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Independence Arch, ©Stig Nygaard (CC BY 2.0)

Geschichte, Staat und Politik

BeschreibungInhalt
Tag der Unabhängigkeit:06.03.1957
Staatsoberhaupt: John Dramani Mahama
Regierungschef:John Dramani Mahama
Politisches System:Präsidialdemokratie
Demokratie Status- Index (BTI):Rang 19 (von 128)
Korruptionsindex (CPI):Rang 64 (von 174)

Ghana

Landesflagge Ghana

Staat

Staatsform

Ghana ist seit dem 1. Juli 1960 eine Republik. Die letzte gültige Verfassung von 1992 sieht ein parlamentarisches Mehrparteiensystem und eine starke Position des Präsidenten vor. Staatsoberhaupt war seit dem 7. Januar 2009 Präsident John Evans Atta Mills, der am 24. Juli 2012 plötzlich im Amt verstarb. Am selben Tag wurde der damalige Vice-Präsident John Dramani Mahama im Amt vereidigt. Als Ergebnis der Präsidentschaftswahlen von Dezember 2012, deren Ergebnis von der oppositionellen NPP Partei noch gerichtlich bestritten wird, wurde er im Amt bestätigt. Staatsoberhaupt ist seit dem 7. Januar 2013 somit Präsident John Dramani Mahama.Öffnet externen Link in neuem Fenster

Verfassung und Gewaltenteilung

Die im Jahre 1992 in einer Volksabstimmung bewilligte Verfassung, stark von der US-amerikanischen beeinflusst, hat sich bewährt. Ghana ist heute eine relativ stabile parlamentarische Demokratie. Die Verfassung bezeichnet die Parteien ausdrücklich als meinungs- und willensbildend im Rahmen des politischen Prozesses. Das Kabinett umfasst nicht nur die Fachminister, sondern auch alle Regionalminister. Ansonsten gibt es keine Vertretung der Regionen, etwa in Form einer zweiten Kammer.

Formaler Staatsaufbau

Ghana gliedert sich formal in 10 RegionenÖffnet externen Link in neuem Fenster, die wiederum in Bezirke unterteilt sind. Sie verfügen über beträchtliche Kompetenzen in nahezu allen Lebensbereichen. Im Gegensatz zum Parlament werden die Vertreter der District AssembliesÖffnet externen Link in neuem Fenster ohne Einfluss der Parteien direkt gewählt.

Recht und Justizwesen

Rechts- und Sicherheitsfrage sind durch die Verfassung und Einzelgesetze geregelt. Das RechtssystemÖffnet externen Link in neuem Fenster besteht aus zentralen und regionalen Gerichten.

Auf der Dorfebene spielt die traditionelle Gerichtsbarkeit noch eine wichtige Rolle.

Innenpolitik

Machthaber und Machtgruppen

Wesentliche Träger der politischen Willensbildung und Machtausübung sind die Parteien. Auf nationaler Ebene sind zehn Parteien registriert. Die Parteienlandschaft kann sich jedoch (als Demokratie) auch durch Parteigründungen neu formieren. Sie sind seit 1992 wieder zugelassen und werden von der VerfassungÖffnet externen Link in neuem Fenster als meinungs- und willensbildend nachdrücklich genannt.

 

Parteien

Sitze im Parlament
Anfang 2013

Convention Peoples Party (CPP)Öffnet externen Link in neuem Fenster

0

Democratic Peoples Party (DPP)Öffnet externen Link in neuem Fenster

0

Every Ghanaian Living Everywhere (EGLE)Öffnet externen Link in neuem Fenster

0

Great Consolidated Popular PartyÖffnet externen Link in neuem Fenster

0

National Democratic Congress (NDC)Öffnet externen Link in neuem Fenster

147

New Patriotic Party (NPP)Öffnet externen Link in neuem Fenster

123

National Reform PartyÖffnet externen Link in neuem Fenster

0

Peoples National Convention (PNC)Öffnet externen Link in neuem Fenster

1

United Ghana MovementÖffnet externen Link in neuem Fenster

0

Independent politicians

4

Wahlen

Die Präsidentschaftswahlen in Ghana 2012Öffnet externen Link in neuem Fenster fand am 7. Dezember 2012 zeitgleich mit den Parlamentswahlen 2012Öffnet externen Link in neuem Fenster statt. Das Ergebnis der Präsidentschaftswahlen wird ausschließlich von der oppositionellen New Patriotic Party (NPP) Partei gerichtlich bestrittenÖffnet externen Link in neuem Fenster. Alle anderen Parteien haben das Ergebnis akzeptiert. Laut Electoral Commission bekam der NPP-Präsidentschaftskandidat Nana Akuffo Addo 47,74% der Stimmen während der Kandidat der National Democratic Congress (NDC), der 2012 schon amtierende Präsident John Dramani Mahama, die Wahl mit 50,7% gewann. Von den insgesamt 270 Sitzen im Parlament konnte die NPP 123 gewinnen und die regierende NDC 147. 

Alle vier Jahre wird der Präsident und das Parlament neu gewählt. Ein gewählter präsident darf maximal zwei Amtszeiten regieren. Zurzeit sind mehr als 20 politische parteien bei der wahlkommission (Electoral Commission of Ghana) registriert. Die nächsten Wahlen sind für den 7. Dezember 2016 vorgesehen.

Politische Auseinandersetzungen

Sei es wegen der nach wie vor in breiten Kreisen der Bevölkerung existierenden Armut, sei es wegen sich anbahnender Wahlkämpfe, können AnimositätenÖffnet externen Link in neuem Fenster unter den Bevölkerungsgruppen gelegentlich auftreten.

Die Wettbewerbe um die Kandidatenplätze nehmen ebenfalls einen wichtigen Platz ein. Im Augenblick ist ebenfalls die bereits erwähnte Polarisierung zwischen einem konservativ-kapitalistischen (NPP) und einem progressiv-sozialistischen Kurs (NDC, CPP/PPP) zu beobachten. Ein Vorwurf an die ehemalige Regierung John Kufuors (2001-2009) war häufig der Ausverkauf der Ressourcen des Landes.Öffnet externen Link in neuem Fenster

Menschenrechte

Ghana fällt, verglichen mit den Nachbarländern, durch eine hohe Beachtung der Menschenrechte auf. Auf Dorfebene spielen die traditionellen Herrscher (Chiefs) und ältere Familienmitglieder als Schlichter eine wichtige Rolle, vorausgesetzt die zum Teil lähmenden Thron- und Erbstreitigkeiten sind geregelt.

Einen deutschsprachigen Überblick über die Menschenrechtssituation bietet der BerichtÖffnet externen Link in neuem Fenster von Amnesty International Deutschland. Zur Situation im gesamtafrikanischen Kontext empfiehlt sich die Lektüre der aktuellen DatenÖffnet externen Link in neuem Fenster von African Commission on Human and Peoples` Rights.

Als ein ungelöstes Problem stellt sich nach wie vor die "Heimsklaverei" dar. In einigen Gebieten Ghanas werden vor allem Mädchen aufgrund der Verschuldung der Eltern von wohlhabenden Personen als Pfand beansprucht oder mit dem Versprechen auf Ausbildung und Jobs ausgebeutet.

Medienlandschaft

Bei den ghanaischen Medien herrscht weitgehende Pressefreiheit, vor allem Radio-Sender und Internet-Portale üben einen großen Einfluss auf die ghanaische Bevölkerung aus, je nach Standort auf der Welt und Bildungsniveau.

Presse

Ghanas Presse wird generell als eine der freiesten in Afrika betrachtet. Kapitel 12 der ghanaischen Verfassung von 1992 garantiert die Redefreiheit. Das oberste Gremium für die Überwachung der Spielregeln ist "The Ghana Media Commission". Sie ist unabhängig, vergibt die Rundfunkfrequenzen, sorgt für fairen Wettbewerb und stellt sicher, dass die Pressefreiheit unangetastet bleibt.

Selbst bei der Beurteilung der Weltpresse durch UNHCR hat Ghana einen relativ hohen Stellenwert.Öffnet externen Link in neuem Fenster

Tageszeitungen

Eine breigefächerte Palette von unabhängigen Tageszeitungen existiert. Täglich erscheinen landesweit die folgenden Blätter:

  • Accra Daily Mail
  • Crusading guide
  • Daily Graphic
  • Daily Guide
  • Ghana Review International
  • Ghanaian Chronicle
  • Ghanaian Times
  • Gye Nyame Concord
  • Heritage
  • Independent
  • Public Agenda
  • Statesman
  • The Democrat

 

Hinzu kommen noch rund 20 Wochenzeitungen.

Radio

Die Rundfunklandschaft hat sich auch stark verändert. Bis 1990 war der Rundfunk die Domäne des Staates. Mit der Demokratisierung ab 1992 wurde das Rundfunkwesen liberalisiert, private FM-Stationen wurden zugelassen. 2010 waren bereits rund 170 FM-Stationen tätig. Zur Zeit (2012) sind circa 200 UKW-Sender landesweit vertreten. Sehr beliebt sind interaktive Sendungen, in denen über alle Themen gesprochen werden darf. Alle großen und mittleren Städte haben mehrere Sender, die zugeschnittene Programme für die verschiedenen Bevölkerungsschichten anbieten. Einige Sender können live mit Window Media Player Series 9 (oder höher) über das Internet empfangen werden.

    Fernsehen

    Ebenfalls mit zunehmender Demokratisierung hat das staatliche Ghana Broadcasting CorporationÖffnet externen Link in neuem Fenster seine Monopolstellung aufgegeben. Die Privatwirtschaft hat sich stark eingemischt und das Ergebnis ist die heutige Präsenz von zahlreichen TV-Sendern, darunter:

  • Cine Afrika
  • Crystal TV
  • E-TV
  • Metro TV
  • NET 2
  • Skyy TV
  • TV Afrika
  • TV 3
  • Viasat

Internet

Geschichte

Besonderheiten der Landesgeschichte

Geschichte im ghanaischen Bewusstsein ist nach wie vor zunächst Geschichte der eigenen BevölkerungsruppeÖffnet externen Link in neuem Fenster und damit von einem noch nicht vollständig überwundenen Vorbehalt untereinander geprägt. Nicht dass sich dies gewaltsam äußern würde, aber fast jeder traditionelle Verband, gleichgültig ob Dorf, Clan oder größere Spracheinheit, greift in der Selbstdarstellung auf die häufig historisch belasteten Beziehungen zu Nachbargebieten zurück.

Selbst die brutalen Eingriffe Europas in der Zeit des transatlantischen MenschenhandelsÖffnet externen Link in neuem Fenster (ca. 1550 bis ca. 1850) in die damalige Gesellschaft werden nur bedingt als gemeinschaftsbildendes Element gesehen. Zu groß waren die Abhängigkeiten der afrikanischen Opfer und Täter von den fremden Akteuren. Bis heute ist in der oralen Tradition oder in Gesprächen mit Geschichtskundigen zu erfahren, dass diese oder jene Herrschaftsgruppe an der Unterwerfung ihrer eigenen oder benachbarten Gruppe oder am Menschenhandel beteiligt war.

Die gemeinsame Erfahrung der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einsetzenden britischen Kolonialisierung wird ebenso zwiespältig gesehen: Einerseits wird die Schaffung einer auf Rohstoffe und einem von außen bestimmtem Handeln als Fremdherrschaft und BevormundungÖffnet externen Link in neuem Fenster vermerkt. Andererseits sind sich viele Ghanaer der Tatsache bewusst, dass unzählige InnovationenÖffnet externen Link in neuem Fenster von ihnen aufgegriffen und weiter entwickelt wurden. Beim Beginn der Unabhängigkeit, die Ghana als erste Kolonie Afrikas südlich der Sahara erreicht hatte, konnte das Land deshalb auf einer im Vergleich zum übrigen Afrika relativ fortgeschrittenen Infrastruktur, einem hohen Bildungsniveau und einem beträchtlichen Selbstbewusstsein aufbauen.

Verstärkt wurde dies durch die Förderung einer alle Afrikaner oder Menschen afrikanischer Herkunft umfassenden Idee, dem PanafrikanismusÖffnet externen Link in neuem Fenster, der bis heute viele politische und gesellschaftliche Vorstellungen beeinflusst und mit dazu beiträgt, dass Ghana vorrangig als Konfliktvermittler in Afrika präsent ist. PanafestÖffnet externen Link in neuem Fenster, ein panafrikanisches Fest das seit 1992 alle zwei Jahre in Ghana gefeiert und von Diaspora Afrikaner-innen gut besucht wird, zeugt von dieser Tatsache.

Epochen

Einen kurzen historischen Abriss der Geschichte Ghanas bietet Ihnen die Ghanaweb-WebsiteÖffnet externen Link in neuem Fenster an.

Ghana vor Ankunft der Europäer

Über die Ur- und Frühgeschichte Ghanas ist nur wenig bekannt und dürfte wohl auch kaum ausreichend erforscht werden können. Materialien wie Holz, Metall oder Leder verrotten in dem feucht-warmen Klima in kürzester Zeit. Schriftlichkeit gab es von spärlichen Berichten arabischer ReisenderÖffnet externen Link in neuem Fenster im Mittelalter abgesehen vor der Ankunft der Europäer nicht.

Mündliche Überlieferungen, frühe Dokumente und linguistische Studien lassen vermuten, dass die heutigen Bewohner Nord- und Zentralghanas aus den nördlichen Savannenzonen (heute Sahelländer) etwa vor tausend Jahren eingewandert sind, darunter insbesondere die Akan, Gonja, Guan Gurma, sowie Dagomba-Mamprusi, die eng mit den Mossi im heutigen Burkina Faso verwandt sind. Erst seit dem 14./15. Jahrhundert haben sich die heutigen Bevölkerungsgruppen entlang der Flussläufe und an der Küste angesiedelt.

Die meisten Völker des Südens stammen aus weiter östlich gelegenen Gebieten, vermutlich aus dem heutigen Zentralnigeria, wie etwa die der Kwa-SprachfamilieÖffnet externen Link in neuem Fenster, zu der die Akan, Ewe und die Ga-Adangbe zählen.

Europas Zugriff auf Ghana

Seit der Ankunft der Portugiesen auf dem Seeweg nach Indien 1471 wurde Ghana eng in die europäische Ausweitung nach Übersee einbezogen. Den Portugiesen folgten in wenigen Jahrzehnten Niederländer, Franzosen, Briten, Schweden und Dänen, und auch das Kurfürstentum Brandenburg,Öffnet externen Link in neuem Fenster später Brandenburg-Preußen hatte Aktivitäten an vier Stellen der ghanaischen Küste zu verzeichnen: Taccarary, Takrama, Akwidaa und Prince`s Town.

Alle diese Seefahrernationen hinterließen Sklaven-Burgen und andere AnlagenÖffnet externen Link in neuem Fenster, die den Charakter der ghanaischen Küstenstädte mitprägten.

Seit dem 16. Jahrhundert hatte sich für den größten Teil der Küste der Name "Goldküste" eingeprägt, obwohl die Bezeichnung "Sklavenküste"Öffnet externen Link in neuem Fenster der weiter östlich liegende Gebiete sinnvoller gewesen wäre. Denn schon ab Mitte des 16. Jahrhunderts konzentrierte sich das europäische Interesse auf den Menschenhandel. Historiker sind über die Anzahl der aus Ghana verschifften Menschen nicht einig aber aus den Logbüchern von Cape Coast Castle geht es hervor, das mindestens eine Million Menschen allein von dort aus nach Amerika (überwiegend Barbados, Jamaika, Guyana) transportiert wurden. Nach realistischen Einschätzungen (P.D. Curtin, The Atlantic slave trade: a census bzw. P. Manning, Slavery and African life) setzten insgesamt rund 13 Millionen Afrikaner_innen lebend Fuß in die Neue Welt. Unabhängig von genauen Zahlen ist es Tatsache, dass der Sklavenhandel Afrika beträchtlich schädigte. Große Landstriche wurden nicht nur von Menschen entleert sondern zerstört oder verarmt. Hinzu kam die Einführung europäischer Krankheiten wie Tuberkulose, Lungenentzündung, Syphilis und bösartige Pocken, die Afrika bis dahin nicht kannte. In seinem Hauptwerk – How Europe Underdeveloped AfricaÖffnet externen Link in neuem Fenster (Bogle-L’Ouverture, 1972 – ging Walter Rodney, ein Historiker aus Guyana, ausführlich in diese Thematik ein.

Andererseits führte die Zusammenschließung locker organisierter Bevölkerungruppen zu größeren Einheiten, z.B. die Asante (Aschanti)Öffnet externen Link in neuem Fenster, die als Opfer und Täter zugleich mit den Europäern kooperieren mussten. Weiterhin vollzog sich eine intensive Besiedlung der Küstenlandschaft und des dahinter liegenden Regenwald- und Savannengebietes, die dadurch begünstigt wurden, dass aus den tropischen Gebieten Amerikas neue Nahrungsmittel angepflanzt werden konnten (z.B. Mais). Mit dem Ende des Sklavenhandels war eine NeuaufteilungÖffnet externen Link in neuem Fenster der Küstengebiete verbunden. Gegen die anderen europäischen Konkurrenten hatte sich Großbritannien durchgesetzt. Ab 1844Öffnet externen Link in neuem Fenster war die Küstenzone der Gold-Küste britisches Herrschaftsgebiet.

Britisches Herrschaftsgebiet

Nach mehreren militärischen Expeditionen wurden ab 1874 und 1896 Ashanti und die Nordgebiete Teil der britischen GoldküsteÖffnet externen Link in neuem Fenster.

Sehr früh fanden die Briten heraus, dass  ihre Kolonialambitionen jedoch nur durchzusetzen wären, wenn sie als neue Herren Rücksicht auf die besonderen Verhältnisse der Bevölkerung und die bestehenden Machtverhältnisse nahmen. Aus der indischen Kolonialtradition wurde das Herrschaftssystem der Indirekten Herrschaft indirect ruleÖffnet externen Link in neuem Fenster übernommen, das traditionellen Herrschern beschränkte Verwaltungsvollmachten einräumte. Damit und durch die fast unvermeidliche Anerkennung neuer städtischer Gruppen wurden in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen die Strukturen dafür geschaffen. Kennzeichnend dafür sind der britische Gouverneur GuggisbergÖffnet externen Link in neuem Fenster und der ghanaische Pädagoge und Schriftsteller AggreyÖffnet externen Link in neuem Fenster, mit denen die Goldküste in eine neue Phase eintrat.

Unabhängigkeitsbewegung und Staatsgründung

Diese Epoche war wesentlich von der Person des ersten Staatsoberhauptes, Kwame NkrumahÖffnet externen Link in neuem Fenster geprägt.

Als Folge der beiden Weltkriege hatte sich die wirtschaftliche und soziale Situation in der Goldküste dahingehend verändert, dass immer mehr Forderungen nach politischer Unabhängigkeit gestellt wurden. Teils ging dies von der städtischen Bevölkerung, teils von traditionellen Herrschern, aber auch von kirchlichen, bäuerlichen oder frühen gewerkschaftlichen Kreisen aus.

1947 übernahm Nkrumah die Leitung der United Gold Coast Convention (UGCC), einer Art Sammelbewegung verschiedener gemäßigter Gruppierungen. Nachdem seine Parteigenossen, seine Forderung nach sofortiger Unabhängigkeit (Independence now)Öffnet externen Link in neuem Fenster wiederholt ignorierten, spaltete er sich ab und grundete 1949 seine eigene Partei die Conventions People's Party (CPP), die mit dem Ruf nach sofortiger Unabhängigkeit 1952 eine Selbstverwaltung für das Land erreichen konnte. Am 6. März 1957 wurde die Goldküste unabhängig und umbennant (Ghana), erstmals in Afrika südlich der Sahara. Am 1. Juli 1960 erklärte es sich zur Republik im Rahmen des britischen Commonwealth.

Freiheit für immer

Nkrumah versuchte aus dem einheimischen und kolonialen Erbe heraus und mit einem hohen Maß an panafrikanischem Bewusstsein einen neuen Staat und einen neuen Afrikaner zu schaffen, der in der Lage ist, sein Schicksal selbst in die hand zu nehmenÖffnet externen Link in neuem Fenster, und der von allen anderen Völkern der Welt respektiert wird. Seine Hoffnungen scheiterten an den Bedingungen der Weltwirtschaft, am Kalten Krieg und an einer Überforderung der ghanaischen Bevölkerung, die die Notwendigkeit und Vorteile seiner panafrikanischen Bemühungen nicht verstehen konnte und sie eher als Belastung empfand. Hinzu kommt die Tatsache, das der Westen, insbesondere die USA seine panafrikanistischen Tendenzen als Bedrohung für ihre Interessen fanden und dies gänzlich ablehnte. Dies führte am 24. Februar 1966 zum Sturz Nkrumahs durch einen Militärputsch, bei dem die CIAÖffnet externen Link in neuem Fenster, wie es sich später herausstellte, maßgeblich beteiligt war, unter Anderem mit 12 Millionen US Dollar.

Die Dominanz des Militärs 1966-2002

Ghana erlebte im folgenden vier unterschiedliche Militärherrschaften:

1966-1969

National Liberation Council
(NLCÖffnet externen Link in neuem Fenster - J.A. AnkrahÖffnet externen Link in neuem Fenster/A. AfrifaÖffnet externen Link in neuem Fenster

1972-1979

National Redemption Council/Supreme Military Council (NRC/SMCÖffnet externen Link in neuem Fenster - I & II.  I.K. Acheampong/F. AkuffoÖffnet externen Link in neuem Fenster

Juni - Sep. 1979

Armed Forces Revolutionary Council
(AFRC - J.J. Rawlings)Öffnet externen Link in neuem Fenster 

1981 - 2002

Provisorial National Defence Council
(PNDCÖffnet externen Link in neuem Fenster - J.J. RawlingsÖffnet externen Link in neuem Fenster


Die dazwischen existierenden Zivilregierungen (2.  und 3. Republik 1969-1972 unter K. BusiaÖffnet externen Link in neuem Fenster und 1979-1981 unter H. LimannÖffnet externen Link in neuem Fenster ) hatten angesichts der bestehenden Machtfülle des Militärs und sich verschlechternder wirtschaftlicher Verhältnisse keine Chance, ihre Konzepte durchzusetzen.

Außenpolitik

Das Land im regionalen und internationalen Kontext

Die Entwicklung der ghanaischen AußenpolitikÖffnet externen Link in neuem Fenster seit Nkrumah wird von der Library of Congress dokumentiert. Die Hauptakzente sind die Bemühung um eine gesamtafrikanische Kooperation (Afrikanische Union)Öffnet externen Link in neuem Fenster sowie eine regionale Wirtschaftsunion (ECOWAS)Öffnet externen Link in neuem Fenster.

Im Januar 2004 wurde in Anwesenheit des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder das Kofi Annan International Peacekeeping Training Centre Öffnet externen Link in neuem Fensterin Accra-Teshi eingeweiht. Es wird sich in Zukunft erheblich an politischen und militärischen Planungs- und Implementierungsaufgaben der Friedenssicherung in Afrika beteiligen. Im Rahmen der Afrikapolitik der Bundesregierung wird es mit erheblichen Finanzmitteln unterstützt, wobei auch die Bundeswehr mit Beratungs- und Ausbildungsaufgaben eine wichtige Rolle spielt.

Bundespräsident Horst Köhler reiste auf Einladung des Präsidenten Kufuor vom 11. bis 12. Januar 2007 zu einem offiziellen Besuch in die Republik Ghana. Neben bilateralen Gesprächen in Accra fand in Kumasi ein Besuch beim Asantehene und eine Diskussion mit Studenten an der University of Science and Technology (KNUST) zum Thema "Brain Drain" statt.

Vom 12. bis 14. Januar 2007 richtete der Bundespräsident gemeinsam mit Präsident Kufuor Kofi Annan das International Peacekeeping Training Centre (KAIPTC)Öffnet externen Link in neuem Fenster, im Rahmen der Afrika-Initiative des Bundespräsidenten das zweite Afrika-ForumÖffnet externen Link in neuem Fenster in Accra aus, dieses Mal zum Thema "Zwei Generationen - eine Zukunft".

Präsident Kufuor war als Vorsitzender der Afrikanischen Union unter anderem auch auf dem G-8 GipfelÖffnet externen Link in neuem Fenster in Heiligendamm vertreten.

Die Terroranschläge vom 11. September 2001 in New York und Washington prägten ganz wesentlich das gegenwärtige Verhältnis zu den USA. Eine Kritik an der amerikanischen Politik zu den Ländern der so genannten 3. Welt ist im Augenblick im Gegensatz zu früher nicht erkennbar, dennoch wird trotz offizieller Verlautbarungen durchaus auf eine mögliche Nähe von Terror und Armut hingewiesen. Noch deutlicher wird die ghanaische Presse, wie aus einem Beitrag der Stiftung "Wissenschaft und Politik" hervorgeht. Im amerikanischen Bestreben, das Antiterrornetz möglichst dicht zu verflechten und um einen stärkeren Anteil an den Ölreserven des Golfes von Guinea zu sichern, sind Ghana und andere Länder in ein amerikanisch-afrikanisches Militärprogramm eingebunden worden. Diese Militärbeziehung ist politisch nicht unumstritten.

Am 11. Juli 2009 begeisterte der Besuch des Präsidenten Barack Obama die ghanaische Bevölkerung, der trotz kritischer Worte zu afrikanischen Regierenden Ghana als Musterland lobte. Präsident Mills bezeichnete Obamas Besuch als positives Signal zur Bestätigung seines Demokratie-Kurses.

ECOWAS

Ghana ist Mitglied der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (franz.: La Communauté Economique Des Etats De l'Afrique De l'Ouest, CEDEAO), englisch: Economic Community of West African States, ECOWAS), eine Wirtschaftsvereinigung von 15 Staaten in der westafrikanischen Subregion. Sie wurde am 28. Mai 1975 mit der Unterzeichnung des Vertrages von Lagos gegründet. Der am 24. Juli 1993 in Cotonou (Benin) geschlossene Revised Treaty ersetzte den Vertrag von Lagos und stellte die ECOWAS auf eine neue rechtliche Grundlage. Ziel des Zusammenschlusses ist die wirtschaftliche Integration der Mitgliedstaaten. Ein weiteres Ziel ist die eventuelle politische Integration, die Ausdruck findet in der Einrichtung eines gemeinsamen westafrikanischen Gerichtshofes sowie eines gemeinsamen westafrikanischen Parlaments im Jahre 2001.

WAMZ

Die  West African Monetary Zone (WAMZ) wurde 2000 von 5 westafrikanischen Länder (Gambia, Ghana, Guinea-Konakry, Nigeria, Sierra Leone) ins Leben gerufen, um eine harte und  stabile Währung (ECO) zu gründen. Ziel ist, eine ähnlich starke Währung wie der CFA-Franc der frankophonen Länder West- und Zentralafrikas, dessen Wechselkurs an den Euro gebunden und durch Frankreich garantiert wird. Ultimativ sollen ECO und CFA-Franc zu einer gemeinsamen Währung aller west- und zentralafrikanischen Staaten werden. Zu diesem Zweck wurde ein West African Monetary Institute mit Sitz in Accra etabliert, um diese Währungsunion vorzubereiten. 

ECOMOG

In der Konfliktvermittlung in verschiedenen Teilen des Kontinents, besonders in Westafrika (ECOMOG)Öffnet externen Link in neuem Fenster nimmt Ghana eine wichtige Stellung ein. Dieses Kürzel steht für Economic Community of West African States Monitoring Group und wurde 1981 von den Mitgliedstaaten der ECOWAS als eine Allianz zur Verteidigung gegründet. Sie besteht hauptsächlich aus Einheiten aus Nigeria und Ghana, mit kleineren Kontingenten von den anderen westafrikanischen Ländern. Ihre Bewährungsprobe kam, als die ECOMOG in den Bürgerkriegen von Liberia und Sierra Leone intervenierte und sich in der kriegerischen Auseindersetzung auf Seiten der Zentralregierungen beteiligte.

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im März 2013 aktualisiert.

Literaturhinweise

Weiterführende Literatur zu den Themen:

Trainingsangebote der AIZ

Die AIZ mit Sitz in Bad Honnef bietet mehr als 50 monatlich stattfindende Trainingskurse zu folgenden Themen an:

 

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