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Das neoliberale Wirtschaftssystem in Honduras ist von der äußerst starken Monopolstellung der Oligarchie gekennzeichnet. Die wirtschaftliche Macht konzentriert sich in den Händen weniger (ca. 12) Familien. Die Regierung Zelaya (2005 - 2009) strebte mit einer linksorientierten Politik (ALBA-Beitritt, Mindestlohn, Bürgerpartizipationsgesetz) einen Bruch mit der traditionellen Oligarchie an, welches Unmut bei der Elite hervorrief und damit zum Putsch führte. Nach dem Putsch wurden die Schritte (Austritt aus ALBA
, Rücknahme des Dekretes zur Landreform, Beschneidung von Partizipationsmöglichkeiten der Bürger) durch die Regierung von Pepe Lobo wieder rückgängig gemacht. Die schlechte wirtschaftliche Situation in Honduras hat jedoch der Regierung Lobo nicht viel Spielraum gelassen, so kamen Themen wie Mindestlohn und Petrocaribe
wieder auf den Tisch. Aus der extremen Ungleichverteilung der Ressourcen und der ohnehin strukturell schwachen Wirtschaft resultiert die prekäre soziale Lage. Wesentliche Fortschritte in der wirtschaftlichen Entwicklung konnten nicht erreicht werden. Die Reduzierung der Armut gehört nach wie vor zu den goßen Herausforderungen
der honduranischen Wirtschaft.
Im Weltbank-Ranking "Ease of Doing Business"
steht Honduras auf Platz 125 von 183 Ländern. Finanz- und wirtschaftspolitische Standards hält Honduras nur zum Teil ein.
Honduras ist nach wie vor ein Agrarstaat. Die traditionellen landwirtschaftlichen Exportprodukte (v.a. Bananen
und Kaffee
) sind nach der Maquila-Industrie die wichtigsten Stützen der honduranischen Wirtschaft
. Allerdings ist die honduranische Wirtschaft sehr störanfällig, was sich seit Jahren in der Energiekrise und derzeit bei den Schwankungen im Kaffeepreis deutlich wird. Weitere wichtige Exportprodukte sind Schalentiere (Krabben, Langusten), Palmöl
(auch für die Herstellung von Biodiesel
) und Holz.
Im Agrarbereich werden derzeit Hoffnungen auf die Cluster-Bildung
bzw. auf die Bildung von "Produktionsketten"
gesetzt. Der Klimawandel
stellt eine große Gefahr für Honduras, v.a. für seine Landwirtschaft, dar.
Die Forstwirtschaft (auch in Regenwaldgebieten
, insbesondere aber der Export von Nadelhölzern des Hochlandes) stellt nach wie vor einen wichtigen Wirtschaftsfaktor dar, wobei der legale und v.a. der illegale Holzeinschlag
zu einem der größten ökologischen Probleme des Landes geworden ist. Im Departement Olancho
ist eine für honduranische Verhältnisse starke zivilgesellschaftliche Opposition
gegen die Abholzung entstanden. Ein 2008 in Kraft getretenes neues Forstgesetz hatte über acht Jahre bis zur Verabschiedung im Parlament gebraucht. Das unter Mitwirkung der deutschen EZ formulierte Ley Forestal de Áreas Protegidas y de Vida Silvestre gibt nun Anlass zu Hoffnung auf mittelfristige Verbesserungen in diesem Bereich. Es sieht u.a. lange Haftstrafen für illegalen Holzeinschlag vor. Die ehemalige Forstbehörde AFE-COHDEFOR, die als Hort von Korruption und Raubbau galt, wurde durch ein neues Institut (Instituto Nacional de Conservación y Desarrollo Forestal, Áreas Protegidas y Vida Silvestre, ICF
) ersetzt.
Hoffnung für die Wirtschaft des Landes liegt u.a. auf der Maquila-Industrie
: In den zoll- und so gut wie steuerbefreiten Sonderwirtschaftszonen, v.a. in und um San Pedro Sula und Choloma
, lassen asiatische und nordamerikanische Unternehmen zu Niedrigstlöhnen Textilien
, Elektrogeräte und andere Konsumgüter v.a. für den US-Markt anfertigen. Einerseits schafft die Maquila-Industrie zwar dringend benötigte Arbeitsplätze (momentan ca. 100.000 Beschäftigte) vorrangig für junge Frauen, andererseits trägt dieser Industriezweig nicht zum Bruttoinlandsprodukt bei und ermöglicht nur sehr begrenzt wirtschaftliches Wachstum. Hinzu kommt, dass die Arbeitsbedingungen
in den Maquilas menschenrechtsverletzend
sind.
Auch der Tourismus
wird von vielen Honduraner/-innen als Chance gesehen. Die Maya-Ruinen von Copán
, die Strände der Karibik und das Taucherparadies der Bay-Islands
aber auch die ethnisch-kulturelle Vielfalt ziehen von Jahr zu Jahr Reisende an. Kreuzschiffe legen regelmäßig vor allem auf Roatán an. Goße Tourismusprojekte, wie der Ausbau der Bucht von Tela
, sollen wirtschaftlichen Aufschwung bringen. Dabei sind jedoch ökologische
und kulturelle
Probleme vorprogrammiert. Der ländliche Raum birgt Potenzial für Agrotourismus
.
Einen Überblick in Zahlen über die Wirtschaftslage gibt das Datenblatt
des Auswärtiges Amtes. Hier finden sich auch Angaben zur Handelsbilanz.
Die Weltbank hat wirtschaftlichen Grunddaten im Länderprofil
. CEPAL - die Wirtschaftskommission für Lateinamerika
der Vereinten Nationen gibt regelmäßig Berichte zur wirtschaftlichen Lage der einzelnen Länder heraus.
Auf der Seite der Zentralbank von Honduras (BCH)
findet man eine Menge Statistisken, die allerdings nicht ganz aktuell sind.
Die Interamerikanische Entwicklunsbank (IDB)
hat Statistiken die auch Themen wie öffentliche Schulden und Steuereinnahmen umfassen.
Eine Analyse der gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation findet man bei der Zentralamerikanischen Bank für wirtschaftliche Integration (BCIE)
.
Die Wirtschaftspolitik in Honduras zielt auf eine liberale Marktwirtschaft, die von Freihandel und Investitionserleichterungen geprägt ist. Die Regierung von Pepe Lobo hat zu Beginn ihrer Amtszeit ein Plan für Honduras von 2010-2038 vorgelegt (Vision de País 2010-2038
). Dieser auf 28 Jahre angelegte Plan beinhaltet als einen Schwerpunkt die Armutsreduzierung, die durch den Trickle-down-Effekt
erreicht werden soll. Die Regierung setzte vor allem auf die Schaffung sogenannter Sonderentwicklungszonen (RED
) mit Megaprojekten
und Charter-Cities
(Ciudades Modelo). Im September 2012 wurde ein Vertrag
zum Bau einer solchen umstrittenen
Charter-City von Abgeordneten und internationalen Investoren unterzeichnet. Gegen die dazu notwendige Verfassungsreform wurden Klagen eingereicht und der Oberste Gerichtshof entschied sich mehrheitlich
gegen das Dekret, was die Artikel 304 und 329 geändert hätte. Nach der Absetzung einiger Richter
des Obersten Gerichtshofes wurde das Gesetz zur Schaffung von Sonderentwicklungsregimes
im Januar 2013 verändert vom Parlament beschlossen, darin sind Verfassungsänderungen der Artikel 294, 303 und 329 vorgesehen. Mit diesen Änderungen können diese Sonderentwiclungsregime überall im Land mit eigener Rechtsform gebildet werden.
Für die Arbeitsplatzschaffung vor allem der ärmeren Bevölkerungsschicht liegt ein Entwicklungspotenzial in der Förderung von Kleinst-, Klein- und mittelere Unternehmen. Honduras als Agrarstaat kann im landwirtschaftlichen Bereich ein hohes Potenzial entfalten, dazu müsste einerseits die Landwirtschaft modernisiert werden, anderseits müssen die Landrechte, vor allem auch für Frauen, geklärt werden.
Trotz einiger Rückschläge (Finanzkrise, Staatsstreich) konnte sich die makroökonomische Lage insbesondere seit der Vereinbarung eines Abkommens mit dem Internationalen Währungsfonds
(IWF) im September 2010 stabilisieren. Im Jahre 2012 konnte die honduranische Wirtschaft ein Wachstum von 3,8% verzeichnen.
Die USA sind der wichtigste wirtschaftliche Bezugspunkt für Honduras. Nach den Daten des World Factbook der CIA
werden fast 60% der Exporte
und fast 50% der Importe mit den USA abgewickelt. In einem gemeinsamen Freihandelsvertrag haben alle fünf zentralamerikanischen Länder
gemeinsam mit der Dominikanischen Republik den Freihandelsvertrag CAFTA-DR
(Central America-Dominican Republic-United States Free Trade Agreement) mit den USA geschlossen. Nach der Ratifizierung des CAFTA-DR-Vertrags durch das honduranische Parlament trat er für Honduras am 1. April 2006 in Kraft. Bislang wird die Wirkung des Freihandelsabkommens
auf das Beschäftigungswachstum und die Armutsreduzierung vorsichtig positiv eingeschätzt.
Die seit Jahren größte Devisenquelle des Landes stellen die Geldüberweisungen der in die USA (oder seltener nach Kanada oder Europa) ausgewanderten Honduraner/-innen
an ihre in Honduras verbliebenen Familien dar. Im Jahre 2012 betrugen die Überweisungen ca. US-Dollar 2,96 Mrd. und stellen damit 15,7% vom BIP dar. Die wirtschaftliche oder soziale Entwicklung
des Landes befördert dieser Mittelzufluss
allerdings nur sehr beschränkt, da er vorwiegend für Lebenshaltungskosten ausgegeben wird und nur selten zu Zwecken wie Unternehmensgründung oder Bildung verwendet wird.
Die 6 zentralamerikanischen Länder Honduras, Guatemala, El Salvador, Nicaragua, Costa Rica und Panama repräsentiert durch die Organisation zentralamerikanischer Staaten (SICA) haben im Juni 2012 das Assoziierungsabkommen
mit der EU unterzeichnet.
Das Abkommen ist ein Freihandelsabkommen, aus dem sich eine Reihe von Riskien, Chancen und Herausforderungen für die Region ergeben. Das Abkommen besteht aus 3 Säulen: Politischer Dialog, Zusammenarbeit und Handel. Der Teil zum Freihandel ist vorläufig in diesem Jahr in Kraft getreten. Das Assoziierungsabkommen wurde im Dezember 2012 vom Europäischen Parlament ratifiziert
, im folgenden Jahr müssen die nationalen Parlamente in der EU und in Zentralamerika abstimmen. Gegen das Assoziierungsabkommen gab und gibt es große Proteste
der Zivilgesellschaft. Die Kritik
am Abkommen resultiert daraus, dass das Nord-Süd-Gefälle im Handel untermauert wird.
Honduras nimmt als hochverschuldetes armes Land (Highly Indebted Poor Country) an der von Weltbank und IWF initiierten HIPC-Initiative
zur Schuldenerleichterung teil. Eine Voraussetzung für die Teilnahme an der Schuldenerleichterung ist die Erstellung eines Armutsbekämpfungsprogrammes. Im Jahr 2001 formulierte die honduranische Regierung ihre Strategie zur Bekämpfung der Armut
(Poverty Reduction Strategy Paper - PRSP, Estrategia de la Reducción de la Pobreza - ERP).
Wie es die internationalen Geber verlangen, wurde das PRSP in einem partizipativen Prozess entwickelt, in den wichtige zivilgesellschaftlichen Gruppen eingebunden waren. Auf der Seite PRSP-Watch von VENRO heißt es zum Partizipationsprozess zusammenfassend: "Die Beteiligung von nicht-staatlichen Akteuren am PRSP-Prozess weist Mängel in ihrer Tiefe und Qualität auf und ist insgesamt als enttäuschend zu bezeichnen. Den Partizipationsbemühungen kann bislang nur ein bestenfalls begrenzter Einfluss auf das honduranische PRSP bescheinigt werden." Im Zusammenhang mit der Armutsbekämpfungsstrategie wurde Honduras ein großer Teil seiner Auslandsschuld erlassen. Die Umleitung der zuvor für Zins- und Tilgungszahlungen vorgesehenen Gelder in die Armutsbekämpfung hat bislang aber noch keine durchschlagende Wirkung
erzielt, weder was die Armut allgemein, noch was speziell die Situation in ländlichen Gegenden
betrifft.
Mit der politischen Krise 2009 kam der PRSP-Prozess zum Erliegen. Für die Regierung von Pepe Lobo ist der Armutsbekämpfungsstragie nur von zweitrangiger Bedeutung und man kann von einem Scheitern des PRSP-Prozesses
sprechen.
Mit dem Sozialhilfeprogramm "Bono 10mil"
, bei dem u.a. arme Familien Barmittel bekommen, wird eine assistenzialistische Politik verfolgt, die langfristig nicht zur Armutsreduzierung beitragen kann.
Informationen zum PRSP in Honduras:
Zivilgesellschaft und PRSP in Honduras:
(Sozialforum zur Auslandsverschuldung und Entwicklung)
(Repräsentation der Zivilgesellschaft im PRSP-Prozess)
Der ACI-ERP
-Fonds wird von einem Zusammenschluss von 27 Gebern bereitgestellt, um die Partizipation der Zivilgesellschaft am PRSP-Prozess zu fördern.
Honduras nimmt am "Proyecto de Integración y Desarrollo de Mesoamérica" (kurz "Proyecto Mesoamérica
") teil. Das Vorgängerprojekt, der "Plan Puebla Panamá", war v.a. wegen einer zu starken Ausrichtung auf teilweise umweltschädliche und sozial unausgewogene Großprojekte und wegen mangelnder Partizipationsmöglichkeiten der Bevölkerung kritisiert worden.
Honduras wird aller Voraussicht nach die angestrebten Millennium Development Goals nicht erreichen. Beim MDG-Monitor (MDGs
) ist für die meisten Ziele aufgrund mangelnder Informationen keine Vorhersage. Detaillierte Informationen erhält man von der Pan American Health Organziation (PAHO
).
Es ist zu hoffen, dass Honduras mit Unterstützung durch den "Global Fund
to Fight AIDS, Tuberculosis and Malaria" dem Erreichen des MDG Nr. 6 (AIDS-Bekämpfung
) näher kommt.
Honduras ist in hohem Maße von der internationalen Entwicklungszusammenarbeit
abhängig.
Nach Hurrikan "Mitch"
haben sich die wichtigsten Geberländer und -institutionen in der sog. GSDE
(Grupo de Seguimiento a la Declaración de Estocolmo; auch als "G-16" benannt wegen ihrer 16 Mitglieder) zusammengeschlossen, um ihre Aktivitäten für Wiederaufbau und Transformation zu koordinieren.
Die Gruppe ist die zentrale Instanz der Geberkoordination. Mitglieder sind: Deutschland, Kanada
, die USA
, Japan
, Schweden (das seine staatliche Entwicklungszusammenarbeit mit Honduras 2011 beendet hat), die Niederlande
, Spanien
, Italien
, die Schweiz
, Frankreich
, die EU
(die ein Country Strategy Paper
zu Honduras veröffentlicht hat), der IWF
, die Weltbank
, die BID
(Banco Interamericano de Desarrollo), die BCIE
(Banco Centroamericano de Integración Económica; mit Sitz in Tegucigalpa) und UNDP
. Weitere wichtige Geber in Honduras sind das Welternährungsprogramm
und UNFPA
.
Massive finanzielle Unterstützung erhält Honduras von den USA im Rahmen des Millennium Challenge Accounts (MCA
) für Projekte im (Verkehrs-)Infrastrukurbereich, in der Landwirtschaft und im Bereich der Public-Private Partnership. Die MCA-Mittel flossen übrigens auch nach dem Putsch von 2009 ununterbrochen weiter
.
Deutschland gehört in Honduras zu den wichtigsten bilateralen Gebern. Honduras ist ein Schwerpunktland der deutschen staatlichen Entwicklungszusammenarbeit
, thematisch konzentriert sie sich auf die Bereiche Grundbildung
und Förderung nachhaltiger Ressourcennutzung und lokale wirtschaftliche Entwicklung
. In den Regierungsverhandlungen von Januar 2011 wurde Honduras ein Betrag von 30 Mio. EUR für 2011 und 2012 zugesagt.
Die wichtigsten in Honduras vertretenen deutschen EZ-Institutionen sind GIZ
(Zusammenschluss von GTZ, DED, InWEnt), KfW
, FES
, CIM
und FNSt
. Brot für die Welt
(beim Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung) führt ebenfalls Projekte in Honduras durch.
Die deutsche Botschaft
in Tegucigalpa hat eine Aufstellung der in Honduras tätigen Institutionen.
Vom BMZ liegt ein Evaluierungsbericht (Länderprogramm-Evaluierung
) über die deutsche EZ in Honduras vor.
Außer der bilateralen Zusammenarbeit leistet Deutschland auch im Rahmen der multilateralen Kooperationen einen Beitrag (Weltbank, Interamerikanische Entwicklungsbank, EU).
Rita Trautmann, Jahrgang 1970, Ethnologin, ist seit 2008 Landestutorin in der AIZ für Honduras. Sie war mehrere Jahre in Honduras tätig. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind: Bildungsarbeit, Globales Lernen, Organisationsentwicklung und Projektmanagement.
Ich freue mich über Anregungen und Kommentare (Kontaktformular).
Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im März 2013 aktualisiert.
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Weitere Informationen finden Sie unter E-Academy GIZ.
Literatur zu Maquilas und Frauenarbeit
Literatur zu Entwicklungspolitik und ländlicher Entwicklung in Honduras
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