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Burkina Faso gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Auf dem Human Development Index HDI 2012
des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) rangiert das Land mit einem Index von 0,343 auf Platz 183 von insgesamt 187 Länder. Über 50% der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze von 1,25 US$ pro Tag (Lexas
). Das Bruttonationaleinkommen (BNE) betrug 2012 1.202 US$ pro Kopf . In Deutschland liegt es 30-mal höher, nämlich bei 34.854 US$. Sehr schwankende Wetterbedingungen (Überschwemmungen 2009, 2010, Dürre 2011), ungünstige Binnenlage mit hohen Transportkosten, Mangel an abbaubaren Rohstoffen und preisgünstigen Energiequellen sowie sehr geringes Ausbildungs- und Produktivitätsniveau sind neben zunehmender Korruption einige von zahlreichen Standortnachteilen, die die Wirtschaftsentwicklung
beeinträchtigen und auch in absehbarer Zukunft in erheblichem Maße beeinträchtigen werden.
Seit 1991 folgt Burkina Faso einem mit dem IWF
ausgearbeiteten makroökonomischen Programm.
Burkina Faso ist ein Agrarland
. Mehr als 80 % der Bevölkerung leben und arbeiten in ländlichen Gebieten. Insgesamt trägt der Primärsektor (Landwirtschaft
, Viehzucht
, Fischerei und Forsten) mit 30 bis 35 % zum BIP bei. Er stellt die Haupteinnahmequelle des Landes dar.
Der landwirtschaftliche Sektor verfügt über Potentiale, deren Ausschöpfung von zahlreichen Problemen behindert wird:
Die Anbautechnik (mit der Daba
= traditionelle Hacke) ist weitgehend rudimentär. Traktor und Pflug - wenn überhaupt erschwinglich - können auf Böden mit zu dünner Humusschicht oft mehr schaden als nutzen.
Sollten die Böden nicht ausreichend gegen Erosion geschützt werden, droht langfristig die Degradierung der natürlichen Ressourcen. Damit stehen die Produktionsgrundlagen insgesamt in Frage. Die etwas ertragreicheren Böden im Süden, Südwesten und Südosten werden für den Baumwollanbau unter Einsatz von Pestiziden intensiv genutzt, was unter Umweltgesichtspunkten weitere schwerwiegende Probleme darstellt.
Über 75% der Anbauflächen werden für die Getreideproduktion genutzt, die im Wesentlichen der Eigenversorgung dient. Im trockenen Norden dominiert die Kultur der kleinkörnigen Perlhirse, während im übrigen Land Sorghum (großkörnige rote und weiße Hirse) und Perlhirse gleichermaßen angebaut werden. In den sudano-guineischen Vegetationsgebieten werden zusätzlich Reis
, Mais
und Wurzelknollen (Yams, Maniok, Süßkartoffeln) angebaut. Reis und Mais werden auch zunehmend in anderen Teilen des Landes in Bewässerungsperimetern angebaut. Der Anbau von Gemüse wird hauptsächlich in der Trockenzeit aus Brunnen, Rückhaltebecken oder Flüssen intensiv betrieben. Durch moderne Methoden wie die Tröpfchenbewässerung
konnten die Erträge in den letzten Jahren erhöht werden. Weitere Kulturen, die sowohl der eigenen Ernährung dienen, als auch für den Export bestimmt sind, sind Sesam
, Erdnüsse, Fonio, Karité- und Cashewnüsse.
Die Bilanz für die Getreideproduktion war in den Jahren 2000-2010 überdurchschnittlich, wie aus dem Bericht der "Direction Générale der Prévisions et Statistiques Agricoles" (DGPSA)
hervorgeht. Ausnahme bleibt der seit eh und je defizitäre Anbau von Reis. Die jüngste Getreideproduktion von 2011 ist aber in vielen Gegenden defizitär. Nach vorläufigen Bilanzen der Bourse Céréalière Nationale
waren im Jahr 2012 1,4 Millionen Menschen in Burkina Faso vom Hunger
bedroht. Die Getreidepreise waren bereits im Februar 2012
ungewöhnlich hoch. In der Sahelzone sind zurzeit 10 – 15 Millionen Menschen von einer Hungerkrise
betroffen. Zahlreiche humanitäre Organisationen
sind in Burkina Faso im Einsatz.

Baumwolle
Baumwolle ist neben Gold Hauptexportware. Seit Schließung der Fabrik Faso Fani (früher Voltex) 2000 wird Baumwolle kaum noch im eigenen Land
verarbeitet. Das Ziel, hinter Ägypten zweitgrößtes Anbauland für Baumwolle in Afrika zu werden, konnte Burkina Faso tatsächlich erreichen. Zu diesem Erfolg hat die seit 10 Jahren andauernde Neuorganisation
und Teilprivatisierung des Baumwollsektors
, der zuvor ein Monopol der Vertriebsgesellschaft "Société burkinabè des Fibres Textiles" SOFITEX
war, beigetragen.
Zunehmend wehren sich Bauern gegen den jährlich von den Baumwollgesellschaften diktierten Preis für ein Kilo Baumwolle. Trotz steigenden Preises auf dem Weltmarkt wurden den Bauern 2011 kaum mehr Renditen bezahlt (insgesamt etwa 12 % des Weltmarktpreises). Diese werden sogleich von teurem Ankauf von Saatgut und Pestiziden aufgesogen. Es kam zu Anbauboykott und zu vorher nie erlebten gewaltsamen Auseinandersetzungen
.
Burkina Faso hat als erster Staat Westafrikas Versuche mit gentechnisch veränderter Baumwolle
zugelassen und damit heftige Verunsicherungen bei den Bauern hervorgerufen. Nach den ersten, sogenannten erfolgreichen Testergebnissen hat der Minister für Landwirtschaft beschlossen, die Kultur der gentechnisch veränderten Baumwolle ab 2007 zu verbreiten. Dies soll helfen, die Produktionskosten zu senken. Die NRO CV-OGM/BF
, Hauptgegner der genmanipulierten Kulturen
in Burkina Faso, versuchte vergeblich, diese vorschnelle Entscheidung auch mit rechtlichen Mitteln zu verhindern. Strittig
ist auch der gesundheits- und umweltschädliche Einsatz der Pestizide, die von den drei Baumwollgesellschaften auf Kredit verkauft werden.
Unter dem Gesichtspunkt globalen Handels beschreibt der österreichische mit dem Deutschen Dokumentarfilm Preis 2009 ausgezeichnete Film "Let´s make Money"
den Baumwollhandel als Symbol des unfairen Handels.
Im Januar 2012 wurde der Baumwollsektor von internationalen Banken mit einem Kredit
in Höhe von 50 Mrd. F CFA unterstützt.

Viehzucht
Die Viehzucht
ist die zweitwichtigste Wirtschaftsaktivität des primären Sektors. Der Norden ist das Hauptgebiet der Viehwirtschaft. Vorherrschend ist traditionelle Wanderviehwirtschaft oder Transhumanz. Eine Modernisierung
dieses Sektors ist noch nicht weit fortgeschritten. Rinder und Häute werden exportiert, hauptsächlich in die Elfenbeinküste. Als Tierbestand wird geschätzt:

Industrielle Produktion
Der Anteil des sekundären Sektors am BIP liegt bei 19 %. Dieser Sektor ist noch weitgehend von staatlichen Unternehmungen (Elektrizität
und Wasser
) und dem Bausektor geprägt. Das Telekommunikationsunternehmen ONATEL
wurde 2006 zu 49 % privatisiert. Nahrungsmittelverarbeitung, Montage von Mopeds und Getränkefabrikation sind weitere Industriezweige. Daneben umfasst der schwer messbare informelle Bereich über 60%.
Eine Reihe negativer Standortfaktoren stehen einer nennenswerten industriellen Entwicklung im Wege. Zu nennen sind:
Mineralindustrie
In Burkina Faso spielt die Mineralindustrie
zunehmend eine herausragende Rolle im Exporthandel. Das Land steht in Afrika in der Rangfolge des höchsten Rohstoffvorkommens an 6. Stelle (laut Institut Fraser 2011). Die Revision der Bergbaugesetzgebung
2003 hat den Sektor anscheinend belebt. Zahlreiche Bodenforschungsunternehmen
haben sich inzwischen im Land niedergelassen. Etwa 700 Sondierungszulassungen wurden bisher ausgestellt. Nach ersten Schätzungen verfügt Burkina Faso neben den reichen Gold- und Manganvorkommen auch über Kupfer, Eisenerz, Kassiterit (Zinnstein) und Phosphate in den etwa 75.000 km² birimischen Sedimenten. Produziert werden bereits Dolomit, Gold, Granit, Marmor, Phosphate, Bimsstein und andere Vulkangesteine sowie Salze.
Einseitige Konzentration auf Mineralvorkommen haben in der Vergangenheit in Burkina Faso falsche Erwartungen geweckt. Davor warnen auch jetzt Vertreter der Weltbank
.
Gold
Seit 2005 steigen zunehmend kommerzielle Gesellschaften
in die Goldförderung
ein und steigern den Exporthandel. Zu ihnen gehören Axmin Inc.
, Semafo Inc.
, Orezone Resources Inc.
, High river Gold Mines Ltd.
, Goldcrest Resources Ltd.
, Ampella Mining
, Searchgold Recource Inc.
., Etruscan Resources Inc.
, Cluff Gold
, Iamgold
, Volta Ressources Inc.
, Riverston Resources Inc.
, Gryphon Minerals
und Goldplat
. Im Jahre 2009 entthronte Gold
die Baumwolle als wichtigstes Exportgut des Landes, wie der Minister für Bergbau und Energie bei einem interministeriellen Treffen
verkündete.
Den von den beteiligten Firmen veröffentlichten Zahlen zufolge produzierte Burkina Faso
Gold.
Damit verdrängt Burkina Faso Tansania vom 4. Platz der afrikanischen Goldexporteure. Im Februar 2013 nahm Nordgold
den Betrieb der Bissa-Mine auf mit einer jährlichen Produktion von bis zu 200.000 Unzen Gold.
Es gibt in Burkina Faso 6 industrielle Minen (Mana, Youga, Kalsaka, Taparko, Belahouro et Essakane
), zwei halbindustrielle und etwa 200 "wilde" Goldgräberstätten.
Obwohl 2011 durch den Goldexport 127 Milliarden F CFA vom Staat eingenommen wurden, wächst in der Bevölkerung der Unmut
darüber, dass sich das enorme Wachstum in diesem Sektor nicht auf die Gesamtwirtschaft auswirkt
.
Eine Expertentagung im Februar 2012 kam zu dem Schluss, dass der Abbau von Rohstoffen in Afrika nicht der afrikanischen Bevölkerung zugute käme. Burkina Faso würde derzeit von Mineralkonzernen geplündert
.
Weitere negative Folgen des Goldabbaus sind die Zerstörung der Umwelt
, die Gefährdung
der Gesundheit
, die Verschmutzung des Wassers, der Verlust landwirtschaftlicher Anbauflächen sowie die Vertreibung ansässiger Menschen.
Daneben existiert weiterhin die traditionelle Goldwäscherei
, an der einige lokale Chefs oder Eliten
verdienen. Institutionen des Rechts
sind in diesem Milieu oft nicht wirksam. Ein Teil der harten Arbeit wird von Kindern
erledigt (Film
). Immer wieder kommt es zu schweren Unfällen und Verschüttungen
in Goldminen.
Dienstleistungen
Der tertiäre Sektor ist regelmäßig mit 40 bis 45% am BIP beteiligt. Er wird geprägt durch Export - und Importhandel
sowie den weit verbreiteten Kleinhandel, vom Transport und der Gastronomie. Auch in diesem Sektor ist der Anteil der informellen Tätigkeit (z.B. der weit verbreitete Kleinhandel) beträchtlich.

Wanderarbeit
Als Folge der schwach entwickelten Wirtschaft und der klimabedingt schwankenden Ernteerträge arbeiten 2 bis 3 Mio. burkinische ArbeitnehmerInnen im Ausland
, hauptsächlich in der Elfenbeinküste. Der Bürgerkrieg im Nachbarland hatte starke negative Auswirkungen auf die Wirtschaft Burkina Fasos befürchten lassen. Diese sind jedoch weniger dramatisch ausgefallen als ursprünglich erwartet.
In Burkina Faso sind die Wirtschaftsindikatoren
sehr schlecht. Mehrere Gründe dürften dies erklären. Die Wirtschaft
leidet maßgeblich unter schwankenden Weltmarktpreisen für die Hauptexportprodukte. Manche Experten führen die desolate Wirtschaftslage auch auf das niedrige Bildungsniveau und das verhältnismäßig schnelle Bevölkerungswachstum zurück. Die ungünstige geographische Lage als Binnenland und der fehlende Anschluss an Wirtschaftsmärkte wirkten sich zuletzt nicht weniger negativ aus. Obwohl das Land über großes Potential im Hinblick auf Bodenschätze (Mangan, Silber, Gold, Zink, Kupfer, Phosphat, Titan, Nickel, Blei und Bauxit) verfügt, fehlen dort noch die Infrastrukturen zum Abbau. Die sehr schwankenden Wetterbedingungen wirken sich stark auf das jährliche Wirtschaftswachstum aus. Subventionen, Billigimporte und Geschenke führender Industrie- und Schwellenländer (USA - Baumwolle, Textilien aus Asien, EG - Milchpulver und Fleisch, Japan - Reis...) sorgen dafür, dass Burkina Faso in seinen ureigensten Bereichen als Agrarland nicht nur nicht mehr für den Export produzieren kann, sondern selbst auf dem Binnenmarkt nicht mehr konkurrenzfähig ist. Dass Korruption, Oligarchiebildung und schlechte Regierungsführung ebenfalls Hemmnisse für Wirtschaftsentwicklung sind, zeigt die Lizenzvergabe für den Goldabbau
. Es ist nicht transparent
, in wie weit die enormen Gewinne
, die in diesem Sektor eingefahren werden, in angemessener Weise
zur Erhöhung des Bildungsniveaus beitragen oder die Infrastruktur
aufbauen und somit die Wirtschaftsindikatoren verbessern.
Das Wirtschaftswachstum liegt 2011 wie im Vorjahr bei 5,6 %, woran der steigende Goldpreis seinen Anteil hat. Angesichts der Inflationsrate von 5,3 %, des Bevölkerungswachstums von 3,1 % und dem hohen Grad an Unterentwicklung bedeutet eine solche Ziffer Stagnation und Rückschritt statt Entwicklung.
Dass Burkina Faso wirtschaftlich zu den "Verdammten dieser Erde" gehört, darüber sind sich alle Statistiken einig. Die Zahlen fallen dennoch unterschiedlich aus und die Angaben, die erhältlich sind, werden nicht immer regelmäßig aktualisiert. Hier einige Quellen:
(World Economic Outlook Data)




Das Finanzsystem unterliegt dem "Plan de renforcement de la gestion budgétaire" - PRGB
, einem strengen Reformpaket, dessen Umsetzung allgemein als positiv beurteilt wird.
Die Privatisierung
staatlicher Unternehmen stieß in den letzten Jahren an ihre Grenzen. Nach negativen Erfahrungen mit ONATEL wurde die Privatisierung der für Wasser, Strom und Gas zuständigen Unternehmen ONEA, SONABEL und SONABHY gestrichen. Sie wirtschaften zufriedenstellend und bleiben wegen ihrer Schlüsselfunktion in der Hand des Staates. Im Zuge der Erhöhung der Kraftstoffpreise wird eine Privatisierung oder Reform der SONABHY
von Opposition und Verbraucherverbänden neu diskutiert.
Zu Erreichung der Millenniumsziele OMD (Objectifs du millénaire pour le développement) und zur Umsetzung des Programms zur Bekämpfung der Armut CSLP
(Cadre stratégique de lutte contre la pauvreté) ließ Wirtschafts- und Finanzminister Lucien Marie Noël Bembamba
als Orientierung der Wirtschaftspolitik die SCADD 2011-2015
(Stratégie de croissance accélérée et de développement durable) ausarbeiten
. Ziel ist ein zweistelliges Wirtschaftswachstum. SCADD orientiert sich auf vier Achsen:
die Rahmenbedingungen für Entwicklung nachhaltig verstärken.
Das Programm wurde im Oktober 2011 vom Minister der Weltbank
und dem IWF vorgestellt, wobei auf einige Punkte besonders eingegangen wurde: Im Vordergrund steht ein umfangreiches Beschäftigungsprogramm, insbesondere für Frauen und Jugendliche. Weiterer Punkt ist die Subventionierung von Benzin. Die Landwirtschaft soll durch Subventionierung von verbessertem Saatgut, Dünger, Mechanisierung und Verarbeitung der Produkte gefördert werden. Der Bergbau soll besser und gewinnbringender organisiert werden. Ferner sollen Tourismus, Infrastruktur und Energie gefördert werden. Neue Großprojekte werden in Angriff genommen. Zurzeit werden Studien zum weiteren Ausbau der Eisenbahn bis Accra und bis Niamey erstellt. Für den Bau des neuen Flughafens Donsin (35 km nord-östlich von Ouagadougou) ist ein Ausschuss gebildet worden, der in Kürze eine Delegation der Weltbank in Ouagadougou erwartet. Weiterhin sind Straßenrehabilitierung und Elektrifizierung
im ländlichen Raum geplant.
Von 1.-3. Februar 2012
kam es unter Leitung des Regierungschefs von Burkina Faso in Paris zu einem runden Tisch
mit etwa 200 Teilnehmern. Der Geberrunde wurde das Programm "Bâtir ensemble un pays émergent" (="Gemeinsam ein aufblühendes Land errichten") zur Finanzierung
der SCADD in den Jahren 2011-2015 vorgestellt. Die Finanzierung beläuft sich auf 7.000 Milliarden F CFA, von denen 63,3 % aus eigenen Ressourcen gedeckt werden sollen und für die verbleibenden 36,7 % ausländische Quellen gesucht werden. Zu den geplanten Großprojekten zählen dabei neben dem neuen Flughafen in Donsin
u.a. auch die Rehabilitierung bzw. der Neubau der Eisenbahnstrecke von Abidjan nach Niamey, eine Autobahn zwischen Yamoussoukro und Ouagadougou, ein neues Zementwerk und der Bau von 10.000 Sozialwohnungen.
Bei der jährlichen Bilanz zur SCADD verbreitete der Wirtschaftsminister im Mai 2012
Optimismus.
Kritiker
werfen der Wirtschaftspolitik und der SCADD vor, sie wären zu sehr an Wachstumszahlen und deren Mystifikation interessiert, viel zu wenig aber an den reellen Grundbedürfnissen der Bevölkerung.
Die Geld-, Kredit und Währungspolitik liegt in der Hand der Zentralbank der Westafrikanischen Staaten (Banque Centrale des Etats de l'Afrique de l'Ouest - BCEAO
). Seit der Einführung des Euro steht der FCFA (Franc de la Communauté Financière Africaine) in festem Wechselkurs zum Euro. Dieses System scheint sich - trotz der Krise in Côte d'Ivoire - bewährt zu haben.

Die Außenwirtschaftspolitik Burkina Fasos ist auf den Prozess der regionalen Integration gerichtet. Das Land ist Mitglied der Westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion, UEMOA
, sowie der Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten, ECOWAS
/CEDEAO
.


Im Rahmen der UEMOA sind die Handelsschranken weitgehend abgebaut worden. Die Mitgliedsstaaten haben zum 01.01.2000 einen gemeinsamen Außentarif eingeführt. Langfristig haben ECOWAS und UEMOA das Ziel, einen einheitlichen Markt mit einer Währung zu schaffen.
Über den Binnenhandel liegen selten zuverlässige Statistiken und Analysen vor.
Der Außenhandel erhöhte sich in den letzten 5 Jahren um etwa 40 %. Während 2007 die Exporte bei 617,8 Mio. US$ lagen, erreichten sie im Jahr 2010 812,9 Mio. US$. Die Importe lagen 2010 bei 1.235,2 Mio. US$, davon etwa 25 % Agrarprodukte
. Die Handelsbilanz
lag 2010 somit bei – 422,3 Mio. US$. Hauptabnehmerländer waren 2008 Singapur (12,4 %), Belgien (9,5 %), VR China (8,3 %), Thailand (6,7 %), Ghana (4,1 %).
Quelle: EIU, Country Report (Die Zahlen unterscheiden sich erheblich von denen bei Afribiz.)
Auf Grund des geringen Zuflusses von privatem Kapital schließt Burkina Faso die Finanzierungslücke hauptsächlich durch bilaterale und multilaterale Zuschüsse und Darlehen. Im Jahre 2010 hatte der Anteil ausländischer Zuschüssen zur Finanzierung des Staatshaushalts eine Höhe von 219,9 Mrd. FCFA, das sind 335,2 Mio. EURO. Das macht 22,7 % aus. Zusätzlich kam es zu ausländischen Finanzierungen in Höhe von 153,6 Mrd. FCFA, das sind ca. 234 Mio. Euro.
Quelle: IMF, Country Report
Laut Angaben von Country Reports der EIU beliefen sich die Auslandsschulden von Burkina Faso im Jahr 2010 auf fast 2,2 Mrd. US$. Burkina Faso zählt damit zu den hoch verschuldeten Ländern der Welt.
Im April 2002 hatte Burkina Faso den "Completion Point
" unter der HIPC-Initiative erreicht. Ein umfassendes Entschuldungsprogramm wurde damit wirksam. Insgesamt wurden dem Land mehr als 500 Mio. $US Schulden erlassen
. Aufgrund der im Juni 2005 getroffenen Einigung
der acht führenden Industriestaaten (G-8) wurden Burkina Faso (zusammen mit vorerst 17 weiteren HIPC-Staaten) sämtliche Schulden bei Weltbank, IWF und Afrikanischer Entwicklungsbank erlassen. Die Schulden erreichten damit im Jahre 2006 einen Tiefstand von 700 Mio. US$ und hatten sich bis 2011 wieder verdreifacht.
Der Bestand ausländischer Direktinvestitionen in Burkina Faso lag Ende 2007 bei 770 Mio. US$.
Seit dem Millenniumsgipfel der Vereinten Nationen im September 2000 läuft das Armutsbekämpfungsprogramm
(Objectifs du millénaire pour le développement OMD
) von Burkina Faso in enger Abstimmung mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF), der Weltbank
(WB) und den Gebern von Entwicklungshilfegeldern.
Es besteht darin, bis 2015 Armut und Hunger zu halbieren und sichtbare Fortschritte im Bildungswesen zu machen. Weitere Punkte sind die Gleichstellung und Unabhängigkeit der Frau, gesundheitlicher Schutz für Mutter und Kind, AIDS-Bekämpfung und Umweltschutz. 2003/04 wurde das Programm überarbeitet
und fortentwickelt
. Nach dem ersten Fortschrittsbericht 2003 hat Burkina Faso 2010 einen zweiten vorgelegt. Darin wurden ermutigende Fortschritte in den Bereichen Grundbildung, Trinkwasserversorgung, Gesundheitsversorgung und AIDS-Bekämpfung hervorgehoben. Von den Vereinten Nationen wurden vor allem die Fortschritte in der Trinkwasserversorgung auf dem Gipfel September 2010 gelobt. Bei einigen Zielen ist die Bilanz
negativ. Es scheint, dass sie bis 2015 nicht erreicht werden können. Das gilt für die Abwasserentsorgung, die Bekämpfung der monetären Armut und den Hunger und der Verringerung der Mütter- und Kindersterblichkeit. Die Regierung reagierte mit „Beschleunigungsprogrammen“, die seit 2011 umgesetzt werden:
Burkina Faso ist ein Schwerpunktland der bilateralen deutschen Entwicklungszusammenarbeit
(EZ) des BMZ. Am 30.11. und 01.12.2011 fanden in Ouagadougou turnusgemäß die entwicklungspolitischen Regierungsverhandlungen
zwischen beiden Ländern statt. Dabei wurden für einen Zeitraum von drei Jahren Mittel von insgesamt 82 Millionen Euro für die Entwicklungszusammenarbeit in den nächsten drei Jahren zugesagt, davon 5 Millionen Euro pro Jahr direkte Budgethilfe
. Am 14.06.2012 wurde ein Kooperationsabkommen
über 59,5 Millionen EURO unterschrieben. Für August 2012 ist ein Besuch von Bundesminister Dirk Niebel in Burkina Faso geplant.
Mit seiner Finanziellen Zusammenarbeit (FZ) fördert das BMZ dabei Investitionen durch günstige Kredite, Beteiligungskapital oder Zuschüsse, die nicht zurückgezahlt werden müssen. Verantwortliche Organisation für die Finanzielle Zusammenarbeit ist die KfW Entwicklungsbank
.
Die Technische Zusammenarbeit (TZ) berät, liefert in begrenztem Umfang Sachgüter, erstellt Anlagen, Studien und Gutachten. Die Vorhaben
der TZ werden überwiegend im Auftrag des BMZ von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ)
durchgeführt, die seit Anfang 2011 die Tätigkeit der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED) und der Internationalen Weiterbildung und Entwicklung (Inwent) vereint. Technische Zusammenarbeit erfolgt immer als Direktleistung, die vom Empfängerland nicht zurückerstattet werden muss.
Mit der Regierung von Burkina Faso wurden drei Schwerpunkte der Zusammenarbeit verabredet. Sie ergänzen das Engagement anderer Geber in Burkina Faso:
Wasser
In weiteren Bereichen engagiert sich Deutschland in den Bereichen Förderung der Menschen-, besonders der Frauenrechte, Verbesserung der sexuellen Gesundheit besonders von Jugendlichen, Bekämpfung von HIV/AIDS und Engagement gegen Kinderarbeit. Mehrere Projekte zu Demokratie- und Zivilgesellschaftsförderung werden durchgeführt, insbesondere in den Bereichen Medien-, Menschenrechts- und Jugendförderung. Eine länderübergreifende Entwicklungspartnerschaft mit der Wirtschaft wird durchgeführt.
Gegenwärtig laufen folgende Programme und Projekte:








Die Aktivitäten der deutschen EZ konzentrieren sich schwerpunktmäßig auf den Südwesten und den Osten des Landes sowie auf die Hauptstadt Ouagadougou.
Einige größere professionelle Hilfsorganisationen führen Projekte in Burkina Faso durch. Zu ihnen gehören:
Weit näher an der Basis und mit unvergleichbar effizienterem Kosten-Nutzen-Verhältnis kooperieren nichtstaatliche Initiativen, die sich aus Spenden und Zuschüssen
finanzieren und deren Träger ehrenamtlich tätig sind. Bei ihnen steht die menschliche Begegnung im Mittelpunkt.
Im deutschsprachigen Raum gibt es mehr als 200 Partnerschaften zwischen Gruppen, Vereinen, Orten oder Schulen mit solchen in Burkina Faso. Am bekanntesten ist die inzwischen über 20-jährige Initiative von Katrin Rohde
: Sahel e.V.
. Mit ihrem Verein AMPO
hat die ehemalige Buchhändlerin aus Plön, "Mama Tenga
", in Ouagadougou und Umgebung mehrere Zufluchts-, Ausbildungs-, Arbeits- und Wohnstätten für Waisenkinder, Straßenkinder, Behinderte und Jugendliche, die von bestehenden sozialen Netzen nicht aufgefangen werden können, geschaffen. Seit sechs Jahren ist die Nachhaltigkeit der Einrichtungen durch die Katrin Rohde-Stiftung
gesichert.
Die Arbeit des "Solidaritätskreis Westafrika
" unter Leitung von Notar "Charly" Simonis
besticht durch die enorm hohe Zahl an Schulbauten, die aus ihrer privaten Initiative entstanden ist.
Die Vereine "FATHIMA e.V.
" mit Sitz in Bad Honnef und Kinderhilfe-Westafrika e.V.
in Thüringen unterstützen gezielt Ausbildung für Mädchen in Burkina Faso.
Einige weitere Initiativen sind:

(Tuttlingen)
(seit 40 Jahren in Wetzlar)

(Solartechnik)

(österr. Initiative)
Gerade wegen ihrer Basisnähe wird den Nichtregierungsorganisationen (NRO
s) ein hohes Maß an Sensibilität und Verständnis der fremden Mentalität abverlangt, zumal private Aufbauhilfen mit der Zuverlässigkeit der Partner vor Ort stehen und fallen. Naive Unbedarftheit, die nicht über die eigenen mitgebrachten Standards und den eigenen guten Willen hinausdenkt, führt dabei häufig zu Enttäuschungen und Abkehr.
Der Zugang zu staatlichen Zuschüssen
wird den meisten Vereinen trotz guter und erfolgreicher Zusammenarbeit durch zu hohe bürokratische Hürden verbaut.

Das Binnenland Burkina Faso ist sehr stark auf ausländische Hilfe angewiesen. Nach wie vor ist Frankreich mit der Agence Française de Développement
noch der wichtigste Partner der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit.
Der niederländische Entwicklungszusammenarbeit
ist seit 1970 in Burkina Faso tätig und konzentriert sich auf
Der niederländische Entwicklungsdienst SNV
operiert in den Bereichen:
Daneben sind
,
,
(Taiwan),
,und Österreich
die in Burkina Faso am stärksten engagierten Partnerländer.
Im Jahre 2005 hat sich Burkina Faso für den Millennium Challenge Account
(MCA), ein neues Instrument der Entwicklungszusammenarbeit der USA, qualifiziert. Dieses neue Instrument zeichnet sich durch besonders strenge, aber transparente Vergabebedingungen aus. In dieser Hinsicht bringt die Qualifizierung für Burkina Faso ein gutes Ansehen auf internationaler Ebene.
Burkina Faso nimmt seit 2001 am Prozess NEPAD
(New Partnership for Africa´s Developement) teil, einem Entwicklungsprogramm der Afrikanischen Union, in dem sich afrikanische Staaten der Eigenverantwortung, der Transparenz und der Rechenschaftspflicht verschreiben. Cord Jakobeit
fasst das bisher Erreichte zusammen.
Weitere wichtige Partner in der multilateralen Entwicklungszusammenarbeit sind:
Jörg Lange
, Mag., Dipl.-Ing., geb. 1959, wohnhaft in Bad Honnef, Theologe und Wasserbauingenieur, seit 1985 mehrjährige Aufenthalte in Burkina Faso, 17 Jahre lang in der EZ in Westafrika, 11 Jahre mit dem DED, seit 2009 selbständige Fachkraft in der EZ.
Anregungen, Kommentare, Kritik

Diese Länderseite wurde zum letzen Mal im Mai 2013 aktualisiert.
Weiterführende Literatur zu den Themen:
Die AIZ mit Sitz in Bad Honnef bietet mehr als 50 monatlich stattfindende Trainingskurse zu folgenden Themen an:
Gerne konzipieren wir für Sie maßgeschneiderte Trainingskurse, die sich an Ihren individuellen Bedürfnissen und Interessen orientieren. Wir freuen uns über Ihre Anfragen!