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In vorkolonialer Zeit
gab es eine große Zahl von Reichen, die unter der Vorherrschaft einzelner ethnischer Gruppen standen. Es gab jedoch kein Reich, das als direktes Vorgängerreich des heutigen indonesischen Staates betrachtet werden könnte.
Die "Republik Indonesien" ging aus dem ethnisch heterogenen Niederländischen Kolonialreich
hervor.
Im 20. Jh. entwickelte sich in "Niederländisch Indien" eine breite Unabhängigkeitsbewegung
. Während des 2. Weltkriegs
wurde Niederländisch-Indien durch Japan besetzt. Am 17.8.1945, nur wenige Tage nach der japanischen Kapitulation, proklamierte Sukarno
, der erste Präsident der neu gegründeten Staates, gemeinsam mit Hatta,
dem ersten Vizepräsidenten, einseitig die Unabhängigkeit von der niederländischen Kolonialregierung.

Versuche das Kolonialreich mit Waffengewalt neu zu errichten scheiterten am Widerstand der indonesischen Nationalisten
. Die Regierungszeit Sukarnos
endete im Jahr 1967. Faktisch wurde er jedoch schon 1965 entmachtet
als nach einem, gemäß offizieller Geschichtsschreibung, kommunistischen Putschversuch Generalmajor Suharto die Regierungsgeschäfte weitgehend übernahm. 1965/1966 kam es dann in Indonesien zu blutigen Unruhen
, die wahrscheinlich mindestens einer halben Million Menschen das Leben kosteten. In Suhartos Regierungszeit
, die 32 Jahre dauerte, wurden die Menschenrechte massiv missachtet. Wirtschaftlich brachte er das Land jedoch zunächst voran.
Suharto wurde 1998 zum Rücktritt gezwungen
, als während der Asienkrise eine breite Demokratiebewegung entstand. Suhartos Nachfolger
im Präsidentenamt waren zunächst Bacharuddin Jusuf Habibie
(bis 1999), dann Abdurrahman Wahid
(bis 2001) und Megawati Sukarnoputri
(bis 2004). 2004 wurde dann der heutige Präsident Susilo Bambang Yudoyono
in direkter Wahl gewählt. 2009 wurde er mit einer Mehrheit von 60% bereits im ersten Wahlgang wiedergewählt. Die Verfassung erlaubt (derzeit) keine erneute Wiederwahl.
'Bhinneka Tunggal Ika'
, die 'Einheit in der Vielfalt', ist die gesellschaftliche Grundlage des modernen indonesischen Staates. Obgleich primär auf die unterschiedlichen Ethnien bezogen, ist das indonesische Staatsmotto auch auf die geographischen und klimatischen Bedingungen, die unterschiedlichen Religionen und die historische Entwicklung der einzelnen Regionen anwendbar.
Die Erlangung der Unabhängigkeit und der Bestand des indonesischen Staates sind auf das Engste (wie bereits beim 'Sumpah Pemuda') mit der nationalen Einheit verknüpft. Die von Sukarno 1945 entworfene und proklamierte Pancasila-Doktrin
ist die ideologische Grundlage dieser Einheit.
Durch das Wahlgesetz von 1999 sind Parteien nicht mehr (wie in der Suharto- Ära) dazu verpflichtet, sich als einzige ideologische Grundlage auf die Pancasila
zu berufen.
Indonesien ist seit 1945 eine präsidiale Republik. Der seit 2004 direkt vom Volk gewählte Präsident (z. Zt. Susilo Bambang Yudhoyono) ist Vertreter der Exekutive und leitet das von ihm ernannte Kabinett.
Indonesien ist, trotz 88% Muslimen, kein islamischer Staat. Es ist aber ausgesprochen religiös. Der erste Punkt der Staatsideologie ist der "Glaube an einen allmächtigen Gott". Insgesamt werde 6 Religionen offiziell anerkannt: Islam, Protestantismus, Katholizismus, Hinduismus und Konfuzianismus. Laut offizieller Definition sind all diese Religionen monotheistisch und stehen daher in Einklang mit dem ersten Punkt der Pancasila .
Das Kabinett
von Präsident Susilo Bambang Yudhoyono besteht aus 33 Ministern. Diese Minister gehören 6 der 9 im Parlament vertretenen Parteien
an - ein Umstand der sowohl Chancen als auch Risiken
birgt.
Vizepräsident ist der parteilose Boediono
. Boediono war unter Präsidentin Megawati Soekarnoputri bereits Finanzminister. Unter Susilo Bambang Yudoyono wurde er zunächst Wirtschaftsminister und später Gouverneur der Bank Indonesia. Er gilt als ausgewiesener Wirtschaftsfachmann.
Der parlamentarische Überbau Indonesiens besteht aus dem MPR
(Verfassungsgebende Versammlung- Majelis Permusyawaratan Rakyat), dem DPR
(Gesetzgebendes Parlament - Dewan Perwakilan Rakyat) und dem DPD
(Regionalkammer - Dewan Perwakilan Daerah).
In der 2004 geschaffenen Regionalkammer (DPD) sind die 33 Provinzen Indonesiens vertreten. Jede Provinz entsendet unabhängig von ihrer Größe bis zu vier Abgeordnete, die direkt gewählt werden. Die Regionalkammer übt in Fragen der Provinzautonomie vornehmlich eine Kontroll- und Beraterfunktion aus.
Die Verfassunggebende Versammlung (MPR) besteht aus den 550 Mitgliedern des gesetzgebenden Parlaments (DPR) und den 128 Mitgliedern der Regionalkammer (DPD). Seit 2004 bestimmt die Volksversammlung nicht mehr die Richtlinien der Politik. Das Mandat des MPR beschränkt sich weitgehend auf Verfassungsfragen und die Amtseinführung sowie die Amtsenthebung des Präsidenten und Vizepräsidenten der Republik.
Seit 2003 hat Indonesien auch ein Verfassungsgericht
(MKRI).
Die 33 Provinzen haben eigene Provinzparlamente (DPRD), die einen vom Präsidenten zu bestätigenden Gouverneur wählen.

Die Gründung politischer Parteien setzte in Indonesien bereits 30 Jahre vor der Proklamation der Unabhängigkeit ein. Unter Sukarno und Suharto wurden zahlreiche Parteien verboten, andere wiederum zu neuen Parteien zusammengelegt. Von 1971 bis zum Sturz Suhartos (21.5.1998) existierten nur drei Blockparteien
(Golkar, PDI, PPP). Erst unter Suhartos Nachfolger Habibie wurden neue Parteien zugelassen
. Bei den ersten freien Parlamentswahlen (1999) konnten sich schließlich 48 Parteien registrieren lassen.
Zur Wahl 2004
hatten sich, aufgrund eines neuen Wahlgesetzes
, nur noch 24 Parteien qualifiziert.
Aus den Parlamentswahlen für den DPR im April 2004 ging Golkar
, die ehemalige Regierungspartei Suhartos, mit 21,6 % der Stimmen als klare Siegerin hervor. Die Partei der bis dahin amtierenden Präsidentin Megawati Sukarnoputri erlitt deutliche Verluste.
In Indonesien wird der DPR nach Verhältniswahlrecht gewählt, wobei eine 2,5% Klausel gilt.
Die Wahlen konnten 2004 und auch 2009
als weitgehend frei, fair und transparent bezeichnet werden. Sie haben Indonesien zu einer Festigung der Demokratie
geführt. Die verbesserten politischen Verhältnisse lassen eine Rückkehr zu einem autokratischen Regime, wie der 'Neuen Ordnung' als sehr unwahrscheinlich erscheinen.
Bei der Parlamentswahl von April 2009
nahmen insgesamt 38 Parteien teil, von denen neun den Sprung über die 2,5% Hürde schafften. Klare Gewinnerin war die Partai Demokrat des amtierenden indonesischen Präsidenten Susilo Bambang Yudoyono, die mit 20,85 % ihren Stimmenanteil fast verdreifachen konnte. Die PDI-P, also die Partei der Ex-Präsidentin Megawati Sukarnoputri, musste erneut Stimmenverluste hinnehmen. Sie landete mit 14,03 % der Stimmen auf dem zweiten Platz. Golkar, bislang mit 21,6% der Stimmen stärkste Partei sackte auf etwa 14,45 % der Stimmen ab.
Die den drei stärksten Fraktionen im Parlament handelt es sich somit um weltliche Parteien. Verlierer der Wahlen sind mit insgesamt 19 % der Stimmen die islamischen Parteien
PKS, PAN und PPP (2004: 32%). Die Schwäche der islamischen Parteien erklärt sich jedoch auch daraus, dass viele ihrer vormals exklusiven Positionen mittlerweile von weltlichen Parteien übernommen wurden.
Die PKB von Ex-Präsident Abdrurrahman Wahid erreichte lediglich 4,94% der Stimmen.
Außerdem schafften noch Gerindra und Hanura, zwei von ehemaligen Suharto-Generälen geführte weltliche Parteien den Einzug ins Parlament.
Insgesamt sind somit neun Parteien im neuen Parlament vertreten.
mit 150 Sitzen
mit 107 Sitzen
mit 95 Sitzen
mit 57 Sitzen
mit 43 Sitzen
mit 37 Sitzen
mit 27 Sitzen
mit 26 Sitzen
mit 18 Sitzen

Am 15. September 2004 wurde zum ersten Mal in der Geschichte Indonesiens der Staatspräsident zusammen mit seinem Stellvertreter direkt vom Volk gewählt.
Susilo Bambang Yudhoyono (in Indonesien gewöhnlich als SBY abgekürzt) ging als klarer Sieger aus den Präsidentschaftswahlen
hervor, obwohl er damals nur der Vorsitzende der viertstärksten Partei (PD) war.
Susilo Bambang Yudoyono
beendete 2000 seine Militärkarriere unter Beförderung zum 4- Sterne General. Von Oktober 1999 bis August 2000 war er Minister für Bergbau und Energie und von August 2000 bis Juni 2001 koordinierender Minister für Politik, Soziales und Sicherheit unter Abdurrahman Wahid. Unter Präsidentin Megawati Sukarnoputri war er Koordinierender Minister für Politik und Sicherheit.
Am 8. Juli 2009 wurde Susilo Bambang Yudoyono bereits im ersten Wahlgang mit 60,8 % der Stimmen wiedergewählt. Zu seiner Wiederwahl beigetragen
haben Programme gegen die Armut, seine erfolgreiche Wirtschaftspolitik und sein, auch nach Meinung vieler internationaler Beobachter, sehr konsequenter Kurs zur Eindämmung der Korruption
.
Korruptionsskandale der letzten Jahre haben jedoch dazu beigetragen, dass derzeit die Popularität seiner Regierung deutlich abnimmt.
Bei der nächsten Präsidentschaftswahl (2014) darf Susilo Bambang Yudoyono nicht wieder antreten.
Nach der Amtseinführung 2004 kündigte SBY ein umfangreiches Reformpaket an
, wobei der Kampf gegen die Korruption
im Mittelpunkt stand. Vetternwirtschaft und Korruption sind jedoch auch weiter starke Hemmfaktoren für die Durchsetzung demokratischer Rechte. Das Innenministerium verdächtigte Anfang 2011 insgesamt 17 von 33 Provinzgouverneuren der Korruption
.
Sri Mulyani Indrawati
, Indonesiens Finanzministerin, die der Korruption
sehr furchtlos den Kampf angesagt hatte, verließ das Kabinett im Mai 2010, nachdem sie in innenpolitische Turbulenzen geraten war. Sie nahm eine neue Aufgabe bei der Weltbank an. Dieser Umstand ließ die Kurse an Jakartas Börse zunächst deutlich sinken.
Die Korruption in der Justiz
sorgt nicht nur für Urteile im Sinne von reichen Angeklagten sondern auch, im Falle ihrer Verurteilung, für eine teilweise recht luxuriöse Unterbringung reicher Straftäter
. Auch die Korruption in der Polizei
sorgt immer wieder für unrühmliche Schlagzeilen in indonesischen Medien. Polizei und Parlament zählen laut Transparency International zu den korruptesten Institutionen im Staat. Korruption ist auch in den Reihen des Militärs weit verbreitet. Versuche die darauf abzielen den Einfluss des Militärs
auf Wirtschaft und Politik einzuschränken gestalten sich schwierig. 2012 wurde das offizielle Budget des Militärs
um 35% erhöht.
Das inoffizielle Budget des Militärs
ist schwer kontrollierbar
. Es finanziert sich u.a. über Stiftungen und Militärkooperativen
. Auch Einkünfte außerhalb der Legalität finanzieren das Militär. Der Verfolgung von Gesetzesverstößen unter Beteiligung des Militärs findet aufgrund der starken Stellung des Militärs kaum statt
Trotz positiver wirtschaftlicher Rahmendaten steigt die Zahl der Menschen, die in Armut leben
. Hunderttausende von Kindern leben auf der Straße
und sind z.T. extremen Formen der Ausbeutung ausgesetzt. Eine andere Folge der zunehmenden Armut ist auch die immer stärkere Arbeitsmigration von meist weiblichen Arbeitskräften. Die Ausbeutung von Arbeitsmigrant(inn)en
beschäftigt verstärkt die indonesische Öffentlichkeit.
Weitere aktuelle innenpolitische Themen
sind die Dezentralisierungspolitik
, die Rolle des Militärs
und seiner illegalen und legalen Geschäfte
, Umweltsünden
, mangelnde Rechtsstaatlichkeit und die Diskussion um das, nach langen und erbitterten Kontroversen, im Oktober 2008 verabschiedete Antipornographiegesetz
. Die Pornographie-Definition
des Gesetzes ist sehr weitreichend und lässt viel Raum für restriktive Anwendungen
. Insgesamt steht das Gesetz in Verbindung mit einer zunehmend stärkeren Rolle des Islam in der indonesischen Politik
.
In diesem Zusammenhang sind auch die zunehmende Bedrohung der Religionsfreiheit für Mitglieder der islamischen Ahmadiyah- Sekte
zu sehen. Ihre Lage wird zunehmend gefährlicher. So wurden z.B. im März 2011 vier Mitglieder dieser Gruppe von einem Mob gelyncht. Die Täter bekamen von der Justiz nur sehr milde Strafen
.
Im Zusammenhang mit der Ahmadiyah ist auch die Diskussion um das umstrittene Blasphemiegesetz
zu verstehen. Dieses Gesetz wurde 2010, nach erheblichen Bedrohungen durch Anhänger islamistischer Organisationen, vom Verfassungsgericht bestätigt. Vom der schiitischen oder sunnitischen Interpretation des islamischen Glaubens abweichende Auffassungen, wie die der Ahmadiyah, geraten aufgrund dieses Gesetzes unter Druck. Öffentlich geäußerter Atheismus
kann Gefängnisstrafen nach sich ziehen.
2012 gingen extremistische Islamisten auch mit Gewalt gegen die schiitische Minderheit
vor. Bei einem Angriff im August 2012 wurden 2 Schiiten getötet
Religiöse Minderheiten
geraten zunehmend unter politischen Druck. Insbesondere der Bau neuer Kirchen
stößt auf immer mehr auf Widerstand bei der einflussreichen Minderheit islamischer Hardliner.
Der Umgang mit islamisch- extremistischen und gewaltbereiten Gruppen, wie der "Islamischen Verteidigungsfront" (FPI)
wird äußerst kontrovers diskutiert
. Mit ihren öffentlichkeitswirksamen Aktionen haben Gruppen wie die FPI einen, gemessen an der Zahl ihrer Mitglieder, stark überproportionalen Einfluss auf die Innenpolitik. Nicht selten werden islamistische gewaltbereite Gruppen auch von politischen Interessengruppen instrumentalisiert
.
Die Bekämpfung des islamisitischen Extremismus
und der Kampf gegen den islamistischen Terror
wichtige innenpolitisches Themen. Insbesondere bei der Terrorbekämpfung
sind, auch mit Hilfe internationaler Unterstützung, große Erfolge erzielt worden. Zunehmend geht den Terroristen auch ihre Basis verloren. Die auf Ausländer zielenden Bombenanschläge in Jakarta vom Juli 2009 kamen daher für viele Beobachter sehr überraschend. Sie zeigen, dass von islamistischem Terror auch nach der Verhaftung des als Verhaftung von Abu Bakar Basyir
, der als "Geistiger Führer" galt und der Tötung von wichtigen Terroristen
weiterhin eine große Gefahr
ausgeht.
Die Aufarbeitung der Vergangenheit
spielt ebenfalls eine wichtige Rolle in der politischen Diskussion, vor allem was die Unruhen von 1965/66
, die Menschenrechtsverletzungen unter Suharto
und den Umgang mit ehemaligen politischen Häftlingen
betrifft.
Angestoßen durch den Film "The Act of Killing"
, in dem bis jetzt straflose Massenmörder ihre damaligen Taten nachstellen
, beginnen immer mehr Indonesier die offizielle Geschichtsversion, nach der 1965 ein Putsch von kommunistischen Gruppen niedergeschlagen wurde, deutlich in Frage zu stellen.
Ähnliches gilt für die Aufarbeitung von Menschenrechtsverletzungen Militärs in Ost-Timor
. Alle Versuche Suharto vor Gericht
zu bringen scheiterten. Nachdem Suharto im Januar 2008 als freier Mann starb sind die Chancen auf eine tiefgreifende Aufarbeitung
der unter seiner Herrschaft verübten schweren Menschenrechtsverletzungen eher gesunken. Präsident Susilo Bambang Yudoyono, der unter Suharto Armeegeneral war, rief anlässlich Suhartos Tod eine siebentägige Staatstrauer aus.
Innenpolitische Kontroversen finden auch immer wieder über den Umgang mit dem überdimensionalen Einfluss chinesischerstämmiger Geschäftsleute
statt, die in vielen Geschäftsbereichen eine dominierende Rolle haben.
Zahlreiche innenpolitische und gesellschaftliche Problembereiche existieren, weil das Konzept 'Bhinneka Tunggal Ika'(Einheit in der Vielfalt), politisch und gesellschaftlich nicht umgesetzt wird.
Die existierende regionale und gesellschaftliche Ungleichheit stellt das Kernproblem Indonesiens dar. Die indonesische Regierung muss, will sie sich gegenüber dem alten Establishment abgrenzen, mit Korruption
, Vetternwirtschaft und Amtsmissbrauch aufräumen. Internationale Beobachter sehen diesbezüglich viele positive Ansätze in der derzeitigen Politik von Präsident Susilo Bambang Yudoyonos.
Alte Eliten aus der Suharto-Zeit spielen in Indonesien aber weiterhin eine wichtige Rolle. Und auch die Schere zwischen Arm und Reich klafft in Indonesien in zunehmend bedrohlicher Form auseinander.
Ethnische Konflikte gehen oft auf Transmigrationsprojekte
zurück. Dieser Faktor spielte z.B. im Molukkenkonflikt und den Konflikt in Poso (ab 1999). Der Molukkenkonflikt ist 2011 erneut entbrannt
.
Auch zwischen Dayaks und Maduresen in West-Kalimantan gab es gewalttätige Konflikte
, vor allem in den Jahren nach dem Sturz Suhartos. Diese Konflikte sind ethnisch, historisch und wirtschaftlich
begründet.
Besonders betroffen von ethnischen Konflikten ist die wirtschaftlich mächtige Minderheit der Chinesen
.
Die in der Pancasila
geforderte Toleranz wird in der Praxis oft nicht gelebt. Wirtschaftliche Unzufriedenheit, Ressourcenkonflikte sowie die soziale Ungleichheit zwischen ethnischen Gruppen unterschiedlicher Religionszugehörigkeit sind in der jüngsten Vergangenheit häufig zu Religionskonflikten überformt worden.
Nicht selten wurden diese Konflikte auch von Interessensgruppen innerhalb der indonesischen Elite gezielt angefacht.
Religiöse Konflikte haben sich in den den letzten Jahren häufig aus ethnischen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Ursachen entwickelt. So wurden z.B. im Rahmen des Transmigrationsprogrammes (s.o.) häufig Muslime in christlichen Regionen angesiedelt. Das führte häufig zu einer wirtschaftlichen Verdrängung der alten Bevölkerungsgruppen. Die Instrumentalisierung dieser Konflikte durch politische Kreise in der Hauptstadt führte häufig zu einer deutlichen Verschärfung der Lage.
Religiöse Auseinandersetzungen fanden seit 1999 vor allem (aber nicht ausschließlich) in Zentralsulawesi statt. Vor allem die Region um Poso, ist Schauplatz häufiger Auseinandersetzungen zwischen Moslems und Christen. Bei den Kämpfen zwischen Christen und Muslimen in den Molukken sind vor allem im Zeitraum von 1999- 2002 über 5.000 Menschen zu Tode gekommen. 2011 kam es erneut zu Unruhen
.
In West-Papua
gibt es mit der OPM
eine aktive Widerstandsbewegung
, die mit Waffengewalt die Loslösung vom indonesischen Staat erzwingen will. Die Hintergründe für den Seperatismus
sind historischer, wirtschaftlicher und ethnischer Natur. Weiterhin werden in West-Papua vom Militär massiv die Menschenrechte missachtet.
2002 trat in West-Papua ein Autonomiegesetz
in Kraft, dass den Papua innerhalb des indonesischen Einheitsstaates weitreichende Freiheiten zur lokalen politischen Gestaltung einräumt. Dieses Gesetz wird jedoch bis heute nur unzureichend und schleppend umgesetzt
. Die aktuelle Regierung unter Susilo Bambang Yudoyono erscheint bemüht den Konflikt zu entschärfen
.
Der Konflikt in der Region Poso
(Zentralsulawesi) ist inzwischen beigelegt. Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass er in näherer Zukunft wieder aufflammt.
Die Lage in Aceh
hat sich seit dem Friedensabkommen von Helsinki
(2005) deutlich entschärft. Da viele im 'Memorandum of Understanding' gegebene Versprechen von der indonesischen Regierung nicht umgesetzt wurden sind verstärkte Auseinandersetzungen in der näheren Zukunft möglich.
Aceh-interne Konflikte
und Konflikte mit der Zentralregierung haben in den letzten Jahren mehrfach zu gezielten Anschlägen geführt, von denen auch Ausländer betroffen waren.
Menschenrechte werden in Indonesien häufig missachtet. Folter und Misshandlungen an Strafgefangenen und Untersuchungshäftlingen sind verbreitet. Amnesty international
, Watch Indonesia
und eine große Zahl weiterer Organisationen
fordern die indonesische Regierung immer wieder zu einer stärkeren Beachtung der Menschenrechte auf.
Im Vergleich zu der Suharto-Zeit gibt es in Indonesien heute verhältnismäßig wenige politische Gefangene. Die meisten politischen Gefangenen sind in West-Papua inhaftiert, wo große Bevölkerungsteile die Unabhängigkeit von Indonesien fordern. In West-Papua gab es in den letzten Jahren auch einige politisch motivierte Morde, die von internationalen Beobachtern dem Militär zugerechnet werden.
Die Pressefreiheit
ist in Indonesien grundsätzlich gesetzlich gesichert. Diesbezüglich ist Indonesien das Land mit der freisten Presse in ganz Südostasien. Dennoch ist die Pressefreiheit
aufgrund vieler Faktoren in Gefahr.
Zensur
findet z.B. bei Veröffentlichungen die die offizielle Schreibung der neueren Geschichte in Frage stellen statt. Zensur findet zuweilen auch bei schriftlichen oder filmischen Veröffentlichungen statt, die nach Meinung von islam(ist)ischen Kreisen Pornographie, Blasphemie oder Häresie darstellen. Unliebsame Berichterstattung, insbesondere über alte Eliten
, kann zudem dazu führen, dass die entsprechenden Medien und Journalisten mit Klagen überzogen werden, die für sie gefährlich werden können. Insbesondere in Konfliktregionen kann die kritische Berichterstattung über heikle Themen, wie Widerstand, Folter oder Umweltkriminalität große Gefahr für Leib und Leben
des berichtetenden Journalisten bedeuten.
Aber selbst für die Polizei ist inzwischen die Behinderung freier Berichterstattung schwierig. Als 2010 im Nachrichtenmagazin Tempo ein Artikel über Korruption bei der Polizei erschien wurde daher durch "unbekannte" Käufer"
fast die gesamte Auflage aufgekauft bevor sie in den Einzelhandel gelangte.
In den letzten Jahren gibt es zunehmende Bestrebungen das Internet zu überwachen
um damit Besuche pornographischer Websites einzudämmen.

Ein vollständigeres Bild der politischen Entwicklungen bekommen Sie durch die Lektüre indonesischer Printmedien. Eine kritische Berichterstattung (schon unter Suharto!) finden Sie in der englischsprachigen Tageszeitung Jakarta Post
.
Seit 2008 erscheint die englischsprachige Tageszeitung Jakarta Globe
. Eine der besten indonesischsprachigen Zeitungen ist Kompas
. Sollten Sie weitere Informationen zur politischen Entwicklung Indonesiens benötigen, können Sie auf Wochenzeitschriften zurückgreifen. Am Besten informiert das unter Suharto wegen kritischer Berichterstattung verbotene Wochenmagazin TEMPO
, das auch in einer englischen Ausgabe veröffentlicht wird. Es stehen aber zahlreiche weitere Wochenzeitschriften zur Verfügung (wie z.B. GATRA
).
Im Archiv des englischsprachigen Programms von Al-Jazeera
(suche: Indonesia) und der ARD-Mediathek
(suche: Indonesien) finden sich zahlreiche Film- und Radiobeiträge zu aktuellen Themen in Indonesien.
Die Deutsche Welle produziert (über Internet abrufbar) täglich eine einstündige indonesischsprachige Sendung
mit Themen aus Deutschland und Indonesien. Der Auslandsdienst des staatlichen indonesischen Rundfunks produziert zudem eine einstündige deutschsprachige Sendung
, vornehmlich mit Themen aus Indonesien.
Möchten Sie Ihr Bild über die innen- und außenpolitischen, gesellschaftlichen und kulturellen Ereignisse durch nicht-indonesische Printmedien abrunden, ist die Lektüre verschiedener südostasiatischer Tageszeitungen, wie z.B. Bangkok Post
oder Strait Times
aus Singapore empfehlenswert. Um das Informationsspektrum möglichst breit zu fächern, können Sie auch auf internationale Wochenzeitschriften zurückgreifen, wie z.B. The Economist
, Wall Street Journal
oder Time
, die regelmäßig und ausführlich über Indonesien berichten. Das Magazin "Inside Indonesia"
liefert tiefe Einblicke in das gesellschaftliche Miteinander in Indonesien. Zusätzliche Informationen können Sie unter CNN.com
(search:Indonesia) aktuell und im Archiv abrufen.
Durch den E-mail Verteiler von Watch Indonesia
bekommen sie regelmäßig Hintergrundinformationen, Presseberichte und Analysen zu der politischen, sozialen und wirtschaftlichen Lage in Indonesien. Vierteljährliche Berichte zur Lage in Indonesien gibt auch die Hanns-Seidel-Stiftung
heraus. Eine kontinuierliche Berichterstattung zur Außen- und Innenpolitik Indonesiens finden Sie ferner in den Beiträgen von Indahnesia
. Eine Vielzahl von deutschspachigen Zeitschriften
berichtet regelmäßig zu Indonesien.
Durch seine große flächenmäßige Ausdehnung, seine hohe Einwohnerzahl und seine natürlichen Ressourcen, ist Indonesien ein strategisch und ökonomisch überaus bedeutsames Land. Daher ist Indonesien nicht nur in der südostasiatischen Staatengemeinschaft (ASEAN)
ein führendes Mitglied, sondern auch in weiteren regionalen Bündnissen.
Indonesien ist als einziger südostasiatischer Staat im Forum der G-20 vertreten.
Außerordentlich wichtig für die Außenpolitik Indonesiens
ist die Förderung der regionalen Integration im Rahmen der "Association of South East Asian Nations" (ASEAN
). Als diesjähriger Vorsitzender
der ASEAN
und Mitglied der G 20
ist im internationalen Rahmen bemüht, ein Sprachrohr aller Entwicklungsländer zu sein.
Auch Sicherheitsfragen und Fragen der internationalen Terrorismusbekämpfung rücken in den Außenbeziehungen Indonesiens immer stärker in den Vordergrund.
Das "ASEAN Regional Forum
" (ARF) mit insgesamt 17 Dialogpartnern der ASEAN aus Europa, Nordamerika, Asien und dem Pazifik, ist hier vornehmlich mit präventiven Maßnahmen befasst.
Das asiatisch-pazifische Kooperationsforum "Asia Pacific Economic Cooperation
" (APEC) hat vor allem wirtschaftspolitische Relevanz.
Von besonderer Bedeutung für die indonesische Außenpolitik sind darüber hinaus der Ausbau der Beziehungen zu den regional bedeutungsvollen Mächten China, Japan und Indien.
In den Beziehungen zu dem ehemals von Indonesien besetzten Staat Ost-Timor
(Timor Leste), der 2002 die staatliche Unabhängigkeit erlangte, versucht man gute nachbarschaftliche Beziehungen zu etablieren.
Indonesien bemüht sich unter der Regierung von Susilo Bambang Yudoyono auch um eine stärkere globale Profilierung Indonesiens, als das Land mit der größten muslimischen Bevölkerung weltweit. Das zeigt sich unter anderem in dem stärkeren Engagement im Nahen Osten. So beteiligt sich Indonesien unter anderem seit 2007 mit 850 Soldaten an der Peacekeeping Force im Libanon.
Indonesien ist Mitglied in folgenden internationalen Organisationen: ADB, APEC, ARF, ASEAN, BIS, CP, D-8, EAS, FAO, G-11, G-15, G-20, G-77, IAEA, IBRD, ICAO, ICC, ICRM, IDA, IDB, IFAD, IFC, IFRCS, IHO, ILO, IMF, IMO, IMSO, Interpol, IOC, IPU, ISO, ITSO, ITU, ITUC, MIGA, MONUSCO, NAM, OIC, OPCW, PIF, UN, UNAMID, UNCTAD, UNESCO, UNIDO, UNIFIL, UNMIL, UNWTO, UPU, WCO, WFTU, WHO, WIPO, WMO, WTO
Auch über eine stärkere Rolle in der internationalen Klimapolitik
versucht sich Indonesien außenpolitisch zu profilieren. So war Indonesien z.B. 2007 Gastgeber der 13. Weltklimakonferenz.
Die vielschichtigen guten Beziehungen zu Deutschland
sind von von gegenseitigen Vertrauen
geprägt. Auch die Beziehungen zu der EU
und zu den USA
können als gut bezeichnet werden.

Dr. Klaus Fuhrmann ist Ethnologe. Er arbeitet als interkultureller Trainer sowie als freier Hörfunk- und Fernsehjournalist. Langjähriger Lehrbeauftragter an der HTWG-Konstanz im Studiengang "Asien und Management". Mehrere längere Forschungsaufenthalte in Indonesien. Mitarbeiter und Dozent des Instituts für Migration, Kultur und Gesundheit - Amiko.
Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im März 2013 aktualisiert.
Die AIZ mit Sitz in Bad Honnef bietet mehr als 50 monatlich stattfindende Trainingskurse zu folgenden Themen an:
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