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Garnelefischerei  © Bendocchi Alves

Wirtschaft und Entwicklung

Alle wichtigen Strukturdaten zu Wirtschaft und Entwicklung
BeschreibungInhalt
BIP : 2013  2,503 Mrd. US$
Pro Kopf Einkommen (Kaufkraftparität):  ca. 12.643  US$
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI):  Rang 79 (2014)
Anteil Armut (unter 1,25  US$ pro Tag):  6,1 % (2013)
Einkommensverteilung (Gini-Koeffizient):  0,547 (2013)
Anteil alphabetisierte Erwachsene:  90,1 % (2012)

Inhalte dieser Seite

Das LIPortal

Brasilien

Wirtschaft

Wachstum des Bruttoinlandsprodukts in Brasilien. © Geografia para Todos.

Wirtschaftssystem und -sektoren

Entstaatlichung, Einbindung in die Weltwirtschaft und Währungsstabilisierung sind wesentliche Stichworte einer neuen Wirtschaftpolitik, die verschiedene Regierungen in Brasilien in den letzten beiden Jahrzehntenmit Nuancen verfolgten.

Hinzu kommt als wichtige Rahmenbedingungdie Reform des Staatsapparates, die allerdings zum großen Teil noch unvollendet ist. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Abbau struktureller Defizite im Haushalt und der Steigerung der Effizienz staatlicher Politikbereiche. Sie geht weit über die bloße Kürzung öffentlicher Ausgaben hinaus und umfasst beispielsweise die Umstrukturierung des Gesundheits- und Rentensystems, die Verbesserung des Bildungssystems und die Neuordnung des Beamtenapparates. Diese Reformen verlaufen bei weitem nicht geradlinig und sind immer wieder von Widerständen und Rückschlägen betroffen.

Die Modernisierungsprozesse in Politik und Wirtschaft beeinflussen sich dabei stark gegenseitig. Der Bertelsmann Transformations Index (BTI) der sich auch auf Brasilien erstreckt, erfasst beide Dimensionen sowohl quantitativ als auch qualitativ.
 

Die brasilianischen Ausfuhren

Wirtschaftspolitik

In den 1990-er Jahren vollzog sich in der brasilianischen Wirtschaftspolitik ein Kurswechsel von großer Bedeutung. Er stand im Kontext einer Neuorientierung politisch-gesellschaftlicher Entwicklungsvorstellungen die sich in mehreren lateinamerikanischen Ländern vollzog. Mit der Privatisierung staatlicher Unternehmen, der Öffnung zum Weltmarkt und dem Abbau von Marktmonopolen nahm Brasilien Abschied von einem Entwicklungsmodell, in dessen Zentrum der Staat als Unternehmer, Finanzier, Vormund und Behüter gestanden hatte. Der Umbruch ist noch nicht abgeschlossen. Seine Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft sind jedoch unübersehbar.

Während die Befürworter die wieder gewonnene Wettbewerbsfähigkeit der brasilianischen Wirtschaft und die Steigerung der ausländischen Investitionen hervorheben, verweisen Kritiker auf die sozialen Kosten des neuen, als neoliberal bezeichneten Entwicklungsmodells. Manche beklagen auch in der derzeitigen Wende wiederum eine mangelnde Kontinuität und machen verschiedene Reformblockaden dafür verantwortlich.

Einer der großen wirtschaftspolitischen Erfolge unter der Regierung Fernando Henrique Cardosos ist sicherlich die dauerhafte Überwindung der Inflation durch den "Plano Real" aus dem Jahre 1994. Es handelt sich um den vorläufig letzten und erfolgreichsten Reformplan um die wirtschaftliche Stagflationsphase - wirtschaftliche Stagnation bei gleichzeitiger Inflation - zu überwinden. Die Währungsstabilisierung hatte tief greifende Auswirkungen auf die Einkommenssituation, gerade der benachteiligten Bevölkerungsgruppe. In den vergangenen Jahren entwickelte sich Brasilien zur siebtgrößten Volkswirtschaft der Welt. 32 Millionen Brasilianern gelang der Aufstieg in die (untere) Mittelschicht. Trotzdem ist die soziale Ungleichkeit immer noch sehr groß und die Unzufriedenheit der Bevölkerung wächst. 

                   Inflationsrate (%)      Arbeitslosenquote (%)

20105,06,7
20116,66,0
20125,16,0
20136,25,3
20145,9

5,6

 Auch die Regierung Lula hat diesen Sparkurs gehalten und reagiert schon auf die geringsten Anzeichen eines Währungsverfalls mit Erhöhung der Zinsen und Haushaltskürzungen - auch wenn dies auf immer massivere Kritik aus den eigenen Reihen stößt.

Im Jahr 2007 erlebte Brasilien jedoch eine sehr positive Wirtschaftsentwicklung. Das reale Bruttoinlandsprodukt wuchs um 5,4%, d.h. zwei Prozentpunkte mehr als der Durchschnitt der beiden vergangenen Jahre. Die Landwirtschaft legte um 5,3% zu, die Industrie um 4,9%, die Exporte hat sich fast verdreifacht, die Investitionen stiegen um 13,4%, die Reserven in ausländischer Währung summierten 6 Mrd. US$ (Febr. 2008) und waren höher als die Auslandsschulden. Außerdem ist die Arbeitslosigkeit zurückgegangen und neue Arbeitsplätze wurden geschaffen.

Das Jahr 2008 brachte einige Veränderung mit sich: die Zahlungsbilanz schlägt um, und man erwartet ein schnelleres Defizitwachstum (ca. 22 Milliarden US-Dollar für dieses Jahr). Grund dafür war die Reduzierung des Außenhandelsüberschusses von 16. Milliarden US-Dollar auf 8 Milliarden im Jahr 2008. Die Aufwertung des Reals in den letzten Jahren, die der Import begünstigt hat, verdoppelte den Gewinntransfer von 8 auf 15 Milliarden US-Dollar. Die Analyse zeigt, dass der Agrobusinessund der damit direkt verbundenen Industrie für den Export des Landes an Bedeutung gewinnt, andererseits der industrielle Sektor Brasiliens nicht mehr so gewachsen ist wie in vorangegangenen Jahren.

"Pré-Sal", Öl- und Gasfelder in 3000 Meter Wassertiefe. © Geografia para Todos.

2009 wurden gigantische Öl- und Gasfelder vor den brasilianischen Küsten entdeckt. Sie liegen in 3000 Meter Wassertiefe und unter einer dicken Salzschicht, daher der Name "Pré-Sal". Brasilien besitzt keine Technologie um die Erdöllagerstätte auszubeuten und versteigt deswegen Förderlizenzen an internationale Erdölunternehmer.

Die Weltwirtschaftskrise, die seit Oktober 2008 die Welt erfasst hat, ist auch an Brasilien nicht spurlos vorbeigegangen. Besonders hart getroffen hat es den industriellen Sektor. Bereits im Dezember 2008 gaben 90% der Unternehmer an, von der Krise betroffen zu sein. Aber auch der Agrobusiness wurde betroffen, da die Landwirte auf kurzfristige Finanzierungen angewiesen sind. Im Vergleich mit dem ersten Quartal 2008 ist das BIP der Industrie in den ersten drei Monaten 2009 um 9,3% und das von der Landwirtschaft um 1,6% gesunken. Der gesamte BIP des Landes ist für den selben Zeitabschnitt um 0,8% gefallen. Um die Finanzkrise zu bekämpfen, hat die brasilianische Regierung im Dezember 2008 ein Konjunkturpaket in Höhe von umgerechnet 9,8 Milliarden Euro angekündigt.  Die Wirtschaft erlebte nach der Finanzkriese ein starkes Wachstum, die sich jedoch seit 2011 nicht mehr so schnell und dynamisch zeigt. In 2011 wuchs die Wirtschaft 2,7 Prozent.

Brasilien hat die Finanzkrise besser gemeistert als erwartet. Viele Faktoren haben zu dieser überraschenden wirtschaftlichen Entwicklung beigetragen. Der stabile und starke Binnenkonsum hat eine große Rolle gespielt, dadurch dass das Land nur zu 14% von Export abhängig ist. Außerdem interpretieren Experten die Entwicklung Brasiliens zur geringeren Abhängigkeit des US-Marktes - China ist heute der größte Handelspartner Brasiliens, als eines der Hauptgründer für die positive Krisenbewältigung. Des Weiteren haben die Stabilität der Finanzinstitute und der Währung auch dazu beigetragen, aber Brasilien erlebt derzeit einen starken Wachstumseinbruch: in 2012 wuchs das BIP nur 1% und in 20132%. Gleichzeitig stieg die Inflationsrate auf 6,5 Prozent und die Lebensmittelpreise um 13 Prozent. Laut neuster Umfrage der brasilianischen Zentralbank (BC) soll die Wirtschaft Brasiliens in diesem Jahr um 1,7 Prozent wachsen.

Deutsch-Brasilianische Wirtschaftsbeziehung

Brasilien ist nicht nur als Regionalmacht, sondern auch wegen des besonderen Gewichts der deutschen Investitionen vermutlich der wichtigste Ansprechpartner Deutschlands in Lateinamerika. Es befinden sich zurzeit  1200 deutsche Unternehmer in Brasilien, mit einem Investitionsvolumenvon ca. 25 Milliarden US-Dollar, die für rund 17% der industriellen Produktion des Landes verantwortlich sind. Der obligatorische Einschluss des Landes in deutsche Staatsbesuche auf dem Kontinent ist nur äußeres Kennzeichen dieses hohen Stellenwerts.

Die Europäische Union ist der größte Handelspartner Brasiliens mit einem Handelsvolumen von 82,3 Mrd. US$ (2010). Im Vergleich  beträgt  das Volumen mit China „nur“ 56,2 Mrd. US$ und mit den USA 46,5 US$. Daraus ergibt sich eine hohe Priorität für das Verhältnis zwischen Brasilien und der EU, die jedes Jahr in einem Gipfeltreffen Ausdruck findet. Im Oktober 2011 wurde in Brüssel das neue bilaterale Abkommen von unterzeichnet.  Zum ersten Mal stand 2010 allerdings ein Defizit auf brasilianischer Seite in der Bilanz des Außenhandels zwischen Brasilien und der EU.  Aus brasilianischer Sicht bestehen Schwierigkeiten beim Export landwirtschaftlicher Produkte, wegen des europäischen Marktzuganges und den Agrar-Subventionen, und beim Biotreibstoff.

PAC: Das Programm zur Beschleunigung des Wachstums

In der zweiten Amtszeit der Regierung Lula (Januar 2007), kündigte der Präsident das "Programa de Aceleração do Crescimento“ an, das dem Land Wachstumsimpulse und Verbesserung der  Lebensbedingungen vieler Menschen, besonders den Ärmeren, bringen sollte. Das Programm beabsichtigt die Verbesserung der veralteten Infrastruktur des Landes wie z.B. Verkehrwesen (Straßen, Flughäfen und Häfen), Energiegewinnung,  Stadtsanierung, Wasser- und Abwasserversorgung. Es sollten in den 4 Jahren seiner Amtzeit 503,9 Milliarden Reais (ca. 200 Milliarden Euro) in das PAC investiert werden. Dazu gehören auch ökologisch umstrittene Projekte, wie der Bau von Atomkraftwerken, Straßen im Amazonasgebiet und Großstaudämme. Das PAC wird von der Regierung Dilma Rousseff weitergeführt.

Laufende Mammut-Projekte, wie der Bau des Wasserkraftwerks Belo Monte im Bundesstaat Pará wegen der Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft sehr fragwürdige Plan, in dem die Regireung anstrebt, einen Arm des Flusses São Francisco abzuzweigen, um die Dürre-Region (Sertão) zu bewässern, zeigt dass die Regierung - trotz der lauten Gegestimmen aus der zivilen Bevölkerung - ihren strikten Kurs für das überholte Entwicklungsmodell, welches keine Kleinbauern, indianische Stämme und Ökologische Faktoren berücksichtigt, unbeirrt weiterführt.

Viele Maßnahmen des Programms bedürfen einer Zustimmung des Kongresses. Doch die schnelle Umsetzung einer Vielzahl von Projekten in verschiedenen Regionen beweist sich als sehr langwierig. Trotzdem wird das PAC als Marketing seitens der Regierung benutzt.  

Wie bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2014, wird die Olympischen Spiele 2016 das Land auch viel Kapital kosten. Der Staat stellte für die Modernisierung oder den Bau der Fußball-Stadien lediglich 4,2 Milliarden US-Dollar. Die Flughäfen, Autobahnen und Häfen müssen modernisiert werden und werden schätzungsweise 11 Milliarden Dollar benötigt.

Seit Beginn des FIFA-Konföderationen-Pokals (Juni 2013) in Brasilien erlebte das Land eine Welle von Protesten in verschieden Städten. Circa eine Millionen Bürger und Bürgerinnen gingen in allen Teilen des Landes auf die Straße um unter anderem gegen Korruption, teure Sportereignisse und gegen das schlechte Bildungs- und Gesundheitsystem zu demonstrieren. Während der  Fußball-Weltmeisterschaft gingen die Proteste weiter und die Regierung setzte gegen die Demonstrierenden brutale Polizeigewalt und Repression ein.  

Wasserkraftwerke in Amazonien. © Geografia para todos

PAS - Programm für ein nachhaltiges Amazonien

Plano Amazônia Sustentável PAS - Programm für ein nachhaltiges Amazonien.

Am 8. Mai 2008 unterzeichneten der damaligen Päsident Lula da Silva zusammen mit den Gouverneuren der Bundesländer Amazoniens (Acre, Amapá, Amazonas, Maranhão, Mato Grosso, Pará, Rondônia, Roraima und Tocantins) das Programm für ein nachhaltiges Amazonien – PAS, dessen Ziel es sei, die Richtlinien für eine nachhaltige Entwicklung des Amazonasbeckens zu definieren. Die Kompetenz für das Programm steht nicht dem Umweltminister zu, sondern dem Minister für Strategische Angelegenheiten. 

PAS sieht ein neues Entwicklungsmodell für die Region vor, das in fünf wichtige Achsen geteilt wurde:

Nachhaltige Produktion

Regelung des Grundeigentums

Sozialer Einschluss und Bürgerschaft

Infrastruktur und Entwicklung

Neues Finanzmodell

Außer der bereits von dem „Programa Aceleração do Crescimento“ (PAC) geplanten Projekte, schließt PAS darüber hinaus die „Operação Arco Verde“ ein, die 1 Million Reais für Aufforstungs- und Wiedererlangungsprojekte in degradierten Amazonasgebieten bereitstellen wird.

Entwicklung und Entwicklungspolitik

Rang der menschlichen Entwicklung (HDI), 2012. © Geografia para Todos.

Armut und Armutsbekämpfung

Vergangene Regierungen haben in der Sozialpolitik vor allem auf die staatlichen Dienstleistungen im Bereich Bildung und Gesundheit gesetzt. Die Ausweitung der Versorgung  im Gesundheits-  und Bildungsbereich über Jahrzehnte hinweg ist mit einem Qualitätsverlust einhergegangen. Die Mittel- und Oberschicht ist in diesen Bereichen längst auf private Anbieter ausgewichen, wodurch der redistributive Charakter der staatlichen Investitionen in diese Bereiche gestärkt wird. Weitere mangelhafte Sozialsysteme sind die der staatlichen Renten-, Krankheits- und Arbeitslosenversicherung, auch wenn es sich hier nur um eine minimale Grundversorgung für die Unter- und Mittelschicht handelt.

Schließlich sucht der brasilianische Staat seit langem, die regionalen Einkommensunterschiede durch spezielle Programme zu überwinden. Eigens dafür gegründete Institutionen wie SUDAM (Superintendência de Desenvolvimento da Amazônia) oder SUDENE (Superintendência Desenvolvimento do Nordeste) standen lange Zeit für die stärkere Anbindung des armen Nordostens an die Entwicklungslokomotive im Süden und Südosten. Vor allem durch Investitionsanreize sollte die wirtschaftliche Entwicklung des Nordens und Nordostens angekurbelt werden. Gleichzeitig aber häufte sich auch die Kritik am Programm, wegen falscher Anreizstrukturen, aber auch systematischer Mittelentwendung, was schließlich zur Auflösung von SUDAM und SUDENE durch den ehemaligen Presidenten Fernando Henrique Cardoso führte und durch die Regierung Lula mit einigen Veränderungen wieder eingeführt wurde. 

Auch der brasilianische Föderalismus sieht verschiedene Umverteilungsmechanismen im Rahmen von Sonderfonds für ärmere Länder und Gemeinden vor. Manche Munizipien finanzieren sich praktisch vollständig aus diesen Transferzahlungen.

Programme, die auf eine Umverteilung von Einkommen zielen, wie beispielsweise eine progressive Besteuerung des Einkommens und Sozialfürsorge haben nur eine geringe Bedeutung. Der Spitzensteuersatz für Privateinkommen liegt in Brasilien bei 27,5%.

Aufgrund dieser massiven Investitionen im sozialpolitischen Bereich und der anhaltenden krassen sozialen Unterschiede wurde immer wieder treffend bilanziert, der brasilianischen Staat gebe viel aber schlecht im sozialen Bereich aus. Im Zusammenhang mit der Diskussion um die Rolle des Staates in der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung kam eine jüngere Analyse sogar zum Schluss, dass der Staat eher eine Rolle der negativen Umverteilung eingenommen hat. Deshalb hatte seit geraumer Zeit die Suche nach Alternativen in der Sozialpolitik begonnen.

Eine dieser Alternativen besteht in Programmen, die sich am Bedarf der einzelnen Bürger orientieren. Diese Programme, basierend auf der Idee einer gesetzlich garantierten Sozialhilfe, bilden den Schwerpunkt von Lula Sozialpolitik. Die 'Bolsa Familia' wurde zum wichtigsten Aushängeschild der Regierung Lula.

Einkommenswachstum in Brasilien

Deutsche Organisationen

Zahlreiche deutsche Institutionen sind in Brasilien vertreten: die Deutsche Botschaft in Brasília und die Konsulate in Porto Alegre, São Paulo, Rio de Janeiro und Recife; die Goethe-Institute in Brasilia, Salvador, Rio de Janeiro, São Paulo, Curitiba und Porto Alegre, die für die Vermittlung der deutschen Sprache und von Informationen zu aktuellen Aspekten des kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Lebens in Deutschland verantwortlich sind. Es gehört noch dazu die Deutsch-Brasilianische Industrie- und Handelskammer, die vor allem im Südosten und Süden (Rio de Janeiro, São Paulo, Curitiba und Porto Alegre) präsent ist.

Die deutschen politischen Stiftungen sind seit lange in Brasilien aktiv. Sie fördern politische Bildung und die Aus- und Fortbildung politischer und gesellschaftlicher Nachwuchskräfte, wie z.B. die Friedrich Naumann Stiftung, Friedrich Ebert-Stiftung und die Rosa-Luxemburg-Stiftung in São Paulo und Heinrich-Böll- und die Konrad Adenauer-Stiftung in Rio de Janeiro. Erwähnenswert ist auch das Martius-Staden Institut in São Paulo, eine von Brasilien getragene Kultureinrichtung,  die auf den Kulturdialog mit Deutschend ausgerichtet ist. Bei diesen Institutionen finden sie Hinweise zu laufenden Veranstaltungen in Brasilien, aber auch Antworten auf praktischen Fragen. Die deutsche Kulturzusammenarbeit mit Brasilien besteht aus einer Mischung aus interkulturellem Dialog zwischen den Welten, Heimatpflege für Deutsche im Ausland und gezielter Standortpflege bei einem wichtigen Wirtschaftspartner.

Für den Bereich der Entwicklungszusammenarbeit mit Lateinamerika hat die Bundesregierung ein Lateinamerikakonzept ausgearbeitet, in dem die historisch-kulturelle Verbindung zu Europa betont wird. Die Reformen in den 1980er und 1990er Jahren hin zu mehr Demokratie und einem Umbau in Staat und Wirtschaft werden als positiv herausgestellt. Die Bewahrung der Ökosysteme mit ihrer globalen Bedeutung  und die Minderung der sozialen Ungleichheit zur Sicherung von Frieden und Demokratie werden aber weiterhin als strategische Herausforderungen einer nachhaltigen Entwicklung genannt. Lateinamerika gehört nicht zu den ärmsten Regionen der Welt, weist aber im globalen Vergleich die krassesten Unterschiede zwischen arm und reich auf. Die Hintergrundanalyse hebt hervor dass sich Korruption und organisierte Kriminalität dort breit machen wo gesellschaftliche und öffentliche Ordnungskräfte versagen. Die Stärkung der Zivilgesellschaft und die Modernisierung des Staatsapparates bilden den dritten Schwerpunkt deutscher Entwicklungszusammenarbeit in Lateinamerika.

Im Zusammenhang mit der neuen Definition Brasiliens als Globaler Entwicklungspartner (GEP) kommt es zurzeit zu einer Neuorientierung der deutschen Entwicklungszusammenarbeit mit Brasilien. Dieses kürzlich entwickelte Konzept des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung versteht GEPs als "Schwellenländer bzw. aufstrebende Länder, die zusätzlich über wesentliche Merkmale von Industrieländern verfügen und durch ihre geopolitische Bedeutung globale Prozesse im Rahmen der G-20-Formation gestalten." Die Kooperation zwischen Deutschland und den derzeitigen GEP-Ländern Brasilien, Mexiko, Indien, Südafrika und Indonesien soll dazu beitragen, soziale, ökologische und politische Ziele, insbesondere der Milleniums-Entwicklungsziele, zu erreichen.

Die bilaterale Zusammenarbeit Deutschlands mit Brasilien konzentriert sich auf die Schwerpunkte Schutz und nachhaltige Nutzung der Amazonas- und atlantischen Tropenwälder Brasiliens und die Förderung erneuerbarer Energien. Im ersten Bereich profitiert die deutsche EZ immer noch von der von Deutschland 1990 initiierten PPG7-Initiative zum Schutz der Tropischen Wälder, die jetzt in 2010 nach 15 Jahren ausläuft. Im Bereich Energie geht es darum, Brasilien trotz einer bereits sehr hohen Energieversorgung auf der Basis von Wasserkraft auch andere erneuerbare Energieträger wie Wind- und Sonnenenergie anzubieten, wo Deutschland besonderes Wissen und Technologien anzubieten hat. 

Wegen der steigenden Wirtschaftskraft Brasiliens hat die deutsch-brasilianischen Entwicklungskooperation in den letzten Jahren an politischer Bedeutung gewonnen. Das Land übernimmt selbst einen großen Teil der Kosten ihrer Entwicklungsprojekte. Seit seit einigen Jahre engagiert sich Brasilien in der Entwicklungszusammenarbeit mit anderen Ländern und ist ein wichtiger Partner für eine Dreieckskooperation geworden. Das Konzept der Dreieckskooperation besteht aus der Zusammenarbeit einer Industrienation mit einem Schwellenland in einem Entwicklungsland. Brasilien arbeitet mit Deutschland gemeinsam in Peru, Bolivien, Paraguay und Mosambik. Bei dieser Zusammenarbeit stellt Deutschland das technische Know-how und Brasilien das Lösungskonzepte für Probleme, die das Land selbst bewältigen muss.

Amazonia: Indigene Reservate
Amazonia: Indigene Reservate

Autorin

Débora Bendocchi Alves, Dr. phil., geboren 1959 in Brasilien. Studium der Geschichte und Pädagogik. Dozentin für brasilianische Geschichte an der Iberischen und Lateinamerikanischen Abt. des Historischen Seminars der Universität zu Köln.

Für Anregung und Kommentare wäre ich Ihnen dankbar.

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde im Juli 2014 zum letzten Mal aktualisiert.

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