LIPortal » Landesübersicht & Naturraum

Der Tonle Sap bei Phnom Penh (Foto: Karbaum)

Überblick

Alle wichtigen Strukturdaten zu Landesübersicht und Naturraum
BeschreibungInhalt
Offizieller Name:Königreich Kambodscha
Fläche:181,035 km²:
Einwohner:14,3 Mio.
Bevölkerungswachstum: 1,8% (pro Jahr)
Regierungssitz:Phnom Penh
Klima (für Hauptstadt):tropisches Monsunklima

Inhalte dieser Seite

Das LIPortal

Kambodscha

Landesimpressionen

Es herrscht kein Mangel an Kambodscha-Impressionen im Internet, die von aufschlussreichen Einsichten in die Sonnen- und Schattenseiten der Situation im Lande, über Reiseerfahrungen, Menschen und Landschaften bis zu detaillierten Visualisierungen von Klima, Geschichte, Sitten, Flora und Fauna reichen.

Lage und Größe

Kambodscha liegt in Südostasien, genauer: auf der Indochinesischen Halbinsel, am Nordostufer des Golfs von Thailand. Die Küste hat eine Länge von 443 Kilometern. Kambodscha grenzt im Westen und Nordwesten auf 803 Kilometern an Thailand, im Norden an Laos (541 km) sowie östlich und südöstlich an Vietnam (1.228 km). Die gesamte Fläche beträgt 181.035 km², davon sind 176.520 km² Landfläche. Damit ist Kambodscha etwa halb so groß wie Deutschland.

Grunddaten

Die wahrscheinlich ausführlichste Aufstellung von Links zu Webseiten, die sich mit der kambodschanischen Geschichte, Kultur und anderen Aspekten des Landes beschäftigen, bietet mekong.net. Die umfassendsten Darstellungen Kambodschas im Internet finden sich in der Online-Enzyklopädie Wikipedia, auf den Seiten des "ARD Special Kamboscha" und in Cambodia - A Country Study der Library of Congress, die zwar bedauerlicherweise seit 1987 nicht mehr aktualisiert worden ist, in vielerlei Hinsicht - vor allem für eine detaillierte Darstellung der Geschichte des Landes - den Klick aber dennoch lohnt.

Für handfeste und zuverlässige Daten in tabellarischer Übersicht zu Kambodscha empfiehlt sich ein Blick in das World Factbook der CIA. Knapp gehaltene Grundinformationen finden sich auch auf den Webseiten der BBC, des US Department of State und in der Datenbank der Vereinten Nationen. Wer sich allerdings näher mit statistischen Angaben zu Kambodscha beschäftigt wird schnell feststellen, dass sich Zahlen je nach Quelle durchaus unterscheiden, auch wenn die Größenordnungen meist sehr ähnlich sind.

Abendstimmung am Mekong, ©Jörn Dosch

Naturraum

 

Landschaftsbild

Zwei Drittel Kambodschas werden durch das Kambodschanische Becken eingenommen, das sich 5 bis 30 m über dem Meeresspiegel befindet und in dessen westlichem Zentrum der See Tonle Sap liegt. Von drei Seiten schließen sich an das Becken Gebirge und Hochebenen an. Südwestlich des Tonle Saps, hauptsächlich in den Provinzen Koh Kong und Pursat gelegen, befinden sich die Kardamomberge, mit dem höchsten Berg Phnom Aural (1813 Meter). Die Elefantenberge laufen entlang der schmalen Küstenebene (die höchste Erhebung ist Bokor nahe Kampot mit knapp 1000 Metern). An der nördlichen Grenze zu Thailand findet sich das Dongrek-Gebirge. Es fällt nach Süden hin steil ab und wird nicht höher als 756 m. Das östliche Chlong-Plateau (bis 942 m) und ein bis auf 1.500 m ansteigender Streifen Bergland im Nordosten bilden die Ausläufer der Annamitischen Kordillere.

Gewässer

In der Mitte des Kambodschanischen Beckens befindet sich der Tonle Sap, der durch den gleichnamigen Tonle Sap-Fluss mit dem Mekong verbunden ist. Während der Regenzeit von Ende Mai bis Mitte November führt der Mekong so viel Hochwasser, dass das Wasser entgegen seiner Fließrichtung den Tonle Sap-Fluss hinaufgedrückt wird und den See speist, der dadurch von 2.500 km² auf bis zu 20.000 km² anschwillt. Dadurch wird er zum größten See Südostasiens. Der Mekong, der größte Fluss Südostasiens, durchfließt Kambodscha in Nord-Süd-Richtung auf 500 Kilometern. Dabei ist er meistens über 1,6 Kilometer breit. Bei Phnom Penh spaltet sich der Obere Mekong in den Tonle Sap, den Bassac und den unteren Mekong auf.

Klima

Kambodscha kennt praktisch vier Jahreszeiten: (1) trocken-heiß von März bis Mai, (2) feucht-heiß von Juni bis September, (3) feucht-weniger heiß Oktober bis November und (4) trocken-warm von Dezember bis Februar. Allgemein herrschen im Monsunklima in Kambodscha gleichmäßig hohe Temperaturen. Im Dezember sinken sie im Schnitt auf einen Tiefstand von 26 °C und erreichen im April ihr Maximum mit 30 °C.

Kambodscha ist praktisch windstill, außer an einigen Tagen im Dezember. Dann kann es nachts auch sehr kalt werden, in manchen Regionen fällt das Thermometer deutlich unter 10 Grad.

Die Niederschläge werden von den Monsunen bestimmt; von Mai bis September/Oktober weht der feuchte Südwestmonsun und bringt Regen, im restlichen Jahr bringen Nordostwinde trockene Kontinentalluft. Die geringsten Niederschläge werden am Tonle Sap mit durchschnittlich 1.000 mm im Jahr gemessen; im übrigen Tiefland betragen die sie 1.300–2.000 mm jährlich. An den Westhängen der Gebirge steigen die Regenmengen auf 4.000 mm und mehr an, die Höchstwerte werden im Elefantengebirge mit 5.300 mm erreicht.

Flora und Fauna

Trotz erheblicher Eingriffe in die Naturräume gelten Flora und Fauna Kambodschas nach wie vor als vielfältig. Rund 30% der Fläche Kambodschas ist bewaldet, Tendenz sinkend. In Höhen über 700 m mit feuchtkühlem Klima wächst ein immergrüner Bergwald, dessen Bäume bis zu 60 Meter Höhe erreichen. Die Vegetation der niederschlagsreichen Westhänge der Gebirge ist durch tropischen Regenwald geprägt, der 40 bis 50 Meter hoch wird.

Im Unterholz finden sich niedrigere Pflanzen wie kleinere Bäume, Büsche oder Palmen. Das Tiefland ist, wenn es nicht landwirtschaftlich genutzt wird, durch Monsun- und Trockenwälder bedeckt, die in der Trockenzeit ihr Laub verlieren. In Regionen, in denen Überschwemmungswald und sumpfige Savannen dominieren, sind die Böden nährstoffarm und trocken. An der Küste finden sich Mangrovenwälder.

Die Fauna ist sehr vielfältig, insgesamt leben in Kambodscha gut 600 geschützte Tierarten. Besonders die nordöstlichen Provinzen weisen noch immer große Wildpopulationen auf. In den bevölkerungsarmen Wald- und Gebirgsgebieten leben beispielsweise Indische Elefanten, Tiger, Leoparden, Flughunde, diverse Bärenarten und zahlreiche Giftschlangen.

Der Tonle Sap ist reich an Wasservögeln und Wassertieren, in ganz Kambodscha sind rund 1200 Fischarten bekannt. Die Erträge im Fischfang sind allerdings rückläufig, da durch menschliche Eingriffe das ökologische Gleichgewicht der kambodschanischen Gewässer immer stärker gestört wird. Im unteren Abschnitt des Mekong (Provinz Kratie) befinden sich die letzten Rückzugsgebiete des Irawadidelfins, der dort akut vom Aussterben bedroht ist.

Bodenschätze

Kambodschas Bodenschätze sind bisher kaum erschlossen und scheinen quantitativ eher begrenzt zu sein. Ende 2012 sollte mit der Erdölförderung im Golf von Thailand begonnen werden, doch das Vorhaben wurde erneut auf unbestimmte Zeit verschoben. Bergbauaktivitäten beziehen sich derzeit vor allem auf den Abbau von Eisenerzen und Bauxit. Es gilt als sicher, dass Kambodscha über Mangan verfügt, auch Phosphat sollen in abbaufähiger Form vorliegen, außerdem auch Titan, Gold und Silber in geringen Mengen. Darüber hinaus werden Edelsteine, insbesondere Rubine, Saphire und Zirkone, bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts abgebaut.

Ökologische Probleme

Seit 1990 nahm die bewaldete Fläche Kambodschas um rund 2,5 Mio. Hektar ab, was einem jählichen Schwund von etwa zwei Prozent entspricht. Heute sind noch gut 10 Mio. Hektar bewaldet, aber nur 322.000 Hektar gelten als unberührter Primärwald. Nicht selten ist das kambodschanische Militär in den organisierten Kahlschlag im ganzen Land verwickelt. Die drastisch sichtbaren Folgen der Abholzung riefen Ende der 1990er Jahre sowohl die kambodschanische Regierung als auch die internationalen Geber von Entwicklungshilfe auf den Plan. 1998 erklärte Premierminister Hun Sen die nachhaltige Forstwirtschaft zu einer der Prioritäten seiner Regierung, 1999 ging die Regierung internationale Verpflichtungen zur Förderung der nachhaltigen Forstnutzung ein. In der Praxis fällt es den Verantwortlichen oft schwer, diese politischen Ziele zu erreichen. Illegaler Holzeinschlag wurde in der Folge zwar verboten, Verstöße aufgrund der Involvierung politischer Akteure aber nicht strafrechtlich geahndet. Kambodscha verfügt nach wie vor nur über sehr geringe Erfahrungen in der nachhaltigen Nutzung der natürlichen Ressourcen des Landes. Da etwa dreiviertel der Bevölkerung von der Landwirtschaft leben, bestehen hier durch das anhaltende Bevölkerungswachstum noch erhebliche Herausforderungen. Weitere Gefährdungen des Ökosystems liegen in der globalen Erwärmung, durch die Kambodscha zu den gefährdesten Ländern der Welt zählt - auch wenn die eigenen CO2-Emissionen nach wie vor ziemlich gering sind.

Sozialraum

Foto vom Highway 5
Kambodschas sieben Nationalstraßen sind asphaltiert und zweispurig augebaut. Das Verkehrsaufkommen ist in den letzten Jahren deutlich gewachsen, aber noch gehören Staus außerhalb der Ballungszentren zu eher seltenen Phänomenen. (Foto: Karbaum)

Die größten Städte Kambodschas sind die Hauptstadt Phnom Penh (ca. 2,5 Millionen Einwohner), Battambang (250.000), Siam Reap (200.000) und Sihanoukville (150.000). Das Land gliedert sich in 23 Provinzen plus der Hauptstadt Phnom Penh und mehr als 1600 Gemeinden. Jahrzehntelange kriegerische Auseinandersetzungen und das Schreckensregime der Roten Khmer in den 1970er Jahren zerstörten die Infrastruktur des Landes.

Das Verkehrswegenetz gehört zu den schlechtesten in Südostasien, befindet sich aber im Wiederaufbau. Die meisten der sieben Nationalstraßen sind in gutem Zustand und mittlerweile auch nachts befahrbar. Dagegen spielt der Schienenverkehr für den Personen- und Gütertransport noch eine sehr untergeordnete Rolle.

Rund die Hälfte der internationalen Besucher erreicht Kambodscha über die Flughäfen in Phnom Penh und Siem Reap. Die wichtigsten Grenzübergänge befinden sich in Poipet und Koh Kong (nach Thailand) sowie Bavet und "Chau Doc" (nach Vietnam). Der wichtigste Tiefseehafen befindet sich in Sihanoukville; aufgrund des geringen Tiefgangs ist er für den Welthandel allerdings nur eingeschränkt geeignet.

Dagegen leidet das Land nach wie vor an einer Unterausstattung mit Krankenhäusern und Gesundheitszentren, auch Bildungseinrichtungen existieren qualitativ wie quantitativ noch nicht in einem ausreichenden Maße. Der Zugang zu Telekommunikationsangeboten ist mittlerweile in weiten Teilen Kambodschas über Drahtlosverbindungen gesichert.

Nationale Symbole

Flagge und Wappen von Kambodscha
Kambodschas Flagge und Wappen (Quelle: Wikipedia)

In der Mitte der Landesflagge befindet sich als Emblem eine weiße Silhouette des Tempels von Angkor Wat. Sowohl die rote Farbe als auch das Angkor Wat-Emblem sind traditionelle Symbole des Landes. Die heutige Flagge wurde nach dem Ende der kommunistischen Herrschaft wieder eingeführt, nachdem sie bereits zwischen 1953 und 1970 Gültigkeit besaß. Das Wappen ist seit 1993, dem Jahr der ersten (und bislang letzten) freien Wahlen, in Gebrauch. Nokoreach ist die königliche Nationalhymne, die 1993 wieder eingeführt wurde. Der Text stammt von Chuon Nat, komponiert wurde die Hymne von F. Perruchot und J. Jekyll auf Basis eines alten kambodschanischen Volksliedes. Ursprünglich hatte man die Hymne 1941 übernommen und 1947 nochmals bestätigt. Sie wurde jedoch ersetzt, als die Khmer Rouge 1975 an die Macht kamen. Von Ausländern wird selbstverständlich erwartet, dass sie den nationalen Symbolen des Gastlandes Respekt erweisen.

Der Autor

Profil Markus Karbaum

Dr. Markus Karbaum beschäftigt sich seit 2002 wissenschaftlich mit Kambodscha. 2008 erschien seine Dissertation „Kambodscha unter Hun Sen“ als Monographie im LIT-Verlag. In zahlreichen weiteren Publikationen und Lehraufträgen an der Humboldt-Universität und der Freien Universität Berlin widmet sich Dr. Karbaum insbesondere politischen wie sozioökonomischen Transformationsprozessen und Fragen regionaler Integration in Südostasien. Als selbständiger Berater führt er unter anderem auch die Landesanalyse Kambodscha an der Akademie für Internationale Zusammenarbeit durch. Sie können ihn hier kontaktieren.

Trainingsangebote der AIZ

Die Akademie der GIZ ist der führende Weiterbildungsanbieter für die internationale Kompetenzentwicklung. Wir stehen für innovative, wirksame und nachhaltige Lösungen.

> PDF zu aktuellen Kursangeboten im
Oktober und November

> Weitere Angebote aus dem Weiterbildungskatalog

Gerne konzipieren wir für Sie maßgeschneiderte Trainingskurse, die sich an Ihren individuellen Bedürfnissen und Interessen orientieren.

> Wir freuen uns über Ihre Anfragen!

Kontakt

Thorsten Hölzer
+49 2224 926144

Zum Kontaktformular

Ein Angebot der AIZ

Akademie für Internationale Zusammenarbeit