausforderung dar und bildet den Nährboden für weitreichendes Konfliktpotential.

Erinnerungskultur

Um ihren Führungsanspruch zu festigen nutz die Parteiführung jede sich bietende Möglichkeit, die Geschichte des Landes in ihrem Sinne zu interpretieren.

Das 450-jährige Jubiläum von Vientiane als Hauptstadt wurde im November 2010 mit Paraden, Feuerwerk und kulturellen Aufführungen gefeiert. Im Jahr 1560 verlegte König Sethathirat die Hauptstadt von Xiang Thong (jetzt Luang Prabang) nach Vientiane. Die live im Fernsehen übetragene Feier präsentierte das heutige Vientiane als moderne Hauptstadt, friedlich, sicher und politisch stabil. Laos wurde als ein unabhängiges Land mit einer traditionsreichen Vergangenheit und einer eigenen Kultur präsentiert.

Ziel dieser Marketingkampagne waren auch die Auslandslaoten, von denen viele extra zu diesem Anlass nach Laos gekommen waren und die in vielen Ansprachen der Führungskader explizit adressiert wurden.

Die Feierlichkeiten fielen mit dem jährlichen That Luang-Festival zusammen, das mit einer großen Almosen-Zeremonie gefeiert wurde, an der Tausende von Menschen teilnahmen. In derselben Woche starteten auch die Feierlichkeiten für die 35-jährige Regentschaft der Partei, die seit 1975 das Land regiert.

Die laotische Regierung nutzt die laotische Kultur - vor allem buddhistische Rituale - als sozial integrierendes und Nationalidentität stiftendes Element. Im Bewusstsein, dass Kultur eine große Chance ist, das bildungspolitische, soziale und ökonomische Leben zu gestalten, versucht die Regierung verschiedene regionale kulturelle Traditionen zu pflegen und darüber hinaus gleichzeitig eine gemeinsame laotische Nationalkultur zu prägen.

Korruption

Korruption bleibt nach wie vor ein Thema in Laos.

Der jährlich von Transparency International erstellte Corruption Perception Index (CPI) rankt Laos im Jahr 2013 auf Platz 140 von 177 Ländern mit einer Punktzahl von 26.

Im Vorjahr (CPI 2012 ) lag Laos zusammen mit Libyen und DR Kongo auf Platz 160 von 176. Auf einer Skala von hoch korrupt (0) bis sehr sauber (100) rangiert Laos mit der Punktzahl 21 und ist damit gegenüber dem Vorjahr fast gleich geblieben.

 

 

Menschenrechte

Die Hmong, die größte Gruppe der Lao Sung (auch "Meo" genannt), die während des II. Indochinakrieges unter ihrem Führer General Vang Pao auf der Seite der USA gekämpft haben, verfolgen teilweise nach wie vor Unabhängigkeitsbestrebungen. Vang Pao war eine der zentralen Figuren des geheimen Krieges, den die USA in den 1960er und 1970ern in Laos führten. Von der CIA war der charismatische Kämpfer Jahre lang dafür bezahlt worden, die Angehörigen der ethnischen Hmong in Laos gegen die kommunistische Pathet Lao anzuführen. Als die USA schließlich 1975 den Krieg verloren und sich aus Südostasien zurückzogen, emigrierten mit Vang Pao Tausenden von Hmong in die USA. Vang Pao war eine umstrittene Figur. Hmong-Angehörige in den USA verehrten ihn als Befreier und Kämpfer gegen ausländische Invasoren. 2007 wurde er in den USA des Umsturzversuches in Laos angeklagt. Er hatte Waffen, Geld und Munition gesammelt, um die kommunistische Regierung in Laos umzustürzen. Der 80-Jährige musste danach vorerst seine Pläne aufgeben, nach Laos zu reisen, da dort immer noch ein Todesurteil auf ihn wartete, das die kommunistischen Regierung 1975 nach der Machtergreifung in seiner Abwesenheit verhängt hatte. Die Anklage wurde jedoch 2009 fallengelassen.

Am 6. Januar 2011 starb Vang Pao im Alter von 81 Jahren im kalifornischen Exil.

Innerhalb von Laos kommt es in den Siedlungsgebieten der Angehörigen der Hmong jedoch immer wieder zu Zwischenfällen. Laut Regierungsberichten handelt es sich dabei um bewaffnete Aufstände gegen die Regierung. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International und die Gesellschaft für bedrohte Völker dokumentieren in ihren Jahres- und Hintergrundberichten die Ereignisse in Laos selbst wie auch die Zwangsrepatriierung der Hmong aus thailändischen Flüchtlingslagern nach Laos. 

 

Amnesty International

Im Jahresbericht 2013 kritisiert die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) noch immer die Einschränkung der Rechte auf Meinungs-, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit, die Auseinandersetzung um Landrechte und das Verschwinden von Sombath Somphone, eines Vertreters der laotischen Zivilgesellschaft.

Im Vorjahr, AI-Jahresbericht 2012, erschwerten fehlende Transparenz und spärliche Informationen eine unabhängige Überprüfung der Menschenrechtssituation.

In ihrem Jahresbericht 2011 berichtete AI von einer Zunahme der Verfolgung Andersgläubiger in Laos.

Zivilgesellschaft und internationale NGOs

Eine Zivilgesellschaft ist in Laos kaum ausgeprägt. Die meisten Organisationen, die die Bildung einer Zivilgesellschaft unterstützen sind mit internationaler Hilfe gegründet. Das iNGO-Netzwerk (Netzwerk internationaler Nichtregierungsorganisationen) mit zurzeit knapp 80 Mitgliedsorganisationen hat sich zum Ziel gesetzt, Informationen innerhalb der Mitgliedsorganisationen zu bündeln und zu verbreiten. Zusätzlich sucht das Netzwerk den Dialog mit der Regierung und unterstützt die Bildung einer Zivilgesellschaft.

Das 9. Asia-Europe People's Forum im Oktober 2012 in Vientiane

Eine große Chance für die laotische Zivilgesellschaft sich international auszutauschen und zu vernetzen bot das 9. zivilgesellschaftliche Forum (Asia-Europe People's Forum, AEPF9). Es fand im Oktober 2012 im Vorfeld des ASEM-Meeting in Vientiane statt und wurde von vielen als positiver Impuls zur Entwicklung der Zivilgesellschaft wahrgenommen. 

Wichtige und aktuelle Themen wie der Bau des Xayaburi-Staudamms und land grabbing wurden zum Teil unerwartet offen diskutiert und machten Hoffnung auf eine politische Öffnung des Landes.

Doch im Nachhinein erwiesen sich die Hoffnungen als verfrüht. Zivilgesellschaftliche Organisationen kamen unter Druck und Sombath Somphone wurde verschleppt.
 

Sombath Somphone

Seit 15. Dezember 2012  fehlt jede Spur von Sombath Somphone. Der Gründer und ehemalige Direktor der laotischen Organsiation PADETC (Participatory Development Training Center) war Mitglied des Nationalen Organisationskomitees des AEPF9.

Seine Frau Ng Shui Meng sah ihn zuletzt. Sie waren mit zwei Autos auf dem Heimweg. Dort kam Sombath jedoch nie an. Bilder einer Überwachungskamera zeigen wie Sombath in eine Polizeikontrolle kommt und später weggebracht wird.

Seither gibt es kein Lebenszeichen mehr von Sombath.

  • In einem Interview mit ABC (Australian Broadcasting Association) spricht Sombaths Frau Ng Shui Meng über die Ereignisse und bittet die laotische Regierung um Aufklärung
  • Die EU äußert in einer Erklärung ihre Besorgnis und appelliert an die laotische Regierung, den Fall so schnell wie möglich aufzuklären.
  • Thailändische NGOs unterstützen ebenfalls den Aufruf zur Aufklärung
  • In einer Regierungserklärung vom 19.12. weist der Sprecher des laotischen Außenministeriums jede Verantwortung an dem Fall zurück: Die Männer im Video seien nicht zu identifizieren. Ursache für Sombaths Entführung könnten auch private Streitigkeiten oder ein Geschäftskonflikt sein.
  • Human Rights Watch (HRW) befürchtet, dass Sombath in der Gewalt laotischer Behörden ist und fordert die laotische Regierung zu zügigen und objektiven Ermittlungen auf.

Sombath hatte eine prominente Rolle beim AEPF9 im Oktober 2012. Als Mitglied des nationalen Organisationskomitees hielt er sowohl bei der Eröffnung als auch beim Abschlusstreffen eine Rede.

Eine Woche vorher, am ersten Dezemberwochenende 2012, war Ann-Sophie Gindroz, die Geschäftsführerin der Schweizer NGO Helvetas aus Laos ausgewiesenworden. Ein Zusammenhang zwischen Sombaths Verschwinden, seiner Arbeit, seiner Mitwirkung beim AEPF9 und der Ausweisung von Gindroz wird vermutet.

Mit PADETC baute Sombath ein umfangreiches Trainingsinstitut auf, mit dem Ziel,  neben der Wissenvermittlung Kopf und Herz gleichermaßen in die Freiwilligenarbeit zu integrieren. 2005 erhielt er für sein soziales Engagement im Bereich "Community Leadership"den Magsaysay-Preis.  Das "spiritual well-being" ist für seine Arbeit ein zentraler Aspekt. "What makes you happy?" fragt er sich und andere immer wieder. Mit dieser Frage beschäftigt sich auch der Film "Happy Laos", der im Rahmen der Freiwilligenarbeit bei PADETC enstand und Abschluss des AEPF9 gezeigt wurde.

Trotz zahlreicher  - auch internationaler Nachforschungen -  gibt es mehr als ein Jahr später noch keine weiteren Hinweise auf Sombaths Verschwinden.

Medien

Die laotische Medienlandschaft ist staatlich kontrolliert. Die gesamte Presse sowie das laotische Fernsehen und Radio unterstehen dem Ministerium für Information, Kultur und Tourismus.

Pressefreiheit existiert nur auf dem Papier. Die Rangliste für Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen platziert Laos im Jahr 2013 auf Platz 168 (von 176). Freedom House, eine internationale Organisation, die Pressefreiheit weltweit beobachtet, stuft Laos im Jahr 2013 als "nicht frei" in Bezug auf die Pressefreiheit ein.

Die Journalistinnen und Journalisten sind in ihrer Arbeit immer noch stark eingeschränkt und haben teilweise große Schwierigkeiten Informationen von offiziellen Stellen zu bekommen. Eine offene Berichterstattung über aktuelle Probleme in den Bereichen Landnutzungsrechte, illegale Abholzung und umstrittene Megaprojekte im Bergbau- und Waserkraftsektor ist weitgehend unmöglich. Ein im Jahr 2008 verabschiedetes Mediengesetz bietet bisher nicht den erhofften Schutz und die notwendige Unterstützung für Journalistinnen und Journalisten und ihre Arbeit.

Die eingeschränkte und wenig pluralistische Berichterstattung steht in krassem Gegensatz zur erlebten Alltagsrealität der Menschen in Laos, so dass Mediennutzer thailändische Medien vorziehen,  die bis zu einem gewissen Grad offener und kritischer Berichten. 

Tages- und Wochenzeitungen

Der Vertrieb von Printmedien beschränkt sich auf die größeren Städte und ist überschaubar. Zielgruppe ist überwiegend die in den Städten lebende Bevölkerung.

  • Die Tageszeitungen Paxason, Vientiane Mai und Pathet Lao erscheinen auf Laotisch.
  • Die englischsprachige Tageszeitung Vientiane Times richtet sich überwiegend an die in Laos lebenden Expats.
  • Das französischsprachige Wochenmagazin Le Renovateur bietet regelmäßig nationale und internationale Nachrichten.
  • Daneben gibt es weitere Presseerzeugnisse der Massenorganisation wie der Lao Women's Union, der Lao Youth Union, diversen Ministerien und Verbänden.

 

Zeitschriften

Seit einiger Zeit ist eine beginnende Vielfalt an Zeitschriften in Privat- oder Unternehmensbesitz in der Hauptstadt zu beobachten, die jedoch noch keine Lockerung der staatlichen Medienüberwachung bedeutet. Die Herausgeber sind in den meisten Fällen linientreue Parteimitglieder oder eng mit der Politik verflochtene Unternehmer.

Auswahl an Zeitschriften:

 

Fernsehen

Das staatliche Fernsehen Lao National Television strahlt sein Programm, u.a. auch Nachrichten auf Englisch auf zwei Sendern aus:

  • Lao National Television, LNTV1

Technisch und inhaltlich von höherer Qualität stellt das thailändische Fernsehen eine große Konkurrenz dar. Aufgrund der sprachlichen Verwandtschaft zum Thailändischen nutzen viele Laoten daher regelmäßig thailändische Medien, vor allem das Fernsehen und ziehen thailändische Programme den laotischen vor. Ausnahme sind nationale Großereignisse in Laos, die im Fernsehen übertragen werden wie die Southeat Asian Games 2009, die 450-Jahr-Feier von Vientiane 2010 und ähnliche Events.

Über das Internet sind eine Vielzahl weiterer Programme zu empfangen, die teilweise aus dem Ausland kommen.

Radio

1975 begann Lao National Radio (LNR) mit sechs Stationen zu senden, inzwischen gibt es 43 Stationen landesweit, die Programme in AM und FM über Satellit ausstrahlen. Einige Provinzen produzieren eigene Programme, während die restlichen Provinzen überwiegend Material senden, das in Vientiane produziert wird. Das LNR erreicht etwa 80% der Einwohner von Laos und hat es geschafft, sich durch einen höheren Anteil an Unterhaltungssendungen, auch außerhalb von Laos eine Hörerschaft im nordöstlichen Teil Thailands – dem Isaan – zu sichern.

Aktuelle Nachrichten werden auch auf Englisch ausgestrahlt.

Das LNR strahlt im Norden zusätzlich zu laotischen Programmen auch Programme in den Minderheitensprachen Khamu und Hmong aus. UNDP errichtete im Norden des Landes eine Radiostation. Ziel des Projektes ist den Informationsbedarf der dortigen Bevölkerung – vor allem Angehörige ethnischer Minderheiten – zu erkunden und dieser die Möglichkeit aktiver Partizipation an Informationsvermittlung zu eröffnen.

Internet

Als eines der letzten Länder in Südostasien führte Laos 1997 Internet ein. Die Zahl der Internetnutzer stieg seitdem zwar rasant, ist mit 592.000 Internetnutzern (Juni 2012) im Vergleich zu anderen Ländern Südostasiens jedoch immer noch gering. Ungefähr acht Prozent der Bevölkerung nutzen Internet. Beliebt sind bei der überwiegend jungen Bevölkerung vor allem die soziale Netzwerke: Im Jahr 2013 stieg die Anzahl der Facebooknutzer auf 400.000. 

Im Oktober 2013 kündigte das Ministerium für Post und Telekommunikation Kontrollmaßnahmen nach dem Vorbild Chinas und Vietnams für "unangemessene Informationen" in sozialen Medien an. Ziel sei es nicht, den Zugang zu sozialen Netzwerken zu blocken. Die Ankündigung stand in Zusammenhang mit einem Flugzeugabstürz im Süden des Landes, nach dem laut Ministeriumsangaben "nicht korrekt" berichtet wurde.

Die von einem in den USA lebenden Laoten erstellte Webseite Vientiane Times bietet eine übersichtliche Zusammenfassung weltweiter englischsprachiger Nachrichten rund um Laos an. Es sind auch kritische Beiträge verlinkt, so dass sich insgesamt eine ausgewogene Berichterstattung ergibt. Ein großes Plus dieses Seite ist eine recht stattliche Anzahl Verlinkungen weiterer interessanter Laos-Seiten zu allen möglichen Themen. Trotz des selben Namens handelt es sich jedoch nicht um die Online-Ausgabe der staatlichen Tageszeitung Vientiane Times, die in Vientiane erscheint. 

Nachrichtenagenturen

Die einzige laotische Nachrichtenagentur Khaosan Pathet Lao (KPL) veröffentlicht ein tägliches Newsbulletin auf Laotisch, Englisch und Französisch.

Nur zwei internationale Medienorganisationen haben ein Büro in Laos: die vietnamesische Zeitung Nhân Dân und die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua News Agency.

Außenpolitik

Laos als Gastgeber des 10. ASEAN-Gipfels
Laos als Gastgeber des 10. ASEAN-Gipfels © Anke Timmann

Die Regierung versucht verstärkt, die Kräfte der Globalisierung und der Regionalisierung in Bündnissen wie ASEAN, AFTA und seit Februar 2013 WTO zu nutzen. Von der Mitgliedschaft in der ASEAN seit Juli 1997 erhofft sich Laos, neben wachsender Akzeptanz innerhalb der Region, auch eine verstärkte ökonomische und finanzielle Entwicklung und starke asiatische Bündnispartner.

Gleichzeitig versucht Laos durch die Einbindung in die südostasiatische Staatengemeinschaft dem starken einseitigen thailändischen Einfluss zu begegnen. 1997 wurde Laos durch die Abhängigkeit von Thailand in die Wirtschaftskrise hineingezogen. Das Verhältnis zu Thailand bleibt aufgrund wiederkehrender Zwischenfälle wie der Hmong-Problematik teilweise zwiespältig.

Die beiden "Brüderländer" China und Vietnam tragen ihre Machtkämpfe über den Versuch der Einflussnahme auch in Laos aus und versuchen sich ein Mitspracherecht bei wichtigen Entscheidungen in Laos zu sichern. Beide Länder haben jeweils ihre Unterstützer innerhalb der laotischen Parteiführung.

Zwischen Laos und Vietnam bestehen durch den jahrzehntelangen gemeinsamen "Befreiungskampf"  enge Bande. Der 25-jährige Freundschaftsvertrag mit Vietnam wurde 2002 um weitere 25 Jahre verlängert. Der wachsende chinesische Einfluss zeigt sich deutlich an der Finanzierung großer Projekte und der steigenden Präsenz von Chinesen in Laos.

Seit 2004 unterhält Laos zu den USA so genannte Normal Trade Relations. 2010 besuchte Vize-Premierministers Thongloun Sisoulith die USA. Beim historischen, da ersten Besuch seit 1975, kritisierten Menschenrechtsorganisationen, dass die Themen Zivilgesellschaft und Menschenrechte sowie das aktuelle Problem mit Angehörigen der Hmong nicht zur Sprache kam.

Im Januar 2008 feierten Laos und Deutschland den 50. Jahrestag ihrer diplomatischen Beziehungen.

Inzwischen scheint die laotische Regierung Gefallen an Großevents gefunden zu haben. Im Oktober 2012 fand das 9. Asia-Europe People's Forum (AEPF) im Vientiane statt, kurz danach das Asiatisch-Europäische Ministertreffen (ASEM-Gipfel).

Die Autorin

Anke Timmann. Studium der Sprachen und Kulturen des südostasiatischen Festlandes in Kombination mit Kommunikationswissenschaft. Seit über 15 Jahren regelmäßige Arbeits-, Studien- und Rechercheaufenthalte in Laos und weiteren Ländern der Region Südostasien. Darunter die Mitarbeit bei der Vientiane Times und Deutschunterricht an der National University of Laos (NUOL) in Vientiane. Regelmäßige Veröffentlichungen, u. a. zum laotischen Mediensystem. Seit mehreren Jahren bereitet sie Ausreisende auf das Arbeiten, Wohnen & Leben in Laos vor. Die Herzlichkeit der Menschen in Laos sowie die unglaubliche Kreativität bei der Ermöglichung von Unmöglichem faszinieren sie nach wie vor noch immer.

Anregungen, Kommentare & konstruktive Kritik dieser Seiten gerne hier.

Filmtipps

"Amerikas geheimer Krieg in Laos. Die größte Militäroperation der CIA" (2008, 53 min)
Der höchst sehenswerte Film von Marc Eberle zeigt sehr gut recherchiert die Hintergünde der amerikanischen Verstrickungen in den so genannten "Secret War".

Literaturtipps

Weiterführende Literatur zu folgenden Themen:

Lesetipps zum Thema Korruption

  • Martin Stuart-Fox, The Political Culture of Corruption in the Lao PDR, Asian Studies Review 30, no. 1 (March 2006): 59-76.
  • Patrick Keuleers, Corruption in the Lao PDR: Underlying causes and key issues for consideration (Bangkok: United Nations Development Programme [UNDP], March 2004).

Linktipps

  • Umfangreiche Linksammlung zum Thema Hmong

Directory of iNGOs

Das Directory of iNGOs listet die Kontaktdaten aller in Laos tätigen internationalen Nichtregierungsorganisationen (iNGOs) auf und bietet Infos über deren Tätigkeitsgebiete und Themen. Sehr hilfreich ist die Übersicht aller iNGOs nach Provinzen & Distrikten. Zusätzlich gibt es eine Rubrik mit aktuellen Stellenausschreibungen im iNGO-Sektor.

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Mai 2014 aktualisiert.

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