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Afghanistan gehörte auch schon vor der sowjetischen Besetzung und den nachfolgenden Bürgerkriegen zu den wirtschaftlich und humanitär am wenigsten entwickelten Ländern der Erde. Über 30 Jahre Krieg haben diese Situation noch verschärft, erst seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001 zeichnet sich dank des massiven Engagements der internationalen Gemeinschaft eine allmähliche Verbesserung ab, gleichwohl das Land mit einem durchschnittlichen jährlichen Pro-Kopf-Einkommen von 585 US-$ und einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 48 Jahren immer noch zu der von den Vereinten Nationen definierten Gruppe der "Least Developed Countries" (LDCs)
zählt.
Die wirtschaftliche Aktivität in Afghanistan wird durch die naturräumlichen und klimatischen Gegebenheiten bestimmt. Der überwiegend gebirgige Landescharakter erschwert den Binnenverkehr und den landwirtschaftlichen Anbau. Die landwirtschaftliche Produktion wird zudem durch das aride bis semi-aride Klima eingeschränkt. Ohne einen Zugang zum Meer, ist Afghanistans Außenhandel entsprechend stark vom politischen Wohlwollen seiner Nachbarn, allen voran Pakistans, abhängig. Darüber hinaus macht seine zentrale Lage zwischen den Kultur- und Wirtschaftsräumen Vorder-, Zentral- und Südasiens, Afghanistan seit alters her (Seidenstraße) zu einem Transithandelsland schlechthin.
Das afghanische Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird für das Wirtschaftsjahr 2011/12 auf 18,2 Milliarden US-$ geschätzt.
Nach Wachstumsraten von über 20 % (2009/10) liegt das Wirtschaftswachstum für das Haushaltsjahr 2011/12 bei 5,7 %, der Rückgang ist vor allem auf witterungsbedingte Ernteausfälle zurückzuführen. Für das Wirtschaftsjahr 2012/13 wird ein Wachstum von 7,2 % erwartet. Auf längere Sicht wird jedoch lediglich ein Wirtschaftswachstum zwischen 4 und 5 % prognostiziert, so dass Afghanistan auch weiterhin auf die internationale Gebergemeinschaft angewiesen sein wird.
Wesentlich für das Wirtschaftswachstum ist der Dienstleistungssektor, der rund die Hälfte des BIP beisteuert. Hier wuchs die Kommunikationsbranche um 65 %, das Transport- und Logistikwesen um 23,1 % und der Wirtschaftszweig Finanzen und Versicherungen um 14,3 %.
Insgesamt hat der Dienstleistungssektor einen Anteil von 47,9 % am afghanischen BIP bei einem Erwerbstätigenanteil von ca. 10 %. Industrie und Handwerk haben einen Anteil von 22,2 %, wovon auf das Handwerk 13,1 % entfallen, mit einer Beschäftigung von ca. 10 % aller Erwerbspersonen. Die Landwirtschaft schließlich hat einen Anteil am BIP von 29,9 %, allerdings sind hier ca. 80 % der Erwerbsbevölkerung tätig.
Die Inflationsrate betrug 2011 ca. 11 % und ist damit im Vergleich zu den Vorjahren gesunken. Die Staatseinnahmen liegen bei niedrigen 7 bis 9 % des BIP, was die hohe Abhängigkeit von internationalen Gebermitteln verdeutlicht, da die laufenden Kosten für den Staatshaushalt von Afghanistan allein nicht beglichen werden können.
Erschwerend für die wirtschaftliche Entwicklung
Afghanistans sind die hohe Arbeitslosigkeit (geschätzte 35 %, 2008), Korruption und Vetternwirtschaft, die Drogenökonomie, die hohe Analphabetenrate sowie nicht zuletzt die angespannte Sicherheitslage.
Aktuelle Übersichten zur Wirtschaft und wirtschaftlichen Entwicklung Afghanistans liefern u. a.:
Der japanische Wirtschaftswissenschaftler Manabu Fujimura von der Asian Development Bank verfaßte Anfang 2004 die erste umfassende Darstellung der Wirtschaft
Afghanistans seit 1978. Vom selben Autor ist außerdem eine Einschätzung
der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung nach den Präsidentschaftswahlen vom Oktober 2004 verfügbar.
Afghanistans Landwirtschaft
beschränkt sich aufgrund der genannten topographischen und klimatischen Gegebenheiten im Wesentlichen auf die Gebirgsfußoasen am Nord-, West- und Südrand des zentralen Hochlandes, auf die Beckenlandschaften der Kabul-Region sowie auf die Flusstäler an der pakistanischen Grenze. Lediglich ca. 12 % der Landesfläche Afghanistans sind für den landwirtschaftlichen Anbau nutzbar. Es überwiegt der Regenfeldbau, da derzeit nur ca. 30 % der Ackerflächen bewässert werden; entsprechend ist die Landwirtschaft in hohem Maße von ausreichenden Niederschlägen abhängig.
Unter den angebauten Getreidearten dominiert der Weizen
gefolgt von Gerste. Vorzugsweise in den nordöstlichen Provinzen Baghlan, Kunduz, Takhar, Laghman, Nangarhar, Balkh und Kunar, aber auch im Westen in der Provinz Herat wird Reis
kultiviert. Er gehört neben Weizen, Gerste und Mais
zu den wichtigsten Nahrungsmittelpflanzen. Im Zuge der beginnenden agrarischen Modernisierung im 20. Jahrhundert wurden außerdem bisher in Afghanistan nicht heimische Feldfrüchte wie Kartoffeln eingeführt, ebenso Baumwolle als Rohstoffpflanze für die sich entwickelnde afghanische Textilindustrie.
Sortenvielfalt und Qualität des afghanischen Obstes werden von Landeskennern geschätzt. Bekannte Anbaugebiete sind die Oase von Herat (Weintrauben, Aprikosen
, Pfirsiche) sowie die Schomali-Ebene
nördlich von Kabul (Weintrauben). Berühmt sind auch die Granatäpfel
, Aprikosen und Weintrauben aus der Oase von Kandahar, sowie die Äpfel, Aprikosen und Weintrauben aus dem Panshir-Tal.
Eine Verwertung für den Export scheiterte allerdings bisher häufig an der unzureichenden Weiterverarbeitung der Früchte, so dass afghanisches Obst außerhalb der Landesgrenzen nur selten angeboten wird.
Neben der Vielzahl von Obstsorten spielen aber auch noch Trockenobst (insbesondere Rosinen), Mandeln, Pistazien und Walnüsse in der afghanischen Landwirtschaft eine wesentliche Rolle. Auch ist der Anbau von Melonen, Zwiebeln, Kartoffeln und Tomaten zu nennen.
Die Provinz Herat ist außerdem eines der Hauptanbaugebiete für die afghanische Safran-Produktion
. Seit ein paar Jahren wird diese Krokus-Art auch in der Provinz Ghazni
angebaut. Safran wird sowohl als Gewürz als auch als Färbemittel oder als Bestandteil von Parfums genutzt; auch werden ihm in der Medizin heilende Eigenschaften nachgesagt. Der Anbau
ist allerdings sehr arbeitsintensiv, die Ernte ist reine Handarbeit und der geerntete Safran muss sehr sorgfältig behandelt werden, damit er keinen Schaden nimmt. Im Vergleich zu anderen landwirtschaftlichen Anbauprodukten ist die Kultivierung von Safran aber weniger bewässerungsintensiv, so dass mit den vorhandenen Wasserressourcen nachhaltiger umgegangen werden kann.
Viehzucht
wird in Afghanistan größtenteils extensiv betrieben. Paschtunische Nomaden ziehen mit ihren Schafherden in Wanderwirtschaft zwischen den Sommerweiden des zentralen Hochlandes und den wintermilden Steppen des Südwestens bzw. der pakistanischen Indusebene umher. Die Rinderhaltung spielt demgegenüber eine geringere Rolle, man findet sie häufig als Nebenerwerb bei den Kleinbauern der bewässerten Flussoasen. Erwähnenswert ist außerdem die Zucht von Karakulschafen zur Pelzgewinnung, die Pferdezucht ist in den hauptsächlich von Usbeken und Turkmenen bewohnten Nordprovinzen üblich. Kleinviehhaltung (Hühner, Ziegen) ist im ganzen Land bis in städtische Milieus hinein verbreitet.
Wie alle anderen Wirtschaftszweige ist auch die afghanische Landwirtschaft durch die Kriege der vergangenen Jahrzehnte schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Hinzu kam eine verheerende Dürreperiode in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre, die insbesondere zahlreiche Nomaden zur Aufgabe ihrer traditionellen Lebensweise zwang. Die schwerwiegendste Beeinträchtigung der Landwirtschaft durch Kriegsfolgen stellt nach wie vor die Verminung eines nicht geringen Teils der für Ackerbau nutzbaren Fläche Afghanistans dar; dazu kommt namentlich in den Provinzen des Südwestens (Kandahar, Helmand) auch eine großräumige Zerstörung der vorher vorhandenen Bewässerungsanlagen. Da Mohn im Hinblick auf Bodenfeuchtigkeit wesentlich geringere Ansprüche stellt als Weizen oder gar Reis, ist letzterer, neben dem deutlich höheren erzielbaren Einkommen, der Hauptgrund für die drastische Zunahme des Opiumanbaus in Afghanistan während der letzten 15 Jahre.
Die Betriebsstruktur der afghanischen Landwirtschaft ist weithin durch kleinbäuerliche Familienbetriebe mit Subsistenzwirtschaft geprägt, lediglich in den Nordprovinzen findet sich auch Großgrundbesitz in nennenswertem Umfang. Kapitalmangel und die Zersplitterung der Anbauflächen in kleine und kleinste Parzellen, bedingt durch die Realteilung im islamischen Erbrecht, erschweren die Mechanisierung erheblich.
Die Prospektierung und Erschließung der Bodenschätze
Afghanistans steckt ungeachtet gewisser Fortschritte in den Jahrzehnten vor der sowjetischen Besetzung noch in den Anfängen. Abgesehen von den seit frühgeschichtlicher Zeit genutzten Lapislazuli-Vorkommen in Sar-e-Sang in der Provinz Badakhshan, spielt lediglich die Erdgasgewinnung eine Rolle für den Export. Von den Erdgasfeldern bei Khwaja Gogerdag (Provinz Jozjan) führt seit den 1960er Jahren eine Pipeline nach Zentralasien. Erwähnenswert sind ferner Steinsalzlager bei Taloqan (Provinz Takhar) und Steinkohle bei Ishpushta (Provinz Bamiyan). Sehr ergiebige und hochwertige Eisenerzvorkommen existieren am Hajigak-Pass
(Provinz Bamiyan), allerdings verhinderte bis heute, neben dem Krieg, die Unzugänglichkeit der Region den Abbau. In jüngster Zeit begannen Vorbereitungen zur Erschließung ausgedehnter Kupfererzlager bei Aynak
in der Provinz Logar; ein chinesisches Bergbauunternehmen erhielt 2008 den Zuschlag zur Ausbeutung der Lagerstätten.
2010 wurden nach Prospektierungen durch US-amerikanische Geologen außerdem ausgedehnte Vorkommen
von u. a. Lithium, Gold
, Molybdän, Aluminium und Seltenen Erden
in verschiedenen Landesteilen bekannt; der Marktwert
dieser Vorkommen beläuft sich Schätzungen zufolge auf bis zu 3 Billionen (!) US-Dollar.
Als Brennstoffe werden traditionell Holz und Tierdung verwendet. Das enorme Bevölkerungswachstum während der letzten 50 Jahre führte, auch aufgrund des damit einhergehenden rapide zunehmenden Brennholzbedarfs, zu einer weitgehenden Dezimierung
der ursprünglich vorhandenen Wald- und Buschwaldvegetation. Die Versorgung der Bevölkerung mit elektrischem Strom, schon früher auf die größeren Städte beschränkt, ist durch den Krieg weitgehend zusammengebrochen. Vorhandene Wasserkraftwerke (z. B. Sarobi, Darunta) wurden in den letzten Jahren teilweise instand gesetzt, bis jetzt ist jedoch nicht einmal der bescheidene Stand der 1970er Jahre wieder erreicht,so dass die Hauptstadt Kabul seit Anfang 2009 über eine Hochspannungsleitung von Tadschikistan und Usbekistan aus mit Strom versorgt wird. In den meisten Landesteilen kommt es täglich zu Stromausfällen (soweit überhaupt Anschluss ans Stromnetz
besteht), so dass private Verbraucher sich soweit möglich mit Dieselgeneratoren behelfen, deren Abgase in Städten erheblich zur Luftverschmutzung beitragen. Vor allem in den besonders unruhigen Südprovinzen hat die mangelhafte Sicherheitslage bisher überhaupt eine Wiederinstandsetzung der Infrastruktur zur Energieerzeugung in nennenswertem Umfang verhindert. Als Beispiel hierfür ist der seit Jahren zwischen Taliban und Koalitionstruppen umkämpfte Kajakai-Staudamm
nordwestlich von Kandahar zu nennen.
Die Möglichkeiten zur Nutzung von Wasserkraft sind aufgrund des ariden Klimas beschränkt; Potenzial zur Ausweitung der Stromerzeugung liegt am ehesten in der Solartechnik
. Dazu kommt vor allem in den westlichen Landesteilen (120-Tage-Wind während der Sommermonate) die Windenergienutzung
. Unter den gegenwärtigen prekären Sicherheitsverhältnissen ist jedoch an derartige Vorhaben im großen Stil vorerst nicht zu denken.
Die Anfänge der Industrialisierung Afghanistans setzten um 1900 herum ein, systematische Industriepolitik begann jedoch erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Trotzdem blieben die Industrieansiedlungen bis zum Beginn der sowjetischen Besetzung unbedeutend, im Wesentlichen handelte es sich um Textil-, Lebensmittel- und Zementfabriken, die sich wiederum größtenteils auf Kabul und die nördlichen Provinzen Balkh, Kunduz und Baghlan konzentrierten. Während der nachfolgenden kriegerischen Auseinandersetzungen wurde auch die afghanische Industrie größtenteils zerstört.
Das traditionelle Handwerk spielte demgegenüber eine größere Rolle; einzelne Produkte wie etwa Teppiche waren bzw. sind inzwischen wieder für den Außenhandel relevant. An regional bedeutenden Handwerksbranchen sind bzw. waren die Messer- und Klingenherstellung in Charikar (Provinz Parwan), Keramik in Istalif
(Provinz Kabul) sowie Glasereien in Herat zu nennen. Das afghanische Handwerk stand jedoch bereits in der Vorkriegszeit unter starkem Konkurrenzdruck durch importierte billige Industrieware aus Indien und China. Seither ist die Produktion - wiederum natürlich auch bedingt durch die Kriegswirren und die damit verbundenen Flüchtlingsbewegungen - stark eingebrochen.
Durch seine geographisch einmalige Lage als Übergangsland zwischen Vorder-, Zentral-, Ost- und Südasien bedingt, war Afghanistan seit jeher ein Land des (Transit-)Handels. Dies gilt auch wieder für die Gegenwart, umso mehr, als dass zum einen nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion die nunmehr unabhängigen Staaten Zentralasiens sich für wirtschaftliche Beziehungen zur Außenwelt öffneten; zum anderen sind aufgrund der Zerstörungen der Kriegsjahre (und auch aufgrund einer bislang weithin fehlenden staatlichen Industriepolitik der Regierung Karzai) wenig andere Erwerbsquellen übriggeblieben waren.
Daher wundert es nicht, dass die Profiteure der Nach-Taliban-Ära ihre (häufig im Drogenhandel entstandenen) Einnahmen vorzugsweise im Handelssektor reinvestierten. In Städten wie Kabul und Herat (weniger im nach wie vor von Kämpfen zwischen Taliban und Koalitionstruppen erschütterten Kandahar) wachsen die futuristischen Glaspaläste luxuriöser Einkaufszentren aus dem Boden, die Märkte der Städte quellen über von legalen und weniger legalen Importwaren aus Pakistan, Indien und China. Diese Renaissance des afghanischen Handels entspricht der vor allem bei den Paschtunen, der zahlenmäßig wie politisch in Afghanistan dominierenden Volksgruppe verbreitenen traditionell höheren Wertschätzung kaufmännischer gegenüber handwerklicher oder gar industrieller Tätigkeit. Auch vor dem Krieg waren es Paschtunen, häufig ehemalige Nomaden, die das mit dem Bau moderner Autostraßen aufkommende Speditionsgewerbe dominierten.
Ein Meilenstein für die Wiederbelebung des afghanischen Transithandels ist das am 19. Juli 2010 von den Regierungen Afghanistans und Pakistans unterzeichnete Afghanistan-Pakistan Transit Trade Agreement (APTTA
), das, nach sich über 45 Jahre hinziehenden Verhandlungen, erstmals afghanischen Spediteuren freien Warenverkehr durch Pakistan nach Indien erlaubt.
Zu den größten Herausforderungen für die Entwicklung der afghanischen Nachkriegswirtschaft gehört das Problem des Drogenanbaus und -handels mit den daraus resultierenden Belastungen für die sich entwickelnde afghanische Zivilgesellschaft wie Korruption und durch Drogengelder finanzierte terroristische Aktivitäten.
Eine umfassende Einführung in die Problematik stellt die Dokumentation The Opium Economy in Afghanistan
des United Nations Office on Drugs and Crime (UNODC) dar. Einen aktuellen Überblick über die Drogenproblematik enthält der Afghanistan Opium Report
der Weltbank.
Nicht minder wichtig für die Entwicklung der afghanischen Wirtschaft ist die Wiederherstellung der durch 25 Jahre Krieg weitgehend zerstörten Infrastruktur. Eine erste Übersicht (mit weiterführenden Links) hierzu gibt das Factsheet "Restoring Infrastructure
" der staatlichen US-Entwicklungshilfeagentur USAID.
Unabdingbar für das Funktionieren des privatwirtschaftlichen Sektors ist auch eine verläßliche Rechtsordnung, die die Wirtschaftsakteure vor willkürlichen Eingriffen in ihre Autonomie schützt. Einen Überblick über die Probleme beim Aufbau des Rechtswesens in Afghanistan gibt der Artikel "Building a Post-War Justice System
in Afghanistan" von Ali Wardak.
Die Grundlinien der Zusammenarbeit zwischen der internationalen Gemeinschaft und der afghanischen Regierung beim zivilen Wiederaufbau Afghanistans wurden auf Geberkonferenzen 2002, 2004 und 2006 in Tokio, Berlin und London festgelegt; im April 2008 legte die afghanische Regierung ihre "Afghan National Development Strategy"
(ANDS) vor.
Die durch die Geberländer zur Verfügung gestellten Geldmittel fließen über den unter anderem durch die Weltbank betriebenen Afghanistan Reconstruction Trust Fund
(ARTF) der afghanischen Regierung zu, die damit landesweite Entwicklungsprojekte finanziert; ein erheblicher Teil der ausländischen Hilfe erreicht jedoch ohne Beteiligung des afghanischen Staates ihre Adressaten.
Am 20. Juli 2010 fand erstmals eine internationale Geberkonferenz in Kabul statt; die afghanische Regierung gab dabei ihr Ziel bekannt, zukünftig 50 % der ausländischen Hilfsgelder selbst zu verteilen.
Zu den erfolgreichsten von der afghanischen Regierung durchgeführten Entwicklungsmaßnahmen gehört das National Solidarity Programme
(NSP), das bereits 2003 begonnen wurde und bis heute Zehntausende lokaler Entwicklungsprojekte im ländlichen Raum fördert und koordiniert.
Die deutsche Entwicklungshilfe in Afghanistan hatte ihre Anfänge
bereits in den 1930er Jahren; nach dem 2. Weltkrieg war Afghanistan jahrzehntelang das Land mit dem höchsten Anteil am westdeutschen Entwicklungshilfe-Etat. Nach der sowjetischen Invasion Ende 1979 ruhte die Entwicklungszusammenarbeit zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Afghanistan, um nach der Machtübernahme der Mujahedin 1992 wieder aufgenommen zu werden, wenn auch zunächst unter durch den Bürgerkrieg erschwerten Bedingungen.
Seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001 beteiligt sich Deutschland
wieder erheblich am Aufbau des Landes und an der Entwicklungszusammenarbeit mit Afghanistan. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ
), die seit Anfang 2011 die Tätigkeiten der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED) und der Internationalen Weiterbildung und Entwicklung (Inwent) vereint, das Centrum für internationale Migration und Entwicklung (CIM
) und die KfW Entwicklungsbank
arbeiten dabei ebenso wie zahlreiche Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) Hand in Hand.
Einige Hilfsorganisationen haben sich beim Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen (VENRO
) zur Arbeitsgruppe Afghanistan zusammengeschlossen, um ihre Erfahrungen auszutauschen und ihr Handeln zu koordinieren. Hierzu gehören:
Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD
) ist seit 2002 im Rahmen des Programms ‚Stabilitätspakt Afghanistan’ mit dem akademischen Wiederaufbau in Afghanistan beauftragt.
Aber auch politische Stiftungen sind in Afghanistan aktiv, so zum Beispiel die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES
), die Heinrich-Böll-Stiftung (HBS
) und die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS
).
Seit 2003 bietet auch das Goethe-Institut
in Kabul wieder Kultur- und Bildungsprogramme an, um den nachhaltigen Wiederaufbau der afghanischen Kultur und den kulturellen Austausch zwischen Deutschland und Afghanistan zu fördern.
Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im April 2013 aktualisiert.
Weiterführende Literatur zu den Themen:
Das BMZ veröffentlicht im mehrmonatigen Abstand den Afghanistan-Newsletter, der Einblicke in die deutsche Entwicklungzusammenarbeit mit Afghanistan liefert:
Die AIZ mit Sitz in Bad Honnef bietet mehr als 50 monatlich stattfindende Trainingskurse zu folgenden Themen an:
Gerne konzipieren wir für Sie maßgeschneiderte Trainingskurse, die sich an Ihren individuellen Bedürfnissen und Interessen orientieren. Wir freuen uns über Ihre Anfragen!