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El Salvador orientiert sich an den Grundsätzen der freien Marktwirtschaft. Die Wirtschaftspolitik ist durch Neoliberalismus gekennzeichnet. Staatliche Dienste werden, soweit möglich, privatisiert. Das Ausmaß staatlicher Interventionen in die Wirtschaft ist gering. So wurde ein Gesetz zur Regulierung des freien Wettbewerbs (Ley de Libre Competencia), um die Praxis der Monopolbildung einzudämmen, trotz zahlreicher Gesetzesinitiativen in den vergangenen Jahren noch nicht verabschiedet.
Seit Januar 2001 ist der US-Dollar die offizielle Landeswährung. Die bisherige Währung, der Colon, ist zwar weiterhin gültig, tritt aber praktisch nicht mehr in Erscheinung.
El Salvador ist das am meisten industrialisierte Land in der Region. 2005 war El Salvador die stärkste Wirtschaftmacht in Zentralamerika und dem Karibischen Raum. Durch die forcierte neoliberale Politik der ARENA-Regierung wurden Banken und staatliche Unternehmen, beispielsweise im Energie- und Telekommunikationssektor aber auch die Rentenversicherung privatisiert, sowie Einfuhrzölle beseitigt. Starken Widerstand gab es gegen die Privatisierung des Gesundheitswesens
.
Die darauf folgenden hohen Preissteigerungen beim Strom und beim öffentlichen Transport, die stetig ansteigenden Lebenshaltungskosten, sind mit ein Grund, der dazu führt, dass El Salvador eine sehr hohe Kriminalitätsrate hat und mit mittlerweile 70 Morden pro 100.000 Einwohnern im Jahr 2011 eins der gewalttätigsten Länder Amerikas ist. Jeden Tag werden derzeit im Durchschnitt zwölf Menschen ermordet. Dazu kommt noch die Verwundbarkeit der demokratischen Institutionen. Dies alles trägt nach Ansicht von Social Watch
wesentlich zu einer kritischen politischen, ökonomischen und sozialen Situation im Lande bei.
Auch die GIZ (Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit)
stellt in ihrem Bericht fest: "Wirtschaftliche Strukturprobleme und soziale Ungleichheit konnten jedoch noch nicht überwunden werden. Ein wirtschaftlicher Strukturwandel ist zwar im Gange, doch bislang hat er weder die Abhängigkeit von wenigen Ausfuhrgütern mit geringer Wertschöpfung reduziert, noch die Konkurrenzfähigkeit der einheimischen Wirtschaft auf dem Binnenmarkt und den internationalen Märkten nennenswert verbessert. Auch neue Arbeitsplätze konnten nicht ausreichend geschaffen werden."
Im letzten sehr umfangreichen Bericht der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Germany Trade and Invest
zur Wirtschaftsentwicklung in El Salvador 2010 (veröffentlicht am 18. Mai 2011) ist zu lesen, dass die salvadorianische Gesellschaft durch starke soziale Ungleichheit und eine hohe Armutsquote geprägt sei. "Circa 30% der Bevölkerung leben unterhalb der nationalen Armutsgrenze; rund 6% leben von weniger als 1,25 US$ am Tag." Ebenso sei das große Defizit im Bildungsbereich und der hohe Migrationsdruck in Richtung USA belastend für die Wirtschaftsentwicklung. "Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung betreffen zusammen rund 50% der arbeitsfähigen salvadorianischen Bevölkerung vor allem im ländlichen Raum."
Der linksmoderate Mauricio Funes habe bisher eine wirtschaftsliberale Politik beibehalten, in der der Staat aber eine zunehmend aktivere Rolle einnehme. "Die vielerorts wahrnehmbaren Ängste vor einer unternehmerfeindlichen Wirtschaftspolitik seitens der FMLN nach der Regierungsübernahme durch Funes sind zwar nicht eingetroffen, dennoch misstraut ein breiter Teil der wirtschaftlichen Elite der Regierung und vor allem der Regierungspartei." Präsident Funes setze zwar auf einen Konsens mit der Unternehmerschaft, die aber wenig Bereitschaft zeige, auf den Präsidenten zuzugehen.
In El Salvador leiden vor allem auch Kinder unter den schlechten Lebensbedingungen. Nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation ILO arbeiten vier von zehn Kindern zwischen 14 und 17 Jahren, vorwiegend in gefährlichen und unqualifizierten Tätigkeitsbereichen. Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen schätzt, dass jährlich 12.000 Kinder an den Folgen von verunreinigtem Trinkwasser, schlechten hygienischen Bedingungen und fehlender medizinischer Behandlung sterben.
Der Bericht 2010 des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen
für El Salvador plädiert für ein neues Entwicklungsmodell. So zitiert das Lateinamerika-Hilfswerk der katholischen Kirche, adveniat
, aus diesem Bericht, dass im Schnitt die Salvadorianer kaum sechs Jahre die Schule besuchen. Von den Kranken erhielten 40 Prozent keine Behandlung, nur etwa 20 Prozent verfügten über irgendeine Form von Gesundheitsversicherung. Von der „wirtschaftlich aktiven“ Bevölkerung zahlten lediglich 18 Prozent in eine Pensionskasse ein. Und 68,9 Prozent der Bevölkerung El Salvadors wohne in nicht akzeptablen Zuständen. Fließendes Wasser gebe es bei 21,3 Prozent nicht und 9 Prozent könnten keinen Strom nutzen.
Nach Angaben der Heinrich Boell Stiftung
hofft die Mehrheit der Bevölkerung, dass "die linke Regierung endlich eine Politik machen wird, die sich den sozialen Problemen des Landes annimmt". Auch El Salvador leidet stark unter der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise und befindet sich in einer Rezession. Damit vermindern sich die Staatseinnahmen um etwa ein Drittel des Staatshaushaltes. Vor allem die Exporte und die Rücküberweisungen der Migranten sind eingebrochen. Seit dem Ausbruch der Wirtschaftskrise haben etwa 40 000 Menschen ihre Arbeit verloren, die meisten im formellen Sektor. 2,8 Millionen der 5,7 Millionen Salvadorianer leben in Armut, und man geht davon aus, dass diese Zahl weiter ansteigen wird.
Der Wirtschaftsrat der Vereinten Nationen für Lateinamerika, CEPAL (Comisión Económica para América Latina)
, veröffentlicht regelmäßig ausführliche Berichte zur wirtschaftlichen Lage und den Aussichten in den einzelnen Mitgliedsländern.
Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Germany Trade and Invest
, die den Wirtschafts- und Technologiestandort Deutschland im Ausland vermarktet und deutsche Unternehmen über Auslandsmärkte informiert, hat zuletzt im Mai 2010 ausführliche Wirtschaftsdaten
für El Salvador herausgegeben. So wird davon ausgegangen, dass das Bruttosozialprodukt von 21,7 Mrd. US $ im Jahr 2010 auf 23,2 Mrd. $ Jahr 2011 ansteigen wird. Erwirtschaftet wurde das BIP 2010 zu 12,9 % durch Landwirtschaft, Industrie 22,8 %, Bauwirtschaft 2,8 %, Handel 17,1 %, Hotels und Restaurants 2,8 %, Transport und Logistik 5,6 %, Telekommunikation 3,8 % sowie Banken und Versicherungen zu 3,7%.
Umfassende Wirtschaftsdaten liefern auch die Weltbank
und der IWF
.
Die derzeit aktuellste veröffentlichte Wirtschaftsbericht aus El Salvador selbst ist das "Informe Económico 2010"
der Banco Central de Reserva de El Salvador (BCR). Dort sind auch die vierteljährlichen Berichte
über die ökonomische Situation El Salvadors zu finden.
Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) hält ein ausführliches Verzeichnis der zahlreichen im Land tätigen Gewerkschaftsverbände
bereit. Das Labournet
veröffentlicht regelmäßig aktuelle gewerkschaftspolitische Nachrichten u.a. aus El Salvador.
In seiner jährlichen Übersicht über die Verletzungen von Gewerkschaftsrechten
hat der Internationale Gewerkschaftsbund (IGB) festgestellt, dass nach wie vor Gewerkschaftsdemonstrationen und Streiks unterdrückt werden. Privatwirtschaftliche Unternehmen weigern sich weiterhin eine freie gewerkschaftliche Organisierung und Tarifverhandlungen zuzulassen.
Hauptexportgüter El Salvadors sind der Kaffee, Zucker, Shrimps, Textilien und Chemikalien. Importiert werden vor allem Maschinen und Fahrzeuge sowie Rohöl. Im Jahr 2005 arbeiteten rund 38% Prozent der Arbeitskräfte im Agrarsektor / Nahrungsmittelsektor (größter Teil davon Kaffee). Nach Untersuchungen des Vereins Earthlink ist aber leider auch Kinderarbeit in El Salvador
stark verbreitet. So sollen 110.000 Kinder zwischen 5-14 Jahren arbeiten, davon arbeiten 53% in der Landwirtschaft, 16% in der Industrie und 31% arbeiten in der Dienstleistungsbranche.

Die vulkanische Asche in den fruchtbaren Tälern von El Salvadors Hochland ist ein idealer Nährboden für Kaffeepflanzen. Seit zweihundert Jahren bringt der Kaffeeexport dem Land wertvolle Deviseneinnahmen. Das lukrative Kaffeegeschäft hat dazu geführt, dass ein großer Teil der Anbauflächen des Landes in den Händen weniger Großgrundbesitzer ist. Die soziale Benachteiligung von Kleinbauern und landlosen Saisonarbeitern war immer wieder Anlass von Aufständen und Unruhen.
Die Bundesrepublik ist als Hauptabnehmer salvadorianischen Kaffees ein wichtiger Handelspartner des Landes. Im Dezember 1997 wurde ein bilateraler Investitionsschutz- und Förderungsvertrag unterzeichnet, der 2001 in Kraft getreten ist.
Seit der Aufkündigung des Internationalen Kaffeeabkommens im Jahre 1989 hat die salvadorianische Kaffeewirtschaft, der wichtigste traditionelle Wirtschaftszweig des Landes, etliche Krisen durchlebt. Im selben Jahr wurde auch der Salvadorianische Kaffee-Rat gegründet, um El Salvador in diesem Bereich wettbewerbsfähig zu halten.
Zu Beginn des letzten Jahrzehnts 2000 haben der Verfall der internationalen Kaffeepreise
, die Erdbeben und die Dürre geradezu eine Überlebenskrise dieses Sektors ausgelöst. Berichte der CEPAL
und von OXFAM
gehen speziell auf die Folgen des Zerfalls der Kaffeepreise für Zentralamerika ein.
Auf der 3. Weltkaffee-Konferenz in Guatemala
im Februar 2010 erklärte die Internationalen Kaffee-Organisation (OIC)
, dass der Kaffeepreis sich seit der großen Krise 2004 wieder stabilisiert habe. So sei der Preis von 62.15 US cents / lb im Jahr 2004 bis zum Jahr 2009 auf 124,25 US cents / lb gestiegen. Auch sei Angebot und Nachfrage wieder in etwa auf gleicher Höhe.
Nachdem die Rohstoff-Kaffeepreise
bis zum Jahr 2011 wieder stark angestiegen waren und sich die Produktion von Kaffee zu erholen schien, sind die Preise auch aufgrund der allgemeinen Wirtschaftskrise mittlerweile wieder um die Hälfte auf den Stand von 2007 gefallen. Viele Produzenten sind hoch verschuldet, denn aufgrund der Krise in den letzten Jahren wurden zahlreiche Plantagen vernachlässigt. Ein erheblicher Teil der 23.000 Kaffeeproduzenten leiden nach wie vor unter der Krise, die der Preisverfall von Kaffee 2001 ausgelöst hatte. Sie häuften hohe Schulen an, die sie jetzt noch immer abzahlen müssen.
Neben der allgemein gestiegenen Produktionskosten bekommen die Kaffeeproduzenten zunehmend auch Probleme wegen der globalen Erwärmung des Klimas. Um die Produktion zu steigern, will die Kaffee-Industrie in Lateinamerika vor allem die Kleinbauern fördern. Fünf Jahre zuvor hatten sich gerade diese Kleinbauern organisiert, um gegen die Politik der Internationalen Kaffee-Organisation zu protestieren. Eine Delegation von 200 Kaffee-Kleinbauern hatte sich anlässlich der zweiten Weltkaffee-Konferenz (WCC), die im September 2005 in Salvador/Brasilien stattfand und von der Internationalen Kaffee-Organisation (ICO) organisiert wurde, versammelt, um auf ihre Alltagswirklichkeit aufmerksam zu machen und ihrer wichtigsten Forderung Gehör zu verschaffen. Für 25 Millionen Kaffeebauern-Familien weltweit ist die Kaffeekrise
nicht vorbei. Sie wollen eine Stimme haben in der internationalen Debatte zum Kaffeemarkt und zentral an der Suche nach Lösungen für die Kaffeekrise beteiligt sein, die ihre Zukunft bestimmen. Die Delegation repräsentiert Kaffeebauern und Kooperativen, die nicht über das erforderliche Geld und Personal verfügen, um ihre Anliegen und Nöte auf der Weltkaffeekonferenz direkt einzubringen.
So wie die "Santa-Adelaida-Kooperative
" in den Bergen der Cordillera del Balsamo etwa 30 Kilometer südlich der Hauptstadt San Salvador suchen immer mehr Kaffee-Kleinbauern weltweit nach Alternativen durch ökologischen Anbau von Kaffee.
Die Maquila-Industrie
ist mittlerweile zu einem der wichtigsten Wirtschaftszweige El Salvadors geworden, die Bedeutung dieser Freihandelszonen für die nationale Ökonomie ist enorm. Rund 80.000 ArbeiterInnen (was einem Anteil von rund 10% aller regulär Beschäftigten entspricht) arbeiten derzeit in El Salvador in über 200 steuerbefreiten Maquila-Betrieben, überwiegend Frauen. Es handelt sich dabei vor allem um Betriebe, die halbfertige Produkte verarbeiten. Sie zahlen keine Zölle und Steuern und schaffen dringend benötigte Arbeitsplätze. Der Maquila-Boom hält hier bereits seit Jahren an, und die Textil- bzw. Bekleidungsindustrie zählt zu einer der wichtigsten Exportbranchen. Mittlerweile ist allerdings die Konkurrenz aus China so stark geworden, dass erstmals die Gewinne der Maquila-Industrie um 4 % gesunken sind.
Auf der anderen Seite werden in den Maquilas Arbeits- und Menschenrechte
missachtet. (s.o. Staat & Politik-Menschenrechte) Die Beschäftigten arbeiten meist in einem Klima von schamloser Ausbeutung und erhalten Löhne, die nicht einmal für den Warenkorb des täglichen Bedarfs ausreichen. Durch das Verbot, während der Arbeitszeit auf die Toilette zu gehen, haben z.B. die Harnwegsinfektionen stark zugenommen. Aber auch Arthritis, Allergien und weitere Krankheiten sind Folgen der schlechten Arbeitsbedingungen
.
GMIES
(Grupo de Monitoreo Independiente de El Salvador) hat zu diesem Thema eine sehr umfassende Studie im Dezember 2007 mit dem Titel "Obstacles to justice in Central America and the Caribbean - El Salvador
" publiziert.
Umfangreiche Überweisungen
, "remesas", der etwa 2.5 Mio. in den USA lebenden Salvadorianer, tragen entscheidend zum Ausgleich der negativen Handelsbilanz bei. Aufgrund der Finanzkrise und der hohen Arbeitslosigkeit in den USA fielen in der ersten Jahrershälfte 2009 diese Überweisungen in die Heimat um 10,3 %, d.h. um 200 Mio. US-$ im Vergleich zum 1. Halbjahr 2008. Mittlerweile sind die Überweisungen wieder stark angestiegen.
2011 sind die Geldüberweisungen nach El Salvador nach Angaben der Zentralbank um 6.4% gestiegen. So wurden im Jahr 2011 fast 3,65 Mrd. US-$ von im Ausland lebenden Salvadorianern an ihre Familien in El Salvador überwiesen. Das macht 16% des Bruttoinlandsproduktes (BIP) aus. Das UN Entwicklungsprogramm (UNDP) geht davon aus, dass etwa 21,3% der salvadorianischen Familien diese Überweisungen erhalten.
Nach neuesten Informationen der Banco Central de Reservas
in El Salvador sind die Remesas im ersten Halbjahr 2012 gegenüber dem Vorjahr um 7,3% auf 1.944,8 Mrd. US-$ gestiegen.
Am 1. März 2006 ist trotz großer Proteste verschiedenster gesellschaftlicher Organisationen das Zentralamerikanische Freihandelsabkommen (CAFTA) zwischen Zentralamerika und den USA in El Salvador in Kraft getreten.

CAFTA gilt als eines der regionalen Projekte zur Vorbereitung auf die "Allamerikanische Freihandelszone" (Free Trade Area of the Americas - FTAA; Area de Libre Comercio de las Américas - ALCA)
, die auf Betreiben vor allem der US-Regierung bis 2005 realisiert werden sollte. Zu Ihrer Einschätzung mag es nützlich sein, sich eine Bilanz des "Nordamerikanischen Freihandelsabkommens" (NAFTA)
zwischen Kanada, den USA und Mexiko anzuschauen, die 1994 vom mexikanischen Aktionsnetzwerk gegen den Freihandel (RMALC) publiziert wurde.
Die Alianza Social Continental wiederum hat den offiziellen ALCA-Entwurf ihren eigenen "Alternativas para las Américas
" gegenübergestellt. Zahlreiche Dokumente und Links finden Sie auf den Seiten des Kontinentalen Bündnisses gegen ALCA
. Bestandteil von ALCA und CAFTA ist der 2001 vom mexikanischen Präsidenten Vicente Fox propagierte "Plan Puebla-Panamá" (PPP). Er geht zurück auf Überlegungen von INCAE
, der führenden Management-Schule Mittelamerikas, die von der "Harvard Business School" unterstützt wird: um den Freihandel zu fördern, muss zunächst die materielle Infrastruktur verbessert werden. Die beiden Hauptkomponenten des Plans sind der Ausbau von Fernstraßen und Häfen und die Integration der Elektrizitätsnetze. Diese ist im Rahmen des "Systems der Verbindung der Stromnetze in Zentralamerika" (SIEPAC)
bereits weit fortgeschritten.
Auch die EU führte langjährige Verhandlungen, um ein sog. Assoziationsabkommen
mit den mittelamerikanischen Ländern zu erreichen. Voraussetzung dafür war jedoch die Schaffung einer Zollunion. Diese Verhandlungen über das Assoziierungsabkommen wurden am 22. Oktober 2007 in San José aufgenommen. Inzwischen haben fünf zentralamerikanische Staaten die von der EU geforderten Voraussetzungen erfüllt, insbesondere die Schaffung einer Zollunion. Aufgrund des Putsches in Honduras im Juni 2009 waren die weiteren Verhandlungen zunächst unterbrochen, wurden aber schließlich fortgeführt. Am 19. Mai 2010 wurde dieses Abkommen dann beim Treffen der EU und Zentralamerika in Madrid unterzeichnet.
Am 22. März 2011 wurde in Brüssel der rechtsverbindliche Text
des geplanten Assoziierungsabkommens zwischen der EU und den zentralamerikanischen Ländern unterzeichnet und inzwischen veröffentlicht.
Zur Zeit läuft der Ratifizierungsprozeß in den europäischen und zentralamerikanischen Parlamenten.
Der salvadorianische Doktorand an der Universität in Warwick, England, Carlos Salvador Zepeda, hat die Widersprüche des Abkommens am Beispiel "Water for Life" sehr eindrucksvoll dargestellt:
In der Millenium 2000 Erklärung (Millenium Development Goals)
bekräftigen 189 Staaten bis zum Jahr 2015 alles dafür zu tun, um weltweit die Situation zu verbesseren. Auch El Salvador soll vom Erreichen dieser 'Goals' profitieren, leben doch über 20% der Bevölkerung in extremer Armut.
Vor allem Kinder leiden unter den schlechten Lebensbedingungen. Es fehlt an Schulen oder LehrerInnen oder aber viele Kinder müssen aufgrund der Armut arbeiten müsssen. Täglich arbeiten weit über 200.000 Kinder und Jugendliche zwischen fünf und 17 Jahren, häufig in gefährlichen Tätigkeiten.
Die Forderungen der Bevölkerung nach Versorgung mit Trinkwasser werden immer häufiger. Viele Gemeinden auch im Großraum San Salvador werden seit Jahren sehr schlecht mit Trinkwasser versorgt: Umweltverschmutzung und Erosion machen Trinkwasser zu einem immer kostbareren Gut, aber es fehlen die Ressourcen für Instandsetzung und Bau der nötigen Infrastruktur.
Viele gute Worte finden sich in der Milleniums-Erklärung, aber was wurde davon bis zum Jahre 2012 tatsächlich schon erreicht. Schaut man sich weltweit um, bekommt man schnell den Eindruck, dass sich die Situation für die Armen immer weiter verschlechtert und für die Reichen immer weiter verbessert, sprich die Kluft zwischen Arm und Reich scheint nicht kleiner sondern noch größer geworden zu sein.
Der Millemiums Entwicklungsziele Report 2011 der UNO
gibt Auskunft über die bisherigen Erfolge oder Mißerfolge. Wie diese 'Goals' nun in El Salvador konkret umgesetzt werden, lässt sich anhand der Statistiken der Weltbank
nachvollziehen.
Eine etwas andere Bewertung der wirtschaftlichen und sozialen Lage eines Landes nimmt seit einigen Jahren die Entwicklungsorganisation der Vereinten Nationen (UNDP)
vor. Nach dem neuesten Human Development Indicator 2011
ist El Salvador auf die 105. Stelle von 187 Plätzen gestiegen, weit vor den anderen Ländern Nicaragua, Honduras und Guatemala. Der UNDP in El Salvador veröffentlicht alle zwei Jahre einen Sonderbericht
über die Entwicklung der Menschen in El Salvador.
Interessante Informationen zum Thema Entwicklungspolitik sind bei der Interamerikanischen Entwicklungsbank (IADB)
und beim Development Gateway
zu finden. Bei AidData gibt es einen umfangreichen Überblick
über die aktuellen internationalen Projekte im Land gibt.
Im März 2001 unterzeichneten die Europäische Kommission und die salvadorianische Regierung das "Memorandum of Understanding
" (MoU), in dem eine Gesamthilfe von 60 Mio. Euro für die Haushaltslinien festgelegt wurde, die für die finanzielle und technische Zusammenarbeit und die wirtschaftliche Zusammenarbeit im Zeitraum 2000-2006 bestimmt waren:
Das aktuelle Strategiepapier 2007-2013 der Europäischen Union
sowie das National Indicative Programme 2011-2013 for El Salvador
verdeutlichen die Ziele und Grundsätze der Zusammenarbeit der EU mit El Salvador.
Deutschland
ist zusammen mit den USA, Japan und Spanien einer der wichtigsten bilateralen Geber El Salvadors.
Bei den letzten Regierungsverhandlungen im Jahr 2008 wurde eine Neuorientierung der Entwicklungszusammenarbeit mit El Salvador vereinbart. Die Kooperationsansätze sollen grenzüberschreitende und regional ausgerichtet werden und sollen zukünftig über das Zentralamerikanische Integrationssystem (SICA) abgewickelt werden. Nur vereinzelt werden noch neue bilaterale Projekte gestartet.
El Salvador nimmt an der Initiative Klima- und Umweltschutz (IKLU) der Bundesregierung teil und erhielt in 2008 eine entsprechende Kreditzusage über 19,5 Millionen Euro für Umweltinvestitionen.
Für ein Regionalprojekt in der Grenzregion Trifinio (zwischen El Salvador, Honduras und Guatemala) wurden bis heute insgesamt 20 Millionen Euro für den Waldschutz und die Sicherung der überwiegend salvadorianischen Wasserressourcen bewilligt.
Im Rahmen des regionalen Programms zur Förderung von erneuerbaren Energien und Energieeffizienz wird El Salvador mit bislang 5 Millionen Euro unterstützt (neben El Salvador profitieren Costa Rica und Honduras davon).
Entwicklungsminister Niebel machte bei seinem Besuch in El Salvador im Oktober 2010 eine Zusage über einen Kredit in Höhe von 15 Millionen Euro für die Modernisierung des Abfallsystems.
2008 und 2009 wurden El Salvador zwei Schuldenumwandlungen von jeweils 10 Millionen Euro gewährt.
Ein großes Regionalvorhaben wird seit 2009 gemeinsam mit Guatemala und Honduras im Bereich Jugendgewaltprävention durchgeführt.
Folgende Schwerpunkte werden zur Zeit in der Entwicklungszusammenarbeit verfolgt:
Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Dezember 2012 aktualisiert.
Kalle Staymann
, geb. 1953, Webdesigner u. -programmierer, zahlreiche oft mehrjährige Arbeitsaufenthalte in Nicaragua, El Salvador und Honduras.
Über Anregungen und Kommentare würde ich mich freuen.
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