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Junge Frauen in einem abgelegenen Seitental. Copyright Mirjam Leuze

Gesellschaft

Alle wichtigen Strukturdaten zu Gesellschaft und Kultur
Amtssprache(n):Kirgisisch, Russisch
Regionalsprachen:Usbekisch
bedeutendste Religion:Islam 75%
weitere bedeutende Religion:Russisch-Orthodox 20%
Städtische Bevölkerung:35 % (2010)
Lebenserwartung:70 Jahre (2011)

Inhalte dieser Seite

Das LIPortal

Kirgisistan

Wesentliche Gliederungsprinzipien

Kirgisistan wird durch  die hohen Bergketten des Tienshan in einen südlichen und nördlichen Teil getrennt. Die Fahrt mit dem Auto zwischen Norden und Süden führt über mehrere 3000 Meter hohe Pässe und ist besonders im Winter lang und beschwerlich. Das hohe Gebirgsmassiv teilt das Land nicht nur geographisch, sondern auch sozio-politisch in einen nördlichen und südlichen Teil.

Der Norden des Landes mit der Hauptstadt Bischkek ist stark Russisch geprägt. Ein Großteil der Industrieproduktion war zur Zeit der Sowjetunion im Norden angesiedelt. Bis heute geht es der Bevölkerung im Norden wirtschaftlich besser. Trotz der massiven Abwanderung von Russen und Deutschen leben im Norden Kirgisistan auch heute noch über 80 verschiedene Ethnien in mehr oder weniger friedlicher Koexistenz nebeneinander.

Im ländlich geprägten Süden Kirgisistans,  mit denen im Ferghanatal gelegenen städtischen Zentren Osch (zweitgrößte Stadt des Landes) und Dschalalabad, leben vor allem Usbeken und Kirgisen, sowie zu einem kleinen Prozentsatz auch Tadschiken. Das Zentrum Südkirgisistans bildet das Ferghanatal, ein fruchtbares Becken, das sich auf einer Breite von 170 km und einer Länge von 350 Km erstreckt.

Das Ferghanatal mit 15 Mio. Einwohnern gilt als eines der wichtigsten landwirtschaftlichen Gebiete Zentralasiens und gleichzeitig als potentieller Krisenherd mit großen wirtschaftlichen, sozialen und interethnischen Problemen.

Die Grenzen Tadschikistans, Usbekistans und Kirgisistans treffen hier in einem verschlungenen Verlauf aufeinander und teilen das Ferghanatal in drei Staaten. Die heutigen komplizierten Staatsgrenzen wurden Anfang der 1920ger Jahre unter Stalin als Verwaltungsgrenzen zwischen den Unionsrepubliken ohne Rücksicht auf ethnische Gegebenheiten gezogen. So kommt es, dass in Kirgisistan im Gebiet Osch und Dshalalabad mehrheitlich ethnische Usbeken leben. Im angrenzenden Usbekistan wiederum leben neben Usbeken viele ethnische Tadschiken und Kirgisen.

Die Tatsache, dass nach dem Zerfall der Sowjetunion die administrativen Grenzen im Ferghanatal zu Staatsgrenzen wurden, gilt heute als einer der Gründe für die vielfältigen Probleme. Die Usbeken stellen in den Städten und Rayonzentren 50% bis 90 % der Bevölkerung.

Die wesentlichen Konfliktlinien (die man als ein Erbe der ehemaligen Sowjetregierung sehen kann) sind: Grenzstreitigkeiten und eine komplizierte ethnische Situation, die unter dem Druck von Überbevölkerung, hoher Arbeitslosigkeit und Armut immer wieder zu Spannungen führen. Der blutige Konflikt zwischen usbekischer und kirgisischer Bevölkerung im Juni 2010 ist nur das jüngste Beispiel einer ganzen Reihe von Konflikten in der Vergangenheit

Hinzu kommt dazu, dass der Süden Kirgisistans zu einer der wichtigsten Handelsrouten für Drogen aus Afghanistan gehört. Es wird geschätzt, dass 30% aller Drogen aus Afghanistan über Tadschikistan in den kirgisischen Teil des Ferghanatals gelangen und von dort weiter über Usbekistan und Kasachstan nach Russland und Westeuropa geschmuggelt werden. 

All diese Probleme geschehen vor dem Hintergrund wachsender islamistischer und radikaler Gruppierungen, die als eine Bedrohung der Stabilität des Landes empfunden werden. 

Zusammenleben zwischen Kirgisen und Usbeken

Kontakt und Zusammenleben zwischen Kirgisen und Usbeken waren im Laufe der historischen Entwicklung dieser beiden Ethnien unterschiedlich geprägt. Trotz ethnischer Nähe, - z.B. einer ähnlichen Sprache und der Zugehörigkeit zum gleichen Glauben,,  - , grenzen sich Kirgisen und Usbeken klar voneinander ab. Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal auf das von beiden Seiten verwiesen wird, sind die historisch unterschiedlichen Wirtschaftsweisen: zum einen die pastoralnomadische Lebensweise mit mobilen Behausungen und Viehzucht der Kirgisen und die sesshaft lebenden, Ackerbau treibenden Usbeken auf der anderen Seite. Auch wenn diese unterschiedlichen Wirtschafts- und Lebensweisen während der Zeit der Sowjetunion zerstört wurden, stellt dieser Unterschied in der Markierung von ethnischen Trennlinien einen wichtigen Punkt dar. Trotzdem sind viele Einflüsse von Usbeken auf Kirgisen in Bezug auf ihre Lebensweise und ihre Traditionen und Sprache spürbar. Wegen dieser Einflüsse werden die Kirgisen im Süden von den Kirgisen im Norden als „Sart“ bezeichnet – eine abwertend gefärbte Bezeichnung für Usbeke. Die Bezeichnung „Sart“ wird im Süden von den Kirgisen wiederum als eine beleidigende Bezeichnung nur gegenüber ethnischen Usbeken angewendet. 

Das Verhältnis der im Ferghanatal lebenden ethnischen Kirgisen und Usbeken ist besonders seit den Unruhen im Juni 2010, bei denen hunderte von Menschen beider Nationalitäten getötet wurden, stark belastet. Seit diesen Konflikten kommt es immer wieder zu willkürlichen Verhaftungen haupstsächlich von Usbeken. Aus Angst vor Übergriffen der Polizei und der Bevölkerung ist in den letzten zwei Jahren ein großer Teil der jungen Generation der usbekischen Bevölkerung aus dem kirgisischen Ferghanatal abgewandert.   

Obwohl auch der westliche Landesteil, die Provinz Talas, durch ein Hochgebirge vom Rest des Landes getrennt ist und nur über einen im Hochsommer passierbaren Pass oder über Kasachstan zu erreichen ist, ist die innere Distanz zwischen Norden und Süden besonders groß. Der russisch geprägte Norden und der eher traditionell geprägte Süden stehen sich heute mehr denn je mit Unverständnis und Misstrauen gegenüber als je zuvor. 

Bildung

Allee der Ausgezeichneten auf dem Gelände einer Schule in Kirgisistan. Copyright Regine Reim
Allee der Ausgezeichneten auf dem Gelände einer Schule in Kirgisistan. Copyright Regine Reim

Der Human Development Report von 2011 führt für Kirgisistan folgende statistische Werte an: Die öffentlichen Ausgaben für Bildung betragen 5,9% des Bruttosozialprodukts. Die Alphabetisierungsrate (Erwachsene über 15 Jahren) beträgt 99,2%. Erwachsene über 25 Jahre haben eine Schulbildung von einer durchschnittlichen Dauer von 9,3 Jahren erhalten. Gleichwohl beträgt die erwartete Schul- und Ausbildungsdauer für Kinder unter 7 Jahren derzeit 12,5 Jahre. Die Einschulungsrate wird mit 76,4% (beide Geschlechter) beziffert.

Gleichzeitig ist trotz relativ guter Ausbildungsraten die Jugendarbeitslosigkeit (der 15-24jährigen) mit 14,6%  als relativ hoch einzuschätzen. Die Arbeitslosenquote trägt zu der vergleichsweise hohen Migrationsrate von -2,6/1.000 Einwohner bei - Kirgisistan nimmt damit Rang 172 von 220 Staaten ein. Die Arbeitsmigration von Arbeitskräften aus Kirgisistan geht vor allem Richtung Russland, aber auch nach Kasachstan, in die Türkei und in die arabischen Emirate. 

Grundsätzliche Probleme des Bildungswesens in Kirgisistan sind wie auch in anderen zentralasiatischen Staaten die schlechte Vergütung der Lehrkräfte (der Durchschnittsverdienst liegt bei 50 – 85 Euro monatlich) und einer damit einhergehenden weitverbreiteten Korruption, sowie die schlichte bis mangelhafte Ausstattung der Schulungseinrichtungen insbesondere in den ländlichen Gebieten. Die schlechte Ausstattung betrifft nicht nur das Lehrmaterial, sondern auch die Schulgebäude. Häufig mangelt es bei den Lehrkräften sowohl an  fachwissenschaftlichen sowie an berufspädagogisch-didaktischen Kenntnissen und Fähigkeiten (bspw. Dominanz des sog. Frontalunterrichts).

Bischkek verfügt über mehrere internationale Schulen: die QSI International School, die Hope Academy und die Silk Road International School. Nennenswert ist zudem die Aga Khan School in Osch.

Einmalig in der Schullandschaft Bischkeks dürfte die Gert-Michael-Schule für Kinder mit Behinderung sein, die an das Kinder-Rehabilitationszentrum Ümüt-Nadjeshda angeschlossen ist. 

In Kirgisistan gibt es eine Vielzahl von Universitäten u.a. die International University of Kyrgyzstan, die International Atatürk-Alatoo University, die Kyrgyz State National University, die American University of Central Asia, die Kirgisisch-Türkische Manas University und die University of Central Asia in Naryn.“ Die vergleichsweise günstigen Studiengebühren und Lebenshaltungskosten ziehen viele Studenten aus dem Ausland an, vor allem aus der Türkei, sowie Indien und Pakistan.

Eine Übersicht über die Situation des kirgisischen Hochschulwesens gibt eine Länderstudie des DAAD. 

Sprache

Wahlplakat zur Präsidentschaftswahl 2011: `In der Zweisprachigkeit liegt unsere Zukunft`. Copyright Regine Reim

Die offiziellen Sprachen sind Kirgisisch und Russisch. Kirgisisch ist eine Turksprache, die in kyrillischer Schrift mit drei zusätzlichen Sonderzeichen geschrieben wird.  Russisch gilt als Lingua Franca und wird vor allem in städtischen Zentren, wie Bischkek, Karakol oder Osch gesprochen. Usbekisch ist eine weitere wichtige Sprache, die vor allem in den traditionell von ethnischen Usbeken bewohnten Regionen in Südkirgisistan gesprochen wird. Ethnische Minderheiten sprechen teilweise neben dem Russischen ihre eigene Sprache, wie Dunganisch, Tartarisch, Uighurisch, Türkisch, Ukrainisch. Die Sprachenzyklopädie Ethnologue listet 27 gesprochen Sprachen ethnischer Minderheiten in Kirgisistan auf. In einem zunehmend nationalistischeren Klima wird die Wahl der Sprache, Russisch oder Kirgisisch, zu einem immer größeren Politikum. Für viele russischsprachige kirgisische Staatsbürger wird es zunehmend schwieriger einen Job zu bekommen, wenn sie keine Kirgisisch-Kenntnisse vorweisen können. Bei den Präsidentschaftswahlen 2011 mussten sich erstmals alle Kandidaten mit einen Kirgisisch-Sprachtest für ihre Kandidatur qualifizieren. Viele kleine Sprachschulen in Bischkek haben sich in der Zwischenzeit neben der Vermittlung von Fremdsprachen auch auf Kirgisisch-Unterricht für kirgisische Staatsbürger spezialisiert. 

Gesundheit

Städtische Klinik in Bischkek, Copyright Mirjam Leuze 2013

 

Soziale Gerechtigkeit, Gleichheit und der freie Zugang zu medizinischer Versorgung sind laut Gesetz ein verbrieftes Recht jeden Bürgers in Kirgisistan. In der Praxis jedoch ist der Zugang zu medizinischen Leistungen nicht für alle gleich.  

Mit 140 US-Dollar (Stand 2010) Gesundheitsausgaben pro Kopf ist Kirgisistans Gesundheitswesen auch heute noch chronisch unterfinanziert. Zur Zeit der Sowjetunion im Jahr 1990 standen pro Einwohner 156 US-Dollar zur Verfügung, was auch damals schon eine Unterfinanzierung des Gesundheitswesens bedeutete. Trotzdem war die Gesundheitsversorgung für alle Bürger kostenfrei. Nach der Unabhängigkeit 1991 sanken die Ausgaben aufgrund der Wirtschaftskrise auf 37 $ per capita im Jahr 1993. Patienten mussten nun für ihre medizinische Behandlung selbst bezahlen.

Von seiner schlimmsten Krise Anfang der 1990er Jahre hat sich das staatliche Gesundheitswesen inzwischen erholt. Mit Hilfe der internationalen Gebergemeinschaft wurde ab 1994 versucht mit Langzeitreformen das Gesundheitswesens in Kirgisistan zu reformieren.  Ziele der beiden Reformprogramme Manas (1996–2006) und Manas Taalimi ( 2006 – 2010) waren, die medizinische Grundversorgung zu verbessern, den Krankenhaussektor zu reformieren und die Familienmedizin zu stärken.

Die von der WHO, der Weltbank, der DEZA und der deutschen staatlichen Entwicklungszusammenarbeit  geförderten Reformprogramme konnten durch die Einführung einer sogenannten „Single Payer Reform“ im Jahr 2001 die bis dahin weit verbreiteten obligatorischen Bestechungsgelder im medizinischen Sektor reduzieren. Die „Single Payer Reform“  sieht vor, dass die Patienten für ihre Behandlung einen offiziell festgelegten Satz bezahlen und dafür alle Behandlungen und Medikamente, die für eine Basisversorgung nötig sind, ohne weitere Kosten erhalten. Laut WHO sank mit der Reform die Anzahl der Patienten, die inoffizielle Zahlungen leisten mussten, um eine adäquate Behandlung zu bekommen, von 70% im Jahr 2001 auf 52% im Jahr 2006 (siehe PDF Seite 18). Die Zahl von 52% zeigt jedoch, dass auch heute noch oft mit Geld nachgeholfen werden muss, um eine gute Behandlung zu bekommen. Kirgisistan gilt als der zweitärmste Staat innerhalb der GUS-Länder mit einer Armutsrate von 33,7 %. Für viele Familien stellt deshalb ein schwerer Krankheitsfall eine ökonomische Katastrophe dar.

Korruption im kirgisischen Gesundheitswesen hat unter anderem auch mit der extrem schlechten Bezahlung von Ärzten in Kirgisistan zu tun. Bis zur Erhöhung der Gehälter im Mai 2011 verdiente eine Ärztin oder ein Arzt in Kirgisistan zwischen 60 und 150 Euro im Monat. Dies hatte zur Folge, dass viele Ärzte, wenn sie in Kirgistan arbeiten wollten, geradezu darauf angewiesen waren irgendwie an zusätzliches Geld zu kommen. Die schlechte Bezahlung treibt bis heute viele Ärzte dazu ins Ausland zu emigrieren oder ganz den Beruf wechseln. Ein dramatischer  Ärztemangel vor allem in den ländlichen Gebieten ist die Folge. In einem Bericht der International Crisis Group warnen Experten vor dem totalen Zusammenbruch des Gesundheitswesen im ländlichen Raum, wenn die letzten gut ausgebildeten Ärzte aus der Zeit der Sowjetunion in Rente gehen.

Eine der wichtigsten Aufgaben der aktuellen (letzten) Phase der Gesundheitsreform „Den sooluk“ ist deshalb auch die ungleiche Verteilung des medizinischen Personals zu beheben, da sich praktizierende Ärzte vor allem auf die Städte konzentrieren.

Die deutsche staatliche Entwicklungszusammenarbeit engagiert sich im Bereich Gesundheitsversorgung vor allem bei der Umsetzung des Gesundheitsreformprogramms „Manas Taalimi“, im Bereich der Mütter- und Kindergesundheit, bei der Bekämpfung von Tuberkulose und HIV/AIDS sowie bei der Verbesserung der Notfallversorgung, vor allem in ländlichen Gebieten.

Die Bundesrepublik Deutschland gilt mit Zusagen von ca. 65 Millionen € als einer der größten bilateralen Geber im Gesundheitssektor Kirgisistans. 

 

Besondere Gesundheitsprobleme

Apotheke im Dorf Barskoon. Copyright Mirjam Leuze 2008

Herz-Kreislauferkrankungen zählen laut WHO zu den häufigsten Todesursachen in Kirgisistan.  Die hohe Mütter- und Kindersterblichkeit, Tuberkulose und HIV/Aids stellen weitere besondere Gesundheitsprobleme dar.

Aufgrund der hohen Mütter- und Kindersterblichkeit gilt die Gesundheit von Müttern und Kindern als wichtigstes Ziel des kirgisischen Gesundheitsministeriums. Laut aktuellen Statistiken von UNICEF sterben 38 von 1000 Kindern vor ihrem fünften Geburtstag. Die Müttersterblichkeit liegt bei 69.1 Frauen auf 100.000 Geburten. Jedes fünfte Kind im Land gilt als arm.

HIV/AIDS

Kirgisistan gehört zusammen mit den anderen Ländern Zentralasiens und Osteuropas zu den Ländern weltweit in denen die HIV-Infektionsraten am schnellsten steigen. Die Zahl der AIDS-Erkrankten in der Gesamtbevölkerung ist zwar noch relativ niedrig, betroffen sind vor allem Risikogruppen. 80% aller HIV-infizierter Menschen in Kirgisistan sind injizierende Drogenkonsumenten. Doch die Epidemie könnte sich auch in der allgemeinen Bevölkerung ausbreiten. Mangelndes Wissen über die Folgen von Drogensucht und über Übertragungsweisen von HIV erschweren eine wirksame Prävention. Das Thema ist tabuisiert und Aids-Erkrankte haben unter sozialer Ausgrenzung und Stigmatisierung zu leiden. 

Nach Angaben der Gesundheitsministerin Dinara Saginbaeva liegt der monatliche Anstieg von HIV-Infektionen durchschnittlich bei 50 bis 70 Fällen. 

Tuberkulose

Kirgisistan gehört zu den Ländern weltweit mit besonders hohen Ansteckungsraten bei Tuberkulose. Die Lage in kirgisischen Gefängnissen gilt als besonders dramatisch. Während die Prävalenzrate in der kirgisischen Bevölkerung im Jahr 2006 bei 112 TB-Fällen pro 100.000 Einwohnern lag, soll sie laut Aussagen von Ärzte ohne Grenzen in kirgisischen Gefängnissen rund 25 Mal höher liegen. Trotzdem gibt es untern den rund 20 Justizvollzugsanstalten in Kirgisistan nur zwei Gefängnisse in denen Tuberkulosepatienten behandelt werden können.

Ein besonderes Problem stellen in Kirgisistan multiresistente Tuberkuloseformen dar.  Kirgisistan gehört zusammen mit neun weiteren Nachfolgestaaten der Sowjetunion zu den zehn Staaten weltweit in dem sich multiresistente Formen von Tuberkulose (MDR-TB) am schnellsten verbreiten. 

Informeller medizinischer Sektor

In Kirgisistan besteht neben der offiziellen schulmedizinischen Gesundheitsversorgung auch eine alternative oder traditionelle Medizin. Traditionelle medizinische Praktiken und Methoden waren zur Zeit der Sowjetunion verboten, lebten aber im privaten Bereich durchaus fort. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurden traditionelle Heilsysteme vor allem durch die drastische Verschlechterung und Verteuerung der offiziellen Gesundheitsversorgung schnell wiederbelebt. Durch die Revitalisierung des Islam seit der Unabhängigkeit ist auch das Interesse an verschiedenen Formen der religiösen Heilung gestiegen. Formen der traditionellen Medizin beinhalten u. a.  Phytotherapie, orthopädische Techniken durch sogenannte Knochenrenker (sinikci), Geisteraustreibung, Techniken gegen den Bösen Blick, den Besuch von heiligen Orten und die Heilung durch Koran lesen.

Obwohl die Meinungen und Einstellungen der Bevölkerung gegenüber alternativen Formen der Medizin sehr unterschiedlich sind, hat die große Mehrheit der Menschen in Kirgisistan irgendeine Form der alternativen Medizin schon einmal in Anspruch genommen. Die Nutzung "traditioneller" Medizinsysteme erklärt sich durch das kulturell geprägte Krankheitsverständnis. Kranksein hat im kirgisischen Verständnis viele Dimensionen und kann auch durch den Einfluss des bösen Blicks,  durch böse Geister oder durch Magie entstehen. Mit dieser Thematik beschäftigt sich in Kirgistan das Kulturforschungszentrum Aigine.

 

 

Religion in Kirgisistan

Moschee in Kyzyl Suu/Issyk-Köl Oblast - Kirgisistan. Copyright Mirjam Leuze
Moschee in Kyzyl Suu/Issyk-Köl Oblast - Kirgisistan. Copyright Mirjam Leuze

In der Sowjetunion war die Ausübung religiöser Praktiken fast nur im Versteckten möglich. In den größeren Städten Kirgisistans, wie Bischkek, Osch oder Karakol, gab es zwar jeweils eine zentrale Moschee und eine russisch-orthodoxe Kirche, doch nur ältere Leute konnten es sich erlauben, dort zu beten ohne Konsequenzen für ihre Arbeit oder ihre Familie fürchten zu müssen. Vor 1991 gab es 39 Moscheen und 25 Russisch- Orthodoxe Kirchen im ganzen Land. Seit der Unabhängigkeit gilt Religionsfreiheit als gesetzlich verbrieftes Recht, das je nach religiöser Gruppe eine relativ offene Religionsausübung ermöglicht.

Heute bekennen sich 75% der Bevölkerung formal zum Islam und circa 20% zur Russisch-orthodoxen Kirche. Laut der "Staatlichen Agentur für religiöse Angelegenheiten" gibt es heute 1,648 Moscheen und 46 orthodoxe Kirchen. Neben muslimischen und orthodoxen Glaubensgemeinschaften existieren weitere religiöse Gruppen, wie protestantische, katholische und jüdische Glaubensgemeinschaften, sowie eine kleine buddhistische Gruppe. Ungefähr 1,800 islamische und 300 christliche Organisationen sind in Kirgisistan aktiv. Radikal-islamische Organisationen wie  Hizb-ut-Tahrir oder die Islamische Bewegung Usbekistans (IMU) sind verboten und agieren im Untergrund.

Der Süden Kirgisistans blickt auf eine lange religiöse islamische Tradition zurück, die bis ins 11. Jahrhundert zurück reicht. Der Norden wurde langsamer und nicht so intensiv islamisiert. Vorislamische Praktiken wie Schamanismus existieren bis heute in Koexistenz mit dem Islam. Die Bewohner des heutigen Kirgisistan gehören historisch dem Islam der sunnitischen Hanafi-Schule an. Neben dem Islam und dem Russisch-ORthodoxen Christentum waren auch protestantische Glaubensgemeinschaften in Kirgisistan während der Sowjetunion präsent, vertreten durch die Kirgistan-Deutschen und die in den 1949 Jahren nach Kirgisistan zwangsumgesiedelten Russland-Deutschen.

Religiöse Bewegungen nach dem Ende des Sowjetunion

Bäume mit `Wunschschleifen`im Ala Archa Tal bei Bischkek. Copyright Mirjam Leuze
Bäume mit `Wunschschleifen`im Ala Archa Tal bei Bischkek. Copyright Mirjam Leuze

Nach 70 Jahren staatlich verordnetem Atheismus wurde nach der Unabhängigkeit mit finanzieller Unterstützung aus dem Ausland landesweit Moscheen gebaut, so dass heute in fast jedem Dorf in Kirgisistan eine Moschee zu finden ist. Parallel zum Moscheenbau und der zunehmenden Islamisierung begann nach der Unabhängigkeit eine sehr aktive Missionierungsbewegung verschiedenerer christlicher Gruppen, wie etwa den Baptisten und verschiedenen  neupfingstlerischer Kirchen, die als die erfolgreichste christliche Gruppe in Kirgisistan gelten. Besonders im ländlichen Kirgisistan führt die Anwesenheit kleiner christlicher Gemeinden in einem mehrheitlich muslimischen Umfeld heute zu Konflikten. So gibt es zum Beispiel Auseinandersetzungen darüber, ob Kirgisen, die zum Christentum konvertiert sind, auf dem Dorffriedhof bestattet werden dürfen, wo bisher nur Bestattungen nach muslimischem Ritual durchgeführt wurden.

Vor und in den ersten Jahren nach der Unabhängigkeit war die religiöse Zugehörigkeit ganz klar an den ethnisch-kulturellen Hintergrund geknüpft. „Kirgisisch-Sein“ bedeutete gleichzeitig auch sich dem Islam zugehörig zu fühlen, was bei wichtigen Anlässen wie etwa Geburt, Heirat oder Tod in volksislamischen Ritualen seinen Ausdruck findet, die nicht immer der gängigen Schriftauslegung des Islam entsprechen. Viele Kirgisen betonten gerne, dass sie als ehemalige Nomaden nicht so streng muslimisch wären, wie die „Sart“, womit die seit jeher sesshaften Usbeken gemeint sind. Historisch gesehen trugen Kirgisinnen tatsächlich nie einen Hijab. Das Gebet zu Hause oder an einem „kazietüü tshjer“, einem Kraftort, wie zum Beispiel an einer Quelle oder einem Baum ist auch heute noch vor allem bei Frauen sehr viel üblicher als das Beten in einer Moschee.

Ein signifikantes Wiedererstarken der Religion und eine Veränderung in der religiösen Landschaft ist nach Aussagen vieler Menschen in Kirgisistan vor allem seit dem Jahr 2000 zu beobachten. Als Anzeichen dafür werden die immer besser besuchten Moscheen genannt, das vermehrte Tragen des Hijab, des Schleiers und das Einhalten des Fastenmonats Ramadan. Gleichzeitig hat laut dem Ethnologen Mathijs Pelkmans im Jahr 2000 die „Aktivität christlicher Missionare eine beträchtliche Anzahl von Konvertiten“ hervorgebracht. 

Diese Art religiöser Erneuerung sowohl was den Islam, als auch das Christentum angeht, weichte bisherige Konzepte von Kirgisischsein und der Zugehörigkeit zu einer speziellen „kirgisischen“ Form des Islam auf zugunsten supranationaler Konzepte des Islam und des Christentums (vgl. Pelkmans) auf. Zu diesen Versuchen der religiösen und ideologischen Erneuerung kann auch die Bewegung des Tengrismus gezählt werden, einer zentralasiatischen Religion, die Elemente des Schamanismus, des Animismus und der Ahnenverehrung vereint und in deren Zentrum die Verehrung der Gottheit Tengir, (auch Tengri genannt) steht. Die Gottheit Tengir steht für die Kraft des ewigen blauen Himmels steht. Dastan Sarygulov, ein kirgisischer Politiker und früherer Präsident der staatlichen Goldbergbauagentur „Kyrgyz Altin“ gilt als der prominenteste Verfechter dieser religiösen Bewegung in Kirgisistan. Sarygulov propagiert den Tengrismus als die wahre Urreligion der Kirgisen, die er als Antwort auf die Probleme verursacht durch die Globalisierung sieht. Sarygulov ist Gründer der Organisation „Tengir Ordo“ ( Armee des Tengir), die die Werte und Traditionen des Tengrismus verbreiten möchte. 

Eine Erklärung für diese religiösen Erneuerungsbewegungen ist sicherlich in dem ideologischen Vakuum zu finden, das nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion entstand, als auch in dem über Jahre andauernden Niedergang der Wirtschaft. Die Verlierer des schwierigen Übergangs von sowjetischer Planwirtschaft hin zu einer kapitalistischen Wirtschaftsform fühlen sich besonders von neuen religiösen Bewegungen angezogen, da sie eine Lösung für die Probleme der Menschen versprechen und eine moralische Solidargemeinschaft anbieten. In vielen Fällen bietet die Mitgliedschaft sowohl in einer christlichen als auch islamischen Gemeinschaft wie der in Kirgisistan offiziell verbotenen Hizb Ut-Tahrir nicht nur ideologischen Halt, sondern auch einen wirtschaftlichen Vorteil, entweder durch direkte finanzielle Unterstützung oder durch die Mitgliedschaft in einem starken sozialen Netzwerk das Hilfe in Notsituationen gewährt.

 

Islamisierung

Kirgisistan gilt laut Einschätzung mancher Experten als das Land in Zentralasien, in dem die Islamisierung am schnellsten voranschreitet.  Wer das Straßenbild der Hauptstadt Bischkek Ende der 90er Jahren des letzten Jahrhunderts mit heute im Jahr 2011 vergleicht, dem springt sofort ins Auge, dass sich die religiöse Landschaft in Kirgisistan verändert. Neben jungen Mädchen in Miniröcken sieht man heute immer wieder Frauen, die den Hijab tragen, der Haar und Hals vollständig bedeckt. Noch gibt es ein gelassenes Nebeneinander der verschiedenen Lebensstile und die Zahl der Frauen, die einen Hijab tragen reicht lange nicht an die Anzahl verhüllter Frauen in Berlin-Kreuzberg oder Köln-Kalk heran. Doch es gibt verschiedene Stimmen, sowohl internationaler Beobachter, als auch aus der Zivilgesellschaft in Kirgisistan, die vor einer religiösen Radikalisierung warnen und die die Veränderung des Straßenbilds nur als die Spitze des Eisbergs sehen. So erschütterten  zwischen September und Dezember 2010 zwei Bombenattentate die kirgisische Hauptstadt, ein Novum in Kirgisistan. Zu beiden Attentaten bekannte sich eine bis dahin in Kirgisistan unbekannte religiöse Gruppierung, die Jaish al-Mahdi, (Armee of the Righteous Ruler). 

Die Organisation International Crisis Group warnte bereits in einem Bericht aus dem Jahr 2009 vor einer Radikalisierung besonders der Frauen auf dem Land, die von gesellschaftlicher Teilhabe und wirtschaftlichem Fortschritt weitgehend ausgeschlossen sind und somit anfällig für Rekrutierungsversuche der offiziell verbotenen radikal-islamischen Hizb Ut-Tahrir seien. Laut einer Umfrage im Sommer 2008, in der Menschen sowohl aus dem eher russisch geprägten Norden, also auch aus dem traditionell religiösen Süden des Landes nach ihrem Verhältnis zum Islam befragt wurden, engagieren sich besonders junge Menschen zwischen 15 und 25 am kompromisslosesten für einen politischen Islam. 40,5% waren für die Anwendung der Scharia bei Heirat und Erbrecht, für das Recht auf eine islamische Erziehung und für die Teilhabe des Islam an der Politik.

Gläubigen kirgisischen Staatsbürgern mehr Teilhabe an der aktuellen Politik einzuräumen tut laut Meinung vieler Beobachter not. Zu groß ist die Gefahr der Radikalisierung und das Abtauchen in illegale religiöse Netzwerke. Schon heute gehen Experten von ungefähr 35.000 Mitgliedern illegaler religiöser Gruppen in Kirgisistan aus, die sich vor allem im Süden des Landes, im kirgisischen Teil des Ferghanatals konzentrieren. Man nimmt an, dass vier Fünftel davon auf die Hizb Ut-Tahrir, die revolutionäre Partei der Befreiung Kirgisistans entfallen. Das erklärte Ziel der Hizb Ut-Tahrir ist ein Kalifat, Wohlstand für alle Bevölkerungsschichten und die Herabsetzung des Rentenalters von dreiundsechzig auf sechzig. 

Seit Protesten in Nookat im Jahr 2008, während denen Mitglieder der in Kirgisistan verbotenen Hizb Ut-Tahrir gegen die Festnahme einiger ihrer Mitglieder protestierten und das Verwaltungsgebäude des Rayon Nookat stürmten und teilweise zerstörten, hat die Politik eine härtere Gangart gegen Mitglieder illegaler islamischer Netzwerke eingelegt. Doch das Mittel politischer Repression birgt die Gefahr die Anziehungskraft dieser Netzwerke noch mehr zu erhöhen, anstatt wie beabsichtigt abschreckend zu wirken.  Diejenigen Bevölkerungsteile, die sich sozial und politisch ausgegrenzt fühlen und die Hinwendung zu Hizb Ut-Tahrir als Alternative zum kapitalistischen, westlich-demokratischen System sehen, werden nur durch eine verbesserte Wirtschaftslage und einem Gesellschaftssystem zu befrieden sein, das ihnen soziale und politische Teilhabe garantiert. Denn viele Menschen in Kirgisistan fühlen sich auch nach der zweiten Revolution, dem Aufstand gegen das Bakiev-Regime am 7. April 2010,  an ein Gesellschaftssystem ausgeliefert, das sich trotz aller Bemühungen der Regierung dies zu ändern, immer noch durch korrupte Beamte und eine bestechliche Rechtsprechung auszeichnet.

Kunst

Literatur aus und über Kirgisistan

Copyright Mirjam Leuze
Copyright Mirjam Leuze

Der wohl bekannteste zeitgenössische Autor Kirgisistans, der auch international Bekanntheit erlangte, ist Tschingis Aitmatov (1928 - 2008). Zu den bekanntesten Werken, die  teilweise auch verfilmt wurden, gehören „Djamilja“ (1958), „Ein Tag länger als das Leben“ (1981), „Der Richtplatz“ (1986), „Das Kassandramal“ (1994) und sein zuletzt erschienener Roman „Der Schneeleopard“ (2006). Kritikern zufolge hatte er die Literaturszene derart dominiert, dass andere junge Schriftsteller daneben keine Chance hatten zur Geltung zu kommen. Noch lange nach dem Tod Aitmatows hält der Streit über sein Erbe, seine Ehrung in einem geforderten Aitmatow-Museum und die Grabgestaltung auf dem Ata Beit Friedhof an. 

International weit weniger bekannt ist der kirgisische Dichter Sooronbay Jusuyev, geboren 1925. Er gilt als einer der bekanntesten Schriftsteller in Kirgisistan mit zahlreichen Veröffentlichungen. Er übersetzte unter anderem Shakespears Hamlet ins Kirgisische. 

Reiseführer und Literatur über Kirgisistan 

Zu Kirgisistan sind einige Reiseführer auf dem Markt wie zum Beispiel: "Kirgistan: Zu den Gipfeln von Tien-Schan und Pamir" von Thomas Scholl (Trescher Verlag, 2008) oder "Usbekistan und Kirgistan mit Tadschikistan" von Christian Funk und Aglaya Sintschenko (Reise Know How Verlag, 2010). 

Das Buch "Zentralasien - politische Reisereportagen aus Zentralasien" (Dagyeli Verlag 2010) von Elke Windisch erhält einige sehr spannende Kapitel über Kirgisistan. Das knapp 1000 Seiten umfassende Werk "Schnee in Samarkand. Ein Reisebericht aus dreitausend Jahren" von Daniel Schwartz (Eichborn Verlag 2008) beleuchtet in Reisereportagen aus Afghanistan, Usbekistan, Kasachstan, Kirgisistan und Tadschikistan, - verwoben mit zahlreichen Verweisen auf historische Quellen -, auch aktuelle Themen in Kirgisistan. "Gute Nacht Herr Lenin - Reise durch ein zerberstendes Weltreich" (1993) von Tiziano Terzani gibt im Kapitel über Kirgisistan einen guten Einblick über den Zustand des Landes kurz nach der Unabhängigkeit Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts. "Turkestan Solo" von Ella Maillart (Originalausgabe 1934, neu aufgelegt bei SIERRA bei Frederking&Thaler Verlag 2001) beschreibt eine Reise der Autorin durch das Gebiet des heutigen Kirgisistan und Usbekistan Anfang der 1930er Jahre.

Einige Bildbände wie „Ferne Heimat Kirgisien“ mit Fotografien von Georg Kürzinger und Texten von Tschingis Aitmatow, (1999), "Kirgistan: Ein Bildband über Talas" von Judith Beyer und Roman Knee (2007) geben einen guten visuellen Eindruck des heutigen ländlichen Kirgisistans. Einen Einblick in aktuelle gesellschaftliche und politische Ereignisse und Zustände gibt der Fotoband „Faded Tulips“ des preisgekrönten Fotografen William Daniels. 

Zunehmender Beliebtheit erfreut sich Kirgisistan als Land für Trekking-Fans und Fahrradfahrer und findet seinen Widerhall in Publikationen wie "Kirgistan: Terskej-Alatau-Traverse / Trekking im Tienschan: Von Kyzyl Suu nach Ak Suu. Trekking im Tienschan" von Kay Tsersisch (2005) oder "Easy Going: Zu Fuß von Kasachstan nach Kirgistan" von Anne Klemm (2011)."

Wer vor Ort auf der Suche nach deutschsprachiger Literatur über Kirgisistan ist, wird unter Umständen im deutschen Lesesaal der kirgisisch-nationalen Bajalinowbibliothek in Bischkek fündig.

Das Manas-Epos

Das Manas-Eposist das zentrale Werk der klassischen kirgisischen Literatur. Es wird häufig als das größte Epos der Welt bezeichnet und gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Das Manas-Epos besingt die Taten des mythologischen Helden Manas und seiner Gefährten und deren Kampf gegen vielfältige Feinde. Das Epos wurde bis 1858 ausschließlich durch mündliche Überlieferung bewahrt und weiter geformt. Die Manaschis, - die „Sänger“ die das Manas-Epos rezitieren, überliefern das Manas-Epos seit vielen Generationen in melodischem Sprechgesang und rezitieren daraus bei festlichen Anlässen. Jeder Manaschi kreiert seine eigene Version, so dass es vielfältige Interpretationen des Epos gibt. Das Manas-Epos ist auch eine Form Kontakt zur übernatürlichen Welt aufzunehmen. Die als „echte“ Manastschis  bezeichneten Sänger erzählen, von den „Spirits“ den „Arbaktar“ (Kirgisische Bezeichnung) zum Sänger des Manas-Epos berufen worden zu sein, meistens in Form eines Traumes. Diese Art von Manastschis werden unterschieden von denjenigen, die das Manas-Epos aus einem Buch auswendig lernen und es buchstabengetreu wiedergeben. Es gibt Manastschis die das Manas-Epos in Trance rezitieren.  

In der Literatur gibt es unterschiedliche Ansichten über die Ursprünge des Epos. Manche Forscher gehen vom 6. bis 10. Jahrhundert aus, andere vom 11. und 12., wieder andere erst vom 15. bis 18. Jahrhundert. Erst 1885 wurde es zum ersten Mal schriftlich festgehalten. Das Werk umfasst fast eine Million Verse und ist damit zehn Mal so lang wie Homers Odyssee und Ilias zusammen. 1995 wurde eine neue englische Übersetzung des Gesamtwerks übersetzt von Walter May zum 1000. Geburtstag von Manas veröffentlicht und 2004 in zwei Bänden neu gedruckt.

Nach der Unabhängigkeit Kirgisistans wurde das Manas-Epos herangezogen, um die ideologische Leerstelle, die sich nach dem Ende der Sowjetunion auftat, zu füllen und um eine neue nationale Identität zu schaffen. Manas wurde zum Gründer-Vater Kirgisistans und zu einem Symbol der Einheit stilisiert, der dem jungen Nationalstaat eine historische Dimension und Kontinuität verleihen sollte. Akajew leitete aus dem Epos „7 Vermächtnisse“ ab, die bei der nationalen Erziehung eingesetzt werden. Seit 2011 steht auf dem zentralen Platz Ala-Too-Platz in Bischkek eine Manas-Figur an der Stelle von Lenin und der Freiheitsstatue, die den Ala-Too-Platz von 2003 – 2011 zierte.

 

Kirgisische Filzkunst - Ala-Kiyis & Shyrdak

Um die Filzteppiche gegen Mottenbefall zu schützen, werden sie regelmäßig in der Sonne gelüftet, wie dieser Shyrdak mitten im Zentrum der Hauptstadt Bischkek.
Um Shyrdaks vor Mottenbefall zu schützen, werden sie regelmäßig gesonnt. Copyright Mirjam Leuze

 

Shyhrdak und Ala-Kiyis heißen die farbenfrohen handgemachten Filzteppiche, die früher in jedem kirgisischen Haushalt zu finden waren und zur Aussteuer jedes Mädchens gehörten. Einen Shyhrdak herzustellen ist äußerst aufwendig: angefangen vom Scheren der Schafe, über das Waschen, Filzen und Färben der Wolle, bis hin zum Zuschneiden der komplexen Formen und dem Zusammennähen der Filzstoffe. An einem Filzteppich arbeitet eine Frau oft mehrere Wochen lang. Heute beherrschen immer weniger Menschen die Kunst einen Shyrdak oder Ala-Kyis herzustellen und die wärmenden Filzteppiche werden zunehmend von billigen Kunstfaserteppichen verdrängt. Die UNESCO hat deshalb die kirgisischen Filzteppiche und die damit verbundenen Traditionen des Herstellungsprozesses im Dezember 2012 zum Weltkulturerbe erklärt. In jüngster Zeit bemühen sich einige Initiativen darum, Menschen die die Tradition der kirgisischen Filzkunst beherrschen, zu fördern. Die verwendeten Formen haben jeweils unterschiedliche symbolische Bedeutung. Viele Ornamente sind Motiven aus der Pflanzen- und Tierwelt nachempfunden. Der Künstler Talant Turganbajev bebildert das eindrucksvoll in einem kurzen Zeichentrickfilm. In den vergangenen Jahren haben sich in Kirgisistan einige Frauen-Kooperativen gegründet, die Shyrdaks herstellen und verkaufen.

Wer sich in Deutschland für kirgisische Filzkunst interessiert, kann sich jedes Jahr im November auf der "Import Shop Berlin" umschauen oder sich an den "Deutsch-Kirgisischen Kulturverein e.V." wenden.

Filmkunst

Filmaufnahmen des Filmstudios `Kyrgyzfilm`.

Das Anfang der 1940er Jahre gegründete staatliche Filmstudio „Kyrgyzfilm“.  produzierte zur Zeit der Sowjetunion unter anderem Literaturverfilmungen der Bücher Aitmatovs. Nach der Unabhängigkeit 1991 wurden hier Produktionen wie die international beachteten Filme „Der Dieb des Lichts“  und „Besh Kempir“  von Aktan Arym Kubat oder „Sarapan“ von Ernest Abdijaparovrealisiert. Ein aktuell viel diskutierter Film in Kirgisistan ist der Film "Pustoi Dom" ( The empty home) von Nurbek Egen, der das Thema Arbeitsmigration von Frauen anpackt. 

Eine Übersicht über Regisseure und Regisseurinnen und Filmproduktionsfirmen in Kirgisistan findet sich auf der Seite des kirgisischen Filmverbandes.

Filmfestivals und Filmreihen

"Bir Duino" - One World - Filmfestival im Manas-Kino in Bischkek, September 2011, Copyright Mirjam Leuze

Seit 2007 findet im September jeden Jahres das „Bir Duino - Filmfestival“ mit Dokumentarfilmen zum Thema Menschenrechte in Bischkek statt. Im Anschluss an die Festivalwoche in der Hauptstadt tourt eine Auswahl der Filme durch die Provinzhauptstädte in ganz Kirgistan.  Organisiert wird das Festival von der Nichtregierungsorganisation „Citizens against Corruption“ unter der Leitung der Menschenrechtlerin Tölökan Ismailova.

Ein Arthouse Filmfestival mit Spielfilmproduktionen kirgisischer Regisseure und Regisseurinnen findet jeweils im November in Bischkek statt. 

Fans des französischen Kinos können jeden Donnerstag im Centre Francais in Bischkek französische Film ( ohne Untertitel) schauen.

Filme aus Deutschland gibt es in Bischkek jeden zweiten Sonntag um 14 Uhr im Sprachlernzentrum Bischkek zu sehen.

Wer sich für Filme aus Kirgisistan in Deutschland interessiert kann beim Kyrgyz Filmfestival in Berlin  oder beim Go East Filmfestival in Wiesbaden fündig werden.

Kinos in Bischkek

Ala Too: Bishkek, Prospect Chui, 187, Tel: 661957 , 665143 661957

City Cinema: Zhukeeva Pudovkin, 87 A, Tel: 510184, 510184

Dom Kino: Logvinenko 13 (gegenüber des Restaurants Yusa)

Frunze Cinema: Ahunbaeva-Baytik Baatyr, Tel: 939845, 939845

Movie Star Cinema: Yunusalieva, 177 / 2, Beta Stores-2, 3. Stock, Tel: 460444, (770) 446464, 460444, (770) 446464

Vefa Cinema: Gorkiy Street, 27 / 1, Vefa Center, 3rd Floor, Tel: 596688, 596688

KINOdrom: Autokinoteatr, Prospect Manas, Shcherbakov Phone: 358877, 770878, 358877, (555) 770878

Kosmopark Cinema: , Karl Marx Str., Ecke Donetskaya, Tel: 299494, 299494

Manas Cinema: Prospect Mira 53, Tel: 545826 , 545827, 545826

October Cinema: Prospect Chui 184, Tel: 392091, 392091

Rossiya Cinema: Prospect Chui 213, Fel: 092366 , 660960, 660923, Website: cinema.kg

Musik

Konzertankündigung Bek Borbiev, Bishkek 2012 Copyright Mirjam Leuze

 

Kirgisistan verfügt über eine vielfältige Musikszene.  Von Klassik über Folklore bis hin zu Jazz, Pop und Hiphop kann man hier alles finden. 

Klassische Musik

Das in Bischkek ansässige Chui-Kammerorchester besteht seit 1994. Das aktuelle Programm des Orchesters kann auf der russischsprachigen Homepage des Orchesters eingesehen werden.

In der Philharmonie in Bischkek finden regelmäßig klassische Konzerte, sowie Konzerte kirgisischer Folkloresängerinnen und Sänger statt. Die Kasse befindet sich auf der Westseite des Gebäudes, Ecke Prospect Chui und Manas. Tel: 614015

Klassisch kirgisische Musik

Das 1999 gegründete Ordo Sakhna Musikensemble und Musiktheater galt lange als Geheimtipp. Das Ensemble, das von dem Kinoregisseur Shamil Djaparov geleitet wird hat sich in der Zwischenzeit auch international einen Namen gemacht. Das Ensemble hat es sich zur Aufgabe gemacht kirgisische Folklore und Volksmusik neu zu interpretieren.

Von klassischem Pop bis Hiphop und Rap

Die klassisch kirgisische Popmusik, vertreten von Sängerinnen wie Gulnur Satylranova oder Bek Borbiev, die schon immer in kirgisischer Sprache gesungen haben, erfuhr in den letzten Jahren eine Verjüngung und Erweiterung des Musikstils durch junge Popmusiker, wie der Sängerin Kanekei oder dem Sänger Mirbek Atabekov, die auf Kirgisisch und Russisch singen. Diese jungen Musiker stehen mit ihrer Musik für einen zunehmend gleichberechtigten Umgang der kirgisischen mit der russischen Sprache; eine relativ neue Entwicklung, denn das Kirgisische wurde jahrzehntelang abwertend als Sprache der ungebildeten Landbevölkerung betrachtet. 

Die Lieder junger Rapper thematisieren teilweise gesellschaftlich heiße Eisen. Das Lied PATRIOT von L`zeep etwa, einem 22-jährigen Rapper ist ein empörtes Lied über die politische Elite, die mit der Tulpenrevolution im Jahr 2005 an die Macht kam. Einen Tag nach der zweiten Revolution am 7. April 2010  lud ein Nutzer das Lied unterlegt mit Fotos von den Kämpfen des vorherigen Tages bei YouTube hoch.

Manche Künstler schlagen in ihren  kirgisischsprachigen Popsongs jedoch auch zunehmend aggressive nationalistische Töne an. Das Lied „Kyrgyz elim bar bol, Kyrgyz elim bir bol“ von L`Zeep etwa beschwört mit nationalen Symbolen und der Darstellung kirgisischer Traditionen die Einheit des kirgisischen Volkes.

In eine ähnliche Liga gehört das Lied des Rappers Tata Ulan. Mit seinem Lied „Ne kerek“ („Was nötig ist“) rappt er an einem Rednerpult stehend seinen Zuhörern vor, wie sie als Kirgisen leben sollten. Sein Markenzeichen ist eine Maske. In einer ganz neuen Mischung aus Rap und der Intonation eines Manas-Sängers singt er auf Kirgisisch gegen den Raubtierkapitalismus seiner Landsleute an, gegen die Miniröcke junger Kirgisinnen und für den Hijab.  

Die Hiphop und Rapper-Szene ist in Kirgisistan immer noch klein, erfährt aber zunehmende Popularität. 

Brautraub

Kirgisistan gehört zu den wenigen Staaten der Welt in denen Brautraub aktiv praktiziert wird. „Ala katschuu“ wie die Praxis des Brautraubs auf Kirgisisch genannt wird, ist die Entführung von jungen Frauen durch junge Männer zum Zweck der Heirat. Die Entführungen sind manchmal zwischen den jungen Paaren abgesprochen, oft finden sie jedoch gewaltsam, gegen den Willen des Mädchens statt. Laut einer Studie des Kyz Korgon Instituts, wurden im Jahr 2010 und 2011 ungefähr 45 Prozent aller Ehen in der kirgisischen Stadt Karakol und Umgebung durch Brautraub, gegen den Willen der Braut, geschlossen. Manche Menschenrechtsgruppen sprechen gar von 65%-75% aller Ehen, die in Kirgisistan durch Brautraub zustande kommen sollen.

Besonders seit dem Ende der Sowjetunion und der Unabhängigkeit Kirgistans im Jahr 1991 hat die Entführung von jungen Frauen eine Renaissance erfahren. Bis Januar 2013 drohten laut Gesetz für Brautraub bis zu drei Jahren Haft, doch in den letzten 20 Jahren wurde in Kirgistan kaum jemand dafür verurteilt.  Die Stimmen kirgisischer Menschenrechtsgruppen, die Brautraub seit Jahren als Menschenrechtsverletzung brandmarkten, blieben lange ungehört und es herrschte ein gesellschaftlicher Konsens, dass Brautraub eine kirgisischen Tradition sei, die in Kirgistan einfach dazu gehöre. 

Nach den Selbstmorden zweier junger Frauen, die Anfang des Jahres 2011 entführt und zur Heirat gezwungen wurden, begann sich in Kirgisistan zum ersten Mal öffentlicher Protest gegen die Praxis zu regen. Unter dem Titel: „Ein Frühjahr ohne sie“ gingen in der Provinzhauptstadt Karakol Ende Mai 2011 knapp hundert Menschen auf die Straße um gegen die Praxis des Brautraubs zu protestieren. Nicht viel, doch die Demonstranten erhielten Unterstützung von prominenter Seite. Roza Otunbaieva, die damals amtierende Präsidentin Kirgisistans, war die erste Unterzeichnerin einer Petition gegen diese menschenverachtende Praxis.

Gazbübü Babayarova, Gründerin der NGO Kyz Korgon  führt Armut als einen der Gründe für die Entführungen von Frauen an. Wer eine Frau entführt, kann den Brautpreis drücken. Für viele Familien in Kirgistan ein gewichtiges Argument. Aber nicht der einzige Grund. Im Zuge eines zunehmenden Nationalismus wird Brautraub zunehmend als kirgisische Tradition „entdeckt“. War Brautraub noch bis vor einigen Jahren ein ländliches Phänomen, gibt es heute selbst in der Hauptstadt Bishkek Brautentführungen.

Die Hoffnungen, dass die Legislaturperiode unter Rosa Otunbaeva ein Umdenken in Sachen Brautraub auf politischer Ebene eingeläutet hat, erfüllten sich zunächst nicht. Im Januar 2012 brachte die Abgeordnete Aynur Altybaeva von der Partei „Ata Meken“ einen Gesetzesentwurf zur Verhinderung von Brautraub ein. Im Februar 2012 wurde dieser vom kirgisischen Parlament abgelehnt. Der Entwurf sah vor muslimische Geistliche, die Brautpaaren ohne standesamtliche Trauungsurkunden den Ehesegen geben, unter Strafe zu stellen. Viele Ehemänner, die ihre zukünftige Ehefrau entführt haben, lassen ihre Ehe nicht offiziell standesamtlich registrieren aus Angst vor strafrechtlicher Verfolgung, sondern bevorzugen die islamische Form der Eheschließung (Nikah – Eheschließung nach Scharia – Richtlinien).

Auf die Ablehnung des Parlaments reagierte die Abgeordnete mit einem zweiten Gesetzesentwurf. Sie forderte den Brautraub mit anderen Formen der Entführung gleichzusetzen und eine Haftstrafe von fünf bis zehn Jahren zu verhängen. Obwohl auch dieser neue  Gesetzesentwurfbei den meisten männlichen Politikern, sowie einigen Wissenschaftlern wie Kadyr Malikov und islamischen Geistlichen keine Unterstützung fand, unterzeichnete Präsident Almazbek Atambajev im Januar 2013 nun ein entsprechendes Gesetz. In der Zukunft kann Brautraub mit bis zu sieben Jahren Haft bestraft werden, statt bisher drei Jahren. Sind die entführten Frauen jünger als 17 Jahre, drohen sogar bis zu zehn Jahre Haft. 

Einen Einblick in das Rollenverständnis von Frauen während und nach der Sowjetunion gibt das Interview mit Babarakan Muratbekova, das im Rahmen eines Oral History Projekts an der American University of Central Asia im März 2009 geführt wurde. 

Der Film „The kidnapped bride“ ( Teil 1) des promovierten Philosophen und Filmemachers Petr Lom gibt einen guten Einblick in die Tradition des Brautraubs, ohne reißerisch zu sein.  Teil 2 des Films

 

Autorin

Mirjam Leuze M.A., geb. 1964 studierte in Köln und Bischkek Ethnologie & Theater-Film und Fernsehwissenschaften. Sie erforschte in Kirgisistan den „Bösen Blick“ und „Gefallene Herzen“. Seit Mitte der 1990er Jahre ist sie regelmäßig in Kirgisistan unterwegs und verfolgt die Entwicklungen dort. Mirjam Leuze arbeitet als freie Journalistin, Kamerafrau und Filmemacherin. Parallel dazu gibt sie Trainings und Workshops in Participatory Video und zum Thema Menschenrechte&Video.

Ihr Feedback.

Lesetipp

Till Mostowlansky: Islam und Kirgisen on Tour - Die Rezeption "nomadischer Religion" und ihre Wirkung. Studies in Oriental Religions. Hg. Karl Hoheisel und Wassilios Klein, Volume 55, 2007. Harrassowitz Verlag - Wiesbaden.

Im letzten Teil der Arbeit widmet sich Till Mostowlansky aktuellen religiösen Diskursen in Zentralkirgisistan.

 

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Dezember 2013 aktualisiert.

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