LIPortal » Geschichte & Staat

Pferde - Symbol des AVK © H. Walther

Geschichte, Staat und Politik

Alle wichtigen Strukturdaten zu Geschichte und Staat
BeschreibungInhalt
Tag der Gründung:22. Mai 1990
Staatsoberhaupt:zurzeit vakant (seit 22.01.15)
Regierungschef:zurzeit vakant (seit 22.01.15)
Politisches System:Parlamentarisches Regierungssystem
Demokratie Status (BTI):Rang 116 (von 129): 2014
Korruptionsindex (CPI):Rang 161 (von 174): 2014

Inhalte dieser Seite

Das LIPortal

Jemen

Geschichte

Alte Geschichte

Jemen wird in seiner Geschichte gern mit der Königin von Saba in Verbindung gebracht. In antiker Zeit existierten im Südwesten der Arabischen Halbinsel verschiedene Reiche, von denen das der Sabäer (Hauptstadt Marib) und von Hadramaut die mächtigsten und einflussreichsten in der Region waren. Ihre politische Stärke basierte auf der Lage an der Weihrauchstraße, einem wichtigen Handelsweg nach Europa. Nur so waren die notwendigen wirtschaftlichen Einnahmen möglich geworden. Von den Römern wurde die Region "Arabia Felix" - "Glückliches Arabien" genannt. Mit dem Niedergang des Römischen Reiches war auch das Ende der wirtschaftlichen Glanzzeit der südarabischen Reiche gekommen. Um die Erforschung der jemenitischen Geschichte haben sich u.a. auch deutsche Archäologen des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) verdient gemacht. Seit vielen Jahren werden Grabungen - aufgrund der Sicherheitslage derzeit unterbrochen - vor allem in Marib und Sirwah vorgenommen, wo u.a. ein einzigartiger Tempel gefunden und freigelegt wurde. 

Tempelanlage von Sirwah © DJG/W. Mayer
Tempelanlage von Sirwah © DJG/W. Mayer
Mond-Tempel bei Marib © H. Walther
Mond-Tempel bei Marib © H. Walther

 

Jemeniten verbinden ihre alte Geschichte in erster Linie mit den Himjariten (auch: Himyaren), dem letzten bedeutenden Reich vor der Islamisierung der Region. Ihre Herrschaft erstreckte sich über einen Großteil des heutigen Jemen (um 300 n. Chr.). Die im 20. Jhd. im Norden regierenden Imame (= Könige) Yahya (1904-1948) und Ahmed (1948-1962) übernahmen u.a. die Staatsfarbe der Himjariten, das Rot, für ihre Flagge. Abgesehen von der militärischen Präsenz der türkischen Osmanen im nördlichen Jemen (1538 bis 1630 und 1869 bis 1918) war dieser Teil des Landes de facto immer unabhängig. Im südlichen Jemen hingegen begann mit der Besetzung Adens 1839 durch die Briten eine Kolonialzeit, die erst mit der Unabhängigkeit am 30.11.1967 endete. Die Hafenstadt Aden wurde 1937 aufgrund ihrer gewachsenen strategischen und wirtschaftlichen Bedeutung für das British Empire der Krone direkt unterstellt und erhielt den Status einer Kronkolonie. Das so genannte Hinterland der Stadt, in dem lokale Herrscher regierten, war als Südarabischen Förderation (gegründet am 4.4.1962) bzw. Protektorate im Osten ebenfalls unter britischer Kontrolle.

Fahne der Arabischen Republik Jemen
Jemenitische Arabische Republik (1962-1990), Quelle: Wikipedia
Fahne der Demokratischen Volksrepublik Jemen
Demokratische Volksrepublik Jemen (1967-1990), Quelle: Wikipedia

Neue Geschichte

In seiner heutigen Form besteht Jemen seit dem 22. Mai 1990, dem Tag der Vereinigung des ehemaligen Südjemen und des Nordjemen zur Republik Jemen. Die bis dahin existierenden zwei jemenitischen Staaten, die Jemenitische Arabische Republik (JAR) im Norden (Hauptstadt Sanaa) und die Demokratische Volksrepublik Jemen (auch: Volksdemokratische Republik - VDRJ) im Süden (Hauptstadt Aden) hatten sich zuvor politisch und wirtschaftlich völlig unterschiedlich entwickelt.

Der konservativ-religiöse und stark tribalistisch geprägte Nordjemen stand unter dem Einfluss Saudi-Arabiens und verfolgte nach dem Ende des Bürgerkrieges (1962 - 1969) zwischen den royalistischen (von Saudi-Arabien unterstützt) und den republikanischen Kräften (von Ägypten unterstützt) eine marktwirtschaftlich orientierte Entwicklung. Südjemen hingegen, das am 30. November 1967 von Großbritannien unabhängig wurde, war bald ein enger Verbündeter der kommunistischen Staaten, von denen es umfassende politische, wirtschaftliche und militärische Unterstützung erhielt. Mit dessen Zerfall ab 1986 kam es zur Annäherung und schließlich zur Vereinigung beider jemenitischer Staaten am 22. Mai 1990. Allerdings war diese Einheit seither nicht nur brüchig, sondern auch immer wieder - bis in die Gegenwart - von Spannungen begleitet. Bereits im Frühsommer 1994 kam es zu mehrwöchigen bewaffneten Auseinandersetzungen, die mit der Gründung der "Demokratischen Republik Jemen" (einschließlich einer neuen Regierung) am 21. Mai zur kurzzeitigen Abspaltung des ehemaligen Südteils geführt hatten. Auch nach der Wiederherstellung der staatlichen Einheit am 9. Juli 1994 - auf militärischem Wege - blieben die notwendigen Impulse seitens der Regierung in Sanaa für eine volle und gleichberechtigte Integration des Südens aus. Zunehmende Unzufriedenheit, die sich u.a. in eskalierenden Streiks ein Ventil schufen, führten 2007 zur Entstehung der Southern Movement, einer losen Vereinigung von Kräften, deren Forderungskatalog von mehr Mitspracherecht für die Bevölkerung des Südens bis hin zur völligen (abermaligen) Abspaltung vom Norden reicht und auch nach den Umbrüchen von 2011 weiterhin existent ist.

Staat und Verfassung

Die Republik Jemen bezeichnet sich in ihrer am 15./16. Mai 1991 in einer Volksabstimmung angenommenen Verfassung (geändert am 28. September 1994 durch das Parlament, Volksabstimmung am 20. Februar 2001) als unabhängigen, arabischen, islamischen und republikanischen Staat. Jemen ist Teil der arabischen und islamischen Welt ("... Arab and Islamic nation"). Staatsreligion ist der Islam, die Scharia einzige Rechtsquelle. Mann und Frau sind vor dem Gesetz gleich, allerdings werden die Frauen als "Schwestern der Männer mit Rechten und Pflichten auf der Grundlage der Scharia und des Gesetzes" bezeichnet. Garantiert sind die Unabhängigkeit der Rechtssprechung und ein demokratisches Mehrparteiensystem.

Im Vergleich mit den Nachbarstaaten konnte Jemen stets als relativ demokratisch bezeichnet werden, auch noch nach dem (friedlichen) Rücktritt des Langzeitpräsidenten Ali Abdallah Saleh (1978 - 2012). Neben den Wahlen als Ausdruck dieser Demokratie existierten Versammlungs-, Meinungs- sowie Pressefreiheit, überall erkenntlich u.a. am breiten Angebot lokaler Zeitungen. In den letzten Herrschaftsjahren Jahren von Ali Abdallah Saleh war allerdings ein zunehmender Personenkult um seine Person zu spüren (Losungen, Poster, Plakate u.a.m.). Insbesondere Journalisten, die daran Kritik übten, mussten mit Verfolgung und Bestrafung rechnen. Aber auch in der Nach-Saleh-Ära sind die zahlreichen Konflikte nicht gelöst. Die im Februar 2014 verkündete Neugliederung in sechs Regionen und damit die Schaffung einer föderalen Republik sollte eine Schritt zur Besserung der politischen Gesamtsituation sein. Inhalt und Umsetzung stießen von Anfang an auf Skepsis bis hin zum Widerstand, vor allem im südlichen Jemen.

Präsident

Abd Rabbo Mansur al-Hadi
Abd Rabbo Mansur al-Hadi (www.yementimes.com)

Am 25. Januar 2012 wurde ein neuer Staatspräsident (Übergangspräsident) gewählt: Abd Rabbo Mansur al-Hadi. Als vormaliger Stellvertreter des Langzeitpräsidenten Ali Abdallah Saleh (1978 - 1990 JAR-Präsident, 1990 - 2012 Präsident der Republik Jemen), der weniger Tage zuvor, am 22. Januar, auf sein Amt verzichtet hatte, stand er als einziger Kandidat zur Verfügung.

Auf den wochenlangen, auch militärisch eskalierenden Demonstrationen im Lande war eine der Hauptforderungen der Protestierenden der Rücktritt des Präsidenten Ali Abdallah Saleh, da sie ihn für die zahlreichen Probleme im Lande verantwortlich machten. Tawakkul Karman sah in Saleh sogar die Quelle des Terrors. Für ihr mutiges und engagiertes Auftreten während der Demonstrationen wurde sie im selben Jahr mit den Friedensnobelpreis geehrt. Mehrere Vermittlungsversuche, u.a. seitens der GCC-Staaten, Saleh zur Machtübergabe zu bewegen, blieben zunächst ohne Erfolg. Am 23. November 2011 unterzeichnete er schließlich ein Abkommen über seinen Rückzug. Seine Funktion als Vorsitzender des von ihm 1982 gegründeten Allgemeinen Volkskongresses (AVK) hat er weiter inne.

Die inzwischen erfolgte De-facto-Machtübernahme durch die Huthi-Bewegung, die weder den amtierenden Präsidenten al-Hadi noch die Regierung und das Kabinett anerkennen, haben u.a. zum Rücktritt al-Hadis vom Amt des Präsidenten am 22. Januar 2015 und seiner vorläufigen Ausreise nach Saudi-Arabien geführt. Jemen hat damit gegenwärtig kein anerkanntes Staatsoberhaupt.

Machtfrage: Parlament und Kabinett

Parlament

Das Parlament besteht aus einer Kammer (majlis an-nuwwab) mit 301 Abgeordneten, gewählt für sechs Jahre, zuletzt am 27. April 2003.

Im Parlament vertreten: Allgemeiner Volkskongress (AVK) 238, Islah 45, Jemenitische Sozialistische Partei (JSP) 7, Nasseristische Unionistische Volksorganisation 3, Partei der Arabischen Sozialistischen Wiedergeburt (Baath) 2, Union der Volkskräfte (zaiditisch) 1, Al-Haqq-Partei (zaiditisch) 1, sowie einige Unabhängige. Lediglich eine Frau ist im Parlament vertreten. Die ursprünglich für April 2009 geplanten Parlamentswahlen  wurden wegen Meinungsverschiedenheiten zu Fragen einer Wahlrechtsreform zunächt auf 2011 verschoben, konnten jedoch unter den gegenwärtigen Bedingungen bisher nicht realisiert werden. Durch eine sogenannte "Verfassungserklärung" der Huthi-Bewegung am 06.02.2015 wurde das Parlament für aufgelöst erklärt. An seine Stelle soll ein Nationalrat mit 551 Mitgliedern treten, geleitet von einem fünfköpfigen Präsidialrat.

Die JSP, die bis zur Einheit 1990 als marxistische Kaderpartei die Führung im Südjemen innehatte, wandelte sich im Zuge der Einheitsverhandlungen Ende der 1980er Jahre zu einer sozialdemokratischen Partei. Dennoch lehnte sie eine Beteiligung an mehreren Wahlen ab, weil diese nach ihrer Auffassung undemokratisch verliefen. 2003 beteiligte sie sich wieder an den Wahlen, allerdings ohne größeren Erfolg.

Kabinett

Die Leitung des Kabinetts lag vom 13.10.2014 bis zu seinem Rücktritt am 22.01.2015 in den Händen von Khalid Mahfuz Bahah, der als Ministerpräsident der Übergangsregierung fungierte. Seither ist dieser Posten vakant.

Einige Ministerien haben Webseiten, nur wenige in Englisch (siehe "Government & Organizations, ..."). Sie sind durchaus informativ, geben jedoch die offizielle Meinung wieder.

Neben dem Parlament existiert noch ein so genanntes Beratendes Gremium, Majlis ash-Shurah (Shurah-Rat), mit 111 vom Präsidenten ernannten Mitgliedern.

Gebäude der Staatlichen Kontrollkommission (COCA) in Sanaa
Gebäude der Staatlichen Kontrollkommission (COCA) in Sanaa © H. Walther

Innenpolitik

Allgemein

Der anfänglichen Euphorie über die vollzogene Einheit folgte bald die Ernüchterung: Tiefgehende Differenzen zwischen den Vertretern aus dem jeweils anderen Landesteil über die politische Entwicklung und gravierende wirtschaftliche Probleme eskalierten im Mai 1994 zu einem zweimonatigen Bürgerkrieg, in dem der Norden als Sieger hervorging. Die Folge war eine verstärkte Islamisierung des Lebens im Süden, verbunden mit der Durchsetzung der Scharia als einziger Quelle der Rechtssprechung und der Verdrängung aller Frauen aus führenden Positionen. Bis heute steht diese Einheit auf wackeligen Füßen, denn die Differenzen sind keineswegs überwunden. Insbesondere in Aden fühlen sich die Menschen seither als "Kolonie des Nordens".

Innenpolitische Lage

Vor allem in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre gab es zahlreiche Entführungen von Ausländern. Verantwortlich dafür zeichneten Stammesangehörige, zumeist in den Provinzen Marib und Shabwa. Da staatlicherseits die Forderungen realisiert bzw. deren Realisierung in Aussicht gestellt wurde, kamen die meisten Entführten ohne körperlichen Schaden wieder frei. Staatliches Vakuum in einigen Landesteilen (vor allem in/um Marib) nutzend entwickelte sich das Land in den Jahren ab 2006 mehr und mehr zu einem Rückzugsgebiet für al-Qaida bzw. deren Ableger auf der Arabischen Halbinsel, (AQAP), und anderer islamistisch-terroristischer Gruppierungen. Anschläge mit Todesfolge gegen zivile und militärische staatliche Institutionen sowie Ausländer häuften sich.

Zu einem besonders ernsthaften Problem wurde der seit 2004 andauernde Konflikt  in der nördlichen Provinz Saada. Religiös orientierte schiitische Kräfte unter Führung des Huthi Clans kämpfen gegen die Regierung in Sanaa, angeblich von Iran unterstützt. Alle diversen Vermittlungsversuche blieben meist ohne sichtbaren Erfolg. Nachdem Teile der Huthi-Rebellen bis in die Hauptstadt vorgedrungen und zeitweise staatliche Institutionen (u.a. Ministerien) besetzt hielten, wurde nunmehr am 21.09.14 ein Friedensabkommen zwischen der Regierung und Huthi-Vertretern in Sanaa unterzeichnet. Dennoch setzten letztere ihren militärischen Vormarsch fort. Inzwischen kontrollieren sie vor allem den nördlichen und westlichen Teil des Landes, darunter die Hauptstadt, sowie Taiz und Aden. Um ein weiteres Vorrücken der Huthi-Rebellen zu verhindern und zur Unterstützung der faktisch entmachteten Hadi-Regierung hat Saudi-Arabien in den innerjemenitischen Konflikt eingegriffen und am 26. März mit einer (fragwürdigen) militärischen Intervention (Operation Decisive Storm - Sturm der Entschlossenheit) begonnen, an der sich weitere arabische Staaten (u.a. Ägypten, Bahrain, Jordanien, Katar, Kuwait und die VAE) beteiligen. Offizielles Ziel der Militäroperation: die Regierung unter Hadi vor dem vollständigen Zusammenbruch zu schützen, die mögliche Übernahme der Regierungsgewalt durch die Huthi-Bewegung zu verhindern und letztlich das Land zu stabilisieren.

Eine weitere Gefahr für die staatliche Einheit droht aus dem ehemaligen Südjemen. Die Southern Movement (s. oben) wendet sich verstärkt gegen die übermächtige Dominanz des Nordens im südlichen Landesteil. Zudem wird eine bessere Einbindung des Südens in den Einheitsstaat gefordert. Demonstrationen eskalierten häufig, so dass es Tote und Verwundete zu beklagen gab. Radikale Kräfte innerhalb dieser Bewegung fordern verstärkt eine erneute Eigenständigkeit des südlichen Landesteils. Eine al-Qaida nahestehende Gruppierung "Ansar Ash-Sharia" nutzte diese Situation und beherrschte mehr als ein Jahr große Teile der Süd-Provinzen Abyan und Shabwa.

Außenpolitik

Den Beziehungen zu Saudi-Arabien wurde in der Vergangenheit stets größte Bedeutung seitens der Regierung beigemessen. Über viele Jahre gab es immer wieder Verstimmungen auf beiden Seiten, die aber in erster Linie dem mächtigen Nachbarn im Norden zuzuschreiben waren, versuchte er doch permanent, sich in die inneren Angelegenheiten Jemens einzumischen. Von jemenitischer Seite wurden sogar die Entführungen von Ausländern - allerdings ohne schlüssige Beweise - Saudi-Arabien angelastet. Andererseits flossen über viele Jahre saudische finanzielle Hilfen ins Land. Am 12. Juni 2000 wurde nach langen und zähen Verhandlungen ein Vertrag über die bis dahin umstrittene Grenze zwischen beiden Staaten unterzeichnet.

Zu allen Nachbarstaaten hat Jemen ein gutes Verhältnis. Seit einigen Jahren bemüht sich das Land um die Mitgliedschaft im Golfkooperationsrat  (GCC). Inzwischen arbeitet es in einigen Gremien des Rates mit.

Anmerkung: Infolge der Situation in Jemen haben zahlreiche Staaten, darunter Deutschland, ihre Botschaften vorrübergehend geschlossen und z.T. auch die politischen Beziehungen minimiert.

Zu zahlreichen Staaten der EU bestehen seit vielen Jahren freundschaftliche Beziehungen. Ein 1998 unterzeichnetes Cooperation Agreement regelt seither die beiderseitigen Kontakte. Deutschland gilt als bevorzugter westlicher Partner und genießt einen ausgezeichneten Ruf, vor allem aus historischen Gründen, so z.B. wegen der klaren Haltung für die Einheit des Jemen im Sezessionskrieg (Mai bis Juli 1994) und des starken entwicklungspolitischen Engagements. Diplomatische Beziehungen bestehen seit nahezu 40 Jahren. Regelmäßige Besuche auf höchster Ebene, im Rahmen der Parlamente und der Minister unterstreichen die guten Beziehungen. Präsident Saleh war Ende Februar 2008 zu einem offiziellen Besuch in Deutschland. Anfang März 2005 besuchte der damalige Bundeskanzler Schröder auf seiner Reise in verschiedene arabische Staaten, auch den Jemen. Anfang 2010 machte der frühere Außenminister Westerwelle während seiner Rundreise durch Staaten der Arabischen Halbinsel Zwischenstation in Sanaa, wobei er auch eine Begegnung mit dem damaligen Präsidenten Saleh hatte. Die politischen Beziehungen zu den USA sind aus bekannten Gründen von einem stetigen Auf und Ab beherrscht, werden von offizieller jemenitischer Seite und den USA weiterhin als "zuverlässig" bewertet.

Medien

Die nationale Medienlandschaft in Jemen ist äußerst vielseitig, vor allem im Bereich der Printmedien. Neben zahlreichen arabischsprachigen Zeitungen, von denen die meisten täglich verausgabt werden, existieren auch (wöchentlich erscheinende) Zeitungen in englischer Sprache. Dem Privatsektor zugehörig, hat die 1991 von Abdul Aziz as-Saqqaf gegründete Yemen Times die höchste Auflage. Von Bedeutung sind außerdem der Yemen Observer (gegr. 1996) und die Yemen Post (gegr. 2007).

Die jemenitische Nachrichtenagentur Yemen News Agency (SABA) hat eine aktuelle und informative Website in Englisch. Wichtige Tageszeitungen des Landes, wie das Organ des Allgemeinen Volkskongresses (AVK) ath-Thawra (s. Kapitel "Übersicht") oder der oppositionellen Jemenitischen Sozialistischen Partei (JSP), 14. Oktober oder die zurzeit in Südjemen populärste Tageszeitung al-Ayyam (Aden, unterstützt die Separationsbestrebungen im Süden), sind nur in Arabisch einsehbar. Westliche Tageszeitungen und Zeitschriften werden an Kiosken und anderswo nicht angeboten.

In den letzten Jahren der Präsidentschaft von Ali Abdallah Saleh wurde die relativ freie Berichterstattung  zunehmend eingeschränkt. Kritik vor allem an der Amtsführung des Präsidenten hatten immer wieder zu Repressalien gegen die betroffenen Journalisten geführt. Völlig tabu sind negativ-kritische Äußerungen jeglicher Art zum Islam. 

Hinweis

Für die auf dieser Länderseite befindlichen Inhalte und Meinungen sind die jeweiligen Autoren verantwortlich. Es wird nicht notwendigerweise der Standpunkt der GIZ dargestellt.

vgl. Rechtliche Hinweise

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zuletzt im Juli 2015 aktualisiert.

Über den Autor

Heiner Walther - studierte Orientalistik, Islamwissenschaft und Iranistik, arbeitete nach dem Studium als Arabisch-Dolmetscher. Von 1978 bis 1992 unterrichtete er Arabisch und Persisch an der Universität Leipzig.

Seither freiberuflich, organisiert und leitet er Studienreisen in arabische Länder. Jemen kennt er aus langjährigen Aufenthalten und zahlreichen Reisen. Seit 1994 als Tutor für Landesanalyse Jemen, sowie Libyen, Oman, VAE und Saudi-Arabien und als Arabisch-Sprachlektor bei der GIZ (AIZ) in Bad Honnef tätig. Er ist Beiratsmitglied der Deutsch-Jemenitischen Gesellschaft (DJG). Er hat diverse Arabisch-Lehrbücher und touristische Sprachführer zu verschiedenen arabischen Dialekten verfasst, u.a. zu Jemen.

Kommentare und Anregungen

Lesetipps & Links

    • besonders empfehlenswert: Heinze, Marie-Christine: Jemen-Akteure, Faktoren, Szenarien
    • Encyclopaedia Britannica: Yemen
    • Kopp, Horst (Hrsg.): Länderkunde Jemen: S. 137-158 (Geschichte) und S. 159-169 (Politik)
    • Kropf, Werner: Der Jemen ist ein heißes Land (DDR-Spezialist Ende der 1970er Jahre im Südjemen: Politik + Landwirtschaft)
    • Zenith online: Jemen
    • Qantara online: Jemen
    • Yemen Times: 50 Jahre Republik

     Europäische Reisende im Jemen:

    • Gerlach, Eva: Aus dem Harem in die Welt (1950er Jahre)
    • Helfritz, Hans: Entdeckungsreisen in Süd-Arabien (1933/1935)
    • Pawelke, Günther: Der Jemen - Das verbotene Land (1958)
    • Stark, Freya: Die Südtore Arabiens (1934)

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